Beiträge von Basti

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    Hallo zusammen,


    vielen Dank für Ihre Antworten. Die letzten Wochen waren sehr anstrengend und fordernd, nicht zuletzt auch wegen der aktuellen Corona-Krise. Daher auch erst so spät eine Reaktion von meiner Seite.


    Mir ist es aber wichtig, dass Sie wissen, dass mir Ihre Antworten sehr bei einer Entscheidung geholfen haben. Und ich möchte allen zukünftigen Lesern erzählen, wie die Geschichte ausgegangen ist.


    Kurz zusammengefasst, ich habe für meinen Vater eine neue Einrichtung gesucht und dort untergebracht. Und der Unterschied zur ersten Einrichtung ist wie Tag und Nacht. Auch hier ist er satt und sicher und natürlich gibt es auch kein Vollzeitbeschäftigungsprogramm. Aber das Pflegepersonal nimmt hier ihren Beruf ernst und versucht zu pflegen und zu helfen. Hier steht tatsächlich der Mensch noch im Vordergrund.


    Im ersten Heim habe ich bis heute nicht herausgefunden, wer dort für die Aufgaben verantwortlich war. Niemand vom Personal fühlte sich verantwortlich. Schuld hatte immer der andere Kollege aus der anderen Schicht, wenn was schief gelaufen ist. Dabei ging es mir gar nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die Frage wie man die Fehler zukünftig abstellen konnte. Aber mit den Kollegen aus der anderen Schicht zu sprechen fühlte sich niemand verantwortlich. Vollkommen anders die Situation im aktuellen Heim. Hier habe ich nicht nur Ansprechpartner auf der Station, sondern auch regen Informationsaustausch. Ich werde aktiv informiert, was ich super finde. Und da wir regelmäßig kommunizieren und uns daher jetzt auch ein bisschen kennen, habe ich weniger Scheu auch mal eine Frage zu stellen, die vielleicht "blöd" ist weil ich mich nicht auskenne.


    Ich bin so froh, dass ich noch einmal die Mühen auf mich genommen habe nach einem neuen Heimplatz zu suchen. Und meine Angst, dass sich evtl. nichts verbessert war auch sehr groß. Ich kann an dieser Stelle nur jedem Mut machen, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie ich. Es sind nicht alle Häuser gleich. Satt und sicher ist bestimmt die Minimalanforderung, aber Sie möchten auch ein Haus, wo die Bewohner nicht nur eine Nummer im Stall sind. Geben Sie nicht auf und lassen Sie sich nicht einreden es wäre normal!

    Hallo,


    mein Vater ist 84 Jahre alt, verwitwet und an Alzheimer erkrankt, lebte bis vor ein paar Tagen noch allein in seiner Wohnung und ist jetzt aktuell in einem Pflegeheim an meinem Wohnort untergebracht. Und mit dem habe ich gerade große Bauchschmerzen.


    Aber erstmal ein paar Informationen zum Hintergrund: Ich bin sein einziger Sohn und lebe ca. 3h Fahrtzeit mit dem Auto von der Heimatstadt meines Vaters entfernt. Die Demenz macht sich bei meinem Vater am stärksten durch Defizite beim Zeitgefühl und Zahlenverständnis bemerkbar. Ebenfalls ist die Fähigkeit zur Koordination von eigentlich einfachen Tätigkeiten, wie z.B. Wohnung aufräumen, Geschirr spülen verloren gegangen. Ansonsten ist mein Vater noch mobil und auch sehr gesellig.


    Die Demenz fiel mir vor ca. 1,5 Jahren auf und seit dieser Zeit versuche ich meinem Vater zu helfen wo ich kann. Ich habe meine Arbeitszeit reduziert und bin wöchentlich zu meinem Vater gefahren und habe dort verlängerte Wochenenden verbracht. Für die Medikamente und die Wohnung hatte ich einen Pflegedienst und eine Putzfrau engagiert und 2x wöchentlich Tagespflege organisiert. Um alles terminliche/Begleitung (von Arzt bis Fusspflege) und organisatorisch/administrative habe ich mich gekümmert. Außerdem bin ich natürlich auch eine nette Gesellschaft ;)


