Beiträge von Rose60

    Vielen Dank, Herr Hamborg, für Ihre Stellungnahme. Ich habe auch das Gefühl, dass meine Mutter nun mehr hier angekommen ist. Vor allem auch danke für den Hinweis mit dem "Appell" - das ist seit vielen Jahren genau " meine Baustelle " , dassich mich von Kind an für das Glück meiner Mutter verantwortlich fühle. Dabei würde ich das von meinen Kindern niemals erwarten... ich lerne also weiterhin ;)

    Am Freitag habe ich meine Mutter sogar im Rollstuhl durch die Stadt schieben dürfen, was wegen kopfsteinpflaster leider für mich sehr anstrengend war. Doch sie hat es erstmalig genossen, meinte einige Ecken wiederzuerkennen, was eigentlich nicht sein kann, aber egal. Vielleicht ist das jetzige Stadium auch in mancher Hinsicht leichter. Nur erkennt meine Mutter zwischendurch immer noch ihren mentalen Rückgang und sie gibt dem heimaufenthalt die Schuld.

    Nunja, ich habe nun mehr gelernt, es anzunehmen und sage dann " ja, das istblöd, wenn nicht mehr alles so funktioniert " o.ä.


    Liebe Grüße an alle

    Rose60 <3

    Liebe Hanne,

    Ja, deine Erfahrungen so zu lesen, hilft mir schon. Ich überlege auch immer noch oft, was ich meiner Mutter noch bieten könnte/ sollte. Wenn wir letzten Sommer mal mit ihr eine kleine Ausfahrt mit Unterstützung eines Rollstuhles gemacht haben, kam vorwiegend die Reaktion, dass es in ihrem Heimatort aber auch schön sei - zuvor hat sie mir Jahrzehnte erzählt, sie wolle dort weg, würde dort niemals warm werden...Nun habe ich oft den Eindruck, dass sie vom Ort ihrer Kindheit spricht, wenn von zuhause die Rede ist, das scheint immer mehr zu verschwimmen. Letztes Mal fragte sie mich auch mehrmals nach meinem sowie ihrem Alter.


    Und wenn wir mal eine kurze Autofahrt durch schöne Landschaft gemacht haben, schaute sie kaum hin. Das ist so schade...

    Ab August kommt wahrscheinlich nochmal eine ehrenamtliche Besucherin dazu, die meine Mutter (vor corona) sehr mochte. Daher möchte ich nicht zusätzlich jemand engagieren.

    Es fällt mir sehr schwer die Gedanken loszulassen, ich habe meine Mutter von Kind an soviele Zeiten unglücklich erlebt, gemessen daran wirkt sie nun sogar viel zufriedener und vielleicht ist es sogar gut, dass sie vom Ort des Unglücks nun weiter entfernt ist.

    Letzte Woche hat sie zum ersten Mal nach fast 2 Jahren zu einer Mitbewohnerin in meinem Beisein gesagt " ach, ich glaube, ich bleibe nun doch hier wohnen" - puh, da fiel mir ein Stein vom Herzen.

    Seid alle herzlich gegrüßt und danke für eure Verbundenheit :love:

    Rose60

    Hallo zusammen,

    momentan treibt mich die Frage um, ob ich meiner Mutter öfter kleine Ausflüge anbieten sollte... Welche Erfahrungen habt ihr dazu? Es ist ja so, dass meine Mutter heimatfern in meinem Nachbarort untergebracht ist und sich dort nun auch endlich ziemlich wohlzufühlen scheint, jedenfalls lacht sie wieder viel mehr, nicht mehr diese ständige Gereiztheit mir gegenüber. Ich wohne in einer sehr schönen Umgebung und eine Zeitlang konnte man ja coronabedingt nicht soviel machen.

    Nun beschwert sich meine Mutter gelegentlich, dass sie ja nirgendwo hinkommt. Wenn ich sie besuche und vorschlage, einen Spaziergang zu machen , sagt sie meist "Ich sitze gerade so gut" oder "Ich bin aber auch soo müde heute". Selbst laufen kann sie nicht mehr weit, bestenfalls könnte ich sie im Rollstuhl schieben, doch das mag sie auch nicht, das ist ja was für "alte Leute" - sie ist 90.... Dann wieder erzählt sie, dass Frau XY so schwärmt, wo sie überall hin Ausflüge macht. Einen eigenen Rollstuhl hat meine Mutte rnoch nicht, wir könnten also einen leihen und für mich ist es anstrengend, sie mit Übergewicht über einiges Kopfsteinpflaster zu schieben.

