Beiträge von Zebulon

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    Hallo Stern0709

    ganz herzlichen Dank für deine Infos zu den Reinigungskräften des Pflegedienstes.


    Bisher (jetzt ist es 13:10 Uhr) hat noch niemand zurückgerufen, mein 2. Anruf ist noch unbeantwortet.

    Wir konnten uns entscheiden zwischen einmal pro Woche 1 Stunde oder 2 Stunden alle zwei Wochen.

    Das ist ja nun wirklich keine Hilfe. In einer Stunde die Woche kann doch gerade mal der aktuelle Abwasch gemacht, der Mülleimer rausgebracht und vielleicht noch von der/den Pflegeperson/en die Zähne geputzt werden.


    Da bin ich ja noch gespannter, wie das heutige Gespräch mit dem Pflegedienst ausfällt - sofern heute noch ein Rückruf kommt...


    Nochmal Danke und schönen Nachmittag allerseits. Bleibt stark :*


    VG Zebulon

    Hallo ihr Lieben,


    wie der gestrige Urologie-Besuch ablief, kann ich im Moment nur anhand der nicht erfolgten Anrufe erraten. Da ich gestern ganztägig auf unserer Vertriebstagung war, kein Anruf auf dem Handy erfolgte und auch nach meiner Rückkehr kein Anruf am Festnetz einging, gehe ich davon aus, dass die Hygiene meines Vaters gestern OK war.

    Weiter will ich im Moment gar nicht nachbohren…

    Wenn der Konflikt eskaliert, ist es vielleicht noch eine Möglichkeit, dass der Pflegedienst die Arztbegleitung übernimmt und dann vor Ort die hygienische Vorarbeit leistet. Vielleicht würde allein diese Planung zur vorherigen Annahme der Hilfe beitragen…

    Vielen Dank, das ist eine gute Idee.

    Allerdings gibt es erst noch eine Sache zu klären/ändern…

    Die Mo-Mi-Pflegekraft hat mir mitgeteilt, dass sie im Moment fast ausschließlich mit Putzarbeiten beschäftigt ist und so gut wie nicht zu ihrer eigentlichen Betreuungsarbeit kommt.

    Außerdem erfuhr ich von ihr noch, dass sie (der Pflegedienst) genau dafür explizite Reinigungskräfte haben. Warum weiß ich das nicht? Warum erfahre ich das erst jetzt und so ganz nebenbei von einer Pflegekraft, statt vom Pflegedienst? Spätestens in ihren halbjährlichen 'Qualitätskontrollen' hätte ich gerne davon erfahren.

    Wenn einmal die Woche jemand käme, der nur und ausschließlich drei Stunden zum Putzen kommt, ist allen Beteiligten inkl. der Pflegekräfte damit mehr geholfen, als wenn Pflegekräfte ihre Kompetenz mit Putzen vergeuden.

    Aktuell erwarte ich ihren Rückruf...


    Nicht falsch verstehen, bitte! Eine Putzkraft hat auf ihrem Gebiet die gleiche Kompetenz, wie die Pflegekraft - eben jede auf ihrem Gebiet und wie existenziell wichtig eine Putz- bzw. Haushaltshilfe ist, erfahre ich jede Woche am eigenen Leib.


    Mal wieder lieben Dank für eure Geduld und fürs Lesen.


    LG Zebulon

    Guten Morgen zusammen,

    hallo Finja,

    Wenn er so gar nicht ins Heim will, vielleicht kannst du es als... ähm... "Drohmittel" nutzen?

    Naja, so bisserl 'verwende' ich es schon. Ich sag ihm immer wieder, dass wir uns die ganzen Mühen mit Pflegedienst usw. ja in erster Linie deshalb machen, damit sie beide möglichst lange Zuhause bleiben können. Das Wort Heim versuche ich eh schon zu vermeiden, lässt sich aber spätestens dann nicht mehr vermeiden, wenn er wieder in eine depressive Phase rutscht (z.B. wg. nicht eingenommener Tabletten) und 'ihr habt's mich nimma lang!' oder 'I konn nimma, i mach Schluss!' kommt. Meine Antwort darauf ist immer: "Dann weiß Du aber auch, wohin Mom's Weg führt! Weder ich noch Bruder können in der nötigen Weise für sie sorgen. Genau deshalb versuchen wir, DIR so viel es geht zu helfen. Aber Du musst schon auch mitmachen und Hilfe zulassen.".


    Wir (mein Bruder und ich) wissen, dass wir uns mehr oder weniger zeitnah das eine oder andere Heim ansehen sollten. Das nächste ist im Nachbarort und hat gemischte Bewertungen/Rezensionen. Von 3x fünf Sterne ohne weitere Begründung, bis zu 2x einen Stern mit katastrophaler Begründung. Ein Freund meines Bruders, dessen Mutter bis zu ihrem kürzlichen Tod in diesem Heim war, meinte, er könne beides unterschreiben, sowohl/als auch... Der große Vorteil dieses Heimes ist, dass es nur 3-4 km entfernt ist.


    Ich hab versucht, ihm klarzumachen, dass, wenn sie zusammen in eine Einrichtung gingen, sie sich die zuerst mal selbst aussuchen könnten, ihm dann alle Verantwortung für Mom genommen werden würde, er sich um seine Fitness kümmern könnte, Mom versorgt wissen könne, sie beide dann nur noch die guten Stunden genießen könnten + sie wären zusammen.


    Nein, nada, niente, nichts da. Heim = Siechtum. Dann lieber tot! Ende der Diskussion.


    Danke für eure Geduld und fürs Lesen.

    LG Zebulon

    Hallo ihr Lieben,


    bei unserem gestrigen abendlichen Telefonat hab ich ihn wie immer nach den Tagesereignissen gefragt. Meistens kommt eh ein 'war nix los' und ich muss weiter nachbohren.


    Auf meine direkte Frage, ob er jetzt mit Hilfe des jungen Mannes geduscht hat, sagte er nein, aber 'wir haben uns gewaschen'. "Wer wir?" - "Mutti hat mich von oben bis unten gewaschen.".


    Ich konnte mich mit einem Vorwurf nicht zurückhalten. Er kann doch nicht ernsthaft eine Ganzkörper-Schmiererei mit dem Waschlappen mit Duschen unter laufendem Wasser vergleichen… Wir versuchen IHM Hilfe zukommen zu lassen, aber wenn er selbst nichts dazutut, können wir uns das Ganze auch einfach sparen. Meine Enttäuschung war nicht zu überhören. Er hat es mir doch versprochen…

    Zum Schluss meinte er noch, der junge Mann käme ja nächste Woche wieder. Richtig, aber erst einen Tag nach dem Urologen-Termin.


    Auf jeden Fall muss ich die Mo-Mi-Pflegekraft über die ganze Sache informieren, dass sie am Mittwoch vor dem Termin ein Auge drauf hat, dass er zumindest frisch angezogen ist.


    Ich bin noch unsicher, ob ich die Nachbarn1/Freunde über den Urologie-Anruf und die Thematik informieren soll. Eigentlich müssen sie sogar informiert werden. Wenn sie ihn schon jede Woche zum Termin fahren, müssten sie auch wissen, warum er irgendwann unverrichteter Dinge wieder rauskommt…


    Und wieder ein Anruf von einer Pflegekraft, diesmal die Freitags-Dame. Meine Mutter hätte so starke Kreuzschmerzen und hat sich jetzt hingelegt. Ich brachte sie auf den aktuellen Stand und sagte ihr, dass mich das grundsätzlich nicht wundert, schließlich hat sie meinen Vater gestern von oben bis unten gewaschen. Ich schätze, sie hat jetzt einen gewaltigen Muskelkater. Wenn sich das übers Wochenende nicht bessert, muss natürlich jemand mit ihr zum Arzt, aber ich denke, ich liege richtig. Eine heiße Wanne würde Wunder wirken - das war auch früher ihr Allheilmittel…

    Die Fr-Pflegekraft ist auch eine sehr einfühlsame Dame, die meinte, man müsse bei ihm langsam und schrittweise die Reinigung steigern, beginnend mit den Armen. Könnte klappen, aber ich befürchte, die Zeit ist dafür nicht da. Zum nächsten Urologen-Termin am Mittwoch muss er 'frisch g'wasch'n, g'schneizt und kammped sei' (frisch gewaschen, geschnäuzt und gekämmt) - Spruch meiner Mutter seit meiner Kindheit.


