Beiträge von never20

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.

    Liebe Taybeere,

    bin zwar nur "Fachmann aus Erfahrung", habe aber Ähnliches schon ziemlich oft erlebt und glaube nicht, dass das ein Trick ist. Eher ein Versuch aus einer Situation raus zu kommen, wenn sie spürt, dass irgendetwas falsch läuft.

    2 Beispiele: meine Mutter behauptet, dass S (ihre Nichte) da war. Meist belasse ich es dabei, aber wenn ich dann doch mal sage; "das kann nicht sein, S wohnt 500 km entfernt und kommt erst im Sommer wieder", kommt die Antwort; "ich meine doch die andere S". Letzte Woche war ihre Handtasche weg, wir haben gesucht und dann kam die Ansage "M (ich) war hier, die muss die mitgenommen haben". Auf meinen Einwand "aber ich bin doch jetzt da und habe deine Tasche nicht", kam wieder die Antwort: "Ich meine doch die andere M!".


    Meine Mutter ist jetzt im Heim, aber ich weiß noch, wie schwierig es war, als ich mich wegen vermeintlicher Notfälle ins Auto setzen und über eine Stunde zu ihr fahren musste. Ich glaube, damals war ich mir auch sicher, dass solche falschen Aussagen ein Trick sind, um mich zum Kommen zu bewegen.


    Heute denke ich, dass ist einfach eine Seite der Demenz und eine Sache, mit der wir irgendwie klar kommen und die wir tolerieren müssen.


    VG never20

    Ich möchte nun unbedingt vermeiden, dass meine Mutter irgendwann nicht mehr anders weiterweiß und ihn komplett ins Pflegeheim gibt.

    Liebe Miriam,

    so wie ich deinen Beitrag lese, seid ihr/du noch ziemlich am Anfang des steinigen Demenzweges. Deine Aussage zum Pflegeheim (Zitat) wird sich vermutlich irgendwann (leider) relativieren. Vor 10 Jahren hatte ich genau diese Einstellung, einziger Unterschied, meine Mutter war erkrankt und mein Vater derjenige, der mit der Situation überfordert war. Meine Mutter wurde immer aggressiver und böser, sie machte jede Nacht zum Tag, mein Vater war völlig fertig, ich mit den Nerven am Ende, da keinerlei Hilfen (außer im Garten) angenommen wurden. Bei uns wäre es auch völlig unmöglich gewesen, meine Mutter zum Besuch einer Tagespflege zu bewegen. Zwei Jahre danach ist mein Vater gestorben, ab da musste ich zunehmend die Verantwortung übernehmen. Pflegegrad beantragen, Pflegedienst, Putzhilfe, Verhinderungspflege, Alltagsbegleiter, Schriftkram erledigen, einkaufen u.s.w. Ja und nochmal fünf Jahre später gab es dann, wie bei vielen der hier Betroffenen, ein Ereignis, das den Weg in das Pflegeheim alternativlos machte.

    Meine Empfehlung wäre, dass ihr euch erstmal Hilfen für die häusliche Pflege holt. Voraussetzung dafür ist, das dein Vater einen Pfleggrad habt oder bekommt. Die Pflegkassen beraten auch, was dann an Hilfen abgerufen werden kann. Wenn deine Mutter sich allem verwehrt, kannst du vermutlich erstmal nichts anderes tun, als abzuwarten und Hilfe anzubieten. Alles andere wird dann die Zeit und der Leidensdruck bei deiner Mutter, bringen. Die Pflege eines aggressiven Demenzpatienten ist nach m. E. auf Dauer nicht zu leisten

    Für meinen Mann und mich haben die Erfahrungen mit der Erkrankung meiner Mutter dazu geführt, dass wir uns gegenseitig versprochen haben, dass - sollte einer von uns an Demenz erkranken - der andere ihm ein schönes Pflegeheim sucht und ihn dann dort besucht.