    So gut das Hilfsgerüst auch funktionierte, wenn ich vor Ort war, so schnell entwickelten sich leider auch die Dramen in meiner Abwesenheit. Der Tag- und Nachtrhythmus gerät immer mal wieder aus den Fugen und so ist er dann nachts, spätabends oder frühmorgens in der Stadt unterwegs. Häufig hat er tatsächlich an dem Tag einen Termin oder eine Verabredung, aber die Zahlen auf der Uhr sagen ihm nicht mehr viel. Fällt die Abwesenheit z.B. dem Pflegedienst auf, werde ich zwar informiert, aber ich sitze auch 3h Fahrtzeit entfernt und habe keine Möglichkeiten zu helfen. Da die Zahlen auf dem Telefon für ihn leider genauso komisch aussehen wie die auf der Uhr, ist die Kommunikation mit der Zeit über die Entfernung auch sehr schwierig geworden. Da meine Belastung durch die viele Fahrerei und dem Hin- und Herspringen zwischen zwei Städten sehr hoch ist und die letzten 1,5 Jahre mittlerweile bei mir auch ihren Tribut zollen, habe ich in den letzten drei Monaten darauf hingearbeitet, dass mein Papa in einem Heim bei mir in der Stadt untergebracht werden kann. Vor ein paar Tagen war es dann soweit und er konnte einziehen.


    Nun zu meiner Frage/Problem:
    Freundlich formuliert, die Heim-Realität weicht deutlich von meiner Erwartung ab und ich habe gerade ein ganz ganz schlechtes Bauchgefühl, ob ich die richtige Einrichtung ausgewählt habe. Das mein Vater auf Hilfe angewiesen ist, steht außer Frage. Aber die Hilfe die er benötigt, ist m.E. nicht die Hilfe, die er aktuell bekommt. Kurz gesagt, er ist - zum Glück - noch viel zu fit für die Demenzstation, aber auf der normalen Station geht er mit seinen Bedürfnissen unter.


    Daher freue ich mich über jeden Ratschlag, da ich momentan nicht weiß was ich tun soll.



    So, und hier die lange Version meiner Erwartungen und wie diese auf die Realität getroffen sind. In meinem Freundeskreis sind meine Punkte alles nur Kleinigkeiten. Für meinen Vater sind das aber sehr große Kleinigkeiten. Kann das hier im Forum evtl. jemand verstehen/nachvollziehen?


    Zu meiner Erwartung. Ich kannte bislang nur die Tagespflege und ich war davon sehr positiv beeindruckt. Die Menschen wurden dort sehr liebevoll betreut. Sie wurden umarmt, es wurde auf sie eingegangen, man hat sich gekümmert, sich Zeit genommen und den Menschen auch Zeit gegeben wenn sie etwas sagen oder fragen wollten und das im ersten Anlauf vielleicht noch nicht richtig geklappt hat. An Tagen wo mein Papa in der Tagespflege war, sprudelte es abends nur so aus ihm heraus von den Erlebnissen und Eindrücken die an dem Tag passiert sind. Ich könnte gerade nur heulen, wenn ich daran zurück denke.


    Meine - anscheinend naive - Vorstellung war, dass ich im Heim eine Art Tagespflege XXL vorfinde. Wo jeder Tag ein schöner Tag ist, mein Vater nette Gesellschaft hat, sich nicht um Wohnung und Essen kümmern muss und noch dazu in meiner Nähe ist.


    Die Realität sieht leider anders aus. Er ist momentan auf einer gemischten Station untergebracht. Ansonsten gibt es nur noch einen geschlossenen Bereich für die Menschen mit fortgeschrittener Demenz. Das Personal geht überhaupt nicht auf ihn und seine Krankheit ein. Ich habe den Eindruck, als würde er dort per se als "bescheuert" angesehen und nicht für voll genommen. Das äußert sich schon in so Kleinigkeiten wie, dass mir Fragen gestellt werden und nicht meinem Vater. Z.B. beim Abendessen sitze ich neben meinem Vater und mir wird die Frage gestellt, ob mein Vater noch etwas essen möchte oder ob sie den Teller von ihm abräumen dürfen. Ich habe dann geantwortet, sie sollten doch bitte meinen Vater direkt fragen. Mein Vater muss zwar manchmal nach den Wörtern suchen, weil sie ihm nicht direkt einfallen, aber man kann sich trotzdem normal mit ihm unterhalten. Manchmal halt nur etwas langsamer. Ich weiß nicht mal, ob keine Lust oder keine Zeit das Motiv ist. Aber ich habe das schon ein paar mal beobachten können, dass meinem Vater gar nicht zugehört wurde oder er aussprechen konnte.


