Beiträge von Sohn83

    Hallo ecia25,


    ich danke dir vielmals für deinen wertvollen Beitrag. Du hast auch viel zu bewältigen, das habe ich bereits gelesen. Ich wünsche dir da ganz viel Kraft.


    Was du schreibst deckt sich mit meinen Recherchen. Ich stehe der Dialyse sehr skeptisch gegenüber. Noch ist der Punkt aber noch nicht erreicht. So schnell wie aktuell die Nierenfunktion nachlasst kann diese Entscheidung aber im Laufe des Jahres noch auf uns zukommen.


    Es gibt eine Studie (1996-2003) mit 1-Jahres Überlebensraten (54%) bei über 80 jährigen Dialyse Patienten. 80% der Todesfälle bei Dialyse verstarben im Krankenhaus, wobei 80% der konservativ behandelten Patienen zuhause verstarben. Das ist für mich ein gewichtiger Punkt.

    Wenn wir das gezielt angehen müssen komme ich gerne auf dein Angebot zurück.

    Hallo,


    vielen Dank für eure lieben Worte. Es stimmt der Geburtstag ist nicht total einfach, deswegen gibt es bei uns (Bereits seit ein paar Jahren) auch immer "nur" ein Geburtstagsfrühstück ab 9 Uhr.
    Seine "Form" ist Vormittags deutlich besser und gegen Mittag ist dann die ganze Sache bereits wieder vorbei. Das klappt recht gut, wir sitzen dann alle draußen im Garten, sonnengeschützt und noch nicht zu heiß.


    Er freut sich auf seinen Geburtstag und bekommt das auch noch mit.

    Eigentlich ja schön aber so manchmal, gerade wenn ich hier im Forum lese, sehe ich wie grausam diese vaskuläre Demenz doch ist. Diese verläuft ja in Schüben.

    Er hat Hoch und Tiefphasen, die sich stark am gesundheitlichen und psychischen Tageszustand und auch an der Tageszeit orientieren. Aber im großen und ganzen bekommt er das was mit ihm passiert alles mit. Er sieht ganz genau was er alles "verloren" hat und beklagt das auch. So wie manche hier schreiben das keine Einsicht zur eigenen Krankheit vorhanden ist das trifft bei ihm (leider?) überhaupt nicht zu.

    In aus dieser Gedankenspirale zu reißen ist extrem schwierig.
    Deshalb wohl auch die regelmäßigen depressiven Episoden. Es gibt Tage da "beneide" ich andere Demente fast um das "selige Vergessen".


    Zu einer OP wegen der Hüfte. Bisher hat noch jeder Arzt sofort abgewunken. Die einhellige Meinung war sofern er die OP überlebt kommt er danach nicht mehr auf die Beine und bleibt wohl im Rollstuhl. Es kommt einfach zu viel zusammen, Niere, Demenz, Diabetes, Herzschrittmacher ...

    Hallo in die Runde,


    Bei meinem Vater geht es auf und ab, er hat starke Schmerzen in der Hüfte und wir scheinen mit der aktuellen Medikation langsam an die Grenzen zu stoßen. Die letzten drei Tage konnte er kaum noch selbstständig gehen (trotz Rollator). Heute ist es zum Glück wieder deutlich besser.


    In drei Wochen haben wir einen Termin in einer speziellen Schmerzsprechstunde. Mal gucken ob das etwas bringt, der Hausartz meinte die entspechende Ärzting (auch Orthopädin) wäre sehr gut. Ich bin da unserem Hausarzt unglaublich dankbar das er entgegen allen typischen Arztgepflogenheiten mir so eine Auskunft erteilt.

    Der Bewegungsradius wird immer kleiner und er ist selbst nach kleinsten Anstrengungen sehr erschöpft. Hauptgrund dafür sind wohl die Nieren, deren Leistung nimmt stetig ab. Im Moment bewegen wir uns mit einem eGfr. von 23 wieder Richtung Nierenversagen.


