Beiträge von Teuteburger

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.

    Hallo an alle


    Wie, in dem anderen Forum beschrieben, liegt meine Schwiegermutter nach einem operierbaren Oberschenkelhalsbruch in der Geriatrie.


    Es ist für sie natürlich eine sehr schwere Zeit. Sie hat wahnhafte Phasen, da reißt sie sich sämtliche Schläuche ect. raus. und sie schreit die Söhne an, sie kenne diese nicht.


    Ich habe hinterher oft einen Zugang zu ihr finden können mit oftmals erstaunlich klaren Momenten.


    Sie bekommt jetzt abends niedrig dosiert, Haldol. Aber irgendwie scheint es mir, ist das vielleicht doch nicht das richtige Mittel. Gestern hatte sie Wahnvorstellungen ich wolle sie vergiften, ect. Sie schreit mich dann auch an und stellt immer wieder Vergiftungs- und Tötungsfragen.


    Vor allem ist es so, dass sie manchmal, die dringend erforderliche Bewegungstherapie nicht mit macht und ein andermal macht sie diese mit. Jetzt habe ich gelesen und auch von einer, an Psychose erkrankten Bekannten, gehört, das Risperidon dem ein oder anderen Patienten wieder mehr Eigeninitiative gewährt, als das bei Haldol der Fall ist.


    Gibt es hierzu eigene Erfahrungswerte. Ich werde in jedem Falle den Arzt noch einmal darauf ansprechen, denn letztendlich wird es für alle Beteiligten ein Wettlauf gegen die Zeit, wenn sie zu schnell entlassen wird. Wir brauchen dann einen guten Kurzzeitpflegeplatz. Aber letztendlich kann es ja auch an dem Mittel selbst liegen, was ich hin und wieder auch so gelesen habe. Ich hoffe, der Arzt zeigt sich hier offen, denn jeder Mensch ist individuell in seinen Verträglichkeiten und Reaktionen.


    Liebe Grüße an alle

    Hallo KoDo,


    ich drücke dir die Daumen. Ich habe gestern einen Text verfasst, aber ich bin noch nicht zum Abschicken gekommen. Bei uns ist auch alles am routieren.


    Ich setze ihn deshalb einfach mal in Kurzform hier rein.


    Hallo KoDo,


    danke, für deine Informationen zu deinem Vater. Er scheint ein aktiver und netter Mensch gewesen zu sein. Es ist für mich absolut nachvollziehbar, dass er jetzt mit seinem Leben hadert. Ein Sportler, wie er, der nicht mehr dieses Ventil und diesen Ausgleich hat und der einige Freunde mit den gleichen Interessen gehabt hat, derjenige hat es im Alter automatisch nicht so leicht, wenn daneben nicht irgendwelche anderen geistigen Hobbys, Lebensinteressen bestehen.


    Es gibt Menschen, die fühlen sich innerlich alleine und andere nicht. Es gibt Menschen, die können alleine leben und es wird ihnen nicht langweilig, auch dann nicht, wenn sie ein Handicap haben oder wenn sie abgeschieden irgendwo leben.


    Das Leben ist sehr vielseitig. Ich erlebe es leider auch oft, dass man sich sehr auf einige wenige Lebensbereiche beschränkt und das man nicht an die Zukunft denkt. Im Alter bleiben oftmals eher geistige Lebensinteressen oder vielleicht etwas, was man auch zu Hause oder alleine ausüben kann. Oder man sucht sich ein neues soziales Betätigungsfeld. Meine Schwiegermutter hat zum Beispiel eine fantastische Vorlesestimme. Sie hätte Schauspielerin werden können. Sie hätte sich zur Märchenerzählerin ausbilden lassen können. Sie hätte in Kindergärten vorlesen können. Das hätte so gut zu ihr gepasst. Aber sie hat dieses Talent einfach sein lassen. Wenn kein echtes Interesse vorhanden ist oder vielleicht erst einmal nur Schwärze aufgrund einer neuen Situation, dann ist rechtzeitige Hilfe, wie von einer Psychologin, so wie du es planst, hilfreich. Mit 82 kann da noch was gehen unter Umständen. Ich glaube bei meiner Schwiegermutter wäre es auch noch früh genug gewesen, hätte sie gewollt.


