Beiträge von Angehöriger

    Guten Morgen Rosina,


    nun kenne ich Ihre Mutter zwar nicht, will ihr aber trotzdem mal unterstellen, daß sie Ihnen nicht aus Bösartigkeit das Leben schwer macht, sondern demenzbedingt.


    Ich halte Ihren Ansatz für richtig, sich ein wenig zurückzuziehen und zu versuchen, die Beleidigungen etc. nicht mehr so nah emotional an sich heranzulassen. Bei mir funktioniert das jedenfalls ganz gut.


    Und wenn Sie es hinbekommen, zu delegieren, so daß andere Personen die Rolle der "Bösen" übernehmen, können Sie besser in die Rolle der "Guten" schlüpfen. Ich habe jedenfalls inzwischen ein weit besseres Verhältnis mit / zu meiner Mutter als es jemals zuvor in meiner Erwachsenenzeit war.


    Zwar sind mir "Gemeinheiten" in Form bösartiger Äußerungen meiner Mutter erspart geblieben (zumindest habe ich nie davon erfahren), aber das Agieren gegen mich unter Einbeziehung der (unerträglich dämlichen) Nachbarn kenne ich auch zu genüge.


    Als Trost für Sie weise ich darauf hin, daß diese Episode bei meiner Mutter nur einige Monate dauerte, bis sie so weit weiter abgebaut hatte, daß sie zuviel vergessen hatte, um dazu noch in der Lage zu sein. Und da ich die Nachbarn entsprechend habe "impfen" lassen, halten die sich ihrerseits zum Glück auch ganz brav zurück und schädigen uns nicht mehr. Haben wohl keinen Bedarf an weiterer Post vom Rechtsanwalt.

    Ok, dann wieder zurück von den Fußnägeln und dem Umsetzen zu den (verdorbenen) Lebensmitteln :) :


    Gestern war ich just zu dem Zeitpunkt bei meiner Mutter, als sich auch eine der Betreuungskräfte um sie kümmerte und darüber hinaus noch eine Dame vom Pflegedienst kam.


    Die Betreuungsdame wies meine Mutter darauf hin, daß sie seit Tagen Kuchen im Kühlschrank stehen habe, der bald schlecht würde und daher zu entsorgen sei. Meine Mutter zeigte aber keinerlei Einsicht und bestand darauf, ihn (den Kuchen) neben den Kühlschrank zu stellen und ihn nachmittags zu essen. Als ich argumentativ nachhelfen wollte mit dem Hinweis, daß sie sich schon mehrfach "den Magen verdorben" habe mit dem Verzehr ihrer alten Speisen guckte sich mich nur ganz erstaunt und ungläubig an und sagte, davon nichts zu wissen.


    Sie sehen also, trotz Hilfestellung zahlreicher Personen hilft nichts gegen den Eigensinn der Dementen. Entweder gesteht man ihnen noch eine gewisse Selbstbestimmung zu mit allen bekannten fatalen Folgen oder man handelt rigoros zu ihrem Schutz und "stößt sie gegen den Kopf", indem man für sie unverständlich "Gutes" wegwirft.


    Am besten wird also sein, daß eine Person Mutter ablenkt und in einen anderen Raum lotst, während eine zweite Person entsorgt. Dabei muß, wie jemand anders hier im Forum schon geschrieben hat (war es vielleicht Sonnenblümchen?), darauf geachtet werden, nichts in die Mülltonnen vor Ort zu stecken, da nach den Berichten der Betreuerinnen meine Mutter in den Mülltonnen kramt und wieder herausholt, was sie behalten will.

    Guten Abend Hanne,


    die zeitliche Übereinstimmung ist mal wieder auffällig: Sie stellen heute Neues ein unter der Rubrik "Verdorbene Lebensmittel" und wir waren heute bei meiner Mutter und haben KISTEN- und KÖRBEweise Marmelade und anderes Eingemachtes etc. entsorgt (teilweise verschimmelt, teilweise mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum). Vorräte für ein Jahr oder länger.


    Ein knappes Dutzend Zahnpastatuben hatte sie auch herumliegen (ebenfalls längst abgelaufen). Das alles hat niemand vom Pflegedienst aussortiert, sondern die privaten Damen, die sich neuerdings um meine Mutter kümmern. Aber selbst bis zu denen ist der Bürokratiewahnsinn schon durchgedrungen: sie haben Angst davor, ihr die Fußnägel zu schneiden, wegen möglicher negativer rechtlicher Konsequenzen für sie. Dieses Thema scheint im Pflegebereich ernsthaft von Bedeutung zu sein; da frage ich mich, wie die Menschheit das über Jahrhunderte und Jahrtausende bewältigt bekommen hat, wenn neuerdings nur noch anerkanntes Fußpflegepersonal so etwas machen darf.


