Beiträge von Teuteburger

    Da Hanne auch etwas dazu schreibt,


    möchte ich dann auch meine Sicht auf den letzten Punkt wiedergeben.

    Ich halte diesen Punkt für zweischneidig, aber er ist nachvollziehbar.


    Dieser Punkt, mit dem Aushalten, Standhalten von widrigen Situationen, hat für mich zwei Seiten. Er ist einerseits wichtig, um selbst überleben zu können, auf der anderen Seite erfordert er auch eine Art der Abstumpfung, weil man mit den "jetzigen" Ressourcen nicht mehr bewerkstelligen kann.


    Ich habe in der Pflege viele desillusionierte Menschen kennengelernt. Es geht zwar etwas, aber bei weitem ist es nicht "befriedigend". Und ich habe auch die Abstumpfung gesehen. Mir tut das weh.


    Ich kenne genügend Menschen, die sich einerseits über die meisten Widrigkeiten des Lebens nicht aufregen wollen, auf der anderen Seite sind sie aber sehr hart und sie verlangen, dass der Karren weiter gezogen wird, während die Pferde kurz vor dem Zusammenbrechen sind.


    Ich halte diese Art des Aushaltens trotzdem für wichtig, aber als eine Übergangslösung. Weigern werde ich mich aber, diese Zustände als normal anzusehen und sie für gut zu befinden. Und dabei ist es mir egal, was hier oberflächlich irgendwie funktioniert. Sobald man von mehreren Ressorcengebern abhängig ist, muss man in vielerlei Hinsicht die Füße still halten, weil vieles halt nicht machbar ist. Aber gut finde ich, wie gesagt, hier nicht viel.

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    Etwas anderes ist es, wenn in der Familie durch Demenzen, durch alte Verletzungen und durch festgefahrene Rollenbilder, man selbst an Grenzen stößt, so wie bei Barbara.

    Bei Eltern, die nicht mehr in der Lage sind, für sich etwas einigermaßen gut hinzubekommen, weil der Verstand sich abschaltet, da kann es einem gelingen, trotz der schlechten Lage, für sich selbst da zu sein. Ich habe das mit der Zeit so gesehen: Um wirklich etwas Bewerkstelligen zu können, ist man auf die Mitarbeit der gegenüberliegenden Person angewiesen. Wird die einem verweigert, dann hat man die Vernunft, zu sagen, ab hier kann ich keine Verantwortung mehr übernehmen. Das habe ich mit der Zeit immer mal wieder gut hinbekommen, bis zu einer Grenze, die dann wieder nach neuen Ideen verlangt hat.


    Und da wünsche ich dir Barbara, dass du das auch schaffst, dass du dir deinen inneren Freiraum bewahren kannst, weil du einfach nicht mehr für deine Eltern tun kannst, da hier die Annahme verweigert wird. Das ist wie eine E-Mail, die man an eine ungültige Adresse absendet. Es kann ab einem gewissen Punkt zu keinem Austausch mehr kommen. Und ab dem Punkt ist dann ein Raum für die eigene Freiheit da, den man dann auch aufsuchen kann. Dieser Raum gehört einem dann alleine. Es gelingt einem nicht immer, weil die gegenüberliegenden Personen leider eine Reaktion von einem einfordern, aber es kann zumindest hinterher ein Ort der Ruhe für einen werden.

    Und wenn es noch nicht möglich ist eine äußere Hilfe, Betreuung zu bekommen, dann kann nur der Supergau noch helfen.


    Liebe Grüße an Dich Barbara und an alle, die hier so gut geschrieben haben

    Hallo DaLe,


    das klingt wirklich erschlagend.


    Meine Frage wäre, warum wirken die Medikamente nicht richtig. Nimmt sie diese nicht, was sein kann. Zudem hat nicht jeder Pfleger den gleichen Zugang zum Patienten.


    Oder fehlen der Mutter wichtige Enzyme, die zur P450 Gruppe gehören. Es kann aber auch sein, dass sie zu viele Enzyme hat. Wenn das der Fall ist, dann muss man die Medikamente entsprechend auswählen und dosieren. Solche Enzymtests sind aber leider kein Standard. Aber gerade in der Altenpflege sollten sie in meinen Augen zur Pflicht werden, gerade wenn man mit neuroeleptischen Mitteln und mit Opiaten arbeitet.