    Wie macht ihr das?

    Liebe Grüße

    Hallo zusammen,

    Ich bin grundsätzlich auch immer für klare ehrliche Worte, doch bei meiner Mutter war es so, dass sie diese nicht akzeptiert hat, auch nicht unsere Grenzen des für uns Machbaren und gesundheitlich Aushaltbaren.

    So kam sie nach einem von etlichen Stürzen mit gipsarm zum zweiten Mal in die Kurzzeitpflege, aus der wir sie nicht mehr zurück gebracht haben. Mit dem Begriff Kurzzeitpflege kam sie auch nach einem halben Jahr noch besser klar, sie war ja überzeugt, noch allein klarzukommen. Für meine Schwester und mich war es eine schwere Zeit und ich kam mir oft blöd vor zu vertrösten, doch es ging nicht anders.

    Wenn also zur Erleichterung erstmal von einem vorübergehenden Zustand der Kurzzeitpflege die Rede ist, was der alte Mensch innerlich erstmal besser annehmen kann, ist es m.E.legitim.

    Auch meine Mutter wird nun nicht wirklich gegen ihren Willen dort behalten, sie könnte si h theoretisch jederzeit ein Taxi nehmen, macht sie aber nicht, keinerlei Antrieb dafür. Doch siefühlt sichnun sichtlich wohl dort, lacht wieder viel mehr etc.

    Das Ziel soll doch sein, den alten Menschen gut versorgt zu wissen und selbst nicht dabei drauf zu gehen, ggf.die eigene Ehe o.ä.zu erhalten.

    Liebe Grüße an alle

    Rose

    Hallo Sonnenblümchen,

    du bist eh noch etwas angeschlagen nach den Belastungen durch deine Mutter und ihren Tod, da braucht man eigentlich eine längere Zeit Ruhe und Harmonie und ich kann sehr gut verstehen, wenn dich die relative Nähe zu diesem Katastrophengebiet sehr mitnimmt. Mir geht es ja schon aus den TV-Bildern etc. ausgesprochen nahe und macht mir Angst vor der Zukunft. So weit bin ich in NRW auch nicht weg davon und kenne Betroffene. Es ist Wahnsinn, dieses Leid für so viele mit anzuschauen...


    @alle: Eben habe ich meine Mutter besucht und denke, es ist wirklich nicht das Schlechteste , wenn man von all diesen Problemen nichts mehr mitbekommt . Selbst wenn ich mal etwas davon berichte und sage, dass ich froh bin, sie dort in relativer Sicherheit zu wissen, merke ich, dass von der ursprünglichen Empathie kaum noch etwas übrig ist, vllt ist es auch falsch davon zu erzählen? Doch manchmal weiß ich auch nichts anderes mehr zu berichten und Stille hält meine Mutter nicht gut aus, dann kommen schnell als Floskeln "ICh will dann ja bald wieder nachhause"


    Bei meiner Mutter ist nun neu, dass sie nach ihrem vor ca. 15 Jahre verstorbenen Bruder fragte, wie es ihm gehe und durch eine Familienangehörige erfahren hatte, dass er tot ist. Sie war einige Tage völlig geschockt, hat geschimpft, dass wir ihr nichts gesagt hätten und sie doch mit der Beerdigung gehen wollte.... Es war alles weg und wurde ihr phasenweise bewusst dadurch. Mal ärgerlich auf uns, mal total geschockt, so dass sie nichts mehr im Heim mitmachen wollte, dann entsetzt über ihr eigenes Gedächtnis... Schrecklich, diese Demenz:(( Nun hoffe ich, dass sie es bald wieder vergisst. Immerhin hat sie nun im Großen und Ganzen akzeptiert, dass sie dortbleiben soll und darüber bin ich sehr erleichtert.

    Die Frau, die sie aus ihrer Kindheit zu kennen glaubt, sagt nun immer, sie wisse nichts davon und meine Mutter deutet es so, dass sie sich wohl als etwas Besseres fühlt :/ nunja, auch eine mögliche Erklärung.


    Liebe Grüße an euch alle und ich hoffe, dass möglichst viele von euch "auf dem Trockenen" leben...

