Beiträge von elmarkaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin, sehr geehrter Fragensteller!


    Das wichtige Thema einer angemessenen und nebenwirkungsarmen Schmerztherapie bei Patienten mit dementiellen Erkrankungen wird leider immer noch zu wenig diskutiert und wahrgenommen. In der unterstützenden Behandlung verschiedener Schmerzsymptome haben Cannabinoide inzwischen grundsätzlich einen wichtigen Stellenwert eingenommen. Allerdings ist auch bekannt, dass die sogenannten psychotropen Wirkungen - also Effekte, die sowohl die Neurokognition, als auch andere Hirnleistungsfähigkeiten und sogar das Verhalten und Erleben beeinflussen - durchaus vielfältig sein können. Diese Auswirkungen sind nicht nur von der jeweiligen Dosis abhängig, sondern können schon bei geringen Dosierungen im Fall einer regelmäßigen Einnahme vorhanden sein. Und genau darauf lässt sich ein mögliches Problem bei der Verschreibung von Cannabinoiden bei dementiellen Erkrankungen zurückführen.


    Je nach individueller organischer Schädigung des Gehirns - also z.B. dem Ausmaß des Abbauprozesses im Rahmen einer Alzheimer-Demenz - kann zwar von einer wahrscheinlichen schmerzlindernden Wirkung, aber ebenso auch von einer sehr wahrscheinlichen "psychotropen" Nebenwirkung ausgegangen werden. Das bedeutet konkret, dass manche (!) Demenzerkrankte Stimmungsschwankungen, aber auch wahnhafte Vorstellungen und zusätzliche Einschränkungen ihrer Merkfähigkeit und Gedächtnisleistungen entwickeln können. Eine sichere Prognose ist in dieser Hinsicht allerdings nie möglich, sodass unter Umständen nach einer neurologischen UND psychiatrischen Beurteilung ein niedrig dosierter Behandlungsversuch mit Cannabinoiden erwogen werden kann.


    Ich bitte um Verständnis, dass im Rahmen dieses Forums keine genauere Empfehlung (z.B. bzgl. Präparat, Dosierung, Einnahmehäufigkeit etc.) abgegeben werden kann.


    Ich wünsche Ihrem Vater und auch Ihnen alles Gute!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrter Fragensteller, sehr geehrter Herr Kollege,


    ad Bakteriämie: vorrangig Erregerfeststellung, Focussuche, Antibiotikasensibilität des Keims bestimmen, spezifische Behandlung in alters- und körpergewichtsadaptierter Dosierung. Ciprofloxacine vermeiden (psychotische NW möglich). Falls möglich, Ein / Ausfuhrprotokoll, ggfs. Flüssigkeitssubstitution per Infusion. Elektrolytkontrolle Na / Ka. CRP als Verlaufsparameter.


    Falls der Pat. in einer geschützten Umgebung und medizinischen Betreuung ist, kann ein vorübergehendes langsames Ausschleichen der noch bestehenden fixen psychotorpen Medikation im Sinne einer Medikationspause erwogen werden. Antihistaminerge Substanzen zur Sedierung als Alternative (off-label) zu klassischen Strategien (antipsychotische Medikation hoch- oder niederpotent) möglich. Aktuell Vermeidung einer Eindosierung von Acetylcholinesterasehemmern oder Alternativen (längere Wirklatenz, mögliches NW-Spektrum in Zusammenhang mit derzeit bestehender Bakteriämie / möglichem Infektgeschehen.


    Mit kollegialen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrter Fragesteller,


    anhand Ihrer Schilderung des Behandlungsverlaufes könnte durchaus eine ungünstige Dosierung von Madopar zum jetzigen Zeitpunkt psychotisches Erleben miterklären. Diese mögliche Erklärung würde aber voraussetzen, dass sich die bisher als effektiv erwiesene Strategie der Madopardosierung und Dosisverteilung durch eine veränderte Verstoffwechselung von Madopar im Magen-Darmtrakt oder aber durch ein deutliches Fortschreiten der MSA per se verändert hat. Bei HWI werden zudem häufig auch Ciprofloxacin basierte Antibiotika eingesetzt, die auch in Dosierungen zwischen 500 und 1000 mg bereits psychotisches Erleben als Nebenwirkung mit sich bringen können. Es wäre daher auch denkbar, dass eine bereits länger zurückliegende antibiotische Behandlung eine psychotische Entwicklung angestoßen hat und nun das dopaminerge Gleichgewicht nachhaltig gestört ist. Der dritte Aspekt ist ein Fortschreiten der MSA, sodass auch hier eine Dosisanpassung von Madopar angedacht werden sollte. Schließlich können aber auch ungenügend behandelte HWIs im Sinne einer Delir-begünstigenden Begleiterkrankung psychotische Symptome bzw. psychische Auffälligkeiten mitbedingen.