    Liebe Grüße

    Hallo Sohn,


    ich glaube, die Ungewissheit, wie die kommende Situation weitergehen wird, bereitet einem am meisten Sorgen. Es kommt einem so vor, als säße man auf einem Pulverfass. Die eigene Entspannung um Kraft aufzutanken, kommt leider zu kurz mit der Zeit.


    Eine solche Tendenz habe auch ich schon öfters erlebt. Man merkt am Verhalten des Demenzkranken deutlich, dass eine wohltuende und zugewandte Beschäftigung, die so ein bisschen Normalität vermitteln kann, einen fühlbaren Auftrieb geben kann, bis dann wieder das eigene innere, haltlose Gefühl auftaucht und die Frage: Was mache ich denn jetzt?


    Wenn du für kurze Zeit den Raum verlässt und er dadurch bereits sichtlich abbaut, dann ist die Bindung und das Verlassen auf dich groß. Aber es ist auch gut zu hören, dass er in der Tagespflege auch gut zurecht kommt.


    Das ihr Euch Heime ansehen wollt, ist schon mal richtig gut.


    Ich kann noch eine kleine Anregung geben, was mir und dem Demenzkranken hin und wieder geholfen hat.


    Da ich es nicht schaffe, den Link hier rein zu setzen, obwohl ich die www.-leiste des Links kopiere, mache ich das dann als Zitat:


    Zitat Anfang:


    Hallo an alle.


    Ich möchte an dieser Stelle etwas platzieren, was mir und einer guten Bekannten von mir manchmal geholfen hat.


    Meiner demenzkranken Bekannte hat das, was ich jetzt vorstellen will, hin und wieder aus einem Tief heraus geholfen. Und mir hilft es, abends einfach beim Abschalten. Ich rufe das interessante, und. wie ich meine, liebe Tier, auf meinem Tablet auf, welches ich meiner Bekannten zum Ansehen in die Hände gebe. Ich setze mich dann neben sie. Meine Bekannte mag Katzen und diese besonders. Sie geht dann lebendig mit und freut sich über dessen Verhalten. Sie ist dann ganz in ihrem Element und erstaunlich klar.

    Diese Katze ist ein Puma, der die Größe eines mittelgroßen Hundes hat. Ein Pärchen hat aus Mitgefühl das kranke Tier (chronische Blasenentzündung/Mängel) einem Zoo in Russland abgekauft. Das Tier hat zudem einen Gendefekt und kann niemals so groß werden, wie ein normaler Berglöwe. Unter Artgenossen kann er nicht leben, weil sie ihn nicht akzeptieren würden. Deshalb wollte der Zoo ihn auch abgeben. Der Puma ist jetzt wieder gesund und geht in eine Hundeschule und er ist ein guter Schüler. Ich habe selten etwas so Beruhigendes wie dieses Tier gesehen. Und einige, die sich die Videos anschauen, nennen es ihr Antidepressiva. Da kann was dran sein. Aber es ist natürlich, wie alles andere auch, eine individuelle Sichtweise.

    Dass es dem Tier anders geht als in der normalen Natur, ist verständlich. Pumas sind normalerweise Einzelgänger, aber hier ist dann doch ein bisschen anders. Da ich nichts auf dieser Welt für vollkommen ideal halte, so hat auch diese Haltung mit Sicherheit ihre Defizite, aber man versucht das bestmögliche hinzubekommen. Wer Interesse hat, kann vielleicht mal reinschauen.


    Und hier habe ich drei Videos.


    https://www.youtube.com/watch?v=GaWEAnW__3I


    https://www.youtube.com/watch?v=Pb5u8LUjamY


    https://www.youtube.com/watch?v=VEe2Qax8bb0



    Zitat Ende:




    Liebe Grüße an Dich

    Hallo liebe Ecia,


    ich kann Deinen Gedanken gut folgen und vor allem auch dem inneren Konflikt, der durch die Stimmungsschwankungen entstehen kann.


    Meine Beobachtung ist auch die, dass die Stimmungen recht schnell kippen können, vor allem wenn alte Verletzungen plötzlich getriggert werden, die man nie wirklich reflektieren konnte.


    Und auch das etwas direkt in Ordnung gebracht werden muss, egal, was die äußeren Ressourcen hergeben, auch das kenne ich.


    Manches kann man dann auffangen, bei anderem denkt man wiederum: Das Frustrierendste ist, dass von einem selbst dann eine Antwort erwartet wird. Man kann regelrecht in die Enge getrieben werden. Das habe ich bei einigen Demenzkranken schon erlebt.


