Beiträge von Rose60

    Hallo zusammen,

    Meine Mutter ist bereits mehr als 2 Jahre im Pflegeheim. Ihr Haus ist in ihrem alleinigen Besitz und die Ersparnisse müssen teils für die Pflegekosten genutzt werden. Meine Mutter ist zunehmend dement, sagt jedoch immer noch, dass sie nachhause will, sie könne ja alles wieder allein, in Wirklichkeit aber eben voll pflegebedürftig.

    Da wir nicht wissen, wie lange sie noch lebt und ob irgendwann die Ersparnisse aufgebraucht sind, man also an die Immobilie müsste, kann man es auch nicht selbst nutzen bzw.vermieten gegen Ihren Willen.

    Weiß jemand, ob wir das Haus schon gegen Ihren Willen verkaufen könnten?

    Liebe Grüße

    Hallo KO72 u.a.

    Das klingt ja wirklich gut mit dem Heim!!

    Meine Mutter ist auch in einem sehr schönen mit nettem Personal, schönem Ambiente etc. - Nur leider heimatfern, das tut mir oft leid, weil ich damit meist die einzige Besucherin bin und die noch übrigen vereinzelten Bekannten nicht hinkommen.

    Also bei uns wurde es durch Stürze, zuletzt mit gipsarm eingeleitet und wir haben quasi meine Mutter immer weiter vertröstet bzgl. Heimkehr, weil meine Schwester vorort nicht mehr konnte, in den Augen meiner Mutter alles falsch machte, meine Mutter oft bis nachmittags im Nachthemd, antriebslos, depressiv, was sie natürlich alles abstritt. Und dann kam corona und wir waren froh, dass sie versorgt war und dauernd Leute zum reden, eine Zeit lang sogar verliebt in einen Bewohner, das war so schön zu sehen. Er ist leider verstorben vor 1 Jahr. Doch meine Mutter ist auch sehr kommunikativ und mit einer pflegekraft, die vllt kaum Deutsch kann, wäre es sicher nicht besser, sage ich mir nun, wenn mich das schlechte Gewissen packt.

    Also es kann sich schnell mal eine Situation ergeben, die eine Wende bringt. Momentan kannst du wohl nur abwarten und sehen, dass du bei Kräften bleibst..

    Liebe Grüße

    Hallo Tanja ,

    Ich finde toll, wie geduldig du mit deiner Mutter bist, wo du soviel einstecken musst... Mir wird jetzt erst klar, dass meine Mutter mich wohl schon vor einigen Jahren Dinge von eigentlich Freundinnen berichtet hat, die sich in ihre Telefonleitung eingehackt hätten und ihre teuren Telefonrechnungen verursacht haben, wo sie nicht von abzubringen war und.ä. eine Freundin ist deswegen sogar schwer depressiv geworden, das tut mir sooo leid. Meine Mutter war zuvor für viele Ansprechpartner bei kleinen und großen Problemen, dann diese WesensVeränderung, die ja anfangs nicht greifbar wird. Schlimm!

    Die Wendung kam erst durch Heimaufenthalt nach mehreren Stürzen und dort Gabe von leichten Antidepressiva über den wöchentlich im Heim aufsuchenden Neurologen, meine Mutter merkt nun nicht mehr, was sie alles nimmt, sagt auch öfter, sie bekomme dort nun keine Tabletten mehr- was natürlich nicht stimmt.

    Aber sie ist nun auch mit dem stark nachlassenden Gedächtnis, dem regelmäßig getakteten Leben und Essen im Heim deutlich ausgeglichener. Momentan sagt sie wieder fast jedesmal, sie könne ja nun wieder alles allein und damit wieder nachhause. Manchmal wechsle ich einfach das Thema oder wenn es gar nicht davon weggeht, sage ich, wir fragen mal den Arzt o.ä. Anfangs kam ich mir richtig schlecht vor, so unehrlich, doch mit dagegen reden kommt sie nicht vom Thema weg.

    Und wenn sie mir aus dem Heim etwas erzählt, was definitiv nicht sein kann (Pfleger machen sich ein "schönes Wochenende " auf Kosten der Krankenkassenkarte meiner Mutter..), dann sage ich eher "also das geht aber nicht, da beschwere ich mich bei den Pflegern"o.ä. - dann beruhigt sie sich und fühlt sich ernst genommen.

