Beiträge von Lulu

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    Auch von mir mein herzliches Beileid. Meine Mutter ist im letzten Jahr gestorben und ich habe erstmal Zeit für mich gebraucht. Denken Sie an all die schönen Momente zurück, die sie mit ihr verbracht haben. Das hat mir geholfen, obwohl in Träumen mich manchmal noch die an alten Ängste anfallen. Finden Sie Ihr Leben, erfinden Sie sich neu. Ich drücke die Daumen!

    Liebe alle,


    ja, die erste Zeit, wenn der Angehörige im Heim ist, ist schwer. Ich fand die Situation am Anfang auch sehr gewöhnungsbedürftig. Man wünscht sich, das die Angehörigen im Heim irgendwie glücklich oder zumindest zufrieden sind. Die Realität ist leider eine andere. Meine Mutter hatte es mit ihrem Heim gut getroffen, nette Pfleger, großes Einzelzimmer, gutes Betreuungskonzept,... Ich hatte wirklich wenig zu bemängeln und wenn, dann wurde freundlich darauf eingegangen.
    Am Anfang habe ich sie sehr oft, meistens täglich, besucht. Sie fragte immer nur, ach, wo bin ich hier nur gelandet. Und die anderen Bewohner empfand ich auch als viel stärker betroffen, als es meine Mutter war. Am Anfang! In den letzten Jahren im Endstadium der Demenz war dann meine Mutter völlig apathisch, sprach nicht mehr, reagierte nicht mehr, erkannte mich nicht mehr. Diese Krankheit ist so schrecklich!
    Deshalb bitte kein schlechtes Gewissen haben! Gelassen bleiben, sich selbst stärken. Wir können unseren Angehörigen nur beistehen, ihnen die Last nicht abnehmen. Wenn wir trösten, haben sie es nach einigen Minuten wieder vergessen, wenn wir mit ihnen lachen, ebenso.
    Die Wohnungsauflösung bei meiner Mutter, liebe sarahf, war unproblematisch. Das haben die an ihrem Wonort lebenden Verwandten (die sich dann auch gleich das Haus unter den Nagel gerissen hatten) übernommen. Ich habe noch einige für sie wertvolle Erinnerungsstücke retten können. Bei Schwiemu hat mein Mann, der mit seinem Elernhaus noch sehr verwachsen war, ein ganzes Jahr gebraucht. Mittlerweile ist das Haus verkauft, um ihr Pflegeheim zu finanzieren. Wann hört es auf, fragen Sie? Bei mir jetzt ganz langsam, nachdem meine Mutter über ein Jahr schon tot ist. Auch andere können davon berichten (Hanne, Andydreas).
    Ich verabschiede mich in den Sommerurlaub und wünsche allen viel Kraft und Durchhaltevermögen.

    Hallo Miracula,


    auch ich bin Tochter einer an Demenz erkrankten Mutter mit langer Leidensgeschichte. Meine Mutter ist im letzten Jahr verstorben, doch erinnere ich mich noch gut an die Anfänge und an meine Gefühle der Machtlosigkeit.
    Die Demenz wurde sichtbar nach dem Tod meines Vaters, doch konnte man die Symptome anfangs nicht von denen einer Depression unterscheiden. Dazu hatte meine Mutter eine sehr starke Fassade, die sie aufrechterhalten konnte. Die Hausärztin verschrieb Antidepressiva, die aber von ihr nicht eingenommen wurden. Ich wohnte zu weit weg, um mich wirklich kümmern zu können.
    An ihrem Wohnort gab es aber andere Verwandte, die sich "kümmerten", nämlich in erster Linie um ihre Bankkonten. Da ich nicht weiß, über wieviel Vermögen meine Mutter verfügte, kann ich den Verlust nicht abschätzen. Meine Vorschläge, mal eine neurologische Untersuchung zu veranlassen wurden von meiner Mutter und den Verwandten abgelehnt. Heute weiß ich warum: denn solange es keine ärztliche Demenzdiagnose gab, konnte man sich an ihrem Vermögen schadlos halten.
    Das Ganze flog nach einem Zusammenbruch meiner Mutter mit anschließender Krankenhauseinweisung auf. Dort gab es dann endlich die Demenzdiagnose, ein rechtlicher Betreuer wurde durch das Amtsgericht bestellt. Ich habe dann für meine Mutter einen Pflegeheimplatz an meinem Wohnort organisiert. Zum Glück konnte von ihrem Vermögen noch soviel gerettet werden, dass die Kosten des Heims gedeckt werden konnten. Andernfalls hätte ich einspringen müssen.
    Meine Erfahrung: Oft sind Katastrophen notwendig, damit sich etwas ändert und Behörden oder Ärzte aufmerksam und tätig werden.

