Beiträge von never20

    Hallo in die Runde, und vielen Dank für die Antworten.

    Herr Hamborg, leider weiß ich nicht, was überwiegt, Demenz oder Korsakow. Ich denke jedoch, viele Dinge, die ich bei meiner Mutter erlebe, haben nichts mit dem zu tun, was man über Demenz so hört und liest. Was ist der Hintergrund ihrer Frage? Sollte ich versuchen, in dieser Beziehung noch mehr Klarheit zu bekommen? Und wenn ja, auf welchem Weg? Neurologe? Meine Mutter war vor ca. 18 Monaten nach einem Sturz im Krankenhaus. Von dort wurden sie, weil sie extreme Wahnvorstellungen hatte, in die geschlossene Psychiatrie überwiesen. Nach acht schlimmen Wochen wurde sie mit der Diagnose vaskuläre Demenz, Verdacht auf Korsakow-Syndrom und dem Hinweis, dass sie keinesfalls mehr allein leben sollte, entlassen. Seitdem bekommt sie keinen Alkohol mehr und verlangt auch nur noch selten danach.


    Die Frage nach dem Antrieb ist schwierig, ich vermute, vielleicht Schuld? Meine Mutter hat sich Zeit Lebens immer mit meinem Vater gestritten, zuletzt wurde es so schlimm, dass mein Vater, der warum auch immer alles für sie getan hat, völlig verzweifelt und am Ende war. Andererseits ist meine Mutter ein Mensch, der die Schuld, selbst wenn es offensichtlich war, immer auf andere geschoben hat. Und das ist eigentlich in der Demenz auch so geblieben.


    VG never20

    Liebe hanne63, auch für mich ist jeder Besuch eine emotionale Berg- und Talfahrt. Ich fahre einmal pro Woche hin (einfache Fahrt gut 1 Stunde, wenn kein Stau ist). Wenn das Pflegeheim hier in meiner Nähe wäre, würde ich vermutlich öfter für kurze Zeit hingehen. Ich glaube, das wäre optimal.

    In der Anfangszeit waren alle Besuche einfach nur schlimm, jetzt gab es auch gelegentlich gute Phasen. In der letzten Zeit waren die Besuche dank gutem Wetter ganz o.k. Meist waren wir im Garten spazieren, haben draußen einen Kaffee getrunken und mal mit dem einen oder anderen Bewohnern geschwatzt. Leider ist das jetzt vorbei, mein letzten zwei Besuche fanden bei kaltem und schlechtem Wetter statt. Und wenn wir nur drin sein müssen, wird es schwierig. Bei Gesprächen geht alles durcheinander, meine Mutter ist ständig am konfabulieren und erfindet wilde Geschichten. Und ich glaube, für meine Mutter ist es auch nicht schön. Habe es jetzt mal mit vorlesen versucht, das hat gar nicht funktioniert, ebensowenig funktioniert das Anschauen von Bildern. Was gut geht, ist, mal den (schmerzenden) Rücken mit einer entsprechenden Salbe einzucremen oder mal eine Maniküre zu machen. Beim nächsten Mal werde ich versuchen, mit ihr ein 'Mensch ärgere dich nicht' zu spielen. Vielleicht gibt es ja noch andere Ideen, wie man Zeit verbringen kann, so dass es beiden Seiten dabei gut geht?

    Übrigens gestern sagte meine Mutter nach ca. 50 min: "Musst du nicht nach Hause? Da kehrt hier endlich wieder Ruhe ein!" Heute zig Anrufe, wann ich denn endlich mal wieder vorbei komme....... :/

    Liebe Grüße an alle

    never20

    Guten Abend, ich hatte bereits zum Thema geschrieben und habe auch schon gute Tipps bekommen. Es ist aber nach wie vor so, dass ich in den Gesprächen mit meiner Mutter (Demenz und Korsakow-Syndrom) völlig hilflos bin. Heute war ich wieder bei ihr und in der ganzen Zeit ging es immer wieder darum, dass mein Vater (verstorben vor acht Jahren ) seit Stunden weg ist. Ich lenke ab, wenige Minuten später: hast du eine Ahnung wo er ist, kann doch nicht sein, dass er einfach verschwindet, ich lenke ab, wenige Minuten später: und weißt du jetzt wo der Vater ist, kann doch nicht sein, dass er einfach abhaut, ich lenke ab und wenige Minuten später......wieder das Thema Vater. Zwischendurch immer wieder die Frage, ob mein verstorbener Sohn fit ist... Manchmal denke ich, lange halte ich das nicht mehr aus.

