Beiträge von Angehöriger

    Hallo AKA,


    ja, ich habe eine Idee als Antwort auf Ihre Frage vom 30.09.:


    da meine Mutter auch ein großes Theater um das Thema Geld macht (was sie aber nicht im geringsten mehr beherrscht) ist das bei uns Dauerthema. Ich habe lange Zeit den Fehler gemacht, vernünftig und sachlich mit ihr zu reden und ihr das Wie und Warum sachlich darzulegen. Total falsch!!


    Mittlerweile höre ich mir ihre Bitten nett und verständnisvoll an und sage (beispielsweis beim Telefonieren), daß ich ihr selbstverständlich beim nächsten Besuch wieder Geld dalasse und daß sie immer genug vorrätig hat und so weiter. BERUHIGEN, ihr ein gutes Gefühl geben. Lieb, nett, fröhlich, freundlich sein; ihr das Gefühl geben, daß wir über ihre Defizite lachen können, daß das nichts Schlimmes ist und wir sie gemeinsam locker kompensiert bekommen.


    Immer auf der GEFÜHLSebene bleiben und sich NIEMALS auf die Sachebene verirren! Ihr das Gefühl geben, trotz ihrer Defizite gut versorgt zu sein und sich keine Sorgen machen zu müssen.


    Das ist jedenfalls bei meiner Mutter hängengeblieben: daß ich sie gut versorge und sie weiß, es ist immer genug Geld da. Trotzdem verlangt sie derzeit wieder ständig nach Autonomie, sie kann ja alles noch selber :-). Also bin ich wieder lieb und verständnisvoll, sage ihr zu, beim nächsten mal ...... usw.

    Danke für die vielen Beiträge! Es ist vieles dabei, was ich auch so sehe und empfinde, deshalb spare ich mir die eigenen Worte dazu.


    Um noch mal auf die Überschrift zurückzukommen: seinen "Seelenfrieden" zu finden ist das, worum es mit geht und was meiner Meinung nach auch all denjenigen gut täte, die sich hier beteiligt haben. Da Sie alle nämlich stärker emotional in Ihre jeweiligen Situationen involviert zu sein scheinen als ich es mir für meine Situation wünsche.


    Deshalb habe ich meine Grenzen auch klar gesteckt und bin jeden Tag auf's Neue froh darum, weil ich sonst verrückt würde. Meine Eltern haben mich schon Zeit meines Erwachsenenlebens genervt und waren schwierig im Umgang; dann brauche ich mir die Steigerung des ganzen durch eine Demenz nicht auch noch anzutun. Ich habe ja beispielsweise bei meiner Großmutter gesehen, daß dement sein auch mit Friedfertigkeit und Unkompliziertheit einhergehen kann. Das ganze Theater, was ich mit meiner Mutter habe, hatte sie mit ihrer Mutter (meiner Erinnerung nach) nicht im geringsten. Und wenn jemand umgänglich ist und es einem nicht permanent schwer bis unmöglich macht, kümmert man sich doch auch viel leichter und lieber um diese Person.


    Mich hat der heutige Termin bei meiner Mutter wieder einmal darin bestärkt, so weiter zu machen wie ich das in jüngster Zeit tue und mich nicht mehr von ihr an den Rand eines Nervenzusammenbruchs treiben zu lassen.


    Ihre Ärztin hat mir schon vor langer Zeit gesagt, ich solle das entspannter sehen. Wir seien hier in Deutschland und da würde Mutter "nicht verlorengehen", schließe gäbe es Krankenhäuser etc., wo man sich um Akutfälle kümmert, falls ich mal nicht ad hoc einspringen kann (z. B. weil ich verreist bin).


    (Vor zwei Tagen hat mir auch mein Zahnarzt gesagt, etwas weniger Streß täte mir (oder meinen Zähnen) besser. )


    Seit ich das so handhabe, geht es mir deutlich besser und das wollte ich mal all denjenigen als Anregung mitgeben, die sich restlos verwursten (lassen?).

    Hallo Grunella,


    es kommt halt drauf an ob man das aus Konsumenten- oder aus Anbietersicht sieht.