    Rose

    ....wenn man in Gedankenspiralen festhängt, entweder raus in die Natur und sich bewegen oder wenn es aus Gründen wie schlechtes Wetter oder kraftlosigkeit nicht geht: eine inspirierende Fernsehsendung, Landschaftsdoku o.ä. anschauen. In der Mediathek findet sich immer was.

    Oder in der Kirche eine Kerze anzünden mit Gebet(wenn man Zugang dazu hat)

    Oder seine Gedanken verschriftlichen und damit abgeben(Tagebuch, Mailseelsorge o.ä.)


    Liebe Grüße an Euch alle :love:

    Hallo Mathilda und andere,

    mir wurde im Heim meiner Mutter mitgeteilt, wenn ihre Ersparnisse auf weniger als 10.000 Euro geschrumpft sind und auch das Eigenheim aufgebraucht ist, ein Pflegewohngeld vom Sozialamt zugezahlt wird. Von daher würde ich nicht davon ausgehen, dass meine Mutter umziehen muss. Das wäre schlimm. Hier sind aber die Heime eh ziemlich gleich teuer.

    Liebe Grüße

    Rose

    Hallo Rosina ,

    ich kann deinen inneren Konflikt bzgl. deiner Mutter sehr gut verstehen. Genauso ging es mir auch mind. 1 Jahr lang, meine Mutter wollte immer nachhause und ich war mir unsicher, ob ich ihr unrecht tue. Da hat es Corona erleichtert zu sagen, es wird kaum möglich mit Betreuung etc. Sie meinte ja oft, sie kann noch alles alleine - bis ich mir sicher war, dass das alles nur in ihrem Geiste stattfindet, hat es gedauert. Das Wichtigste fand ich, wie sie sich im Heim selbst gibt und da wurde mir von allen SEiten berichtet, dass sie meistenteils guter Stimmung ist und Kontakte hat. Nur bei mir hat sie Terror gemacht. Anfangs war sie auch phasenweise traurig, dafür bekam sie ein Antidepressivum vom Neurologen, zumal sie zuhause eben auch schon antriebslos war.

    Nun bin ich froh, dass ich konsequent geblieben bin. Mittlerweile gab es schon wieder mehrere Stürze, so dass es zuhause gar nicht funktioniert hätte. Man kann den Verlauf ja nicht aufhalten.

    Alles Liebe für dich und alle anderen Leser,

    Rose

    Hallo zusammen,

    nachdem ich hier ja auch einige Male mich ausgejammert habe, als meine Mutter lange so aggressiv (verbal) und gereizt war, mal ein kurzer Zwischenstand:

    durch die zunehmende Demenz - wenn auch rel. langsam - verschwimmt nun mehr und mehr Gegenwart und Vergangenheit und sie ist nun stimmungsmäßig die letzten Male viel besser gelaunt. Mir scheint, ihre eigentliche humorvolle Art kommt nun wieder durch. Sie scheint nicht mehr richtig zu wissen, wo genau das Heim ist, wer wo wohnt, dass sie allein nicht wirklich dort wegkommt etc. Heute hat sie mir erzählt, dass sie bald mal meine Tochter besuchen will, von ihrem Heimatort (der Kindheit) aus, das sei recht nah, sie könne eine halbe Stunde mit dem Zug fahren. Ich sagte, das sei eine gute Idee.

    Eine neue Bewohnerin hat sie auch als frühere Nachbarin (auch aus Kindertagen) "wiedererkannt". Ich schaffe es nun mehr und mehr, mich auf ihre Ebene zu begeben, man muss da allerdings schon ziemlich flexibel sein, denn sie weiß schon noch, dass ich ihre Tochter bin und welche Kinder ich habe etc. Aber Hauptsache, die Stimmung steigt nun, auch die nächtliche Unruhe ist seit einiger Zeit nicht mehr und sie schläft nun sehr viel.

    Das nur mal nebenbei als positive Rückmeldung ;) Ich hoffe, es bleibt nun wenigstens stimmungsmäßig so. Dann sind die Besuche auch nicht so stressig. Wahrscheinlich weiß sie allerdings morgen schon nicht mehr, dass ich heute da war... Egal, ich habe nach dem Rechten gesehen und möchte weiterhin rückmelden, dass es auch wirklich gute Heime gibt, in dem alle Mitarbeiter sehr nett und aufgeschlossen sind, den Bewohnern nun wieder Beschäftigungsangebote gemacht werden etc.