    Man braucht da viel Gespür. Manchmal kann man bei total überzogenen Forderungen sagen, dass man selbst nicht mehr kann. Nan macht soviel für denjenigen und man ist selbst fast am Ende. Wenn es hart auf hart kommt, dann kann das tatsächlich gut wirken.


    Ein andermal verlässt man dann besser das Zimmer oder es hilft eine Ablenkung.


    Ich glaube man wird irgendwann ein Gespür dafür entwickeln, was jetzt helfen kann und was nicht. Und manchmal hilft dann auch wirklich nichts mehr. Dann wird einem zum Aushalten geraten und es bleibt einem auch nichts anderes übrig. Im Aushalten sind wir Menschen wohl richtig gut. - Denn wenn man es nicht tut, dann wird es für einen selbst leider noch unangenehmer. Auch wenn man das dann irgendwie hinbekommt, es tut trotzdem immer etwas weh. So kenne ich das.


    Liebe Grüße an Dich

    Hallo Sohn,


    das ist leider genau die Lage, die viele irgendwann erfahren haben.


    Es ist gesundheitlich etwas besser, aber die Demenz-Krankheit schläft leider nicht. Und ja man weiß manchmal nicht, was besser für denjenigen wäre, wenn es um Gesundheit/Krankheit geht, weil man selbst so belastet ist, dass das eigene Leben nicht mehr richtig funktionieren will.


    Wenn die liebe Verwandtschaft keinen Handlungsbedarf sieht, dann ist das eher eine weitere psychische Belastung für einen selbst. Denn letztendlich müsste der Vater fast 24 Stunden unter Aufsicht sein. Und gerade abends und nachts ist es wichtig, vom Tag irgendwie nochmal auftanken zu können. So habe ich das bei mir erfahren.


    Ich habe anstrengende Arbeiten neben der Betreuung gehabt und dabei ist es mir wichtig gewesen, wenigstens nachts mal für mich sein zu können.


    Es hilft im Grunde nur eines:

    Mit den Verwandten noch einmal sprechen, dann die Reaktion abzuwarten.

    Aber letztendlich ist das auch kein Garant für eine dauerhafte Hilfe. Im Grunde läuft es doch mehr auf eine 24-Stunden-Betreuung oder ein Heim hinaus.


    Seriöse Organisationen gibt es. Aber letztendlich muss auch die Chemie stimmen.


    Es ist leider oft so bei einer Demenz, dass derjenige sich gut fühlt, es aber gedanklich bei weitem nicht mehr ist. Dann rückt ein Pflegeheim auch gefühlt in weite ferne für denjenigen. Ich würde hier aber eher nicht nachgeben, sondern eher etwas tricksen. Ich würde mit dem Vater dort mal zum Kaffee oder Essen hingehen. Aber ob das so bald wieder möglich ist. - Dieses dumme Corona macht einem da ja einen Strich durch die Rechnung. Dann würde ich halt mit dem bevorzugten Heim sprechen und eine lockere Begehung vereinbaren.

    Das dürfte doch bei den Fallzahlen bald mal drinnen sein.


    Ich würde auch nicht versuchen, ständig in Habachtstellung zu stehen. Das fällt leider sehr, sehr schwer. Wenn man schon recht engmaschig für denjenigen da ist, dann kann trotzdem etwas passieren und dann steht man wieder vor der Frage, wie die weitere Betreuung aussehen soll.


    Die Tagespflege kostet ja schon einiges an Geld, so dass ich mir denke, dass eine weitere Betreuung da nicht mehr möglich ist. Wenn man selbst noch etwas Geld zur Verfügung hat, würde ich aber auch daran denken. Manche Betreuungen vom Seniorenservice können im Ernstfall auch nachts mal jemanden zur Verfügung stellen, wenn wirklich Not am Mann ist. Das ist aber sehr individuell, je nachdem wie die Seniorenbetreuung geführt wird.


    Liebe Grüße an Dich

    Liebe Hanne,


    meine Erfahrung ist inzwischen auch die, dass in einer Demenz weiterhin Reflektionen stattfinden können und das finde ich sehr berührend. Ich empfand das als bereichernd, weil ich wusste, von dem Menschen selbst, ist doch noch recht viel vorhanden. Leider schlägt die Krankheit dann doch wieder zu, aber ich habe im Hinterkopf immer auch das Positive gehabt.

