Beiträge von Mirabai

    Liebes blumenkind,


    Deine Gedanken sind bei mir auf folgenden Boden gestoßen: Vielleicht geht es weniger um "positiv denken" als darum, sich grundsätzlich zu öffnen: für sich selbst und das Zunkünftige. Dieses im Kontext, was für einen selbst Gesundheit und Krankheit sind bzw. wie diese entstehen. Für mich persönlich ist Krankheit (auch die seelische, mentale, psychische) immer auch ein Lösungsweg. Oft der letzte, wenn vorher eine Bewusstwerdung nicht gelungen ist oder möglich war. Meine Mutter hat sich ihre Kränkungen, ihre Traumata nicht bewusst machen und damit auch nicht verarbeiten können. Sie geht im Groben den gleichen Weg wie ihre Mutter: "Endstation Pflegeheim", wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Ich kenne im engsten Umfeld zwei Freundinnen, da hat die Diagnose Krebs im wahrsten Sinne zu einer Transformation geführt. Beide haben sich vorher einem offenen Hinschauen in die schmerzvollen Gefühle (Ängste, Verletzungen, Wut etc.) immer wieder entzogen. Dann "regelt es der Körper", sage ich mal etwas provokativ. Die Demenz meiner Mutter ist ihr Lösungsweg, um u.a. mit ihren Schuldgefühlen (mir gegenüber) klar zu kommen und friedlich zu werden. Ich brauche so einen Weg nicht, sage ich mal. Das bedeutet aber auch konkret, dass ich mehr oder weniger täglich alles verarbeite, fühle, was in meinem Leben passiert und versuche, Zusammenhänge zu erkennen. Das nimmt viel Zeit und Raum. Ist echte Arbeit. Führt aber eben auch gesundheitlich zu greifbaren Resultaten. Meine Mutter hatte eine Freundin, die aufgrund erblicher Disposition befürchtete, an Brustkrebs zu erkranken. Ihr Umgang mit dieser -nachvollziehbaren- Angst war, dass sie ihre Freizeit mehr oder weniger komplett damit verbrachte, alles aufzusaugen, was es zu der Erkrankung gab und sich über Therapien und Krankenhäuser zu informieren; für den Fall X. Was soll ich sagen? Fall X ist "natürlich" eingetreten. Mag jede/r für sich selbst entscheiden, was dazu geführt hat. Abschließend zu diesem Themenfeld zwei Buchtipss: Krankheit als Weg von Rüdiger Dahlke und Gesundheit für Körper und Seele von Luise Hay.
    Leider sind wir in der "westlichen Welt" in diesem Kontext sehr schnell bei Schuld anstelle von Verantwortung und einer ganzheitlichen Sicht auf uns Menschen, die anerkennt, dass Geist, Seele/Gefühle und Körper eine Einheit sind. Dieses Verständnis liegt übrigens noch mal jenseits von der Idee von "psychosomatischen Erkrankungen". Denn diese Bezeichnung geht ja davon aus, dass die "Psyche" und "das Somatische" getrennt wären. Ich bin gespannt, ob oder inwieweit ich mich verstehbar machen konnte. Alles Liebe für Dich/Euch, Mirabai

    Lieber Herr Hamborg,


    herzlichen Dank für Ihre hilfreichen"Spekulationen"! Durch Ihre Antwort habe ich herausgefunden, was Inhalt meiner Unschlüssigkeit war. Es ging in erster Linie um die Zuständigkeit. Ich bin im Heimvertrag fündig geworden, vielen Dank! Zweitens habe ich festgestellt, dass ich mich durch den Anruf der Mitarbeiterin (eine religiöse Schwester; das wäre noch mal ein Nebenthema, da ja Sonderstellung) völlig überrumpelt gefühlt habe. Heute habe ich den diensthabenden Pfleger angesprochen; alles super. Auch er fand das Vorgehen der "Kollegin" etwas merkwürdig... Sie haben mir also sehr geholfen, nochmals danke!