    Ich habe hier noch ein Video, welches ich ermutigend finde. Diese Frau ist hundertacht Jahre alt geworden. Als der Film gedreht worden ist, da war sie 107 Jahre alt, hat noch selbstständig zu Hause gelebt, geputzt und gekocht. Ihr Leben fing an als ihr Mann gestorben ist. Und sie hat immer ein eigenes inneres Leben, neben der schwierigen Ehe gehabt. Das halte ich persönlich für einen nicht unwichtigen Punkt.


    https://www.youtube.com/watch?v=UosgAez72J4


    Und ich hoffe sehr, dass man deinem Vater bei den Schuldgefühlen helfen kann.


    Ich hoffe, ich habe das verständlich geschrieben. Ich lese es jetzt nicht noch einmal durch. Deshalb sorry für irgendwelche Fehler ect.


    Ich muss jetzt schnellstmöglich los.



    Liebe Grüße an Dich.

    Hallo Kodo,


    ich stimme meinen beiden Vorgängerinnen zu.


    Es ist sehr schwer, wenn man im Alter seine bisherigen Lebensinhalte verliert. Und die meisten Menschen verlieren dann auch sich selbst. Ich habe das schon oft erlebt.


    Ich frage dann immer, was hat derjenige denn für eigene Lebensinhalte gehabt, außerhalb der Familie. Welche Interessen hat er verfolgt, erforscht, wo fühlt man sich gut, wenn man dieses oder jenes tut und lernt. Bei vielen Menschen ist da nicht mehr viel, ab einem gewissen Lebensalter und das macht auf Dauer unglücklich, depressiv und es lässt einen krank werden.


    Ich erlebe das auch bei meiner Schwiegermutter, auch schon vor der Demenz. Es ist schlimm zu erfahren, dass man irgendwann selbst zum Lebensinhalt der jeweiligen Person wird. Das tut beiden Seiten auf Dauer nicht gut.


    Leider wehren sich viele gegen eine Hilfe von Außen. Da dein Vater noch geistig fit ist, ist es schwer ein bisschen zu flunkern, um jemanden einzuschleusen. Das habe ich nach einigen Fehlversuchen bei meiner Schwiegermutter getan.

    Ich würde den Vater fragen, was ihm helfen würde, damit er sich nicht mehr alleine fühlt, neben seiner Frau oder dir. Vielleicht fällt ihm etwas ein. Ich kenne einen Mann, der hat sogar im Altenheim noch ein Studium angefangen, zwar ein kirchliches, aber er hat etwas nur für sich gehabt. Das hat ihm geholfen.


    Für mich selbst habe ich festgestellt, dass ich immer nur zeitweise jemandem helfen kann. Das ist traurig. Aber ich habe auch nie aufgegeben, um eine Verbesserung im möglichen Rahmen zu erreichen. Manches hat Jahre gedauert, bis es zugelassen worden ist von meiner Schwiegermutter. Manches ist auch fehlgeschlagen. Es ist immer ein wettrennen gegen die Zeit und jetzt ist es so, dass sie um die entscheidende eigene Lebensfrage nicht mehr drumrumkommt.
    Bei deinem Vater ist das sicher noch anders. Entschuldige KoDo, wenn ich frage, vielleicht habe ich es überlesen, aber wie alt ist dein Vater denn?


    Liebe Grüße an Dich

    Fragnichtwarum,


    ich finde, du hast das gut ausgedrückt, was man als Angehöriger fühlen kann und welche Zweifel einen begleiten können. Und ich stimme dem in allen Punkten aus Erfahrung zu, die aber trotzdem, auch mal von anderer Seite etwas Zustimmung braucht. Danke dafür.


    Gobis


    auch dir danke, das mache ich auch in einigen Bereichen inzwischen so, aber wo ich regelmäßig bisher gescheitert bin, dass ist das Duschen gehen. Wenn sie sagt, sie müsse sich die Haare mal waschen und überhaupt, dann stehe ich auf und sage: Komm wir machen das jetzt. Und regelmäßig kommt da ein Nein. Beim Wäschewechseln klappt das hin und wieder mal, aber bei Körperpflege nie. Selbst, wenn sie sich eingekotet hat, dann geht Abwaschen nur in einer Fußbadewanne. Wirklich blöd. Ansonsten handle ich inzwischen auch mehr, als das ich frage. Geht gar nicht anders.


    Liebe Grüße in die Runde

    Hallo Seppi,


    das klingt in meinen Augen nicht gerade professionell, was du über das Heim schreibst.


    Das die Betreuungen, dank Corona ect., auf Sparflamme laufen, das ist schon mal ein Zustand, der leider in der Debatte über Schutzmaßnahmen, kein Gehör findet, obwohl man das wesentlich besser gestalten könnte.