    Aber ich kenne das Gefühl auch, warum manches so viel Zeit gebraucht hat. Es hätte früher halt besser laufen können und so mancher innere und äußere Kampf hätte nicht sein müssen.

    Aber ich stehe inzwischen auch auf dem Standpunkt, dass ein jeder Mensch sein eigenes Leben und seine eigene Entwicklung hat, trotz der Verbindung, die man mit demjenigen hat. Und hier liegt in meinen Augen auch eine Grenze, wo man dann wirklich nicht mehr weiterhelfen kann, weil der andere noch nicht so weit ist usw.


    Meine liebe Schwiegermama hat das einmal sehr deutlich zum Ausdruck gebracht. Als sie nach Kriegsende von Polen aus mit dem Zug in ihre Heimat zurück gefahren ist, da war eine weitere junge Frau mit im Zug, die sich regelrecht an sie geklammert hat. Sie hat sich hier wohl mehr erhofft, halt Stärke und Hilfe auf ihrem Weg. Meine Schwiegermama war eine recht starke Person, einerseits. Sie hat aber gemerkt, die Frau zieht sie runter und wenn sie mit ihr geht, dann wird auch sie untergehen. Das war ein ganz deutliches Gefühl. Jedenfalls hat sie das dann beendet und sie hat sich von der Frau distanziert, um selbst überleben zu können.


    Ich weiß inzwischen auch, dass man manches gerne ganz anders hätte, aber die Umstände des Lebens geben nicht mehr her. Ich habe mir das auch im Heim oft vor Augen geführt, aber es hinterlässt doch Einschnitte im eigenen Leben.

    Mir ist es dann darum gegangen, trotz dieser Einschnitte, immer weiter gehen zu können. Aber ich habe auch gemerkt, es ist ein auf und ein ab.

    Ich glaube ja an eine bessere Welt, als die die wir jetzt haben.

    Aber bis es so weit ist . . .


    Liebe Grüße an Dich und an all die anderen

    Hallo, Herr Hamborg,


    danke, für die ausführliche Erklärung, die ich wieder als hilfreich empfinde.

    Meine Erfahrung ist inzwischen ja die, dass bei einer Depression, auch Trost nicht hilft und dass so mancher Erklärungsversuch, wie der mit dem Appartement, dass der in gewissen Phasen auch nicht hilft.

    Aber irgendwann hilft es vielleicht dann doch.


    Es gibt auch Phasen, da hilft fast gar nichts mehr. Da hilft dann oftmals nur rausgehen und fünf bis zehn Minuten später wiederzukommen oder vielleicht sogar erst am nächsten Tag.


    Gut finde ich es ebenfalls, wenn Demenzkranke ein Zimmer haben, wo dann auch wirklich etwas zu sehen ist draußen auf der Straße, damit sie abgelenkt werden. Aber auch das dürfte bei jedem anders sein.


    Manche Demenzkranke merken es auch, wenn man sie ablenken will. Da habe ich dann zu demjenigen gesagt, dass ich das nur mache, damit es demjenigen besser geht. Aber auch das wird oftmals nicht angenommen.


    Man muss bei dieser Krankheit mit allem rechnen.


    Liebe Grüße an Sie und an alle anderen, die hier mitlesen

    Hallo Sonnenblümchen, hallo Hanne,


    ich kann hier nur teilweise mitreden. Ich kann hier nur über das Gefühl gehen, welches ich aber gut nachvollziehen kann.


    Das Haus meiner Schwiegermama bleibt ja in der Familie. Das macht den Söhnen ect. sicher nicht zu schaffen.


    Meine Eltern haben immer in Miete gewohnt, bis auf die letzte Wohnung, die sie nach einigen Jahrzehnten des Bewohnens, dann auch gekauft haben.


    Ich kann aber von mir sagen, dass ich in einer Wohnung, die meine Eltern in meiner Jugendzeit bewohnt haben, glücklich gewesen bin. Sie war groß, zentral, doch etwas abseits gelegen und etwas begrünt usw. Aber viel wichtiger waren die Erlebnisse, die ich hier gehabt habe. Es gab für mich viele schöne Momente, wobei ich heute weiß, was meine Eltern hier geleistet haben mit vier Kindern, einer demenzkranken Oma, die irgendwann bei uns eingezogen ist, usw.


