Beiträge von ecia25

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    daher tut es gut, es hier erzählen zu können.

    Das ist auch einer der ganz wichtigen Faktoren in diesem Forum: jede und jeder kann sich hier die alltägliche und auch die besondere Last im Zusammenhang mit den dementen Angehörigen von der Seele schreiben, ob lang und ausführlich oder kurz und knackig ist völlig egal.

    Es wird immer von Menschen gelesen, die aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen Verständnis und Mitgefühl haben und auch entsprechend antworten können. Wobei mir persönlich oft schon das Wissen hilft, dass es gelesen wird - und das wird es. Wem lange Texte zu viel werden, der liest sie dann eben in Etappen - jedenfalls mich interessiert alles und auf mich wirkt es, als ginge es den anderen Teilnehmenden genauso.

    Und auch das Schreiben scheint den meisten, so wie mir auch, schon viel zu helfen. Es ist ja auch eine Unterstützung beim Strukturieren und das Erlebte in Worte zu fassen, macht es greifbarer.

    Also weiter so und das geht an alle, die Angst haben, zu viel zu schreiben!

    Ein Pfleger erzählte mir dass sie zumeist so ab 11 depressiv wird. Ob das mit meiner Besuchszeit um 10.30 zusammenhängt?

    Diesen Schluss fände ich nur dann vielleicht logisch, wenn Du sie täglich besuchen würdest und dabei dann sehr fordern.

    Aber diese Phasen, in denen ich mich fragte, ob ich mir das Schwierige zuvor nur eingebildet habe, oder auch eine wunderbare neue Entwicklung eingetreten ist, die kenne ich gut.

    Es macht mich auch immer wieder fertig wie ihr Status Quo zwischen Beweglichkeit (an dem Tag war auch der Friseur da, dann ist sie eh immer gut drauf) und uralter Dame, die vom Bett kaum aufstehen kann und wirr erzählt.

    Das ist mit das schlimmste: denn dann stelle ich in Zweifel alles richtig zu machen.

    Weißt Du, das geht mir mit mir selbst so: den einen Tag denke ich fast, ich könnte eine Bergtour machen, so fit bin ich und am nächsten Tag (oder sogar nur ein paar Stunden später) komme ich kaum mehr die 30Stufen zu meiner Wohnung rauf.

    Das hat mit dem, was Du tust überhaupt nichts zu tun.

    Wieso soll es auch an Dir liegen? Denkst Du denn, wenn Du eine gesundheitliche Störung hast auch, dass Deine Kinder schuld sind? So wie ich Dich bisher lese, sicherlich nicht. Deshalb verstehe ich nicht, warum der Zustand Deiner Mutter von Deinem Tun, Lassen und Verhalten abhängig sein soll.

    (Zugegeben, ich weiß, dass es v.a. Mütter gibt, die ihre Kinder für ihr eigenes Befinden von klein auf verantwortlich machen und rate mal, welcher Verdacht sich mir da bezüglich Deiner Mutter aufdrängt ;))

    Da sagt der Pfleger im barschen Ton, ich bin hier Pflege Fachkraft. Ich habe das Recht mich in jedem Zimmer aufzuhalten. Völlig unempathisch. Und das ist der Pfleger, der auch den Wohnbereich leitet.... Führungskraft.

    Das klingt freilich, wenn man es so spontan und ungefiltert miterlebt, sehr unangenehm. Aber vielleicht ist es auch die Erfahrung dieses Pflegers, dass er bei diesem Bewohner so klar reagieren muss?

    Er könnte durchaus bei anderen Bewohnern ein freundlicher Mensch sein, kann aber wo nötig ohne persönliche Vorbeziehung anders reagieren als Angehörige es könnten?

    Das sind aber nur Gedanken, die nicht zwingend zutreffen müssen, aber den Eindruckl relativieren können.

    wir wieder selbst und nicht eine alte, kranke Person über unser Leben bestimmt.

    Lieber Buchenberg, dieses Gefühl kann ich so gut nachvollziehen. Ich darf über meine Zeit wieder viel mehr selbst bestimmen und nicht mehr das Telefon mit meiner Mutter am anderen Ende! Tatsächlich fühle ich mich so befreit, wie ich es mir gar nicht vorstellen kann und andere stellen auch fest, dass ich viel gelöster wirke.

    Wermutstropfen: meine Schwester mit jetzt 78 Jahren zeigt immer mehr Verhaltensweisen, die mehrere Leute unabhängig voneinander an eine beginnende Demenz denken lassen (und es sind alle Personen, die einschlägige Erfahrungen, teils auch beruflich, haben).

    Noch trösten wir uns mit dem Gedanken, es könnte von den letzten beiden Vollnarkosen in zeitlichem Zusammenhang mit der Verarbeitung von Mutters Tod kommen, aber alle haben wir auch den jahrzehntelangen Alkoholmissbrauch im Hinterkopf - und das macht Angst, große Angst.