    Euch alles Gute

    never20

    Lieber Buchenberg,

    mein ganz aufrichtiges Beileid - ganz besonders auch für deine Frau! Aufgrund deiner Beschreibungen, glaubte ich fast, ihn zu kennen (ich habe immer gedacht, dass er meinem verstorbenen Vater sehr ähnlich ist) und es tut mir sehr leid, dass es jetzt so schnell zu Ende ging! Sicher wird es auch für die Schwiegermutter sehr schwer - ich wünsche euch allen viel Kraft und alles Gute!

    never20

    Es muss ein unendlich friedlicher und ruhiger Tod gewesen sein, eigentlich wie ihn sich die meisten wünschen.

    Liebe ecia, auch von mir mein herzliches Beileid.

    Ich glaube, dass ich auch zunächst froh wäre, wenn meine Mutter so einen friedlichen Weg aus dem Leben, das für sie kein Leben mehr ist, finden könnte.

    Was dann irgendwann später kommt, wirst du (und ich vllt. auch irgendwann) sehen. Ich wünsche dir viel Kraft dabei.

    LG never20

    Hallo SohnEinesBetroffenen, auch von mir ein Willkommen im Forum!

    Wie meine Vorschreiber/innen schon sagten, so oder so ähnliche Probleme hatten viele von uns. Vielleicht baut es dich/euch etwas auf, wenn ich dir sage, dass ihr ein für viele unlösbares Problem schon fast gelöst habt - die Diagnostik! Meine Mutter hat sich allen Versuchen, sie dazu zu bringen (von Freunden, ihrer Hausärztin, von mir..) kategorisch verweigert. Ihre Hausärztin hat ihr das Autofahren verboten (darf sie eigentlich nicht, sie hat es aber zumindest so gesagt) - das war meiner Mutter egal. Die Lösung ergab sich dann, als mal wieder (wie schon oft zuvor) alle Schlüssel weg waren. Wir haben sie dann im Garten gefunden und ihr nur die Hausschlüssel zurückgegeben, Auto und Garagenschlüssel waren weiter weg, das Auto war dann so alt, dass man keine Schlüssel mehr nachmachen konnte. Hat funktioniert. Ich war damals eine große Sorge los, weil es wirklich nicht mehr zu verantworten war, dass sie Auto fuhr.

    Mit dem Geld gab es bei uns auch Probleme, allerdings waren das weniger Investitionen, sondern das Verschenken von Geld, teilweise große Summen an Leute, die sie gar nicht wirklich kannte. Da konnten wir damals auch nichts tun, also leider habe ich da auch keinen Tipp. Ich hab mir immer gesagt, es ist ihr Geld, was soll`s.

    Ich wünsch dir gute Nerven, irgendwie geht`s immer weiter

    LG never20

    Hallo Weit weg, danke für die Info. Wer hat dir diese Auskunft gegeben? Und hast du dich dazu irgendwo beraten lassen? Wenn ja, von wem?

    Ich bin wegen dem Hausverkauf noch keinen Schritt weiter, aber irgendwann werde ich es wohl mal angehen müssen.

    LG never

    Aber wie finde ich jetzt möglichst schnell ein besseres Heim :?:

    Liebe Silly,

    leider kann ich dir auch nicht sagen, wie du schnell ein Heim findest, zur Frage der Qualität hilft aber meiner Meinung Mundpropaganda. Ich habe, als ich auf der Suche war, alle möglichen Leute, die etwas wissen könnten, wegen Empfehlungen/Erfahrungen gefragt. Z.B. meine Hausärztin, eine Schwester vom ambulanten Pflegedienst, Bekannte und Kollegen, meine nette Blumenhändlerin, die sehr viele Leute kennt und sich für mich umgehört hat u.s.w. Da kristallisierte sich dann schnell ein Bild heraus, das nicht unbedingt mit meinem Eindruck bei der Besichtigung der Heime übereinstimmte. Ich habe uns dann in den favorisierten Heimen auf die Warteliste setzen lassen, in einem wurde ein Platz in der Kurzeitpflege frei und da ging es dann relativ schnell mit dem Wechsel in die Dauerpflege.