    Ich versuche, mein Leben eigenverantwortlich zu gestalten und niemandem auf der Tasche zu liegen (keinem Sozialamt, keiner Arbeitsangentur, keiner Renten"kasse", keiner gesetzlichen Krankenversicherung usw.), zahle dabei mehr Steuern als viele überhaupt einnehmen und zum Dank habe ich ständig Probleme mit den Behörden. Ich bin für alles verantwortlich und darf immer den Zahlmeister spielen; brauche ich hingegen mal die berechtigte behördliche Unterstützung, sieht's ganz duster aus. Und wenn ich mal den vermeintlich Schwachen der Gesellschaft zu helfen versucht habe und das ist schiefgelaufen, habe ICH hinterher den Ärger (und die Kosten) und nicht die Verursacher.


    Daher habe ich kein Verlangen danach, mir jetzt noch eine Unterbringungsmöglichkeit für (demente) Senioren zuzulegen, um dann auch damit nichts als Probleme zu generieren.


    Ich vermiete derzeit schon seit Jahren an verschiedene WG's und habe damit verschiedene Erfahrungen gemacht, aber noch nichts im Bereich Senioren bzw. Pflegebedürftige. Nach den Erfahrungen mit drei Jahren Seniorenheim, in dem mein Vater war, bin ich erst recht äußerst skeptisch. Um nur mal ein Beispiel zu nennen: das Wasser aus den Wasserhähnen war so hoch temperiert, daß Verbrühungsgefahr bestand (tolle Idee bei Dementen, die sich dagegen nicht zu schützen wissen!!). Darauf angesprochen erklärte mir der Heimleiter, daß das Vorschrift sei, um Keime etc. abzutöten.



    Hallo Herr Pawletko: daß das Thema komplex ist, befürchte ich ohnehin, da ich - wie geschrieben - so meine Erfahrungen gemacht habe im Leben.


    Und was die von Ihnen erwähnten bürokratischen Hürden angeht, gilt das, was ich oben schon geschrieben habe: wer diese begrüßt oder befürwortet, möge bitte selber mal versuchen, in diesem Land (BRD) etwas auf die Beine zu stellen anstatt immer nur passiv Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen (Rente/Pension, Pflegegeld, Heime, Pflegedienste usw.).



    Ich würde mich freuen, wenn hier mal Leute ihre eigenen Erfahrungen mit Demenz-WG's (und deren Initiierung) schildern würden!

    An Sonnenblümchen: nein, das kann nicht sein, denn dessen Kommentare waren so aufwieglerisch, daß er in diesem Forum gesperrt werden mußte.


    An Jutta: was wünschen Sie sich denn (von wem) und weswegen?

    Hallo Andydreas,


    alles Gute wünsche ich Ihnen auch!


    Wie ich schon geschrieben habe, gehe ich nicht davon aus, daß unsere Mütter in irgend einer Weise die Folgen der Tragweise ihrer Verweigerung noch erkennen können. Aber es gab ja auch eine Zeit davor und meine Mutter hat sogar ihre eigene demente Mutter bis zu deren Tod bei sich gehabt, wußte also, was auf sie zukam. Trotzdem hat sie es unterlassen, die Weichen für sich selber zu stellen und zwingt mich nun in eine Rolle, die ich nie annehmen wollte.


    Die von Ihnen erwähnten "gutgemeinten Ratschläge" habe ich mal bekommen, als ich noch im Bemühen war, eine Änderung für meine Mutter zu bewirken. Das habe ich aber längst aufgegeben, weil eben nichts fruchtet.


    Daß mir das schlechte Gewissen bleiben wird, ist mir klar. Aber ich komme damit inzwischen sehr gut zurecht, weil ich nach eigenem Ermessen alles Menschenmögliche für meine Mutter versucht habe außer meine Selbstaufgabe.


    Die von Ihnen empfohlene "osteuropäische Ganztagsbetreuung"
    ist schon nach der zweiten Nacht im Haus meiner Mutter geflüchtet und die zweite Dame wurde von meiner Mutter erst gar nicht ins Haus gelassen. Essen auf Rädern hat sie auch nur zwei Tage zugelassen und davon fast nichts angerührt; "igitt", "widerlich", "kann man nicht essen". Mit zahlreichen anderen Betreuungs- oder Beschäftigungspersonen ist auch nichts entstanden.


    Finanziell könnte ich meiner Mutter einiges bieten dank üppiger staatlicher Versorgung (Witwenrente, Pflegegeld) sowie eigener finanzieller Vorsorge, aber wenn alles abgelehnt wird .....