    Ein anderes Beispiel. Neben dem Seniorenheim befindet sich ein Supermarkt mit einem Kiosk. Mein Vater wollte sich dort am zweiten Tag eine Zeitung kaufen. Er hatte sich aber nicht von der Station abgemeldet (eine Regel, die wir zu dem Zeitpunkt auch noch nicht kannten. Fairerweise wäre das aber wahrscheinlich auch schief gelaufen wenn man uns diese Regel vorher mitgeteilt hätte). Auf jeden Fall hat jemand bemerkt, wie er die Station verlassen hat, den "Panik"-Knopf gedrückt (oder was auch immer der Ablauf ist), jemanden hinterhergeschickt, ihn am Kiosk aufgelesen und ihn wieder nach Hause bugsiert. Die Zeitung durfte er dann aber nicht mehr kaufen. Am nächsten Tag wollte er wieder ein Zeitung. Er hatte jetzt auf die harte Tour gelernt, dass er sich abmelden muss, macht das diesmal und wird gar nicht erst rausgelassen, weil es ja kalt draussen ist und auf dem Zimmer viel schöner. Ich verstehe, dass sie Angst haben er könnte sich verlaufen. Ist bestimmt schon oft genug vorgekommen und auch bei meinem Papa kann das natürlich passieren. Aber konsequent weiter gedacht heißt das, dass er ohne mich nie mehr das Haus verlassen darf. Ich finde diese Vorstellung ganz schlimm und kontraproduktiv. Den ganzen Tag passiv im Sessel vor dem Fernseher sitzen ist doch auch nicht förderlich.


    Ein anderes Beispiel: Ich habe Papa abends ein frisches Hemd herausgelegt. Es ist sein Lieblingshemd, dass ich ihm vor einiger Zeit geschenkt habe. Am nächsten Tag besteht der Pfleger darauf, dass mein Vater ein frisches Hemd anzieht (wahrscheinlich weil er davon ausgeht, dass das von mir bereitgelegte Hemd vom Vortag ist). Mein Vater kann sich argumentativ nicht wehren, muss ein anderes Hemd anziehen und ist tief traurig. Auch hier verstehe ich den Pfleger. Er sorgt dafür, dass mein Vater immer frische Kleidung trägt. Aber ich erinnere mich auch an einen Vortrag zum Thema Demenz, den ich besucht habe. Und da hieß es sinngemäß, dass wir Gesunden einfach auch mal "fünfe gerade sein" lassen sollen in Bezug auf Normen. Als Beispiel wurde genannt, wenn jemand sich mit voller Strassenkluft ins Bett zum Schlafen legt. Wenn er sich dabei wohl fühlt und weder sich noch andere dabei schädigt, dann lass es ihn doch machen. Oder meine Situation bezogen, wenn das doch sein Lieblingshemd ist und es noch sauber ist, dann kann man das auch mal zwei Tage tragen, oder? (und es war ja sogar ganz frisch das Hemd)


    Ein anderer Punkt, der mir persönlich nicht in den Kopf will ist das Essen. Jede Station hat einen eigenen Essensraum und es gibt die Möglichkeit in diesem Raum oder auf dem eigenen Zimmer zu essen. Im Essensraum hat jeder Bewohner einen festen Platz. Die paar Male, die ich bis jetzt beobachten konnte, war der Raum zur Essenszeit nur sehr spärlich gefüllt. Nur eine Handvoll Bewohner, die aufgrund der festen Sitzplätze meistens alleine an 4er und 6er Tischen saßen. Für Papa auch sehr traurig, da er sehr kontaktfreudig ist und sich über Tischgesellschaft sehr freuen würde. Eine Freundin von mir meinte, dass diese geringe Anzahl an Personen im Speisesaal eine Indikation sein könnte, dass auf der Station sehr viele hochgradig pflegebedürftige Personen befinden, weil es die nicht mehr raus aus dem Zimmer zum Essen schaffen.


    Wo hingegen ich mir wirklich Hilfe wünschen würde ist bei den Aktivitäten, die das Haus anbietet. Es gibt jeden Tag ein paar Angebote im Haus. Aber da sind wir wieder beim Thema Uhrzeit und noch dazu eine fremde Umgebung. Um da irgendwo mitmachen zu können, müsste ihm jemand helfen/drauf aufmerksam machen/hinbringen. Das ist bis jetzt aber noch nicht passiert.


    Welche Einrichtung hätte ich auswählen müssen, damit meinen Vater mit seinen Einschränkungen adäquat geholfen werden kann? Und was kann ich jetzt noch tun, damit es in der aktuellen Einrichtung für ihn besser wird?