    Kann mir jemand eine Einschätzung/ Erfahrung bzgl. Demenz und Dialyse geben? So ziemlich alles was ich dazu lese finde ich eigentlich ziemlich abschreckend. Vorallem wenn er schon nach einer Stunde beim Zahnarzt total verwirrt und für den Rest des Tages kaum mehr ansprechbar ist.


    Ich bin da im Moment sehr fatalistisch und denke viel nach. Meine Gefühl sagt mir wir bewegen uns jetzt in Richtung letzter Phase und das die nächsten Monate nochmals deutlich schwieriger werden.


    Dazu kommen im Moment wieder viele depressive Episoden. Am Samstag hatten wir (wie aktuell so oft am Wochenende) einen Tiefpunkt. Ich habe falsch reagiert als er direkt nach dem Aufwachen nach seiner Frau fragte. Meine Mutter ist bereits vor 27 Jahren verstorben was ich auch sagte. Danach hat er für Stunden getrauert aber nicht nur um seine Frau sondern auch um seine Mutter, das war wild gemixt. Das war auch für mich extrem belastend.


    Die Wochenenden sind weiterhin unsere schlimmen Tage. Gerade bei der aktuellen Hitze wird es noch belastender. In zwei Wochen hat er Geburtstag, da versuche ich wieder ein wenig Familie zusammenzutrommeln. Vielleicht gibt das wieder etwas Auftrieb.


    Gestern habe ich einen Artikel gelesen das gemäß einer Studie eine Covidinfektion das Demenzrisiko deutlich erhöht. Was da auf unsere Gesellschaft evtl. noch zukommt ist wohl nur jenen Bewusst die das in erster Reihe bereits mitmachen müssen/mussten.


    Ich wünsche euch allen viel Kraft.

    Hallo OiOcha,


    das hört sich alles sehr schlimm an, du und deine Mutter haben hier mein aufrichtiges Mitgefühl. Auch bei dir möchte ich die Frage stellen, schläft dein Vater nachts durch? Oder ist er auch des Nachts aktiv?

    Sollte er Nachts aktiv sein könnte evtl eine medikamentöse Hilfe zum durchschlafen (bei meinem Vater reichen hier bereits freiverkäufliche Baldrian Tabletten) Tagsüber etwas zur Beruhigung beitragen. Bei meinem Vater macht das einen großen Unterschied.


    Auch das Klammern, diese ständige Ängstlichkeit, das Gefühl das einem im warsten Sinne als Betreuungsperson keine Luft mehr zum atmen bleibt das kenne ich. Auch hier "behandle" ich bei Bedarf mit Baldrian Tropfen, die kommen ins Wasser und bringen etwas Linderung ohne den entsprechenden komplett ruhig zu stellen. Mein Vater ist da mittlerweile auch dankbar wenn er eine seiner depressiven Phasen hat und ich ihm so etwas helfen kann.

    Zusätzlich erhält er täglich Passionsblume (Lioran) das ist ebenfalls für innere Unruhe.


    Bei uns ist das alles inkl Dosierung mit dem Hausarzt abgesprochen und auch auf dem Medikamentenplan, nicht das es zu Wechselwirkungen kommt.


    Ich wünsche dir alles Gute.

    Vielen Dank Hr. Gust,


    ich habe es so gemacht, mein Vater hat im Moment eine recht gute Phase und so das ganze recht gefasst aufgenommen. Er wirkte zwar danach etwas fragiler als normal üblich aber insgesamt noch gut.


    Heute morgen hat er nichts mehr davon gesagt und so habe ich das Thema auch nicht mehr aufgegriffen. Allerdings habe ich in der Tagespflege heute morgen Bescheid gesagt damit die wissen falls bei ihm etwas hoch kommt.


    Das ist auch ein Verhalten das ich mittlerweile gut kenne, irgendwelche Nachrichten scheinen "weg" zu sein kochen aber urplötzlich zusammenhanglos und emotional hoch.


