Beiträge von Zimt

    Ich habe viel über diese Frage nachgedacht, sehe aber auch, daß der soziale Dienst und die Bewohnerbetreuung des Seniorenhauses sehr bemüht sind. Ich wurde gerade erst von einer Mitarbeiterin kontaktiert, die meine Mutter regelmäßig besucht und auch sieht, daß ihr Ernährungszustand nicht optimal ist. Wir haben uns nun darauf geeinigt, daß meine Mutter zukünftig zum Frühstück und Mittagessen abgeholt und in eine Wohngruppe gebracht wird, die im kleinen Kreis ißt. Da war sie am Anfang ihrer Zeit in dem Haus auch schon einmal und hat sich dort wohlgefühlt. Darüber hinaus lasse ich ihr Appartement jetzt einmal die Woche putzen, da hatte sie auch vollständig den Faden verloren, und ich kann und will das nicht übernehmen.


    Natürlich geschieht das alles "gegen Einwurf von Münzen", aber eine stationäre Pflege würde noch mehr Geld verschlingen. Es ist uns auch gerade gelungen, eine Erhöhung des Pflegegrades zu erwirken. Das ging schnell und problemlos, das Nachlassen ihrer Fähigkeiten war doch zu eindeutig.


    Ich denke, ein Ortswechsel würde sie derzeit komplett überfordern. Daher werden wir sie mit der Unterstützung erst einmal dort lassen.

    Hallo zusammen,


    wie Ihr wißt, lebt meine Mutter in einem Seniorenhaus mit einer eingeschränkten Form der Betreuung (Medikamente, Essen nach Wunsch, sozialer Dienst mit sporadischen Besuchen, Spaziergängen), ansonsten ist jeder auf sich allein gestellt. Ich wohne nur wenige Minuten entfernt, was bedeutet, daß ich sie täglich besuche bzw. wir sie am Wochenende stundenweise zu uns holen.


    Nun wird immer augenfälliger, daß ihre Demenz voranschreitet. Eigentlich wäre sie kurz über lang ein Fall für die stationäre Pflege. Hier denke ich vor allem an auf Demente spezialisierte Häuser, die nicht nur "verwahren", sondern auch fördern und fordern. Das fehlt bei der aktuellen Wohnsituation völlig.


    Allerdings stelle ich mir die Frage, ob man den "alten Baum" wirklich noch einmal verpflanzen sollte, zumal die Häuser, die in Betracht kommen könnten, so weit weg liegen, daß ich sie nur noch 2-3x die Woche besuchen würde. Würde der Nutzen einer besseren Betreuung das aufwiegen? Für mich persönlich wäre es, ehrlich gesagt, kein Problem, wenn ich sie dazu auch noch gut aufgehoben wüßte, aber ich weiß nicht, ob eine Ortsveränderung und seltenere Anwesenheit meiner Person bei ihr mehr Schaden als Nutzen anrichten würden.


    Wie seht Ihr das, was waren Eure Erfahrungen?


    Herzlichen Dank und liebe Grüße!

    Oh, das Phänomen fällt mir bei meiner Mutter auch gerade auf. Sie meint, Leute, die uns auf der Straße begegnen oder die man im Fernsehen sieht (Normalos, nicht Promis), zu kennen.


    Seltsam, man fragt sich, was dahinter steckt. Will man sich und dem Umfeld damit zeigen, daß man noch nicht alles vergessen hat, oder vermischen sich die fremden Gesichter mit der eigenen, diffusen Erinnerung?

    Nachdem wir meine Mutter nun wieder unter die Fittiche nehmen konnten, habe ich festgestellt, daß sie in Gesellschaft zwar ißt, aber zwischendurch aufhört und mit leerem Blick vor sich hin starrt, fast so, als habe sie vergessen, daß ein Teller vor ihr steht. Gestern hat mein Mann ihr dann den Kuchen Stück für Stück auf die Gabel gespießt und ihr die mundfertige Gabel gereicht (von ihm nimmt sie eher etwas an als von mir...). Ich habe Sorge, daß sie allmählich verlernt, wie man ißt.


