Beiträge von Sohn83

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    Hallo Moskito,


    mein Mitgefühl, das ist jetzt nicht leicht.

    Vielleicht hast du die Möglichkeit nach einer Palliativbegleitung / Sterbebegleitung zu fragen, das sind einfach (ausgebildete) Personen die kommen und sich dazu setzen.

    Die sind nicht nur für den sterbenden da, sondern auch für die Angehörigen.


    Ich habe das von meinem Vater her (dieser war nicht mehr ansprechbar) sehr positiv in Erinnerung.


    "Unser" Heim hat damals direkt mit einer entsprechenden Stelle (Caritas) zusammengearbeitet. Ich habe danach gefragt und die haben sich um alles weitere gekümmert. Ich saß zum Ende hin auch unzähliche Stunden bei meinem Vater, mir haben die Gespräche sehr geholfen.


    Ich wünsche Dir viel Kraft und alles liebe.

    Hallo Moskito,


    in dieser schwierigen Zeit möchte ich dir mein Mitgefühl aussprechen. Nun ist es so das unsere Aussgangslage sich zwar unterscheiden (ich hatte trotz einiger wunden Punkte ein gutes Verhältnis mit meinem Vater) aber dennoch habe ich viel in den letzten Monaten reflektiert und (mit professioneller Unterstützung) aufgearbeitet.


    Mein Vater ist vor 9 Monaten verstorben. Ich war zwar bei seinem Tod nicht vor Ort (er verstarb früh morgens) aber täglich in den 10 Tagen davor für viele Stunden. Mein Vater war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich ansprechbar/wach höchstens minutenweise in einem Dämmerzustand. Ich habe aber dennoch die Zeit genutzt und viel mit ihm geredet. Über schöne Sachen, über schlechte, über alltägliche. Ich habe mich sozusagen mit meinem bereits bewusstlosen (und früher eher dominanten) Vater ausgesprochen. zuguterletzt habe ich mich bei ihm geoutet.


    Das mein Papa zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ansprechbar war ist dabei eigentlich nebensächlich. Meine Psychologin bestätigt mir aber wie wichtig dieser Abschied und Abschluß für mich selbst war. Etwas das ich erst heute mit ein paar Monaten Abstand und großen Veränderungen in meinem Leben erst richtig im vollem begreife.


    Was ich damit eigentlich sagen will. Verzeihen, Vergebung all das ist gar nicht unbedingt notwenig. Aber wenn du noch die Chance UND den Wunsch hast etwas persönlich loszuwerden dann mach es, weil vielleicht kann es dir helfen einen Abschluß und Neustart für Dich zu finden oder zu vereinfachen.

    Hallo Miriam 77,


    willkommen im Forum. Die anderen haben zwar eigentlich schon alles gesagt aber ein paar Worte möchte ich noch hinterhergeschieben.


    Zuerst es ist toll und lobenswert das du/ihr deine Mutter regelmäßig unterstützt, das ist nicht selbstverständlich. Leider ist es auch wahr das wenn ihr deinen Vater ein paar Stunden 1x wöchentlich habt ihr das ware Ausmaß der Belastungen nur zu einem Bruchteil mitbekommt. Belastend bei der Pflege ist der Alltag, weniger die durchstrukturierten und evtl noch mit schönen Beschäftigungen gefüllten Besuchstage.


    Zur Tagespflege, es gibt zwischen einzelnen Tagespflegen große Unterschiede. Mit meinem Papa habe ich drei näher kennengelernt. Die eingestreute Tagespflege im Pflegeheim in dem er seine letzten Monate verbracht hat. Ein Tagespflege betrieben von einem Pflegedienst die er ein paar Monate Samstags besuchte (damit ich mal einen nutzbaren halben freien Tag hatte) und eine Tagespflege vom roten Kreuz die er über 1,5 Jahre 4x wöchentlich besuchte.


    Vom Konzept, den Angeboten, Räumlichkeiten etc... waren diese komplett unterschiedlich und eigentlich nicht vergleichbar. 6 Monate sind bei einer Demenzerkrankung (zumal wie du schreibst schnell fortschreitend) eine sehr lange Zeit. Es ist möglich das dein Papa dieses Angebot heute ganz anders wahrnehmen würde als vor einem halben Jahr. Vielleicht könnt ihr ja auch noch 1 oder 2 andere Tagespflegen ausprobieren.


    Eine Tagespflege kann zudem auch, mit etwas Glück, zu einer gewissen Stabilisierung beitragen. Unsere BRK (Rotes Kreuz) Tagespflege war da einsame Spitze, 2x wöchtlich MAKS (motorisch, alltagspraktisch, kognitiv, sozial) Therapie die bei meinem Papa (eine Zeit lang) deutlich erkennbare temporäre Vebesserungen bewirkt hat. Dazu viele weitere Angebote, gemeinsames Kochen, Maibaum, Sommerfest .....