    Er hat den Wunsch geäußert auf die Beerdigung zu gehen, das werde ich ihm ermöglichen sofern es irgendwie geht. Rollator muss auf jedenfall mit damit er sich hinsetzen kann. Leider kann ich nicht abschätzen wann die Beerdigung ist, meine Tante ist mit Corona (im Krankenhaus infiziert) gestorben, ihr Mann ist aktuell auch infiziert und ihre Kinder müssen aus halb Europa anreisen. Ich gehe davon aus das die Beerdigung erst in 1-2 Wochen ist. Ein wenig habe ich da bedenken das hier das für ihn bereits abgehackte Thema / Wunde wieder aufgerissen wird.

    Hallo in die Runde,


    aus aktuellem Anlass wie teilt man einem dementen schwierige Nachrichten mit? Hat da jemand einen Tipp für mich?


    Ich habe gerade einen Anruf bekommen das meine Tante (Schwester meines Vaters) heute verstorben ist. Meine Tante war sehr lange krank und die zwei hatten trotz geringer Entfernung (2km) die letzten 20 Jahre fast keinen Kontakt. Dennoch bin ich sehr verunsichert wie er die Nachricht aufnimmt. Ob ich ihm die Beerdigung antuen kann weis ich noch nicht.

    Ein kurzes Hallo in die Runde,


    mein Vater (Pflegestufe 3) hat neben der Demenz eine recht weit fortgeschrittene Hüftathrose in beiden Hüften. Während die linke Hüfte kaum Probleme macht bereitet die rechte permanent starke Schmerzen. Wie viele hier sicherlich aus direkter Erfahrung wissen kann man recht gut verfolgen wie bei starken Schmerzen auch die Auswirkungen der Demenz stärker ausgeprägt sind.


    Er schwankt im Schmerzempfinden recht stark, das ist auch stark wetterabhängig. An manchen Tagen kann er selbst mit Rollator kaum einen Schritt gehen. An "guten" Tagen beschreibt er die Schmerzen auf einer Skala von 1-10 mit einer 7. Laut Neurologen kommt bei seinen Schmerzen auch noch eine neurologische Komponente /Schädigung dazu, verursacht durch Sauerstoffmangel im Gehirn bei vielen herzbedingten Synkopen. Behandelt wird er mit Novaminsulfon und Tilidin.


    Wir waren mittlerweile bei mehrere Orthopäden und haben viel versucht, Akkupunktur hat zeitweise geholfen vorallem bei der Beweglichkeit. Operieren steht außer Frage, da winken auch unisono alle Orthopäden sofort ab. Er würde danach wohl nicht mehr auf die Beine kommen. Leider werden seit einigen Wochen die Schmerzen wohl stärker und wir bekommen das mit der aktuellen Dosis nicht mehr unter Kontrolle.


    In wenigen Wochen (schneller leider keine Chance) haben wir jetzt einen Termin bei einer Schmerztherapeutin in der Schmerzsprechstunde. Da ich ja viel im Internet zum Thema gelesen haben bin ich irgendwann auch beim Cannabis / THC gelandet. Vielen chronischen Schmerzpatienten scheint dies ja gut zu helfen.


    Hat von euch jemand Erfahrungen damit? Gerade auch in Kombination mit der Demenz?


    Ist die Schmerztherapeutin dafür die richtige Anlaufstelle oder eher der Neurologe, oder läuft sowas über den Hausarzt? Ich habe zu diesem Thema leider gar keine Erfahrungen und wäre über jede Info und Erfahrung dankbar.

    KO72 du machst das sehr gut. Der gang zur Pflegeberatung ist auf jeden Fall der richtige Schritt. Es ist überall etwas anders organisiert, in vielen Gegenden bieten noch das Rote Kreuz oder Malteser ein umfangreiches Angebot mit Unerstützung.
    Das ist eine schwierige Situation und ich wünsche dir viel Kraft. r


    Es ist zwar das kleinste Problem, aber der kaputte TV. Den hatte ich schon öfter bei meinem Papa sowie meiner Tante (ein Haus weiter). Da waren es ganz oft die fast leeren Batterien der Fernbedienung.

    Hallo KO72,


    leider kann ich dir auch nur mein Mitgefühl aussprechen. Deine Wut und Verzweiflung sind absolut verständlich. Ich wünsche dir da ganz viel Kraft.