    Hallo zusammen,


    das Thema "Beschäftigung" hat mich bei meiner Mutter, die im letzten Jahr verstorben ist, auch immer sehr umgetrieben. In ihrem Heim hatten sie das Wohnküchenkonzept. Es war eine gemischte Station, aber die Demenzkranken haben sich meistens in der Wohnküche aufgehalten. Dort wurde nicht nur zusammen gegessen, sondern sich auch beschäftigt. Dazu gab es die Alltagsbegleiterinnen, die verschiedene Aktivitäten anboten: Singen, Basteln, Backen, Rätselspiele,... Die Menschen nahmen unterschiedlich daran teil, manche haben sich gefreut und waren zu begeistern, lachten oder erzählten sich was. Andere wieder waren gar nicht zu aktivieren und "dumpften" vor sich hin.
    Meine Mutter war dagegen sehr speziell: Obwohl ich oft mit ihr gesungen habe; sie kannte noch viele Liedstrophen, als ihr die Sprache schon längst abhanden gekommen war; riefen die gemeinschaftlichen Aktivitäten bei ihr Aggressionen hervor. Es kam 1x in der Woche eine Dame mit einer Gitarre zum Singen, meine Mutter konnte leider daran nicht mehr teilnehmen, da sie schlechte Stimmung machte, so dass sich die anderen Teilnehmer beschwerten. Auch in der Wohnküche fing sie an, ihre Nachbarinnen erst zu beleidigen, dann zu knuffen und zu zwicken. Sie wurde dann allein an einen Katzentisch gesetzt, leider. Ich habe das als Fortsetzung ihres vormals gesunden Lebens betrachtet. Auch früher war sie schon "stutenbissig".
    Auch meine Schwiemu, die mittlerweile ebenfalls im Heim lebt, kann sich mit den abgebotenen Aktivitäten nicht recht anfreunden. Sie hat ihr ganzes Leben immer als Arbeit, Arbeit, Arbeit definiert. Alles andere war Unsinn und Zeitverschwendung. Warum sollte es jetzt also anders sein? Ich finde es nur so schade für sie, dass sie nicht einmal jetzt ein wenig Freude gönnen kann.
    Mit dem Chor ist es natürlich eine tolle Idee, aber sicherlich werden im Fernsehen nur die gezeigt, die man noch erreichen und aktivieren kann.

    Hallo,


    auch meine Mutter (10 Jahre im Pflegeheim, letztes Jahr verstorben mit 86) hat in ihrem letzten Jahr immer weniger gegessen, obwohl sie früher eine gute Esserin war. Leider hatte sie keine Patientenverfügung, ich wusste aber, dass sie eine PEG ("Magensonde") strikt abgelehnt hätte. Ich habe dann zunächst versucht, ihr verschiedene Nahrungsangebote zu machen (Yoghurt, süsse Breie, Malzbier) und bin immer nach der Arbeit hingefahren und habe sie gefüttert. Das klappte mal mehr, mal weniger gut.


    In den letzten Wochen ihres Lebens wollte sie nicht mehr, hat den Kopf weg gedreht oder den Mund zugekniffen. Äußern konnte sich sich nicht mehr. Wir haben es als letzten Akt ihrer Selbstbestimmung verstanden, nachdem wir vorher andere Ursachen wie Entzündungen im Mund, Magenschmerzen, sonstige Schmerzen (sie bekam probatorisch ein starkes Schmerzmittel) ausgeschlossen hatten.


    Als sie auch noch die Flüssigkeitsaufnahme verweigerte ist es recht schnell zu Ende gegangen. Sie hat viel geschlafen und starb ganz friedlich.