    Aber wenn jemand Schmerzen hat, dann muss gehandelt werden.
    An deiner Stelle würde ich mich sofort mit einem Hospiz in Verbindung setzen und mich hier beraten lassen. Die Schmerzen müssen weg. Da gibt es keine Diskussion.


    Ein Hausarzt kommt auch bei uns nur zu seinen vorgegebenen möglichen Zeiten, ansonsten verweist er auf das Krankenhaus. Das ist leider oftmals so. Trotzdem würde ich den Hausarzt um einen konkreten Termin bitten. Dauert das zu lange, dann würde ich den Notarzt einschalten. Eine Untersuchung der Mama währe wichtig, um zu wissen, wie ihr körperlicher Zustand ist, auch im Bezug auf einen möglichen Sterbeprozess.


    Ein Liter trinken am Tag ist gar nicht so wenig. Ein Bekannter von mir trinkt bestenfalls dreiviertel Liter am Tag, mehr bekommt er nicht runter. Er ist achtzig, sehr fit und die Nierenwerte sind gut, schon immer gewesen.
    Auch meine Schwiegermutter trinkt wenig. Trotzdem sind die Nierenwerte wie bei einer Sechzigjährigen, laut Ärztin. Trink- und Literzahlen sind nicht die einzigen Parameter, um etwas über ein Organ auszusagen, denn der Stoffwechsel eines jeden Menschen ist doch sehr individuell. Die Richtwerte helfen trotzdem dabei, um eine Orientierung für mögliche Entgleisungen finden.


    Liebe Grüße

    Fragnichtwarum,


    danke für den Link. Die Seite gefällt mir gut, besser als alles, was ich vorher zum Thema gelesen habe.


    Hier haben auch die Pflegerinnen ihre Rechte und das finde ich richtig.


    Liebe Grüße

    Hallo Rose,


    das, was du schreibst, das kann ich gut nachvollziehen. Ein Happy End, wäre schön, aber das kann es bei solchen Konstellationen kaum geben.


    Auch meine Schwiegermutter glaubt, dass immer über ihren Kopf hinweg entschieden worden ist. Auch wenn es nicht so schlimm gewesen ist, wie bei deiner Mutter und bei deinem Vater, so hat sie doch in einer ständigen Abhängigkeit von anderen gelebt. Andererseits hat sie aber auch nie ein eigenes Leben gewollt. Ihre Welt war klein und recht eng gestrickt. Sie hat auf sich selbst kaum Wert gelegt und jetzt, wo ihr Körper mehr Zuwendung braucht und ihr Geist mehr Zuwendung braucht, als sie das früher gemacht hat, da ist da nichts, nichts, was sie noch von anderen annehmen kann und sie will es auch nicht. Sie will im Grunde ihr altes Leben in mittleren Jahren zurück haben.


    Im Demenzzentrum hat man mir das genau und nachvollziehbar erklärt. Ich kann machen, was ich will, ich kann ihr das vergangene Leben nicht wiedergeben.


    Ob es über eine ausländische Pflegekraft besser funktionieren würde, das kann man nicht wissen. Es kann genauso gut das Gegenteil der Fall sein. Um es genau wissen zu können, dafür müsste sich der Demenzkranke vor seiner Krankheit tief in die Materie eingearbeitet haben, damit auch in der Demenz hier noch etwas von übrig geblieben wäre, sozusagen im Unterbewusstsein.
    Meine Schwiegermutter hat einen dermaßen starken Willen und sie würde, wenn sie nicht wirklich total hinfällig wäre, jeden hinausekeln, der in ihrem Haus einziehen würde.


    Sie hätte aber die Gelegenheit, über einen Seniorenservice einfach mal mehrere Tage das auszuprobieren. Das macht sie aber nicht.


    Glaubst du, dass deine Mutter das gemacht hätte? Alle Entscheidungen bleiben bei uns und ich kann die Schwester gut verstehen und auch ihre Panik.


    Die jetzige Situation ist, so wie ich das lese, schon recht ideal. Ich würde höchstens die Familie bitten, dass sie regelmäßige Besuche bei ihr macht. Das Zuhause von früher wird es nicht mehr geben. Und auch eine ausländische Pflegekraft wird nicht zwingend über Weihnachten da sein. Auch diese kann mal krank werden, ect. Und dann.


    Wenn ein Mensch, egal, ob jung oder alt, keine eigenen Interessen im Leben hat oder gehabt hat, die ihm auch dann weiterhelfen können, wenn er eingeschränkter leben muss, dann zerbricht ein Teil vom Leben in ihm. Manche ziehen sich dann ganz zurück und andere werden aggressiv. Manche wechseln auch mal die Seite. In einer Demenz, deren Ursache weitgehend noch unklar ist, fehlen ohnehin die Zugriffe auf ein geistig eigenständiges Leben.