    Mit dem Heim bin ich sehr zufrieden und ehrlich gesagt, könnte ich mir nicht vorstellen, dass dort ein Vertrag gekündigt wird, weil ein/e Bewohner/in zu schwierig ist!

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg bei der Suche,

    LG never20

    Hallo an alle,

    Mir hat der Neurologe meiner Mutter schon vor 2-3 Jahren gesagt, nach seiner und allg. Erfahrung bringe es nichts die Diagnose zu kommunizieren.

    ..ja so unterschiedlich sind die Neurologen...! Meine Mutter wurde von ihrer Hausärztin überzeugt, eine Neurologin aufzusuchen. Ich habe keine Ahnung, wie sie das damals (vor 6 Jahren) geschafft hatte. Ich habe meine Mutter zu diesem Termin begleitet, und die Neurologin hat ihr damals nach kurzer Untersuchung mitgeteilt, dass sie bei ihr eine Demenz vermutet, weitere Untersuchungen wären aber erforderlich. Antwort meiner Mutter: "Das können Sie vergessen". Und damit war das Thema Neurologe erledigt. Ich weiß aber noch, dass ich über diese direkte Konfrontation damals sehr erschrocken war. Meine Mutter konnte das damals noch etwas erfassen und hat mir in dieser Situation furchtbar leid getan (und das, obwohl sie in dieser Phase unerträglich böse zu mir war). Mein Mitleid hatte sich aber dann auf der Heimfahrt wieder erledigt, weil meine Mutter mich auf das übelste beschimpft hat, mit dem Tenor: mein Ziel sei, sie für verrückt zu erklären. Seitdem wurde das Thema Demenz nie wieder angesprochen. Vor vier Jahren wurde meine Mutter nach einem Unfall und einem Krankenhausaufenthalt in die Psychiatrie überwiesen, dort wurde vaskuläre Demenz diagnostiziert. Zu diesem Zeitpunkt war sie aber schon nicht mehr in der Lage, zu erfassen, was das bedeutet und die Ärzte haben ihr diese Diagnose auch nicht mitgeteilt.

    Bis heute weiß ich nicht, welcher Weg der richtige ist.

    Die Demenz hat sich langsam entwickelt. Anfangs haben wir es alle nicht dafür gehalten, sondern nur festgestellt, dass meine Mutter unerträglich wurde. Meine Mutter selbst hat dann anfangs selbst beklagt, dass sie sich nichts mehr merkt, aber NIE das Wort Demenz erwähnt (obwohl sie früher sehr deutliche Worte in Bezug auf andere dafür fand).

    Ich habe jetzt mal bei schwarzerkater geklaut, ganz genau so war es in der Anfangsphase bei uns auch!

    Jetzt ist meine Mutter seit drei Jahren in einem gut geführten und sehr schön gelegenen Pflegeheim. Leider gibt es bei uns das Problem, dass sie permanent die anderen Bewohner (von denen die meisten geistig sehr viel fitter sind als sie) angeht und alles besser weiß. Damit macht sie sich natürlich keine Freunde und ich bekomme immer ganz wilde Geschichten, die fernab jeder Realität sind, wie z.B. die verlangen ständig von mir, dass ich sie nach A oder B fahre, oder da sollte ich die ganze Fußballmannschaft verpflegen, was die sich einbilden....u.s.w. Das Ergebnis ist, dass sie sich von den anderen (die ja alle blöd sind) völlig isoliert hat. Sie nimmt an keiner Veranstaltung mehr teil und geht nur unter Druck und mit Widerwillen zum Essen.

    Leider finde ich dafür keine Lösung.


    VG

    never20

    .