    Aber jeder Fall ist natürlich anders! Ich habe auch den Tod meines Vaters teilweise miterlebt, er war nicht dement, sondern hatte Krebs. Bei ihm hat die Ärztin noch eine Magensonde gelegt ("Sie wollen ihren Vater doch nicht verdursten lassen!"). Er hat 3 Tage ziemlich geröchelt, im Nachhinein glaube ich, dass es falsch war.

    Hallo Andydreas,


    da möchte ich mich anschließen. Wichtig sind in dieser letzten Phase: Körperkontakt, beruhigend mit ihr sprechen, vielleicht Lieblingsmusik oder auch das Lieblingsparfüm.


    Zum Essen und Trinken würde ich ihr Lieblingsspeisen anbieten. Meine Mutter mochte gerne Malzbier und Süßkram, Milchbrei oder Joghurt. Wenn Ihre Mutter den Kopf wegdreht oder den Mund zusammenkneift, lassen Sie es. Für Sie beide ist wichtig, dass es keinen Stress gibt. Kein schlechtes Gewissen machen, das überträgt sich unbewusst auf Ihre Mutter.


    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Mutter, obwohl sie mich nicht mehr erkannt hat und auch nicht mehr gesprochen hat, sehr sensibel auf negative Schwingungen reagiert hat. Deshalb habe ich auch darauf geachtet, dass ich immer einigermaßen "aufgeräumt" zu ihr gegangen bin. Wenn ich gestresst von der Arbeit zu ihr gehetzt bin, war das für beide Seiten nicht so erfreulich. Ich habe meistens irgendwas drauf los geplaudert, vom Wetter von früheren Begebenheiten, von ihren Enkelkindern.

    Hallo Manutini,


    nein, gegen ihren Willen kann auch der Betreuer sie nicht einfach in ein Pflegeheim verfrachten. Der Mensch hat das Recht auf Verwahrlosung und das ist auch gut so. Wenn ein Demenzkranker freiwillig ins Pflegeheim zieht, das aber dann vergisst und nun wieder raus will, darf man ihn nicht daran hindern. Wenn er, wie meine Schwiemu, im Heim nachts rumgeistert und sich verletzen kann, darf weder ein Bettgitter noch sonst etwas verwendet werden (sie hatte sich vor einiger Zeit dann auch den Arm gebrochen). Das alles läuft unter dem Label "freiheitsentziehende Maßnahmen". Da ist unser Gesetz recht streng.


    Eine Einweisung in ein Pflegeheim, eventuell mit einer geschützten Station, bedarf eines richterlichen Beschlusses. Das passiert erst dann, wenn der Betreffende sich selbst oder andere gefährdet. Ihre Mutter gefährdet ja die anderen Mieter im Haus nicht, wenn sie das Treppenhaus rauf und runter läuft.


    Ihre Mutter hat auch das Recht, die Nahrung zu verweigern. Das hat meine Mutter im Endstadium ihrer Demenz übrigens auch getan. Ich habe dann entschieden, dass sie keine PEG (Magensonde) bekommt, denn das hätte sie niemals gewollt. Daran ist sie schließlich gestorben. Wir haben immer Nahrung und Flüssigkeit angeboten, sie hat aber den Kopf weg gedreht. Sprechen konnte sie schon lange nicht mehr und mich erkannte sie die letzten 3 Jahre auch nicht mehr. Sie ist friedlich gestorben, aber für mich war es trotzdem schlimm, das zu sehen.


    Sprechen Sie doch noch einmal mit dem Betreuungsverein, wie Herr Pawletko geraten hat. Und suchen Sie sich selbst Hilfe, das hat mir damals sehr geholfen. Es ist einfach eine fürchterliche Krankheit, aber sie müssen jetzt stark bleiben!

    Liebe Manutini,


    ich bin Angehörige einer an Demenz erkrankten Mutter (im letzten Jahr verstorben) und ebenso betroffenen Schwiegermutter (im Pflegeheim lebend). Das, was Sie beschreiben, findet man häufig bei Demenzerkrankten: fehlende Kranheitseinsicht, Ablehnen jeglicher Hilfe, Verlust von sozialen Kontakten,... Leider kann ich Ihnen wenig Hoffnung machen, dass sich daran etwas ändern wird. Auch an die Einsichtsfähigkeit Ihrer Frau Mutter werden Sie nicht appelieren können.