    Ich habe schon zum Thema "Mutter allein zu Haus" von meiner Situation berichtet. Mein Anliegen hier ist der Umgang mit Arztbesuchen. Konkret: Meine Mutter hat eine kleine, entzündete, schmerzfreie "Geschwulst" in der Nähe des Brustbeins. Nun rief mich das Pflegeheim an, dass der "Heim-Hausarzt", der zunächst Antibiotika verschrieben hatte, die Vorstellung beim Frauenarzt empfiehlt/anordnet. Sprich, ich solle mit meiner Mutter zu einem Frauenarzt gehen. Ich habe dazu noch keine Haltung. Ist es üblich, dass Angehörige dies tun? Ich weiß gar nicht, wann meine Mutter (78) das letzte Mal beim Frauenarzt war. Sie würde vsl. mit mir das tun, aber ich bin wirklich aus verschiedenen Gründen unschlüssig, ob ich das machen soll. Ich freue mich über inspirierende Gedanken dazu!

    Hallo zusammen und Barbara,
    mich hat auch zunächst erschreckt, dass ich in mir das Bedürfnis gefunden habe, dass ich die Nr. meiner Mutter vielleicht sperren lassen will. Erschrocken sein über sich selbst basiert oft auf gesellschaftlichen Normen und Tabus. Der (für mich) höhere Wert ist Aufrichtigkeit und Mut. Und vielleicht die Erkenntnis plus Erfahrung, dass darüber Liebe fließt, die einen konkreten Ausdruck im Außen hat. Dass ich die Telefon Nr. meiner Mutter (punktuell) gesperrt habe und vielleicht oder wahrscheinlich wieder mal sperren werde, hat doch gar keine Aussage über die eigentliche Verbundenheit und praktische Fürsorge. Als erwachsene Kinder sollten wir den Kontakt zu unseren Eltern steuern und auch die Form, meine ich.


    Lieber Martin Hamborg,


    vielen Dank für Ihre Antwort auf meinen letzten Eintrag. Meine Mutter konnte eher nicht erinnern, dass ich im Urlaub war. Den Aspekt, "ein Problem wegnehmen" und "was bekommt der andere statt dessen"; kenne ich und finde ich gut. Privat gehe ich da zwar nicht so bewusst ran, sondern eher komplett von innen heraus und finde mich dann in einem Prozess, der immer wieder durch Öffnung in verändertem Verhalten mündet. So habe ich z.B. die Sperrung der Nr. jetzt wieder gelöscht, um zu schauen, was passiert und wie es mir damit geht.

    Hallo blumenkind - und alle anderen,


    wieder eine Parallele... du warst 9 Tage nicht bei Deiner Mutter und überlegst, in Urlaub zu fahren - ich war exakt 9 Tage im "Kurzurlaub" und insgesamt jetzt fast 14 Tage nicht bei meiner Mutter. Ich hätte mir in keinster Weise ausgemalt, wie immens die Wirkung ist! Für meine Regeneration, mein wieder zu mir selbst kommen. Das, was mich am meisten stresst(e), ist das mehr oder weniger ständige Anrufen meiner Mutter. Mein Mann und ich gehen zwar nicht ans Telefon, aber wir fühl(t)en uns durch das teilweise Dauerschellen wie unter Psychoterror. Nach dem Urlaub zeigte die Anruferliste nur 2x meine Mutter. Ich war begeistert. Zu früh gefreut. Die genaue (technische) Überprüfung ergab, dass meine Mutter bis auf 2 Tag jeden Tag, meistens mehrmals, angerufen hat. Kurz bevor wir weggefahren sind, waren Freunde von uns zu Besuch. Auch an dem Abend Sturmläuten. Ich fragte meinen Freund, ob ich rangehen soll/muss (ohne eine "ernsthafte" Antwort zu erwarten). Heute haben mein Mann und ich entschieden, ihre Nummer sperren zu lassen. Sie hört jetzt ein Besetzzeichen, wenn sie unsere Nr. wählt. Weshalb schreibe ich das? Um mitzuteilen, wie sehr sich die Dimensionen verschieben können. Heute ging es nicht (mehr) um die Frage, ob es "ok." ist, nicht ans Telefon zu gehen. Heute weiß ich = ich FÜHLE, dass ich frei bin, das Telefon als Kommunikationskanal zuzulassen oder auch nicht. Übrigens egal für wen. Ich bestimme die Art und Häufigkeit der Kommunikation. Was für unterschiedliche (innere) Wirklichkeitswelten. Und wieder sind die Antworten nur im Inneren zu finden. Sind sie (noch) nicht da, suchen wir sie oft im Außen (und werden dann immer unruhiger und "ver-rückter" , da alles, was wir dort bekommen, nicht stimmig ist, das "Ja, aber-Spiel" beginnt, da die rein "kognitive Richtigkeit" für das Handeln unerheblich ist). Nun kann ich z.B. hier sitzen und schreiben, in "Sicherheit und (Selbst-) Schutz". Meine Mutter (auch wenn sie "nichts dafür kann") kann nun nicht mehr in mein Leben eindringen. So ist es mir möglich, ihr gegenüber (weiter und wieder) den Weg der Entspannung, Freude und Liebe zu gehen und riskiere nicht, ihr mit Vorwürfen und Wut zu begegnen.
    Und noch was anderes: In der aktuellen Zeitschrift "happinez" gibt es "Orakel-Karten". Wunderschöne künstlerische (archetypische) Bilder. Eines davon heißt "Blumenkind". Vielleicht holst Du Dir ja ein Exemplar - für Deinen Urlaub... :)