    Alle genannten Varianten sind zwar denkbar, aber ihre Richtigkeit ist nur schwer beweisbar. In der Praxis wird vermutlich eine kontrollierte und ärztlich engmaschig begleitete Anpassung UND ggfs. Dosisneuverteilung von Madopar eine Möglichkeit sein. Ein PET-CT-Scan des Gehirns kann das Ausmass der Veränderungen sichtbar machen, evtl. gibt es auch frühere Aufnahmen, die dann damit verglichen werden könnten.


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragestellerin,


    Osteoporose ist meist eine über einen längeren Zeitraum sich anbahnende Erkrankung, die nicht direkt mit der Entstehung einer Alzheimer-Demenz zusammenhängt. Vitamin D ist wichtig für den "Einbau" von Kalzium in die Knochensubstanz, was zur Stabilität der Knochen beiträgt. Vitamin D hat natürlich auch in anderer Hinsicht günstige Wirkungen, auch in Bezug auf psychische Verfasstheit und Stimmung eines Menschen. Die Alzheimer-Erkrankung wird aber nach gegenwärtigem Stand des medizinischen Wissens nicht direkt oder indirekt durch einen Mangel an Vitamin D ausgelöst.


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin,


    die wertvollen Anregungen und Empfehlungen von "hanne63" und "Lulu" kann ich uneingeschränkt unterstützen. Für viele betroffene Angehörige von Demenzkranken kommt irgendwann (leider) der Punkt, an dem das bisherige Modell von Unterstützung, Pflege und Versorgung so nicht mehr funktioniert. Naturgemäß gibt es in dieser Phase häufig viele Zweifel und offene Fragen, nicht nur in Bezug auf das, was zukünftig der beste Weg für den Erkrankten sein könnte, sondern auch in Bezug auf das persönliche Verhältnis zwischen Demenzkrankem und Pflegenden.


    Demenzerkrankungen sind leider immer auch heimtückisch und vielschichtig, da sie nicht nur mit geistigen Einschränkungen, sondern auch mit einer Vielzahl von Verhaltensauffälligkeiten einhergehen, die nur sehr schwer auszuhalten und noch schwerer verständlich sind.


    Hilfestellungen von "außen" und eine realistische Beurteilung des Erkrankungsstadiums der Demenzerkrankung sind sehr sinnvoll. Die Hausärztin bzw. der Hausarzt spielen dabei zunächst eine zentrale Rolle. Eine weiterführende Abklärung kann bei Bedarf veranlasst werden, z.B. vorübergehend in einer gerontopsychiatrischen Station, falls dies für medizinisch erforderlich erachtet wird. Fragen zur Vorsorgevollmacht bzw. generell rechtliche Befugnisse der Interessenvertretung sind in diesem Zusammenhang zu klären, damit für später sicher auftretende Schwierigkeiten eine klare Verantwortlichkeit benannt ist. Häufig behalten sich nahestehende Verwandte dieses Recht vor und geben es nicht an Dritte ab, wobei die eigentliche Versorgung und pflegerische Unterstützung zusehends an professionelle Pflegende "ausgelagert" wird.


    Entscheidend ist auch, dass Sie persönlich Ihre individuellen Belastbarkeitsgrenzen kennen und akzeptieren. Die Pflege von Demenzerkrankten wird zunehmend schwieriger - Sie haben offensichtlich bereits schon sehr viel Gutes für Ihre Mutter getan! Auch eine Selbsthilfegruppe kann im Umgang mit neuen Symptomen der Demenzerkrankung und den Erfahrungsaustausch in der Gruppe ein sehr wertvoller Rückhalt in schwierigen und belastenden Zeiten sein.


    Meine Empfehlung: Nutzen Sie alle Ressourcen, bleiben Sie nicht allein mit dieser Situation und handeln Sie zeitnah!


