Beiträge von Sohn83

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    Hallo rose,


    Vielen Dank für deine Antwort. Ja ich bin mir bewusst das es auch der natürliche Krankheitsverlauf sein kann, deswegen möchte ich auch erstmal abwarten wie es sich entwickelt.


    Es ist halt dieser wirklich massive körperliche Abbau von einem Tag auf den anderen der mich stutzig macht. Der Mann ist wie ausgeschaltet. Ich habe mit meinem Vater schon einige "Schübe" mitgemacht. Aber so wie aktuell kenne ich es bei ihm eigentlich nur mit einem zusätzlichen Faktor also z.b. während starkem Fieber, Corona oder eben zuletzt vor 4 Monaten bei einer Blasenentzündung. Daher bin ich halt am "suchen".

    Ich gehe mal direkt auf den Titel dieses Threads "Wie gehts es Euch".

    Mir geht es im Moment eigentlich erstaunlich gut. Ich scheine wieder in eine mir wohlbekannte Phase gefallen zu sein wo die Sorgen irgendwann so groß werden das bei mir zumindest ein Teil der Emotionen abschaltet und eine rationale Ruhe und Klarheit einkehrt.


    Ich kenne das von mir auch aus Extremsituationen erst hetze ich mich ab und bin maximal nervös, unruhig und sorgengeplagt. An dem Punkt wo es dann oft bei anderen in genau diese Richtung kippen würde, kippe ich in eine Ruhe und emotionsgedämpfte Rationalität ab.


    Aus diesem Grund habe ich auch bei meiner Psychologin etwas auf die Bremse gedrückt und meinen Abstand zwischen den Stunden auf zwei Wochen verlängert. So eine Therapie ist einerseits sehr hilfreich, anderseits ist bei mir viel hochgekommen was meinen gefühlten Stress massiv erhöht hat.


    So nun zu meinem "Sorgenkind". Sein Zustand hat sich nochmals deutlich verschlechtert, er wirkt abwesend, verwirrt, apathisch, kraftlos. Er schläft extrem viel und ist oft kaum ansprechbar.


    Sonntag Vormittags war ich bei ihm, da saß er ihm Rollstuhl (an Rollator ist ihm Moment nicht zu denken) im Gemeinschaftsraum und war ein klein wenig wacher. Er verschüttete dann ein Glas Wasser, also habe ich ihn in sein Zimmer gebracht und umgezogen. Dies (kurz stehen/festhalten) um die Hose/Windel hochzuziehen hat ihn so angesprengt das er praktisch übergangslos in seinem Sessel eingeschlafen ist.

    Der Neurologe sowie der Bereitschaftsarzt haben ihn am Wochenende gesehen, die Vitalwerte sind alle okay, Blutdruck wieder deutlich besser.

    Die von mir angedachte Blasenentzündung wurde mittlerweile aber ausgeschlossen.


    Am Samstag Vormittag habe ich mich fast ein Stunde mit einem Pfleger unterhalten und wir sind alles mögliche in seiner Akte durchgegangen. Unser gemeinsamer Verdacht sind im Moment die Wassertabletten. Da kam vor einem Monat eine neue hinzu (wegen starker Wassereinlagerungen in den Beinen).

    Die Wassereinlagerungen sind weg aber etwa eine Woche nachdem die Tabletten angesetzt wurden hat dann sein Zustand sich so massiv verschlechert. Womöglich wird da zuviel Wasser ausgeschwemmt. (Mir war nicht bekannt da da eine Tablette hinzu gekommen ist) Ich habe ihm dann geziehlt Sportgetränke besorgt (mit Elektrolyten bla bla) und hatte wie bereits geschrieben am Sonntag durchaus den Eindruck einer leichten Verbesserung seines Zustandes.


    Natürlich ist auch ein Infekt möglich (Corona wurde ausgeschlossen). Aber kein Fieber, kein Schnupfen, kein Husten nichts.