    Gibt es noch Ideen oder Strategien wie man ablenken oder das Thema wechseln kann???? Bin wirklich für jeden Tipp dankbar.

    LG never 20

    Hallo natik, als erstes würde ich sagen; schön wenn der Vater beschäftigt ist! Als zweites: schade um die Bücher! Und nach einiger Überlegung; wenn die Schwester und der Bruder ohnehin mit dem Buchhändler sprechen wollen, vielleicht kann der Bücher empfehlen, die bisher in irgendeinem Bücherschrank ihr Leben fristeten (ich hätte davon kistenweise). Oder wählt der Vater seine Bücher noch gezielt aus, dann wird es natürlich nicht funktionieren. Das Ganze vllt. mit einer kleinen Aufwandsentschädigung für den Händler. Das nur mal als Anregung.

    LG never20

    Liebe ecia,

    hier mal ein paar Gedanken zu deinem Beitrag.

    Meine Mutter ist jetzt seit fast eineinhalb Jahren im Pflegeheim und in der Vorgeschichte kam fast alles so vor, wie von dir beschrieben. Und ja das Erlebnis, dass außergewöhnliche Situationen plötzlich dazu führten, dass irgendwelche Synapsen im Gehirn plötzlich wieder funktionieren, habe ich sehr oft erlebt. Beispiel: Seit einem Jahr muss ich mit meiner Mutter sehr oft zum Zahnarzt. Wenn ich den Termin vorher ankündige, ist sie immer sehr aufgeregt und bei den Arztbesuchen außergewöhnlich klar. Da sie im Vorfeld immer alle verrückt macht (wenn ich am Sonntag sage; wir fahren am Donnerstag zum Zahnarzt, dann ging es schon am Montag früh los, warum kommt meine Tochter nicht, ich muss doch heute zum Zahnarzt und das in Endlosschleife bis zum Donnerstag.) Also habe ich vorher nichts mehr gesagt und wenn ich sie dann ohne Vorankündigung abgeholt habe, war sie so durcheinander wie immer.

    Zu Begutachtung durch den MDK habe ich vorher einen Brief an die Gutachterin mit meinen Erlebnissen geschrieben und mich dann während der Begutachtung zurückgehalten. Ergebnis Pflegegrad 3. Und ich habe den Besuch vorher nicht angekündigt!

    Ja und dann noch zu deiner Entscheidung zum "weiterwursteln" lassen. Als meine Mutter noch zu Hause war, stand ich ständig unter Strom und habe ständig befürchtet, dass was wirklich Schlimmes passiert. Meine Mutter war sehr allein, tgl. Pflegedienst und zwei bis dreimal pro Woche ein Besuch von mir, das wars, großes Haus und Grundstück, völlig abgelegen. Sie hatte schlimme Wahnvorstellungen und ich hatte immer die Vermutung es liegt auch am vielen Alleinsein. Leider ist das im Pflegeheim nicht besser geworden. Die Wahnvorstellungen (sie sucht ständig meinen seit Jahren verstorben Vater u. meinen verstorbenen Sohn, sie sieht Leute, die nicht da sind u.s.w.) sind weiter da. Sie ist im Pflegeheim kreuzunglücklich und will nach Hause. Die Leute dort sind alle Idioten. Ich muss mir jetzt zwar keine Sorgen mehr machen, dass was passiert, dafür ist die Frage; "Ware es nicht besser gewesen, sie in ihrem zu Hause weiterwursteln zu lassen?" mein ständiger Begleiter. Und oft denke ich: ja!.

    VG never20

    Liebe Hanne,

    leider kann ich nichts Nützliches beitragen, möchte dir aber sagen, dass es mir so ähnlich wie dir geht. Ich fahr einmal pro Woche zu meiner Mutter und es ist immer schwierig. Und wie du so schön sagst, alles validieren und wertschätzen nützt nichts... Gern hätte ich die offenbar nützlichen Hinweise von Sonnenblümchen gelesen, aber leider kann ich die nicht mehr finden.