    Ich wünsche Ihnen ebenfalls viel Kraft in dieser schwierigen Situation!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrter Fragensteller,


    da noch keine genauere Diagnose bekannt ist, empfehle ich eine erneute zeitnahe Vorstellung bei einem Neurologen oder Psychiater, um die aktuelle Symptomatik (Zustandsverschlechterung) Ihrer Mutter umfassend beurteilen zu können. Gerade im Sommer kommt es zudem bei vielen Demenzkranken durch unzureichende Flüssigkeitszufuhr und sogenannte Elektrolytverschiebungen im Blut (z.B. Natriumspiegel) zu weiteren kognitiven Einschränkungen. Dies könnte im Rahmen einer einfachen Blutuntersuchung (Bestimmung der Elektrolyte) abgeklärt werden. Natürlich gibt es sehr viele andere denkbare Ursachen für die beschriebenen Veränderungen, weshalb es sicherlich erforderlich ist, eine erneute ärztliche Untersuchung und Einschätzung durchzuführen. Auch die aktuelle Medikation (falls vorhanden) sollte dringend bezüglich der Verträglichkeit und der Dosierung überprüft werden.


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin, sehr geehrter Fragensteller,


    ich wünschte sehr, es gäbe für diese Situation einen klugen und einfachen Rat, den ich Ihnen bzw. Ihrem Vater für den Umgang mit Ihrer demenzkranken Mutter geben könnte.


    Wie Sie ja schreiben, kam es in Folge des stationären Aufenthaltes in der psychiatrischen Klinik zunächst zu einer vorübergehenden Stabilisierung der Situation, im weiteren Verlauf aber dann zu einer stark wechselnden Symptomatik mit deutlicher Verschlechterung der Symptome.


    Leider ist dies nicht ungewöhnlich und entspricht den Beschreibungen vieler anderer Demenzverläufe, die ab einem gewissen Zeitpunkt trotz der zusätzlich verordneten antidementiven Medikation nicht mehr wesentlich verlangsamt werden können. Im Umgang mit Demenzkranken kommt zudem für viele Angehörige ein Punkt, an dem sie mit dem stark wesens- und verhaltensveränderten Menschen an ihrer Seite nicht mehr "normal" kommunizieren und auch umgehen können. In diesen Fällen ist es wichtig, sich Standardsätze oder feste Rituale zuzulegen, wie man mit dem Verhalten Demenzkranker umgehen möchte. Dies betrifft zum Beispiel die Vermeidung von detaillierten und wenig zielführenden Diskussionen - einschließlich der Versuche von logischen Erklärungen (etwa bezüglich der Wohnsituation, seit wann man zusammen wohnt etc.). Es ist eben leider häufig nicht mehr rational möglich, dem Betroffenen diese Tatsachen längerfristig klarzumachen. Aufgrund der ausgeprägten Störung des Kurzzeitgedächtnisses können die allermeisten Demenzkranken selbst die besten und einfachsten Erklärungen nur unvollständig abspeichern und müssen schon nach kurzer Zeit wieder neue Fragen stellen. Manche Angehörige berichten, dass sie den Umgang mit ihren demenzkranken Ehepartnern ab dem Zeitpunkt als einfacher empfunden haben, ab dem sie sich klar gemacht und akzeptiert haben, dass sich diese Art von Fragen nie beantworten lassen wird - selbst nicht bei den besten Absichten der Angehörigen.


    Letztlich kann auch eine geteilte Verantwortung in der Pflege von Betroffenen (z.B. durch eine Teilzeitpflege oder eine Haushaltshilfe) eine große Erleichterung darstellen und Freiräume verschaffen, die bei fortschreitendem Unterstützungs- und Pflegeaufwand der Betroffenen zusehends wichtiger werden.


    Auch wenn ich leider keinen einfacheren Rat für Sie und Ihren Vater habe, hoffe ich, dass Sie aus meiner Antwort zumindest einige Anregungen für die schwierige Situation entnehmen können.