    Was Ihren Hickhack mit der Heimaufnahme Ihres Vaters angeht, habe ich leider (oder zum Glück!) keine eigenen Erfahrungen, mit denen ich Ihnen weiterhelfen könnte: bei mir war das damals ein morgendlicher Anruf und mittags war mein Vater schon aufgenommener Heimbewohner. Wie im Märchen.


    Generell wundert mich aber nicht, was Sie schildern, und auch nicht, daß Ihnen das an den Nerven zerrt. Nicht ohne Grund warne ich hier immer wieder davor, sich auf die Behörden und insbesondere Gerichte einzulassen, denn dann ist man verraten und verkauft.
    Für Sie kommt der Rat zu spät, aber allen anderen kann ich nur schreiben: FINGER WEG VON DER JUSTIZ !!!!

    Hallo Lenchen,


    was versprechen Sie davon, die Mutter zu irgendwas zu zwingen, was ihr offensichtlich widerstrebt?


    Auch wenn sie aufgrund der Demenz fast nichts mehr kann, nehme ich mal stark an, daß ihr Gefühlsleben noch intakt ist und sie sehr wohl spürt, was ihr gefällt und was nicht.


    Deshalb würde ich auf mein Bauchgefühl vertrauen und ihr das ermöglichen, womit sie sich augenscheinlich am wohlsten fühlt.


    Wozu Zwang führen kann, habe ich letztens im erweiterten Umfeld gehört: da hat ein Mann seine sich sträubende Frau gefüttert mit dem Ergebnis, daß sie erstickt ist. Furchtbar!!

    Guten Abend Lenchen,


    ich würde zwei Dinge versuchen: erstens, als Sofortmaßnahme, ausprobieren ob die Mutter vom Rollstuhl aus mit entsprechender Hilfe in den Stand gelangt und dann ins Auto gesetzt werden kann (hat bei meinem Vater funktioniert). Denn nicht-gehen-können heißt ja nicht automatisch, nicht, stehen zu können.


    Als zweites würde ich durch intensives Rumtelefonieren und -fragen versuchen, ob für später eine Fahrgelegenheit mit Rollstuhl ermöglicht werden kann, zum Beispiel, indem der Transport mit dem geeigneten Auto DES Pflegedienstes erfolgen kann, der Ihre Mutter nicht aufnehmen will. Oder daß Sie bei jemand anderem eine Mitfahrmöglichkeit finden.


    Ich weiß, daß am Wohnort meiner Eltern ein Fahrdienst existiert; vielleicht gibt es so etwas ja auch mit entsprechenden rollstuhlgeeigneten Fahrzeugen? Wenn nicht, braucht doch "nur" ein starker Fahrer zu kommen, der Ihre Mutter aus dem Rollstuhl ins Auto gesetzt bekommt und umgekehrt. Das müßte doch zu schaffen sein.


    Wenn ICH in Ihrer Situation wäre und all das oben Genannte nicht funktionieren würde, würde ich mir kurzerhand einen geeigneten Kleintransporter zulegen, der ist vermutlich billiger als die speziell umgebauten Fahrzeuge mit der absenkbaren hinteren Laderampe. Und das ein bißchen publik machen, dann finden sich bestimmt auch andere Nutzer(innen) für das Fahrzeug, so daß es sich schneller amortisiert.

    Guten Abend Hanne,


    ja, nach allem, was Sie durchgemacht und auf die Beine gestellt haben, sollten Sie jetzt definitiv auch etwas Gutes für sich unternehmen!


    Bei meiner Spät"sommer"beschreibung bezieht sich die Temperatur aber eher auf den Gegensatz zum aktuellen Wetter in Deutschland/Österreich/der Schweiz. Ich schätze mal, daß es grob um fünfzehn Grad Celsius herum ist, vormittags in der Sonne wurde es aber tatsächlich so warm, daß ich am Strand gar keine Kleidung brauchte.
    Allerdings war ich auch im T-Shirt mit kurzer Hose einkaufen, während alle Ortsansässigen langhosig bekleidet und mit (Winter-)Jacken unterwegs waren. Aber die sind ja auch Sommertemperaturen um 40 Grad Clesius gewöhnt; ich eher deutsches Wetter.