    Also von "Abschieben" kann da wirklich keine Rede sein.


    Liebe Grüße an alle, die auch immer mal wieder "mitgelitten" haben und vor allem mich bestärkt haben, meine Mutter wirklich dort zu belassen. Es war genau richtig :)

    Rose

    Hallo Mathilda,

    Möchte nur kurz beitragen, dass es durchaus spezielle Pflegeheime für Demenzerkrankte mit herausforderndem Verhalten gibt. Mein Vater war in einem solchen, nach richterlicher Anordnung durch die rechtl. Betreuerin organisiert. Man ging dort ausgesprochen liebevoll und mit mehr Personal auf die Bewohner ein. Es war ein offiziell geschlossenes Haus, aber so eingerichtet, dass sich niemand wie im Gefängnis vorkam, mit großem Garten etc.


    Im Heim meiner Mutter ist der Personalschlüssel vermutlich "normal" mit 1 vollzeitstelle auf 20 Bewohner. D.h.man kann nicht permanent alle Bewohner im Blick haben, schon gar nicht in deren Zimmer.

    Liebe Grüße

    Rose60

    Ach, du lieber Himmel, ein Neurologe, der kein Delir bei Demenz kennt? Da hätte ich auch kein Vertrauen mehr....bei/nach Klinikaufenthalt ist es doch sehr häufig der Fall.

    Mir hat der Neurologe meiner Mutter gesagt, medikamentös könne man nichts an der Demenz ändern, höchstens für die Stimmung etwas oder im Notfall Neuroleptika bei heftiger Aggressivität o.ä.


    Allerdings kann man von Ärzten auch nicht wirklich erwarten, dass sie gravierende Veränderungen einleiten oder beraten. Soviel Zeit haben sie vermutlich nicht, dafür gibt es in vielen Städten "Pflegeberatunggsstellen" .


    Alles Liebe für Euch

    Rose60

    Liebe Barbara,

    du opferst dich total auf und machst dich kaputt, ohne dass sich für deine Eltern etwas grundlegend ändert und das nun über Jahre. Ich kann mich da Hanne guten Gewissens anschließen und würde ebenfalls zu einem Antrag auf rechtl. Betreuung raten, damit sich jemand mit mehr Möglichkeiten der Einflussnahme kümmert und du die Belastung durch alleinige Verantwortung los bist - die emotionale Belastung geht ja trotzdem nicht ganz weg.

    Und ich würde mich (aus Erfahrung) von dem Ziel verabschieden, dass du noch Einsicht oder Anerkennung von deinem lieblosen Vater erhältst. So ging es mir auch, narzistischer, zudem gewaltbereiter und sehr liebloser Vater, was in der Demenz noch schlimmer wurde.

    Du kannst nur selbst deine Grenzen aufzeigen, deine Eltern erkennen sie nicht mehr.

    Und irgendwann ist es wichtig (für einen selbst) mit den Eltern in inneren Frieden zu kommen, zu verzeihen, dass sie, aus welchen Gründen auch immer, nicht anders konnten - aufgrund ihrer charakterlichen Anlagen, ihrer Sozialisation oder whatever. Solange man noch um Einsicht und Anerkennung kämpft, immer noch mehr gibt und die eigenen Grenzen missachtet, gibt es für uns selbst keine wirkliche Entspannung. Es ist ein langer Prozess, selbst wenn diejenigen schon verstorben sind, geht es meist nicht ohne dieses Frieden-machen im Inneren.


    Alles Liebe für dich <3

    Rose60

    Hallo Sohn83,

    Die Sache mit dem Schuldgefühl kenne ich nur zu gut. Für mich war die Aussage der Heim Mitarbeiter hilfreich, dass ich Verantwortung übernommen habe, als ich meine Mutter zunächst zur kurzzeitpflege in ein Heim brachte nach Sturz mit Armbruch etc. Da sich dies wiederholte , haben wir meine Mutter nicht mehr zurück nachhause gebracht und allein machte sie sich nicht auf den Weg. Ich habe lange mit Schuldgefühlen gekämpft, und meine Mutter hat lange gegen mich gekämpft (verbal), doch im Heim war sie besser gelaunt und profitiert von Kontakten dort, mittlerweile gibt es auch wieder mehr Programm.

    Vielleicht ergibt sich ja etwas nach der OP Ihres Vaters, über kurzzeitpflege evtl. Ich würde ihn schon mal in Heimen anmelden für die Warteliste.