    Das kann man nicht ganz auffangen, sondern nur Anteile davon. Ich finde das auch sehr traurig.
    Aber wenn ich in andere Länder schaue, dann geht es uns einerseits noch gut, wenn man ein solches Pflegeheim gefunden hat, wie ihr. Und doch ist die Auseinandersetzung damit oftmals belastend. Besser als anderswo ist noch lange nicht gut.


    Liebe Grüße

    Hier habe auch ich interessiert mitgelesen.


    Fragnichtwarum, ich suche eventuell neben einem Heimplatz, auch eine passende Agentur. Welche können Sie ihrer bisherigen Erfahrung nach, empfehlen?


    Ich habe es bei einer versucht, die auch einen Nachbarn von meiner Schwiegermutter betreut hat. Aber da war dann so vieles auch im Umbruch gewesen, so dass ich nie eine Antwort erhalten habe.


    Über einen Tipp würde ich mich freuen.


    Liebe Grüße in die Runde

    Hallo Rose,


    schön von Dir zu hören. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass man mit der Aggression erst einmal nicht umgehen kann. Mir ist auch das sehr schwer gefallen. Im Grunde hätte ich am liebsten alles hingeschmissen, nachdem das immer stärker zugenommen hat. Wenn meine Schwiegermutter körperliche Probleme hat, wie nach einem Sturz, dann hat sie innerlich keinen Anpack mehr und dann kann sie richtig, richtig gemein werden. Sie hat sich aber jedesmal wieder recht gut erholt. Trotzdem bekommt jeder dann sein Fett ab, für ihr Leiden. Sie verliert dann enorm an körperlicher und geistiger Substanz. Die Seniorenbetreuerinnen, die dass auch hin- und wieder erlebt haben, haben natürlich Verständnis für sie, aber sie haben auch gesagt, dass ich es sehr schwer mit ihr habe und sie haben mich ehrlich bedauert. Und diese Frauen haben teilweise 30 Jahre in der Pflege gearbeitet.


    Wie ich in dem anderen Thread geschrieben habe, habe ich aber meine Grenzen der Belastbarkeit immer ein Stück weit verschieben können. Aber ich habe da auch lange für gebraucht.


    Es freut mich, dass du mit meinen Erfahrungen etwas anfangen kannst. Und es tut auch mir gut zu wissen, dass ich nicht alleine damit bin.


    Es ist auch nur allzu natürlich, dass Deine Mutter im Kreise der größeren Familie besser zurecht kommt, als wenn man alleine mit ihr ist. Das ist bei uns genauso.
    Und es ist dann auch kein Unterschied, ob man sie im Heim besucht oder ob sie bei einem Zuhause ist. Sie wird sich nach der damaligen Zeit zurück sehnen, als ihre Gefühle und Bedürfnisse noch einigermaßen befriedigt werden konnten und das kann man als Einzelner ihnen aber nicht geben. Das habe ich auch immer wieder feststellen müssen.


    Ich versuche immer Verständnis für die Demenzkranken aufzubringen. Und ich weiß, dass Menschen, sich gerne projizieren, auch auf einzelne Verwandte, die es gut mit einem meinen. Aber leider wird das, was derjenige geben kann, denjenigen trotzdem nicht ausreichen, wie gesagt, und dann wird man auch gerne zum Prellbock oder halt die Pfleger.
    Wenn ich Aggressionen erlebe, dann sehe ich dahinter immer den Verlust, den der Demenzkranke in sich jetzt erlebt und das hilft mir meist beim Ruhigbleiben und beim Verstehen. Allerdings gestehe ich auch mir zu, dass auch ich diesen Verlust nicht in vollem Umfang auffangen kann, weil ich auch noch viel um die Ohren habe und ich nicht nur für denjenigen alleine da sein kann. Und das sage ich dann auch ehrlich. Ich sage, wo ich mit Freude helfen und geben kann und wo ich es nicht kann.
    Das hat so manche Situation schon entschärft, auch wenn erstmal Widerstand da war. Dann kommt oft der Spruch: Das verlange ich auch gar nicht von dir. Und ich denke dann: Doch, du verlangst von mir eine Lösung, für all deine Probleme, die du vor Jahren hättest selbst lösen können. (Vor der Demenz) Stattdessen hast du dein Alter und alle deine Bedürfnisse, die damit zu tun haben, verdrängt, egal wie oft ich dich darauf angesprochen habe.
    Und das gibt mir dann Halt, zu wissen wie die Situation jetzt ist und warum sie so ist, wie sie ist.