    Ich lasse mir, bevor ich mit meiner Mutter zu einem Arzt gehe, den sog. Verlegungsplan (keine Ahnung, ob das nur in unserem Heim so heißt) -ausdrucken. Da stehen sämtlich Diagnosen, Therapien und auch der aktuelle Medikamentenplan drauf. Allerdings habe ich eine Vorsorgevollmacht und keine Ahnung, ob man so etwas auch ohne diese in die Hand bekommt.

    Als meine Mutter noch in ihrem Zuhause war, habe ich mir den Mediplan von der Hausärztin geben lassen.

    VG never

    von mir ist der Thread "Schmerzgedächtnis oder Simulation". Das was Sie von Ihrer Mutter beschreiben bzgl. Schmerzen und nicht-Schmerzen ist bei meiner Oma ganz genauso der Fall! Es gibt inzwischen die wildesten Diagnosen, aber niemand kann herausfinden, ob diese Schmerzen echt sind oder Erinnerung oder ähnliches. Selbst unter diversen Schmerzmittel treten diese diffusen Schmerzen auf- gerne an Tagen an denen im Pflegeheim die große Körperpflege Programm ist...

    Hallo kedi, ich habe jetzt deinen Thred nochmal gelesen. So richtig hilfreiche Tipps, um herauszufinden, ob die Schmerzen tatsächlich schlimm sind, oder ob nur mehr Aufmerksamkeit eingefordert wird, gab es da ja auch nicht. Vllt. hat ja Herr Gust hierzu noch Ideen?

    VG never

    darf ich fragen, was bzw. ob hinsichtlich der geäußerten Schmerzen nun etwas unternommen wurde / wird?

    Hallo Herr Gust,

    unternommen wurde, bis auf das Ausstellen eines Physiotherapierezeptes, nichts. Meine Mutter wurde geröntgt, das Metall sitzt noch an der richtigen Stelle, und sie hat in ihrer Hüfte Arthrose. Ein Gelenkersatz ist jedoch aus Sicht des Arztes noch nicht angebracht und ich hätte da auch sehr große Bedenken. Das Risiko einer Vollnarkose ist ja nicht ohne und außerdem war meine Mutter war schon in der Vergangenheit (vor ihrer Demenz) völlig unkooperativ, wenn es um Fragen der Rehabilitation (insbesondere um den Teil, den man selbst tun muss) ging. Sie bekommt seit 10 Jahren täglich 1 Tilidin und nach Bedarf bis zu drei Novaminsulfon. Letzteres fordert sie sich aber nur selten ein, obwohl sie früher mal Tablettenabhängig war (Schmerz- und Schlaftabletten +Alkohol) und auch mal zu Entziehung war. Sie hat die Tabletten und den Alkohol vergessen.


    Was denken Sie, was man noch tun könnte?


    Ich selbst denke ähnlich wie ecia, dass das Ganze ein Versuch ist, Aufmerksamkeit und Mitleid zu bekommen.

    Auch kapiert habe ich (hoffentlich) dass meine Mutter nicht irgendwann zu mir sagt aaaah Du arme ich ändere mich jetzt.

    Aber schön wär es schon, also ich meine, wenn sie das sagen würde? ;)

    Am einen Tag will sie wegen Hüft- und Rückenschmerzen sterben und sie japst beim Aufstehen, am anderen Tag ist nie etwas gewesen.

    ja bei uns kann dieser Wechsel sogar von einem Moment auf den anderen kommen. Wenn irgendwas passiert, was ihre Aufmerksamkeit und das Interesse erregt, sind die Schmerzen plötzlich wie weggeblasen.

    Ich wage nicht auf eine Parallele zu hoffen

    Liebe Alfsjkoni, ich denke doch, das kannst du.