    Ich war heute wieder im Pflegeheim und hatte mal einen guten Tag erwischt. Wir konnten uns richtig gut unterhalten. Ich könnte zwar nicht wirklich sagen über was , es ging über das Haus in dem sie als Mädchen gewohnt hat, zu lange verstorbenen Leuten..., ist aber egal, ich glaube, meiner Mutter ging es damit ganz gut und mir auch. Nächstes Mal ist das vermutlich wieder anders, langsam lerne ich aber, damit umzugehen

    LG never20

    Hallo in die Runde,

    ich habe eine notarielle Generalvollmacht, die auch die Gesundheitsvorsorge umfasst. Und muss sagen, dass ich damit (im medizinischen Bereich) nie Probleme hatte. Ich musste die Vollmacht vorlegen, i.d.R. wurde diese kopiert und von da an gab es keine Schwierigkeiten mehr. Im Gegenteil hatte ich den Eindruck, dass die Ärzte froh waren, dass ein Ansprechpartner verfügbar war. Einmal habe ich sogar einen "Anpfiff" bekommen, weil ich beim Zahnarzt nicht mit im Behandlungsraum war.

    Aber so unterschiedlich ist da eben....

    Liebe Grüße never20

    Liebe Gobis,

    vielleicht hast du ja jemand der dich unterstützen kann? Bei mir war es so, dass mir eine Freundin meiner Mutter geholfen hat. Wir hatten auch erst mal die Kurzzeitpflege und dann den Wechsel in das (angeschlossene) Pflegeheim. Meine Mutter konnte damals nach einem Sturz sehr schlecht laufen und so habe ich für die Fahrt in die Kurzzeitpflege einen Fahrdienst bestellt. (Wenn zwei junge Männer kommen, sieht die Welt doch gleich ganz anders aus!) Wir haben meiner Mutter von Anfang an die Wahrheit gesagt, dass es allein zu Hause nicht mehr geht. Ihre Hausärztin hat sich dazu viel Zeit genommen und auch die Ärzte in der Klinik. Sie war zuvor acht Wochen in der Psychiatrie und sollte von da aus eigentlich direkt ins Pflegeheim. Da ich das damals einzige verfügbare Heim inakzeptabel fand, habe ich dann nochmal zwei Monate zu Hause überbrückt, bis ich ein gutes Heim gefunden habe.

    Das "die Wahrheit sagen" war aber völlig nutzlos, da sie es umgehend vergessen hat und bis heute (eineinhalb Jahre danach) der Meinung ist, dass es demnächst wieder nach Hause geht.....

    Ja das Ganze war furchtbar, ich weiß nicht, wie ich das ohne die Hilfe der Freundin geschafft hätte!

    Ich wünsche dir viel Kraft und gutes Gelingen

    never20

    Vielen Dank, Herr Hamborg,

    ja die Erfahrung, dass Validierung der falsche Weg ist, hat sich in der letzten Zeit bei mir verfestigt. Ich merke auch oft, dass die Validierungsversuche der Schwestern und Pfleger, von ihr nicht ernst genommen werden. Sie ist oft erbost und beschwert sich z.B. dass die immer nur ja ja sagen, sich aber nie bemühen, das Problem zu lösen.

    Dass mit der Liebe ist leider auch ein Problem für mich, dafür ist einfach zu viel passiert, das wird nicht mehr. Meine Mutter tut mir endlos leid und der Wunsch, ihr zu helfen ist sehr stark. Trost und Ablenkung helfen bei ihr gar nicht. Sie kommt immer wieder zum gleichen Thema, heute war mein Sohn wieder verschwunden, sie hat ihn endlos gesucht und jetzt muss ich mich mal kümmern. Wenn ich sie ablenke, dauert es keine zwei Minuten, dann kommt: ein paar Sachen für meinen Sohn muss ich aber unbedingt vorbei bringen, er hat nichts (!!) anzuziehen. Auflegen hat auch nicht gebracht, nur Ärger, weil ihr Telefon nie funktioniert. In so einem Laden, muss sie ihr Leben fristen!

    Gibt es vielleicht noch Ideen, wie ich mit dem Problem umgehen könnte?

    Allen ein schönes Wochenende!