    Ich vermute, wenn sie allein ihrem Appartement sitzt, rührt sie nichts an, weil die Motivation von außen fehlt. Wir können ja nicht zu jeder Mahlzeit zu ihr und sie quasi "füttern". Da sie nicht in der Pflege ist, ist das Personal auch nicht hinterher, ob sie etwas genommen hat oder nicht. Sie scheint auch vieles wegzuschütten, denn zum wiederholten Mal war das Waschbecken in ihrer Küchenzeile von Essensresten verstopft.


    Von den Ärzten ist auch nichts erwarten. Ich wollte mit ihrer Hausärztin telefonisch über ihren Zustand sprechen, da wurde mir ein Rückruf zugesagt oder, falls sie es nicht schafft, auf die Telefonsprechstunde zwischen 12:00 und 13:00 verwiesen. Nachdem ich mehr als 10 Minuten in der Warteschleife gehangen hatte, hieß es um 12:30, daß die Ärztin schon das Haus in Richtung Urlaub verlassen habe. Da kam ich mir doch ziemlich verschaukelt vor. Man hat fast den Eindruck, als rechneten die Ärzte gerne den Hausbesuch ab, aber wollen sich ansonsten mit den alten Menschen nicht weiter befassen.


    Am Ende steht man allein da und muß selbst entscheiden, was man tun kann. Mir wird immer klarer, daß das betreute Wohnen nicht mehr ausreicht und eine stationäre Pflege besser wäre. Allerdings sehe ich kaum eine Chance, irgendwo schnell einen adäquaten Platz zu finden. Als ersten Schritt habe ich nun die Überprüfung des Pflegegrads angestoßen.

    Heute war ich das erste Mal nach 4 Wochen (Urlaub, dann ihre Corona-Quarantäne) bei ihr. Sie hat mächtig Federn gelassen, das Gesicht ist so schmal, daß die Zähne hervortreten, die Hände sehen aus wie die eines Skeletts. Daneben das Chaos in ihrem Appartement. Sachen waren wild verstreut, eine braune Banane lag auf dem Balkon, im Bad lag ein leerer Joghurtbecher, Lebensmittel, die in den Kühlschrank gehören, standen draußen. Meine Mutter war immer äußerst ordentlich, jetzt ist es offensichtlich, daß sie den Anschluß verloren hat. Ich habe ihr ein Stück Kuchen und selbstgekochten Kaffee mitgebracht. Ihre Freude hielt sich in Grenzen. Auf Empfehlung ihrer Hausärztin habe ich einen hochkalorischen Drink gekauft, an dem hat sie nur kurz genippt, dann ihr Kommentar: "Ich kotze gleich über den Tisch." Mein Zureden führte nur dazu, daß sie sich auf das hohe Roß setzte und behauptete, bei ihr sei alles super. Sie kombiniert Überheblichkeit mit Verwahrlosung und negiert all meine Vorschläge.


    Ich bin ziemlich niedergeschlagen nach Hause gegangen und bin aktuell ratlos.

    Ich bin gerade total ratlos.


    Meine Mutter hat vor knapp 2 Wochen Corona bekommen und ist in Quarantäne. Sie war auch ein paar Tage im Krankenhaus, da sie gestürzt war, aber da es keine Anzeichen für Komplikationen gab, wurde sie wieder in das betreute Wohnen entlassen. Aufgrund der Quarantäne darf sie keinen Besuch bekommen. Wir haben ihr aber einige Mal Essen gebracht, da habe ich gesehen, daß sie körperlich total auf den Hund gekommen ist. Sie wird zwar von dem Haus versorgt, lehnt aber leider, wie ich hier schon an anderer Stelle geschrieben habe, das Essen grundsätzlich ab und ist auch noch stolz darauf. Darüber hinaus stelle ich bei Telefonaten mit ihr fest, daß sie ziemlich verwirrt ist.