    Ich würde mal meine Mutter als Drilling einreihen. Ich habe das alles auch so erlebt, von den übelsten Beschimpfungen (schon lange bevor sie im Pflegeheim war), dem Telefonterror, vorzugsweise Nachts, dem schlechten Gewissen, obwohl selbst die beste Freundin meiner Mutter, neben dem ambulanten Pflegedienst der Hausärztin, den Ärzten im Krankenhaus u.s.w. mir dringend zur Unterbringung im Pflegeheim geraten hatten.

    Vor einem Jahr wäre es für mich noch völlig unvorstellbar gewesen, aber es ist inzwischen ähnlich wie bei Rose, sie freut sich jetzt, wenn ich komme, bedankt sich, dass ich da bin, Telefon ist Geschichte, weil sie es nicht mehr bedienen kann, das Thema 'nach Hause' kommt nicht mehr vor - nur ganz selten, aber da spricht sie von der Wohnung in der sie als junge Frau gewohnt hat.

    Es gibt allerdings immer noch Situationen, die mich extrem belasten. So waren wir z.B. diese Woche, beim Orthopäden, weil sie oft über ganz furchtbare Schmerzen in der Hüfte, manchmal am Bein, oder im Rücken... klagt.

    Also, ich Mittags Feierabend gemacht, anderthalb Stunden bis zum Pflegeheim gefahren, Mutter ins Auto bugsiert und zum Arzt gebracht. Das Wartezimmer war voll und nach einer halben Minute wollte Madame wieder gehen. Hier warte ich nicht, die können uns doch nicht ewig warten lassen, der jetzt dran ist, ist aber nach uns gekommen, wir gehen ein anderes Mal hier her, jetzt musst du aber mal was sagen ......u.s.w. und so fort, ohne Punkt und Komma. Eine reichliche Stunde lang. Übrigens, als wir dann endlich dran waren, hat meine Mutter dem Arzt gesagt, dass sie überhaupt keine Schmerzen hat und nur da ist, weil ich das so wollte. Auch bei den verschiedenen Bewegungen tat nichts weh!!! Als wir dann wieder im Heim waren setzt sie sich auf ihr Bett und sagt; "du machst dir keine Vorstellung, was ich immer für Schmerzen habe!"

    Als ich dann Abends wieder zu Hause war, war ich fix und fertig, da ist ein stressiger 10 Stunden-Arbeitstag nichts dagegen!


    Also Alfksjoni, gut wird's wahrscheinlich nicht, aber besser!

    LG und euch allen ein schönes Wochenende

    Liebe/r chartysue,

    auch von mir ein Willkommen im Forum.

    Eigentlich kann ich zu dem was rose geschrieben hat, nicht mehr viel ergänzen, ich sehe das (fast) genauso. Ich möchte den Punkt, sehen wie sich alles entwickelt noch darum ergänzen; sammle Kräfte für das, was kommt!

    Halte dich zurück, deine Mutter ist erwachsen, du kannst deine Hilfe anbieten und sie - wenn gewünscht - unterstützen. Aber du bist nicht für das Wohlergehen deiner Mutter verantwortlich! Ich habe mich auch bei völlig fehlender Krankheitseinsicht auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten (ohne jeden Erfolg) aufgerieben. Meine Erfahrung ist; manche Dinge muss man einfach laufen lassen.

    In einem Punkt muss ich dir liebe rose widersprechen

    aber wenn deine Mutter nicht schon früher aus Verlogenheit Dinge entsprechend gedreht hat, kann natürlich eine beginnende Demenz sein.

    Meine Mutter war Zeit ihres Lebens eine Meisterin darin, Wahrheiten stets sehr kreativ ihrem Vorteil anzupassen. Ihre Demenz begann (rückblickend für mich spürbar) als sie das nicht mehr im Griff hatte und ihre Lügen für andere offensichtlich wurden. Und das klingt sehr nach dem, was du, chartysue, beschreibst.


    Alles Gute

    never20

    Lieber Sohn83, mein ganz herzliches Beileid!

