Beiträge von Martha123

    Eine entfernte Verwandte von mir (ich nenne sie Tante) ist mittlerweile 84 Jahre. Meine Mutter und mein Onkel haben beide vor Jahren auf den Wunsch meiner "Tante" hin eine Vorsorgevollmacht vorbereitet, da wir ihre einzigen übrigen Verwandten sind. Mein Onkel besucht sie seit Jahren einmal wöchentlich und meine Mutter mehrmals jährlich. Ich besuche sie seit einigen Monaten gemeinsam mit meinem Onkel wöchentlich.


    Nun kommt die Tante seit längerem schon durcheinander mit dem Datum und weiß eigentlich nie welchen Tag wir haben, sodass schon klar wurde dass Demenz ein Thema wird. Sie lebt alleine in ihrer Wohnung und möchte auf keinen Fall von dort weg. Ihren Alltag bekommt sie soweit wir das einschätzen können noch geregelt, nur hat sie im letzten Jahr stark abgenommen und wir wissen nicht wie regelmässig sie tatsächlich isst. Genug zu Essen ist da, und wenn wir sie besuchen ist sie meistens am Mittagessen kochen. Essen auf Rädern hatten wir schonmal versucht, doch das hat sie rigoros abgelehnt.


    Das Hauptproblem jedoch hat sich in den letzten vier Wochen zugespitzt. Eines Tages begann sie, meinen Onkel aus heiterem Himmel zu beschuldigen ihr Geld, Sparbuch, Bankkarte etc. geklaut zu haben. Nachdem wir zu ihr gefahren sind, in ihrer Wohnung gesucht und die Sachen finden konnten war die Tante sehr bestürzt über sich selbst und hat viel geweint. Allerdings wiederholt sich dieses Muster nun immer häufiger, auch meine Mutter und ich geraten abwechselnd unter Verdacht. Beim Hausarzt waren wir schon und das Kurzzeitgedächtnis scheint gar nicht mehr vorhanden zu sein.
    Nun sind wir drei alle sehr bestürzt unsere liebe Tante ständig so verzweifelt zu sehen, weil sie entweder gerade der Meinung ist von einem von uns bestohlen worden zu sein, oder gerade in ihrer Wohnung die betreffenden Sachen selbst aufgefunden hat und sich selbst starke Vorwürfe macht. Eigentlich ist sie ständig unglücklich. Von uns kann sie keiner zur Pflege aufnehmen, aber das möchte sie auch gar nicht. Sie liebt ihre Wohnung und will nicht weg, will aber auch keine Pflegedienste kommen lassen und sich bei gar nichts helfen lassen.


    Nun grübeln wir Angehörige die ganze Zeit, ob es irgendetwas gibt wie wir unserer Tante etwas Ruhe geben können. Wir können nicht die ganze Zeit bei ihr zuhause sein und ihr versichern, dass ihr Geld etc. noch da ist und sie nicht verhungern wird, aber wenn sie allein ist durchläuft sie anscheinend mehrmals täglich den Kreislauf "Sachen nicht finden - Angst bestohlen worden zu sein - stundenlanges Absuchen der Wohnung - Wiederauffinden der Sache - Verzweiflung über sich selbst".


    Ich frage mich ob sie in einem Pflegeheim nicht doch glücklicher wäre, wenn sie dort ständig beruhigt werden könnte, aber gleichzeitig hängt sie so sehr an ihrer Wohnung das meine Mutter und Onkel das noch nicht in Betracht ziehen.
    Gibt es hier irgendeine Möglichkeit oder Tipps um meine Tante zu unterstützen? Es fühlt sich derzeit so an, als könnten wir ihr kaum helfen.