    Gestern wurde ein PCR-Test genommen, der immer noch positiv ist. Daher geht die Quarantäne weiter. Als ich meiner Sorge Ausdruck verlieh, hieß es nur, ich dürfe sie zwar nicht besuchen (nur in Schutzkleidung), aber ich könne sie zu mir nehmen, um mich zu Hause um sie zu kümmern. Heißt das, ich darf sie nicht besuchen, um mich nicht anzustecken, aber bei mir zu Hause ist das OK?


    Ich werde mich nun in Schutzkleidung zu ihr begeben, um ihr etwas Proviant zu bringen und mir mein eigenes Bild zu machen.


    Ich war immer eine Verfechterin der Corona-Maßnahmen, trage immer noch Maske, bin 4x geimpft, aber sind wir nach 3 Jahren nicht weiter, als die alten Menschen wegzusperren? Mein Mann hatte 10 Tage nach seiner Infektion denselben PCR-Wert wie meine Mutter und durfte wieder arbeiten.


    Am Ende bringt sie nicht Corona um, sondern die Quarantäne.

    Das Problem ist jetzt, daß meine Mutter immer noch in Quarantäne ist und ich sie somit nicht besuchen darf. Das wird damit begründet, daß sie noch Symptome habe. Auf meine Frage hin, welche Symptome das sind, heißt es, körperliche Schwäche. Hier aber beißt sich die Katze in den Schwanz: meine Mutter ist vor allem körperlich schwach, weil sie kaum etwas ißt; sie kommt m.E. nur auf die Beine, wenn ich ihr Essen bringe und sie zum Essen animiere. Körperliche Schwäche ist für mich kein Symptom, sondern eine Folge der Erkrankung und ihrer mangelhaften Ernährung in den letzten drei Wochen. Sie kann nicht als Grund für die Quarantäne dienen; das ist für mich nur ein weiterhin positiver Test. Ob getestet wird, konnte ich bis jetzt nicht in Erfahrung bringen.


    Die Bestimmungen sagen ja, daß die Quarantäne in jedem Fall nach 10 Tagen endet; allerdings weiß ich nicht, ob das auch für Senioreneinrichtungen gilt.


    Wenn ich mich nicht bald selbst darum kümmern kann, meine Mutter wieder aufzupäppeln, wird sie kurz über lang in sich zusammenfallen.

    Meine Mutter wurde gestern aus dem Krankenhaus entlassen, weil man dort keinen Handlungsbedarf mehr sah. Leider ist die Seniorenanlage ist nun total von Corona gebeutelt, sowohl beim Personal als auch bei den Bewohnern. Das Gemeinschaftsleben wurde komplett zurückgefahren. Es bleibt jetzt wieder jeder in seinem Appartement.

    Meine Mutter ist ziemlich auf den Hund gekommen und völlig von der Rolle. Wir haben ihr heute etwas Essen gebracht und wollten es vor die Tür stellen. Sie stand aber ziemlich verloren auf dem Flur (obwohl sie ja eigentlich immer noch unter Quarantäne ist, aber wer achtet darauf). Sie war ja schon immer zart, aber die sonst passende Hose schlotterte nur so am Körper. Da sie nichts begriff, ist mein Mann (4x geimpft, einmal erkrankt, mit Maske) dann doch zu ihr hereingegangen, hat ihr die Sachen erklärt, die wir mitgebracht haben. Ob sie etwas ißt, ich weiß es nicht. Sie behauptet, nein, ich kann das ja nicht nachprüfen. Und daß eine Windelhose vor der Tür lag, hat mich auch irritiert, so etwas hat sie bis jetzt nicht gebraucht.

    Eigentlich müßte ich mit dem Pflegedienst Tacheles reden, aber es ist Wochenende und die Personaldecke wg. Corona dünn. Ich hoffe nur, daß sie bald negativ ist, damit ich nach dem Rechten sehen kann. Denn so fährt das Ganze bald komplett gegen die Wand...

    Meine Hausärztin hat mich deswegen einmal zu einem Psychologen geschickt. Da ich aber weder den Kopf unter dem Arm noch einen Strick dabei hatte, sah er überhaupt keinen Anlaß für eine weitere Behandlung...