    Und das Meerwasser ist zwar nicht warm, aber auch nicht kalt, sondern kühl. Ich kann problemlos da rein, andere bevorzugen eher den Warmebadetag im Schwimmbad. Also Vorsicht, wenn Sie meinem Beispiel folgen wollen :-).


    Entscheidend ist, daß Sie sich selbst ganz bewußt belohnen für das Überstandene und sich ebenfalls ganz bewußt zurückziehen und "Wellness" machen - ob nun zu Hause auf der Couch bei einem guten Buch oder einem interessanten Film oder in der Sauna beim Aufguß oder bei einer (fern-)Reise ist doch egal. Hauptsache es paßt zu Ihnen, Ihrer verfügbaren Freitzeit und zu Ihrem Budget.


    Mit Urlaub, wie die meisten glauben, haben meine Touren nicht so viel gemeinsam: ich habe heute mindestens wieder ein bis zwei Dutzend Telefonate über mehrere Stunden mit der Heimat geführt, damit dort alles läuft und funktioniert. Abschalten ist also relativ (da habe ich noch starken Verbesserungsbedarf), aber wenigstens mit räumlicher Distanz und besserem Wetter als daheim.

    Guten Abend Hanne,


    Ihr Einwand mit dem Familienvermögen ist mehr als berechtigt; wenn ein solches existiert, sieht die Situation natürlich anders aus, wobei "Profischuldner" auch da wissen, wie sie andere betrügen und trotzdem ihre Schäfchen im Trockenen behalten.


    Ich würde allen sorgenden Angehörigen DRINGENDST davon abraten, eine Betreuung beim Amtsgericht anzustrengen, wenn nennenswerte Einkommens- oder Vermögensverhältnisse existieren, weil man dann eine Form von Entmündigung erleben wird, wie sie sich die allermeisten wohl kaum vorzustellen wagen. Zumal, wenn noch ein steuerlicher Gestaltungsbedarf (im Rahmen der LEGALEN GESETZLICHEN Freibeträge) bzgl. der zu erwartenden künftigen Erbschaftssteuer besteht. Im Fall von Elisabetha war ich allerdings davon ausgegangen, daß die finanzielle Lage (leider) eher bescheiden ist.



    Guten Aben Elisabetha,


    die von Ihnen beschriebene Angst werden Sie schnell loswerden, sobald Sie sich aktiv einbringen. Was es aus meiner Sicht übrigens noch moralisch leichter macht, ist, daß ich keinerlei Mitleid mit Unternehmen und Institutionen habe, deren Geschäft darin besteht, unbedarfte Mitbürgerinnen und Mitbürger in Verschuldung bzw. Überschuldung zu treiben. Und dazu zählen für mich eben auch Versandhäuser und Banken, die Konsumkredite bzw. -schulden aufzwängen. Die sollen ruhig Geld an Ihnen verlieren! Achten Sie nur darauf, daß die "Guten" im Spiel wie Pflegedienste und andere Dienstleister ihr Geld bekommen, was sie sich redlich verdient haben.


    Sofern Sie trotz der unglücklichen Finanzlage der Eltern noch ein paar Euro erübrigen können, lohnt es sich nach meiner neuesten Erfahrung, diese in gute Dienstleister(innen) zu investieren. Das erprobe ich seit kurzem bei meiner Mutter und es kommen viele positive Rückmeldungen bei mir an. Vielleicht / Hoffentlich haben Sie auch eine solche Möglichkeit! Ich habe dazu schlicht Kleinanzeigen geschaltet. Man sollte nicht sofort ein perfektes Ergebnis erwarten; lieber immer mal wieder für kurze Zeit inserieren, dann pausieren, wenn nichts fruchtet, und eine Weile später erneut versuchen. Damit das nötige Quentchen Glück seine wohlverdiente Chance erhält.

    Für diejenigen, die tatsächlich eine Verbesserung ihrer eigenen Situation erreichen wollen, gibt's hier ein paar eigene (neue) Erfahrungen:


    Da ich meine Mutter mittlerweile durch fünf Damen unterstützt weiß und sie auf diese Weise bis auf weiteres ihrem Wunsch entsprechend in ihrem eigenen Haus wohnen bleiben kann, mache ich für mich genau das, was ich anderen auch empfehle, die sich aufreiben und selbst zerstören: ich halte Abstand, und zwar räumlich wie auch seelisch.