    Mehr als Pflegedienst hat bisher nicht geklappt. Gestern ist mir noch die Idee gekommen, eine Person für sie zu engagieren, die für sie kocht, da die eigene Essensversorgung fast nicht mehr funktioniert. Aber auch da bleibt abzuwarten, wie sie darauf reagiert.

    Hallo sarahf,


    wenn Sie es mit Ignorieren hinbekommen und keine härteren Geschütze auffahren müssen, haben Sie es schon gut angetroffen.


    Ich halte Juttas Erklärungsansatz für sehr plausibel, jedenfalls habe ich für mich dieselben Begründungen gefunden.


    Das für mich Schlimmste daran war nicht die Dummheit bzw. Ignoranz der Nachbarschaft (denn dagegen hilft Aufklärung), sondern daß diese ganz gezielt jegliches aufklärende Gespräch mit mir und somit auch jede Informationsaufnahme ihrerseits verweigert hat, die zu einer objektiven Beurteilung der Gesamtsituation notwendig ist. Hinzu kam ein Intrigieren hinter meinem Rücken mit sehr negativen Konequenzen für uns.


    Das heißt, das Verhalten der Nachbarschaft ist in unserem Falle rein emotional begründet und läßt alles Rationale vermissen. Extrem gefährlich!


    Wenn Sie also "nur" über das Geschwätz hinweghören müssen, sind Sie schon gut dran.

    Hallo allerseits,


    für mich selber habe ich schon mal darüber nachgedacht, "für's Alter" z. B. eine Pension zu kaufen und diese gemeinsam mit anderen Leuten zum Wohnen zu nutzen (alle hätten ihre kleinen eigenen Zimmer für den Rückzug, aber in großen Gemeinschaftsräumen und einer Gemeinschaftsküche wäre ein Miteinander möglich sowie ein einfaches sich-gegenseitig-Helfen aufgrund fehlender zu überwindender räumlicher Distanzen). Das ist in der Theorie eine schöne Idee, zumal für viele meiner Generation "Altersarmut", da sie sich maximal so etwas überhaupt leisten könnten.


    Nun steht aber erst mal eine Unterbringung für meine zunehmend demente Mutter an, die leider - wie so viele - nahezu alles Notwendige ablehnt. Das hält aber weder das Alter noch die Demenz noch den Verfall auf, so daß früher oder später etwas passieren muß. Dieser Zeitpunkt ist nun bald gekommen und so überlege ich, ob meine Idee mit der Pension (oder beispielsweise mit einem Bauernhof mit genügend Wohnraum) nicht auch auf meine Mutter sowie ggfs. weitere demente Personen anwendbar wäre. Dazu wenigstens eine Rund-um-die-Uhr-Betreuungs- und Pflegekraft oder gleich mehrere, wenn mehrere Personen versorgt werden müssen. Weniger bürokratisch als ein Altenheim und auch kostengünstiger.


    In der Praxis müßte natürlich meine Mutter (genauso wie potentielle weitere Mitbewohner(innen) ) irgendwann einen solchen Umzug zulassen und das ist vermutlich schon mal Hindernis Nummer eins, auf jeden Fall im Moment noch.


    Hindernis Nummer zwei könnte das Bestreben unseres Beamten- und Bürokratenapparates sein, sich über alle Maßen dort einzumischen und derart viele Vorschriften zu machen, daß ich es doch lieber von vorneherein sein lasse. Man braucht ja nur mal zu schauen, welchen Auflagen Heime unterliegen.


    Ein drittes Hindernis sehe ich darin, daß auch diese Unternehmung vermutlich einiges an zeitlichem und energetischem Aufwand meinerseits erfordert, wobei ich momentan sehr froh bin, die Belastungen der letzten Jahre hinter mir zu haben und meine Kraftreserven allmählich wieder aufzufüllen. Besonders, wenn andere Personen mit untergebracht würden, kommen zwangsläufig deren Probleme und die Einstellungen der sie betreuenden Angehörigen hinzu, die neue Baustellen für mich schaffen würden.


    Daher würde ich mich freuen, mal die eine oder andere Einschätzung zu diesem Thema zu lesen (auch bzgl. der Einmischung von Behörden) bzw. sogar Erfahrungsberichte von Demenz-WG-Angehörigen. Vielen Dank.