    Zunächst wichtig: Versuchen Sie, die Wohnung Ihrer Mutter "demenzsicher" zu machen, also: Herd abklemmen, Feuerzeuge, Streichhölzer entfernen, Schlüsselkopien besorgen. Sodann besprechen Sie mit den anderen Mietern des Hauses die Situation. Vielleicht kann jemand ein Auge auf Ihre Mutter werfen. Zumindest hilft es aber Außenstehenden, die Situation richtig einzuschätzen. Bei meiner Schwiemu haben wir das auch gemacht, die Nachbarn waren sehr verständnisvoll. Natürlich sollte Ihre Mutter von diesen Vorkehrungen möglichst nichts merken, denn das würde sie unnötig in Verlegenheit bringen. Keiner gibt vor sich und anderen gerne zu, dass er demenzkrank ist!


    Bei meinen Angehörigen war es dann leider so, dass erst Katastrophen passieren mussten. Meine Schwiemu wurde 3x hilflos aufgefunden und ins Krankenhaus verbracht. Das letzte Mal mit Polizei und Notöffnung, da wir nicht erreichbar waren und die Nachbarn die Schlüssel wieder zurückgegeben hatten, da sie von ihr des Diebstahls bezichtigt wurden. Beim dritten KH-Aufenrhalt ging die Sache dann endlich ihren Gang: Beschluss vom Amtsgericht, Pflegeheim.


    Obwohl das Heim sehr schön ist, gefällt es ihr dort nicht, sie will immer nach Hause (das ist aber mittlerweile der elterliche Bauernhof, den es lange nicht mehr gibt). Wir finden es so schade, dass sie gar nicht die Ruhe finden kann, die sie nach einem schweren Leben eigentlich verdient hätte.


    Ihnen wird am Ende nichts anderes übrig bleiben, als eine Betreuung anzuregen. Hier sollten Sie überlegen, ob sie das übernehmen wollen oder von einem Berufsbetreuer machen lassen. Es gibt Für und Wider, jede Situation ist anders. Bei meiner Mutter hatte ich 10 Jahre lang die Betreuung und es klappte gut.


    Holen Sie sich andere Leute ins Boot! Verwandte, ehemalige Freunde Ihrer Mutter, den Freund selbst (?), den Hausarzt, Nachbarn. Vielleicht kann sie zunächst in eine Tagesbetreuung? Würde sie das zulassen?