    Letztes Jahr habe ich angefangen, öfters mal "auf Tour zu gehen" (konkret: zu fahren) und mich dabei in die südlichen europäischen Regionen aufzumachen. So bekomme ich andere Eindrücke und gewinne Abstand von allem Belastenden zu Hause.
    Und ich breche mit alten Gewohnheiten, die ich meinen Eltern zuliebe über Jahrzehnte beibehalten habe, z. B. mit "Weihnachten zu Hause". Mein Vater ist tot, meine Mutter weiß gar nicht mehr, welcher Tag ist und was wann ansteht, also muß ich auch an Weihnachten nicht mehr zu ihnen.


    Deshalb sind wir letztes Jahr im Dezember nach Südspanien, Gibraltar und an die Algarve nach Portugal gefahren. Während daheim der alljährliche Weihnachtskonsumwahnsinn bei Schmuddelwetter und Tieftemperaturen tobte, waren wir bei angenehmen Temperaturen im Sonnenschein am und im Meer und haben die Zeit sehr genossen. Die Spanier gingen am Heiligabend mit rot-weißer Zipfelmütze bei strahlendem Sonnenschein ins Meer zum Schwimmen. So mag ich Weihnachten!


    Außerdem bin ich seit letztem Jahr schon zwei mal über den Balkan bis Griechenland runtergefahren und habe mich dort ein wenig umgesehen. Reizt mich sehr für demnächst, um wieder dem deutschen Winter zu entfliehen.


    Und ich war in Kroatien, Montenegro, Mazedonien, Albanien, Serbien, Ungarn, ....


    Derzeit erkundige ich Italien, bin jetzt "unter dem Stiefel an der Sohle", stehe direkt in herrlicher Ruhe (außer der deutlich wahrnehmbaren Brandung, aber Naturgeräusche finde ich meistens angenehm) am Strand und war eben noch im Wasser.


    Richtung Süden bin ich durch das Schnee- und Regenchaos der Alpen an der italienischen Westküste entlang gefahren (Pisa, Rom, Neapel usw.), aber die ertrinkt gerade auch im Regen. Deshalb bin heute einfach mal quer durch's Landesinnere in Richtung der anderen Seite (ostwärts) gefahren und habe jetzt herrlichstes regenfreies Spätsommerwetter. Gerade diese heutige Aktion will ich all denjenigen nahelegen, die mit sich und ihrem Schicksal hadern: oftmals bringt schon ein kleiner (Ein- oder Auf-) Stellungswechsel ungeahnte positive Veränderungen.
    Ich werde morgen früh wieder am Strand spazieren und schwimmen gehen - was machen Sie??

    Guten Abend Elisabetha,


    grundsätzlich empfehle ich (aber ohne jede Haftung oder Gewähr!) aus eigener Erfahrung, das Gespräch zu suchen. Auf Anhieb wüßte ich nicht, was dagegen spricht, mit den Zuständigen zu kommunizieren und Ihre Situation zu schildern. Sofern Ihr Gegenüber wenigstens ein Mindestmaß an Menschlichkeit aufweist, sollten Sie so besser aus der Nummer 'rauskommen als mit der üblichen Schuldnerstrategie "Kopf in den Sand stecken".


    Haben Sie schon (z. B. durch einen Nachsendeauftrag bei der Post) dafür gesorgt, daß Ihre Eltern keinen Zugriff mehr haben auf Werbeprospekte und Bestellmaterial, damit nicht noch mehr Schulden entstehen können?


    Oder/Und haben Sie sich zur gesetzlichen Betreuerin bestellen lassen, damit die Eltern rechtsgeschäftlich entmündigt sind? So können sie bestellen, was sie wollen, und SIE annullieren hinterher alles ohne daß Sie oder die Eltern dafür zahlen müßten.


    Ich habe Ihre konkrete Situation viel zu wenig vor Augen als daß ich Ihnen präziser raten könnte, deshalb nur noch mal allgemein: sorgen Sie dafür, daß die Eltern entweder keinen Bockmist mehr fabrizieren können oder aber zumindest, daß das ohne finanzielle Folgen für Ihre Familie bleibt.


    Und überdenken Sie, ob die Sichtweise der Kinder Ihres Stiefvaters nicht ihre Berechtigung hat (was ich nicht beurteilen kann, da ich nichts darüber weiß). Vielleicht liegt auch darin ein Funke Wahrheit und somit eine Möglichkeit, Ihre eigene Be- oder Überlastung zu reduzieren.