    Die Samstags Tagespflege war da im Vergleich ganz anders. Super nette Pflegerinnen, sehr familiär aber von der athmosphäre her eher Bespaßung als Förderung.


    Die eingestreute Tagespflege im Pflegeheim (die habe ich nur am Rande mitbekommen weil diese im gleichen Stockwerk wie mein Papa untergebracht war) war dageben Mist. So viel ich auf dieses Heim halte die Tagespflege dort war eine reine Tagesverwahrung ohne Bespaßung oder Förderung.


    Zum "Mutter soll ihn nicht ins Heim geben" wurde ja schon viel gesagt. Ich tippe jetzt einfach mal das deine Mutter wohl auch nicht mehr die allerjüngste ist. Jetzt stell dir einfach mal ein ganz pragmatisch vor (Leider nicht total aus der Luft gegriffen ist) deine (noch fitte) Mutter pflegt ihren Mann bis zur totalen Selbstaufgabe, Erschöpfung, Zusammenbruch oder Schlimmerem. Da verliert dann jeder.

    Liebe Ecia25,


    auch von mir mein herzlichest Beileid. Das du im Moment keine große Trauer empfindest ist ganz normal. Das ging mir nicht anders. Jetzt gibt es viel zu tun und viel zu organisieren, da schaltet die Psyche in Funktionsmodus. Jeder trauert auf seine eigene Weise und jeder Verlust ist anders, es kann noch kommen muss aber nicht.


    Heute vor einem Jahr war der letzte Tag meines Papas bei mir zu Hause. Am 08.12.22 ist er ins Heim umgezogen und gut 5 Monate später verstorben. Das ist so ein Tag an dem es für mich wieder stark präsent ist (auch ein Grund warum ich mal wieder in diesem Forum schaue).


    Buchenberg

    In einem anderen Beitrag habe ich vom Tod deines Schwiegervaters gelesen. Auch dir und deiner Frau möchte ich mein herzliches Beileid aussprechen. In deinen Beiträgen kam immer durch wie sehr ihr Euch um deine Schwiegereltern gekümmert habt.


    Ich wünsche Euch allen das beste.

    Hallo Schmiddi,


    das Geschwisterthema war neben der Versorgung meines Vaters mein größtes Problem während der Pflege an das ich unheimlich viel Energie vergeudet habe. Mit meiner Schwester hatte ich ein sehr enges Verhältnis und trotzdem wurde ich mit der Pflege zu 99,999% allein gelassen. Zwar sehe ich heute mit ein paar Monaten Abstand seit dem Tod meines Vaters viele Sachen etwas differenzierter aber an den Tatsachen ändert sich da nichts.


    Meine Psychologin hat mir da sehr gut geholfen diesen Groll aufzuarbeiten und loszulassen. Mit meiner Schwester habe ich heute wieder ein gutes Verhältnis (allerdings nicht so wie zuvor) weil ich dieses Thema aktiv hinter mir gelassen habe und langsam lerne ein Selbstwertgefühl zu entwickeln.

    Sich selbst in dieser Lebenphase professionelle Unterstützung zu holen (z.b. Beratungsstellen, Psychologe etc..) halte ich für sehr wichtig. Mir hat es enorm geholfen und ich habe Rückblickend viel zu lange damit gewartet.


    Rückblickend möchte ich dir raten, wenn sich deine Schwester bis heute nicht mehr eingebracht hat wird sich daran wahrscheinlich auch nichts mehr ändern. Man kann es mit einem klärenden Gespräch versuchen aber schraube diesbezüglich deine Erwartungen nicht zu hoch.

    Das tut weh, aber die Energie, Trauer, Gefühle der Zurückweisung etc... die du dafür aufbringst sind vergeudet. Du hast ein Erwartungshaltung und jedes mal wenn diese nicht erfüllt wird fühlst du dich schlecht und die Verbitterung nimmt zu.