    Hallo in die Runde,

    sehr geehrter Herr Hamborg, Herr Gust, liebe Rosina und liebe Rose, vielen Dank für die sehr hilfreichen Antworten! Aufgrund dieser hatte ich mich bereits entschieden, meine Mutter zu Weihnachten nicht nach Hause zu holen. Diese Entscheidung wurde mir dann quasi "abgenommen" da die Heimleitung den Standpunkt vertrat, alle Bewohner, die das Heim verlassen und andere Menschen treffen, müssen sich danach erst mal in Quarantäne begeben. Also hatte ich vor, meine Mutter zu besuchen. Da dies nur mit Schnelltest möglich ist, war bereits ein Termin vereinbart. Dann wurde dies aber auch noch verhindert, da es im Heim positiv getestete Personen gab, zu denen meine Mutter Kontakt hatte. Da ich mit einem "Hochrisikopatienten" zusammen lebe und Angst habe, mich anzustecken, war ich nun gar nicht im Pflegeheim. Und - erstaunlicherweise - war das auch nicht wirklich ein Problem. Meine Mutter hat irgendwie nicht mitbekommen, dass Weihnachten war. Oder, wahrscheinlicher, sie wusste zwar, dass Weihnachten ist, verband damit aber keine Ansprüche oder kennt die Bedeutung nicht mehr. Ich habe jeden Tag mit ihr telefoniert und es gab nur die ganz normalen "Probleme", z.B. hat die Volleyballmanschaft, die bei ihr auf der Etage wohnt, die Torte weggegessen, das Motorrad wurde geklaut u.s.w.

    Ich bin froh, dass Weihnachten vorbei ist und hoffe jetzt auf baldige Impfung!

    Viele Grüße und einen schönen Abend

    never20

    Liebe KoDo,

    danke für deine Zeilen! Ja, grundsätzlich weiß ich das alles, aber die Umsetzung ist halt so schwer.

    Für dich ist die Situation vermutlich noch schwerer als für mich. Wenn man ein enges und liebevolles Verhältnis zu dem betroffenen Elternteil hatte, ist es vermutlich noch schlimmer, denjenigen auf seinem Weg in das Vergessen zu begleiten.

    Ein Rat von mir, versuch´ irgendwie Entlastung für deinen (euren) Vater zu finden. Bei meiner Mutter ging es 2014 los und mein Vater(eigentlich völlig fit) ist ein Jahr später gestorben. Er konnte einfach nicht mehr. Meine Mutter war allerdings auch extrem böse und hat sich rund um die Uhr mit ihm "bekriegt". Deine Mutter besitzt ja offensichtlich noch einige Empathie!


    Auch dir viel Kraft und liebe Grüße

    never20

    Liebe Hanne, liebes Sonnenblümchen,

    jetzt muss ich mich endlich mal für eure Tipps bedanken!

    Telefon ausstöpseln ist für mich aktuell noch keine Option, irgendwie ist das für meine Mutter noch die letzte Verbindung zur Realität (sie bekommt ja gelegentlich auch mal einen Anruf von Bekannten) und das will ich ihr nicht nehmen. Mit den Anrufen als solchen komme ich ganz gut klar, ich lasse es meist auf mein Mailbox laufen, und rufe dann ein bis zweimal pro Tag zurück. Das größere Problem ist, dass sie immer auf meinem Sohn "herumreitet". Heute ist er z.B. weggelaufen und nicht zu finden. Ich kann sie von diesem Thema nicht ablenken, ihr sagen, dass mir das furchtbar wehtut, hilft auch nicht. Vielleicht werde ich es demnächst mal mit dem Auflegen probieren. Das habe ich bisher noch nicht fertig gebracht.

    Viele Grüße:)

