Beiträge von Wissenssucherin

    Sehr geehrter Herr Lässer,


    vielen Dank für Ihre Antwort, sie beruhigt mich und bestätigt mein Bauchgefühl. Da meine Schwiegermutter in der Zwischenzeit schon wieder einen MMSE mitmachen musste (ich war dabei stillschweigend als "Beistand" anwesend), kann ich schon wieder von einer völlig anderen Punktzahl berichten und werden nun die betreffenden Ärzte energisch bitten, von diesen häufigen Testungen Abstand zu nehmen - für meine Schwiegermutter stellen sie leider enormen Stress dar (sie läuft seit dem Test vor 4 Tage ständig mit Tränen in den Augen rum, isst kaum, spricht nur das Nötigste und ist nicht zu trösten) und richtig neue, aussagekräftige Ergebnisse liefern sie uns nicht wirklich. Mir ist klar, dass der Verlauf beobachtet werden muss, aber in unserem Fall ist das nun wirklich zu viel des Guten, es ist eine enorme Belastung für meine Schwiegermutter und dadurch nicht zuletzt für mich als ihre Bezugsperson.


    Danke für Ihre Antworten!


    Freundliche Grüße


    die Wissensucherin

    Liebe Amina,


    nein, leider ist das hier noch nicht die erhoffte Expertenantwort mit den Tipps für den Nachmittag - aber melden möchte ich mich trotzdem.


    Ich bin seit ca. 1 1/2 Monaten in diesem Forum und verfolge immer, was sich bei anderen tut, wie andere Fälle gelagert sind und dementsprechend "leide" ich bei deinen Schilderungen mit.


    "Mein" Fall ist etwas anders gelagert, es betrifft meine 60jährige Schwiegermutter, sie leidet an mittelschwerer präseniler Alzheimerdemenz und ist momentan noch in der Lage, ganz gut selbst zurecht zu kommen (wir wohnen unter einem Dach). Ein weiterer Unterschied ist, dass ich aus Ö komme, weshalb sich rechtliche Sachen nicht direkt vergleichen lassen. Ich bin in diesem Forum, weil ich bei uns einfach nichts Vergleichbares gefunden habe und auf der Suche nach Hilfe war - ich bin hier echt happy über die vielen Beispiele und Informationen, die einem selbst in welcher Form auch immer, immer wieder weiterhelfen können - und sei es zu erkennen, dass es bei anderen noch viel problematischer ist, das hilft einem selbst wieder aus mancher Krise.


    Allerdings, und da bin ich voll bei dir, habe ich in meiner kurzen "Karierre" als Verantwortliche für meine Schwiegermutter schon jede Menge erlebt, was Kommunikation mit Ärzten, Beschaffen (oder eben nicht) von Informationen und Befunden angeht und war oft schon schier am Verzweifeln, weil ich mich von Ämtern und Ärzten so dermaßen im Stich gelassen fühlte, dass ich schreien hätte können.


    Wenn ich hier deine Geschichte lese, so merke ich, wieviel Kraft und Mühe dir deine Mutter wert ist - und ich weiß, dass es oft nicht leicht ist, irgendeinen anderen Gedanken zu fassen, da diese ständig kreisen und man nie "abschalten" kann. Umso mehr Respekt möchte ich dir für deine bewundernswerte Arbeit und deine Ausdauer zollen- du bist für mich ein Beispiel dafür, dass "ins Heim geben" nichts damit zu tun hat, sich nicht mehr um die Person zu kümmern oder die Verantwortung "abzuschieben" - ganz im Gegenteil.
    Sollte ich einmal auf der "anderen Seite" stehen und auf Pflege angewiesen sein, so hoffe ich, eine so mutige und starke Bezugsperson wie dich zu haben.


    Du machst deine Sache gut - auch wenn niemand perfekt ist und alles richtig machen kann, weiter so!!!


    Die Wissenssucherin

    Sehr geehrter Herr Lässer,


    vielen Dank für Ihre Antwort, es beruhigt mich, wenn diese Schwankungen für Sie keine Überraschung darstellen.


    Dem Auslöser für Ihre Schwankungen bin ich schon auf die Spur gekommen, nämlich "Stress" - nur was meine Schwiegermutter als Stress/Druck empfindet ist auf den ersten Blick oft nicht als solcher erkennbar - wie eben, dass sie jemanden anrufen "soll".