    Oder kommt eine ausl. Pflegekraft infrage?

    Allein kann man das auf Dauer nicht stemmen. Es ist wahrlich nicht verwerflich an die eigene Gesundheit zu denken, wenn es der Demente nicht mehr tun kann. Wir haben alle nur dieses eine Leben und niemand ist grenzenlos belastbar. Die Demenz kann sich noch über Jahre ziehen.

    Meine Mutter ist fast 91 und redet seit Jahren über ihr baldiges Sterben und ich werde auch nicht jünger.

    Also meine heimerfahrung ist sehr gut.

    Alles Liebe

    Rose60

    Hallo DaLe,

    Ich kann Ihre Verzweiflung gut verstehen, wir hatten mit meinem Vater vor ein paar Jahren auch eine furchtbare Zeit. Nun gibt es ja lt.Ihrem Bericht eine richterliche Verfügung mit der Einweisung ins Pflegeheim. Ist jemand aus der Familie rechtlicher Betreuer? Mit betreuungsvollmacht? Ansonsten wäre angesagt, eine rechtliche Betreuung, evtl.durch einen berufsbetreuer beim Betreuungsgericht zu beantragen. Derjenige kümmert sich dann um eine angemessene Unterbringung. Dafür müsste eine bisherige Vollmacht offiziell zurückgegeben werden, so haben wir es gemacht, weil keiner aus der Familie gegen meinen Vater ankam und er meiner Mutter nicht mehr zuzumuten war. Daran kann eine ganze Familie zugrunde gehen....

    Ich würde mich zunächst an den sozialpsychiatrischen Dienst Ihrer Stadt mit Fragen wenden. So habe ich es gemacht und habe auch beim betreuungsgericht angerufen, wurde sehr nett behandelt.

    Den Antrag auf Betreuung konnte ich online downloaden. Das ist vorübergehend ein Kampf, doch es ist zu regeln.

    Mein Vater wurde etwas heimatfern in einem geschlossenen Pflegeheim (sehr nett) aufgenommen, wo ein Einzelzimmer verfügbar war.

    Es gibt leider schlimme Situationen manchmal durch Demenz, aber auch Lösungen.

    Nun dürfen perspektivisch alle aus Ihrer Familie an sich denken, einige Jahre haben Sie alles gegeben, so wie Sie es schildern.

    Hier in meiner Umgebung in NRW gibt es kaum noch Altenheime mit Doppelzimmern, da staune ich immer, dass es das noch sooft gibt ...

    Bis ein Zimmer gefunden ist, evtl.wieder in die Gerontopsychiatrie und neu medikamentös einstellen.

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

    Rose60

    Und Hanne: stimmt, sicheres auftreten habe ich auch als hilfreich empfunden. Wenn ich z.B.positiv über ihr schönes Zimmer spreche oder wie sauber gerade das Bad immer ist, wiederholt meine Mutter genau das drei Sätze später , als komme es von ihr.

    Liebe Grüße nochmal :)

    ihr Lieben,

    Danke schon mal für eure verständnisvollen Antworten, das erleichtert mich schon mal und auch zu lesen, dass ich es aushalten und damit umgehen muss, hilft tatsächlich etwas... habe ich nicht selbst schon anderer Stelle etwas von aushalten müssen geschrieben? Nun wo ich wieder mehr betroffen bin, brauche ich es tatsächlich von außen noch schriftlich;)) schon verrückt...

    Ich denke, es ist wieder mein Muster, das mich einholt, mein lebenslanges Gefühl, Mama helfen zu müssen, ihre Situation verbessern - das macht das Aushalten schwer.


    sonnenblümchen: das Weinen kann durchaus noch kommen. Nach dem krebstod meines Mannes war ich im ersten halben Jahr vor allem erleichtert, dass er nicht mehr leiden musste und ich teils entlastet war. Als die schlimmen Bilder verblichen und die Erinnerungen schöner wurden, kam die Trauer erst richtig, auch wenn ichvorher dachte, schon etwas "weggetrauert" zu haben. Doch der Verlust des Partners in jüngeren Jahren ist auch sicher anders und heftiger als ein Elternteil, das sein Leben gelebt hat. Nimm es einfach, wie es kommt, falsch ist es in keinem Fall und du hast viel durchgemacht.