    Hallo in die Runde,
    nachdem ich vor Kurzem eine Frage in die Rubrik " Wohnen..." eingestellt habe nun eine Frage zum Thema Kommunikation. Vieles habe ich zwar schon gelesen, aber so richtig komme ich grad nicht weiter,
    Vielleicht erst mal zu meiner Vorgeschichte; meine Mutter, 80 Jahre lebte bis vor Kurzem allein in einem großen Haus mit noch größerem Grundstück in einer landschaftlich sehr schönen, sonst aber völlig abgelegenen Gegend (der nächste Laden, Arzt , Apotheke usw. Minimum 12 km entfernt). Vor fünf Jahren hatte sie einen schweren Unfall, unter sehr mysteriösen Umständen. Dabei hat sie sich schwere Verletzungen zugezogen. Sie konnte danach nicht sagen, was passiert war, mein damals noch lebender Vater sagte mir aber, dass sie zuvor zwei Flaschen Wein getrunken, sich mit ihm gestritten und zusätzlich noch Schlaftabletten (Zolpiderm) genommen hatte. Folge des Unfalls waren eine dauerhafte Gehbehinderung und Pflegestufe 2 (jetzt Pflegegrad 3). Alle Versuche, sie zu einer Untersuchung (zur Ursache des Unfalls) zu bewegen, sind gescheitert. In den letzten Jahren habe ich dann alles getan, um sie abzusichern (ich wohne 70 km entfernt, mein Vater ist vor vier Jahren verstorben), wie zB. tgl. Pflegedienst, Haushaltshilfe, einen Mann der ihren Garten macht, eine Person, die nur so mal nach ihr sieht, Physiotherapie, Friseur und Fußpflege kamen ins Haus, ich war mind. 2x pro Woche vor Ort, kümmerte mich um Einkäufe und alles andere. In dieser Zeit entwickelte meine Mutter heftige Wahnvorstellungen; bei ihr gingen ständig Leute ein- und aus, mal übernachteten 30 Leute bei ihr, ein anderes Mal lag ein Nachbar auf ihrem Bett, meine missratene Tochter hatte wieder nur Dummheiten gemacht (ich hatte nie eine Tochter), mein verstorbener Vater war mit seiner Geliebten im Gästezimmer, mein verstorbener Sohn versteckte sich und sie musste ihn suchen....usw. Die Polizei kam auf mich zu, weil sie mehrfach den Notruf gewählt hatte, weil angeblich Dinge verschwunden waren (die nach einigen Tagen wieder da waren). Da es (aus meiner Sicht) irgendwann mal so richtig schief gehen musste, nahm ich Kontakt zur Hausärztin und zum sozialpsychatrischen Dienst auf. Beide sagten, dass es erst dann ein Möglichkeit gebe einzugreifen, wenn es ein Gefährdung gebe. Nun, Ende November 2019 war es soweit, meine Mutter hätte fast ihr Haus abgebrannt, zum Glück kam der Pflegedienst und konnte das Schlimmste verhindern. Meine Mutter wurde daraufhin in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen, war dort neun Wochen und wurde mit der Empfehlung 24 Pflege oder Pflegeheim und den Diagnosen Vaskuläre Demenz und Verdacht auf Korsakov-Syndrom entlassen. Ich hatte dann erst mal eine 24 Pflege für zu Hause organisiert, diese erklärte aber nach drei Wochen, dass es für eine Person nicht zu leisten wäre (Nachtaktivität und Aggressivität). Dann habe ich ein Kurzzeitpflege gefunden und von da wechselte meine Mutter dann - Mitten in der Coronazeit - in ein (sehr gutes) Pflegeheim. Ich habe eine Vorsorgevollmacht, der Umzug erfolgte aber im Prinzip mit dem Einverständnis meiner Mutter, die Pflegekräfte hatten ihr das "schmackhaft" gemacht.
    So, da sind wir jetzt. Und meine Mutter will nach Hause!!! Dies äußert sie zwar nur mir gegenüber, dies aber mit einem Nachdruck, der mich schier zur Verzweiflung bringt. Die Pflegekräfte sagen mir, dass sie sich gut eingelebt habe und Kontakte pflege. Mir droht sie aber mehrmals täglich, dass sie sich umbringen will, beschuldigt mich, dass ich mir ihr Haus und ihr Geld unter den Nagel reißen will usw.
    Ich weiß nicht, wie ich das noch länger aushalten soll und bin nervlich völlig am Ende. Ich habe viel gelesen, und mich auch beraten lassen, Validation funktioniert manchmal, oft aber nicht. Die Ärzte im Krankenhaus haben meiner Mutter sehr klar ihre Krankheit erläutert. Sie sagt, dass ich mir das ausdenke und dass sie davon nichts weiß und sehr gut allein zurecht kommen würde.
    Ich bin die einzige verfügbare Angehörige, Freunde und Bekannte hat sie, bis auf eine Ausnahme, in den letzten Jahren verprellt.