    Herzliche Grüße
    Mirabai

    Hallo Teuteburger, Markus und alle anderen,
    das Heim, in dem meine Mutter ist, liegt in Baden-Württemberg, allerdings im unmittelbaren Dreiländereck mit Rheinland-Pfalz und Hessen. Ich selbst wohne in Südhessen; knapp 50 km vom Heim entfernt. Auch das ist für mich "perfekt"; genau die für mich stimmige Entfernung, näher wollte ich meine Mutter nicht bei mir haben (lieber fahre ich öfter), und weiter wäre auch nix, dann wird's anstrengend. So bin ich dank der guten Anbindung in ner guten halben Stunde vor Ort.
    Markus, toi toi toi, hört sich für mich stimmig an. Und schau, dass Du bei Dir bleibst. Umgang mit Geschwistern ist - bei "aller Liebe" - smile - die weitere Herausforderung.

    Ergänzung:
    1. "Heim so spät wie möglich" mit der Einschränkung, dass dies nur im Kontext von Widerstand des Betreffenden gilt...
    2. Dann möchte ich eine "Lanze brechen" für "die Heime": Heim ist oft nicht (mehr) das, was wir im Kopf haben. Nach meinem Empfinden ist meine Mutter in dem besten Heim, das es geben kann (ist keine "Residenz" oder so, sondern "ganz normal" von der Caritas, allerdings Neubau, letztes Jahr eröffnet und kleines Haus, insgesamt nur 45 Bewohner); alles in Wohngruppenform, total schön = wohnlich eingerichtet, nur (recht große!) Einzelzimmer!!!, Garten, Konzept zur aktiven Beteiligung der Menschen, Projekte mit Kindergärten und Schulen, fast jeden Tag Aktivitäten durch Alltagsbegleiter als Angebot (nicht Zwang)!, keiner wird dort um 6.00 "aus dem Bett geschmissen", es wird geschaut, wer zu wem passt (und auch nicht), man kann ganz viel individuell absprechen usw. Das ist vielleicht alles ein Glücksfall. Fakt ist, dass die Leitung dort top ist. Danach würde ich schauen. Ist wie in allen Unternehmen: Der Fisch stinkt vom Kopf zuerst (oder eben auch nicht!). Und: die Kosten sind relativ hoch, aber das genau finde ich auch stimmig bei der hochwertigen Leistung (Spitzen-Essen kommt da z.B. auch noch hinzu...). Heißt: Geld sollte gedanklich keinerlei Rolle bei der Auswahl eines Heimes spielen (hat es bei mir auch null; ich würde dieses Heim jeder "privat geführten Residenz" vorziehen!!!).