    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin,


    kurzzeitige Durchblutungsstörungen des Gehirns (medizinisch als "transitorisch ischämische Attacke / TIA" bezeichnet können grundsätzlich ähnliche Symptome vorübergehender kognitiver, sensibler oder motorischer Ausfallerscheinungen eines Patienten verursachen. Diese Veränderungen sind im zeitnah durchgeführten MRT des Schädels auch nicht unmittelbar erkennbar. Auch im späteren Verlauf muss nicht zwingend eine darstellbare Veränderung des Gehirns im MRT sichtbar sein. Allerdings spricht die Krankengeschichte Ihres Vaters zumindest für ein deutlich erhöhtes Risiko für derartige Auffälligkeiten. Natürlich wird die geistige Leistungsfähigkeit im Allgemeinen sowie Funktion, Erhalt und Regeneration der Nervenzellen im Speziellen unmittelbar von Vit B12, Folsäure und indirekt auch von Vit D unterstützt. Ein massiver Mangel würde sich innerhalb von Monaten bis Jahren deutlich bemerkbar machen. Vergleichswerte früherer Untersuchungen (falls vorhanden) wären hier sehr hilfreich, um das Ausmaß und den zeitlichen Verlauf des Mangels besser eingrenzen zu können. Alle genannten Substanzen können aber im Regelfall dem Körper zugeführt werden, um so normale Spiegel von Vit B12, Folsäure und Vit D herzustellen. Im Fall von Vit B12 ist dabei besonders darauf zu achten, das die Aufnahme von Vit B12 im Magen-Darm Trakt grundsätzlich möglich ist. Es gibt Erkrankungen, bei denen die Resorption von Vit B12 eingeschränkt ist. Dies kann ein Gastroenterologe / Internist abklären. Eine demenzielle Erkrankung ausschließlich aufgrund des Mangels der genannten Substanzen ist aufgrund der vaskulären / gefäßbedingten Vorschädigungen des Gehirns allerdings eher unwahrscheinlich. Bezüglich der möglichen "TIA" sollte mit den Behandlern Ihres Vaters über die Gabe von protektiven Medikamenten (meist blutverdünnende Substanzen, um das Risiko eines Gefäßgerinnsels zu reduzieren) gesprochen werden.


    Ich wünsche Ihrem Vater und auch Ihnen alles Gute!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin,


    ja, es liegt nah, den Grund für die Wesensveränderung Ihrer Mutter auch in der Dosierung von Pipamperon zu sehen. Als Nebenwirkung dieser Medikation ist übrigens auch eine Senkung des Blutdrucks bekannt, was neben anderen Ursachen die Apathie und Antriebslosigkeit mit erklären könnte. Grundsätzlich ist die Dosierung von Pipamperon aber gerade bei Demenzerkrankungen mit starker Unruhe und sogenanntem "herausfordernden Verhalten" nicht unüblich. Letztlich verträgt aber jeder Patient Präparat und Dosierung in unterschiedlichem Ausmaß. Bei manchen Patienten kann die Aufteilung der Tagesdosierung auf 4-6 Einzeldosierungen pro Tag besser als die zweimalige Gabe pro Tag wirken. Auch alle anderen Faktoren, die die Wesensänderung Ihrer Mutter verursachen könnten, sollten allerdings bedacht werden. Das reicht von ausreichender Flüssigkeitszufuhr über Aktivierung und Bewegung bis hin zur Ernährung. Meine Empfehlung ist, direkt mit dem behandelnden Arzt Ihrer Mutter Kontakt aufzunehmen, um Ihre Beobachtungen und Sorgen offen anzusprechen. Alternativen zu Pipamperon gibt es grundsätzlich schon, aber auch hier stellt sich dann erneut die Frage von Dosierung und Verträglichkeit. Pipamperon gehört zu den "niederpotenten" Antipsychotika. Diese sollen in erster Linie beruhigend (sedierend) und nicht primär antipsychotisch wirken. Leider sind die Nebenwirkungen - wie möglicherweise im Fall Ihrer Mutter - bei vergleichsweise niedrigen Dosierungen oft schon sehr stark.