    Nun zu meiner ersten Frage: Manchmal möchte ich meiner Mutter einfach nur alles, was völlig schief läuft ( sie weiß nicht welchen Tag wir haben, wenn ich sie vormittags anrufe, dass ich nachmittags komme um mit ihr zum Arzt zu fahren, begrüßt sich mich dann mit den Worte " Was willst du denn hier?" u.s.w.) vorhalten. Nach den Regeln der Validation tut man das aber nicht! Wie mache ich ihr aber klar, dass eben nichts mehr i.O. ist und sie aus diesem Grund im Pflegeheim ist?


    Zweite Frage:
    Meine Mutter ruft mich an schlechten Tagen bis zu 20x an und beschimpft mich, dass ich mich doch auch mal um meinen Sohn kümmern müsste. Sie weiß nicht wo er schlafen soll, sie habe für ihn nicht zu essen und nichts zum anziehen!!! Er pullert in ihr Bett!
    Da mein Sohn vor acht Jahren, kurz vor Weihnachten, gestorben ist, bin ich hier an meiner Grenze und kann nicht mehr validieren. Ich habe es zwar schon versucht, aber ohne Erfolg, 10 Minuten später kam der nächste Anruf.


    Vielleicht noch als Ergänzung: ich hatte zu meiner Mutter nie eine enge Beziehung, sie war extrem autoritär, ich bin mit 14 ins Internat gegangen und war glücklich darüber. Als Erwachsene hatte ich zu ihr ein Verhältnis auf Abstand, wir hatten zwar immer Kontakt, aber stets auf Distanz.


    Für Tipps, wie ich auf ihre Vorhaltungen, insbesondere in Bezug auf meinen verstorben Sohn reagieren kann, wäre ich sehr dankbar!

    Liebe Hanne,
    vielen Dank. So wie du das beschreibst, sehen meine Befürchtungen aus.
    Ich habe in der letzten Zeit auch die Erfahrung gemacht, dass kleinste, vom täglichen Ablauf abweichende Unternehmungen, wie z.B. ein Zahnarztbesuch, für große Unruhe sorgten. Also werde ich, wenn Corona es zulässt, wohl ins Heim fahren. Das Schlimme ist halt, dass meine Mutter für nichts mehr Interesse hat, Unterhaltungen sind schwierig, sie macht keine Spiele, Bilder ansehen funktioniert nicht, letztens habe ich es mit Vorlesen versucht, nach drei Minuten war ihre Aufmerksamkeit erschöpft. Dafür kann sie mit sehr viel Energie schimpfen, auf mich, auf das Heim, auf das Essen, ihre Mitbewohner. Aber da muss ich wahrscheinlich durch.
    Viele Grüße
    never20

    Vielen Dank für die Anregungen! In unserem Heim gilt derzeit ein Besucher pro Tag und dann mit Mundschutz. Damit stelle ich mir das Feiern schon schwierig vor. Noch größere Bedenken habe ich aber, sie mit zu mir nach Hause zu nehmen. Ich denke, das Problem "ich will nach Hause" würde da wieder extrem hochkochen und zu einem Fiasko führen. Dazu kommt noch die lange Fahrzeit (1 h / eine Strecke).....
    Am liebsten wäre es mir, wenn Weihnachten ausfallen würde und wenn jetzt schon Januar wäre! Naja, mal sehen, ich werde diese Woche mal im Heim fragen, ob es da Empfehlungen gibt.

    Einen guten Abend in die Runde! Nachdem ich mir im Forum durch Mitlesen schon viel Hilfe geholt habe, jetzt mal eine Frage. Weihnachten steht vor der Tür und für meine Mutter ist es das erste Weihnachten im Pflegeheim.
    Sie hat Demenz und ist der Meinung, wenn es ihr demnächst besser geht, kann sie wieder nach Hause. Wobei zu Hause in ihrer Vorstellung oft die Wohnung ist, wo sie als junge Frau gelebt hat. Ich bin die einzige (verfügbare) Angehörige. Meine Mutter hat noch eine Schwester, die lebt aber 400 km entfernt und kann mich leider nicht unterstützen.
    Nun frage ich mich, was mache ich Weihnachten?
    Theoretisch könnte ich sie mal zu mir nach Hause holen, fürchte aber, dass ich damit alles nur noch schlimmer mache. Meine Frage an andere Betroffene, die das erste Weihnachten von Angehörigen im Heim schon hinter sich haben, wie seid ihr damit umgegangen?
    Für eure Tipps wäre ich dankbar!