    Hallo die Tochter, fühle Dich mal erst in den Arm genommen!

    Das ist wahrhaft sehr aufregend und aufwühlend.

    Aber Deine Mutter wird so oder so nicht gewinnen, sie ist mit der wahrscheinlichen Demenz ohnehin am Verlieren, v.a. sich selbst.

    Jetzt geht es drum, dass Du Dich schützt und das hast Du doch schon ganz gut

    angefangen. Du hast das Gespräch schnell beendet, als es Dir zu viel wurde.

    Und wäre es länger gewesen, hätte es wahrscheinlich auch keine Besserung gebracht.

    Aber Du hast den sozialpsychiatrischen Dienst alarmiert, also einen großen nötigen Schritt getan - jetzt werden die Dinge laufen. Du hast getan, was Du unter den gegebenen Umständen tun kannst. Nun erhole Dich erst mal von diesem heftigen Ereignis.

    da er emotional stark eingebunden ist und ich nicht.

    Genau deswegen ist auch Dein Mann zuständig, für sich zu sorgen. Das kannst Du ihm bei aller Liebe gar nicht abnehmen, sondern ihn bestenfalls dabei unterstützen - aber das tust Du ja. Annehmen muss er es und wenn er das nicht tut, ist er da alleine für sich verantwortlich. Du bist seine Frau, nicht seine Mutter, er ist ein erwachsener Mann.

    Ich halte mich jetzt nur noch an die Ärzte und werde, auch wenn ich ein unfassbar schlechtes Gewissen habe, erstmal keinen Kontakt mehr zu ihr suchen.

    Warum hast Du ein schlechtes Gewissen? Meinst Du, Du bist verpflichtet, Dir all das bieten zu lassen, womit Deine Mutter Dich und ihre gesamte Umwelt tyrannisiert?

    Muttersein bedeutet nicht, lebenslang Untertanen zu haben, die bedingungslos gehorchen müssen und bei Bedarf Fußabstreifer der Mutter sind.

    Muttersein heißt zu allererst einmal Verantwortung, die Kinder, die frau ungefragt in die Welt gesetzt hat, liebevoll ins Leben zu geleiten und ihnen alle Türen so offen zu halten, dass sie ein Leben führen können, das für sie gut ist.

    Das weißt Du vermutlich und behandelst Deine Kinder entsprechend (Fehler inclusive, das geht nicht anders, weil wir Menschen sind).

    Aber von Deiner Mutter lässt Du Dir all diesen Mist bieten und hast dann ein schlechtes Gewissen, wenn Du versuchst, Dich davon zu befreien?

    Nicht Du musst Dich schämen, sondern Deine Mutter! Sie müsste ein schlechtes Gewissen haben, trotz aller psychischen Veränderungen und der Demenz.

    Ansonsten möchte ich noch die Ausführungen von Buchenberg und Rose verstärken und Dich ermutigen, die empfohlenen Schritte einzuleiten.

    Viel Mut, viel Kraft!

    Meine volle Zustimmung (wenn es noch Likes gäbe, hätte ich ein solches gesetzt)

    Liebe ecia25 :

    Es tut mir aufrichtig leid, was dir passiert ist. Solche Situationen kenne ich aus Kind-Sicht, Zuschauer.. sehr schlimm. Wie gut, dass du daraus gefunden hast, vergessen tut man es nie..

    Genau das meinte ich auch bzgl. Lillemoor

    Ganz liebe Grüße

    Danke, mir war ganz wichtig, Eure diesbezüglichen Hinweise zu bestärken, alles andere sowieso.

    Liebe Lillemor,

    bisher dachte ich, die anderen schreiben ja ohnehin schon alles, was auch ich schreiben würde und noch ein bisschen mehr, weil entsprechende Mehrerfahrungen haben.

    Aber jetzt möchte ich doch Dich auch dringend drauf hinweisen, dass Du Deine eigene Sicherheit unbedingt schützen musst, auch wenn die Art und Weise vielleicht Deinem Mann nicht passt.

    Ich selbst war in der Situation, von meinem (aus anderem Grund) psychisch massiv veränderten 1. Ehemann bedroht worden zu sein, glaubte, das mit ärztlicher Hilfe und Anleitung zu Hause handeln zu können, was auch eine ganze Weile funktionierte (unter fast völliger Selbstaufgabe).

    Schließlich eskalierte eines Abends die Situation doch so, dass er mich massiv mit Fußtritten attackierte, was mehrere Brüche im Bereich des Steiß und der Wirbelsäule zur Folge hatte. Mit sehr viel Glück entkam ich einer Querschnittslähmung, aber massive Schmerzen und Bewegungsstörungen mit erheblichen Einschränkungen im Alltag sind mir geblieben und werden mich bis an mein Lebensende begleiten. Passiert ist das Ganze 1987!

    Dann ließ ich den Arzt, der mich längst bedrängt hatte, etwas zu unternehmen, eingreifen und brachte mich samt Kindern in Sicherheit.