    Ich wünsche Ihrer Mutter und Ihnen zunächst einmal alles Gute!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin,


    optische Halluzinationen sind grundsätzlich in jedem Stadium dementieller Erkrankungen möglich. Allerdings ist zu Beginn einer Demenzerkrankung der Effekt sogenannter antipsychotischer Medikamente zur Beeinflussung dieser Symptome häufig noch stärker. In späteren Stadien kann es in der Tat leider immer schwieriger werden, derartige Phänomene positiv zu beeinflussen. Allerdings gibt es viele andere Ursachen für halluzinatorisches Erleben, die evtl. noch nicht umfangreich in Betracht gezogen worden. So können auch bestimmte Medikamente als unerwünschte Nebenwirkung oder im Rahmen einer Überdosierung Halluzinationen begünstigen oder hervorrufen. Ein typisches Beispiel ist die Überdosierung von Anti-Parkinsonmedikamenten, die aufgrund ihres dopaminergen Wirkungsmechanismus solche Symptome bis hin zu psychotischem Erleben verursachen können. Auch Substanzen, die in den Acetylcholinstoffwechsel des Gehirns eingreifen, können ähnliche Zustandsbilder auslösen. Auch Elektrolytentgleisungen (zu wenig Natrium beispielsweise) kann zu Veränderungen der Wahrnehmung einschließlich von Halluzinationen führen. Eine Reihe anderer Ursachen wären ebenfalls denkbar. Ohne eine genaue Anamnese und Untersuchung sowie ohne ergänzende Untersuchungen ist ein abschließendes Urteil in diesem Rahmen leider nicht möglich. Ich rate aber dazu, ggfs. eine Zweitmeinung einzuholen bzw. eine ärztliche Untersuchung und Überprüfung der Medikation vorzunehmen. Der konsiliarisch zuständige Arzt des Heimes sollte dies veranlassen können.


    Alles Gute für Ihre Mutter und auch für Sie!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin,


    Morbus Binswanger ist eine ältere Bezeichnung für eine Erkrankung des Gehirns, die sich durch Veränderungen von Gefäßen bzw. kleinere Störungen der Durchblutung in diesen Bereichen auszeichnet. Andere gebräuchliche Fachbegriffe sind "subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE)" oder "vaskuläre Enzephalopathie". Letztlich können bei dieser Erkrankung unterschiedliche Symptome - je nach betroffener Hirnregion - auftreten. Sowohl das Ausmaß der jeweiligen Veränderungen, als auch der Verlauf der Erkrankung sind sehr unterschiedlich. Abhängig vom persönlichen Gefäßrisikoprofil (z.B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörung, aber auch familiäre genetische Vorbelastung) kann es höher sein, als bei anderen Personen. Ich rate Ihnen zu einer Vorstellung in einer universitären Gedächtnisambulanz, um das entsprechende Risikoprofil besser einschätzen zu können und Ihnen die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Auch wenn bereits Schädigungen vorliegen, können weitere Einschränkungen bei angemessener Behandlung der Risikofaktoren häufig deutlich begrenzt werden.


    Ich wünsche Ihnen alles Gute!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrter Fragesteller,


    Mikroangiopathie bedeutet, dass sehr kleine Veränderungen von Gefäßen im Gehirn im MRT sichtbar sind. Postischämisch bedeutet "nach einer Durchblutungsminderung bzw. -störung". Kleine Gliosenarben sind bleibende, räumlich eng umschriebene Defektzustände in Gehirnarealen, die zeitweise nicht oder sehr schlecht durchblutet wurden (s.a. "postischämisch"). Zusammenfassend liegen also kleinere, umschriebene Areale im Gehirn vor, die aufgrund (früherer) Durchblutungsstörungen in ihrer Funktion eingeschränkt sind. Typische Risikofaktoren für mikroangiopathische Hirnveränderungen sind neben dem höheren Lebensalter an sich Bluthochdruck, Diabetes mellitus, bestimmte Fettstoffwechselstörungen oder Störungen der Blutgerinnung. Eine internistische Abklärung und ggfs. medikamentöse Behandlung der genannten Risikofaktoren ist also im Sinne einer Prävention weiterer Veränderungen sehr sinnvoll. Vielfach werden Riskikopatienten mit ausgeprägten mikroangiopathischen Patienten auch in gewissen zeitlichen Abständen - z.B. jährlich - mittels MRT-Schädel auf weitere Veränderungen untersucht.


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin,


    grundsätzlich besteht natürlich immer die Möglichkeit, den Befund des durchgeführten MRTs mit einem zweiten Radiologen zu besprechen. Sie haben als Patientin das Recht, sich eine Kopie der MRT-Bildgebung aushändigen zulassen (meist in Form einer CD). Gerade beim Einholen einer Zweitmeinung kann noch einmal gezielt auf die für sie offenen Fragen eingegangen werden.