    Warum ich, als Laie mich da auf Spurensuche begeben muss erschließt sich mir nicht. Mann könnte meinen wenn solch eine massive Verschlechterung eintritt würde mal einer vom Fachpersonal (oder einer der zwei Ärzte seitdem) einen Blick darauf halten ob es vielleicht mit einer geänderten Medikation zusammenhängt. Gewogen wurde er dann auch, da bin ich erstmals erschrocken. 69,3 kg, vor 4 Monaten bei Aufnahme waren wir noch bei 77kg (der Mann ist 174cm groß und wog einmal 135 kg!) Letzte Wage vor 10 Tagen war noch 71,5 kg. Das würde alles zu den Wassertabletten passen.


    Ich warte jetzt mal ab wie es sich ohne diese Tabletten die nächsten Tage entwickelt, sollte es zu einer deutlichen Verbesserung kommen werde ich diesen Punkt ansprechen.


    Punkt ansprechen ist ein weiteres Stichwort. Ursprünglich hatte ich ja einen Verdacht auf eine Blasenentzündung, den ich mehrfach geäußert habe. Mir wurde gesagt es wird ein entsprechender Test im Heim gemacht, ich muss deshalb nicht zu Doktor etc..
    Nach 5 Tagen (und zweimaligen vertrösten) wurde immer noch kein Test durchgeführt weil sie aktuell keine haben ....


    Da war ich dann froh das ich mich da bereits in meiner "rationalen Phase" befand sonst wäre ich womöglich unleidlich geworden. Ich habe noch während des Gesprächs mit den (sichtlich verlegenen) Pflegern mein Handy gezückt und zwei Apotheken angerufen. In der zweiten (keine 300 Meter vom Heim entfernt) hatten sie Test, 10er Pack 6,30 EUR. Also dort hin gegangen und ins Heim gebracht, dauerte keine 10 Minuten. Es ist keine Blasenentzündung aber so konnten wir das wenigstens ausschließen.

    Aber ehrlich? bei fast 5000 mtl. fürs Heim haben die keinen Urintest der mich in der Apotheke 63 cent / Stück kostet? Das der Test negativ war ist dabei ganz unerheblich. Ich warte jetzt ab wie es sich ohne Wassertabletten entwickelt und dann bitte ich die Pflegeleitung zu einem ersten Gespräch denn dieses Verhalten finde ich fahrlässig.


    Freitag war dann großer Bahnhof vor dem Heim unser Ministerpräsident war für den Spatenstich des Heimneubaus für 39 Millionen da.

    Hallo Glueck55,


    im Grunde hast du Dir dein Frage bereits selbst beantwortet. Ich bin ja auch so, stelle mir ganz ähnliche Fragen. Bei anderen sieht man da schnell klarer, deshalb in ich für dieses Forum so dankbar weil meine Sicht so manchmal wieder etwas zurückgerückt wurde.


    Der Schlafentzug hat dich an die Grenze gebracht. Wie lange brauchst du bist du wieder an diesem Punkt bist? Oder die nächste Erkrankung deinen Mann wieder aus der Bahn wirft, oder der nächste Demenzschub kommt?


    Du schreibst dein Mann hat sich gut eingelebt. Mit dem Heim seid ihr zufrieden? Dann besteht eigentlich kein Grund an dieser Situation etwas zu ändern. Es gibt bei der Demenz leider nur eine Richtung. Wenn dein Mann sich im Heim zurechtfindet und vielleicht noch in der Lage ist neue Kontakte zu knüpfen ist das für seine Gesundheit nur positiv.


    So sehr ich mit der Entscheidung Heim für meinen Vater anfänglich gehadert habe (und auch jetzt noch oft tue) ganz rational war es die Richtige Entscheidung. Rational haben wir mit diesem Schritt zu lange gewartet. 6 Monate früher und er hätte es vielleicht noch geschaft dort auf andere Leute zuzugehen und sich wirklich (aktiv) zu intigrieren. Dazu ist es jetzt leider zu spät.

    Erstmal Danke für eure Zusprache.