    Mit diesen Tricks kommen wir nun gut klar. Mal schauen, wie lange das alles noch geht..


    Liebe Grüße und allen Lesern ein schönes Wochenende;)

    Hallo Barfuss,

    Mal ganz aus dem Bauch heraus meine Meinung zu Ihrer Geschichte: solche Reaktionen von Ihrer Mutter mit Anspucken etc.iat grenzüberschreitend und für Sie demütigend. Daher mein Appell: passen Sie gut auf sich auf und überlegen Sie, wieviel Sie investieren. Ich würde mir soviel Unterstützung wie möglich gönnen, gut dass Sie schon einiges eingestielt haben. Ich würde auch versuchen auf Abstand soweit wie möglich zu bleiben, kümmern bedeutet nicht , dass man alles selbst machen muss.

    Das mit Ihrer Erfahrung bzgl. Alkohol kann ich sehr gut nachvollziehen, damit käme ich bei meiner Mutter auch nicht klar.

    Gut dass Sie sich hier einiges von der Seele schreiben können!

    Alles Liebe

    Ach Mensch, das ist wirklich anstrengend. Und ja, ich konnte auch eine Zeit lang die Vorwürfe und gewünschten Diskussionen meiner Mutter mit noch so logischen Erklärungen sehr schlecht verkraften. Wir sind nun mal Menschen und bleiben nahe Angehörige und stehen ja unseren Müttern (in unserem Fall) gegenüber, die sich peu a peu verändert haben, noch genauso aussehen wie wir sie über Jahrzehnte kennen. Das ist ein längerer Prozess.

    Einmal ist mir der Kragen geplatzt und ich habe zurückgeschnautzt, so dass meine Mutter weinte und meinte, sie habe doch nur mich. Das war natürlich einerseits blöd von mir, zeigte mir aber, dass ich mich wehren kann und seitdem ist meine Mutter vorsichtiger mit mir, scheint mehr Respekt zu haben. Sicher nicht übertragbar auf jeden ...

    Liebe Grüße

    Hallo Tanja, das finde ich völlig ok, wenn du dich vor den vielen Anrufen schützt. Wenn man keine Grenzen setzt, kann sich mit der Zeit ein Groll und eine innere Abwehr einschleichen und das ist auch nicht schön für die Beziehung. Mir wurde von Experten empfohlen, dass es besser ist, die Fäden selbst in der Hand zu halten, hat sich bewährt;)

    Liebe Grüße

    Hallo Weberin,

    Ich kann Ihren Konflikt sehr gut nachvollziehen. Meine Mutter konnte sich auch nicht damit abfinden und einsehen, dass es keine bessere Alternative gab. Wir sind/mussten bei dem heimaufenthalt bleiben. Es hat mich oft traurig gemacht, doch irgendwann verändern sich eben leider die Rollen bei Demenz so, dass die demenzkranken nicht mehr entsprechend die weitreichenden Entscheidungen einsehen und treffen können, sondern die erwachsenen Kinder danach entscheiden müssen, wo der alte Mensch am besten versorgt werden kann UND die Kinder bzw.in Ihrem Fall Enkel nicht an der dauerhaften Belastung zugrunde gehen und krank werden. Eine Demenz kann sich über etliche Jahre hinziehen.

    Lassen Sie sich nicht erweichen, vor allem wenn Sie ein gutes Gefühl bei dem Heim haben.

    Ich habe tatsächlich irgendwann die Erfahrung gemacht, dass ich gut drauf sein muss bei einem Besuch, sonst wurde ich von meiner Mutter angefeindet und bekam Vorwürfe.

    Die Demenz wird ja fortschreiten und die Bedürfnisse Ihres Angehörigen werden nicht weniger. Das muss man leider dann eine Zeit lang aushalten und standhaft bleiben.

    Dadurch dass ich meine Mutter nicht öfter als 1mal pro Woche besucht habe, war sie gezwungen, sich auf die Angebote und Bewohner des Heimes einzulassen, es hat funktioniert;)


    Liebe Grüße

    Hallo Herr Hamborg,

    ich finde das ein durchaus interessantes Thema. Im Gegensatz zu vielen anderen alten Menschen hat meine Mutter (Jg.1930) immer relativ viel von Kriegserlebnissen, Ausgebombtsein, Hunger etc. erzählt. Nun habe ich das Gefühl, dass sie die Nachrichten über den aktuellen Krieg in der fortgeschrittenen Demenz nicht mehr erreichen, zum Glück. Auch wenn andere Heimbewohner nun davon erzählen, sie sagt jedenfalls, es tangiert sie nicht mehr... Weiß natürlich nicht, was noch kommt bei ihr.