    Der größte Auslöser stellen meiner Empfindung nach "Emotionen" dar - was das Ganze natürlich sehr unvorhersehbar macht. Konkretes Beispiel: Zu Weihnachten hatten wir ausgemacht, dass ich abends (genauso wie die letzten 4 Jahre auch) für alle kochen sollte und zwar Rindsbraten mit Kraut. Auch am betreffenden Tag sprachen wir ein paar Mal darüber.
    Nach einem Anruf ihres Bruders (der für sie mit sehr negativen Erinnerungen behaftet ist), humpelte sie auf einmal in den Keller um Kartoffeln zu holen und teilte mir dann mit, sie habe den Kartoffelsalat eh schon zubereitet - für den Fisch, den sie bis vor ein paar zu Weihnachten immer gekocht hatte. Auch der nächste Tag war geprägt mit für sie untypisch vielen und auffälligen Aussetzern.


    Generell ist zu beobachten, dass sie, abgesehen von "Kleinigkeiten", die meist nur mir auffallen, da ich die Zusammenhänge kenne, oft lange Phasen hat, in denen ich - wüsste ich es nicht ganz sicher - selbst nicht glauben würde, dass sie an der Krankheit leidet. Dann folgen wieder ein, zwei, drei Tage (damals, im Rahmen ihrer Operation auch mehr), an denen es ganz massiv ist- um dann plötzlich wieder zu verschwinden.


    Das mit der "Kontaktaufnahme", wie Sie es betiteln, habe ich schon oft versucht, stoße aber meist auf für mich kaum überwindbare Hürden.
    Telefonische Auskunft wird meist abgelehnt und für ein Gespräch mit den zuständigen Ärzten verlangen diese meist, ich müsse einen extra Termin mit Ihnen ausmachen (sehr schwierig für mich, da wir weit weg vom Schuss wohnen und zwei sehr kleine Kinder und einen Hof zu versorgen haben) - wo, wenn so ein Termin dann tatsächlich stattfindet, ein für mich hilfreiches Gespräch dann wieder am Zeitdruck der Ärzte ("das sprengt jetzt den Rahmen"), bzw am Hinweis "wenden Sie sich an Beratungsstellen" scheitert.


    Dabei hätte ich gerade, was den MMse betrifft immer konkrete Fragen -vor allem auch, weil ich ganz genau weiß, dass dieser "Stress" darstellt.
    Konkretes Beispiel: Nach der OP wurde meine Schwiegermutter in ein anderes Krankenhaus zur Remobilisation ihres Knies gebracht. Nach anfänglichen kleineren Schwierigkeiten (fremde Umgebung, der Wunsch eigentlich heimzugehen, usw.) hatte sie sich sehr gut eingelebt und schien sich zu unserer Überraschung direkt wohlzufühlen. Bei den täglichen Telefonaten hatte ich das Gefühl, sie habe sich wieder gefangen und auch das subjektive Empfinden, ihre Gedächtnisleistung sei wieder besser.
    Allerdings änderte sich das schlagartig von einem Tag auf den anderen - sie war wieder durcheinander und sehr ärgerlich, weil "die so tun als ob ich blöd sei", jeden Tag komme der "Vogeldoktor". Auf mein Nachfragen hin, erfuhr ich, dass ein MMse mit ihr durchgeführt worden sei, und darauf kognitves Training. Das Ganze machte sie so dermaßen wütend, dass sie 3 Tage darauf auf eigenen Wunsch entlassen wurde (Knietechnisch war das zu vertreten).
    Konkrete Frage: Ist hier der MMse verfälscht? Sobald so eine Testung erfolgt, und meine Schwiegermutter (die ja davon überzeugt ist, dass alles halb so schlimm sei, sie sei nicht mehr vergessen als andere und "daheim ist alles besser") quasi "mit der Nase draufgestoßen" wird, dass sie etwas nicht kann (oder ist es einfach eine "Prüfungssituation" für sie??), kommen die "großen" Aussetzer, ist das Hirn leer, weiß sie einige Sachen nicht, die sie zu Beginn der Testung problemlos sagen konnte. Verfälscht dies das Ergebnis oder ist das in diesen Situationen "normal"?
    Ist es normal, dass sie bei dem ersten Uhrentest 0 Punkte, beim nächsten 3 Tage später (andere Umgebung, andere Ärztin) 2 hatte?