    Auch wenn ich die extreme Verschuldungsmanie heutzutage auf den Tod nicht leiden kann (da ich dadurch in vielfältiger Weise selber geschädigt werde, während die Schuldner es sich gut gehen lassen), stelle ich noch folgendes in den Raum: was wäre so schlimm daran, wenn Ihre Eltern überschuldet wären? Deutschland ist de facto ein Paradies für Schuldner; die können hier machen, was sie wollen, leben weiterhin auf relativ großem Fuß und sind ein paar Jahre später schuldenfrei. Wenn's also gar nicht anders geht, lassen Sie sie in die Insolvenz rutschen. Dann gucken die Versandhäuser etc. in die Röhre und Ihre Eltern können sich bis zur Pfändungsfreigrenze die Notwendigkeiten für den Alltag leisten. Außerdem sorgt der Wohlfahrtsstaat dafür, daß sie weder verhungern noch obdachlos werden.


    Sie kennen doch bestimmt den Spruch "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's völlig ungeniert." Das gilt heutzutage insbesondere für die Finanzen, schließlich will die Staatsmacht ja, daß die Leute auf Teufel komm raus konsumieren, um das Wirtschaftswachstum zu fördern. Früher kamen die Leute bei Zahlungsunfähigkeit in den Schuldturm, heutzutage werden sie mit schneller Insolvenzabwicklung belohnt und können weiterhin über ihre Verhältnisse leben.


    Also: wäre es wirklich dramatisch für Ihre Eltern oder "nur" peinlich, wenn sie in die Insolvenz gingen? Würden sie es überhaupt realisieren?

    Als allererstes können Sie in diesem Forum ganz viel nachlesen; auch von den Herrschaften "Profis" finden Sie dazu einige nützliche Stichworte und Hinweise.


    Dann sprechen Sie mit allen, die Ihnen zu dem Thema einfallen (Ärzte, Medizinischer Dienst zwecks Begutachtung und Pflegegradeinstufung, zuständige Behörden, Pflegedienste usw.).


    So ergibt sich automatisch ein "Fahrplan" für Sie.

    Hallo ekirlu,


    ist denn ein Grund ersichtlich, warum Frau E. immer wieder in dieses eine Zimmer geht? Hat sie dort vielleicht zuvor selber gewohnt, so daß sie daran gewöhnt ist? Oder geht sie in viele Zimmer und macht überall dasselbe?


    Mein Vater wurde gegen Ende seines Lebens auch schon mal in einem anderen Bett in einem anderen Zimmer schlafend gefunden oder sogar in einem versteckten Raum im Keller liegend, wohin er sich selbst begeben hatte. Nachdem er ewig gesucht wurde.


    Ein Patentrezept weiß ich auch nicht; versuchen Sie etwas über die Beweggründe zu erfahren; möglicherweise kann man dann gegensteuern.


    Notfalls das Zimmer tauschen; mein Vater hat auch wiederholt andere Zimmer bekommen.


    Übrigens hat er, vor allem die letzten Monate seines Lebens, auch immer von Leuten erzählt, die (nachts) in sein Zimmer kämen. Unter anderem die Hausangestellten, von denen einer angeblich bei ihm Fußball geguckt hat. Was davon glaubhaft war und was nicht, konnten wir nicht herausfinden.


    Zunächst einmal glaubt man das ja alles gar nicht, aber nachdem mir ein Bekannter von mir, der füher Nachtdienste in der Pflege getätigt hat, erzählte, was er dort nachts so alles "getrieben" hat, wundert mich nichts mehr.

    Nein, Hanne, mit dem Thema sind Sie garantiert nicht alleine! Ist mir alles bekannt, was Sie schildern, inkl. Maden im Essen, welches im Kühlschrank steht. Und gelegentliche Magen-Darm-Probleme meiner Mutter, für die das die Ursache sein könnte, kenne ich auch.


    Wer auch immer bei Ihrem Vater vor Ort ist, darf natürlich nicht den Fehler machen, ihn um Erlaubnis zu fragen zur Entsorgung von Vergammeltem. Wenn er partout dagegen ist, dann muß das eben so geschehen, daß er es nicht mitbekommt!


    Meine Erfahrung mit dem für meine Mutter tätigen Pflegedienst ist, daß die für meinen Geschmack etwas zu viel Bürokratie praktizieren; da muß quasi alles detailliert besprochen und beauftragt und besonstwas werden. Was eine "normale" Hausfrau oder Mutter mal eben so erledigen würde, weil es halt ansteht, löst da Papierberge aus. (Ist aber verständlich, weil die sich streng an Verordnungen, Vorgaben und Gesetze halten müssen, um nicht in Teufels Küche zu kommen.)