    Hallo Markus,


    herzlich Willkommen hier. Was du geschrieben hast berührt und bestärkt mich gleichermaßen. Bestärken auch dahingehend, dass andere davon profitieren, wenn sie hier (nur) mitlesen. Toll, dass Du nun auch von Dir berichtet hast, was bei mir folgende Resonanz ausgelöst hat:
    Umzug in ein Heim: so spät wie möglich. Ich erlebe ja gerade die Eingewöhnungszeit bei meiner Mutter (übrigens auch PG 3, nachdem ich die Einstufung vorher online im Test gemacht und dann weitergeleitet habe), und die Eingewöhnung ist eine harte Zeit. Da sollte man sich als Tochter/Sohn Zeit und Raum nehmen, um einerseits vor Ort sein zu können und andererseits alles zu verdauen/verarbeiten. Wie aber auch schon jemand schrieb, ist der wesentlichste Gradmesser für den Zeitpunkt die Belastbarkeitsgrenze der sich Kümmernden, also Du und Deine Geschwister. Ich habe ja z.B. sehr kurzfristig nach einem der letzten Besuche bei meiner Mutter in ihrem alten Zuhause entschieden, dass JETZT was passieren muss. Ist eine Gefühlssache. Ich habe gemerkt, dass sie jetzt anfängt zu leiden UND dass ich es jetzt nicht mehr aushalte, sie "allein zu Hause" zu wissen. Dann Thema Heimplatz: Ich hatte innerhalb von nicht einmal 48 Stunden einen Heimplatz. Ohne Warteliste. Ein Freund und "Branchenkenner" sagte mir, einen Heimplatz zu finden ist Fleißarbeit. Ab ans Telefon. So war's auch. Gleichzeitig kann es natürlich nicht schaden, die Mutter schon mal auf Wartelisten setzen zu lassen. Allerdings stelle ich mir die rein rationale Entscheidung, welches Heim denn jetzt präventiv auswählen, sehr schwierig vor. Mein Weg war da ein anderer. Abschließend (für heute): Was pro Heim spricht: Unsere Mütter kommen wieder unter Leute. Die Auswirkungen von Isolation sind gewaltig. Aber auch das hört sich, nachdem was Du von Deiner Mutter berichtet hast, ja noch alles ziemlich gut an. Alles Gute für Dich/Euch und bis denne, Mirabai (auch noch mein Mitgefühl zum Tod Deines Vaters...)

    Ergänzung 4. Satz:


    Vor dem Besuchstermin nach der 2. Quarantäne (ich hatte "Schiss", ihr geht es schlecht, wir sind - wieder - in dem Musterverhalten Schuld usw.) habe ich eine enge Freundin angerufen und um einen "Tipp" gebeten. Ich fragte sie: "Was ist meine Aufgabe morgen?" Ihre Antwort: "Immer wieder Trennung herstellen. Deine Mutter ist umgezogen, nicht du. Es ist ihr Leid, nicht dein's."
    War total hilfreich. Habe es sofort an meinem warmen Bauchgefühl gemerkt. Die Richtigkeit dieser Sätze. Der Kopf mit seiner einseitigen "rationalen" Herangehensweise mag etwas anderes dazu denken.
    Also, das ist mein 4. Satz: Immer wieder Trennung herstellen. "Paradoxerweise" gelangen wir nur darüber in ein Bewusst-Sein der Liebe. Davon bin ich überzeugt. Nur über Trennung = immer wieder Rückkher in das eigene Sein - ist wahre Verbundenheit möglich...