    Ich wünsche Ihnen viel Durchhaltevermögen

    Hallo Blumenkind,
    ja, als Tochter einer dementen Mutter sitzt man zwischen Baum und Borke! Bei meiner Mutter, die im letzten Jahr gestorben ist, war der Übergang von ihrem zuhause ins Pflegeheim noch relativ einfach. Sie hatte sich damit abfinden können, da eine Betreuung an ihrem Wohnort nicht mehr möglich war und ich sie in meinen Wohnort in ein Heim geholt habe. Sie konnte es noch begreifen, war zwar manchmal traurig, aber hat es akzeptiert. Auf der Plus-Seite stand, dass wir uns nun öfter sehen konnten.
    Bei meiner Schwiegermutter war und ist es leider nicht so einfach. Sie musste in ein Pflegeheim umziehen, nachdem sie zum 3.Mal in ihrem Zuhause hilflos aufgefunden wurde. Das letzte Mal ziemlich dramatisch mit Feuerwehr, Polizei, Notöffnung, Krankenwagen, Klinik. Sie war unterkühlt und hatte sich beim Sturz verletzt. Da mussten wir die Reißleine ziehen.
    Was hat es nun gebracht? Sie ist jetzt seit 2 Jahren in dem (wirklich schönem) Heim, will aber immer noch nach Hause. Anfangs versuchte sie auch zu türmen, wurde aber glüchlicherweise rechtzeitig gefunden. Ihr "Zuhause" ist mittlerweile gar nicht mehr ihr Haus, sondern der elterliche Bauernhof, den es schon lange gar nicht mehr gibt. Ich denke, dass "Zuhause" ein Begriff für Geborgenheit ist, die sie in ihrem Pflegeheim wohl nicht finden kann. Das ist traurig für sie und für uns auch.
    Insbesondere für meinen Mann hat es aber viel gebracht: Er hatte keine ruhige Minute mehr und dauernd Angst um seine Mutter. Wenn sie sich telefonisch nicht gemeldet hat, ist er noch ins Auto gestiegen und die 2 Stunden bis zu ihr gefahren. Dazu kam, dass sie alle Hilfe strikt abgelehnt hat: fahrbarer Mittagstisch, Pflegedienst, Rollator, Nachbarschaftshilfe. Die Nerven lagen bei uns blank! Da wir beide voll berufstätig sind, litt auch das darunter. Nun ist es für uns viel ruhiger geworden, wir wissen sie gut versorgt.
    Wenn wir sie zu Hause gelassen hätten, wäre sie wohl irgendwann gestorben. Ganz davon abgesehen, hat auch der Sozialdienst des Krankenhauses Alarm geschlagen, nachdem sie zum 3. Mal dort wegen Hilflosigkeit und Sturz aufgenommen wurde.
    Blumenkind, bitte kein schlechtes Gewissen haben, wir tun doch alles Menschenmögliche für unsere Angehörigen! Es ist einfach eine Sch...erkrankung. Wir sind machtlos und müssen manchmal hilflos zusehen. Sie haben alles getan, was in Ihrer Macht steht. Gesund wird ihre Frau Mutter leider nicht mehr, so sehr Sie sich auch um sie sorgen.

    Hallo Andydreas,
    ich habe ja auch schon öfter zu dem Thema geschrieben. Bei meiner Mutter war es eigentlich ziemlich klar: sie konnte zwar nicht mehr sprechen, aber sie hat den Mund zugekniffen oder den Kopf beiseite gedreht, wenn man ihr etwas anreichen wollte. Sie WOLLTE wirklich nichts mehr essen und zum Schluss auch nichts mehr trinken. Das haben wir akzeptiert. Eine PEG hat sie nicht bekommen, da sie das nie gewollt hätte, und wie Hanne schon schrieb: wozu eigentlich aufpäppeln?
    Anders sieht die Lage aus, wenn Ihre Frau Mutter essen will, aber nicht kann. Gründe können sein: Schluckstörung, Schmerzen (Entzündungen im Mund, Magenschmerzen, Schmerzen allgemein), schlechtsitzende Prothese. Da muss man genau beobachten und versuchen, das auszuschließen. Bei meiner Mutter hat der Arzt auch ein Schmerzmittel "auf Probe" gegeben, um zu sehen, ob es besser wird. Wurde es bei ihr nicht.
    Als es zu Ende ging, haben wir die Schleimhäute im Mund mit einer speziellen Lösung und mit einer Zuckerlösung (weil sie gerne Süßes mochte) immer wieder befeuchtet. Außerdem haben wir die Lippen eingecremt. Wie gesagt, sie ist ganz friedlich gestorben.

    Hallo Andydreas,
    ich hatte ja schon geschrieben, dass meine 2019 verstorbene Mutter auch irgendwann nicht mehr essen und trinken wollte. Ich hatte mich nach langem Gespräch mit ihrem sehr verständnisvollen Hausarzt (da haben wir wirklich Glück gehabt!) entschieden, keine PEG legen zu lassen. Wie gesagt, ich habe ihr Sterben nicht als schlimm empfunden, sie ist ganz ruhig eingeschlafen.
    Wegen ihrer Demenz war sie 10 Jahre in dem Pflegeheim. In den ersten Jahren war noch eine Kommunikation möglich und da hat sie sich immer erschrocken über eine Mitbewohnerin geäußert, die über eine PEG ernährt wurde, aber sonst keine Lebenszeichen mehr zeigte. Das fand sie ganz fürchterlich und ich auch! Wenn sie an dem Zimmer vorbeiging und die Tür offen stand, sagte sie immer nur "Oh Gott Oh Gott". Das ging wohl über 5 Jahre so, dann ist die Dame endlich gestorben.
    Ich berichte das alles, weil diese Entscheidung auch auf Sie zukommen wird. Ich nehme an, Ihre Frau Mutter hat, wie meine, keine Patientenverfügung. Sie kennen sie aber am besten: was hätte sie gewollt? Vielleicht ist dieses in der Endphase der Demenz noch die einzige selbstbestimmte Entscheidung, die ein Mensch treffen kann.
    Trotzdem ist es natürlich wichtig, immer Nahrung und Flüssigkeit anzubieten. Ebenso ist es wichtig, zu untersuchen, ob der Betreffende etwa Schmerzen hat oder Entzündungen im Mund (Prothese) und deshalb nicht essen mag.
    Ich denke, Sie werden die richtige Entscheidung für Ihre Mutter treffen. Ich drücke Ihnen ganz doll die Daumen, dass Sie endlich einen verständigen Arzt finden.