    Versuchen Sie, "informell" die Dinge zu regeln bzw. regeln zu lassen, sonst wird das nie etwas. Ich habe jetzt mehrere Privatpersonen für meine Mutter ausfindig machen können, die sich um all das kümmern (inkl. Entsorgung alter Medikamente etc.). So hoffe ich, erstmal wieder für eine Weile einen ausreichenden Standard bieten zu können. Bis das Alleinwohnen gar nicht mehr möglich ist und eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung erforderlich wird.


    Ihr Stichwort "Lebensmittelvergiftung" bringt die Sache auf den Punkt: an der Demenz selber verstirbt wohl kaum jemand, aber an den Folgen des durch die Demenz Unterlassenen oder falsch Gemachten. Das liegt natürlich im Rahmen des möglichen, daß sich ein geschwächter und betagter Mensch auf diesem Wege selber etwas zufügt, was der Organismus nicht mehr bewältigt bekommt.


    Und was die von Ihnen erwähnten "lieben Nachbarn" betrifft, findet man hier im Forum schon genügend zu lesen. Darauf kann man nun wirklcih nicht zählen.

    Hallo Sarah,


    wenn die Ansprüche noch so hoch sind, kann der Leidensdruck nicht groß sein!


    Als mein Vater nach einem Sturz wegen einer starken Prellung mit großen Schmerzen nahezu bewegungsunfähig war und ich eine Rund-um-die-Uhr-Schicht bei ihm eingelegt habe ohne Aussicht darauf, der Sache Herr zu werden, war ich mehr als froh und dankbar, daß ich mit einem Anruf eine Unterbringung im örtlichen Heim erreichte.
    Er kam in ein Doppelzimmer und hat - zugegebenermaßen - damit einen Glückstreffer gelandet. Es war eine Bereicherung für beide Zimmergenossen.


    Aber ich hätte auch einer Unterbringung im Mannschaftssaal zugestimmt (wenn uns so etwas angeboten worden wäre), damit er adäquat versorgt wurde; zu Hause ging es definitiv gar nicht.


    Mein Vater hat Krieg und Gefangenschaft hinter sich und ist nach eigenen Angaben mit 46 kG Körpergewicht heimgekehrt, so daß sein eigener Vater ihn nicht mehr erkannt hat; dagegen ist ein Zwei-Bett-Zimmer im Heim ein unvorstellbarer Luxus.

    Hallo Rosina,


    auch wenn Ihre Situation schwieriger ist als meine, schreibe ich Ihnen noch etwas von meinen Erfahrungen; vielleicht können Sie ja daraus Nutzen ziehen.


    Aus Ihren Schilderungen geht hervor, daß Sie entgegen Ihrer Gewohnheit, sich täglich um die Eltern zu kümmern, mal drei Tage weg waren bei ihrem Sohn. Offensichtlich haben Ihre Eltern auch das überlebt, womit bewiesen ist, daß Sie gar nicht ständig da sein und sich kümmern müssen. Damit hätten Sie schon mal etwas mehr Freiraum für sich und würden hoffentlich aus der Gedankenspirale ausbrechen können.


    Ich renne ja auch seit eh und je gegen Widerstände bei meinen Eltern an und habe irgendwann die Konsequenz daraus gezogen, mir das nicht mehr anzutun. Worauf es mir prompt wesentlich besser ging.


    Außerdem habe ich keinerlei Streit oder Disput mehr, anders als was Sie schildern. Unser Verhältnis ist (mit zunehmendem geistigem Abbau meiner Mutter) besser denn je!


    Vor vielleicht einem halben Jahr habe ich mit manngifaltiger Unterstützung versucht, eine 24h-Kraft bei ihr zu installieren. Aber das hat sie genauso blockiert wie Teilzeit-Hilfskräfte.
    Mittlerweile hat sie so weit abgebaut, daß auch die Essensversorgung kaum noch klappt und sie fast nicht mehr aus dem Haus kommt, weil die Orientierung immer eingeschränkter ist. Nun habe ich über Inserate drei Damen gefunden, die bereit sind, sich gelegentlich um sie zu kümmern, sie zum Friedhof und in die Kirche zu begleiten, mal mit ihr zu kochen, im Haushalt zu helfen etc. . Das versuchen wir ab nächster Woche als Dauerlösung zu etablieren. Denn mit zunehmender Unfähigkeit reduziert sich der Widerstand bei meiner Mutter, so daß ich zuversichtlich bin, dieses mal mehr Erfolg zu haben als bei all den vergeblichen Versuchen in der Vergangenheit.