    Hallo zusammen, hallo blumenkind,


    hier ist ja einiges passiert. Bei mir auch. Die letzten 2-3 Wochen waren für mich sehr schwer. Nachem die Quarantäne spitze lief (mein Mann und ich waren jeden Tag bei meiner Mutter), ging der Terror danach los. Der Umgang mit anderen Menschen ist das Hauptproblem, meine Mutter sieht überall "Verbrecher" bzw. lästert über jeden. Sie ist mit sozialen Alltagssituationen wie "guten Tag sagen" überfordert. Das ist für mich am schwierigsten auszuhalten. Diese Abwertung anderen gegenüber. Hat auch nix mit Demenz zu tun. Ist Teil ihrer Persönlichkeit. Dann musste sie noch mal in Qurantäne. Verdacht auf Corona. Sie hatte Geschmacksstörungen. Hat in ihrer Negativität über das Essen abgelästert "schmeckt alles gleich hier" (tja, hat es sich also irgendwie selbst eingebrockt...). War Gott sei Dank nix, aber... das hat sie echt reingerissen, geht dann ins Depressive. Hat nicht gegessen, war total durcheinander, dünne Stimme.... die PflegerInnen riefen mich mehrmals an, weil sie sie nicht beruhigen konnten. Ich finde es "krass interessant", dass sich die Insolation so massiv auswirkt. D.h., sie hat ein Bedürfnis nach anderen Menschen! Ich hatte einen kreativen Spontaneinfall: Als sie zum wiederholten Male über andere Menschen (z.B. auch Pfleger!, die sie 5 Minuten vorher noch toll fand) ablästerte (insbesondere geht sie auf dicke Menschen los, super abwertend...), sagte ich: Was ist das Neuerdings? So kenne ich dich gar nicht! Du warst doch immer ein netter Mensch". Das war genial. War für mich gut und für sie. Neue Verhaltensformen möglich. Sie erwiderte: "Ich ärger mich nur, weil die draußen rumlaufen dürfen und ich nicht." Ist das nicht genial??? Und ich setze (weiterhin) Grenzen. Ich kann es nicht ertragen, wenn meine Mutter so abwertend ist. Und ich sage ihr auch, dass ich das nicht hören will. Funktioniert ganz gut. Und da fällt mir wieder mal ein, dass auch meine Mutter ihrer Grenzen setzte, als diese ins Pflegeheim kam. (Familien-) Geschichte wiederholt sich?! Meine Oma war eine Despotin, alle mussten nach ihrer Pfeife tanzen. Als sie ins Heim kam, dachte ich als Enkelin: Entweder sie stirbt in Kürze (weil sie sich nicht einlassen kan), oder sie dreht sich um 180 Grad. Letzteres ist geschehen. Warum? Weil es zum ersten Mal Menschen gab, die unbeeindruckt waren von ihrem Widerstand. Und meiner Mutter ist Folgendes gelungen: Als sie wie jeden Tag ihre Mutter besuchte (und die wieder mal negativ drauf war), blieb meine Mutter im Zimmer stehen und sagte: "Oh, ich sehe, du bist schlecht gelaunt. Ich komme wieder, wenn das anders ist." Und dann ist meine Mutter wirklich gegangen. Was für ein Mut! Mit knapp über 50 musste sie dafür tatsächlich Mut aufbringen. Seit diesem Tag war meine Oma wie ausgewechselt: freundlich, liebevoll, dankbar, gütig. Hat ihren Frieden gemacht. Als meine Mutter und die Pfleger mich diese Woche zum wiederholten Male anriefen, war ich gerade nervlich durch. Konnte, wollte dies auch nicht wirklich verbergen. Meine Mutter entschuldigte sich quasi und sagte so was wie: "Mirabai", ich weiß dass ich an mir arbeiten muss." Oh Mann, jetzt ist der 4 Tag in Folge ohne Anrufe. Ich fahr auch lieber jeden Tag hin als dieser Telefonterror. Das halte ich nicht aus. Damit komme ich zu meiner Ergänzung, blumenkind: Ja, es gibt ein Recht auf Verwahrlosung. Und gleichzeitig lebt keiner auf einer Insel. Alle Bedürfnisse gelten und sind gleichwürdig. Mein Mann, meine Mutter oder wer auch immer dürfen entscheiden, nicht zu essen, sich in riskante Situationen bringen usw. Und ich darf entscheiden, dass ich da nicht bei zugucken kann und werde! Und das könnte konkret bedeuten, die Mutter in einem Heim unterzubringen. Kann sein, dass sich deine Mutter nicht eingewöhnen wird. Es ist aber die Entscheidung deiner Mutter. Es ist ihr Leben. Es ist ihre Chance! Es geht darum, sich selbst diese Entscheidung zu verzeihen. Du hast aus Liebe gehandelt. Gleichzeitig hat jede Entscheidung Konsequenzen, die wir vorher nicht kennen können. Aus Angst, Feigheit und Bequemlichkeit treffen viele Leute keine Entscheidung. Du warst mutig. Verzeih dir. Such einen Weg, wie dir das gelingen kann (mit therapeutischer Unterstützung?). Meine Sätze jetzt für uns Töchter:
    Ich kann nur aus der Fülle heraus geben (bedeutet, immer wieder, jeden Tag auf neue, nach dem eigenen Akku zu schauen und den Tank befüllen).
    Wenn ich es gerade nicht aushalte (Akku leer und keine Idee, Kraft zum Befüllen), diese Grenze akzeptieren!!! Ich hatte letzte Woche kleinen Nervenzusammenbruch (die normalen Maßnahmen wie Sprechen, Meditieren, Tarot und in die Natur gehen haben nicht funktioniert bzw. ich hatte null Kraft dafür, das ist schon krass, gibt es bislang so gut wie keine vergleichbare Situation!). Da nix ging, bin ich ins Bett. Habe geheult wie ein Schloßhund und bin vor Erschöpfung eingeschlafen, allerdings mit der mentalen Erkenntnis, dass wenn nix geht, eines immer geht: Hingabe! Sich dem Schmerz, der Erschöpfung hingeben. So kann es gehen. Hingabe löst den Kampf, den Widerstand auf. Ist ein wahrer Transformator!!! So war es dieses Mal und ich habe noch 2 Lebenssituationen, wo es so war. In dieser Situation übrigens geschah Folgendes: Mein Bruder hatte sich exakt zu dem Zeitpunkt gemeldet!!! Wahnsinn. Ja, damit betreten wir weitere Sphären: Spirutuelle. Energetische Verbundenheit. Liebe.
    3. Satz: Das Leben ist manchmal ein Arschloch.
    Buchtipp hinsichtlich Verbundenheit/Bewusstsein/Handlung: Otto C. Scharmer. Theorie U. In diesem Sinn, alles alles Liebe und bis bald, Mirabai