    Bei meinem Papa war das Wochenende schwierig. Nachdem er Samstag Nachmittag bereits total verwirrt und wackelig war bin ich Sonntag zum ersten mal Vormittags zu ihm Gefahren weil ich sehen wollte ob der Vormittags vielleicht in einem besseren Zustand ist. Die Nacht von Samstag auf Sonntag war er wohl wieder sehr aktiv und bekam dann gegen 3 Uhr eine Beruhigungstablette. Nachdem sich die Inkontinenz die letzten Wochen deutlich gebessert hat ist die im Moment wieder sehr akut. Er uriniert wohl auch im Zimmer herum und ist gestern zwei mal gestürzt.


    Entsprechend war Sonntag gegen 10 Uhr kaum ansprechbar und lag noch in seinem Bett und ist immer wieder weggedämmert.

    Ich habe dann ein längeres Gespräch mit der Stationsleitung gehabt, das ist ein neuer Pfleger um die 40 der seit 3 Wochen dort arbeitet aber einen sehr kompetenten Eindruck macht.

    Ich habe ja den Blutdruck in Verdacht das dieser zu stark gesenkt wird. Gestern gegen 10 Uhr hatte er 110:65 aber da hatte er noch keine senkenden Tabletten genommen weil er ja noch nicht auf war.

    Ich habe dann darum gebeten das der Blutdruck stärker überwacht wird. Am Freitag hat der Neurologe im Heim Visite dann wird mein Vater nochmal angeschaut.


    Während ich das hier niederschreibe fällt mir auch das die Symtome sich ziemlich genau mit seiner letzten Blasenentzündung vor 4 Monaten decken. Dies werde ich heute im Heim mal ansprechen.


    Unser "alter" Neurologe meinte ja immer er hätte gern einen deutlich höheren Wert als die berühmten 120:80 weil das geschädigte Gehirn einen höheren Druck braucht.


    Mal schauen wie es sich entwickelt.

    Hallo Rose und enh2292,


    danke für euren Zuspruch. Ja einen Schub habe ich auch schon vermutet. Würde auch passen weil das rechte Auge wieder nur halb offen ist. .....


    Wie ich diese Krankheit doch hasse. Meine Psychologin ist da ganz schnell bei der Sache und sagt mein Vater hat seinen Zustand zu einem großen Teil selbst verursacht. Sie sagt auch er hat die Diagnose schon so lange (ca 8 Jahre) er hätte selbst vorsorgen müssen und nicht alles auf mich abschieben dürfen.


    Aber diese Abgrenzung schaffe ich einfach nicht. Ich spiegle weiterhin sein Befinden wie schon die letzten Jahre während der Pflege daheim.

    Besuche reduzieren, ja darauf wird es wohl hinauslaufen müssen. Heute bin ich eigentlich sowieso nicht drin aber natürlich läuft das Kopfkino seit gestern.

    Nachdem es bei meinem Papa jetzt viele Wochen recht gut ihm Heim lief ist seit zwei Wochen der Wurm drin. Es ist manchmal wirklich wie ein Fluch, ich kann mich noch erinnern wie ich letzte Woche Montag mit einen Lächeln aus dem Heim gegangen bin weil Papa so glücklich und ausgeglichen wirkte. Das war für mich seit Monaten der erste Tag an dem ich innerlich so richtig zur Ruhe gekommen bin. Keine Sorge über ihn, kein schlechtes Gewissen. Tja gleich am nächsten Tag war dann wieder alles anders. Ein komplett anderer Mensch.


    Er weint und will mich nicht gehen lassen. Er will nach Hause. Wenn ich sage du bist doch schon zuhause sagt er das kann er nicht akzeptieren. Alles in allem wirkt er sehr verwirrt und gebrechlich. Gestern war es so schlimm das ich wirklich die Fassung verloren habe und sofort wieder in meine überforderte Wut gefallen bin. Erstaunlich, als wären all die körperlichen Entlastungen der letzten Monaten wie weggeblasen. Ich konnte nur gehen weil eine Pflegerin ihn abgelenkt hat.


    Habt ihr auch solche "Phasen". Ich hoffe es ist eine Phase ....


    Ich arbeite mit meiner Psychologin, aber im Moment habe ich das Gefühl das mich selbst das überfordert und mir wieder alles über den Kopf wächst.