    Aus den von Ihnen aufgeführten Einzelheiten des Befundes ergeben sich für mich folgende Fragen, die im Rahmen eines solchen Gespräches gestellt werden könnten:



    Welche Größe und genaue Lokalisation haben die mikroangiopathischen Veränderungen? Wird eine Kontrolle in regelmäßigen Abständen empfohlen? Wurde ein 1,5 Tesla oder das hochauflösendere 3 Tesla MRT verwendet? Ist aus radiologischer Sicht eine ergänzende PET-CT des Gehirns sinnvoll, um mögliche weitergehende Veränderungen im Umfeld der mikroangiopathischen Läsionen abklären zu können?



    Die aufgeführten Fragen sind als Anregung für eine Besprechung mit einem Radiologen zu verstehen, da ich an dieser Stelle keine radiologische Befundung durchführen kann und darf. Dafür bitte ich Sie um Ihr Verständnis. Wichtig sind für die Einholung einer Zweitmeinung die Original-Bilder Ihres MRT-Schädel (wie oben dargelegt meist auf CD). Bei weitergehendem Beratungsbedarf kann auch eine universitäre Gedächtnisambulanz eine wertvolle Anlaufstelle sein.


    Ich wünsche Ihnen alles Gute!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin,


    in diesem Fall rate ich Ihnen, sich direkt an die behandelnde Ärztin Ihres Ehemanns zu wenden und die Frage zu stellen, welche medikamentöse Behandlungsstrategie besteht. Als direkte Angehörige haben Sie darauf einen Anspruch. Bitte haben Sie dafür Verständnis, wenn ich in diesem Forum leider keine konkretere Antwort auf Ihre Frage geben kann.


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin,


    grundsätzlich sollte bei Restharnbildung auch an mögliche Nebenwirkung von Medikamenten gedacht werden. Bestimmte Substanzen beeinflussen die glatte Muskulatur der Harnblase bzw. deren Übergang in die Harnröhre. Auch Antidementiva können z.t. derartige Nebenwirkungen haben. Natürlich gibt es viele andere denkbare Ursachen für eine Restharnbildung. Es sollte zunächst eine klare Diagnose gestellt werden, bevor eine weitreichende therapeutische Maßnahme wie die Anlage eines Dauerkatheters umgesetzt wird.

    Ich wünsche Ihrem Vater und Ihnen alles Gute!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin, sehr geehrter Fragensteller,


    grundsätzlich sollte der Einsatz von Haloperidol immer einer strengen Nutzen / Risikoabwägung unterzogen werden. Zwar sind die von Ihnen berichteten Dosierungen als vergleichsweise niedrig einzuschätzen, aber dennoch gibt es mögliche Nebenwirkungen, die auch dosisunabhängig auftreten können. Dazu gehört bei Haloperidol, einem klassischen Antipsychotikum, in erster Linie das Auftreten von EPS (Extrapyramidalsyndrom). Das sind motorische Störungen aufgrund des Ansprechens dopaminerger Rezeptoren, die für Bewegungsabläufe mitverantwortlich sind. Dies zeigt sich nach sehr unterschiedlich langer - aber manchmal eben auch kurzer Zeit ("Frühdyskinesien") - bei den Patienten, meist in Form von unwillkürlichen Bewegungen der Gesichtsmuskulatur oder sehr verschiedenartigen Störungen der Körpermotorik. Weiterhin können unter Haloperidol auch Veränderungen der Erregungsleitung des Herzens beobachtet werden, so z.B. eine Veränderung / Verlängerung der sogenannten QTc-Zeit, was zu Herzrhythmusstörungen beitragen kann. Wechselwirkungen sind daher vor allem mit anderen Medikamenten möglich, die ihrerseits zu einer Verlängerung der QTc-Zeit beitragen. Dies ist auch in Kombination mit Beta-Blockern ( Bisoprolol) denkbar.


    Heutzutage existieren bereits verbesserte Antipsychotika, die im Gegensatz zu Haloperidol gerade in Bezug auf die o.g. EPS deutlich weniger häufige Nebenwirkungen zeigen. Man spricht von Antipsychotika der 2. oder 3. Generation.


    Eine Umstellung der noch bestehenden Medikation von Haloperidol auf ein anderes Präparat wäre - je nach Einschätzung des behandelnden Arztes - in jedem Fall zu erwägen. Bitte haben Sie dafür Verständnis, wenn ich in diesem Rahmen darüber hinaus keine konkretere Empfehlung geben kann.