    Mein Telefonat mit Fr-Pflegekraft wurde vom Anruf meines Vaters auf dem Festnetz abgebrochen. Er teilte mir das gleiche mit, dass Mom sich mit starken Rückenschmerzen hingelegt hat. Ich hab ihm daraufhin gesagt, dass das vermutliche die Konsequenz aus ihrer gestrigen Wasch-Aktion sein würde und er das das nächste Mal doch bitte mit dem Pflegedienst machen solle. Mom wiegt keine 50kg mehr, die ist dem nicht mehr gewachsen - außerdem auch nicht ihre Aufgabe.


    Vielleicht sieht er's langsam ein, dass er die Hilfe des jungen Mannes annehmen muss.

    Ich hab ihm erklärt, dass es für mich damals nach dem Unfall in Murnau auch nicht prickelnd war, sich mit 19 Jahren pudelnackig im Krankenbett von den jungen Pflegern (einer hübscher als der nächste ;)) waschen zu lassen.

    Da gewöhnt man sich dran, hilft ja nix.

    Aber auch mal was erfreuliches. Ich konnte meine Mutter endlich mal überzeugen, mit mir in die Stadt zu fahren.

    Eine tolle Idee, das würde ich zu gerne mit meiner Mutter machen. Eigentlich hatte ich dafür auch schon einen Plan, im nächsten Urlaub Ende Juni mit ihr zu dem Großmarkt zu fahren, in dem ich gelernt hab. Ist zwar kein Großhandel mehr, aber alles unter einem Dach. Leider musste ich feststellen, dass sie den Rolli nicht mehr aus und ins Auto bekommt - und mich aufs Geratewohl darauf verlassen, dass ein starker Passant (oder Passantin ;) ) vorbeikommt, ist mir dann doch zu riskant.

    Vielleicht hört dein Vater auch gerne Musik und ihr probiert es mal mit einem Radio oder CD im Badezimmer, am besten mit seiner Lieblingsmusik?

    Ganz lieben Dank für den Tipp. Leider hat mein Vater keinen Bezug zu Musik oder gar eine Lieblingsmusik.

    Wenn sie früher Musiksendungen angesehen haben, dann nur, weil 1. kein Radrennen zeitgleich war, und 2. meine Mom sie sehen wollte - in dieser Reihenfolge.

    A bisserl a Pascha war dann doch...

    Der Pflegedienst (als sie noch zu Hause lebte) meinte auch: "wir können/dürfen niemanden zu irgendetwas zwingen ---- außerdem lass ich mich nicht anspucken/hauen/treten"....)

    Womit der Pflegedienst natürlich völlig recht hat. Die Aggression meiner Mutter, die ausschließlich durch die Demenz zu Tage getreten ist, äußert sich Gott sei Dank derzeit nur verbal.

    Gottseidank kein Tema mehr, seit sie im Heim lebt.

    Auch wenn ich damit zur schlechten Tochter mutiere, manchmal erwische ich mich schon bei dem Gedanken, dass wohl alles besser wäre, wenn sie (beide) in ein Heim gingen. Ich versuche es ihm auch immer wieder 'schmackhaft' zu machen, aber für ihn ist das keine Option.


    Bitte nicht falsch verstehen, aber es ist beruhigend zu lesen, dass ihr ähnliche Erfahrungen, was die Reinlichkeit angeht, gemacht habt.


    Mal sehen, was das Wochenende - oder erst mal der Freitagabend - noch so bringt.


    Bleibt stark. Danke für eure Geduld und fürs Lesen.


    LG Zebulon

    Guten Morgen ihr Lieben,


    in unserem abendlichen Telefonat gestern habe ich meinem Vater die Situation nochmal eindringlich verdeutlicht.

    Er hat mir hoch und heilig versprochen, sich heute von der männlichen Pflegekraft duschen zu lassen - trotz der starken Schmerzen, die er mit seinem Pufi hat. Ich hab ihm auch nochmal die möglichen Konsequenzen erklärt - und gerade wegen seines Pufis ist eine makellose Hygiene unumgänglich.


    Eigentlich wollte ich bei meinen Eltern anrufen, wenn der junge Mann anwesend ist, aber mein Vater hat im Rahmen seines Versprechens gemeint, das müsse ich nicht tun - zumal mir ja auch der Pflegedienst mitgeteilt hat, dass sie den jungen Mann explizit darauf ansprechen.

    Tatsächlich verstehe ich die Praxis auch, denn ich hatte bei dem ersten Bericht schon den Eindruck, dass der Vater wohl schon längere Zeit nicht mehr geduscht hatte und dazu auch immer dieselbe Unterwäsche getragen hat.

    Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Urologie-Praxis mit dem Anruf bei mir und dem Androhen einer Abweisung meines Vaters davon verspricht, auf diese Weise Besserung zu erreichen. Und so halbwegs scheint es ja funktioniert zu haben, da er sich ja anschließend offenbar zumindest frische Unterwäsche angezogen hat. Aber was nützt frische Wäsche, wenn drunter alles krümelt vor Schmutz.


    Ich hoffe, dass das heute wirklich alles wie vorgesehen (und versprochen) läuft...


    Lieben Dank fürs Lesen, für eure Geduld und einfach nur fürs Dasein! <3


    LG Zebulon


    Nachtrag1: 10:45 Uhr: Soeben habe ich mit dem jungen Mann telefoniert. Ich habe ihn gebeten, mich anzurufen, ob das Ziel erreicht wurde, meinen Vater zu duschen. Er hat meine Nummer notiert, aber auch gesagt, dass er ihn nicht dazu zwingen kann. Weiß ich natürlich. Bin gespannt...


    Nachtrag2: 14:00 Uhr: Der junge Mann rief an und teilte mir mit, dass sich mein Vater leider nicht dazu bewegen ließ, sich beim Duschen helfen zu lassen, bzw. überhaupt zu duschen.


    Ich kann ihn doch nicht unter vorgehaltener Waffe dazu zwingen...

    Hallo nochmal, ich schon wieder :huh:

    Bei meiner Mutter gab es ein Pflegetagebuch, auf das ich jederzeit Zugriff hatte (es war an für mich bekannter Stelle deponiert).

    Das gibt es hier auch, ein Ringbuch mit den Tagesberichten. Nachdem wir (mein Bruder und ich) schon mehrmals die mangelhafte Kommunikation zwischen Leitung und Pflegekräften angesprochen haben (was mir von Pflegekräften auch schon bestätigt wurde), wurde uns erklärt, dass dieses Ringbuch auch zur Kommunikation zwischen den Pflegekräften untereinander dienen soll. Merkwürdige Praxis… Vor allem funktioniert das System nicht, wenn der Pflegedienst von meiner Mutter gar nicht erst reingelassen wird.


    Auch hierzu werden wir nicht müde, immer wieder drauf hinzuweisen, dass, wenn es Probleme mit dem Einlass gibt, wir angerufen werden sollen. Selbst die Nachbarn1 haben sich bereit erklärt, dass ich ihre Handynr. beim Pflegedienst hinterlassen darf.


    Und doch kommt es vor, dass der Pflegedienst - dieses Mal von meinem Vater - nach 30 Minuten heimgeschickt wird. Warum zum Henker ruft uns niemand an? - Da diese Pflegekraft im aktuellen Einsatzplan nicht (mehr) drin steht, hab ich mir eine Reklamation gespart...


    Mein Vorschlag an den Pflegedienst wäre gewesen, mit den entsprechenden Pflegekräften WhatsApp-Gruppen zu erstellen. Im Urlaub wird das Handy an die Vertretung gegeben oder ausgeschalten. Hierzu sagte der Pflegedienst, dass die Handys i.d.R. die privaten Geräte der Pflegekräfte seien und sie das nicht verlangen dürften.

    Tja, dann wäre doch die Lösung, alle Pflegekräfte mit Diensthandys auszustatten, aber das kostet…


    Ich habe nur zu zwei von vier Pflegekräften direkten Kontakt, einmal per WhatsApp und eine ist per Mail und SMS erreichbar. Das funktioniert wunderbar. Sie wenden sich direkt an mich, wenn irgendwas zu besorgen ist (Waschmittel usw.).


