Teilnahmslosigkeit - meine Mutter macht nichts

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  • Hallo Herr Gust, hallo Frau Sachweh, ich habe folgende Frage an Sie: Allgemein gelingt uns die Pflege meiner Mutter (82) recht gut Zuhause. Das Problem, dass mir immer mehr zu schaffen macht ist, dass meine Mutter scheinbar immer weniger Interessen hat. Sie wirkt manchmal abwesend, interessiert sich für nix, ist kaum zu irgendwas zu kriegen. Es ist nicht so, dass sie nicht ansprechbar wäre. Sie ist wach und alles, aber es scheint, als sei ihr zunehmend alles egal. Was können wir tun?

    • Offizieller Beitrag

    Sehr geehrte Frau Gross,


    die Teilnahmslosigkeit die Sie beschreiben würde wahrscheinlich im Fachjargon „apathisches Verhalten“ genannt werden. Je nach dem welche Art von Demenz vorliegt, kommt dies im Lauf der Erkrankung sehr häufig vor und kann unterschiedliche Ursachen haben. Bei Alzheimerpatienten betrifft das bei entsprechender Krankheitsdauer sogar zwischen 60 und 90%, glaubt man einschlägiger Fachliteratur.
    Es ist gut, dass Sie dies als Problem identifizieren und nicht etwa als „Erleichterung“, weil ein Mensch mit Demenz bei diesem Verhalten zunächst (scheinbar) weniger „Arbeit“ macht.
    Das Problem mit der Apathie ist, dass sie zum Verlust von Fähigkeit führt bzw. dies beschleunigt.
    Für den Anfang sollten Sie mit bzw. durch den behandelnden Facharzt klären lassen, ob hier möglicherweise eine Depression oder ein Delir zugrunde liegt, damit er eine entsprechende Behandlung durchführt. Weiter wäre es wichtig, dass er abklärt, ob die Teilnahmslosigkeit vielleicht auf Nebenwirkungen von Medikamenten zurückzuführen ist.
    Sie müssten selbst einmal prüfen, ob möglicherweise eine Unter- oder auch Überversorgung vorliegt. Manchmal kümmern wir uns in unserer Sorge um die Betroffenen nämlich auch zuviel oder nicht in der richtigen Weise – Stichwort „aktivierende Pflege“.
    Lassen Sie Ihre Frau Mutter also so viel als möglich selbständig tun, egal ob im Haushalt, bei der Körperpflege oder anderen Verrichtungen. Was man noch selbst kann, muss man auch selbst tun.
    Achten Sie ggfs. auf die Tagesstruktur und die Anforderungen, die der Tag überhaupt mitbringt an Ihre Frau Mutter – hat sie einen Grund, „irgendetwas“ zu tun?
    Dies ist häufig eine Crux in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern. Wie sieht der Schlaf-Wachrhythmus aus? Ist dieser einigermaßen im Gleichgewicht, so dass Ihre Frau Mutter tagsüber ausgeschlafen hat?
    Ebenfalls müssten Sie einmal darauf schauen, ob Ihre Frau Mutter ausreichend trinkt und isst.


    Und: versuchen Sie, falls nicht ohnehin schon geschehen, möglichst "Angebote" zu finden, bei denen Ihre Frau Mutter an frühere Gewohnheiten und auch Pflichten(!) anknüpfen kann, gerade der eigene Haushalt bietet da eine Vielzahl von Möglichkeiten.


    Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.


    Mit freundlichen Grüßen


    Jochen Gust

    • Offizieller Beitrag

    Hallo liebe Frau Gross,


    von mir nur eine kleine Ergänzung oder eigentlich Frage als Anregung zum genauen Hinschauen auf körpersprachliche Signale: Wirkt denn Ihre Mutter traurig oder depressiv im Nichtstun(Wollen), oder gut zufrieden? Reagiert sie achselzuckend auf Vorschläge und Angebote, oder gar ärgerlich? Schaut sie Sie nur fragend und verständnislos an...?


    In gespannter Erwartung einer Antwort


    S. Sachweh

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