    Für mich ist bei all dem nur wichtig, dass ich dann wieder gehen kann, ich nach Hause kann und ich auch mal Zeit für mich habe, meist nachts im Bett, um mir solche Umstände bewusst zu machen.


    Am schwersten einzugestehen ist für mich, eben nicht alles auffangen zu können, wonach der Demenzkranke verlangt. Aber ich gebe, wie gesagt, gerne das, was ich geben kann. Und da lasse ich mich auch nicht von ihren Aggressionen abschrecken. Bevor ich das alles mir bewusst gemacht habe, habe ich mich total hilflos, ausgeliefert und am liebsten auf der Flucht gesehen.


    Ich selbst habe in der Familie nicht direkt Gewalt erlebt, vielleicht redet man sich die Tracht Prügel, die es alle Schaltjahre gegeben hat auch schön, weil ansonsten hier ein gutes Verhältnis dagewesen ist, aber in meinem Umfeld hat es einige Jahre viel Gewalt gegeben in der Schule ect. Ich habe das deshalb auch nicht gut aushalten können. Aber durch meine Überlegungen funktioniert es erstaunlicherweise immer besser. Ich sehe hinter jeder Gewalt die eigene Hilflosigkeit, unbefriedigte Bedürfnisse und Verluste. Und das hat mir enorm dabei geholfen, immer weniger Angst vor diesen Aggressionen zu haben.


    Liebe Grüße an Dich Rose

    Hallo Rose,


    das, was du schreibst, dass kenne ich auch in einer ähnlichen Form.


    Meine Schwiegermutter hat schon lange diese zwei Seiten. Ich bin auch der Meinung, dass die meisten Menschen unter ihrer oberflächlichen freundlichen Schale, auch noch anderes schlummern haben.
    Ich habe schon mehrmals die Erfahrung gemacht, dass Menschen, wenn sie gefühlt noch einigermaßen mit dem Leben zurecht kommen, auch in schwierigeren Situationen noch ihren ursprünglichen Charakter einigermaßen behalten. Aber sobald die eigene Hilflosigkeit und Abhängigkeit eine gewisse Grenze überschreiten, kommt auch das, was unter der Oberfläche liegt, zu Tage.


    In einer Demenz, in der einige Anlaufstellen im Gehirn wegfallen, haben Bedürfnisse es schwer, Gehör zu finden. Und das kann, so mein Verständnis, belastend sein. Meine Schwiegermutter hat ein ähnliches Problem mit ihrer Gesundheits-, aber auch mit ihrer Bankkarte. Sobald diese mal gebraucht wird, weil man beim Arzt ein Rezept im neuen Quartal abholen muss oder weil sie Geld braucht. Dann vergisst sie oftmals, dass sie selbst die Karte weitergegeben hat.
    Und durch dieses Vergessen, wird ein Grundbedürfnis sozusagen im Stich gelassen. Jeder Mensch hat seinen Besitz und wenn da etwas einfach weggenommen wird, so wie die Demenzkranken es vermuten, dann ist das, als würde man ein Teil von ihnen einfach missbrauchen, gefühlt. Das entspricht zwar nicht der Tatsache, ist aber für sie so.


    Ehrlich gesagt, ich kann damit einigermaßen gut umgehen, auch wenn ich mich dann oft wiederholen muss. Es gibt aber auch Situationen, die mich aus der Bahn werfen. Ich sage meiner Schwiegermutter dann, so wie du, warum die Karte nicht mehr da gewesen ist. Manchmal akzeptiert sie das, vergisst es aber wieder und fragt dann erneut nach. Und es kommt auch immer öfters vor, dass sie bei ihren Unterstellungen bleibt, nicht unbedingt bei mir, wir haben noch ein starkes Vertrauensverhältnis, das aber auch irgendwann vielleicht nicht mehr greift. Ich habe neulich auch die Karte für einen Tag mitgenommen, um sie am nächsten Tag sofort zurückzubringen. Sie hat mich des Stehlens und aller anderen üblen Dinge verdächtigt. Als ich wieder dagewesen bin und ihr das Geld hingelegt habe, ging es wieder.