    Dem Pflegedienst habe ich heute schon zwei Mails geschrieben und vor ca. einer Stunde kam auch eine Rückmeldung. Sie wissen um die Probleme meines Vaters, sich helfen zu lassen. Er schämt sich und er möchte niemandem zur Last fallen. Ich hab mir dazu schon den Mund fusselig geredet, dass er das ablegen muss. Genau dafür sind die Pflegekräfte ja da. Wenn ich an meinen 'früheren' Vater denke, er kam von der Arbeit (Werkstatt) nach Hause und hat als erstes geduscht. Er kam vom Sport nach Hause und hat geduscht. Aber den gibt's halt nimma ;(


    Mein Bruder rief gerade von meinen Eltern aus an. Offenbar hat sich mein Vater inzwischen frische Unterwäsche angezogen, denn er - mein Bruder - meinte, dass er ihm gar nicht so schmutzig vorkommt. Er hat unseren Vater auch direkt angesprochen und ihm gesagt, dass er sich morgen unbedingt von der (einzigen männlichen) Pflegekraft baden/duschen lassen muss. Dem hat er wie selbstverständlich zugestimmt - als wäre es das Normalste der Welt...


    Analog dazu werde ich morgen zur Anwesenheit der Pflegekraft bei meinen Eltern anrufen und mit dem jungen Mann direkt sprechen.


    Außerdem werde ich am Mittwoch der Pflegekraft rechtzeitig Bescheid geben, dass sie drauf achten soll, dass mein Vater frisch angezogen ist. - Hoffentlich denk ich dran...

    ((Meine Mutter war früher eine absolut saubere, adrette Person mit super-sauberem und geschmackvoll eingerichtetem Haus))

    Ganz genau so war es bei uns auch.


    Da fällt mir das Lieblings-Gedichterl meiner Mutter fürs Poesie-Album ein (kennt überhaupt noch jemand 'Poesie-Alben'??):

    Vaterliebe baut das Haus,

    Mutterliebe schmückt es aus,...

    <den Rest weiß ich nimma>


    Ich danke euch unendlich für eure Anteilnahme und für euren wirklich wertvollen Rückmeldungen.


    LG Zebulon

    Sorry, wenn jetzt der 3. Eintrag hintereinander von mir kommt, aber es gibt eine neue 'Eskalationsstufe' - dieses Mal meinen Vater betreffend.


    Jeden Mittwoch hat er einen Termin beim Urologen, um seinen Pufi zu reinigen oder auszuwechseln. Soeben rief mich die Praxis an und teilte mir mit, dass der hygienische Zustand meines Vaters derart katastrophal ist, dass es der Kollegin richtig schlecht wird, so übel riecht er. Der Rand seiner Unterhose muss schon ledrig sein. Die Kollegin, die die Behandlung immer vornimmt, hat ihn schon mehrfach und immer wieder darauf angesprochen, es hat sich aber nichts geändert. Keine Ahnung, wann er zuletzt geduscht hat, ich bin ja nicht vor Ort.


    Sie als Praxis haben in erster Linie auf ihre Kolleg(inn)en zu achten, deshalb ist es für die Kollegin nicht länger zumutbar, diese Behandlung vorzunehmen. Wenn sich das nicht ändert, müssen sie - so sehr ihnen das schwer fällt, zu sagen - ihn unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken.


    Natürlich fällt mir sonntags auf, dass er keine frischen Klamotten anhat, aber dass es drunter so übel aussieht, war nicht zu erahnen.


    Ich habe jetzt mal einen Entwurf einer Mail an den Pflegedienst geschrieben. Heute Nachmittag kommt mein Bruder vorbei, mit dem werde ich die Sache erst mal absprechen und dann die Mail versenden.


    Sollte das nicht ohnehin der Pflegedienst im Auge haben? Ich weiß ja nicht, ob sich nicht sogar mein Vater weigert, sich beim Duschen helfen zu lassen (halte ich sogar für am wahrscheinlichsten), aber bisher habe ich dazu noch kein Wort vom Pflegedienst gehört/gelesen...


    Und wieder trifft der Titel meines ersten Eintrags hier zu - wir sind 'am Ende unserer Weisheit'...


    Ratlose Grüße

    Zebulon

    Hallo Taybeere,


    genau dafür (zum Herz ausschütten) ist dieses Forum da, also nur her damit :D

    Selbst mit dem Wissen, dass man das alles nicht mehr ernst nehmen sollte, trifft es doch zuweilen.

    Obwohl ich nie ein schwieriges Verhältnis zu meiner Mutter hatte, kenne ich das in der aktuellen Situation nur zu gut. Allerdings muss ich sagen, dass ich das inzwischen halbwegs gut 'abstreifen' konnte. Trotzdem kommt es immer noch vor (wie letzten Sonntag), dass ich auf ihr Geschrei eingehe und selbst laut werde.

    Ich hab mich anschließend über mich selbst am meisten geärgert, inzwischen müsste ich es besser im Griff haben. Vielleicht beim nächsten Mal…


    Mir hilft es, wenn ich mir vor Augen halte, dass die Person, die mir gegenüber sitzt, nicht die ist, die ich mein Leben lang kannte.


    Liebe Grüße

    Zebulon

    Hallo ihr Lieben,


    Stern0709

    Die unterschiedlichen Mutter/Tochter-Verhältnisse sind mir nicht nur hier schon aufgefallen - besonders unter Freundinnen bzw. im persönlichen Bekanntenkreis.


    Was das betrifft, bin ich wirklich gesegnet - von wem auch immer… und dafür bin ich schon sehr lange sehr dankbar.


    Obwohl ich mir keine besseren Eltern vorstellen kann, möchte ich meine Mutter nicht als 'beste Freundin' bezeichnen. Das würde sie in meinen Augen 'degradieren'. Eine Mama ist und bleibt einfach einzigartig. Außerdem sind das m.E. zwei wichtige, aber doch völlig unterschiedliche Rollen - aber ich weiß, was Du meinst…


    Dich auf Distanz zu deinem Vater halten, hat was von Eifersucht. Das passt aber überhaupt nicht zu ihrem Verhalten davor. Sehr eigenartig.

    Grundtenor ihrerseits ist immer wieder, ich bin schuldig an ihrer Gesamtsituation.

    Diesen Vorwurf kenne ich von einer sehr guten Freundin, deren Mutter ihr von Kindesbeinen an bis zu ihrem kürzlichen Tod vorgeworfen hat, Schuld an ihrer Situation (inkl. schwerem Alkoholismus) zu sein. Schließlich musste sie wegen ihr ihren Vater heiraten. Unfassbar, einem Kind diesen Vorwurf zu machen. Vielleicht hat meine Freundin deshalb ein so überschäumendes Selbstbewusstsein entwickelt - schließlich musste sie sich nach der Schule ums Essen für sich und ihre kleine Schwester kümmern.

    Mir stellt sich die Frage, hat sie all die Dinge ihr Leben lang zurück gehalten und jetzt mit der Demenz lässt sie es ungefiltert raus?

    Würde mich nicht wundern - und doch… denkst Du, sie konnte das ihr Leben lang so diszipliniert zurückhalten, ohne dass es Dir jemals aufgefallen wäre? Vielleicht hast du ja auch mit den 470km Distanz eine 'Pufferzone' geschaffen…


    Wenn ich bei euch so lese, dass Charakterzüge der Mütter mit der Demenz nur verstärkt wurden, muss ich leider feststellen, dass meine Mutter Charakterzüge an den Tag legt, die ihr Leben lang nicht weiter von ihr entfernt sein konnten - also völlig entgegengesetzt zu euren Erfahrungen.


    Als mir mein Vater vor einigen Jahren und zu einem Zeitpunkt, als Demenz so ganz vorsichtig in unser Bewusstsein drängte, erzählte, dass meine Mutter 'faul' wird, wusste ich erst mal nicht, wie das zu werten wäre. Entweder mit seiner Wahrnehmung stimmt was nicht, oder - wenn er recht hat - stimmt mit Mom was ganz gewaltig nicht.