    Es ist deutlich einfacher wenn du die Sachen selbst in die Hand nimmst, Entlastungen können Tagespflege, Besuchsdienste, Pflegedienste, Kurzzeitpflege und je nach Grad der Erkrankung eine Demenz-WG oder ein Umzug ins Plegeheim sein. Das mag sich erstmal überwältigend anhören (war bei mir nicht anders) aber das sind die Fakten. Auch bist du, bei aller Liebe die du empfindest, nicht verpflichtet dich selbst für die Pflege aufzugeben. Du darfst Verantwortung in die Hände von Fachpersonal geben. Daran ist nichts verwerfliches. Du schreibst ja das sich deine Mutter noch recht fit ist, gerade da könnte eine Tagespflege (Falls du dir darunter nichts vorstellen kannst, Kindergarten für Senioren trifft es wohl recht gut) durchaus nochmals stabilisierend wirken. Bei meinen Papa hatte das gerade im ersten Jahr erstaunliche Effekte. In der Tagespflege wurde auch mehrfach wöchentlich mit den Bewohnern die MAKS (motorisch, alltagspraktisch, kognitiv, sozial) Therapie gemacht.



    Hier im Forum hat irgendjemand mal einen Satz formuliert der mir Sinngemäß sehr im Gedächtnis geblieben ist.

    "Niemand käme auf die Idee Eltern ein schlechtes Gewissen zu machen wenn sie ihre Kinder in die Schule bringen um dort von Fremden unterrichtet und auch erzogen zu werden. Warum sollte dies bei hilfebedürftigen Senioren anders sein?"


    Ich wünsche dir alles Gute

    Hallo Finja,


    erstmal mein Mitgefühl für deine Situation. Das ist alles vorallem am Anfang sehr schwierig. Wie Buchenberg ja bereits geschrieben hat muss beim Verhalten deiner Mutter nicht unbedingt eine Demenz vorliegen. Hier im Forum tauchte mal mit "Codemenz" ein Begriff auf den ich sehr passend finde und den viele Pflegende an Vorderster Front am eigenen Leib erfahren.


    So wie du deine Eltern beschreibst (Vater früher federführend) kommt mir da sehr schnell ein anderer Gedanke (der absolut falsch sein kann!!). So eine Demenz kommt ja meist nicht von heute auf morgen sondern ist oft ein schleichender Prozess. Kleine Ausfälle hier, kleine Ausfälle da usw. in einer engen Beziehung (unabhängig ob Partnerschaft, Eltern/Kind usw. ) ist es da nicht ungewöhnlich das der "gesunde" Partner Stück für Stück die Ausfälle kompensiert und immer mehr Aufgaben übernimmt. Das ist manchmal so ein schleichender Prozess das man es nicht mitbekommt dazu kommt noch ein gutes Maß an Selbsttäuschung und gerade im Alter viele Ängste die eigene Selbstständigkeit aufgeben zu müssen.

    Gerade für diese Generation ist oft die Außenwahrnehmung extremst wichtig. Die Fassade wird ( gerne auch gegenüber den eigenen Kindern) dann gemeinsam aufrechterhalten. Jeder Eindringling (hier käme die Putzfrau ins Spiel) kann da als "Bedrohung" wahrgenommen werden.


    Ich bin selbst mit meinem verstorbenen Vater (jedenfalls zum Teil) in diese Falle getappt. Während der Pflege gab es auch Phasen da wäre ich für mich selbt z.b. niemals zum Arzt gefahren. Warum? Weil das nicht geht, weil ich gebraucht werde! Ich hätte ihn ja nicht allein lassen können usw .... Von Sachen wie Krankenhausaufenthalt brauchen wir da gar nicht reden.


    Vielleicht trifft das auf deine Mutter auch zu vielleicht auch nicht. Wichtig ist das ihr langfristig Hilfe bekommt. So wie du es schreibst könnte es durchaus sein das deine Mutter in ihrer Rolle als ständige Pflegerin deines Vaters gefangen und überfordert ist. Zumal wie du ja schreibst sie eigentlich ans zuhause gefesselt ist weil der Mann nicht mehr allein bleiben kann.


    So ein Besuchsdienst von der Caritas ist sicher schonmal eine guter Einstieg. Persönlich würde ich versuchen baldmöglist eine Tagespflege für deinen Vater zu finden. Das hat den Vorteil das auch deine Mutter regelmäßig freie Zeit bekommt. Gleichwohl ist es auch der Einstieg in die Fremdbetreuung.


    Wichtig wäre. Pflegegrad liegt vor? Wenn nicht sofort beantragen (evtl. für beide).

    Hallo in die Runde,


    ich möchte mal wieder von mir hören lassen. Bei meinem Papa sind es jetzt bereits vier Monate das er verstorben ist. In den letzten Monaten habe ich viel der letzten Jahre aufgearbeitet und befinde mich wohl aktuell in der Phase der langsamen Neuorientierung.


    Es ist tatsächlich erstaunlich was sich die letzten Jahre alles so angestaut hat und wie viel ich doch vom Leben verpasst habe. Es mag sich vielleicht blöd anhören (weil ich das in der Pflegesituation auch oft nicht hören wollte) aber als pflegender Angehöriger darf man die Selbstpflege in allen Bereichen nicht vernachlässigen.