    Wenn man dann aber umziehen muss, dann sind Rückblicke nicht so häufig. Ich musste dann auch eigene Wege gehen, weil in der neuen Wohnung meiner Eltern kein Platz mehr für mich vorhanden gewesen ist. Trotzdem ist die ehemalige Wohnung, ein Teil meines Lebens. Letztendlich sind es aber die Menschen und meine Handlungen und mein Erleben, was die Wohnung für mich lebendig gemacht hat.


    Wenn ich heute daran vorbeifahre, dann denke ich gerne an die Zeit zurück. Und das Interessante ist, dass ich immer wieder in längeren Abständen von dieser Wohnung geträumt habe. Ich bin dann durch die Zimmer gegangen und habe hier einiges erlebt, manchmal auch Skurriles, habe mich aber immer wohl hier gefühlt.


    Aber je mehr ich dann über mich selbst nachgedacht und erfahren habe, desto mehr wuchs auch der Abstand zu der Wohnung. Heute denke ich, wie gesagt, gerne daran zurück, aber ohne Wehmut.


    Und wenn ich an die jetzige Wohnung meiner Mutter denke, dann ist es speziell das eine Zimmer, das wie in einem gutgestellten Gutshaus aussieht, weil sie das durch ihre Putzarbeit einmal geschenkt bekommen hat. Dieses Zimmer hat einen, wie ich finde, eigenen Charakter. Es ist, als würde man in eine andere Zeit, in einen Film eintreten. Auch die Wände sind entsprechend tapeziert usw. Dieses Zimmer mag ich sehr.


    Ich finde es in solchen Fällen immer gut Bilder zu haben. Ich schaue mir gerne Bilder an von den Dingen an, die mir gefallen haben. Und im Grunde reicht mir das aus. Ich bin dann nicht wehmütig, aber ich denke gerne an entsprechende Entwicklungszeiten in meinem Leben zurück und schaue, wie ich heute dazu stehe.

    Was verbindet dich denn mit deinem Elternhaus, mehr als du bisher gedacht hast, Sonnenblümchen?


    Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man sich die Gefühle ansehen kann, die einen mit einer Person oder einer bestimmten Umgebung verbinden und wenn man diese reflektieren und verstehen kann, dann wird es irgendwie leichter, so als würde man sich einen Teil des Lebens wieder zurückholen.


    Naja, alles in allem etwas dürftig. Aber vielleicht auch etwas tröstlich.


    Liebe Grüße an Euch beide und an alle, die hier mitlesen

    Liebe Rose,


    ich schließe mich hier an. Diese Wesensveränderungen kenne ich auch.

    Solange Ablenken funktioniert, ist das schon mal viel wert.

    Die eigene Welt ist für den Demenzkranken real. Auch ich habe da nichts dementiert. Aber manches habe ich dann doch spielerisch, selbstverständlich etwas gerader gerückt, wenn ich gemerkt habe, ich kann demjenigen damit helfen.

    Das hat manchmal funktioniert. Zum Beispiel wenn gefragt worden ist: Wo soll ich denn heute Nacht schlafen. Ich muss doch noch Heim fahren. Aber in dem Haus war ich doch schon lange nicht mehr. . .


    Diese tiefe Verunsicherung und die Angst vor der kommenden Nacht, habe ich entkräftet, indem ich gesagt habe, du hast schon seit Wochen hier ein Appartement gemietet und hier ist immer jemand, der nach dir schaut. Dann war da eine Erleichterung.


    Und bei anderen Sachen habe ich dann einfach zugestimmt und versucht einen positiven Aspekt hinzuzufügen, so dass das Hier und Jetzt leichter für sie wird.


    Aber letztendlich es gelingt nicht immer. Und je nach eigener Tagesverfassung kann es schon mal vorkommen, dass es einem dann doch nicht gut geht hinterher.


    Ich finde nicht, dass du dir zu viele Gedanken machst.

    An die neuen Verhaltensweisen muss man sich auch erst gewöhnen und eigene Wege im Umgang damit finden.


    Die positiven Aspekte, wie mit dem Würfelspiel, klingen wiederum erfreulich und auch das Basteln. Daran würde ich mich auch ein wenig festhalten.


    Liebe Grüße und sei gedrückt

    Ach, wie schön und interessant zu lesen, Hanne.


    Das werde ich in jedem Falle in Zukunft im Hinterkopf behalten, sollte es noch einmal einen Demenzkranken in der Familie geben.


    Und wieder finde ich es interessant zu hören, dass bei dem, was man gerne gemacht hat, auch in der Demenz noch gute Gespräche möglich sind.