    Diese innere Zerrissenheit, das schlechte Gewissen das kennen wir hier leider alle. Ich würde dir gerne etwas sagen damit das weg geht aber das ist ein Prozess der (wie auch bei mir) mal besser mal schlechter funktioniert. Du leistest unheimlich viel das ist bewunderswert. Auch die Erfahrung das man von Geschwistern, Verwandten etc mit der Situation allein gelassen wird ist leider nicht ungewöhnlich. So unterschiedlich wie alle Fälle sind so sehr ähneln sie sich in vielen Bereichen.


    Ganz wichtig ist was Hr. Pawletko gesagt hat, Vollmachten, Pflegestufe etc. Gerade ohne die Vollmachten bist du oft außen vor.


    Was mir beim lesen deines Beitrages durch den Kopf ging. Schläft deine Mutter? Also in der Nacht ? (sofern das für dich überhaupt überwachbar ist). Oder ist der Tag/Nacht Rythmus komplett durcheinander?

    Du schreibst ja die Anrufe kommen zu jeder Tages und Nachtzeit.

    Wie gesagt jeder Fall ist anders aber bei meinem Vater hat der Nachtschlaf gigantische Auswirkungen auf die Tagesform. Mit 7-8 Stunden Schlaf am Stück (mit Hilfsmitteln) konnte ich viel erreichen, gerade im Kontrast zu Tagen wenn das nicht funktioniert.


    Zu guter letzt, schreibe dir hier alles von der Seele, wir haben da auch einen ganz tollen "Wie geht es Euch" Thread. Das aufschreiben und teilen hilft ungemein.

    Hallo,


    danke für deine Rückmeldung. Ich habe am Wochenende mal einen Testlauf gemacht, hat eigentlich gut funktioniert. Arbeitsbältter habe ich von https://www.grundschulkoenig.de/ (kostenlose Arbeitsblätter) genommen, das war ein Tipp meiner Schwester. Jahrgangsstufe 3-4.


    Gerade die "gemischten" Aufgaben. Also mal geteilt plus minus mit wechselndem Platzhalter waren doch recht herausfordernd für ihn. Die ersten 10 Aufgaben gingen aber Problemlos danach wurde es schnell zu viel. Wir haben etwa eine viertel Stunde "geübt".

    Hallo in die Runde,


    bei meinem Vater hat es im letzten Jahr in vielen Bereichen deutliche Verbesserungen gegeben. Dafür mache die zum großen Teil die Tagespflege mit ihrem umfangreichen Therapieangebot mit verantwortlich. MAKS, Gedächtnistraining, motorisches Training etc....


    Das negative daran, an seinen guten Tagen wird meinem Vater seine Situation und all das was er durch die Demenz verloren hat nur allzu bewusst. Gerade am Wochenende, da entgleitet er mir dann regelmäßig in "vorgestampfte" Gedankenpfade die immer öfter in stark depressiven Episoden enden. Da kann ich verbal versuchen abzulenken so viel ich will, ich bekomme ihn da meist nicht mehr raus.

    Was bei ihm aber oft funktioniert ist das "Gefühl" das er selbst etwas tun kann um seine Situation zu verbessern. Das kann ich vollkommen nachvollziehen, kaum etwas ist so lähmend wie hilflosigkeit.


    Früher habe ich es mit Zeitungslesen als "Übung" für ihn probiert, das funktioniert leider nicht mehr. Lesen fällt ihm zunehmend sehr schwer (Textverständnis) und das tägliche lesen der Zeitung hat er bereits vor Monaten eingestellt.


    Jetzt dachte ich mir ich könnte es mit Arbeitsblättern probieren für ihn probieren. Da finde ich ein großes Angebot aber hat hier jemand vielleicht Empfehlungen für mich? Gerne auch Bücher, Arbeitshefte etc.


    Papa war in Mathe immer sehr gut und auch stolz darauf, jahrzehnte in leitender Position und auch selbstständig brauchte er das auch fast täglich.
    Neulich war meine Neffe hier (6 Klasse) und musste Mathe üben. Mein Papa setzte sich zu ihm und ich war erstaunt wie gut z.b. Sachen wie das 1x1 und auch über den 100er Rechnen bei ihm noch sitzen. In diese Richtung finde ich leider nicht wirklich etwas speziell für demente.


    Denkt ihr Mathe Übungshefte/Blätter für die Grundschule wären hier geeignet? Vielleicht allgemein Grundschullernmaterial? Das ist meist auch groß geschrieben und relativ wenige Übungen pro Seite.


    Ich danke für eure Anregungen

    ich habe leider keine Erklärung für diese "Verschwörungsideen".

    Hallo TanjaS,


    diese Verschwörungsideen gehören einfach zur Krankheit und sind normal. Wenn du im Forum ließt wirst du das in der einen oder anderen Form bei sehr vielen Berichten finden. Bestohlen werden ist da auch ein gängiges "Motiv".
    Ich wünsche dir da viel Kraft.

    Ich möchte mich für die vielen unterstützenden Worte bedanken. Mir ist da letzte Woche etwas der Boden weggebrochen. Diese Woche habe ich nochmals das Gespräch mit meiner Schwester gesucht und weiß nun woran ich bin. Defacto kann ich keine größere Unterstützung erwarten weil sich meine Schwester voll und ganz ihren Kindern widmet.

    Dagegen kann und möchte ich nichts sagen. Ich kann viele ihrer Argumente nur zu gut nachvollziehen, da spielt auch viel mit rein das unsere Mutter früh und qualvoll gestorben ist (Schwester 20, ich 12) und sie selbst bereits mehrfach sehr schwer erkrankt ist.
    Bei so mancher Aussage musste ich trotzdem stark schlucken, z.b. das ihre Kinder (13 u 18) ihren Opa so in Erinnerung behalten sollen wie er war und nicht wie er jetzt ist. Das Gefühl das Demente nicht mehr als vollwertige und auch wertvolle Personen angesehen werden habe ich oft. Das durch die Blume aus der engsten Familie zu hören das schmerzt, aber machen kann ich halt nichts dageben. Durchscheinende Vorwürfe das ich ja selbst an der Situation schuld bin weil ich keine eigene Familie habe die mich entlastet, haben mich aber doch tief getroffen.
    Das ich in der Geschichte der böse bin, damit muss ich leben und mich mit der Situation endlich mal abfinden.

    Ich mache aktuell viele (leider erfolglose) Achtsamkeitsübungen um das Thema innerlich loslassen zu können auch weil mein (nicht gerade überentwickeltes) Selbtwertgefühl doch einen ziemlichen Knacks abbekommen hat.

    Ich hoffe das das Corona Thema wieder etwas verschwindet und es wieder leichter wird externe Angebote zur Entlastung warzunehmen. Ich habe bereits Flyer hier und werde auch noch eine weitere Pflegeberatung aufsuchen. Leider sind Wochenendangebote hier im ländlichen Raum sehr sehr dünn gesäht.

    Die letzten Tage ist bei mir wieder alles mögliche los. Sorry wenn ich hier schon wieder schimpfe. Ich hatte letzte Woche Geburtstag, Coronabedingt (weil um mich rum fast alle in Quarantäne sind) war ich mit Papa allein. Geburtstage nimmt man ja auch gerne her um sein Leben zu betrachten, da ging es mir dann gleich noch schlechter.
    Alles in allem kein sehr schöner Tag, Papa ging es körperlich nicht sehr gut und er war gerade gegen abend sehr orientierungslos und verwirrt.

    Echt Auftrieb gab mir bereits die letzten Wochen die Gewissheit das ich bald mal ein "freies" Wochenende haben würde. Ein baliges freies Wochenende war der einzige Wunsch den ich zum Geburtstag hatte und das habe ich auch so gegenüber meiner Schwester geäußert das die sich einmal ein Wochenende um Papa kümmern müsste. Von der Reaktion her war ich mir sicher das das klappen würde und habe bereits fleissig Hotels ausgesucht.
    Auch das letzte Wochenende war nicht einfach. Gerade im Garten merkt man stark das ich letztes Jahr fast nichts gemacht habe, jetzt holt mich hier die arbeit an allen Ecken und Enden ein. Das er bei Sonnenschein mit im Garten sitzen konnte und bei ganz leichten arbeiten von mir eingespannt wurde hat ihm aber sehr gut getan.