    Was ich Dir damit schreiben will: Es kann sehr plötzlich sehr gefährlich werden, auch wenn Du vorher noch einigermaßen glaubtest, die Lage selbst unter Kontrolle halten zu können. In meinem Fall kam die Entgleisung völlig unverhofft aus dem Nichts, es gab vorher keinen Streit....

    Vielleicht etwas egoistisch?

    Nix egoistisch, sondern Eigenschutz!

    In jedem Hilfsberuf (z.B. Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, Pflegebeufe usw.) lernt man den Eigenschutz als einen ganz wichtigen Faktor - nur die pflegenden und betreuenden Angehörigen meinen, sie müssten über sich und ihre Möglichkeiten, Fähigkeiten und Kräfte hinauswachsen, um nur ja möglichst perfekt zu sein und wundern sich dann, wenn sie früher oder später zusammenbrechen, psychisch völlig ausgelaugt sind, gute Beziehungen dran zerbrechen usw.

    Da hab ich es mir bei meiner Mutter im Vergleich zu meiner Schwester letztlich auch leicht gemacht: ich hab einfach alle sonderbaren bis verletzenden Verhaltensweisen innerlich auf ihre Demenz geschoben, konnte so mit ihr relativ entspannt umgehen (wie wenig entspannt es dennoch war, nehme ich jetzt nach ihrem Tod erst wahr, indem ich plötzich viel entspannter bin) und musste mein Verhalten nicht danach abwägen, wie ich ihr Verhalten im Moment einschätze.

    Dafür hatte ich dann auch keinen Streit mehr mit Muttern, keine Vorwürfe, keine Selbstvorwürfe und wir konnten bis zu ihrem Tod sehr freundlich miteinander umgehen.

    Schütz Dich gut!

    Liebe Moskito,

    für Dich geschieht grade das Unfassbare, das Du noch nicht zulassen willst, vielleicht noch nicht kannst.

    So wie Du die Situation beschreibst, muss Deine Mutter nicht leiden, auch dank Morphin. Ich denke, die Leute im Pflegeheim haben damit viel Erfahrung und wissen, ab wann sie einen Menschen nicht mehr zur Nahrungsaufnahme "zwingen" dürfen, ihn damit vielleicht sogar quälen würden.

    Ich kann Molli und Buchenberg nur zustimmen und wünsche Dir für diesen letzten Weg viel Kraft mitsamt dem Mut Loszulassen.

    Hallo Schneeflocke,

    ich würde nicht mehr als 1mal/Tag ans Telefon gehen... Würdest du damit klarkommen? Es ist wichtig für einen selbst, dass man Grenzen ziehen kann, genauso wie bei Kleinkindern .

    Liebe Grüße

    So habe ich es bei meiner Mutter auch gemacht, regelmäßig am frühen Abend habe ich abgenommen und gegen Ende dann auch noch einmal am Vormittag.

    Man konnte sie zwar bei unserem Telefon nicht sperren, aber doch so leise schalten, dass es nicht mehr gestört hat, so ging die Episode, in der sie auch nachts anrief, relativ wenig belastend vorüber.

    Sonst wäre es sicherlich Telefonterror geworden, weil sie allem Anschein nach oft einfach nichts anderes anzufangen wusste, als mit dem Telefon spielen - auch wenn jemand bei ihr war.

    Hallo Stern, obwohl ich auch unter Zeitdruck stehe, will ich Dich wissen lassen, dass ich Deinen ganzen Text gelesen habe und sehe, wie belastet Du bist. Wann ich ausführlicher schreiben kann, weiß ich noch nicht, aber ich denke, es werden bald hilfreiche Antworten kommen.

    Auf jeden Fall bist Du mit Deinem Erleben nicht allein, das kennen hier nahezu alle so oder ähnlich.

    Liebe Grüße

    Liebe taybeere, auch ich schließe mich den Vorschreiberinnen an.

    Ich konnte meine fünf Kinder, meine Enkelkinder, auch Pflegekinder in der Körperpflege ungehemmt versorgen, auch bei Durchfällen etc.

    Aber bei meiner Mutter kam ich absolut an meine Grenzen, konnte da überhaupt nichts machen - sie hatte auch Betreuerinnen von außerhalb der Familie, die sich in der Hinsicht kümmerten. Meine Schwester duschte sie hin und wieder, aber selbst das hätte ich nicht gekonnt.

    Bei der Mutter ist das einfach etwas ganz anderes.

    Die ersten zwei Tage werde ich auch einsam begehen, ganz alleine, danach habe ich ein Konzert, dann einen Besuch, auf den ich mich freue, dann einen 90. Geburtstag der Schwester meiner Mutter. Da bin ich dankbar über die drei ganz ruhigen Tage vorher und hoffentlich auch danach wieder.

    Allen hier wünsche ich eine Zeit, die zu Euren jeweiligen Bedürfnissen passt und gut tut.