    • Sie war immer gepflegt und ordentlich gekleidet. Das ist ihr inzwischen völlig egal. Wochenlang lässt sie sich die Haare nicht waschen, teilweise nicht mal kämmen und läuft mit den schmutzigsten Sachen rum, die sie finden kann. Gestern lief sie mit der Trainingshose meines Vaters rum - unnötig zu sagen, dass ihr die ständig runter rutschte. Auch das ist ihr egal.
    • Sie hatten in ihrem Arbeitsleben und später auch in Rente beide kaum Kontakt zur Nachbarschaft. Dafür hatten sie einfach zu viel Arbeit. Wir wohnten auf dem Land und beide hatten ihre Arbeitsstelle in mind. 30km Entfernung. Sie in der Münchner City und er am anderen Stadtrand. Sie hatten ihren Freundeskreis, der auch gepflegt wurde. Es interessierte sich schlichtweg nicht, was in der Nachbarschaft passierte - heute ist sie in einer sehr unangenehmen Weise neugierig. Sie läuft den Leuten, die am Haus vorbeigehen, regelrecht hinterher. Fremden Leuten hat sie letzten Sommer 'bei der Hitze was zu trinken angeboten' (ist ja noch nett). Nachbarskinder fragt sie seit Jahren, ob sie schon lange hier wohnen, sie kenne sie gar nicht…
    • Sie hat sich - besonders, wenn Dad seine Radrennen im TV ansah - mit Kreuzworträtsel, Vorhänge nähen u.v.m. beschäftigt. Sie war von morgens bis abends im Garten und hat entweder gezupft oder ihre Liege in die Sonne gezogen und gekreuzworträtselt. Die hat sie aus den Zeitungen gerissen/geschnitten und gesammelt. Als sich herauskristallisierte, dass sie auch keine Kreuzworträtsel mehr macht, habe ich still und heimlich alle zum Altpapier. Kein einziges hat sie ersetzt oder die alten vermisst.

      Allerdings hat sie mich einmal damit überrascht, dass sie ein Sudoku machte. Beim genaueren Hinsehen stellte sich heraus, dass sie einfach nur Zahlen einfügte. Schade ;(

    Stern0709:

    Lt. dem Link ist das AirTag nur für Apple möglich. Einen Verweis auf Android hab ich noch nicht gefunden. Ist aber jetzt auch nicht so tragisch. Wir müssen uns eh genauer mit dem Thema befassen. Mein Bruder ist, was digitale Technik angeht, besser im Thema als ich.

    Wir haben so eine von unserem Telefonanbieter mit der Rechenaufgabe im Namen. Die hat auch eine große Reichweite bei der Ortung und ist ziemlich genau. Vielleicht kann man so etwas ja an eine Kette oder ein Band hängen. Die Air Tracks sind auch relativ klein und leicht.

    Ganz lieben Dank für deinen Tipp. Unser Problem ist, dass sie sich regelrecht heimlich aus dem Haus schleicht. Etwas mitnehmen (absichtlich oder unabsichtlich bleibt mal dahingestellt) ist dann nicht auf ihrem Schirm.

    Aber trotzdem, dürfte ich Dich bitten, mir einen Link zu senden? Gerne auch per PN.


    schwarzerkater, der offen sichtbare Zwang meiner Mutter ist, dass sie im wahrsten Sinne pausenlos an ihrem Schal zupft (der im Übrigen auch schon vor lauter Dreck alleine steht) - stundenlang. Inzwischen haben wir (mein Bruder und ich) uns daran soweit gewöhnt, mein Vater kann es immer noch nicht unkommentiert lassen und schimpft sie immer wieder. Sie hört dann für ca. zehn Sekunden auf und schon geht's weiter.


    Ich würde es als einen persönlichen Erfolg ansehen, wenn ich den in-fremden-Gärten-zupfen-Impuls in alles-in-Zellstoff-verpacken 'umlenken' könnte. Prickelnd ist das auch nicht, aber besser als Ärger mit den Nachbarn - und sollte das gelingen, werde ich den Erfolg mit Dir teilen :D

    Sowas kann ja auch im eigenen Haus auf der Demenzstufe mal passieren,

    So geschehen bei uns März 2020. Corona nahm gerade Anlauf. Meine Mutter bekam nachts Hunger, wollte ins EG in die Küche, verfehlte den Handlauf und stürzte die gesamte Treppe - 17 Stufen im 180°-Winkel - runter. Insgesamt vier Brüche und etliche blaue Flecken.


    Und jetzt erkläre mal im täglichen Telefonat einer Dementen, dass sie niemand besuchen darf.

    Schließlich hat sie es tatsächlich fertig gebracht, die Pflegerin im Abschlussgespräch derart schwindelig zu reden, dass sie von ihr das OK für die Entlassung erhalten hat.


    Mein Bruder hat sofort seine Beziehungen spielen lassen und am nächsten Tag wurde jeweils unten und oben ein Bewegungsmelder am Treppenlicht angebracht. Leider hat sie's in den vier Jahren nicht gelernt, ihn nicht jedes Mal, wenn sie vorbeigeht, auszuschalten. Vermutlich auch 'ein Kind ihrer Zeit'. Auch wir sind damit aufgewachsen, dass 'der Letzte das Licht ausmacht'. Nicht umweltbedingt, sondern einfach nur des Geldes wegen.

    Und vor allem: Nicht springen, wenn Deine Mutter das will.

    Das muss ich auch noch lernen. Erst dieses WE hat sie zum einen mich angeschrien, zum anderen auch Nachbarin1, sie soll jetzt endlich verschwinden und was sie eigentlich überhaupt hier tut. Dass das ihre beste und noch einzige Freundin ist, ist in diesem Moment egal.

    Entgegen besseren Wissens bin ich zusammen mit ihr laut geworden - was mir nicht nur wegen ihr sofort leidgetan hat.

    Von dem zweiten Nachbarn können Sie so viel nicht erwarten, aber vielleicht gelingt es, die Belästigung durch die Störungen mit Informationen über die Demenz und die Einbindung in die Lösungsversuche zu mindern.

    Das ist auch ein älteres Ehepaar, das selbst schon demente Elternteile hatte. Deshalb haben sie ja (bedingt) Verständnis.

    Trotzdem, Danke für den Hinweis. Ich denke, es macht tatsächlich Sinn, ihnen von Zeit zu Zeit ein Update zu geben.

    Vielen Dank auch für den Hinweis auf die Deutsche Alzheimer Gesellschaft.


    Jetzt ist's auch mal genug mit meinem Geschreibsel - ist eh schon wieder ein Mammuteintrag geworden...

    Allerliebsten Dank fürs Lesen und Durchhalten.


    Fühlt euch alle geknuddelt!!

    Schönen Abend schon mal :)

    Zebulon

    Guten Morgen,


    vielen Dank Stern, PausE und Rose für eure lieben Worte und vor allem euren kreativen Ideen. Es ist tatsächlich tröstend, zu lesen, dass es anderen genauso oder zumindest ähnlich geht. Aber das wisst ihr ja selber nur zu gut…

    Stellt sich die Frage, wie die Nachbarn für diese Zeit beruhigen.

    Glücklicherweise haben wir Nachbarn1, die sich als wirklich gute Freunde meiner Eltern erwiesen haben und sich rührend kümmern. Die haben Kontakt zu Nachbarn2 und werden versuchen, sie zu beruhigen.

    so wie meine Enkel mit 2 Jahren einen Koffer durch die Gegend schieben und sagen, sie fliegen in Urlaub

    Das ist wirklich ein treffender und hübscher Vergleich :D


    PausE

    Bei meinem Vater wurde ca. Mitte der 80er Blasenkrebs festgestellt. Inzwischen - nach dem jahrelangen Harnröhren dehnen und den Blasenspülungen - ist die Harnröhre derart geschreddert, dass er seit einigen Jahren einen Pufi an der Bauchdecke hat. Bis vor etwa zwei Jahren brauchten wir mehrfach in der Woche den Notdienst, der ihn mit ins 'nächste Krankenhaus' nahm (von einem Vorort von München aus ist eigentlich kein Krankenhaus 'das nächste', vor allem, wenn man eine Urologie braucht).

    Dann richteten wir wöchentliche Termine beim Urologen ein und seitdem ist kein Notdienst mehr nötig. Zu diesen wöchentlichen Terminen werden i.d.R. beide von Nachbarn1 gefahren. Das ist eine so unglaublich große Hilfe, dass ich nicht müde werde, mich bei ihnen zu bedanken.

    Inzwischen haben wir die Termine auf Mittwochvormittag gelegt. Da ist die Lieblings-Pflegekraft anwesend und meine Mom kann mitfahren zum Urologen, muss sie aber nicht.


    Der Pflegedienst kommt mittlerweile von Mo-Sa täglich ca. 2-3 Stunden. Der Sonntag ist mit meinem Bruder und mir abgedeckt. Er hat sich ja auch oft beschwert, dass es ihm langweilig ist, und so hat er täglich halbwegs Bewegung im Tagesablauf. Ganz nebenbei schaut mein Bruder fast täglich vorbei.