    Liebes Blumenkind,


    ich bin baff! Ist ja der Hammer, die letzte Entwicklung bei Dir!!! Jetzt ist Deine Mutter, fast zeitgleich mit meiner, in einem Heim. Irre.... du hast so unterhaltsam davon berichtet, die Zugfahrt, oh Mann, ich kann mir lebhaft vorstellen, was da los war! Das sind echt Lebenssituationen, die uns extremst!!! herausfordern, aber auch berühren und beglücken. Der Satz Deiner Mutter abends auf dem Sofa, dass es ein schöner Tag war! Genial... unsere Mütter im Oberbefehlsgehabe... meine Mutter hat einen Pfleger auch schon an den Rand der "Verzweiflung" gebracht, so dass der dann mich angerufen hat, weil seine Strategien der Beruhigung in zwei Situationen nicht zum Erfolg führten. Ich konnte ja während der Quarantäne eng mit meiner Mutter sein, sie täglich im Zimmer besuchen. Dafür ist jetzt quasi nix (Besuche sind eng reglementiert), was ich wiederum wegen des Eingewöhnens total richtig finde. Meine Mutter hat auch noch kein Telefon. D.h., sie ist jetzt auch sich selbst gestellt. Das ist wieder mal nicht so leicht auszuhalten, aber mit der Aktivierung der "inneren erwachsenen Frau" und nicht "kleines Kind als Tochter" geht das ziemlich gut, muss ich sagen. Immer, wenn ich an ein schwieriges Gefühl komme (= inneres Kind, Schuld etc.), setze ich einen energetischen Anker, aktiviere einen Seins-Zustand von Liebe und verbinde mich innerlich mit meiner Mutter (ergänzend spreche ich innerlich "Anker-Atem-Sätze" wie "ich bin in vollkommener Liebe verbunden und vertraue"). Ein "Ritual-Altar" hilft auch (bei mir ist der bestückt mit einem tollen Foto von meiner Mutter und mir, täglich eine frische Blume, Kerze, Schutzengel-Figur, Herz als Schmuckstück und ein Buddha). Und: Beruhigungsmittel sind auf jeden Fall eine wichtige Unterstützung auf der konkreten psych.-phys. Ebene. Das habe ich noch bei ihrem bisherigen Hausarzt veranlasst, dass der ihr was verschreibt für die Zeit während der Quarantäne. Und ich habe ihr vor unserer "Überfahrt" (mein Mann und ich habens mit zwei Pkws "vollzogen") :) einen "guten Schuss verpasst". das war entlastend für sie und für uns. Das sind Tropfen: Promethazin-neuraxpharm.
    Alles Liebe und übrigens finde ich es super, dass Du was für Dich machst (Stichwort Freundinnen) und auch Deine Söhne einbindest. Vollkommen richtig und dadurch ermöglicht man anderen, dass sie teilhaben können. So wird Win-Win geboren :) durch "Hingabe und Öffnung" verlassen wir das Denken, wir seien allein und müssten alles alleine stemmen. Das ist nicht nur in sich falsch, sondern auch noch größenwahnsinnig. Reicht ja, wenn unsere Mütter ein wenig dem Wahn unterliegen :)
    Bis bald, Mirabai

    Hallo Blumenkind,


    ich habe gerade einen langen Text aus Versehen gelöscht...
    dann schreibe ich jetzt nur die Essenz: ich fühle die Richtigkeit Deiner Vorgehensweise!!!
    Und: Meine Mutter ist seit 5 Tagen in einem Heim in meiner Nähe! Hammer, wie das gelaufen ist. Ich bin nur happy, dankbar und kann es noch gar nicht glauben. Es tut nur gut. Meine Mutter blüht auf. Sie wird rundherum versorgt. Gestern durfte ich sie duschen. Ich sie. Die immer alles alleine machen wollte, musste. Von niemandem Hilfe annehmen konnte. Gleich fahre ich wieder zu ihr. Freue mich jetzt schon wie Bolle, ihr mein Mitbringsel zu überreichen: Neue Shirts. Ich war gestern für sie shoppen. Mann war das schön. So wie sie es früher für mich gemacht hat. Ich wünsche Dir weiterhin gutes Durchhalten. Sei stolz auf Dich, dass Du Deine Mutter (so) sein lassen kannst. Es ist der richtige Weg!
    Alles Liebe, Mirabai