    Meine Strategie ist die, immer wieder ruhig zu wiederholen, warum die eine oder andere Karte im Moment nicht da ist. Und wenn sie das nicht akzeptieren kann, dann ist das bei ihr so und ich akzeptiere das, versuche sie abzulenken. Geht auch das nicht, dann halte ich es einfach aus. Und manchmal verlasse ich auch den Raum, mache etwas anderes und wenn ich dann zurückkomme ist es besser. Essen und Trinken hilft manchmal auch.
    Ich habe aber auch schon die Situation erlebt, dass zum Beispiel ein Nachbar einen Strauch, der auf seinem Grundstück gewachsen ist, geschnitten hat. Er stand an der Grenze zu ihrem Grundstück. Das hat er ihr auch vorher gesagt und angekündigt. Was soll ich sagen, sie ist wutentbrannt in den Garten gelaufen, hat gesagt, mit einer älteren Frau könne man das ja machen, einfach "Ihre" Sträucher wegschneiden. Da wäre kein Respekt und kein Verständnis. Der Nachbar war total entsetzt. Als sie wieder drinnen war, habe ich diesem erklärt, dass man in einer Demenz sehr genau weiß, dass man das Leben immer ein Stück weit mehr verliert. Die dementen Menschen projizieren sich dann automatisch auf alles, was sie äußerlich besitzen. Und sobald das jemand benutzt oder nimmt, dann ist dass gefühlt, als würde man ihnen ein Stück Leben wegnehmen. Und ich weiß dass das so ist, weil ich das bei meiner Schwiegermutter schon so oft erlebt habe. Das haben die Nachbarn auch gut verstanden. Sie haben ihr dann eine sehr liebevolle Karte geschickt und dann ist es für meine Schwiegermutter auch gut gewesen.


    Wie man die Situation im Heim lösen kann, vielleicht mit einer Ersatzkarte, mit einem Blümchen, was eine Pflegerin überreicht, als Anerkennung und Danke, dass sie die Karte kurzfristig nehmen darf. Man kann das Blümchen ja selbst kaufen.


    Demenzkranke brauchen viel Sicherheit, dass man Ihnen nichts wegnimmt. Manches lasse ich aber wie gesagt im Sande verlaufen, egal wie oft sie es wiederholt, aber nur bei fremden Personen mit denen sie nichts näher zu tun hat. Bei anderen versuche ich zu vermitteln.


    Und manchmal hilft auch ein klares Wort. Das macht mein Partner. Er ist dann sehr bestimmend und rückt die Gedanken einfach gerade und Punkt. Auch das hat manchmal geholfen.
    Ich habe das auch schon gemacht, als sie fast hysterisch immer wieder auf etwas beharrt hat und sie mich persönlich angegriffen hat.


    Aber jeder Demenzkranke ist anders.


    Liebe Grüße Dich

    Hallo Seifenblase,


    ihre Situation ist wirklich schwierig.
    Wichtig ist im Grunde für einen Demenzkranken, dass eine gewisse Vertrauensbasis vorhanden ist, auch wenn immer wieder mal Widerstände auftauchen.
    Gibt es da nichts mehr oder ist die Mama, unter anderem, wegen der Person X so wankelmütig. Es stellt sich mir die Frage, in welchem Verhältnis die Person X vor der Demenz zu ihr hier gestanden hat. Also eher enger oder entfernter Bekannter.
    Können Sie Ihre Mama auch nicht in einem ruhigen, fürsorglichen Gespräch erreichen?


    Gibt es denn einen Pflegegrad? Würde sie auch Hilfe von einem Seniorendienst zulassen, vielleicht nach anfänglichen Schwierigkeiten? Oder ist sie noch recht selbstständig. Ich frage deshalb, weil andere Eindrücke von außen, auch etwas bewirken können, wenn die familiäre Situation erst mal nicht so gut ist.


    Das, was Sie geschildert haben, könnte ich so auch nicht mitmachen, wenn da gar keine Basis mehr da sein sollte. Würden Sie denn die Betreuung abgeben wollen?


    Liebe Grüße

    Hallo in die Runde,


    das, was Mirabai schreibt, sehe ich ähnlich.


    Was die Buchempfehlungen angeht, so hat jeder wohl seinen eigenen Zugang.


    Bei Dahlke bin ich zwiegespalten, was die negativen gut ausgebauten und durchdachten Kundenrezessionen auch zum Ausdruck bringen. Ein erster Ansatz und eine erste Hilfestellung kann er sein. Aber er ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss und mir zu dominant in Bereichen, wo eher noch Zurückhaltung und noch mehr Forschungsarbeit nötig wäre.


    Luise Hay ist da anders und in einem bestimmten Rahmen mir näher.