    Stelle nicht heraus, was ihnen Gutes widerfahren könne, stelle im Gegenteil in den Vordergrund, dass sie Dir und Deinem Bruder extrem helfen würden, wenn sie eine Haushaltshilfe zulassen würden

    Mit diesem Gedanken konnten wir tatsächlich die Eltern zum stundenweisen Pflegedienst 'überreden'. Wie du sagtest, es ist 'für uns eine Beruhigung und Erleichterung', aber wie ich oben schon schrieb, das Thema Haushaltshilfe läuft inzwischen. Jetzt ginge es um die Bereitschaft zu einer Pflegeeinrichtung und das ist für meinen Vater das absolute KO-Kriterium ("Dann bring ich mich um!").

    Zu dem Thema Tür, kann man da nicht was als SmartHome installieren? Oder wenigstens Bewegungsmelder oder ein Tracking für Deine Mutter?

    Das Thema Haustür-Kamera und Tracking hatten wir auch schon auf dem Schirm, aber dann wieder aus den Augen verloren.

    • Die Haustür-Kamera samt Türöffner können sich mein Bruder und ich aufs Handy laden, mein Vater kommt allerdings mit einem SmartPhone nicht zurecht, das hatten wir schon probiert.
    • Tracking für Mom: Schwierig. Hat jemand eine Idee, wie sich das zuverlässig umsetzen ließe? Sie müsste das Was-auch-immer mitnehmen, wenn sie das Haus verlässt. Sie hat auch nicht mal mehr eine Armbanduhr wegen ihrer inzwischen so dünnen Handgelenke. Also Ist ein Tracking-Armband auch schon ausgeschlossen.

    Ich bin ja nicht mal sicher, ob unser Plan, die Haustüre ständig verschlossen zu halten, überhaupt zulässig ist oder ob wir uns damit schon im Bereich der Freiheitsberaubung befinden...

    Ich würde deine Mutter meinen Garten behacken lassen. Soll sie doch wenn sie es noch kann! Es ist toll, dass sie das noch kann!

    Der Rahmen, dass sie Nachbars2 Garten 'nur' behackt, ist längst gesprengt. Inzwischen schleicht sie sich - wissentlich heimlich - sogar in den Wohnraum, sofern der offen oder zugänglich ist. Das geht einfach nicht und Nachbarn2 stört das völlig zu recht.

    Bei Nachbarn1 darf sie jederzeit und rund um die Uhr das Grundstück betreten und notfalls auch im Garten zupfen.

    Auch ich versuche ihren Blick auf ihren eigenen Garten zu lenken, das tut sie aber nur mit einem eher gelangweilten 'M-hm' ab.


    Ich danke euch allen unendlich für eure Zeit, hier zu lesen und wünsche euch einen guten, halbwegs stressfreien Start in die Woche!


    LG Zebulon

    Hallo Stern,


    herzlichen Dank für deine lieben Worte.


    Ich weiß, anfangs war es für die Nachbarn2 auch noch zum Schmunzeln, deshalb haben sie's ja auch relativ lange zugelassen. Ich erfuhr die Sache erst, als es schon kritisch wurde, Ende letzten Jahres.


    Für betreutes Wohnen sind beide schon in einem zu schlechten Zustand. Die Aufmerksamkeitsspanne meiner Mutter bewegt sich inzwischen um eine Minute. Bei meinem Vater ist es der körperliche Zustand, der inzwischen höchst pflegebedürftig ist - nur sieht er es nicht ein und gibt es noch weniger zu. Erst vor ein paar Tagen sagte er zu meinem Bruder, er wolle jetzt im Frühjahr wieder anfangen Rad zu fahren. Wir sprechen hier von Rennrädern im Wert von ein-/zweitausend Euro, also hochprofessionelle 'Maschinen', wie sie von den Radlern genannt werden. Zu mir sagte er die letzten Tage sogar, sie wollen an Pfingsten wieder ins Paradiso nach Villa Rosa fahren, damit er dort wieder radeln kann (Serpentinen!!). Das ist ihr Urlaubsort seit Mitte der 80er-Jahre - in den Abruzzen, also ca. 1000km zu fahren. No Way!! Ich weiß nicht, wie ich das einschätzen soll… Glaubt er das wirklich selbst??


    Die letzten Ereignisse waren für mich Grund, mich (mal wieder) zu einer 24-Stunden-Betreuung zu informieren. Dazu hatte ich gestern einen Telefontermin. Er erzählte mir nichts neues: es geht grundsätzlich (fast) alles, es ist alles nur eine Frage der Finanzen… Ach was!! Soweit waren wir letztes Jahr auch schon. Da hab ich meinen Eltern, bzw. meinem Vater genau vorgerechnet, was es kosten würde und was vom Pflegegeld abgedeckt wird. Im Grunde wäre alles gut mit beider Renten vereinbar, es blieben sogar noch einige hundert € zum Leben und sie müssten nicht mal ihr Erspartes anpacken. Das sollte doch beruhigen - eigentlich… Kurz vor der Umsetzung haben sie alles wieder gecancelt. Es stört sie, wenn jemand fremdes im Haus ist.


    Gestern Abend machte ich den Fehler, meinem Vater von dem Telefonat zu erzählen. Es dauerte keine Stunde, da rief er mich an, er zittere am ganzen Körper und kann sicher die ganze Nacht nicht schlafen. Ich musste ihm x-Mal versichern, dass es sich nur um ein Info-Gespräch gehandelt hat und ich nichts veranlasst habe. Trotzdem musste ich ihm einfach sagen, dass wir uns auf eine Verschlechterung vorbereiten müssten und uns eben auch mit dem Gedanken einer Pflegeeinrichtung befassen müssen.


    Bei jedem Telefonat frage ich meinen Vater, ob zugesperrt ist und jedes Mal bejaht er. Als mein Bruder gestern bei meinen Eltern war, sah er, dass zwar zugesperrt war, der Schlüssel aber von innen steckte. Lt. meinem Vater war das nur ein Versehen. Ich kann ihm nur immer wieder die Dringlichkeit 'einhämmern', darauf zu achten.


    Ganz lieben Dank an alle fürs Lesen

    LG und schönes, soweit möglich unbeschwertes Wochenende

    Hallo ihr Lieben,


    jetzt hab ich mich mal wieder länger nicht gemeldet, sorry dafür. Entwürfe hab ich jede Menge, aber nicht wirklich die Muße, etwas fertig zu schreiben. Bin mal gespannt, wie weit ich mit diesem komme…

    Mitgelesen hab ich regelmäßig und bin nach wie vor voller Bewunderung, wie ihr eure Situationen meistert. Hut ab!


    Wir haben jetzt auch für meinen Vater den Pflegegrad 3 und somit kommt auch für ihn jemand. D.h. Mo/Mi/Fr für meine Mutter, Die/Do/Sa für meinen Vater = Mo-Sa kommt täglich jemand und Sonntag ist mit meinem Bruder und mir abgedeckt. Da das der selbe Pflegedienst übernommen hat, wird natürlich nicht strikt getrennt nach ihm und ihr.


    Das Problem ist nur, dass nicht nur meine Mutter die Pflegekräfte - besonders die vom Samstag - vorzeitig nach Hause schickt. Leider ist es nicht möglich, direkt mit der Pflegekraft Kontakt aufzunehmen. Indirekt über den Pflegedienst funktioniert eigentlich nicht, denn hier gibt's dann eben die 2-tägige Verzögerung, also was bringt's dann noch. Die Kommunikation mit den Pflegekräften bzw. der Agentur ist - schwierig...


    Auf Anregung meines Vaters haben wir ein Angebot für die Einrichtung eines Treppenlifts EG/1.St angefordert. Die Bewilligung für den Zuschuss der Kasse ist eingegangen, von der Kasse wurden pro Pflegeperson 4.000€ Zuschuss bestätigt. Dann kann's jetzt losgehen…


    Da sich meine eigene Situation auch nicht verbessert hat, habe ich beim gleichen Dienstleister eine Info angefordert, ob ein Treppenlift auch in einem Mietshaus angebracht werden kann. Im Speziellen geht es um schlappe sieben Stufen vom Keller zur Tiefgarage - für mich ein immer größer werdendes Sturzrisiko. Der war inzwischen da, hat sich die Gegebenheiten angesehen und auch gleich bei meiner Kasse eine Bewilligung beantragt. Feuerpolizeilich sollte es keine Probleme geben und sobald das OK der Kasse da ist, wendet er sich an den Inhaber. Mal sehen…

    ___


    Aber all das vorige wird von einer Mail überschattet, die ich heute Morgen erhalten habe.