    Ich finde den Austausch mit "Gleichgesinnten" auch sehr hilfreich, und wenn mir einmal alles über den Kopf wächst, dann mache mir einfach Luft und brülle und schreie vor mich hin...


    LG Zimt

    Oh, das ist doch meine Mutter!


    Sie tut so, als sei sie Queen Mum. Alle anderen sind für sie dement, primitiv oder dumm. Über die, die auf Gehhilfen angewiesen sind, macht sie sich lustig, als ob die das absichtlich machen würden. Sie legt auch großen Wert auf das Äußere (was ich ja grundsätzlich sehr positiv finde), aber sie ist weder Akademikerin noch weise oder lebenserfahren. Nichts ist gut genug für sie, als sei sie mit dem goldenen Löffel im Mund geboren worden.


    Ich rolle dann innerlich mit den Augen und muß mich zurückhalten, nicht irgendetwas zu sagen...


    LG Zimt

    Hallo zusammen,


    ich habe hier ja schon öfter darüber geschrieben, daß meine Mutter sich weigert, das Essen in dem Seniorenhaus, in dem sie lebt, anzunehmen. Teil des Konzepts ist, daß das Mittagessen inkludiert ist (von den Mobilen wird es in einer Art hauseigenem Restaurant eingenommen, auf Wunsch wird es ins Appartement gebracht). Da ich jetzt 2 Wochen in Urlaub war und in letzter Zeit festgestellt habe, daß meine Mutter auch mit dem Zubereiten eines Frühstücks überfordert ist, haben wir veranlaßt, daß sie das Frühstück auch vom Haus bekommt. Kaffee und Brötchen sind ja keine Raketenwissenschaft. Meine Mutter lehnt aber fast alles rundweg ab und wirft das Meiste weg. Es ist definitiv keine Essensverweigerung, weil man des Lebens überdrüssig ist, in Gesellschaft ißt sie immer.


    Nun hat sie sich während meines Urlaubs mit Corona infiziert! Da sie darüber hinaus auch noch im Appartement gestürzt ist, hat man sich entschieden, sie ins Krankenhaus einzuweisen. Ich kann sie wg. Corona nicht besuchen, werde aber vor allem vom sozialen Dienst, dem ihre Demenz natürlich nicht verborgen geblieben ist, auf dem Laufenden gehalten. Dem habe ich auch das "Essensproblem" geschildert. Nun habe ich erfahren, daß meine Mutter dort sehr wohl ißt, aber in erster Linie, wenn jemand bei ihr sitzt.


    Es ist also offensichtlich, daß meine Mutter beim Essen Gesellschaft bräuchte. Da sie sich weigert, in die Cafeteria zu gehen, und das Seniorenhaus natürlich nicht die Kapazitäten hat, ihr bei jedem Essen das Händchen zu halten, frage ich mich nun, was man tun könnte. Ich kann ja nicht jeden Mittag zu ihr laufen und Gesellschaft leisten.


    Habt Ihr aus Eurer Erfahrung evtl. noch eine Idee? Ich zermartere mir ständig das Hirn...


    Vielen Dank und LG, Zimt

    Das, was schwarzerkater schreibt, kann ich nur bestätigen:

    "Ich hätte damals ein Königreich dafür gegeben, nicht in der Nähe meiner Mutter sein zu müssen, um dies aus nächster Nähe nicht erleben zu müssen. Ich war eben auch ihr Mülleimer. Fatal ist auch, dass die oft beschriebene Persönlichkeitsänderung durch Demenz nicht bedeutet, dass ALTE Persönlichkeitseigenschaften weg sind. Nein, gerade die unangenehmen blieben und verstärkten sich. Daher wiegt das doppelt schwer. Meine Mutter hatte neben diesen Eigenschaften ja früher durchaus eine große Hilfsbereitschaft, Tatkraft usw. Sonst hätte ich mit ihr doch nicht jahrelang Haus an Haus wohnen können.

    Im vorigen Jahr ist meine Mutter auch noch zu den Nachbarn gerannt, um mich zu beschuldigen ... Das wäre früher für sie absolut undenkbar gewesen. Mich hat das so in der Seele getroffen, dass ich es nur schwer wieder vergessen kann."