    Ich komme langsam wieder aus den Haus nachdem ja meine sozialen Kontakte über viele Jahre komplett weggefallen sind. Wieder unter Leute zu gehen muss (bin noch dabei) ich tatsächlich neu erlernen. Das ich als totaler Sportmuffel mittlerweile 4x wöchentlich mit großer Begeisterung im Fitnessstudio aufschlage ist da schonmal ein guter Anfang ;-).


    Gestern war der letzte Tag meines Urlaubes, da habe ich ein Versprechen eingelöst das ich meinen Papa gegeben habe als er im Dezember ins Heim gekommen ist. Ich habe bei unseren täglichen Parkspaziergängen (grenzt ans Heim an, ein Nebenausgang führt direkt in den Stadtparkt) davon geredet das wir uns im Sommer wenn es schön warm ist bei einem Eis vom Italiener in den Park setzen. Darauf hat er sich immer so gefreut und seine Augen haben gestrahlt.

    Das habe ich gestern gemacht, zwar leider ohne meinen Papa aber irgendwie habe ich gespürt das er da war. Der Blick aufs Heim und "seine" Zimmerfenster waren aber tatsächlich nicht leicht.


    Es war (für mich) wichtig und richtig das ich (als mein Papa noch lebte) mit einer psychologischen Behandlung angefangen habe. Ich schreibe das weil ich weiß wie schwierig dieser Weg bzw. überhaupt das inbetrachtziehen dieses Weges für viele ist. Leider ist sich psychologische Hilfe zu holen in unserer Gesellschaft (vollkommen zu unrecht) noch immer stigmatisiert.


    Mir hilft es weiterhin sehr gut bei diversen Problemen. Meine Behandlung läuft weiterhin allerdings mittlerweile im zwei Wochenrythmus. Zu meiner Psychologin habe ich großes Vertrauen und konnte mich da völlig öffnen. Ich nutze einen Onlineservice dafür (psychologische Beratung findet per Videokonferenz statt), das war eigentlich damals ein Notnagel weil hier in meiner ländlichen Gegend das Angebot an psychologischer Beratung sehr rar gesäht / bzw. die vorhandenen extrem überlaufen sind.

    Mittlerweile bin ich froh darüber es so gemacht zu haben. Wir haben ja schonmal festgestellt das sich bei vielen hier die groben Persönlichkeitsstrukturen doch sehr ähneln. Tatsachlich war es für mich (gerade am Anfang) aber so deutlich leichter. Ich hatte anfänglich extrem große Ängste diesen Schritt zu gehen (aus Angst wenn Sachen hochgeholt werden dann nicht mehr zu "funktionieren"). Ob ich es wirklich geschafft hätte hier vor Ort zu jemanden zu gehen (abgesehen von den Terminen) weiß ich tatsächlich nicht. So war das in der Geborgenheit der eigenen vier Wände zu Zeiten die mir passten.

    Meine Psychologin (konnte ich selbst auswählen) war da aber auch ein Glückstreffer, ich wollte jemanden erfahrenen und den habe ich mit 30 jahren Berufserfahrung auch bekommen.



    Kurzum ich möchte nur unterstreichen das es sehr helfen kann sich in diesem Bereich Hilfe zu holen. Wenn ihr wie ich dabei Ängste vor euch her tragt ist vielleicht solch ein Onlineangebot eine Möglichkeit weil das dann ist vollkommener Privatheit stattfindet. (Nein das ist kein Werbepost ;-))


    Was gibt es sonst noch. Das Pflegethema lässt mich nicht ganz los, ich bin sowas wie der Ansprechpartner im erweiterten Familienkreis geworden. Mache ich einerseits gerne, anderseits ist ein wenig Wehmut dabei weil ja als mein Papa krank war über Jahre hinweg nichts aus der erweiteren Familie gekommen ist. Mittlerweile habe ich eine Tante und einen Onkel bzw deren Kinder auf dem Weg zum Pflegegrad begleitet/beraten.


    Bei der Tante bin ich jetzt wohl wieder in eine Falle getappt, diese wohnt allein im Nachbarhaus (seit 4 Wochen PG 2) und war dieses Jahr bereits 4x wegen ihres Herzes im Krankenhaus.


