Erbrechen durch Demenz?

  • Guten Abend,


    ich habe ein Problem, das zwar nicht direkt mit Diagnose oder Therapie der Demenz zu tun hat, aber dennoch am besten in diese Kategorie passt:


    Meine Großmutter (85) leidet an Demenz und ist sein einigen Monaten in einem Seniorenheim untergebracht. Dort isst und trinkt sie aufgrund von Appetitlosigkeit recht wenig, aber genug. Vor vier Wochen begann sie plötzlich zu erbrechen und nachdem dieser Zustand nach zwei Wochen nicht aufhörte, wurde sie ins Krankenhaus gebracht. Dort stellte man nach einer Magenspiegelung eine Gastritis und Duodenitis infolge einer Infektion mit Helicobacter Pylori fest. Diese wurde therapiert (Triple-Therapie) und ist laut ärztlicher Aussage beseitigt.


    Dennoch erbricht meine Großmutter weiterhin (allerdings nicht immer), nachdem sie etwas gegessen hat. Die Ärzte erklären das anhaltende Erbrechen mit der Demenz und empfehlen, eine PEG-Sonde legen zu lassen, um eine ausreichende Ernährung im Heim zu gewährleisten. Nun habe ich im Internet gelesen, dass in diesem Zusammenhang hauptsächlich Schluckstörungen auftreten und das auch erst in einem recht späten Stadium der Demenz, in dem meine Großmutter augenscheinlich noch nicht ist. Sie wird mit Rivastigmin (4,6) behandelt und weiß zwar ihr Alter oder den Monat manchmal nicht mehr, weiß aber wer und wo sie ist, wie sie heißt, erkennt ihre Angehörigen und kann sich sogar manche neuen Dinge noch merken. Daher meine Fragen: Ist es möglich, dass in einem solchen Stadium der Demenz bereits solche Probleme bei der Nahrungsaufnahme auftreten? Und: Ist es auch möglich, dass sich das durch ein Erbrechen bereits aufgenommener Nahrung (z.B. durch Reflux und dann nicht mehr funktionierenden Schluckreflexen) äußert, ohne dass Probleme beim Schlucken auftreten? Wir sind etwas ratlos, da die Ärzte erklären, sie seien Internisten und könnten uns zu solchen neurologischen Fragen keine Angaben machen. Daher haben wir das Gefühl, dass die PEG eher eine Verlegenheitslösung "auf gut Glück" ist. Andererseits hat sich der geistige Zustand meiner Großmutter ganz enorm verbessert, seit sie künstliche Ernährung durch Infusionen erhält. Vielleicht könnte dieser Zustand mit einer PEG vorerst stabilisiert werden. Voraussetzung ist natürlich, dass das Erbrechen überhaupt die Demenz bzw. Schluckstörungen als Ursache hat. Andernfalls würde sie ja auch mit PEG weiter erbrechen.


    Ich hoffe, Sie können mir mit einer kompetenten Einschätzung weiterhelfen.


    Herzlichen Dank!

    • Offizieller Beitrag

    Sehr geehrte Fragenstellerin, sehr geehrter Fragensteller,


    denkbar ist auch eine Verkettung mehrerer Umstände. Unter der Behandlung mit sogenannten Acetylcholinesterasehemmern kann es bei einigen Patienten ebenfalls zu Unverträglichkeiten einschließlich Übelkeit und Erbrechen kommen. Wenn also die zuvor diagnostizierte Gastritis u. Duodenitis aufgrund einer Helicobacter pylori Infektion nunmehr suffizient therapiert wurde wäre die Medikation von Rivastigmin kritisch zu prüfen. Ein Auslassversuch von einigen Tagen Dauer könnte dann klären, ob die Übelkeit evtl. doch medikamentenassoziiert ist. Längerfristig sollte dann über eine alternative antidementive Medikation nachgedacht werden, um den Therapieerfolg bzgl. des Erhalts der kognitiven Leistungsfähigkeit nicht zu gefährden.


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

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