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  • Liebes Team,
    mein Vater ist bereits im fortgeschrittenem Demenz-Stadium. Er ist in der Nacht (meistens 3h) wird er wach und geistert umher und anstelle die Toilette zu benutzen hat er auch schon in einer Ecke vom Schlafraum sein Geschäft verrichtet. Wie kann meine Mutter ihn ruhiger bekommen ohne weitere Medikamenten-Cocktails? Er ist auch sehr bockig, wenn es um das Hinsetzen auf die Toilette geht. Wie könnte man ihn dazu bewegen dies wieder zu tun? Vielleicht können Sie mir ja Tipps und Tricks mitteilen, würde mich freuen. Besten Dank und ich möchte nicht unerwähnt lassen, wie toll ich Ihren Internet-Link finde. Ganz toll, weiter so.
    GLG Hummel67

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hummel67,


    die Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus ist leider krankheitstypisch, ebenso wie das Nicht-mehr-Erkennen der Toilette und die Verrichtung der Notdurft an anderen Stellen.


    Zunächst einmal könnte Ihre Mutter versuchen, an alte Rituale anzuknüpfen - weiß sie etwas darüber, wie Ihr Vater in der Kindheit von seiner Mutter zu Bett gebracht wurde? Gab es eine heiße Milch mit Honig, ein vorgesungenes Schlaflied, ein Abendgebet? Und wie hat sie es mit Ihnen gemacht, als sie klein waren? Gab es da ein Vorlese- oder anderes Ritual?


    Manchmal kann man einen Teil der Unruhe abfangen, wenn man mit den Betroffenen schunkelt (sie halb ihn den Arm nimmt und eine gleichmäßige, rhythmische Bewegung anbietet), oder mit ihnen z.B. in einer Hollywoodschaukel schaukelt.


    Und zum Thema Toilette: Männer, die ihr Lebtag im Stehen Waser gelassen haben, die unter Umständen ein Urinal "normal" finden, kann man nur schwer umerziehen - das sieht man ja bereits an den kognitiv noch gesunden Exemplaren... ;)
    Manche Angehörige haben dann größere Erfolge, wenn der Sitz vorgewärmt wird. Und wenn ein Nachtlicht den Weg zum Klo weist, oder wenn man ein schwaches Licht im Badezimmer die Nacht über brennen lässt...
    Zudem müssen Sie vielleicht die Toilettenbrille schlicht sichtbarer machen: Früher waren die nämlich alle aus Holz oder schwarz. Heute sind sie meist weiß - und wenn dann der Rest der Bad-Einrichtung auch weiß ist und die Wand- und Bodenfliesen ebenfalls weiß sind, sieht ein Mensch mit Demenz auf Grund der gestörten Verarbeitung der optische Sinnesreize sie einfach gar nicht. Trick 17 in manchen Einrichtungen ist auch, Klosteine (diese selber stinkenden, Möchtegern-Geruchsverhinderer) zu benutzen - da werden die Betroffenen sozusagen mit der Nase Richtung Toilette geleitet.


    Vielleicht hilft etwas davon?


    Es grüßt Sie herzlich
    S. Sachweh

  • vielen lieben Dank Swenja Sachweh,
    werde mir dies mal vor Augen halten in Sachen den Deckel anzuwärmen. Mein Vater hat immer im sitzen sein Geschäft verrichtet und übt dies erst seit ca. 1/2 Jahr aus. Aber er meint immer mal, der Sitz wäre zu kalt.
    Auch vielen Dank in Sachen Rituale.....
    Werde selbstverständlich berichten und bis dahin weiter so und einen tollen Tag.
    LG Hummel67

    • Offizieller Beitrag

    Sehr geehrte Hummel67,


    hier können Sie sich zehn erste Schritte in Sachen Ein- und Durchschlafstörungen bei Menschen mit Demenz anschauen:
    http://www.alzheimerforum.de/2/3/10/demenzschlafAF.pdf
    Da es meistens gegen 3 Uhr nachts der Fall ist, geht Ihr Herr Vater möglicherweise auch zu früh zu Bett. Das Schlafbedürfnis eine dementen Menschen kann auf durchschnittliche sechs Stunden absinken - d.h. für seine Verhältnisse hat er vielleicht einfach "ausgeschlafen". Ein- und Durchschlafstörungen gehören leider häufig dazu, wir Menschen haben verschiedene "Zeitgeber", die uns in einem bestimmten Rhythmus wach sein oder eben schlafen lassen. All dies wird im Rahmen einer Demenz aber beeinträchtigt, so dass bestimmte Verschiebungen im Schlaf-Wachrhythmus nicht untypisch sind.
    Und einmal gefragt: bleibt er dann die ganze Nacht wach? Könnte man ihn z.B. auch eine stunde wach sein lassen, etwas zu essen und zu trinken bereitstellen, seine Lieblingslektüre vielleicht dazu...., es eventuell so gestalten, dass Ihre Frau Mutter weiterschlafen kann, selbst wenn er wach ist?
    Sollte Ihr Herr Vater sich eine Ecke des Zimmers im Lauf der Zeit aussuchen, und dort häufiger bzw. regelmäßig "zur Toilette" gehen, kann ees auch ratsam sein dort einen Toilettenstuhl oder schlicht einen mit einer Tüte ausgekleideten Eimer aufzustellen. Auch das hat sich in der Praxis bewährt.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

  • Guten Morgen Herr Gust,
    auch Ihnen lieben Dank für die Info, werde mir die pdf-Datei gleich mal ausdrucken und verinnerlichen.
    Meinen Vater versuchen wir sehr lange wach zu halten, was uns, aufgrund der medikamentösen Einstellung wohl, nicht immer gelingt. Er schläft auch in der Tagespflege sehr häufig und in der letzten Zeit doch recht lange (bis zu 4h). Selbst wenn wir ihn langsam wach machen wollen, er ist so tief am schlafen, da bekommt er definitiv nichts mit und so ein Tiefschläfer war mein Vater sonst nie gewesen. Macht mir schon etwas Angst. Meine Mutter kann - ein Glück den Raum zum Weiterschlafen wechseln, dennoch ist er dann ab 10h wie erschlagen und kann sich kaum auf den Beinen halten. Denke da müssen wir dran arbeiten um herauszufinden, was ihn ablenkt und evtl. von weiteren Herumgeistern in der Nacht abhält. Besten Dank und ein schönes WE.
    GLG Hummel67

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hummel67,


    bekommt er denn Medikamente um Ein- oder Durchschlafen zu können?
    Falls ja, und gerade wenn noch andere Medikamente eingenommen werden müssen, würde ich diese einmal in einer Gesamtschau überprüfen lassen (von einem Facharzt). Möglicherweise liegt, wenn er so schwer erweckbar ist, auch ein sog. Medikamentenhangover vor.
    Falls Medikamente zum Ein- oder Durchschlafen gegeben werden, ist auch zu beachten, dass die meisten davon auch entspannend auf die Muskulatur wirken. Dies kann die Sturzgefahr nach dem Aufwachen erhöhen.


    Es grüßt


    Jochen Gust

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