    Normalerweise wird sie von ihrem Sohn und dessen Familie (Kinder sind bereits 20 und 24 Jahre) betreut, die sind jetzt alle zwei Wochen in den Urlaub abgedüst und mir wurde kurzum die Aufgabe übertragen mich um den Garten inkl. Hühner zu kümmern. Gesagt wird mir das 24h vorher ....
    An sich ja kein Problem wenn da nicht noch die komplette Verantwortung für die Tante ebenfalls mit dran hängen würde. Gleich als erstes bekam ich den Hausschlüssel falls in der Nacht mal etwas sein sollte.

    Das ist eine Rolle die mir nicht (mehr) behagt, ich hoffe jetzt einfach das diese zwei Wochen alles rund läuft und nicht wieder der Notarzt gerufen werden muss. Ich hätte sowas nie gemacht und werde das auch ansprechen wenn die Herrschaften wieder aus dem Urlaub zurückkommen.


    Aus dieser Helferrolle / Helfersyndrom kommt man tatsächlich nur schwer wieder raus, habe ich gleich wieder einen Punkt für meine nächste Sitzung mit meiner Psychologin.


    Das Forum verfolge ich noch sehr sporadisch. Für die Hilfe, Unterstützung und Zuwendung die ich hier von so vielen Seiten erfahren habe werde ich immer dankbar sein. Ich versuche ein wenig davon weiterhin zurückzugeben möchte es aber irgendwann schaffen mich von diesem ganzen Themenkomplex zu verabschieden.

    Hallo Lillemor,


    ich möchte dir mein Mitgefühl aussprechen und mich den Worten von schwarzerkater anschließen. Das was du von deinem Mann erlebst ist sicherlich der fortschreitenden Demenz geschuldet. Ganz wichtig, du bist nicht verpflichtet das auszuhalten!


    Sollte dein Mann die Tagespflege annehmen würde ich versuchen ganz schnell die 2 Tage auf mehrere Tage auszuweiten. Es geht einerseits um deine Erhohlung, andererseits auch darum deinen Mann an Fremdbetreuung zu gewöhnen.


    Aus meiner persönlichen Erfahrung ist es das jede zusätzliche Erkrankung die Demenz beschleunigen kann. Der Körper hat einfach nicht die Ressourcen um alles zu "bekämpfen". Der enorme Gewichtsverlust tut da sein übriges.

    Mit der von dir beschriebenen Kombination ist halt die Frage ob und wie der Knochenmarkskrebs behandelt wird. Das sind auch Punkte die ich ganz offen mit dem Arzt besprechen würde. Manchmal ist die Behandlung einer Krankheit für den Körper noch belastender als die Krankheit selbst. Ganz wichtig ist das du dir Hilfe holst, den alleine ist das wohl nicht zu stemmen.

    Darf ich annehmen eine Pflegestufe liegt bereits vor und wenn ja das diese der aktuellen Situation angepasst ist?
    Wenn nicht wäre dies einer der dringlichsten Punkte. Dabei geht es nicht nur um den finanziellen Aspekt sondern auch darum das damit einfach viele Angebote leichter nutzbar werden.


    Du schreibst ja wie gesundheitlich angeschlagen du selbst bist, evtl. wäre es auch zusätzlich möglich für dich selbst eine Pflegestufe zu beantragen (ob das durchkommt ist wieder eine andere Sache). Ich will dir damit nicht unterstellen das du pflegebedürftig bist, es ist wie gesagt nur wichtig das du Hilfe / Unterstützung bekommst.


    Eine Pflegeberatungsstelle hast du bereits aufgesucht?

    In vielen Städten gibt es Selbsthilfegruppen für Angehörige Demenzkranker. Vielleicht findest du so etwas bei Euch (in meine Gegend sind die gerne bei den Maltesern oder dem rotem Kreuz angesiedelt). Ein direkter Austausch hilft ungemein.


    Buchenberg spricht einen wichtigen Punkt an. Schau das du alle Dokumente zusammen hast und solange ihr in einem Haus seit diese sicher verwahrt sind.

    Mit dem "Festlegen" hätte ich auch meine Probleme. Wir in diesem Forum wissen es ja was es heißt sich um einen dementen zu kümmern. Im Grunde ist es doch ein Vollzeitjob. Das ware Ausmaß dieser Aufgabe können wohl nur die begreifen die das an vorderster Front mitgemacht haben oder in der Pflege arbeiten.

    Wenn ich mich Leuten in meinem Alter (um die 40) über dieses Thema ins Gespräch komme hat ein Großteil sehr naive Vorstellungen was Pflege angeht.
    Da kommen dann gern die Sätze "Also Windeln wechseln könnte ich nicht u.ä." Wenn ich dann sage das wären eigentlich die einfachsten Aufgaben können die das nicht einordnen.

    Da wir als Gesellschaft ja gerne über Repräsentation aller Gruppen in Medien u.ä. reden müsste ich feststellen das die Gruppe der Demenzkranken und Pflegebedürftigen (die sich wahrlich nicht um Geschlecht, Hautfarbe, Religion, Ethnie oder sexuelle Orientierung schert) in den populär Medien nicht gut repräsentiert wird. Dokus ja, aber z.b. in Filmen werden, sofern jemand mit dieser Erkrankung überhaupt auftaucht, läuft es meist auf die lustige Oma/Opa raus der ein paar witzige Sachen sagt.




    Festlegen kann man es ja, aber ob diese Personen die Aufgabe dann auch annehmen (können oder wollen) das ist dann wieder ein völlig anderes Thema. Ich sehe da große Gefahren das dann wieder EINE Person in diese Rolle hineingepresst wird.


    Ich will jetzt niemand hier im Forum zu Nahe treten vorallem weil ich mich da ausdrücklich selbst mit einschließe. Aber mir scheint es das wir alle hier mehr als nur ein paar grundsätzliche Charakterzüge teilen. Ich würde die meisten die ich in den letzten 2 Jahren hier im Forum kennengelernt habe recht grob als recht ähnlichen Typ Mensch kategorisieren.

    Hallo OiOcha,


    Ich wünsche dir alles Gute das sich das mit deiner Mutter wieder gibt.


    Mir geht es soweit gut, ich bin dabei mein Leben neu zu ordnen und die letzten Jahre zu verarbeiten. Meine Psychologin ist dabei sehr hilfreich.

    So ganz will mich das Thema noch nicht loslassen.

    Hallo OiOcha,


    ich würde das auch abklären lassen. Sowas kann auch andere Ursachen haben. Auch wenn es eines Demenz sein sollte heißt es ja noch nicht das es so verläuft wie bei deinem Vater.

    Bei meinem Papa hat z.b. Gingko lange Zeit sehr gut gewirkt, bei anderen wieder gar nicht.

    und auch an ecia25

    Deine Sorgen kann ich sehr gut nachvollziehen. Seit mein Papa verstorben ist die Angst einmal selbst an Demenz zu erkranken bei mir sogar noch gewachsen. Gerade weil es auf der väterlichen Familienseite eine ziemlilche Epedemie ist.


    Wir wissen es nicht und das ist gut so. Alles was wir machen können ist den üblichen Empfehlungen folgen. Ich bin der festen Überzeugung das auch eine sinnvolle, fordernde und erfüllende Aufgabe im Alter helfen kann eine Demenz wenigstens zu verlangsamen. Sich immer wieder neuem stellen.

    Es gibt wohl Berichte das z.b. das erlernen einer 2. oder dritten Sprache dazu geeignet sein könnte eine Demenz zu verlangsamen (erscheint mir auch durchaus nachvollziehbar weil ja neue Verknüpfungen im Hirn angelegt werden) Auch regelmäßige Meditation könnte einen ähnlichen Effekt haben (hierzu gab es meines Wissens auch eine Studie, kann aber sein das mich mein Gedächtnis ;) belügt.)

    Sehr intressant finde ich auch die Artikel die einen Zusammenhang zwischen Demenz (und Parkinson) mit dem Herpes Virus nachweißen. Den trägt ja fast jeder in uns. Auch die Gürtelrose Impfung könnte vielleicht ein Baustein zur Demenzprävention sein (wenn man der entsprechenden Datenauswertung aus Wales glauben schenkt)

    Hallo Rose60,


    nach längerer Zeit habe ich mal wieder durch Zufall ins Forum geschaut und bin gleich bei deinem Beitrag hängen geblieben. Schuhe war mit meinem Papa auch immer unglaublich schwieriges Thema. Hoher Rist, sehr breit aber "nur" Schuhgröße 42. Entweder hatte keinen Halt oder sie waren zu eng. Ich fange gerade aus etwas auszuräumen und habe 6 Paar (teuere) Schuhe in die Kleidersammlung gegeben, keinen davon hatte er öfter als 2x an.

    Bei meinen Papa war das Problem die Arthrose, unsicherer Gang, Diabetes und unregelmäßig Wassereinlagerungen. Später kam auch immer Urin also sollten die Schuhe (bedingt) waschbar sein. Dazu neigte er zum Schweißfuß


    Gute Erfahrungen habe ich mit Promed Modell München III Schuhen gemacht, davon hatten wir am Schluß 3 Paar. Wenn ich zurück überlege hatten er glaube ich in seinem letzten Jahr ausschließlich diese Schuhe an. Er fand sie sehr bequem und hat darin nicht geschwitzt.

    Ob das jetzt eher ein Herrenmodell ist oder Unisex darüber ließe sich streiten. Das war ein guter Kompromiss weil die sowohl aus Hausschuhe geeignet waren aber auch straßentauglich sofern es nicht sehr feucht ist.


    Liebe Grüße

    Ich habe es heute zufällig in Focus Online gelesen fand aber dann doch noch einen (wie ich hoffe) vertrauenswürdigeren Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung (beide Links unten).

    Die Studie basiert laut Focus auf der Datenbasis von ungefähr 280.000 Krankenversicherten aus Wales (Großbritannien) und betrifft das Risiko an ein einer Demenz zu erkranken. Aber Achtung das ist nur eine Studie, weitere sind erforderlich.


    Zitat:

    "Hier zeigen die Forschenden, dass die Impfung zum Schutz vor Herpes zoster mit Zostavax nicht nur vor einer Gürtelrose schützt, sondern dass die Impfung auch die Wahrscheinlichkeit einer neuen Demenzdiagnose über einen Nachbeobachtungszeitraum von sieben Jahren um 3,5 Prozentpunkte verringert. Dies entspricht einer relativen Verringerung des Auftretens einer Demenz um 19,9 Prozent."


    Der ganze Artikel ist recht lesenswert.

    Gürtelroseimpfung senkt Alzheimerrisiko


    https://www.focus.de/gesundheit/guertelrose-erkennen-vorbeugen/preprint-studie-guertelrose-impfung-kann-demenz-risiko-drastisch-reduzieren_id_195141179.html

    Hallo Zimt,


    ich möchte dir ebenfalls mein herzliches Beileid aussprechen. Ganz viel Kraft wünsche ich dir für die nächste Zeit.


    Es freut mich für dich/euch das du im Heim eine "gute" Erfahrung in den letzten Tagen deiner Mutter gemacht hast. Mir erging es ähnlich und das Gefühl das der Übergang so friedlich wie möglich für meinen Papa war, war mir in den letzten 5 Wochen ein großer Trost.

    Hallo enh2292,


    vorneweg es ist nur ein Schuß ins blaue. Bei den von dir beschriebenen Symptomen käme mir auf Anhieb noch das Herz in den Sinn. Schwindel, Übelkeit, das zügige voranschreiten der Demenz-Symtome.


    Ich habe das bei meinem Vater miterlebt (da waren starke Herzrythmusstörungen und die Sauerstoffunterversorung des Gehirns für die plötzliche und unumkehrbare Pflegebedürftigkeit verantwortlich) und verfolge es aktuell aus der Ferne bei meiner Tante.


    Diese ist zwar nicht dement kann aber aufgrund der Herzschwäche (Schwindel, Übelkeit, Kraftlosigkeit) nur Phasenweise mal für 15-20 Minuten auf den Beinen sein und landet alle paar Wochen wieder im Krankenhaus.


    Wurde mal ein Langzeit EKG gemacht?

    Hallo Alfskjoni,



    das hört sich doch alles schonmal sehr gut an. Freut mich das du da deinen Weg gefunden hast.


    Beim lesen ist mir aber sofort etwas aufgefallen


    freute sich und fragte mich, wo ich denn herkäme.

    Von Zuhause. Hat sie irgendwie nicht verstanden.

    Hier würde ich "von Zuhause" weglassen, das triggert unter Umständen nur wieder "nimm mich mit ...".


    Ich habe das bei meinen Papa immer versucht zu umschiffen, der hat auch gerne gefragt "Wo kommst du den jetzt her". Bei mir war es dann aus der Arbeit oder einfach "Wollte dich einfach besuchen kommen".

    Schmerzen sind sehr subjektiv. Bei meinem Papa war es mit der Hüftathrose auch eine Odysee. Die Schmerztherpeutin meine damals auch es dauert bis man das richtige Schmerzmittel findet. Es war zugegebenermaßen auch ein ziemlich beschwerlicher Weg bis wir bei richtigen Mittel angelangt sind. Ich sehe Rückblickend auch das hier gerade die Orthopäden zu lange gezögert haben. Hier zeigen sich wieder die Lücken in der Versorgung Dementer.


    Zuerst hatten wir relativ lange Tilidin in Verbindung mit Bedarfsmedikation Novaminsulvon, dadurch war er aber nicht schmerzfrei. Das Novaminsulvon hat er dann plötzlich nicht mehr vertragen, schon eine halbe Tablette hat zu einer ganz massiven Verwirrung geführt.

    Danach Oxycodon, hat bei den Schmerzen besser geholfen aber die "Zieldosis" haben wir nicht erreicht. Diese hat beim ersten mal einen ganz massiven Blutdruckabfall verursacht. Dann ging es mit einer geringeren Dosis und Ibuprofen (trotz Nierenschwäche) weiter.