    Danke Hanne!
    Das mache ich auch gerade. Gibt total Kraft und Ausrichtung!!! Ich bin entschieden. Und es tut total gut, mit den Beteiligten wie Ärzte, KV etc. "von Mensch zu Mensch" zusprechen. Die meisten wollen einen ja unterstützen, wenn man entsprechend auftritt. Und ich mache mir bewusst, dass ich niemanden von etwas "überzeugen" muss; meinen Bruder nicht, meine Mutter nicht. Ich gehe meinen Weg, der mir nur sehr klar und deswegen "einfach" vorkommt und mache Angebote. Nicht mehr und nicht weniger. Und der Weg heißt: Heimunterbringung

    Lieber Herr Hamborg,


    haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre Bezugnahme und Ihr Feedback - damit habe ich gar nicht gerechnet!


    Ihre Worte haben mir sehr gut getan und stärken mich auf meinem Weg, mit meiner Haltung!


    Ihre Mirabai

    Ich habe noch folgende Ergänzungen/Fragen zur eigenen Reflexion:


    - Wie hilft man Menschen, die sich nicht helfen lassen wollen?


    - Wie will ich als Erwachsene Kind meiner Mutter sein?


    - Wie selbstbewusst kann/will ich meiner Mutter gegenüber auftreten?


    Meine Einstellung hinsichtlich Quarantäne hat sich durch einen Austausch und weitere Reflexion dahingehend verändert, dass ich nun frage: Wie können die 14 Tage gestaltet werden? Es geht "nur" um 14 Tage. In Heimen arbeiten Profis und gemeinsam sollte es möglich sein, diese schwierige Situation "zu stemmen". Schlußendlich kann man einfach nicht wissen, wie eine andere Person, auch wenn es die eigene Mutter ist, damit zurechtkommt. Neue Situation, neue Menschen, neue Chancen.