    Hallo,


    dann will ich auch noch einmal kurz berichten, wie letzte Woche der Besuch meines Mannes bei meiner dementen Schwiemu abgelaufen ist. Das Heim selbst stand vorher wegen dort aufgetretener Corona-Fälle unter Quarantäne. Da galt absolutes Besuchsverbot. Das gesamte Personal war ebenfalls in Quarantäne, die Bewohner wurden durch Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma versorgt.
    Das Pflegeheim hat nun ein Zelt im Garten aufgestellt mit Plexiglasscheibe zwischen beiden. Außerdem müssen beide Mundschutz tragen. Erlaubt ist eine halbe Stunde, es darf auch nur ein Besucher kommen. Meine Schwiemu wurde von der Ergotherapeutin begleitet. Da auch vorher der Kontakt mit ihr über Sprache nicht mehr richtig funktionierte, sondern viel über den Körperkontakt lief, können Sie sich vorstellen, dass die Begegnung mehr als schwierig war. Mein Mann hatte auch den Eindruck, dass sie ihn gar nicht mehr erkannt hat.
    Ich denke, es ist eine Gratwanderung für die Betreiber der Heime. Konnte man nicht in der Presse lesen, dass gegen ein Heim Strafanzeige gestellt wurde, da sie die Corona-Schutzmaßnahmen nicht eingehalten haben? Der Virus im Heim meiner Schwiemu ist übrigens durch eine Bewohnerin aus dem Krankenhaus eingeschleppt worden. Da hätte ich ja als erstes getestet, wenn ein Bewohner neu einzieht oder gar aus dem KH kommt. Hat aber anscheinend niemend dran gedacht, obwohl es schon Anfang Mai war, als das passierte.

    Hallo Andydreas,


    ich bin entsetzt, wie allein man Sie und auch Ihre Mutter in dieser Situation gelassen hat. Corona ist dafür keine Entschuldigung! Ich hoffe für Sie, dass Sie sie noch einmal besuchen und Abschied nehmen können. Das ist für beide Seiten wichtig und da sollten Sie drauf bestehen. Ihnen alles Gute und viel Kraft

    Liebes Sonnenblümchen,
    nun muss ich doch mal eine Lanze für die Pflegeheime brechen. Ich konnte/wollte meine Mutter nicht selbst pflegen. Das hatte ich entschieden, nachdem ich mir ganz ernsthaft diese Frage gestellt hatte und mit vielen anderen darüber gesprochen hatte. Ich habe sie dann aus ihrem Wohnort (300 km entfernt) zu mir geholt und in einem schönen Heim in meiner Nähe untergebracht. Es war nicht immer alles toll und sie war oft traurig, aber ich besuchte sie in der Eingewöhnungsphase täglich und später mehrmals die Woche. Diese Zeit war unsere Zeit! Wir haben viel zusammen unternommen, zusammen gequatscht und in Erinnerungen geschwelgt. Wenn ich sie hätte pflegerisch versorgen müssen, wäre das nicht möglich gewesen. So haben mir die Pflegekräfte diese Arbeit abgenommen, wofür ich ihnen noch heute dankbar bin. Meine Mutter ist vor über einem Jahr gestorben, aber ich kann sagen, dass wir die Zeit, bis sie völlig in ihrer Demenz versunken ist, ausnutzen konnten.
    Bitte bedenken Sie auch: die Belastung durch die Pflege verhindert vielleicht auch vieles, das zwischen Ihnen und Ihrer Mutter noch möglich sein kann. Haben Sie denn noch Zeit für die "anderen schönen Sachen"?