    Du hast soviel für deinen Vater getan und ich denke, er hat das immer gespürt/gewusst. Ich wünsche dir auch weiter viel Kraft und dass vor allem die guten Zeiten in deinen Gedanken bleiben!

    never20

    Liebe Ivy,

    mein aufrichtiges Beileid zum Tod deines Vaters!


    Vor knapp 8 Jahren war ich in einer ganz ähnlichen Situation wie du. Vater verstorben, Mutter plötzlich allein, dement, ich berufstätig, eine reichliche Fahrstunde entfernt.....u.s.w.

    Wie Rose 60 vorgeschlagen hat, bin ich auch recht bald zum Sozialdienst gegangen, die haben mir zwar nicht geholfen (können sie auch erst, wenn eine Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt) aber irgendwie hat man das Problem erst mal benannt. Bei uns gab es zwar eine Hausärztin, die das Problem erkannt hatte, die konnte aber auch nicht helfen. Meine Mutter war, als es ihr noch gut ging, nie bereit, sich mit der Frage zu befassen, was soll mal werden, wenn es mir nicht mehr gut geht.

    Mein wichtigster Rat an dich wäre: abwarten und Tee trinken!

    Biete deine Hilfe an, fahr ein- zweimal die Woche hin, schau, was du tun kannst und lass es laufen. Bei mir war es so, dass ich immer weitere Hilfen installieren konnte: Pflegedienst, Putzfrau, den medizinischen Dienst hab ich bestellt, und der war dann eben einfach da. Du kannst deiner Mutter nichts aufzwingen und irgendwann werden sich Lösungen aufzeigen.

    Meine Mutter ist jetzt seit drei Jahren im Pflegeheim, nachdem sie fast ihr Haus abgebrannt hatte und in diesem Zusammenhang schwer gestürzt war. Sie fühlt sich im Pflegeheim nicht wohl. O.K. ihr kann jetzt nichts mehr passieren, sie wird dort wirklich gut und liebevoll umsorgt, aber ich frage mich bis heute, ob es nicht besser gewesen wäre, sie in einfach weiter "wursteln" zu lassen.....

    Zu befürchten ist allerdings, dass deine Mutter bald folgen wird.
    Dass deine Mutter Hilfe verweigert, kann von Starrsinn oder von sonst was herkommen, aber wo diese Verweigerung hinführt, ist absehbar: Ihre Verweigerungshaltung führt – bewusst oder unbewusst – in den schleichenden Suicid.

    Kann ich so nicht bestätigen, meine Mutter ist, trotz absoluter Verweigerung - abgesehen von ihrer Demenz - bis heute fit.


    Viele Grüße never20

    Lieber sohn83,

    ich glaube dieses auf und ab gehört leider dazu. Bei meiner Mutter war das ganz genau so. Und ich war, ähnlich wie du, völlig am Ende. Ich habe damals hier im Forum Hilfe gesucht, und einige Ratschläge haben mir echt weitergeholfen, deshalb gebe ich sie jetzt mal weiter:

    1. Besuche einschränken


    2. Konsequent bleiben und mantramäßig die gleichen Sätze wiederholen. z.B.: Du weißt ich schaff das mit der Pflege nicht mehr, ich bin darüber krank geworden und wenn ich gar nicht mehr kann, hast du überhaupt niemanden mehr. Hier sind Schwestern u. Pfleger, die immer für dich da sind u.s.w.


    3. Gehen, wenn gar nichts mehr geht! Ich habe dann z.B. gesagt; Du hast aber heute schlechte Laune, ich komme wieder, wenn du besser drauf bist.


    4. Bei den Besuchen im Pflegeheim habe ich, wenn möglich, die Zeit nicht allein mit meiner Mutter verbracht, sondern andere Bewohner mit einbezogen. Das funktioniert bei uns im Sommer besser, als im Winter; Spaziergang um das Haus und dann mal hier, mal da ein Schwätzchen halten.