    Hallo in die Runde,


    nach dem, was ich hier lese, haben viele dieselben Probleme wie ich und deshalb will ich kurz schildern, wie ich für mich zumindest einigermaßen meinen Seelenfrieden gefunden habe in einer ganz und gar nicht glücklich machenden Situation. Vielleicht hilft das ja der oder dem einen oder anderen, an ihrer bzw. seiner eigenen Einstellung zu arbeiten und dadurch besser mit der eigenen Situation zurecht zu kommen.


    Meine Mutter ist zunehmend dement und sowohl jetzt wie auch schon früher leider überhaupt nicht erreichbar für eine vernünftige Vorbereitung/Planung ihrer letzten Lebensjahre bzw. ihres letzten Jahrzehnts.


    Insofern habe ich nun als einziger Angehöriger die unerfreuliche Pflicht, eine Lösung finden zu müssen, obwohl sie sich gegen quasi alles sperrt und nach wie vor alleine in ihrem Haus mit Garten leben will, was sie im Grunde schon jetzt nicht mehr schafft, geschweige denn in den nächsten Jahren.


    Das einzige, was ich bisher etablieren konnte, war, daß der Pflegedienst (inzwischen fünf mal pro Woche) für hauswirtschaftliche und Gesellschaft leistende Tätigkeiten bei ihr vorbeischaut. Ansonsten bin aber immer ich in der Verantwortung, und das heißt natürlich z. B. auch für die Instandhaltungen und Mängelbeseitigungen am Haus, für die sie z. T. selber verantwortlich ist (verstopfter Küchenabfluß; selber ausgeschaltete Heizung, nachdem ich erst zwei Tage vorher da war um sie in Betrieb zu nehmen usw.).


    Wie viele hier wissen, treibt einen das Gesamtpaket, was ein dementer Mensch einem aufbürdet, schnell in den Wahnsinn. Daher habe ich für mich entschieden, den Verstand einzuschalten und ganz rational vorzugehen.


    Das heißt im Klartext, da meine Mutter noch nie Einfluß von außen zugelassen hat (und somit nahezu alles, was ich seit Jahren versucht habe zu ihrer Unterstützung, ablehnt), muß sie nun auch selber die Konsequenzen ihrer bisherigen Lebensentscheidungen tragen. Mir ist klar, daß sie schon lange nicht mehr deren Tragweite begreift, aber das läßt sich nun mal nicht ändern.


    Als erstes habe ich dafür gesorgt, daß sie mich nicht mehr anrufen kann, denn das nahm überhand und kam auch zu den ungewolltesten Uhrzeiten vor. (Eigenartigerweise hat sie mir das noch nie zum Vorwurf gemacht, sondern freut sich sehr, wenn ich zu Besuch zu ihr komme. Sie hat es noch nicht einmal thematisiert!)


    Zweitens sehe ich die Sache so, wie ich es z. B. über Co-Alkoholiker gelesen habe: man kann für niemand anderen das "Saufen" aufgeben (auch nicht das Rauchen, Drogen Konsumieren usw.); also: solange die betroffene Person nicht selber bereit ist, Änderungen vorzunehmen, läßt sich nichts machen. Ich bin nicht verantwortlich für die Unzulänglichkeiten und Fehler meiner Mitmenschen; auch nicht, wenn es meine engsten Angehörigen sind. Und da fast alle meine Bemühungen im Sande verlaufen sind, ist meine Schuldigkeit getan und der zunehmend traurige Zustand meiner Mutter nicht mein Problem.


    Drittens mache ich mir klar, daß meine Mutter für den Rest ihrer Existenz von meiner Fürsorge abhängig ist und das heißt, daß ich noch wenigstens ein Jahrzehnt durchhalten muß. Das packe ich aber nicht, wenn ich mich emotional von ihr kaputtmachen lasse (siehe hierzu viele Beiträge von andydreas). Stattdessen achte ich auf meine seelischen Belange und lasse so wenig wie möglich Negatives an mich heran.


    Erst seitdem ich mir diese Einstellung (die sich für manche sicherlich kaltherzig und egoistisch liest) angeeignet habe, geht es mir besser und ich komme mit der Situation einigermaßen zurecht. Ungefähr so, wie ein Arzt, der dem Patienten eine tödliche Erkrankung mitteilt, ohne dabei aber selber vor Mitleid und Tragik in Tränen und Verzweiflung auszubrechen und dadurch handlungsunfähig zu werden.


    Viel Erfolg auf den eigenen Baustellen!