    Ich wünschen Ihrer Mutter und auch Ihnen alles Gute!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin, sehr geehrter Fragensteller!


    Es stimmt, das bezüglich der Anwendung von Risperidon gerade bei älteren Menschen - zumal mit Demenzerkrankungen - besondere Vorsicht geboten ist. Warnhinweise bei Vorliegen von kardiovaskulären Erkrankungen, z.B. Bluthochdruck und frühere Schlaganfälle oder deren Vorboten - sollten unbedingt ernstgenommen werden. Aus dem Bereich der sogenannten Antipsychotika (zu denen auch Risperidon zählt) gibt es mittlerweile zahlreiche Alternativen. Atypische Antipsychotika (d.h. neuere Produktklassen der Antipsychotika) haben teilweise weniger Nebenwirkungen und sind ähnlich effektiv. Die Entscheidung bezüglich einer möglichen Umstellung von Risperidon auf ein solches atypisches Antipsychotikum trifft aber immer der behandelnde Arzt. Grundsätzlich ist Risperidon als Substanz im Rahmen der Behandlung nicht-kognitiver Störungen bei Demenzerkrankungen gut etabliert, wenngleich auf Limitierungen und mögliche Kontraindikationen geachtet werden muss.


    Ich wünsche Ihrer Mutter und auch Ihnen alles Gute!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin,


    die grundsätzliche Frage dürfte sein, ob alle Demenzerkrankungen, die als "Alzheimer-Demenz" bezeichnet werden, auch zu dieser Gruppe gehören. Innerhalb der Demenzerkrankungen gibt es sehr unterschiedliche Subtypen, die sich natürlich auch hinsichtlich der Bedeutung ihrer genetischen Komponente stark unterscheiden. Bezüglich der Alzheimer-Demenz existieren ebenfalls verschiedene Unterformen, wobei sowohl sporadisch auftretende, als auch hereditäre (also erblich bedingte) Formen bekannt sind. Eine echte familiäre Alzheimer-Demenz mit sehr frühem Beginn stellt allerdings eine absolute Seltenheit dar. Das Risiko für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz ist übrigens im Fall des Vorliegens bestimmter Merkmale deutlich erhöht, so z.B. beim Genotyp des Apolipoproteins E4/E4. Diese Ausprägung geht mit dem höchsten Risiko für die spätere Entwicklung einer Alzheimer-Demenz einher. Ursächliche Zusammenhänge mit einem gestörten Fettstoffwechsel werden postuliert.
    Eine persönliche Beratung bezüglich des individuellen Risikos zur Entwicklung einer Alzheimer-Demenz ist in jedem Falle sinnvoll. Universitäre Gedächtnisambulanzen bieten solche Beratungen an - z.T. auch unter Hinzuziehung von humangenetischen Beratungsstellen.


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

    Sehr geehrte Fragenstellerin, sehr geehrter Fragensteller!



    Im Folgenden zitiere ich aus einem Weiterbildungsvortrag zum Thema Acetylcholinesterasehemmer bei Demenzerkrankungen. Ich hoffe, auf diesem Wege Ihre Frage nach dem pharmakologischen Wirkmechanismus der Substanzgruppe ausreichend genau beantworten zu können.


    "Acetylcholinesterase-Hemmer (Donepezil, Rivastigmin, Galantamin)
    Acetylcholinesterase-Hemmer sind zugelassen zur Behandlung der leichten bis mittelgradigen DAT. Sie verbessern die Acetylcholin-vermittelte neuronale Signalübertragung, die durch die DAT-bedingte Neuronendegeneration beeinträchtigt ist. Das geschieht, indem die Wirksubstanzen die Acetylcholinesterase inhibieren und so den Abbau von Acetylcholin blockieren. Galantamin beeinflusst darüber hinaus die präsynaptischen Nicotin-Rezeptoren, wodurch zusätzlich die Acetycholinfreisetzung gesteigert wird. Die Gabe von Acetylcholinesterase-Hemmern zielt auf eine erhöhte Verfügbarkeit von Acetylcholin an den cholinergen Synapsen ab. Dieser Transmitter steht bei Alzheimerkranken, aufgrund der neuronalen Degeneration, nur noch unzureichend für die Signalübertragung zur Verfügung."


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser