Beiträge von Manutini

    Hallo Sunflower82,

    ich möchte Hanne63 in allen Punkten zustimmen. Auch meine Mutter hat keinerlei Hilfsangebote angenommen, auch ich bin Einzelkind, zudem bin ich verwitwet und Vollzeit berufstätig. Verantwortung abzugeben war die beste Entscheidung die ich getroffen habe, und trotzdem habe ich selbst Federn gelassen. Mir hat die Beratung des SPD, Fachbereich Geriatrie geholfen. Und auch ich musste es sehenden Auges zu Notfällen kommen lassen. Wenn ihre Mutter keine Hilfe will, holen Sie für sich Hilfe. Wenn es innerhalb der Familie und im Freundeskreis nicht geht, dann außerhalb bei Pflegeberatung, SpD, Angehörigengruppen etc. Und tun sie selbst etwas Gutes, Sport gehört dazu….


    Liebe Grüße

    Manu

    Hallo SpreeStrom,

    ich finde unter bmjv.de die Broschüre zum Betreuungsrecht ganz hilfreich, um zu verstehen, was über die Vorsorgevollmacht abgedeckt wird, und was strittig ist. Ich gehe davon aus, dass sich kein Notar der Gefahr aussetzt etwas zu beurkunden, wenn eine mögliche Geschäftsunfähigkeit im Raum steht, z. B. die Demenz in einem fortgeschrittenen Stadium bereits diagnostiziert ist. Berufsbetreuer müssen z.B. vor Immobiliengeschäften die Zustimmung des Betreuungsgerichts einholen, wenn ein Verkauf von Immobilien umgesetzt werden soll - was bei fehlender Notwendigkeit auch verweigert werden könnte.

    Viele Grüße

    Hallo Rosina,

    auch ich bin keine Anwältin, aber es scheint, als ob das Erbe noch nicht geregelt ist. Wäre nämlich dem Nachlassgericht ein Testament zugegangen - entweder da es hinterlegt war oder eingereicht wurde - wäre es bereits allen potentiellen Erbberechtigten eröffnet worden. Das alles geht weitgehend ohne persönlichen Kontakt. Das Testament bzw. den Erbschein braucht man, um bei Immobilien irgend etwas machen zu können. Für alles andere hatte Deine Mutter wahrscheinlich Vollmachten, die über den Tod hinausgingen. Die zweite Frage ist, welche Vollmachten Du hast und ob Du Betreuerin Deiner Mutter bist? Damit könntest Du vielleicht schon einmal kostensenkende Maßnahmen umsetzten - warum denn für das nicht bewohnte Haus den vollen Stromabschlag oder Telefon zahlen? Kann das Konto auf eine kostengünstigere Variante umgestellt werden? Und mit entsprechender Vollmacht könnte man über eine Vermietung nachdenken, auch über die rechtlichen Voraussetzungen für einen Verkauf sollte man sich beraten lassen. Dreh- und Angelpunkt ist, ob Du glaubst, dass Deine Mutter irgendwann wieder in ihr Haus zurückkehren kann. Dann sollte auch geprüft werden, ob alle möglichen Zuschüsse für Deine Mutter bereits beantragt wurden, von den Zuzahlungen zu Medikamenten ist z.B. auch eine Befreiung durch die Krankenkasse möglich. Vielleicht kann der örtliche Pflegestützpunkt beraten? Da der Unterhalt von Angehörigen, wie von Hanne bereits beschrieben wurde, nur unter bestimmten Voraussetzungen eintritt ist ggfs. auch das Sozialamt im Boot, das aber natürlich verlangen kann, das vorhandenes Vermögen - wie auch immer - verwertet wird. Und 2021 soll es noch eine gesetzliche Reform bzgl. Zuzahlungen bei Heimunterbringungen geben

    Hallo MaCaKa,

    nachdem ich 1,5 Jahre versucht habe meine Mutter zu unterstützen, die jedoch jede Hilfe - und auch mich - ablehnte, habe ich in Absprache mit dem Sozialpsych. Dienst des Kreises entschieden die Betreuung für meine Mutter anzuregen. Die Betreuung selbst zu übernehmen habe ich abgelehnt - da ich ja absolut nichts erreicht habe, außer mich selbst in eine Überlastungssituation hineinzumanövrieren. Bei der Auswahl der Berufsbetreuerin hat die Betreuungsstelle die individuelle Situation berücksichtigt und die Betreuerin sehr gut gewählt. Da sie sehr erfahren ist, konnte in der darauf folgende Krisensituation (meine Mutter ist in nicht adäquater Kleidung im Winter orientierungslos von der Polizei gefunden worden) schnell und professionell reagiert werden. Inzwischen wohnt meine Mutter - unfreiwillig - in einer Hausgemeinschaft und wird gut versorgt. Die Betreuerin spricht zwar nicht alles mit mir ab - ich habe mich aber im Rahmen der Selbstfürsorge entschieden auch mal loszulassen. Natürlich kostet das Geld, aber das Geld meiner Mutter wird ja immer noch für sie und ihr Wohlergehen ausgegeben, damit ist es für mich vollkommen o.k.

    So schnell ändert sich alles. Meine Mutter wurde bereits Samstagabend vom Krankenhaus in die Psychiatrie verlegt. Keiner wusste warum und die Betreuerin und ich wurden auch nicht informiert. Es wurden noch nicht einmal die Kontaktdaten an die Psychatrie weitergeleitet...:/. Auch hier sind keine Besuche möglich, allerdings fragt sie noch nicht einmal nach mir. Lt. Pfleger ist sie nett und freundlich, meint nur regelmäßig, dass sie jetzt ja zur Arbeit gehen zu müsse. Die Demenz wäre nur auf dem 2.Blick erkennbar, da sie es noch immer schafft für eine sehr kurze Zeit die Fassade aufrechtzuerhalten. Es hört sich jetzt vielleicht blöd an, ich fühle mich aber wie im Urlaub....

    Liebe Hanne63,

    Vielen Dank für Ihre Zeilen. Ja, das neue Jahr hat schon mit einem Paukenschlag begonnen und ich hoffe dass es besser wird als der Start. Auch Ihnen wünsche ich ein gutes neues Jahr. Das mit dem Krankenhausaufenthalt während Corona ist ein komisches Gefühl - man ist als Angehörige quasi zur Untätigkeit gezwungen. Mich macht es komischerweise im Moment ruhig - ich kann nur darauf vertrauen, dass sie in der Geriatrie wissen was sie tun. Nachher werde ich mal anrufen - ich hoffe nur, dass nicht die Ärztin mit den gravierenden Problemen mit der deutschen Sprache am Telefon ist. Das würde mein Vertrauen doch wieder ein wenig erschüttern....

    Hallo, und hier mal wieder ein Update.

    Die gesetzliche Betreuung meiner Mutter ist jetzt seit einigen Wochen aktiv. Schnell wurde Essen auf Rädern bestellt - und wieder abbestellt, da sie es nicht angerührt hat. Danach hat sie die gewohnten Fertiggerichte allerdings auch nicht mehr gegessen. Aber Süßes in jeglicher Form funktionierte noch.... und heute dann der Supergau.

    Der ‚Freund‘ hatte sie gestern Nachmittag abgeholt, aber nicht nach Hause gebracht, und heute die Befürchtung, dass sie entweder irgendwo erfroren im Freien liegt oder Tod in der Wohnung. Er hat heute genau einmal gegen Mittag versucht mich anzurufen (da war ich wie jeden Tag auf dem Weg zu meiner Mutter), war danach selbst nicht erreichbar (O-Ton: ich gehe nur abends ans Telefon) und hat die Polizei zwecks Türöffnung bestellt. Die standen dann mit Feuerwehr und Rettungswagen vor der Wohnung und hatten aber glücklicherweise die Betreuerin und mich erreicht. Ich konnte die Türöffnung abwenden, da ich ja eine halbe Stunde vorher geschaut habe, ob sie zuhause ist. Eine weitere halbe Stunde später wurde sie in einem anderen Stadtteil gefunden. Lt. Polizei wohlauf, aber unterkühlt. Ich glaube nicht, dass sie seit gestern unterwegs war, sonst wären die Folgen sicher gravierender. Jetzt ist sie im Krankenhaus und wird durchgecheckt, da wir (die Betreuerin und ich) uns nicht vorstellen konnten, dass sie ohne umfangreiche Untersuchung sofort wieder in ihre Wohnung zurückkehrt um dort selbständig zu leben. Am Montag soll eine geriatrische Einschätzung erfolgen. Vielleicht geht es von dort in die Kurzzeitpflege. Sehen konnte ich meine Mutter heute nicht, wegen Corona ist natürlich strenges Besuchsverbot und das befeuert mein schlechtes Gewissen, da sie sicher große Angst hat. Auch das Telefongespräch mit der Ärztin war ehr schockierend, da sie sehr schlecht Deutsch sprach und die Namen der drei - durchaus gängigen - Medikamente (Blutdruck/Wasser) mehrfach nicht verstanden hatte. Über die Betreuerin habe ich die Medikation dann schriftlich weitergegeben. Aber es ist, wie es ist.....

    Dem ‚Freund‘ konnte ich heute wenigstens in aller Deutlichkeit sagen, was ich von ihm halte - und hierdurch lang aufgestaute Aggressionen - ziemlich laut - los werden. Ich kann zwar seine Besorgnis und Überforderung verstehen, wäre meine Mutter aber auf seine Hilfe angewiesen gewesen (sie waren mehr als 10 Jahre zusammen), wäre sie schon lange verhungert und verdurstet. Er hat ja sogar Verpflegungsgeld und Fahrgeld von ihr genommen, wenn sie kurz bei ihm war, oder er sie mal die 10 km gefahren hat. Dann habe ich in rausgeschmissen.

    Hallo Hanne63,
    Vielen Dank für Dein Mut machen. Ich hoffe dass bei uns genau das Gleiche eintritt und das Wort eines Dritten mehr zählt als das der Tochter, damit es endlich Fortschritte beim Installieren von Hilfen gibt. Und falls nicht, muss ich mir nicht vorwerfen, dass ich es nicht versucht habe. Der Vorteil bei einem Fremden ist aus meiner Sicht tatsächlich, dass dieser nicht emotional eingebunden ist. Außerdem wird meine Mutter Fremden gegenüber grundsätzlich anders reagieren - da die nette Fassade aufrechterhalten wird. Jetzt muss ich abwarten, bis der Beschluss ergangen ist und die Betreuerin starten kann. Bin schon ganz ungeduldig...

    Update
    Heute war der Termin im Amtsgericht und eine Betreuung für meine Mutter wurde eingerichtet. Das nervenärztliche Gutachten ließ auch nichts anderes zu. Mich hat das emotional sehr mitgenommen, meine Mutter hat gegenüber der Richterin und der Betreuerin die Fassade der netten alten Dame gewahrt. Gemeckert wurde hinterher. Hoffentlich ändert sich jetzt etwas - nur ein bisschen wäre schon schön..

    Hallo Silja, lebt Deine Mutter allein und wie weit ist die Demenz bereits fortgeschritten? Ich befürchte bei einer fortgeschrittenen Demenz wird Deine Mutter nicht mehr wissen, was die Trinkuhr soll - wenn sie piept und nervt wird sie diese - wenn sie es schafft - höchstens ausschalten. Ich habe meiner Mutter eine Demenzuhr gekauft, außer der Uhrzeit (digital) wird noch der Wochentag, die Tageszeit (vormittags, nachmittags, nachts) und das Datum angezeigt. Ich habe gehofft, dass sie dadurch nicht nachmittags um 3 ins Bett geht um im Sommer um 21 Uhr wieder aufzustehen um aus dem Haus zu gehen. Oder, dass sie am Sonntag nicht zu Bank gehen kann. Das hätte ich mir tatsächlich sparen können, sie nimmt das was da steht garnicht mehr wahr. Bei leichten Einschränkungen könnte man es mit einer Trinkuhr (vielleicht auf dem Handy?) ausprobieren...

    Ich möchte heute über den aktuellen Stand berichten. Wie zu erwarten war, war meine Mutter nicht bereit für das Gutachten mit der Dame von der Betreuungsstelle zu sprechen. Obwohl meine Mutter mit mir nicht über das Verfahren spricht, erwähnte sie heute, dass man ihr etwas Schlechtes antun will und hinterhältig etwas in Gang gesetzt wurde. Dazu habe ich nichts gesagt, aber das schlechte Gewissen meldete sich sogleich. Der Gutachterin habe ich informiert, dass ich mir zu einem späteren Zeitpunkt die Übernahme der Betreuung denken könnte - wenn ich mich wieder besser fühle. Meine Hoffnungen bzgl. der Betreuung durch einen Berufsbetreuer sind eigentlich nur, dass eine externe Person mit den entsprechenden Berechtigungen es vielleicht schafft, die Hilfen zu installieren, die den Wunsch meiner Mutter noch allein in ihrem Zuhause zu leben sicherstellen.. Und wenn sich die externe Person vielleicht ihren Unmut zuzieht, läuft der Konflikt nicht über mich, und ich kann ihr hoffentlich trotzdem noch etwas Gutes tun. Im Krimi wäre es guter Bulle/ schlechter Bulle :-). Wenn der externe Betreuer auch nicht weiter kommt - ist das dann so. Dies kann ich dann auch wahrscheinlich besser akzeptieren, und ich fühle mich in der Verantwortung nicht so allein gelassen. Schade finde ich nur, dass ich den Weg über das Betreuungsverfahren gehen musste, und habe noch Angst vor den Konflikten, die das weitere Verfahren birgt.

    Vielen lieben Dank für die Antworten auf meinen Beitrag, ich habe mich etwas zurückgehalten, da es mir nicht wirklich gut geht. Ich bin auch immer noch krankgeschrieben, erhole mich aber irgendwie nicht so wirklich. Eigentlich sollte es mir nach ein wenig mehr als einem Jahr in der Betreuung nicht so gehen - aber wahrscheinlich habe ich immer noch die Zeit der Erkrankung und den Tod meines Ehemanns in den Knochen, die mit einigen traumatischen Erfahrungen, verbunden sind und mit dem Gefühl der totalen Hilflosigkeit einhergehen. Und diese Hilflosigkeit wiederholt sich im Zusammenhang mit meiner Mutter. Heute sollte bei ihr der Termin mit der Betreuungsstelle stattfinden. Hat aber nicht geklappt, da sie unbedingt irgendwohin musste. 20 Minuten später war sie wieder zuhause. Ich habe dann länger mit der Gutachterin gesprochen, die mir nochmal deutlich machte, dass sich die grundlegende Situation durch die Bestellung eines Betreuers in Verbindung mit der fehlenden Bereitschaft meiner Mutter Hilfe anzunehmen nicht verändern würde. Sie empfahl mir deshalb die Betreuung selbst zu übernehmen. Macht das Sinn und wie kann man das aushalten?

    So, nun hat sich vorletzten Sonntag tatsächlich etwas ereignet, was man unter Selbstgefährdung einordnen könnte. Und es hat sich dadurch nichts an der Situation geändert. Meine Mutter ist 35 km von ihrem Zuhause entfernt gestürzt und in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht worden. Es waren über 30 Grad, sie hatte zwei Pullover und eine Jacke an, es ist ein Rätsel, wie sie dorthin gekommen ist. Die Notfallkontaktdaten hatte sie nicht mehr in der Geldbörse. Das Krankenhaus informierte meine Nachbarn, die mir Bescheid sagten, dass meine Mutter im Krankenhaus ist - leider ohne Angabe der richtigen Stadt, sodass ich erst in den örtlichen Krankenhäusern, beim Rettungsdienst und über die Polizei ihren Aufenthalt ermitteln musste. In der Notaufnahme wurde sie mir dann übergeben mit dem Hinweis, dass ich die Pflege organisieren solle. Ja klasse - aber wie? Am Folgetag hatte ich mir freigenommen um zum Arzt zu gehen, da ist sie mir vorher weggelaufen. Der Hausarzt ist informiert, wenn sie nicht in die Sprechstunde kommt, rührt sich von dieser Seite nichts. Danach habe ich die über den spD die Betreuung anregen lassen, was noch einige Wochen dauern wird. Alles, was ich im Moment für sie regeln möchte (einkaufen, Handwerker organisieren für dringende Reparaturen) wird boykottiert. Ihr Feind bin ich. Die Situation hat mich dann letztes Wochenende umgehauen, Heulerei, Trauer um meinen verstorbenen Mann, Schlafstörungen und Kreislaufzusammenbruch. Ich bin jetzt zwei Tage nicht hingegangen, dadurch geht es mir besser - bin aber weiter hilf- und ratlos.

    Vielen Dank für die Antworten, manchmal hilft ja schon ein Austausch, auch wenn er nur die eigenen Einschätzungen und Befürchtungen bestätigt. Es ist verblüffend, dass Menschen, die die Situation nicht selbst erfahren nicht glauben, dass demente Menschen so einen starken Willen haben um sich stetig jedem Hilfsangebot zu verweigern - und dabei nicht unbedingt nett sind. Einmal habe ich den Rat erhalten doch den Film Honig im Kopf anzusehen, um richtig mit meiner Mutter umgehen zu können. Aber jetzt wieder zur Realität: Der sozialpsychiatrische Dienst wird sie morgen erneut besuchen um ihr wieder Unterstützungsangebote vorzustellen. Wahrscheinlich wird er und später auch ich aus der Wohnung geworfen - ein Versuch ist es aber wert. Auch ihren Hausarzt informiere ich über die aktuelle Situation, damit er beim nächsten Termin die Medikamente überprüft. Die Pflegeberatung nach §37 steht auch noch aus. Was mich angeht, eine geplante Reha bei mir musste ich zwar absagen - im Moment geht es aber.

    Das mit anderen ins Boot holen ist ja das Problem denn
    - der Freund will sie loswerden
    - Ärzten vertraut sie nicht mehr. Sie ist 20 Jahr chronisch krank und kein Arzt konnte die Erkrankungen heilen, den Neurologen kannte sie auch schon 20 Jahre oder länger
    - Eine Nachbarin wird 100, eine andere Nachbarin ruft zwar an, z.B. damit ich verhindere, dass sie im Treppenhaus hoch und runter geht - da die Nachbarin dadurch beunruhigt ist. Ich solle meiner Mutter Tabletten dagegen geben.
    - Andere Nachbarn sind nur sporadisch im Haus
    - Tagespflege - nur geknebelt und gefesselt
    - Ich darf ihre Wohnung nur in ihrer Anwesenheit betreten, habe aber heimlich einen Zweitschlüssel
    - Fremde kommen ihr nicht in die Wohnung
    - Meine Tante und mein Onkel sind 80+ und haben scheinbar Angst vor meiner Mutter, und telefonieren manchmal mit ihr
    - Ihre jüngeren Freunde sind informiert, außerdem hab ich sie gebeten sich einzubringen, damit meine Mutter nicht sozial vereinsamt , manchmal rufen sie meine Mutter tatsächlich an.
    Der sozialpsych. Dienst würde die Betreuung anregen, damit ich aus der Schusslinie bin. Tendenz ist deshalb auch einen Berufsbetreuer zu wählen. Scheinbar bin ich als einzige übrig, die bereit ist etwas für sie zu tun. Würde sie mich als Verursacherin für die Betreuung (noch mehr) ablehnen, wäre da niemand mehr. Wir haben aber aufgrund der Corona-Pandemie erstmal darauf verzichtet. Aber auch ein Betreuer kann doch nicht einfach so gegen ihren Willen entscheiden, das sie nicht mehr allein leben kann, oder? Den Pflegedienst muss sie auch nicht reinlassen, oder sie ist zufällig nicht da. Essen auf Räder muss sie ja auch nicht zwingend essen. Ich bin wirklich ratlos...

    Meine Mutter war immer eine starke, fast dominante Persönlichkeit und dabei sehr kontaktfreudig und kommunikativ. Sie lebt allein und ist dement und aufgrund ihres Verhaltens wurde Alzheimer-Demenz diagnostiziert. Sie veränderte sich extrem, nach ihrer zweiten schweren Wirbelsäulen-OP. Von ihrer Persönlichkeit ist eigentlich nur das negative geblieben, Dominanz und Ablehnung, sowie eine Fixierung auf Männer, hier ihr langjähriger Freund, der sie jetzt immer wieder wegschickt, anschreit und sogar beschimpft. Sie vergisst das aber bis zum nächsten Tag. 2018/2019 konnte ich mich als Tochter nicht wirklich um sie kümmern - zum einen da sie sich ja schnell bevormundet fühlt und ihr ihr Freund wichtiger ist,, zum anderen da bei meinem Mann Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde und er innerhalb von 10 Monaten verstarb. Quasi seit seinem Tod versuche ich die Lebenssituation meiner Mutter zu verbessern. Die Diagnose wurde gestellt, im Gespräch mit dem Neurologen stand sie auf und ging. Das von ihm verschriebene Medikament will sie nicht nehmen. Die Pflegestufe wurde beantragt und bewilligt, sie lehnt aber jegliche Hilfe ab, keine Putzfrau, kein Pflegedienst zur Medikamentengabe, kein Essen auf Rädern usw. ich sorge täglich dafür das Essen im Kühlschrank ist und ausreichend Getränke - sie mag nur noch alkoholfreies Bier. Ihre Blutdruckmedikamente bereite ich täglich vor. Sie ist schon nachts unterwegs gewesen um am Haus ihrer Kindheit zu klingeln heute haben sich Nachbarn beschwert, da sie verwirrt im Treppenhaus rumgeistert. Ich habe keinerlei Vollmachten (es gab mal eine, die ist verschwunden - und eine neue wollte sie mir im letzten Jahr nicht geben). Bleibt mir wirklich nichts anderes übrig als zu warten bis etwas passiert? Dem Berater vom sozialpsych. Dienst hat sie auch klar und deutlich gesagt, dass sie keine Hilfe will. Sie wird aber auch immer emotionsloser und kann sich über nichts freuen. Mich erträgt sie maximal eine halbe Stunde. Ihr großer Bekanntenkreis ist nicht mehr existent, darunter sogar zwei Theologinnen, meine Tante und mein Onkel halten sich auch raus, sodass nur noch ich übrig bin. Witwe und Vollzeit erwerbstätig. Hat jemand noch eine Idee? Ich sehe im anregen einer Betreuung im Moment keine wirkliche Verbesserung.