    Eine weitere Frage hätte ich noch: "Müssen" Wortfindungsstörungen in der ersten Phase auftreten? Die Ärzte fragen immer sehr danach, mir selbst fallen aber kaum welche auf - zumindest nicht in dem Ausmaß, dass ich diese subjektiv als "über das Normale hinausgehend" betiteln würde. Was mir sehr wohl auffällt, ist, dass sie, wenn sie Einkaufslisten schreibt, oft nicht mehr ganz zu wissen scheint, wie einzelne Buchstaben aussehen, oder wie man Wörter richtig schreibt. Auf den ersten Blick könnte man meinen, sie seien in der Eile geschrieben, aber es fällt mir eigentlich bei jedem Zettel auf, es häuft und mehrt sich, jeden Zettel schreibt sie sicher nicht in Eile. Gehört dies dazu?


    Vielen lieben Dank für Ihre Antwort und ein großes, dickes, aufrichtiges Lob an dieses Forum und die Leute, die es betreiben. Ihr seid eine große Hilfe für Verunsicherte! Danke!

    Hallo liebes Team, habe mich gerade registriert und bin völlig neu hier.


    Bei meiner Schwiegermutter wurde letzten Mai (damals im Alter von 59) präsenile Demenz vom Alzheimertyp diagnostiziert. Wir leben im gleichen Haus (wenn auch in getrennten Haushalten) und ich bin diejenige, die für sie Verantwortung übernommen hat - natürlich muss ich erst in viele Dinge hineinwachsen, viele Sachen klären. Beim vorletzten MMse (Mai) hatte sie
    19 Punkte, beim letzten (Dezember, nach einer für sie stressigen Knie-OP auf der Akutgeriatrie) 15.


    War letzte Woche bei einer Beratungsstelle und als ich den Alltag schilderte, meinte die dort zuständige Dame, dass gewisse Dinge eigentlich untypisch für die Diagnose wären.


    Konkret bezog sie sich auf die von mir beschriebenen "Schwankungen". Gemeint hiermit ist die sehr wechselnde Verfassung meiner Schwiegermutter. Ein Beispiel: Jeden Tag in der Früh klebe ich ihr Rivastigminpflaster und sorge dafür, dass sie ihre Tabletten nimmt. Diese sind immer in eine Wochenvorratsbox (Tag für Tag entnehmbar) einsortiert und ich lasse sie sie selbständig einnehmen, um sie damit nicht zu beschämen (ich tue, als sei ich mit irgendwas beschäftigt, und schaue mit den Augenwinkeln darauf, um Notfalls Hilfestellung leisten zu können). Oft macht sie das ohne jegliche Probleme, nimmt die Tabletten, schiebt die betreffende Box hinten rein - alles okay. An anderen Tagen hockt sie vor der Box und überlegt, welcher Tag ist, ob sie vorne oder hinten das Kästchen rausziehen soll; schafft es vielleicht nicht das Kästchen hinten reinzustecken, etc.... Es kann sein, dass auf eine Phase von 2 "normalen" Wochen 2 Wochen mit Problemen folgen - und dann wieder "normale". Oder die "normalen" Tage von einem "schwierigen" unterbrochen werden und am nächsten Tag geht's wieder.


    Anderes Beispiel: Handy
    Sitzt meine Schwiegermutter beim Fernseher und verspürt das Bedürfnis, ihre Tochter anzurufen, um zu plaudern, funktioniert das. Verpasst sie jedoch einen Anruf von dieser und man bittet sie darum, die Tochter zurückzurufen, schafft sie es nicht, ihr Handy zu bedienen. Fällt ihr, wenn ich unterwegs bin ein, sie braucht etwas vom Geschäft, ruft sie mich an. Weiß sie, sie soll ihren Bruder anrufen, um etwas zu klären, ist dies für sie eine unlösbare Aufgabe. Es scheint, als funktioniere es aus einer entspannten Situation heraus - aber hat sie das Gefühl sie "muss" das tun, gerät es zu einer Stresssituation für sie.


    Generell, gibt es viele Dinge, die an einem Tag funktionieren, an anderen nicht (ich persönlich denke mir, es hängt sehr davon ab, ob sie etwas als "Stress" empfindet oder nicht - wobei ihr Empfinden dafür sehr von unserem abweicht - mitunter empfindet sie Dinge, die für uns völlig normal/irrelevant sind, als massiv belastend.)


    Meine Frage nun hier: Kennen Sie die von mir beschriebene Symptomatik? Da die Dame von der Beratungsstelle meinte, das sie untypisch für diese Diagnose, bin ich nun ziemlich verunsichert. (Kurze Ergänzung: für die Diagnose war sie damals, eben weil sie noch so jung ist, 14 Tage in der Nervenklinik auf der Gerontopsychiatrie, wo sie auf alles mögliche untersucht wurde, inkl. Knochenmark, um eine andere Diagnose ausschließen zu können.)


    Danke für die Antworten!