    Liebe Grüße an Dich

    Hallo Sohn,


    da kann ich Deinen Vater auch gut verstehen. Das geht uns allen sicher genauso mit der wachsenden Unselbstständigkeit. Umso schöner ist es, wenn man ernsthaft darüber sprechen kann.

    Meine Erfahrung ist aber auch die: Wenn es gelingt, dass man Hilfe von anderen annehmen kann, was bei einer Demenz nicht immer der Fall ist, dass man sich dann länger eine gewisse Selbstständigkeit bewahren kann. Natürlich ist die dann ein Stück weit anders als früher.


    Ich weiß auch aus Erfahrung, dass ein Delir noch länger nachwirken kann und dass es hier auch Schwankungen geben kann.


    Die Sache mit der Animation, die immer mehr zunehmen kann, dass ist genau der Punkt, den man irgendwann nicht mehr alleine stemmen kann.


    Deshalb weiterhin alles Gute und auf ein gutes Gelingen mit der Tagespflege

    Hanne, wenn ich das lese,


    dann bin ich froh, dass bei uns im Heim kein Coronafall aufgetreten ist und das die Inzidenzzahlen doch nie ganz so hoch geworden sind.


    Meine Schwiegermama hätte die Maske nicht vertragen. Sie hat sie wegen gefühlter Luftknappheit meist recht schnell wieder runtergezogen.


    Im Heim durften sich auch alle Bewohner ohne Maske frei bewegen. Nur die Besucher mussten eine tragen.


    Ich stelle mir das schlimm vor, für die Bewohner, wenn man überall nur mit Maske hindarf und sei es auch nur zu den Besuchen.


    Herzliche Zuwendungen sind da ja kaum drinnen, auch wegen dem Abstand. Das geht bei manchen Bewohnern aber nicht. Die sterben dann eher wie ein vernachlässigtes Kind nach der Geburt.


    Aber immerhin ein kleiner Schritt in irgendeine Richtung.


    Liebe Grüße an Dich

    Hallo, Sohn,


    ich kann mich hier nur anschließen. Es liest sich gut, was Du hier schreibst.

    Eine Bekannte von mir hat eine Seniorenbetreuung gehabt. Bei ihr gab es auch Demenzkranke, die seit Jahren bei sie gegangen sind. Und es hat ihnen gefallen, wohingegen andere nur seltener da gewesen sind. Jeder ist hier anders.


    Ich drücke Dir weiter die Daumen und hoffe, dass noch mehr Hilfe möglich sein wird.


    Liebe Grüße an Dich

    Liebes, Sonnenblümchen,


    auch Dir danke, für deine offenen Worte. An dem Buch ist etwas dran.


    Ich kann sagen, das ich in einem, von mir vorgebenen Zeitrahmen auch ja gemeint habe. Aber die anderen Baustellen, sind, wie du es richtig sagst, auch noch da. Wie gesagt, in einem gewissen Zeitrahmen ist das auch von Herzen machbar.

    Ich habe im Grunde nur eine feste Freundin. Hier akzeptieren wir aber gegenseitig, dass wir unser eigenes Leben haben. Und wir können uns auch Monate lang nicht sehen oder nichts voneinander hören und es ist auch gut. Das kam schon öfters vor. Ich habe ein paar Geschwister, von denen mir einige mehr vertraut sind, aber auch hier herrscht kein Anspruchdenken auf den anderen. Das kommt nicht so häufig vor.

    Somit sehe ich die Seniorenbetreuerin als gute Bekannte, wenn ich ehrlich bin und ich hätte sie auch noch ein Stück weit begleitet, halt wenn mal Not am Manne ist, aber auch mit Hilfe anderer.


    Ich werde dem Ganzen jetzt Zeit geben und nichts mehr tun. Ihrem Charakter entsprechend, kann ich verstehen, dass auch sie jetzt in einer Zwickmühle steckt. Das geht ja nicht wenigen Menschen so im Alter, mal früher mal später, wenn man zwar weiß, was man alles nicht will, man im Umkehrschluss aber auch keine Vorstellung davon hat, was man dann will. Die Bedürfnisse, die man selbst missachtet, treffen aber die echten Entscheidungen für einen und nicht das, was man bisher so von sich fälschlicherweise geglaubt hat.


    Liebe Grüße an Dich


    PS.