    Hallo,


    auch ich habe bei meiner Mutter mit den Windelpants gute Erfahrungen gemacht. Wir haben einfach die Unterhosen "verschwinden" lassen und statt dessen die Pants in die Schublade gelegt. Meine Vorredner kann ich bestätigen: Das Problem bleibt bestehen mit der Tendenz sich zu verschlimmern. Leider. Auch das Kotschmieren, das sich bei einigen Kranken zeigt, wird nicht verhindert.
    Hier noch etwas zur Kostenübernahme: auch die Pants sind verordnungsfähig. Wichtig ist, dass das Produkt eine so genannte Hilfsmittelpositionsnummer hat und im Hilfsmittelverzeichnis der GKV gelistet ist. Dann kann der Arzt auf einem rosa Kassenrezept verordnen, am besten mit dieser Nummer. Zum Beispiel: 15.25.31.5xxx bedeutet "Inkontinenzwindelhosen/Inkontinenzunterhosen, erhöhte Saugleistung, Größe 3". Im Sanitätshaus kann man sich dann ein entsprechendes Produkt heraussuchen lassen. Die Größe bezieht sich auf die Saugstärke und nicht auf die Kleidergröße. Ich bin so vorgegangen: Ich habe mir von verschiedenen Herstellern Produktproben geben lassen und für meine Mutter ein passendes herausgesucht. Dann habe ich dem Hausarzt mitgeteilt, welche Nummer er auf das Rezept schreiben muss. Der war sehr kooperativ, aber ich habe auch schon gehört, dass Ärzte behaupten, man müsse die Windeln selbst bezahlen. Das stimmt nicht! Hier noch der Link zum Hilfsmittelverzeichnis: https://hilfsmittel.gkv-spitze…/hmvAnzeigen_input.action

    Hallo Andydreas,
    jetzt melde ich mich auch noch zu Wort und möchte Ihnen schildern, wie sich das Thema "Essen und Trinken" bei meiner inzwischen verstorbenen Mutter dargestellt hat. Sie war immer eine gute Esserin, nur verlor sie mit der sich verschlimmernden Demenz die Fähigkeit, Messer und Gabel zu benutzen. Das war aber nicht so schlimm, da das nette Pflegeheim, in dem sie wohnte, ihr Fingerfood zubereitet hat. Trinken klappte gut mit Strohhalmen und Trinkbecher.
    Allerdings nahm leider ihre Aggressivität zu und der Hausarzt und auch der Psychiater machten den Vorschlag, sie in die Gerontopsychiatrie einzuweisen, um sie medikamentös einzustellen. Ich stimmte (mit Bauchschmerzen) zu. Dort lag sie 3 Wochen, wurde mit allem, was die Psychophamakologie so hergibt, regelrecht abgeschossen. Bereitgestelltes Essen und Trinken auf ihrem Nachttisch rührte sie nicht an. Das Krankenhaus reagierte nicht, erst als ich mich massiv beschwerte und auf die beginnende Austrocknung hinwies, wurde man tätig und verabreichte Infusionen. Das Ende vom Lied war, dass sie in schlechterem Zustand als vorher entlassen wurde, die Aggressivität war unverändert, aber sie hatte Essen und Trinken praktisch verlernt.
    Im Heim bemühte man sich redlich, päppelte sie auch wieder etwas auf. Mit den Jahren nahm sie aber immer mehr Gewicht ab. Ich bin nach der Arbeit oft hingefahren und habe sie gefüttert, das liess sie meistens zu. Ihre letzten Wochen brachen an, als sie nichts mehr essen und trinken wollte, wir haben aber immer wieder angeboten. Manchmal hat sie noch ein wenig getrunken. Eine Magensonde wäre für sie nicht in Frage gekommen. Sie ist dann ganz friedlich eingeschlafen.