    Liebe Grüße

    Rose60

    Hallo Sohn 83,

    Den Ärger über die Argumentation deiner Schwester, deren Jugendliche Kinder den Opa als gesund in Erinnerung behalten sollen, kann ich gut nachvollziehen. Ich bin der Meinung, dass man Jugendlichen durchaus so etwas zumuten kann, weil es einfach zum realen Leben dazu gehört. Wenn die Enkel allerdings selbst dies nicht wollen, muss man es akzeptieren. Man kann so oder so nichts erzwingen...

    Jeder kann und darf letztendlich seine Grenzen aufzeigen, nur sollte das nicht heißen, dass du nun dein Leben komplett aufgibst und/oder in den Problemen untergehst. Dafur ist es wirklich gut, wenn man etwas "gecoacht" wird durch entsprechende Berater . Das habe ich selbst auch gebraucht und hilfreich empfunden.

    Liebe Grüße

    Ja, ich finde auch wichtig zu bedenken, dass man nicht wirklich absehen kann, wielange und wohin der Prozess noch geht. Man kann ja immer nur für die allernächste Zeit entscheiden.

    Meine Mutter hat vor vier Jahren schon gesagt, sie spürt deutlich, dass es mit ihr bald zuende geht. Nun ist sie 91 J.und kann in diesem Zustand locker noch einige Jahre leben, was ich bei dem pflegebedarf und unserer schwierigen Vorgeschichte, meiner eigenen gesundheitlichen Lage etc.never ever leisten könnte/und wollte.

    Natürlich könnte sie auch jeden Moment tot umfallen, doch das könnte ich ja auch..

    Also wir können und dürfen aufgrund unserer individuellen Situation und Geschichte alles erdenkliche in Betracht ziehen.

    Wenn ich nun meine Mutter besuche oder mal zu mir zum Kaffee hole o.ä.kann ich mich ihr ganz zuwenden, sie in den Arm nehmen, was sie sehr genießt und das Beste aus dem Moment machen.

    Im Heim ist wieder bessere Stimmung, da das Damoklesschwert "Corona" nahezu (erstmal) "abgehakt" ist. Damit war die Stimmung meiner Mutter auch wieder besser, sie kann wieder mit einigen Bewohner reden , endlich in die gewohnte Küche zum Essen- vermutlich hat sie spätestens nächste Woche vergessen, welche Einschränkungen sie hatte, ich für 2 Wochen nicht kommen durfte etc. Da hat das Vergessen etwas Gutes :)

    Liebe Grüße

    Hallo raidan,

    Ich würde auch versuchen telefonisch mit dem Psychiater Kontakt oaufzunehmen. Leider kann man bei vielen Psychopharmaka nicht für jeden die gleiche Wirkung voraussehen, somit ist es eigentlich wichtig "im Gespräch " zu bleiben, ggf.etwas zu ändern, so dass es dann wirklich " gezielt" ist. Psychiater sind ja in erster Linie Mediziner und für Medikation zuständig.

    Auch Ihnen alles Gute:)

    Hallo sohn83,

    Ich wundere mich gerade, da ich deine Beiträge kaum wirklich als jammern wahrgenommen habe. Du leistest in meinen Augen megaviel für deinen Vater und nun wirst du hinsichtlich des wochenendes so enttäuscht. In meinen Augen sollte es da perspektivisch deutlich mehr Unterstützung geben und wenn deine Schwester sich das nicht zutraut, was man irgendwie auch akzeptieren muss, muss eine andere Lösung gefunden werden.

    Warst du schon mal an einer "Pflegeberatungsstelle"? Auf Dauer schafft das niemand und wir wissen ja nicht, wie lange unsere Elternteile noch leben, an demenz stirbt man nicht so schnell. Nicht dass ich das nun jemand wünsche, aber man wünscht sich eben irgendwann deutliche Entlastung.

    Schreib dir hier jederzeit etwas von der Seele! Auch wenn ich nun keine konkreten Ideen habe...