    Situation: gegenüber meiner Eltern wohnt ein Ehepaar, das sich die Fürsorge meiner Eltern auf ihre Fahnen geschrieben hat. Sie bewohnen eine Doppelhaushälfte mit dem Eingang wie gesagt, gegenüber meiner Eltern. Die angrenzende Doppelhaushälfte hat ihren Eingang als erstes in der Seitenstraße - und genau darum geht es. Dieses Ehepaar wird von meiner Mutter regelrecht heimgesucht.


    Etwa im Herbst letzten Jahres erfuhr ich erstmals von den befreundeten Nachbarn, dass meine Mutter Nachbarn2 regelmäßig 'besucht'. Ich nahm dann direkt Kontakt mit Nachbarn2 auf und dabei erzählte sie mir die gesamte Vorgeschichte:


    Begonnen hat alles damit, dass sich meine Mutter bereits seit etlichen Monaten ungefragt und unaufgefordert auf ihre Terrasse setzte. Das haben die Nachbarn2 noch lächeln akzeptiert. Als nächstes begann meine Mutter in deren Garten zu zupfen und schließlich ging sie auch ins Gerätehäuschen um sich Werkzeug zu holen.


    Ihre Einfahrt war bisher offen und wurde von meiner Mutter als 'öffentlich zugänglich' angesehen. Nur wegen meiner Mutter haben sie eine Kette davor gespannt - was meine Mutter nur anfangs abhielt, auf das Grundstück zu gehen.


    Ein Ereignis war, dass Nachbarn2 ihr Auto für den Urlaub vorbereiteten und immer zwischen Wohnraum und Einfahrt hin- und hergingen. Plötzlich stand meine Mutter im Wohnraum hinter Nachbarin2, die einen Mordsschreck bekam, nicht zuletzt deshalb, weil es durchaus hätte passieren können, dass sie meine Mutter versehentlich eingesperrt hätten und in den Urlaub gefahren wären.


    Ein weiteres Ereignis war, dass das Paar meine Mutter bestimmt aber höflich aus dem Garten komplimentierten - was meine Mutter mit Beschimpfungen beantwortet.

    Und gleiches passierte am Samstag.


    Nachbarin2 meinte, so sehr sie die Situation meiner Mutter 'akzeptieren' würden, sie sehen es natürlich nicht ein, nur wegen meiner Mutter für etliche hundert Euro, wenn nicht mehr, ein/e Gartentür/-tor anfertigen zu lassen. Verständlich.


    Nach dieser für uns erstmaligen Nachricht letzten Sommer war unsere Reaktion, dass wir meinem Vater eindringlich darauf hinwiesen, die Türe ab sofort immer verschlossen zu halten. Wenn sie Garten zupfen möchte, soll sie das in ihrem eigenen Garten machen.


    Ich habe keine Ahnung, welchen Ärger uns die Nachbarn2 machen könnten, wenn sie's drauf anlegen würden - angefangen von Hausfriedensbruch… Natürlich wissen sie um die Situation meiner Mutter, aber auch ihre Geduld hat Grenzen und ich verstehe das voll und ganz.


    Heute habe ich meinem Vater die Mail in Gänze vorgelesen und ihn erneut eindringlich gebeten, ab sofort wieder konsequent die Haustüre zuzusperren.


    Ich muss mich mit meinem Bruder absprechen, dass wir uns zumindest informativ auf ein evtl. Pflegeheim, bestenfalls in der Nähe, vorbereiten. Das im Nachbarort hat schlechte Bewertungen und kostet pro Person +/- 4000€. Mir wird schwindlig...



    PS: TanjaS , natürlich auch von mir mein herzlichstes Beileid für deinen Verlust <3

    Ich hab zwar keinen Spruch des Tages, dafür eine Aktion des Tages.


    Mein Vater wird jede Woche vom Nachbarn zu seinem Urologen gefahren. Auf der Landstraße merkt dieser, dass er geblitzt wurde und kurz drauf stand schon der Mann mit der Kelle. Nachbar hat ihn zu spät gesehen und fuhr dran vorbei.


    Nach dem Termin war die Blitzstelle immer noch da. Nachbar hielt an und ging zu den Polizisten, entschuldigte sich fürs Vorbeifahren und begründete es mit den Schmerzen meines Vaters und dem Arzttermin, und um die Situation zu bestätigen, kam mein Vater mit seinen zwei Krücken auch aus dem Auto und wedelte mit seinem Urinbeutel in Richtung der Beamten.


    Der Beamte bedankte sich fürs Zurückkommen, bemerkte noch, dass er es schön findet, dass sich Nachbarn noch so kümmern und fragte, ob Nachbar mit 20€ einverstanden wäre. Damit wäre die Sache vom Tisch. Das wiederum wollte mein Vater bezahlen, wusste aber mal wieder seine PIN nicht.


    Später meinte Nachbarin dazu: "Nein, nein, das soll er mal schön selber bezahlen. Er ist ja schließlich zu schnell gefahren.


    Ich kann mir meinen Vater so gut vorstellen, wie er den Beamten seinen Urinbeutel entgegenwedelt…


    Liebe Grüße an alle und einen stressfreien Tag!

    Guten Morgen schwarzerkater

    guten Morgen zusammen,


    mal wieder vielen lieben Dank für deine sehr konstruktive Rückmeldung.

    Mein Gefühl sagt mir, dass es vielleicht besser wäre, wenn du deinen Vater nicht jetzt schon auf die kommende Katastrophe vorbereitest.

    Vielleicht hast Du damit recht. Selbst wenn es dazu kommt, so, wie ich meinen Vater kenne, nimmt er diesen Umstand dann höchst persönlich, trotz 'besseren Wissens', dass es nicht sie ist, sondern die Demenz. Ich persönlich könnte damit umgehen, bei ihm mache ich mir dann doch Sorgen.

    Vielleicht (und das ist eventuell auch zu bedenken) steckt dein Vater ebenso schon in einer demenziellen Symptomatik - das kündigt sich meist lange vorab an, oft auch als Depression.

    Auf Depressionen wird er schon seit -zig Jahren behandelt. Die Psychologin meinte in einem gemeinsamen Gespräch, mein Unfall sei in all den Jahren in jeder einzelnen Sprechstunde allgegenwärtig.


    Trotzdem, auch bei ihm fallen uns inzwischen schon etliche Merkmale auf, die darauf hinweisen. Einfach nur Fragen nach dem Tagesgeschehen beantwortet er mir meistens mit 'Ich weiß nicht'.


    Er selbst sagt auch immer wieder, er glaube, dass es bei ihm auch anfange… Allerdings habe ich gelesen, dass es bei den Partnern von Dementen zu massiver Unterforderung des eigenen Gehirns kommt und damit auch demente Verhaltensweisen auftreten. Inwieweit das tatsächlich stimmt, kann ich nicht sagen. Vielleicht ist das auch nur Wunschdenken von mir - weil nicht sein kann, was nicht sein darf…

    Und ich habe inzwischen verstanden, dass Demente ihre eigene Situation ggf. als gar nicht so schlimm empfinden. Sie merken ab einem Zeitpunkt X nicht mehr, was alles verloren gegangen ist und wichtig ist, dass sie sich möglichst in einem zufriedenen Zustand befinden, wo alle Last, alles Leid von ihnen abfällt. Sie leben wirklich im Augenblick und freuen sich über Dinge, für die sie früher vielleicht gar nicht offen waren. Es ist eine komplett andere Welt!

    Das meinte ich, als ich schrieb, sie lebt in ihrer eigenen Bubble. Für sie ist alles kein Problem, es ist alles gut und sie ist zufrieden, wie es ist.

    Aber unsere Aufgabe ist m.E., immer mehr von der Lebenswelt der kranken Person her zu denken ...: Wie geht es ihr? Leidet sie? Was kann ich tun, dass so wenig Stress wie nur möglich bei ihr ankommt?