    5. Wenn der Abschied schwierig wurde, habe ich eine Schwester oder einen Pfleger um Hilfe gebeten, das hat immer Wunder gewirkt. Meine Mutter war dann immer wie ausgewechselt und hatte mich meist sofort vergessen.


    Die unter Punkt 2 genannte Konsequenz finde ich am Wichtigsten. Irgendwie sind unsere Oldies wie Kinder, die merken auch genau wenn man unsicher ist und nutzen das dann gnadenlos aus.

    Ja und dann hat dir ja deine Psychologin auch noch einige ganz wichtige Dinge gesagt!

    Last but not least: es wird besser! Meine Mutter freut sich heute, wenn ich komme und schickt mich nach spätestens einer Stunde wieder weg, weil sie so viel zu tun hat.


    Also halte durch, ich denke dein Vater wird dich noch einige Zeit brauchen und dazu brauchst du noch ganz viel Kraft und gute Nerven.


    LG never20

    Liebe Rose,

    auch von mir, mein aufrichtiges Beileid! Es ist unsagbar schwer, wenn man Menschen, die einem so nah sind, gehen lassen muss! Ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute!


    Ich denke auch, die Entscheidung, deiner Mutter nichts zu sagen, ist richtig. Mein Sohn (der ebenfalls behindert war) ist jetzt schon vor 10 Jahren verstorben, mein Vater vor 7 Jahren. Meine Mutter hat das niemals realisiert, obwohl sie damals noch am Anfang ihrer Demenz war. Beide sind für meine Mutter immer noch präsent, besuchen sie, machen ganz oft, Dinge, über die sie schimpft u.s.w. - und das obwohl sie bei beiden Beerdigungen dabei war.


    Lieber schwarzerkater,

    ich danke dir für deine Beiträge und werde deine klugen Kommentare vermissen, auch für dich alles Gute! Ja, und hoffentlich bis bald!


    Viele Grüße an alle,

    never20

    Ich habe da ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht, mein Sohn hatte zweieinhalb Jahrzehnte einen Pflegegrad von (damals) Pflegestufe 1 bis zuletzt 3. Und obwohl klar war, dass sich bei seiner Krankheit nichts zum positiven ändern kann, mussten wir alle zwei Jahre eine Wiederholungsbegutachtung über uns ergehen lassen. Jedes Mal waren andere Gutachter/innen da und zwischen 'super' bis 'geht gar nicht' und 'völlig inkompetent' war da alles dabei.

    Ich musste mehrfach Widerspruch einlegen, der dann auch jedes Mal erfolgreich war. Das hat mich jedoch immer Zeit und Nerven gekostet und davon hatte ich ohnehin immer zu wenig. Nach meiner Erfahrung lohnt sich eine gute Vorbereitung auf jeden Fall, ich habe z.B. immer mal wieder ein Pflegetagebuch geführt.

    Meine Mutter war bei der Einstufung zu den Pflegestufen 2 bis 3 noch zu Hause, die Höherstufung auf Pflegegrad 4 war dann vergangenes Jahr im Pflegeheim und wurde telefonisch durchgeführt. Hier verliefen die Begutachtungen ohne größere Probleme, ich vermute, die Gutachter haben mit Demenzpatienten einfach mehr Erfahrung.

    VG never20

    Hallo Sohn,

    ich schließe mich den 'Vorschreibern' an, Abwechslung ist nicht gut und nicht mehr erforderlich....

    Meine Mutter ist jetzt seit drei Jahren im Pflegeheim und im ersten Jahr habe ich in den wenigen Lücken, die uns Corona gelassen hat, versucht, was mit ihr zu unternehmen. Es war eigentlich immer ein Desaster. Spazierfahrten und Restaurantbesuche haben sie komplett überfordert. Ich hatte das Gefühl, dass die Eindrücke einfach zu viel waren. Wenn das Wetter jetzt schöner wird, werde ich mit ihr vllt. mal wieder ein Eis essen gehen. Aber ich glaube, das mache ich eher für mich.












    ++##