    Liebe Grüße :)

    Hallo,

    Es tut mir sehr leid, welche Sorgen Sie um Ihre Mutter haben. Mit dieser Erkrankung kenne ich mich nicht aus, aber mir kam der Gedanke, ob Sie einen Hausarzt um Hausbesuche bitten können? Von Außenstehenden nehmen die dementen bzw. älteren Menschen eher etwas an als von uns "Kindern ". Ein Arzt könnte Antidepressiva verschreiben, denke ich. Eigentlich wäre es natürlich besser einen Facharzt für Psychiatrie zu bemühen.

    Das wäre meine Idee dazu. Mein Vater hat sich teils geweigert , diese Medikamente zu nehmen, doch wie es bei Ihrer Mutter ist, weiß ich natürlich nicht..

    Zwingen kann man ohne rechtliche Betreuung bzw.einen schweren Vorfall nichts, nur bei schwerer selbst- oder jeglicher Fremdgefährdung.

    Sie können auf jeden Fall den sozialpsychiatrischen Dienst Ihrer Stadt anrufen und befragen, die können weitere für Ihre Umgebung realistische Aussagen machen.

    Es gibt immer Wege, die man zuvor gar nicht kennt.

    Bei meinem Vater mit Alzheimer und Behandlungsverweigerung, Drohungen etc.habe ich einen Antrag auf rechtliche Betreuung gestellt, woraus sich ein Hausbesuche eines Psychiaters und später stationärer Aufenthalt in Gerontopsychiatrie, Diagnose, Medikamente etc.ergab. irgendwann kann die Familie nicht mehr...wir haben auch nur 1 Leben!


    Liebe Grüße und viel Erfolg!

    Rose60

    Danke an Hr.Hamborg noch für die guten Wünsche! Meine Mutter scheint momentan wieder ruhiger und hat relativ leichte Symptome, so dass sie noch auf dem Gang rumlaufen kann, was sie natürlich eigentlich nicht darf. Sie vergisst es immer wieder und meint, sie habe ja nichts ansteckendes, "das bisschen Schnupfen"... Mir tut es auf jeden Fall gut, nicht hinzumüssen, so blöd sich das anhören mag. Diese 1-2 Stunden pro Woche kosten mich sonst soviel Überwindung, weil ich mit jedem Besuch an alte belastende und trotz vieler Therapie nicht gänzlich zu vergessene Situationen erinnert werde.


    Liebe Grüße

    Hallo ihr Lieben,

    Gestern kam die Nachricht über pos. Corona test meiner Mutter. Nach nun 2 Jahren dort der erste Ausbruch im Heim,, was ja schon eine Leistung ist. Am Tag vorher hat sie es nach Monaten mal wieder geschafft mich anzurufen mit der dringenden Bitte, sie sofort zu meiner Schwester zu bringen (die weiter weg wohnt,aber das weiß sie nicht mehr). Alternativ sollte ich sie zu mir abholen, und zwar sofort. Beides habe ich abgelehnt, ging auch aus verschiedenen Gründen gar nicht. Ich habe danach von einer Pflegerin erfahren, dass meine Mutter sehr verunsichert ist, weil keiner mehr auf dem Flur zum reden sitzt, kaum noch jemand in der Küche... Sie versteht natürlich auch nicht, was um "ein bisschen Halsschmerzen " gemacht wird:(

    Ich hatte aus verschiedenen Gründen keine Möglichkeit sie davor zu retten, doch prompt sprang wieder mein schlechtes Gewissen an... Sie war verbal ziemlich aggressiv, auch gegenüber meiner Schwester am Telefon. Nun darf ich natürlich mindestens 10 Tage nicht hin zu Besuch, sie darf nicht raus, aber darf immerhin mit anderen Infizierten zusammen essen, das finde ich sehr gut, wäre ja auch anders Blödsinn, wenn es nun eh fast alle auf der Etage haben.

    Es tut mir so leid, weil sie sich allein auf dem Zimmer überhaupt nicht beschäftigen kann, kommt gar nicht mehr auf die Idee fernzusehen, zu lesen o.ä. Furchtbar:(( sie sagt auch, sie fühle sich mutterseelenallein. Gerade erst vor 1 Woche konnte ich meine Mutter zum ersten Mal seit Monaten zu einem Minispaziergang in einen kleinen Park überreden und wollte sie gestern eigentlich zu einem Ausflug abholen, nach dem langen grauen Winter, Sturm etc.