    Ich werde schon mal den Eingangstext von mir löschen. Ich bin froh, dass Ihr mir geantwortet habt. Das hilft mir ein gutes Stück weiter.

    Liebe Hanne,


    danke für deine Antwort.


    Es tut gut, verstanden zu werden. Dass du dich in einer ähnlichen Situation befindest, das tut mir leid.


    Ich denke mir inzwischen, das Wichtigste für einen selbst ist, dass derjenige sich meldet, auch wenn es ihm nicht gut geht. Ich habe keine Probleme, da kurz Rückmeldung zu geben. Das gehört für mich, zum guten zwischenmenschlichen Leben dazu.


    Aber das sehen manche anders. Ich bin auch niemand, der alles zu Tode diskutieren will. Manches kann man einfach als ungelöst stehen lassen. Wichtig ist für mich einfach nur, dass man sich gegenseitig die seelische Ausgeglichenheit hier geben kann. Das erleichtert den Alltag einfach.


    Ich habe das, wie gesagt, auch schon mehrmals erlebt. Mit manchem kann ich gut umgehen, je nach Wichtigkeit. Ich kann auch jetzt damit umgehen, aber es beschäftigt mich trotzdem mehr als mir lieb ist.


    Ich warte jetzt einfach ab. Sie hat es leider im Leben nicht leicht, auch sie hat sich zu oft im Leben selbst vergessen. Das ist ein großes Thema und Problem.

    Ich habe teilweise den Eindruck, dass das wie eine Spirale ist, dass Menschen sich selbst vergessen können. Das ist auch Hauptthema bei der Demenz.


    Liebe Grüße an Dich

    Auch ich bedanke mich Sonnenblümchen.


    Ich glaube für mich, dass meine Veränderung über die Jahre immer ein Schritt weit mehr stattgefunden hat. Ich habe viel gelernt.


    Mit dem Tod kann ich besser umgehen, als mit manchen Dingen im Leben, die sich irgendwie immer wiederholen bei Menschen.


    Liebe Grüße

    Hallo SpreeStrom,


    an Ihrer Stelle würde ich beim nächstgelegenen Betreuungsverein anrufen und dort um Rat bitten.


    Ich weiß nur, dass man auch als Demenzkranker geschäftsfähig ist. Da Sie als Betreuer die Interessen des Vaters vertreten, sollten Sie immer mit drüberschauen, wenn etwas Wichtiges unterzeichnet wird.

    Gegebenenfalls können Sie dann Verträge rückgängig machen, wie beim Versandhandel ect.

    In Grundstücks und Vermögensangelegenheiten kenne ich mich aber nicht aus. Trotzdem habe ich hin und wieder Erfahrungsberichte über solches gelesen. Wenn der Vater hier noch korrekt handelt, aus seinem alten Wissen heraus, was durchaus sein kann, dann kann auch kein anderer das anfechten, soweit ich das bisher mitbekommen habe. Aber wie gesagt, fragen Sie zur Sicherheit beim Betreuungsverein nach.


    Haben Sie auch eine Kontovollmacht vom Vater erhalten? Das ist wichtig, denke ich. So haben Sie online jederzeit Einblicke in die Bewegungen.


    Leider kann ich nicht viel mehr zur Fragestellung beitragen. Das können andere besser.


    Liebe Grüße an Sie

    Hallo in die Runde,


    sonnenblümchen,


    ich schließe mich hier Hanne an. Sie hat das so treffend geschrieben, so dass ich da nichts mehr dazu sagen kann, weil es überflüssig wäre.


    Liebe Grüße an Dich


    Hanne,


    danke, für Deine Gedanken zur Resilienz. Deine Beispiele finde ich passend. Auch die Geschichte mit der Dachgeschosswohnung kann ich gut nachempfinden. Habe ich auch mal gehabt, ohne Balkon, brütend heiß, laute Umgebung ect.


    Ich versuche es auch, so wie du zu handhaben. Ich bringe mich mit meinen Ideen ein, warte ab, was draus wird. Wenn trotz meiner Bemühungen nichts draus wird, dann kann ich, wenn ich die Situation gut durchdacht habe, damit leben. Schlecht kann ich dann damit leben, wenn jemand mich zu einer Handlung zwingen will, obwohl es gar keine Handlungsmöglichkeiten mehr gibt im Moment. Das finde ich belastend. Und oftmals denkt man ja auch selbst, das da etwas gehen muss . . .


    Liebe Grüße an Dich