    Fazit für Sie: mit weniger idealen Ergebnissen bei Ihren Eltern zufrieden sein und darauf vertrauen, daß mit der Zeit Veränderungen möglich werden. Derweil Ihre Kräfte schonen. Bei dem Alter Ihres Vaters kann natürlich auch der Tod ein Ausweg aus dem Dilemma sein; mitunter geht das ganz schnell, wie ich bei einigen Leuten (u. a. bei meinem Vater und Schwiegervater) gesehen habe.


    Versuchen Sie jedenfalls den Spagat zwischen genug Distanz und trotzdem für-sie-da-sein, so daß Sie selber einsatzfähig bleiben. Möglicherweise können Sie ja für die von Ihnen erwähnten Fahrten, Einkäufe usw. ja doch Unterstützung bekommen, sei es von Ihren Kindern oder Ihrem Ehemann oder Nachbarn oder Ehrenamtlern der Kirche oder Leuten, die sich ein Taschengeld dazuverdienen wollen oder .... . Auch wenn die Rente Ihrer Eltern klein ist, wie Sie schrieben, werden sie ja vermutlich so wie meine Eltern Pflegegelder erhalten und damit läßt sich schon was anfangen, solange kein Heimplatz bezahlt werden muß.

    Guten Abend Rosina,


    schön, daß Sie das so sehen - manche anderen sind da ganz anderer Meinung :-).


    Ich schreibe Ihnen einfach, was mir geholfen hat; vielleicht können Sie daraus Nutzen für sich und Ihre Eltern ziehen:


    Ein dickeres Fell bekommen in dem Sinne, daß Sie sich nicht mehr alles so zu Herzen nehmen, ist schon mal sehr gut. Verstehen müssen Sie die Krankheit gar nicht; es genügt, wenn Sie wissen, wie Sie es schaffen, eine Hilfe und eine Bereicherung für Ihre Eltern darzustellen und dabei trotzdem selber bei guter Gesundheit zu bleiben.


    "Zu viel " nachdenken können Sie eigentlich nicht; versuchen Sie aber, KONSTRUKTIV, also lösungsorientiert zu denken. Nicht verzweifeln, nicht hadern, sondern darüber nachdenken, wie Sie die Situation für sich und die Eltern VERBESSERN. Und wenn Sie genug gedacht haben, dann sagen Sie sich ganz bewußt und entschieden "Schluß für heute" und machen etwas, was Ihnen gut tut. Disziplin ist wichtig!


    Dabei muß man bescheiden sein. Die Eltern werden nicht mehr wie neu und je eher Sie akzeptiert bekommen, daß es ist, wie es ist, und nur noch schlechter wird, um so besser wird es Ihnen damit gehen.


    Achten Sie darauf, daß Sie selbst nicht mehr als unvermeidlich in das "Chaos" hineingezogen werden, so daß Sie sich innerlich genügend (emotionalen) Abstand bewahren, um immer noch gelassen, freundlich und deeskalierend Ihren Eltern gegenübertreten zu können. Im Idealfall haben Sie immer noch ein echtes Lächeln für Ihre Eltern auf den Lippen und können freundlich und humorvoll mit ihnen umgehen. Das hilft meiner Meinung nach tausend mal mehr, selbst wenn Sie nur relativ wenig Zeit vor Ort verbringen, als wenn Sie ständig bei ihnen sind und das aber zu Tode genervt, wodurch zwangsläufig Konflikte entstehen. Rational verstehen die Eltern Sie nicht mehr, wohl aber merken Sie, wenn Sie entspannt, fröhlich und freundlich sind. Das sollte auch auf die Eltern abfärben (wie Sie umgekehrt die Situation erschweren würden mit Genervtheit, Angespanntsein, Zeitdruck usw.).


    Mir scheint das ziemlich dramatisch bei Ihnen zu sein bei gleich zwei schwierigen Personen, die sich gegenseitig in ihrem Wahn verstärken; um so wichtiger ist es, daß Sie als einzig normal Funktionierende die nötige Gelassenheit aufgebracht bekommen. Muten Sie sich also immer nur solche Portionen an Anwesenheit und Belastung zu, die Ihnen im notwendigen Maß erholsamen Schlaf und Ablenkung und Gelassenheit ermöglichen.


    Denn Ihre Beobachtung "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen,am nächsten Tag war meine Mutter wohl auf ,als wäre nichts gewesen." habe ich auch schon gemacht und das zeigt doch sehr deutlich, daß wir, egal wie sehr wir uns einsetzen, nicht mehr bewirkt bekommen bei den Dementen als wenn wir es entspannter und dafür erholter angehen.