    Nun fällt es mir wieder schwer das auszuhalten... Was für eine Zeit ist das bloß? Corona, Krieg, viele Sorgen familiär - ich bringe meiner Mutter später ein paar frühlingsblumen vorbei, doch sie wird vergessen, dass sie von mir sind und ist ja auch wütend, dass ich sie (aus ihrer Sicht) nicht aus dieser Situation gerettet habe. Sie behauptet zwar felsenfest, sie habe keine Angst, doch mein Gefühl ist genau konträr. Sie ist momentan wieder fest überzeugt, dass sie nachhause zurück kann und natürlich ihren Haushalt dort machen kann.

    Meine Mutter sagte so oft, daß Heim sei sehr gut, sie würde gut versorgt, alle seien nett zu ihr, aber... Sie wolle auf keinen Fall dort sterben. Was mache ich mit dieser Aussage? Es tut mir nahezu weh, wie sie am Leben hängt, vielleicht hat sie Angst meinen Vater im jenseits zu treffen (er war stets gewaltbereit). Mein Leben lang versuche ich meine Mutter glücklich(er) zu machen, habe es letztendlich nicht geschafft .. :/

    Danke fürs Lesen!!

    Hallo Hanne u.a.,

    Ich finde, im derzeitigen Verlauf der Pandemie bringt es nichts nach Verantwortlichen zu suchen. Meine Kinder sind mittlerweile trotz aller Vorsicht von omikron betroffen, bei einer hat es das Kita Kind angeschleppt, ausgerechnet nach der Geburt von Geschwistern, ich hatte viel Sorge. So verbreitet es sich einfach über die jungen Familien bis zu den Großeltern etc. Einige haben überhaupt keine Symptome oder nur leichte Erkältungssymptome. Und meist sind die ersten Schnelltests bei Omicron negativ.

    Wen soll man dafür beschuldigen nach zwei Jahren mit sehr viel Einschränkungen.

    Wir müssen damit leben, dass wir nicht alles in der Hand haben. Sterben können wir auch an jeder Menge anderer Krankheiten. Mehrere Familien Mitglieder bei mir sind in dieser Zeit an Krebs erkrankt, ich selbst hatte einen ganz blöden Sturz, der ganz schlimm hätte ausgehen können, so wurde es "nur" Arm- und Beinbruch. Mein Schwager mit Vorerkrankungen hatte gerade Corona ganz ohne Symptome.

    Ich denke, ein bisschen hofft man nun auf Aufbau von natürlichen Antikörpern, eine gewisse Durchseuchung und aufgrund der meist geringen Symptomatik kann man wahrscheinlich die vielen Einschränkungen nicht mehr begründen.

    Also ich persönlich fürchte nicht so um meine Mutter. Was soll denn mit 91 Jahren und fortgeschrittener Demenz noch aufgehalten werden. Mit Wegsperren ins Zimmer und Vermeidung von geselligen Aktivitäten ist ihr für ihre verbleibende Lebenszeit definitiv nicht geholfen. Das ist meine Einstellung dazu.

    Nach nun zwei Jahren ist erstmals das Virus im Heim meiner Mutter angekommen und das halte ich für nahezu unvermeidlich, da so viele junge Eltern dort beschäftigt sind und wo es mit Sicherheit nicht immer rechtzeitig erkennbar ist, wenn die Tests oft nicht anschlagen und keine Symptome oft auftreten.

    Allerdings ist das Heim nicht geschlossen und ich darf zu Besuch kommen, also vermutlich nur Einzelfall..

    Liebe Grüße an alle

    Liebe Tanja,

    Es freut mich zunächst mal, dass Sie mit unseren Erfahrungen etwas anfangen können.

    Ganz wichtig finde ich, dass Sie keinerlei Schuld bei sich suchen für die Aggressivität Ihrer Mutter. Es ist die Krankheit, bei meiner Mutter wurde im Pflegeheim ein Antidepressivum angesetzt, trotzdem habe ich für lange Zeit bei meinen Besuchen alles abbekommen an Unzufriedenheit und bin oft unter Tränen dort weg gegangen. Ich habe mich beraten lassen, wie ich in schwierigen Situationen bei mir etwas ändern kann und Ärger umschiffen.