    Montag war dann für mich wieder so ein Tag.... Meine Schwester kam aus der Quarantäne und Nachmittags vorbei.

    Ich habe mich gefreut bis mir dann als sie wieder los musste um meinen Neffen aus der Schule zu holen, zwischen Tür und Angel eröffnet wurde das das mit meinem freien Wochenende nichts werden würde. Sie trauen sich das nicht zu weil Papa ja so auf mich fixiert ist.
    Ich habe nicht viel darauf gesagt aber ganz ehrlich ich bin verbittert und verletzt wie noch nie in meinem Leben. Ich bin da wirklich innerlich in ein bodenloses Loch gefallen. Eigentlich blöd weil es ja nur um ein Wochenende geht aber für mich hat das einfach so viel mehr bedeutet.

    Später am Tag hatten wir noch einen Arztermin, Papas Nierenwerte sind nochmals deutlich besser geworden. Ich habe dabei so ziemlich alles gefühlt nur keine Freude. Wie ich halt bin hat mich dieser Umstand dann noch mehr aufgewühlt.


    Im Moment warte ich darauf das sich meine Gedanken wieder etwas sortiern, das hier aufzuschreiben hilft mir ungemein. Bei euch möchte ich mich dennoch für mein ständiges jammern entschuldigen.

    Liebe TanjaS,


    Aus deinen Beiträgen schließe ich jetzt einfach mal das deine Mutter religös ist und ihr der Gottesdienst wichtig ist. Hast du schon mal versucht aus dieser Ecke Hilfe zu bekommen? Vielleicht wäre deine Mama aufgeschlossener wenn z.B. ein ihr vertrauter Pfarrer/Pastor etc. Versucht sie zu einem Arztbesuch zu bewegen.

    Dieses Verhalten kenne ich auch.

    Das ist wohl recht häufig der Fall. Da spielen mit unter auch noch Depressionen mit rein.

    Wer selbst mit Depressionen bereits Erfahrungen machen musste findet da das negative Gedankenmuster und Sicht auf die "äußere Welt" schnell wieder.


    Ist ein bisschen die Crux an der ganzen Sache noch geistig fit genug um die Umwelt richtig wahrzunehmen, aber nicht mehr fit genug das alles in den richtigen Kontext zu legen. Dazu tägliche Schwankungen ....

    Hallo TanjaS und OiOche,


    ja ich komme auch aus Bayern, ganz östlich von Regensburg. Habe also nach München noch 180km.


    TanjaS, ich finde mich in vielem von dem was du schreibst selbst wieder. Jeder Fall ist anders und doch irgendwie gleich. Irgendjemand schrieb (finde ich gerade nicht mehr, vielleicht warst es auch du) man will doch nur sein altes Leben wieder. Auch diesen Gedankengang kenne ich (wie viele hier) nur zu gut. Die bittere Wahrheit ist aber das man diesen Gedanken loslassen muss, man kann nie in sein altes Leben zurück. Die Pflege, die Krankheit all das verändert uns alle fundamental. Hier schrieb auch mal jemand das schöne Wort "Co-demenz" das trifft es für mich auf den Punkt.
    Vielleicht hilft es dir wenn ich dir sage das man sich an vieles gewöhnt. Sachen die einen anfänglich aus der Bahn bringen werden normal. Deswegen wird es nicht unbedingt leichter aber man fühlt es anders. Innerlich baut sich da eine gewisse Distanz auf. Bei dir kommt natürlich die große räumliche Distanz dazu anders herum ist es aber leider auch nicht einfacher wenn man täglich, direkt ohne Pause damit konfrontiert wird.