    Ja dem kann ich nur zustimmen, das Zimmer ist weit weniger wichtig als wir eigentlich meinen, es ist für die Angehörigen.
    Oft sind es vielmehr Kleinigkeiten die von Belang sind. Nach 3 Monaten erkennt mein Papa sein Zimmer immer noch nicht, aber er freut sich sehr wenn ein Blumenstrauß am Tisch steht. Also bringe ich regelmäßig Blumen mit.


    Das Problem mit der Tag/Nachtumkehr hatten wir auch. Gerade anfänglich in "fremder" Heimumgebung. Ein guter Baustein war das ich seine eigene Bettwäche mitgebracht habe. Die wird normal vom Heim gestellt aber in der eigenen schlief er plötzlich deutlich besser durch. Vielleicht ein Versuch wert?


    Ich hatte bei Papas Heim anfänglich auch bedenken. Das Gebäude stammt halt aus den frühen 60ern und das sieht man. Es ist gepflegt und sauber, aber z.b. die Bäder würde man heutzutage einfach so nicht mehr bauen.

    Sein Zimmer hat eine Fensterseite zum Park, aber da schaut man aktuell auf ein großes Bauloch. Da entsteht gerade der Neubau des Heimes. Auch da hatte ich bedenken (die hier im Forum ausgeräumt wurden) ... große Baustelle nebenan. Aber tatsächlich intressiert ihn das mehr als das es ihn stören würde. Da rührt sich wenigstens was. Er hat mir schon ein paar mal erzählt das er die Bauarbeiter überwacht ;)


    Wobei bei unser Heim der Sonderfall ist das es "bald" abgerissen wird. Aktuell entsteht der Neubau aus zwei Gebäuden, dann ziehen die Bewohner um und das alte Gebäude wird abgerissen und ein dritter Flügel errichtet. Fertigstellung insgesamt 2028 (wobei der Umzug für 2025 geplant ist) ob uns das alles noch betrifft ist bei diesen Zeitpannen halt komplet unklar.

    Hallo an alle. Danke für die Rückmeldungen.


    Eigentlich hatte ich für das letzte Wochenende geplant mit meinem Papa essen zu gehen, leider ging es ihm aber die ganze Woche nicht sehr berrauschend. Er war eigentlich immer stark verwirrt und weinte viel. Da wäre zusätzliche "Aufregung" nicht gut gewesen.

    Ich denke ich werde das mal spontan entscheiden wenn er einen richtig guten Tag hat.

    Hallo Rose,


    das tut mir leid für dich und deinen Bruder. Das ist wohl tatsächlich eine der Situationen bei der man immer das Gefühl hat es falsch zu machen. Egal wie man sich entscheidet.


    Mein erster Impuls wäre wohl auch zu schweigen, da ja auch kein direkter Kontakt zwischen Mutter und Sohn mehr da ist.

    Letztendlich ist da natürlich auch die Frage ob du dir selbst zutraust die "Fassade" entsprechend aufrechtzuerhalten wenn deine Mutter nach deinem Bruder frägt.


    Ich wünsche Dir da ganz viel Kraft.

    Hallo Carolina,


    Sie fragte: "Was ist denn das nochmal für einer?"

    Darauf sagte ich erst, dass sie das doch wüsste welche Farbe der hat,

    Das ist der Punkt. Da kann ich Rose60 nur zutreffen. Dieses "Das weißt du doch" führt bei dementen gerne im Gespräch in eine Abwärtsspirale Richtung Verwirrung, Wut oder auch Agression.


    Wenn deine Mutter dir erzählt sie war heute morgen einkaufen lügt sich dich ja nicht an, auch wenn du weißt das es nicht so war. Für deine Mutter ist das real, ein Fakt an den sie sich erinnert. Sie war einkaufen.

    Das ist wirklich sehr schwer zu lernen und noch schwerer zu akzeptieren.
    Gerade an einem Punkt indem sich das langsam einschleicht, also noch echte vernünftige Gespräche möglich sind aber langsam mit der eigenen "Welt" des dementen durchmischt werden.

    Dieses Verhalten gehört einfach zur Krankheit, ich reagiere da auch oft genug schlecht darauf.