    Liebe Grüße an alle

    Hallo Barbara,


    wir haben ein ähnliches Problem mit den Tabletten.
    Und wir stehen auch auf dem Standpunkt, sie nicht zu zwingen. Es heißt an einer Stelle im Gesetzbuch, die Würde des Menschen ist unantastbar und das sehe ich in dem Falle genauso.
    Meine Schwiegermutter vergisst die Medikamente oft. Da zweimal am Tag der Pflegedienst kommt und ansonsten täglich jemand da ist, probiert jeder das einmal. Manchmal funktioniert es und ein andermal ist sie so stur, das gar nichts geht. Bei einer Pflegerin ist sie aber auch williger als bei uns oder anderen Pflegekräften. Diese ist sozusagen hart aber herzlich. Wir könnten uns das bei ihr jedoch niemals erlauben. Aber auch diese stopft ihr nicht die Medikamente in den Mund, sondern versucht mit klaren Worten, ihr die Konsequenzen aufzuzeigen. Aber auch das funktioniert nicht immer.


    Die Konsequenzen der Nichteinnahme sind erstaunlich gering. Auch wenn sie nur alle zwei Tage einen Betablocker nimmt, dann ist ihr Blutdruck immer noch im Rahmen.
    Die Ärztin weiß davon und auch der Pflegedienst kann damit leben. Zwingen geht nicht und das ist auch richtig so. Versuchen ja. Bei uns hilft oftmals auch das Anbieten. Dann kommt eine Ablehnung. Dann lass ich Tabletten in ihrer Nähe liegen, spiele Karten mit ihr oder mache sonst etwas mit ihr, und dann nimmt sie die Tabletten irgendwann dann doch.
    Und wenn es mal nicht so sein sollte, dann ist das tatsächlich ihre Entscheidung, die ich respektiere.


    Liebe Grüße an Dich

    Hallo Ingo,


    das ist ein schöner Gedanke von dir, dass du deine Mutter zu Hause pflegen willst.


    So, wie du sie beschreibst, könnte das vielleicht funktionieren, einerseits. Aber es spielen da auch noch andere Faktoren eine Rolle.


    In welchem Stadium der Demenz ist sie denn?


    Kann sie auch noch Fernsehen oder einer anderen Tätigkeit alleine beschäftigen?
    Wird sie trotz ihrer lieben und leisen Art in manchen Bereichen wehrhaft, wie bei der Körperpflege, beim Essen? Oftmals wird einiges abgelehnt, weil man glaubt, dies schon gemacht zu haben. Eine Ablehnung an sich ist nicht schlimm, denn man kann ja immer wieder mal nachfragen ect. Aber das kann irgendwann trotzdem ein schwieriger Punkt werden.


    Man kann sich auch in einer Demenz verändern. Auch das habe ich schon gelesen. Von lieb bis wehrhaft und streitbar.


    Zudem kann das Verhalten dem Sohn gegenüber irgendwann anders sein, wenn man zusammen wohnt, als wenn man sich früher nur zu bestimmten Zeiten gesehen hat.


    Es ist nicht leicht hier vorauszuschauen. Manche Charaktereigenschaften sind latent vorhanden und äußern sich immer stärker, je weiter die Krankheit voranschreitet.


    Und wie ist das nachts? Kann sie schlafen? Die meisten Demenzkranken können das irgendwann nur noch schlecht und sie sind dann auch nachtaktiv.
    Zudem wollen so gut wie alle, dass man sie beschäftigt. "Was mache ich denn jetzt", ist eine häufig gestellte Frage und das auch schon mal nachts oder wenn man gerade andere Sachen erledigen muss, die man nicht aufschieben kann ect. Kann sie es ertragen, wenn man sagt: "Du, ich muss das hier jetzt zu Ende machen, dann habe ich Zeit?"


    Ich habe aber auch schon gehört, dass Demenzkranke bis zum Schluss umgänglich gewesen sind, aber eher mit einigen Personen zusammen, die gemeinsam hier Aufgaben übernommen haben.


    Auch bei einer Pflege zu Hause ist es besser, man nimmt sich sofort Hilfe von außerhalb dazu. Eine Seniorenbetreuerin, einen Pflegedienst ect. Alleine sollte man das besser nicht machen, denn die Krankheit bleibt nicht so, wie sie jetzt ist.


    Ich hoffe andere schreiben hier auch noch.


    Liebe Grüße an Sie

    Danke für alle Beiträge, die ich hier gelesen habe.


    Das hilft mir selbst ein Stück weit weiter.
    Ich erkenne hier vieles wieder, auch was unsere Situation betrifft.


    Liebe Grüße an alle, die hier mitlesen

    Hallo Schwabe,


    meine erste Frage an Sie wäre, hat Ihr Vater einen Pflegegrad?