    Immerhin war ich vor kurzem positiv überrascht, als meine Mutter bei meiner Verabschiedung sagte "es ist immer so entspannt und gemütlich, wenn du kommst" - vorher hatte ich immer das Gefühl, nicht genug zu tun und zu sein.

    Mir kommt sie nun zunehmend wie ein Kleinkind vor, das sich in Konkurrenz zu anderen sieht, will mich ganz für sich haben, will auch so ein Handy oder die gleiche Trinkflasche wie ich haben....

    Wahrscheinlich kennt ihr das alles schon.

    Ich hoffe nur inständig, dass es sich nicht noch jahre zieht. In den letzten Monaten scheint meine Mutter jedenfalls viel Schlaf auch am Tag zu brauchen, nachdem sie im Herbst noch sehr unruhig und reizbar war, kaum schlief. Nun bekommt sie weder Nachrichten noch ihre jahrelang geliebte TV-Serie mit.

    Wie schön, dass ihr noch alle hier dabei seid :love:

    Liebe Grüße

    Rose

    Hallo zusammen,

    ich melde mich mal wieder. Ein paar wenige Wochen hatte ich um meine Mutter etwas weniger Sorge und das GEfühl, sie ist im Heim angekommen. Nun, wo ihr befreundeter Bewohner vor kurzem verstorben ist, ging es schnell wieder los, dass sie "nachhause" drängelte, was wir uns denn überhaupt denken, sie einfach dort zu lassen, was das alles solle etc... Mit Ablenkung geht es dann oft recht gut, doch momentan nimmt mich die Entwicklung wieder ziemlich mit. Nach und nach erzählt meine Mutter immer häufiger von irrealen Begebenheiten (sie sei neulich mit einer anderen Bewohnerin in der Schule gewesen, die habe ihr die guten Noten weggeschnappt und ähnliches). Sie weiß momentan noch, wer zu wem in der Familie gehört u.ä., doch die Realität scheint zunehmend zu verschwimmen. Sie hört öfter bedrohliche Geräusche, nachts bedrohen sie irgendwelche Männer, rütteln sie wach und sonstige Ängste sind wieder sehr aktiv.

    Mich hat es beim letzten Besuch ehrlich gesagt schockiert, was sie alles im Brustton der Überzeugung berichtete und ich reagiere so, als nehme ich es so an, merke aber, wie anstrengend es ist , immer empatisch zu sein. Es tut mir so leid, die Ängste und das Misstrauen zu erleben. Wenn ich da bin, habe ich noch das Gefühl, dass sie wenigstens mir noch traut, doch meiner Schwester am Telefon erzählt sie, dass ich ihr ganzes Geld bei mir horte, sie könne sich daher nirgendwo etwas kaufen u.v.m.

    Wie macht diese Demenz doch einsam... Vielleicht mache ich mir auch zuviel Gedanken, ein bisschen ist es ja wie bei Kleinkindern nun, die sich auch schnell wieder ablenken lassen, denn neuerdings macht sie sogar mal Würfelspiele mit den anderen Bewohnern mit oder bastelt Marienkäfer, die sie dann allerdings als Schwein bezeichnet ;(

    Dann hatte sie kürzlich mitbekommen, wie eine Bewohnerin, mit der sie sich als erstes angefreundet hatte, gesagt habe, meine Mutter lüge, man könne ihr nichts glauben.. Nehme ich es nun zu schwer? Vergisst sie es eh wieder alles? Ich kann es jedenfalls nicht wirklich auffangen, fühle mich hilflos daneben.

    Zum Glück finden nun wieder mehr Aktivitäten im Heim statt, doch meine Mutter vergisst es dann schnell wieder alles.

    Wie geht diese Entwicklung nun weiter? Wird sie mich als nächstes nicht mehr erkennen? Gibt es da Muster?

    Traurige Grüße an euch alle,

    Rose

    Hallo zusammen,

    Danke für euer Verständnis und die Ideen. Meine Mutter ist ja bereits im Pflegeheim und dort werden die 125 Euro einbehalten zur Finanzierung des sozialen Dienstes.