    Dafür gibt es zum Beispiel schon die Möglichkeit einer telef. Beratung bei der Dt. Alzheimergesellschaft ( kann man googeln). Das hat mir mehrmals sehr geholfen. Die übrigen Tipps haben Sie ja bereits.

    Ich könnte mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, 1 Woche mit meiner Mutter zu verbringen, überlegen Sie wirklich, ob es noch machbar ist oder Sie vllt woanders als Rückzugsort unterkommen können, von wo aus Sie Ihre Mutter besuchen.

    Die Hausärztin könnten Sie sicher um ein Telefonat bitten, eigentlich haben Hausärzte ja Erfahrung mit solche Situationen. Vllt könnte Ihre Mutter unter einem Vorwand dort einbestellt werden und ggf. Medikamente.

    Das Problem bei Demenz ist, dass keine Einsicht auf Unterstützungsbedarf möglich ist, es fehlen nach und nach die Verknüpfungen im Gehirn und ich vermute, es ist auch viel unbewusste Angst bei den alten Menschen im Spiel. Das kann man aber nicht diskutieren und Einsicht erwarten. Allein kommen Sie da nicht raus und man muss das auch nicht alles allein schaffen.

    Oft gibt ein Sturz o.ä.den Auslöser für Veränderung, so war es bei uns auch, dann wegen armbruch kurzzeitpflege und weitere Verletzung stationäre Dauerpflege. Meine Mutter meint immer noch, sie komme zuhause prima allein zurecht, macht aber absolut nichts in Eigeninitiative, jede Blume vertrocknet, die mitgebrachten Äpfel, die sie unbedingt brauchte, verschimmeln etc.

    Wie schwarzer Kater schrieb, die Akzeptanz macht es irgendwann leichter, von dem gewohnten Menschen muss man sich innerlich verabschieden.

    Liebe Grüße;)

    Hallo Tanja,

    Doch, Sie dürfen so etwas denken, denn auch eine Mutter darf nicht dermaßen übergriffig sein und Sie haben ein Recht auf eigene Gesundheit, die draufgeht, wenn es so weitergeht!! Das erstmal aus dem Bauch heraus. Ich kenne solche schlimmen Phasen von meinen Elternteilen und da ist Handlungsbedarf für Sie beide.

    Zunächst meine Idee, dass es evtl auch eine "Pseudodemenz", ausgelöst durch eine Depression infolge der Trauersituation, sein könnte, die man mit Antidepressiva behandeln kann. In meiner Umgebung hier könnte man über den Hausarzt eine Einweisung in die Gerontopsychiatrie zur Diagnostik und Behandlung erwirken, hier ist das eine wirklich sehr empfehlenswerte Einrichtung. Doch ich weiß natürlich nicht, wie es in der Umgebung Ihrer Mutter aussieht. Haben Sie schon mit dem Hausarzt Ihrer Mutter Kontakt aufgenommen? Das würde ich als erstes tun, gleichzeitig überlegen, wie Sie die Anrufe blockieren können. Es führt ja zu nichts, wenn Sie sich diesen Angriffen aussetzen. Das wird nicht von allein besser .

    Sobald man einen Ansprechpartner hat und einen gewissen Plan, sollte es für Ihr Gefühl besser werden.

    So können und müssen Sie es definitiv nicht weiterlaufen lassen.

    Der Verlust des Partners ist keinesfalls eine Entschuldigung dafür, ich habe auch schon meinen Mann verloren und meine Kinder in keinster Weise belästigt, sondern anderweitig Hilfen gesucht.

    Also da läuft etwas nicht auf gesunde Weise, das haben Sie ganz richtig erkannt.

    Außer dem Hausarzt können Sie sich an den sozialpsychiatrischen Dienst des zuständigen Wohnortes Ihrer Mutter wenden, mir wurden dort gute Tipps gegeben .

    Für Sie selbst würde ich mich auch professionell beraten lassen, bei einer Beratungsstelle z.B., damit Sie Tipps bekommen, wie man sich sinnvoll abgrenzen lernt und wie weit man sich wirklich vereinnahmen lassen darf/muss.

    Ich wünsche Ihnen die notwendige Unterstützung, habe selbst dieses Mosaik an Hilfen genutzt um nicht dabei drauf zu gehen.

    Das Ziel ist Hilfe für Sie beide!!

    Liebe Grüße

    Rose60