    Mittlerweile schaffe ich es aber immer besser das so zu akzeptieren wie es ist. Papa erzählt mir er war heute morgen in irgendeiner Stadt und hat dort dies und das gemacht. Meine Reaktion darauf ist: "Es freut mich das du so einen schönen Tag hattest und so viel erlebt hast"

    Von der Alzheimer Gesellschaft gibt es ein tolles Plakat mit 11 Kommunikationstipps. Das finde ich sehr hilfreich:

    https://shop.deutsche-alzheimer.de/sites/default/files/broschueren/multikulti_deutsch_plakat_din_a4_11tipps_0.png

    Ich wünsche Dir das deine Mutter Corona gut übersteht und du selbst davon verschont bleibst.


    Das sie fremde Kleidung trägt ist natürlich seltsam, aber bei uns (am Anfang) auch vorgekommen. Spontan würde mir da aber eine ganz banale Erklärung einfallen.


    Ihm Heim meines Vaters wird die Kleidung, nachdem man in Langzeitpflege kommt, mit einem Namensschild versehen. Das machen die allerdings nicht selbst sondern geben das an einen externen Dienstleister. Dann ist mal kurzfristig ein großer Teil der Kleidung ein paar Tage weg.

    Zwar wird ein Grundstock da behalten, aber gerade bei Krankheit kann es nötig sein die Kleidung öfter zu wechseln. Mein Papa reagiert z.b. schon auf einen kleinen Schnupfen mit Verwirrung und Inkontinenz. Dann werden manchmal trotz Windeleinlage 2-3 Hosen am Tag verbraucht.

    Hallo OiOcha,


    es freut mich sehr für Dich/Euch das es so gut läuft. Das klingt doch sehr gut und viel besser wie vorher.

    Ich sehe da mal wieder viele Parallelen zu meinem Papa.


    Das mit dem "wieder gehen" ist bei uns auch mit das schwierigste. Sehr gut funktioniert den Besuch so zu timen das dieser zum Essen hin (Mittag/Abend) ausläuft. Er sitzt mit den anderen beim Essen und ich gehe. So hängt er nicht in der Luft.

    Geht das nicht verabschiede ich mich nie auf seinem Zimmer, ich bringe ihn immer in die Gruppe in den Gemeinschaftsraum. Funktioniert bei uns so besser.

    Ich würde einen entsprechenden Verdacht auf jedenfall mal ansprechen.


    Weil du etwas von Toilette geschrieben hast, das kann auch ganz gewaltige Einflüsse auf den Zustand haben.

    Das kenne ich bei meinem Vater, der hat die auch regelmäßig starke Verstopfung (trotz Gegenmaßnahmen). Wenn sich das ankündigt (4-5 Tage ohne Stuhlgang) ist er praktisch nicht mehr ansprechbar und komplett verwirrt. In diesem Zustand kann er nicht mal mehr selbstständig trinken weil er tatsächlich mit "Bitte jetzt runterschlucken" nichts mehr anfangen kann.


    Mittlerweile reagieren die im Heim recht schnell um es nicht soweit kommen zu lassen. Leider funktioniert das trotzdem nicht immer.


    Löst sich dann die Verstopfung stabilisiert sich sein Zustand ganz schnell und er läuft tags darauf fröhlich mit dem Rollator durch die Gegend.

    Ich hatte nicht den Eindruck, dass man möglichst einen niedrigen PG "rausholen" wollte. Im Gegenteil, ich kann nur Lobendes sagen ...


    Wenn ich zurück denke war die allererste Einstufung die schwierigste.

    Das ist es auch was ich im Umfeld erlebe. Meine Tante (83) im Haus nebenan ist wirklich nicht fit. Blutdruck geht mehrfach täglich komplett durch die Decke um danach recht tief zu fallen. Bewegt sich nur mit Rollator. Kein Pflegegrad nicht mal den kleinsten. Ihr Sohneman der das beantragt hat (und sich gut um seine Mutter kümmert) ist Anwalt, also niemand der da eine Auseinandersetzung scheuen würde. Aber keine Chance.

    Ich hatte auf anraten des Neurologen einen Pflegegrad für meinen Vater beantragt "Damit dieser im System ist" weil im Fall der Fälle die Höherstufung schneller und problemloser geht.

    Zu diesem Zeitpunkt war mein Vater aber eigentlich noch voll selbstständig, allenfalls kaum merkliche kognitive Einschränkungen und arbeitete noch täglich 4-5 Stunden im Betrieb mit.


    Wie richtig der Rat des Neurologen war mussten wir leider gleich am ersten Tag sehen. An einem Samstag Vormittag erhielt ich dann die Einstufung Pflegestufe 1, während mein Vater gerade seinen üblichen Spaziergang über mehrere KM machte. -> Ein paar Stunden später: Herzrythmusstörungen, Wiederbelebung, mehrere Synkopen über 1 Woche verteilt, Delir, Herzschrittmacher. Von praktisch voll selbstständig und geistig klar zum echten schwer dementen Pflegefall innerhalb eines halben Tages.
    Die Höherstufung auf PG 3 war dann wiederum gar kein Problem

    Auf der Homepage der Malteser gibt es einen sehr gut ausgearbeiteten Pflegegradrechner wo jeder einzelne Punkt mit den Voraussetzungen genau beschrieben ist (auf rotes i drücken)

    https://www.malteser.de/hausno…e/pflegegrad-rechner.html



    So kann man sich sehr gut auf die Begutachtung vorbereiten und auch im Antrag einige wichtige Phrasen unterbringen.

    Die Höherstufung meines Vaters von 3 auf 4 lief rein telefonisch anhand meiner Angaben. Mit meinem Vater wollten die da schon gar nicht mehr reden. Das war aber auch eine Prüferin vom MD die sich sehr gut mit Demenz auskannte.

    Hallo ihr lieben,


    ich möchte mal ein wenig eure Erfahrungen und Einschätzungen hören.

    Mein Papa ist jetzt 3 Monate im Pflegeheim. Es gefällt ihm dort, zumindest höre ich das so aus unseren Geprächen raus. Jetzt hat er mich schon öfter, eigentlich ganz unvermittelt, gefragt wann wir den mal wieder auswärts Essen gehen.

    Seit mein Papa vor zwei Jahren ganz plötzlich zum echten Pflegefall wurde sind wir eigentlich jeden Sonntag in ein Gasthaus zum Essen gegangen. Das änderte sich jetzt erst seit seinem Einzug ins Pflegeheim.

    Das Gasthaus ist sein Elternhaus und keine 500 Meter von unserem Wohnhaus entfernt und wird noch immer von seinem (Halb)bruder betrieben. Früher war er dort über Jahrzehnte bis zu 6x die Woche am Stammtisch.


    Grundsätzlich möchte ich ihm den Wunsch gerne erfüllen. Eigentlich würde ich ihm gerne hin und wieder auch mal noch andere kleine Ausflüge anbieten.


    Jetzt kommt das aber, auch nach drei Monaten findet sich mein Papa im Pflegeheim nicht selbstständig zurecht. Das verwundert mich eigentlich nicht, da dies auch zu Hause nicht mehr gegeben war. Ich glaube zuhause ging viel ohne denken, versteht ihr was ich meine? Musste er auf die Toilette oder in die Küche wussten die Füße manchmal noch wo sie hin gehen mussten solange er nicht darüber nachgedacht hat. Hat man ihn gefragt wo die Toilette ist konnte er das meist nicht benennen. Das sind die Sachen die jetzt im Heim weg sind und ich auch ein wenig für den scheinbaren Abbau gegenüber der Versorgung zuhause die "Schuld" gebe. Aber ich schweife ab.

    Wenn ich im Pflegeheim Papa mit dem Rollstuhl in den Stadtpark (nicht groß) schiebe (das Pflegeheim geht natlos in den Stadtpark über) und wir dort unsere (temperaturbedingt) nur 15 Minuten an der frischen Luft sind erkennt er danach schätzungsweise an 7 von 10 Tagen sein Heimzimmer nicht wieder.


    Dann kommen Diskussionen wo er den heute nacht schlafen soll, wo er denn wohnt, wie er nachhause kommt, wo ich den wohne etc.. Er ist dabei nicht unbedingt ängstlich aber halt verwirrt und verunsichert.