    Wenn deine Mama von "der anderen" redet und dich meint, verletzt dich das sicher. Man (ich jedenfalls) fühlt sich da, trotz allem wissen um die Krankheit, doch irgendwie herabgesetzt und manchmal auch wütend. Verstehe ich, bei mir sind es regelmäßig "die anderen" die noch alle im Haus wohnen und meinen Papa versorgen. Tja das bin nur immer ich, weil sonst hier niemand wohnt. Darauf eingehen lohnt sich aber nicht, ich ignoriere es oder begegne mit "Jetzt bin ich ja da", damit kann ich diese "Schleife" oft umfahren.

    Ich wünsche dir jedenfalls viel viel Kraft, örtliche Beratung scheinst du ja wenn ich es jetzt recht in Erinnung habe, bereits zu suchen. Vielleicht könnte auch eine Tagespflege zum Einstieg in die Fremdbetreuung etwas Druck aus der Situation nehmen. Dir persönlich könnten vielleicht auch Achtsamkeitsübungen helfen, dabei lernt man die innere Distanz aufzubauen die man braucht. Klappt leider nicht immer, aber immer mal wieder ;-).



    Weil ich gerade so schön am schreiben bin, die letzten Tage habe ich mich etwas zurückgehalten weil ich persönlich wieder so an einem Tief angelangt bin aus dem ich mich im Moment erst wieder Stück für Stück selbst herausziehen muss.

    Bei Papa ist es das übliche auf und ab, wir haben sehr gute Tage aber leider werden die von schlechten gefolgt.

    Die meiste Zeit klappt es aber noch recht gut. Im moment ist er tagsüber recht gut orientiert und kann sich auch vieles merken, gegen abend schaltet er dann ab und verliert die örtliche und zeitliche orientierung zwischen 19 bis 20 Uhr. Dann beginnen auch täglich die gleichen "Dauerschleifen".
    Früher war er ein großer Fan der Sendung "Bares für Rares", tägliches Pflichtprogramm. Er ging selbst jahrzehntelang auf Flohmärkte zum verkaufen. Diese Sendung habe ich mittlerweile komplett verbannt weil es bei ihm regelmäßig zu Realitätsverlust geführt hat. Aktuell gucken wir Kochsendungen, das geht sehr gut und er kommentiert mal mehr oder weniger fleissig die kochbegabung der einzelnen Kandidaten. ;)

    Morgen geht es zum coronabedingten Nachholtermin zum Nephrologen, ich bin gespannt was der zu sagen hat. Ein bisschen fürchte ich das dieser einige Tabletten (Diabetes, Blutdruck) austauschen/reduzieren will um die Nieren zu entlasten. Solche Umstellungen bringen immer viel Unruhe rein und es dauert bis die Werte sich wieder eingependelt haben.


    Ein tolles Kompliment hat mir neulich unser Hausarzt gemacht. Wir hatten dort einen Termin um Blutwerte etc zu besprechen und den Medikamentenplan zu aktualisieren. Seit der Coronaquarantäne habe ich meinem Vater z.b. Lioran (Passionsblume) gegeben, was tatsächlich die ständigen Ängste und Nervosität seinerseits etwas gelindert hat. Dazu noch einige andere Änderungen z.b. wegen ständiger Verstopfung und bei der Dosis des Blutdruckmedikaments. Wir haben über die Akupunktur (immer noch super!) und die chinesischen Kräuter gesprochen.
    Er hat ein paar Fragen gestellt dann all meine Änderungen in den Medikamentenplan übernommen und gesagt wenn ich mal nen Job brauche kann ich gleich anfangen. Natürlich Spaß aber gut getan hat es trotzdem.


    Die familäre Entlastung ist weiterhin määhh, also sehr sehr wenig. Da gibt es viele Punkte da bin ich im Moment sehr verbittert. Im Moment habe ich meinen Schwager da als "Problemquelle" ausgemacht. Ob ich ihm unrecht tue? so recht glaube ich es nicht. Als ich meinen positiven Corona Test hatte (bei meinem Vater war er erst ein paar Stunden später positiv) und eine der ersten vorsorglichen Reaktionen meines Schwagers war "Wir können ihn (meinen Vater) aber nicht aufnehmen" hat das bei mir im Kopf viel in Bewegung gebracht.