    Ich bin höchstens einmal pro Woche und dann auch nur für vielleicht zwei Stunden bei meiner Mutter, dafür aber dann tiefenentspannt, umgänglich, fröhlich, konfliktvermeidend. So ist es für sie immer eine Bereicherung, wenn ich sie besuche. Den Rest mache ich über's Telefon und versuche zu delegieren, was geht. Es gibt schließlich noch andere Menschen auf dieser Welt, die sich zum Teil sogar gerne im sozialen Berufsfeld betätigen und daher ganz gut geeignet sind für die anstehenden Aufgaben. Meine Aufgaben sind andere und solange man das den jeweiligen Fähigkeiten und Neigungen entsprechend aufgeteilt bekommt, ist es das beste für alle Beteiligten.


    Wie Sie zum Schluß schreiben:"Heute ist Sonntag, Zeit abzuschalten" ist genau der richtige Ansatz! Achten Sie auf Ihr Wohlergehen, damit tun Sie das Beste für Ihre Eltern!!

    Na, da fühlen sich ja tatsächlich welche angesprochen :)


    Letztlich ist es selbstverständlich Ihre eigene Entscheidung, was Sie tun und lassen; bedenken Sie aber bitte, daß dadurch Außenstehende, die sich hier auf der Suche nach Anregungen oder Hilfen umschauen, auf vollkommen sinnfreie Passagen stoßen, mit denen sie nichts anzufangen wissen. Und das ist nicht der Sinn des Forums.


    Machen Sie sich bitte klar, daß Sie hier nicht nur für sich selber schreiben; vielen Dank.

    Hallo Hanne,


    nur keine Panik :)


    hier wird nicht gestritten, sondern gelebte Demokratie praktiziert, d.h. verschiedene Menschen teilen ihre unterschiedlichen Standpunkte mit und wägen gegeneinander ab, was für sie als Anregung nachahmenswert ist und was nicht.


    Schließlich lesen eine Menge Leute mit (wie Sie auch), die vermutlich selber Orientierungshilfen suchen. In dem Zusammenhang halte ich es für wichtig, selbstschädigendes Verhalten als solches deutlich zu machen, damit sich sowohl die Akteure darüber klar werden, was sie ändern könnten/sollten als auch die Mitlesenden sich so etwas nicht zum Vorbild nehmen und nicht dieselben Fehler kopieren. Schließlich haben wir so etwas wie eine Vorbildfunktion.


    Um es ganz deutlich zu machen: von mir aus dürfen alle tun und lassen, was sie wollen, nur sollen sie sich über die Folgen im Klaren sein und hinterher nicht die Solidargemeinschaft in Anspruch nehmen wegen Schäden, die sie selber (an sich/ihrer Gesundheit/ihrem sozialen Status/ihrer finanziellen Lage /...) angerichtet haben. Und sich natürlich auch hinterher nicht beklagen, wenn es schief gelaufen ist.


    Zum Schluß noch einmal die Bitte an alle, die sich an meinen Texten stören: kritisieren Sie bitte SACHLICH (nicht emotional), das heißt benennen Sie konkret, was Ihnen mißfällt, aber stänkern Sie nicht einfach nur rum, um Ihren Frust loszuwerden. Und sparen Sie sich Beleidigungsversuche, die keinen anderen Zweck als eine Beleidigung verfolgen. Danke.


    P.S.: Hanne, wen interessiert's, was andere über Sie oder mich oder sonstwen denken? Solange Sie keine direkten Nachteile zu befürchten haben, ist das doch völlig egal. Eines sollten Sie sich unbedingt klar machen: egal, was Sie tun oder lassen und welche Intention Sie damit verfolgen, denken andere sowieso irgendetwas über Sie und das wird höchstwahrscheinlich nicht das sein, was Sie gerne hätten, was es sein sollte. Also ist das vollkommen egal und Sie sollten sich nur auf Ihr eigenes Wohlergehen fokussieren. Und die anderen sich um deren Belange kümmern.

    Hallo sarahf,


    der von Ihnen verwendete Begriff "Aufopferung" sollte uns doch allen zu denken geben. Ein gewisser Jesus von Nazareth hat sich auch (auf-)geopfert und was er sich damit eingebrockt hat, ist hinlänglich bekannt.


    Besser dürfte es sein, dafür zu sorgen, daß die Demenzbetroffenen so gut es geht versorgt sind (ohne dabei Wunder zu erwarten) und gleichzeitig sein eigenes Wohlergehen im Auge zu behalten.