    Um das 'Seelenheil' meiner Mutter mache ich mir aus o.g. Gründen (Bubble) die wenigsten Gedanken. Meine größte Sorge ist mein Vater. In einem früheren Beitrag habe ich schon geschrieben, dass die Mutter meines Vaters mit 88 Jahren ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt hat. Das senkt die Hemmschwelle natürlich ungemein.

    Vielleicht kannst du für deine Eltern mal zusammen eine geriatrische Reha organisieren?

    Auch das habe ich meinen Eltern schon mehrfach vorgeschlagen, als sie wieder mal den Plan hatten, Pfingsten mit dem Auto in die Abruzzen (ca. 1000 km) zu fahren. Zwar keine geriatrische Reha, weil ich nicht wusste, dass es das gibt, aber doch eine Kur für beide, in der sich um Mom gekümmert wird und er 'sporteln' kann. Außerdem hätte er deutschsprachige Urologen in greifbarer Nähe. Nein, das möchten sie nicht. Ich werde es ihm aber nochmal nahelegen und mich darüber informieren…


    Ich wünsche Dir und dem Rest der Community einen stressfreien Tag!

    Guten Morgen,

    Das ist sicher schlimm, aber auch tröstlich, denn deine Mutter wird keinen schmerzlichen Verlust mehr empfinden, sondern mehr und mehr im Moment leben.

    Danke! Meine Worte! Das wirklich einzig Gute und Tröstliche an der ganzen Sache ist, dass sie selbst nichts davon mitbekommt, für sie ist die Welt in Ordnung.


    Das sagt sie auch immer wieder, wenn mein Vater wieder bitterlich weinend und zutiefst verzweifelt ist: "Warum weinst denn? Uns geht's doch gut. Wir haben unser Dahoam, zwei gesunde* Kinder. Wir haben doch keine Probleme." - woraufhin er noch verzweifelter weint.


    *Damit meine ich, dass sie inzwischen auch meinen Unfall vor über 40 Jahren vergessen hat. Der Unfall, der unser aller Leben völlig aus dem Gleis geschmissen hat - besonders meine Eltern. Als ich sie mal gefragt hab, welchen Unfall ich denn gehabt hab, sah sie mich fragend an und meinte: "Auto?" - "Nein, Mutti. Wir waren alle beim Skifahren.". Sie sagte zwar: "Ach, ja!", ich sah ihr aber an, dass sie keine Ahnung hatte, wovon ich sprach.


    Ich bereite meinen Vater auch immer und immer wieder darauf vor, dass der Punkt unweigerlich kommen wird, an dem sie ihn und uns Kinder nicht mehr erkennen wird. Einfach nur, damit er es immer wieder hört und er halbwegs vorbereitet ist. Es wird so kommen. Sicher. Ich weiß, richtig vorbereitet kann man darauf nicht sein, aber ich möchte, dass es nicht wie ein Genickschlag auf ihn einschlägt. Ob das richtig ist, weiß ich nicht...

    Daher wunderte ich mich, dass es so möglich sei, das Pflegegeld einzustecken und der zu Pflegende bekommt nichts.

    Das wundert mich auch, denn (nicht nur, aber auch) genau aus diesem Grund wird kontrolliert. Da muss schon immense betrügerische Energie dahinter stecken, dass man die Kontrollen so hinters Licht führt.

    Bei uns war das nicht möglich, da ich keinen Zugriff auf das Konto meiner Mutter hatte,

    Das ist leichter, als Du denkst. Ich erledige seit einigen Jahren alle Überweisungen für meine Eltern und habe - natürlich nach schriftlicher Zustimmung meines Vaters - unsere beiden Konten verknüpft. So wähle ich mich mit der App bei mir ein und habe Vollzugriff auf das Konto meiner Eltern. Das ist natürlich absolute Vertrauenssache, ist aber auch eine Möglichkeit zum Missbrauch dieses Vertrauens.


    Falls doch, wäre es dringend nötig, dass irgendeine Instanz auch kontrolliert, was mit dem Pflegegeld passiert.

    Ich selbst habe Pflegegrad 2 und bekomme im halbjährlichen Rhythmus Besuch des Pflegedienstes, die dann kontrollieren, ob alles passt oder ob was fehlt. Lege ich diese Berichte nicht vor, wird das Pflegegeld bis zur Vorlage gestoppt.

    Hallo nochmal schwarzerkater,


    ich möchte noch auf deine Erlebnisse eingehen.

    Ich war das Hauptaggressionsziel meiner Mutter ... und will am liebsten vergessen, was das damals für mich bedeutet hat. Es war die Hölle!

    Dieses Verhalten hat sie (noch) nicht, weiß aber, dass das durchaus auf uns zukommen kann/wird. Anzeichen dafür hat sie schon gezeigt, indem sie auch mich beschimpft hat, wie sie es noch nie getan hat. Ich habe es einfach ignoriert und bin gegangen.


    ist mir manches rational klar, was nicht bedeutet, dass es für mich emotional leicht(er) zu händeln ist.

    Das meine ich mit Kopf/Herz :)


    Du wirst sehen, es ist ein Prozess und irgendwann wird es auch dir nicht mehr gar so schlimm vorkommen.

    Das hoffe ich sehr, befürchte aber, dass wir Schlimmeres noch vor uns haben, wie z.B. das nicht mehr erkennen von den unmittelbaren Bezugspersonen.

    Hallo schwarzerkater,


    herzlichsten Dank für deine lieben Worte. Sie trieben mir wirklich die Tränen der Rührung in die Augen.


    Obwohl uns 'Fischen' Träumerei nachgesagt wird, hat mir meine realitätsbezogene Mutter (Skorpion) immer gelernt, das eine vom anderen zu trennen und vor allem zu erkennen. Nicht, dass ich jetzt einen falschen Eindruck hinterlasse, ich bin nicht esoterisch angehaucht und baue auch nicht auf die Macht der Sternzeichen, aber erstaunlich ist es schon irgendwie, dass die Zeichen so große Ähnlichkeiten oder sogar Gemeinsamkeiten zeigen - amüsant ist es in jedem Fall…


    Tatsächlich wird das 'Loslassen' verschiedener Prozesse oder Gedanken ein Kraftakt werden. Gerade, was ihre Reinlichkeit betrifft. Vor über einer Woche hat sie vom Friedhof ein paar Äpfel mitgebracht, von denen sie früher Apfelkücherl gemacht hat. Inzwischen war die Küche schwarz vor Fruchtfliegen, worüber sich meine Mutter auch schon gewundert hat. Mein Bruder hat die Äpfel gestern gefunden und sofort entsorgt und mit der Insektenkeule die Küche 'gereinigt'.


    Der Kopf sieht und akzeptiert die Realität, das Herz bringt die alten Erinnerungen wieder und wieder hoch. Kürzlich habe ich ihr gesagt, dass ich ihre Küche vermisse, ihr saures Kartoffelgemüse, ihr paniertes Frühstücksfleisch, ihren einmaligen Münchner Kartoffelsalat, ihren Nudelsalat, den sie immer zu den Badeausflügen an den Baggersee gemacht hat, ihre Schoko-Sahne-Torte (eigene Erfindung und einzige Torte, die ich gegessen hab) und… und… und. Ich vermisse es so sehr (beim Schreiben kommen mir wieder die Tränen). Ihre Antwort war: "Ja, dann mach ich's halt mal wieder.". Sie hat seit Jahren nichts mehr gekocht, außer Würschtl warm machen und Leberkäs aus der Pfanne. Das zeigt einmal mehr, dass sie in ihrer eigenen Bubble lebt.


    Lieben Dank auch für deine wirklich hilfreichen Tipps!


    LG Zebulon

    Hallo juliasiebers,


    vielen lieben Dank für Ihre aufbauenden Worte - das sind sie tatsächlich. Das zeigt uns, dass wir in der richtigen Spur sind…


    Für mich ist völlig unverständlich, dass die beiden niemals, bevor es überhaupt zu einer solchen Situation kommt, darüber gesprochen haben, was wäre wenn… Sie waren ihr Leben lang ein gut eingespieltes Team und haben uns vorgelebt, wie man eine Beziehung 'auf Augenhöhe' führt - was für diese Jahrgänge (1936/37) nicht selbstverständlich ist/war. Probleme wurden von uns ferngehalten und nur untereinander besprochen - aber zu keinem Zeitpunkt haben sie sich über diese Eventualität Gedanken gemacht. Das habe ich ihnen beiden auch mal gesagt - zu dem Zeitpunkt hat sich die Demenz meiner Mutter schon deutlich gezeigt. Mein Vater zuckte mit den Schultern und meine Mutter meinte: "Ja mei, einer pflegt halt den anderen." - davon ausgehend, dass nicht sie die Pflegebedürftige ist/sein wird.