    Vielleicht gelingt es mir ja irgendwann auch das loszulassen, für mich wäre es jedenfalls besser ...

    Hallo Rhoenkind76,


    ich wünsche dir viel Kraft in dieser Situation.


    Mögliche Anlaufstellen wären z.b. (je nachdem wie es bei euch vor Ort aufgebaut ist)
    - Pflegestützpunkt
    - Gerontopsychiatrischer Dienst

    - Caritas / Malteser / Rotes Kreuz

    - Hausarzt


    Wenn das alles ganz akut, ohne sichtbaren Auslöser, gekommen ist steckt vielleicht auch etwas organisches dahinter. Hier wäre mein erster Anlaufpunkt der Hausarzt, Blutabnahme und Blutbild.

    Hallo Teuteburger,


    da das Implantat noch fest verankert ist wurde das infizierte Gewerbe entfernt um weiteren knochenschwund zu verhindern. Danach vernäht. Das obere Viertel des implantats wurde so freigelegt und die Gewinderillen abgeschliffen und geglättet damit dort keine Speisereste hängen bleiben. Das geht bei meinem Papa da er eine wirklich phänomenale Wundheilung hat. Bereits nach einem Tag keine Schwellung oder Blutung mehr. Jetzt nach 5 Tagen sieht man nur noch die Fäden der Rest wirkt verheilt. Ich renne Wochen mit dem kleinsten Kratzer rum ....


    Nachts finde ich schlaf, da ist er meist ruhig und schläft durch. Klar gibt es da auch aus2nahmen (z.b letzte nacht ....) wäre das schlafen für mich nicht mehr möglich würde das alles nicht mehr funktionieren

    Da es meinem Papa während der Corona Quarantäne ja nicht so toll ging brachte unser (toller) Hausarzt letzte Woche für meinen Papa ein wunderbares Beispiel. Er meinte.


    "

    Wir fahren unser ganzes Leben auf einer Straße, wenn wir jung sind ist die Straße breit und meist in einem guten Zustand. Kommt ein Hindernis muss man es Umfahren, weil die Straße aber so schön breit ist, ist das kein großes Problem.


    Werden wir älter und kommen Krankheiten dazu wird die Straße immer schmäler. Beim geradeaus fahren gibt es keine großen Probleme, kommt aber dann ein Hindernis z.b. ein Erkrankung, kommt das Auto leicht von der Fahrbahn ab und muss seinen Weg in die Spur erst wieder finden.

    "



    Am Montag hatte mein Papa einen kieferchirugischen Eingriff weil an seinem Implantat eine Entzündung saß. Ich habe deswegen lange mit dem Kieferchirugen und Zahnartz gesprochen, eigentlich wäre wegen Knochenschwund am Implantat angesagt dieses zu entfernen. Da dies aber eine größere und vorallem längere Geschichte über viele Wochen wäre, haben wir uns für eine einfachere Variante entschieden die noch 2-3 Jahre sicher hält.


    Er hat es gut überstanden aber ich habe deutlich gesehen wie gut das Beispiel des Hausarztes passt. Die 90 Minuten Behandlung waren wirklich das absolute Maximum was mein Papa verkraften kann. Der Eingriff erfolgte Ambulant aber nach den insgesamt 90 Minuten (mit Wartezeiten dazwischen) war er kaum mehr geistig ansprechbar. Einfache Aufforderungen wie dort jetzt hinsetzen, oder dort hinstellen wegen dem Röntgen waren für ihn wohl schon unbegreiflich.

    Der Rest des Tages war dann zwar ein wenig besser aber er war sehr unruhig und verlief sich im Haus ohne zu wissen wie er von einem Raum in den nächsten gekommen war. Mehr als 2 Minuten allein lassen unmöglich, dann fing er an zu wandern. Später wippte er dann stundenlang im Sessel hin und her. Zum Glück war der Spuck bereits am nächsten Tag wieder vorbei als wäre nie etwas gewesen und bei ihm ist jede Erinnerung an den Tag weg.