    Ein wenig habe ich Angst das ich jetzt z.b. durch ein Essen gehen am Wochenende bei ihm viel Unruhe rein bringe. Aktuell vertröste ich ihn noch wegem dem schlechten Wetter, er mag bei kälte sowieso nicht gerne raus.

    Andererseits stehen diesen Monat sowieso 2 Artztermine außer Haus an. Die kann ich ihm leider nicht ersparen (Zahnarzt und Nephrologe).


    Wie sind eure Erfahrungen? Macht ihr sowas? Läuft das gut?

    Danke Herr Gust für den intressanten Link. Ich habe mir das auch notiert man weiß ja nie.


    Aber ehrlich gesagt 44 Kliniken in D? Ich finde das bestürzend wenig.
    Wenn ich da die Liste anschaue scheint nur Hamburg mit 6 Nennungen relativ "gut" versorgt zu sein.

    Ich habe jetzt mal gegoogelt, wobei ich als Landei natürlich nicht repräsentativ bin, aber knapp 200km zur nächsten Klinik mit Special Care Unit sind schon eine Ansage zumal da ja auch erstmal überhaupt ein Platz frei sein muss.


    Jeder von uns weiß wie schwer es mitunter ist eine ordentliche Pflege und Behandlung für demente Patienten zu organisieren. Ich habe manchmal wirklich das Gefühl das unsere Gesellschaft da sehenden Auges auf eine absolute Katastrophe zusteuert.

    Liebe Elisabetha,


    ich möchte dir mein Mitgefühl in dieser Situation ausprechen. Ich bin selbst vor nicht mal drei Monaten genau am gleichen Punkt gewesen. Gerne würde ich sagen ich habe das alles mittlerweile hinter mir gelassen, dem ist leider nicht so. Aber es wurde besser. Du schreibst ja das du seit über 10 Jahren pflegst, das ist eine unglaubliche Leistung und darauf kannst du zurecht Stolz sein.
    Das du jetzt wo sich alles ändert erstmal ein ein Loch fällst ist überaus menschlich und normal. Es ist komisch aber hier im Forum werden viele das Gefühl gut kennen: Entlastung kann erstmal belasten.


    Du hast insofern eine "gute" Ausgangslage da du siehst das es deiner Mutter jetzt besser geht als zuvor. Das sie Fähigkeiten die vermeitlich verloren waren wenigstens für eine bestimmte Zeit zum Teil zurückgewinnt. Das ist etwas an das du dich Klammern kannst wenn es dir schlecht geht. Du machst das ja alles nicht aus Bosheit sondern weil du für deine Mutter die bestmögliche Versorgung möchtest. Bestmöglich und "daheim" sind halt ab einem bestimmten Krankheitsstatium nicht mehr miteinander vereinbar.



    Hier im Forum ist mal ein Satz gefallen den ich schon öfter sinnhaft zitiert habe. (Leider scheint das original mitterlweile gelöscht zu sein)

    "Unsere Gesellschaft macht Eltern kein schlechtes Gewissen weil sie ihre Kinder in die Schule geben und diese dort von Fachkräften fremdbetreut werden. Warum sollte das bei alten und kranken Menschen anders sein?"

    Ich finde diese Fragestellung für meine rationale Seite sehr hilfreich.


    Zu guter letzt, wenn es dir nicht gut geht schreibe hier. Wir verstehen Dich sehr gut. Vielleicht überlegst du dir auch ob dir selbst professionelle psychologische Hilfe in dieser Zeit helfen kann.


    Vorher denkt man doch oft, man würde wer weiß was tun, wenn man erstmal eine langdauernde Belastung abgeben kann und dann sagt der Körper, die Seele "Moment mal" oder eben die Gedankenspiralen gehen los, alles an niedermachenden Glaubenssätzen hat Zeit hochzukommen.


    Das trifft den Nagel auf den Punkt. Auch ich dachte mir "Danach" fängt mein Leben an, "Danach" mache ich dieses und jenes. Jetzt im "Danach" finde ich oft einfach keine Kraft. Es ist wie du so schön schreibst "ein Weg" und man muss sich dafür die Zeit nehmen die man braucht.