    Meine Mutter wirft mir regelmäßig vor, daß wir sie in unsere Nähe "gelockt" hätten. Abgesehen davon, daß sie die Entscheidungen alle selbst gefällt hat - ich habe ihr nur die Optionen, ohne jegliche Wertung, aufgezeigt - wäre ich aus heutiger Sicht dann ja Masochistin gewesen. Ich sehe sie jeden Tag, sie hat außer mir und meinem Mann ja keine weiteren Bezugspersonen, und könnte nun nicht plötzlich meine Besuche auf einmal in der Woche reduzieren.


    Im Moment trampelt sie wieder stark auf meinen Nerven herum. Mit Ach und Krach haben wir nun eine Essensversorgung im Seniorenhaus nach ihren Wünschen und in direkter Abstimmung mit ihr zusammengestellt. Aber am nächsten Tag hat sie das alles wieder vergessen und rührt nichts an, ist zu dem Personal rüde. Ich kam gestern darauf zu, als eine sehr liebe Mitarbeiterin vor ihrem Sessel kniete und mit Engelszungen auf sie einredete, sie möge doch etwas von dem Angebotenen nehmen. Das ist mir auch den Leuten dort gegenüber peinlich, die alle wirklich sehr lieb und bemüht sind. Meine Mutter verweigert das Essen ja nicht, weil sie nicht essen möchte, sondern aus purer Sturheit. Ihre Hausärztin ist da knallhart: wenn sie das Essen verweigert, wäre es ihre Entscheidung. Ich kann das aber irgendwie nicht mit ansehen.


    Was ich insgesamt besonders traurig finde, ist, daß sich das Verhalten meiner Mutter über die letzten Jahre hinweg so vor ihr ursprüngliches Bild geschoben hat, daß es den ursprünglichen geliebten Menschen überdeckt. Ich finde die Gefühle, die ich einmal für sie hatte, nicht mehr wieder. Ich schäme mich vor mir selbst dafür, aber sie hat auch in mir etwas zerstört, was sich nicht mehr reparieren läßt. Klingt vielleicht hart, aber ich bin da auch zu mir selbst ehrlich und mache aus meinem Herzen keine Mördergrube.

    Zimt Hut ab! Das wäre mir glaube ich zu aufreibend. Was Du da leistest! Lg Ute 🤩

    Das ist lieb von Dir.


    Ja, es ist zeitweise hart. Meine Mutter ist ein wahrer Energieräuber. Nach Gesprächen oder Besuchen von oder bei ihr (täglich!) bin ich immer erschöpft, habe das Gefühl, ich hätte einen Mehlsack auf den Schultern. Habe mich gerade wegen ständiger Magenschmerzen durchchecken lassen, organisch ist da nichts zu finden. Seit fast 8 Jahren halte ich nun zur Stange. Wenn ich nicht meinen Mann hätte, der mich da unterstützt, hätte ich vielleicht schon aufgegeben.

    Achtet denn nicht die Einrichtung auf so etwas wie Körperpflege? Das würde Dir doch viel Kummer ersparen.

    Nein, meine Mutter ist ja nicht in der Pflege, das ist ein Seniorenhaus mit Service. Sie bekommt ihre Medikamente und Essen auf Wunsch. Auf alles andere muß ich ein Auge haben.


    Das Schwierigste ist, nicht in endlose Diskussionen mit ihr zu geraten. Das ist m.E. auch eine Art von ihr, die Kommunikation aufrechtzuerhalten. Da muß man irgendwann einen klaren Schlußpunkt setzen, sonst bleibt man in der Endlosschleife gefangen.


    Ich denke, der Schlüssel liegt vor allem in der Art, wie wir kommunizieren, das liest man ja auch in den Postings hier. Unsere gewohnte Art des Dialogs hilft uns meistens nicht weiter, weil man das, was wir sagen, nicht mehr versteht, verstehen will oder sich nicht mehr dafür interessiert. Andererseits kann man dadurch eine entspanntere Atmosphäre schaffen. Das ist für uns alle ein großer Lernprozeß. Da wären vielleicht entsprechende Schulungen sehr hilfreich.