    Wir haben keine Probleme bei der Pflegeeinstufung gehabt, weil hier Anhand der eindeutigen Symptome eine Begutachtung stattgefunden hat.


    Und wenn der Hausarzt das bestätigt, dann reicht das meiner Erfahrung nach aus. Aber auch im Demenzzentrum wurde mir das bestätigt. Wenn Sie ein solches Zentrum in der Nähe haben oder einen Sozialpsychiatrischen Dienst, dann würde ich mich hier beraten lassen.


    Ich habe auch selbst immer einen Bericht für die Begutachtung mit dem MDK geschrieben. Dabei habe ich die Hauptdefizite und die täglichen Schwierigkeiten im Alltag genau geschildert. Das wird als sehr hilfreich angesehen.


    Meine Schwiegermutter hat auch einen winzigen Demenz-Test einmal im Krankenhaus gemacht bekommen. Aber sie hat sofort gemerkt, dass sie getestet worden ist und sie hat sich furchtbar darüber aufgeregt.


    Vielleicht können Experten mehr dazu sagen, ob eine neurologische Untersuchung dringend notwendig ist.


    Im Zusammenhang mit Gedächtnisproblemen können auch das Vitamin B12, Vit. D, der Calcium- und Magnesiumhaushalt ect. eine Rolle spielen. Das kann man, je nach Ernährungslage, unabhängig von der Diagnose vielleicht einmal testen lassen. Gerade im Alter sind Mängel hier keine Seltenheit und eine Demenz kann hierdurch verstärkt werden.


    Liebe Grüße an Sie

    Hallo Knaddel,


    erst einmal mein herzliches Mitgefühl für den Verlust des Vaters.


    Hat Ihre Mama schon länger eine Demenz? Ist da einiges untersucht worden oder ist das offensichtlich.


    Ansonsten verstehe ich schon, dass es bei Ihrer Mama sehr schwankend ist, wenn ein vertrauter Mensch gestorben ist. Reflektion findet unweigerlich statt. Aber in einer Demenz ist das Sortieren etwas schwieriger. Trotzdem wird der Demenzkranke seinen eigenen Weg nach und nach finden können.
    Ich glaube, man braucht da einfach Geduld. Ich glaube, es ist für die Mama wichtig, zu wissen, dass sie in ihrem Rahmen, alles für den Vater getan hat, damit es ihm so gut ging, wie es halt unter einer Krankheit machbar ist. Und mehr geht nicht.
    Wäre die Mama auch bereit psychologische Hilfe anzunehmen oder mit jemandem zu sprechen, der bei der Trauerarbeit helfen kann?
    Ansonsten ist es, denke ich, wichtig da zu sein, zuzuhören, zu stärken, dass trotz der Umstände, alles gut und richtig gelaufen ist.
    Hat Ihre Mama auch im Alltag Ansprechpartner und auch mal eine Ablenkung?


    Vielleicht hat ein anderer noch andere Ideen.


    Liebe Grüße an Sie

    Hallo Andydreas,


    ich fühle mit dir. Dass sie friedlich auf Ihre Weise eingeschlafen ist, das ist schön.


    Für die Zukunft von mir alles Gute, sowohl für Dich als auch für deine Mama. Jeder geht auch danach seinen eigenen Weg mit Reflektion manchmal früher, manchmal später. Du brauchst, so wie ich das Lese, jetzt erst einmal Abstand. Das ist nur allzu verständlich.


    Da du wahrscheinlich jetzt nicht mehr so oft hier mitlesen wirst, möchte ich trotzdem anmerken, dass ich persönlich nicht daran glaube, dass man zwingend dement werden muss. Es gibt erste Hinweise von Hüther über dien Nonnenstudie und von Louis Blank und auch einigen anderen, die das noch nicht so gut erforschte Thema Demenz und bisherige Erkenntnisse, in Frage stellen, durch neue Forschungsarbeiten und Erfahrungen.
    Aber das soll jetzt hier nicht das Thema sein. Mich würde es nur freuen, wenn du nach der Pension nicht an ein unabänderliches Schicksal glauben würdest. Und selbst wenn man dement werden sollte, was auch körperliche Ursachen haben kann, dann kann diese doch ganz anders verlaufen, wenn man sich vorher viele Gedanken gemacht hat, die einen auch in der Demenz im Unterbewussten begleiten, so dass man anders sein wird, als die Eltern es gewesen sind.


    Liebe Grüße an Dich und alles Gute auf deinen weiteren Wegen