    Wirklich einigermaßen schmerzfrei war er erst mit Schmerzpflastern "Buprenorphin" dort sogar mit einer relativ geringen Dosis, die waren aber erst im Heim und mit Druck meinerseits möglich, warum auch immer ...


    Es ist Schade das wir nicht schon früher bei den Schmerzpflastern gelandet sind, zu dem Zeitpunkt als er die bekommen hat war er schon großteils immobil (schmerzbedingt) und die Beimmuskulatur hatte ganz massiv abgebaut.

    .

    Bei den Schmerzmittel können wir uns als Laien ja relativ wenig vorstellen. Ich fand da diese Wikipedia Seite relativ hilfreich https://de.wikipedia.org/wiki/Analgetische_Potenz so kann man die Stärke eines Präparats im Vergleich etwas besser einschätzen.


    Name: | Analgetische Potenz

    Acetylsalicylsäure (Asprin)
    0,003
    Metamizol (Novaminsulfon)
    0,1
    Tilidin 0,1-0,2
    Morphin (Referenzwert) 1
    Oxycodon 2
    Buprenorphin 30-70

    Ich habe mich ebenfalls beteiligt.


    Im gesamten Pflegebereich gibt es Begrifflichkeiten die leider (aus Unwissenheit) eher negativ belegt sind.


    Pflegeheim, Tagespflege, Pfegestufe,Gerontopsychiatrie, Pfleger etc..


    Mein Papa war in dieser Hinsicht zum Glück einigermaßen vernünftig. Aber es gab schon einen Grund warum ich z.b. die Tagespflege anfänglich als Seniorentreff verkauft habe. Auch das Pflegeheim wurde zum Seniorenheim oder Seniorenresidenz.


    Buchenberg und Oiocha sprechen da schon ein wichtiges Thema an, weil diese Begrifflichkeiten tatsächlich auch für viele Leute ein Grund sind Pflegeangebote nicht wahrzunehmen oder sogar abzulehnen.


    Beispiel:
    Meine Tante ist 83 und wohnt ein Haus weiter. Sie ist geistig völlig fit aber körperlich deutlich angeschlagen. Bewegung geht nur mit dem Rollator in kleinstem Maße, bewohnt allein ein riesiges nicht barrierefreies Haus mit großem Garten.


    Sie hat keine Pflegestufe, allein die Erwähnung dieses Begriffes ist für sie eine absolute Todsünde, von angeboten wie Tagespflege (wovon sie meines erachtens enorm profitieren würde) brauchen wir gar nicht reden. Da hilft es nicht mal das ihr Sohn Anwalt ist und es ihm ganz sicher nicht an Überzeugungskraft mangelt. Da ist kein Durchkommen möglich.


    Pflege=krank=unselbstständig=Kann nicht mehr allein auf die Toilette gehen=schlecht

    Gleiche oder ähnliche Klagen von Angehörigen habe ich die letzten Jahre öfter gehört also sicher ist sie da kein Einzelfall.

    Hier sind es tatsächlich die Begrifflichkeiten in der Pflege die eine negative Assoziation hervorrufen.


    Ich frage mich ab das genau so wäre wenn z.b. statt Pflegestufe ein neutraler Name gewählt werden würde. Zugegebenermaßen fällt mir selbst keiner auf Anhieb ein.

    Hallo Kedi,


    ganz unabhängig davon wie sich die Schmerzen deiner Oma zusammensetzen in dem Moment sind die sicherlich für sie real.
    Bei dementen kommen ja gerne einige Krankheiten zusammen z.b. gibt es auch Schmerzen aufgrund von Nervenschäden (Neuropathische Schmerzen).

    Wir haben anfänglich bei meinem Papa tatsächlich sehr gute Erfolge mit Akupunktur gehabt. Der Akupunkteur (ein echter Arzt, u.a. auch Notarzt) hat auch die Demenz "mitbehandelt". Ob dies bei der Demenz etwas gebracht hat vermag ich nicht zu sagen, aber mein eigentlich recht unruhiger Vater war während der 40 Minuten auf der Behandlungsliege immer total entspannt und entkrampft und innerhalb Minuten eingeschlafen.


    Später sind wir zu einer speziellen Schmerzärtin (Schmerztherapeuten) in Behandlung. Dort ist das Behandlungsziel i.d.R. eher auf Schmerzminderung als auf Heilung angesetzt. So konnten wir (langer Weg über verschiede Medikamente) in den letzten Monaten seines Lebens sogar eine unglaublich schmerzhafte Hüftathrose mit Schmerzpflastern schmerzfrei bekommen.