    Ich schaue mittlerweile auch nicht mehr hin, ob meine Mutter sich die Haut aufkratzt oder nicht, ob sie trinkt oder nicht, ob sie geschminkt ist wie ein Clown. Ich mache ihr Angebote und lasse sie ansonsten gewähren, sofern sie sich damit nicht gefährdet.


    Wenn das Kind im Brunnen liegt, wird ohnehin nach mir gerufen. Da stossen wir an die Grenzen der Autarkie.


    Was die Versorgung angeht, so denke ich aber auch an mich. Man kann eben kurzfristig ausfallen bzw. in Urlaub sein, da wird das mit dem Kümmern und Einkaufen schwierig. Ich will nicht jeden Tag ihre Bestände durchflöhen und entsorgen. Wenn wir da eine gewisse Sicherheit hätten, wäre das für beide Seiten entspannend.


    Ich habe das mit ihrer Hausärztin besprochen, und sie meint, wir sollten das jetzt so versuchen. Da muß dann auch meine Mutter durch.

    Liebe Ute -


    gerne. Mir hat es auch sehr geholfen, als ich in diesem Forum gelesen habe, dass es anderen ebenso geht wie mir. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden - an manchen Tagen klappt es besser als an anderen. Meine Mutter denkt immer, sie ist geistig super-fit und ich rede Unsinn. Ich habe ab und an eher einen kleinen Wicht, der mir sagt "ruf nicht zurück, sie hat den Anruf eh schon vergessen" oder "ruhig bleiben". Aber ich weiß auch, dass ich irgendwann meine Sachen packen werde, wenn sie wieder sagt, dass ich meine Sachen packen und abhauen soll.


    Dir auch alles Gute!
    Tanja

    Das ist auch bei mir das Problem. Meine Mutter lebt in der Vorstellung, sie sei die Tollste von allen und habe alles im Griff. Das ist mitnichten der Fall. Ihre kognitiven Fähigkeiten nehmen immer mehr ab. Wir haben sie stets geschont und ihr nicht offen gesagt, daß sie dementielle Veränderungen hat, weil sie sonst auf die Palme gegangen wäre. Ich stelle aber nun fest, daß ich manches nur noch begründen kann, indem ich Klartext rede.


    Im Moment fechte ich einen Kampf wegen ihrer Versorgung aus. Sie lebt in einem Seniorenhaus, in dem man vollverpflegt werden kann. Bis jetzt hat sie sich das Frühstück mehr schlecht als recht noch selbst gemacht (vieles verdirbt, bzw. sie lagert es unsachgemäß, ich muß immer hinterher sein). Ich kaufe für bzw. mit ihr ein, das kann sie nicht mehr allein. Sie steht im Lebensmittelgeschäft und schaut nur groß auf die Auslage. Entscheidungen kann sie nicht mehr fällen. Aufgrund einer Corona-Erkrankung meines Mannes habe ich mich nun einige Tage von ihr ferngehalten, und sie wurde über das Haus versorgt. Ich hatte den Eindruck, daß das alles entspannen würde, zumal wir demnächst auch in den Urlaub fahren. Daher habe ich nun veranlaßt, daß sie auch das Frühstück serviert bekommt. Nun weigert sie sich mit Händen und Füßen, wirft das Personal heraus und bringt das Essen wieder weg.


    Sie wirft mir Böswilligkeit vor und begreift nicht, daß wir doch nur wollen, daß sie bestens versorgt ist. Aber ich dringe einfach nicht durch. Für sie bin ich die Schuldige, daß sie so lebt, wie sie lebt.


    Es zermürbt mich und belastet unser Verhältnis seit fast 8 Jahren. Ich könnte alles vor die Wand laufen lassen, aber gerade das will ich nicht. Es gibt Phasen, da sind wir in ruhigerem Fahrwasser, und dann bricht es wieder los. Im Moment ist die See leider wieder rauher.