    Hallo J.J.,


    Inkontinenz ist bei allen Demenzerkrankungen ein Dauerthema. Leider wird das nicht besser, anfangs ist es nur die Urininkontinenz, später dann die vollständige Inko. Medikamentös kann man nichts machen.
    Bei meiner Mutter war es schwierig, sie an die Vorlagen zu gewöhnen. Zuerst hatten wir einfache Einlagen unterschiedlicher Größe in Kombi mit einem Netzhöschen. Diese hat sie sich oft rausgerissen, was natürlich eine ziemliche Schwei... verursacht hat. Später sind wir dann auf Inkontinenz-Slips umgestiegen, die man wie Unterhosen einfach anzieht. Tipp: In Sanitätshäusern gibt es Proben, da kann man vorher ausprobieren, was am besten funktioniert.
    Doch dann führt kein Weg an der Arztpraxis vorbei, denn die muss eine Verordnung ausstellen, wenn man nicht alles selbst bezahlen will.
    Noch ein Tipp: Wir haben damals die Unterhosen meiner Mutter einfach verschwinden lassen und statt dessen die Inkoslips in den Schrank gelegt. Irgendwann hatte sie sich daran gewöhnt.
    Wie Andydreas geschrieben hat, kann man Pflegehilfsmittel auch selbst beschaffen und durch die Pflegekasse bezahlen lassen, wenn ein Pflegegrad existiert. Dazu zählen aber nur die Betteinlagen, nicht die Windeln!
    Medikamente gegen Demenzerkrankungen: Ja, die gibt es, allerdings mit sehr bescheidener Wirkung. Sie sind ausschliesslich für die Behandlung der Alzheimer-Demenz zugelassen. Sie können das Fortschreiten der Erkrankung bestenfalls etwas verlangsamen, heilen können sie nicht. Dazu kommt, dass Übelkeit und Erbrechen sehr häufige (mehr als 10%) Nebenwirkungen sind. Alle sind verschreibungspflichtig. Fazit: Ein Behandlungsversuch lohnt sich, sollte aber nach 3 Monaten evaluiert werden, ob es dem Erkrankten einen Nutzen bringt.

    Hallo J.J.,
    ich kann Sonnenblümchen nur zustimmen: Ohne Einwilligung des Erkrankten geht nichts! Ich vermute mal, Ihr Herr Vater hat bis jetzt weder eine entsprechende Diagnose, noch einen Pflegegrad. Wahrscheinlich hat er Ihnen oder seiner Ehefrau auch keine Vollmachten eingeräumt.
    So schrecklich es ist, muss man als Angehöriger dann einsehen, dass die Handlungsmöglichkeiten sehr begrentzt sind. Bei meiner Mutter und Schwiegermutter musste es erst zur Katastrophe kommen, Sturz, Notöffnung durch die Polizei, Krankenhaus (die stellten dann erstmalig die Diagnose), Kurzzeitpflege, Langzeitpflege. Bei meiner Mutter war noch ein richterlicher Beschluss notwendig, meine Schwiemu hat eine Vollmacht dann selbst unterschrieben, obwohl wir unsicher sind, ob sie weiß, was das war. Traurig alles!
    Doch letztlich sind diese gesetzlichen Bestimmungen auch da, um Menschen zu schützen und das Selbstbestimmungsrecht zu gewährleisten, das muss man sich immer wieder klar machen. Als Angehöriger muss man sich zunächst über die Erkrankung und Hilfsmöglichkeiten informieren und dann letztlich entscheiden, was man selbst leisten kann. Wichtig ist: sich nicht überfordern, mit seinen Kräften haushalten, sich notfalls abgrenzen und sich keine Schuldgefühle einreden lassen. Der Mensch, den man liebt, wird sich zwangsläufig in seiner Persönlichkeit verändern. Am Ende bleibt nur ein Fremder übrig, als Angehöriger kann man dann nur noch die Kraft aus Erinnerungen ziehen. Und ganz wichtig: All Ihre Bemühungen wird der Erkrankte Ihnen in den seltensten Fällen danken, meistens bekommen Sie Aggressivität, Unverständnis, Sturheit zurück. Das muss man aushalten können.