    Ich habe meinen Eltern beim Thema Pflegeheim ganz klar gesagt, dass ich für meinen Teil sofort in ein Pflegeheim gehen würde - in der Hoffnung, ihre Horrorvorstellung 'Pflegeheim' zu entschärfen und ggf. doch als Alternative anzusehen. Das würde ich mir im Vorfeld selbst aussuchen, solange ich noch dazu in der Lage bin.


    Mit Ihrem Tipp geben Sie 1:1 wieder, was ich meinem Vater schon seit Jahren 'predige': kleine, überschaubare Aufgaben, auch die Foto-Schuhschachtel - genauer zwei davon. Eine aus dem persönlichen Umfeld und eine rund um die Radsport-Karriere meines Vaters mit Zielfotos und Zeitungsartikeln. Die persönliche Schachtel könnte sie ja ganz bequem abends auf der Couch durchgehen und auf die Rückseite die abgebildeten Personen und bestenfalls noch die Gelegenheit notieren. "Gute Idee, mach ich a anderes Mal! Heut ned.". Das gibt ihre Aufmerksamkeitsspanne einfach nicht mehr her.


    Auch so eine - für mich unverständliche - Veränderung meiner Mutter: sie war ihr Leben lang der personifizierte Fleiß. Keine Arbeit war ihr zu viel, nichts zu mühsam, alles bestens organisiert. Heute sagt man Familienmanagerin. Sie hat immer auf sich geschaut, war immer sauber und gepflegt, kein böses Wort zu irgendjemandem und heute das genaue Gegenteil. Es kann passieren, dass sie Menschen im Umfeld (Freundin/Pflegekraft, auch mich) aufs Übelste beschimpft, mit Kraftausdrücken um sich schmeißt (Blöde Kuh, leck mich doch am A*, usw.). Ich kann damit umgehen, ich weiß ja, dass es 'nicht sie ist', aber ich verstehe es einfach nicht. Wie kann sich etwas so ins Gegenteil des ursprünglichen Charakters entwickeln? In etwas nie dagewesenes...


    Sie haben einen sechstürigen Kleiderschrank im Schlafzimmer - wovon die Hälfte ihr gehört, und läuft wochenlang mit den gleichen, schmuddeligen, teilweise kaputten Klamotten rum, löchrige Socken, kaputte Schuhe, schmutzige Haare. Ich habe ihr von Palmers eine Kombination aus Oberteil und Leggins besorgt, die zieht sie nur an, wenn ich sie explizit darauf anspreche. Am nächsten Tag aber wieder das alte Zeug.


    Es ist jedes Mal ein Kampf, sie zum Haarewaschen zu bewegen. Natürlich würde sich der Pflegedienst darum kümmern, aber wenn sie's nicht zulässt, können die auch nichts machen. Ganz zu schweigen von der Badewanne. Früher ging meine Mutter zweimal/Woche in die Badewanne. Seit meiner Kindheit hatte sie das Ritual, mittwochs, nachdem wir ins Bett gebracht wurden, ihr Entspannungsbad zu nehmen (ich ab mich oft aus dem Bett gemogelt unter dem Vorwand, nochmal auf die Toilette zu müssen und ganz nebenbei gefragt, ob ich auch mit rein darf. Durfte ich, immer.). Sie hatte Irisöl von Olga Tschechova, davon kamen ein paar Tröpfchen rein - weit vor den heute käuflichen Ölbädern. Sie hätte Produktentwicklerin werden sollen. Sie hat Kräuter geschnitten, unterschiedlich gemischt und in Eiswürfelbehältern eingefroren, gibt's heute als Kräuterlinge zu kaufen.


    Ich könnte Bände über sie schreiben. Vielleicht eröffne ich einen Thread, der sich nur um die Erinnerungen und Erlebnisse rund um meine Eltern dreht - sofern so etwas hier überhaupt erlaubt/gewünscht ist und nicht als deplatziert gesehen wird, weil sie ja noch leben und es wie ein Nachruf rüberkommen könnte…


    Ich habe, um zu verhindern, dass meine Eltern mit dem Auto zum Aldi fahren (Begründung folgt gleich*), eingeführt, den Wocheneinkauf von REWE liefern zu lassen. Das ist der einzige Lieferdienst, der ins Münchner Umland liefert. Hierzu geh ich mit Mom in die Küche, ich hab meine App und Mom steht am Kühlschrank und wir gehen gemeinsam durch, was benötigt wird. Dazu schicke ich sie schon mal hoch ins Bad (Toilettenpapier?) und runter in den Keller (Getränke?), usw. Derzeit machen wir das zusammen am Telefon.


    *Zur o.g. Begründung: Mein Vater hat seit drei Jahren ein neues Leasing-Auto. Inzwischen hat er rund um das Auto einen Gesamtschaden von über 4.000 €, weil er Kurven zu eng nimmt und/oder das Piepen des Alarms nicht hört.


    Mit dem vorigen Auto gab es einen Streit mit einer Fahrerin, die er beim rückwärts Ausfahren aus einer Schrägparkzone angefahren hat und sie hat hinter ihm auf den freiwerdenden Parkplatz gewartet - ist also gestanden! Seine Versicherung hat anstandslos gezahlt und die Sache als Bagatellfall abgeschlossen. Natürlich hat ihn das hochgestuft. Darüber hat er sich so geärgert, dass er Nächte lang schlaflos im Bett lag und dann sogar in die Versicherung gefahren ist und seine Schuld abgestritten hat (die Dame hatte eine Zeugin im Auto, mein Vater führte meine Mutter als 'Zeugin!' auf). Er hat Hinz und Kunz um Rat gefragt, wollte sich sogar einen Anwalt nehmen und hat meinem Bruder und mir vorgeworfen, nicht 'auf seiner Seite' zu sein. Die Versicherung ließ sich aber bei dieser Bagatelle auf keinen Streitfall ein, was ihn dazu bewegte, mit dem neuen Auto die Versicherung zu kündigen und zu wechseln. Auch das alte Auto war rund herum verschrammt und verbeult.


    Seitdem mache ich seine und ihre Arzttermine, um sie mit meiner Arbeitszeit zu koordinieren und dann fahren zu können (inzwischen führe ich vier Kalender: Digital dienstlich/privat gekoppelt, den meines Vaters und meinen 'analogen'). Letztlich bleiben auch nur kleine Zeitfenster von meinem frühestmöglichen Dienstende und den Praxiszeiten. Inzwischen helfen uns dabei auch die Nachbarn/Freundin bei den Arztfahrten - und seit 2020 sage und schreibe zehn Beerdigungen.


    Wir haben festgestellt, dass bei jedem Todesfall in der Familie meiner Mutter ihr Zustand massiv schlechter wurde. Inzwischen lebt aus ihrer Generation niemand mehr von der Familie. Sie singt Kinderlieder vor sich hin 'Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm - zu meiner Mama, zum einem Papa, zu meinen Lieben…'


    Meine Schwägerin hatte nun eine neue Idee. Ihre Eltern (ähnliches Alter, aber noch in sehr guter Verfassung) haben vor dem Haus einen kleinen Klapptisch und zwei Klappstühle aufgestellt. Das könnte sich bei meinen Eltern auch umsetzen lassen, der Platz wäre da. Dann sieht sie, was draußen vor sich geht und hat (so hoffen wir) keinen Bedarf mehr, in der Nachbarschaft umherzustreifen. Ganz nebenbei hätte die Nachbarin/Freundin von ihrem Balkon aus einen Logenblick auf sie. Da könnte sich mein Vater auch dazu setzen und hätte sie so im Auge. Allerdings kommt er ihr nicht hinterher, wenn sie doch losmarschiert… Natürlich können wir von Nachbarin/Freundin nicht erwarten, sich den ganzen Tag auf dem Balkon aufzuhalten, aber, nachdem die erste Frau ihres Mannes an Lungenkrebs starb und verständlicherweise was gegen ihr Rauchen hat, raucht sie heimlich auf dem Balkon.


    Ich bitte um Entschuldigung, dass es wieder Überlänge wurde und bedanke mich bei allen, die's lesen!


    Liebe Grüße an alle Gleichgesinnten und Mitleser :)

    Zebulon