    Hallo Blumenkind,


    Dein Text spricht mir aus der Seele, der Titel allein hat mich sofort veranlasst, mir Deinen Beitrag durchzulesen. Auf diesen bin ich gestern gestoßen, nachdem ich im Internet auf der Suche nach Unterstüzung für meine Situation war. Und siehe da: Ich wurde direkt fündig. Ich finde es (wieder einmal) extrem erstaunlich und freue mich einfach nur, wie entlastend es ist, wenn man das Gefühl hat, da ergeht es einem anderen ähnlich wie einem selbst!
    Beim Beschreiben der Situation Deiner Mutter und ihrer Persönlichkeit sowie wie es Dir geht mit all den Fragen habe ich echt gedacht, habe ich das geschrieben - oder mein Bruder -? Ja, da unterscheidet sich meine Situation: Ich habe noch einen Bruder, aber der würde nicht so viel persönlich von sich berichten, der macht alles mit sich alleine aus; was möglicherweise eine Kehrseite in einer Geschwisterkonstellation ist. Er lebt in Bayern wie Du, ich in Südhessen und unsere Mutter auch in NRW. Sie ist 78, hat ihr Leben lang höchst selbstbestimmt und faktisch allein gelebt. Sie meint ebenfalls, dass sie keine Hilfe braucht. Ihr Alltag ist nicht so "safe" mit Hilfen geregelt wie bei Dir. Mein Bruder hat 2x die Woche Haushaltshilfe über die Caritas beauftragt, meine Mutter lässt die aber mehr oder weniger nicht oder nur spärlich zu. Für mich ist wichtig zu wissen, dass die einen Schlüssel haben (was meine Mutter allerdings schon in erhebliche Aufruhr gesetzt hat, weil dann jemand einfach so im Hausflur stand...) und sie somit ein Stückweit unter Beobaachtung ist. Außerdem ist jemand mit drin in der Verantwortung. Meine Mutter vergisst zum Teil zu essen, ist untergewichtig. Gleichzeitig erlebe ich eine Stabilisierung in den letzten drei Wochen, da sich unsere Beziehung gefestigt hat. Für mich war und ist am schwierigsten, aus der Ferne die Situation zu beurteilen. So hatte ich sie vor einiger Zeit Samstagsmorgens am Telefon, und sie klang so "neben sich", dass ich aus dem direkten Gefühl sofort bei der Frage war, muss ich mich umgehend ins Auto setzen? Ist die Situation verantwortbar? Ich habe "mich dann mit der Frage auseinandergenommen", wo die Instanz der Entscheidung ist. Wo finde ich die? Wenn ich die Nachbarn fragen würde, ob die Sitaution noch zu verantworten ist, was würden die sagen, was würde die Caritas sagen (die hätten "natürlich" eine ausschließlich medizinisch/pflegerische Sicht/Begründung) usw. Diese "zufällig gefundene" Herangehensweise war für mich eine absolute Offenbarung!!! Ich muss dazu sagen, dass ich mit meinem Mann gemeinsam in dieser inneren Auseinandersetzung/Wegfindung gelandet bin. Gleichzeitig gehe ich für mich jetzt in vielen Situationen so vor: Ich nehme mich mit meinen Gedanken und Gefühlen aus-einander. Bringe alles hervor und nach außen, so wie Du es auch getan hast. Dadurch findet Klärung statt, ich finde tief in mir meine "wahren Antworten". Da hilft mir sicher auch meine jahrelange Meditationspraxis. Antworten im Außen, solche, die wirklich Antworten sind, gibt es m.E. nicht. Sie sind nur im Inneren zu finden und ich spüre es in einer großen Klarheit und Eindeutigkeit, wenn ich wieder mal "das Wahre" gefunden habe. So fand ich in der oben beschriebenen Situation Folgendes: Ich würde jetzt nur deswegen hochfahren, weil ich es nicht mehr aushalte. Um die Situation ein stückweit objektiv beurteilen zu können, ziehe ich andere Menschen hinzu. Ich habe mich auch therapeutisch unterstützen lassen. Das war wegweisend! Hier einige daraus resultierende Sätze/Ergebnisse: Meine Mutter hat ihr Leben lang selbstbestimmt gelebt. Sie wird auch selbstbestimmt sterben. Ich ermögliche ihr weiterhin, selbstbestimmt zu leben, indem ich sie nicht "in ein Heim stecke" (weil ich es nicht mehr aushalte). Durch die Therapie, in der ich übrigens die Beziehung zu meiner Mutter geklärt/geheilt habe, weiß ich, dass ich mit Gewissheit sagen kann: Die Grundlage all meiner Entscheidungen ist Liebe. Ich agiere nicht aus Angst, Feigheit oder Bequemlichkeit. So habe ich z.B. auch die Fragestellung durch, ob meine Mutter für andere eine Gefahr darstellt (sie ist immer noch Auto gefahren, reagiert teilweise - aus Angst - sehr aggressiv; aber eben nur verbal...). Ich weiche keinem Gefühl aus, halte Gefühle aber eben auch nicht für die Wirklichkeit. Eher ist es so: Sie führen mich zur Wirklichkeit. Dazu muss ich sie durchleben. Und das ist eine wahnsinnig anspruchsvolle, anstregende Arbeit! Alle Energie geht zum Teil in diese Arbeit. Aber das Ergebnis ist diese Anstrengung alles mal wert: Klarheit entsteht. Ein Gefühl von wirklich Erwachsen-Sein und innerer Stärke.
    Liebes Blumenkind, zum Schluss vielleicht noch Folgendes: Vor Jahren hörte ich den Satz eines Arztes, der vom Sohn eines fast 90-jährigen Mannes verzweifelt aufgesucht wurde, weil der Vater nicht mehr aß. Der Arzt sagte: Hat ein 90-jähriger nicht das Recht, das Essen zu verweigern? Ich finde: Ja! Ich wünsche Dir Mut und die Kraft der Liebe, Deiner Mutter ihren Weg zu lassen und gleichzeitig Mut und Liebe für Dich zu schauen, was Du jetzt, heute, grundsätzlich brauchst! Es sind oft Minisachen, die die (eigene) Welt verändern. Ich umarme Dich (unbekannterweise). In Verbundenheit, Mirabai
    PS. Durch Corona erlebe ich gerade öfter Verbundenheit mit fremden Menschen. Apropos Corona: Qurantäne geht gar nicht, finde ich (könnte ich bei meiner Mutter niemals zulassen; geht nur für Menschen, die diese Ebene nicht mehr wirklich realisieren, glaube ich).