    Was ich auch total seltsam finde: meine Mutter vergißt reale Dinge quasi schon, wenn sie noch passieren. Aber sie prägt sich etwas Irreales ein, worüber sie nach Tagen noch spricht. Das erlebe ich gerade bei ihrem Sturz: sie behauptet, sie sei gestürzt, weil jemand ihr Appartement sauber gemacht hat. Sie hat aber gar keine Putzfrau! Das kann also nicht sein. Ich habe anfangs noch versucht, das geradezurücken, aber mittlerweile lasse ich es so stehen. Ich vermute ja, sie hat das geträumt und verquickt das mit ihrem Sturz. Aber an diesen "Traum" erinnert sie sich immer noch.


    Vielleicht ist das bei ihr hängen geblieben, weil es unmittelbar sie persönlich betrifft? Die Demenz hat sie zu einer extremen Egoistin macht, die nur sich selbst sieht, teilweise auch verbunden mit einer wahnsinnigen Selbstbeweihräucherung, daß sie im Haus die Tollste und Beliebteste ist...

    Danke für Eure Antworten.


    Ja, das ist das Gemeine an der Demenz, daß sich da nichts mehr bessert.


    Etwas mit Bildern oder Beschriftungen zu versehen, war auch einmal meine Idee, aber da meine Mutter sich stur weigert, eine Lesebrille aufzusetzen (um dann im nächsten Moment zu lamentieren, dass sie nichts sieht), bringt das auch nichts. Außerdem habe ich das Gefühl, daß ihr das Lesen mittlerweile auch schwer fällt. Beschriftungen im TV liest sie stockend vor, und jedes Mal, wenn sie wieder erscheinen, fängt sie wieder an (weil sie den Inhalt natürlich gleich wieder vergißt).


    Ich versuche ohnehin, nur noch wenig Neues an sie heranzutragen, weil sie das nicht mehr verarbeiten kann. Sie hat schon Joghurt stehen lassen, weil sie von einer anderen Marke waren als die, die sie sonst gewohnt ist.


    Gespräche werden natürlich auch immer zäher, weil sie meinen Worten nicht mehr folgen kann bzw. stereotyp antwortet. Ansonsten immer nur dieselben Fragen, dieselben Aussagen. Ich könnte meinerseits fast ein Band ablaufen lassen, weil die Gespräche immer gleich ablaufen. Sie fragt z.B. jedes Mal, wie es meinem Mann geht, aber so gut wie nie nach mir.


    Tja, das muß man alles irgendwie annehmen, aber es zerrt schon an den Nerven..

    Hallo, liebe Runde,


    ich wende mich einmal wieder mit einer Frage/Problem an Euch: ich habe immer mehr den Eindruck, daß meine Mutter nichts mehr versteht. Ich meine nicht akustisch (sie hört wie ein Luchs), sondern kognitiv. Wenn ich ihr etwas schildere oder erkläre, könnte ich auch Chinesisch sprechen, es käme ebenso wenig an. Ich könnte unzählige Beispiele anführen. Ich habe ihr z.B. eine Creme gekauft, weil sie gestürzt war und sich die Lippe aufgerissen hat. Ich erkläre ihr, das das für die Lippe ist. Im selben Moment nimmt sie sie und reibt sich das ganze Gesicht damit ein. Ich wieder, nein, das ist KEINE Gesichtscreme, nur für die Lippe. Kurz darauf ihre Gegenfrage: Und mit der Creme soll ich mir dann das Gesicht einreiben? Usw. usf.


    Ich muß zugeben, daß ich dann irgendwann die Geduld verliere. Ich weiß aber nicht, wie ich noch irgendetwas bei ihr anbringen soll, wenn sie selbst einfachste Sachverhalte nicht mehr begreift. Es ist, als wäre ihre Festplatte samt Arbeitsspeicher komplett voll und könne keine neuen Informationen mehr verarbeiten.


    Das können wir natürlich nicht mehr ändern, aber kennt hier jemand Ähnliches und hat zumindest einen "Trick"?


    LG Zimt