    Ich hatte mich hier mal bei einer Stelle für Seniorenbegleiter erkundigt, da liegt der Stundensatz bei 20-25 Euro, was mir zuviel ist. Es gab vor corona eine ehrenamtliche Besucherin, die lt.meiner Mutter sie immerhin noch mehrmals angerufen hat, angeblich auch wieder kommen wollte. Ich wurde nicht so recht schlau draus, ob sie da war. Mittlerweile erlebt meine Mutter ja surreale Dinge und erinnert sich teils nicht mal mehr an besuch meiner Schwester vor 2 Wochen oder auch ihres Enkels vor kurzem. Das ist nun neu und traurig.

    Bei Ehrenamtlichen mag ich nicht gerne so direkt nachhaken. Man kann ja auch nirgendwo ins cafe gehen oder so und meine Mutter kann kaum noch 100m laufen, in einen Rollstuhl will sie auch nicht, im Geiste würde sie gerne per Zug Besuche machen, also alles verzwickt momentan.

    Doch ihr habt Recht, ich muss im Heim nochmal nachhaken wegen Besucherin, die Pfleger wussten von nichts....

    Liebe Grüße an Euch alle <3

    Rose

    Hallo zusammen,


    @Hr.Hamborg: danke für Ihre tröstenden und ermutigenden Worte, ebenso an Teuteburger ;)

    Meine Mutter trauert, verständlicherweise und mir tut es auch total leid, endlich ein Mann, der lieb und respektvoll zu ihr war nach jahrelangen, schlimmen Erfahrungen in ihrer Ehe. Ich hatte so sehr gehofft, dass er noch ein bisschen durchhält...

    Zuvor hatte sich meine Mutter mit einer viel jüngeren , mental fitten,aber pflegebedürftigen Frau angefreundet, die nun wieder mehr den Kontakt sucht, aber bei meiner Mutter hat sich durch die ,wenn auch eher langsam ,fortschreitende Demenz einiges verändert. Ich glaube, meine Mutter kann nun ihr zuvor mütterliches Verhalten nicht mehr zeigen, sondern schimpft, dass die bisherige Freundin dauernd Hilfe von ihr will, fühlt sich belästigt, kann sich gar nicht mehr beschäftigen etc. Anfangs schaute sie noch Fernsehen, nun macht sie sogar teils Bastelangebote mit, ist dann stolz wie ein Kleinkind, erzählt sie habe gefragt, ob sie "mitspielen" darf.... dann kann es aber auch sein, dass sie ganz präsent im Gespräch wirkt, als ich sie zu uns zum Kaffee geholt habe, da meine Tochter mit dem Urenkel hier war. Puh, da muss man wirklich flexibel sein in der Reaktion...


    Für mich ist es weiterhin nicht leistbar , mehr als 1mal pro Woche den Kontakt zu halten(wegen der früheren Belastungen), manche gehen ja fast täglich hin. Doch immerhin bedankt sich meine Mutter neuerdings sogar für meine ca.1std.Besuche, das sei immer so schön und gemütlich.

    Es macht mich traurig, dass sie nun das Gefühl hat, kaum Besuch zu bekommen, da es bis zum nächsten Tag nun meist vergessen ist.

    Also ich finde es emotional wirklich belastend, diese Veränderung der Persönlichkeit zu begleiten, das soll keine Beschwerde sein, sondern ganz große Wertschätzung der Menschen, die ihre alten Eltern so lange zuhause begleiten, Tag für Tag. Dann dieses Misstrauen, es würde einem ständig etwas geklaut etc.

    Meine Mutter ist nicht davon abzubringen, dass ich ihre Rente in meinem Haus staple...:(

    Und so wird es ja vielen gehen, die hier lesen.


    Liebe Grüße an Euch alle

    Rose

    Hallo in die Runde,

    Teuteburger: ich wünsche dir wirklich, dass du nichtbald die nächste Baustelle mit deiner Mutter hast. ;)


    Ich war so erleichtert, dass meine in den letzten Wochen viel zufriedener war und nicht mehr so zeterte, dass sie nachhause will, was das eigentlich solle mit dem heim etc.. Sie hatte sich mit einem Bewohner nach längerer vorlaufzeit angefreundet und er tat ihr wohl sehr gut. Nun ist er leider relativ plötzlich verstorben :/ Das tut mir so leid. Sie hat mir mehrere Versionen erzählt, wie und wann es passiert ist, sie überlegt dauernd, was sie falsch gemacht hat, wirklich traurig... gestern war sie noch erstaunlich gut drauf, ich fürchte nun , dass sie bald wieder mit dem Thema "nachhause" anfängt...

    Liebe Grüße an alle,

    Rose