Beiträge von OiOcha

    Also, ich muss schon sagen --nach einem Monat mit Krankenhäusern, Versicherungen, Heimen, und Gerichten-- man muss sich schon kümmern und manchmal auch bestimmt auftreten, sonst geht man unter.


    Gestern haben ich meinen Vater mal wieder besucht. Ich hatte ja in einem anderen Thread schon geschrieben, dass ich letzte Woche schockiert war, wie verwahrlost er war. Ich habe dann mit den Ärzten und der Pflegeleitung gesprochen und mich freundlich beschwert. Er war diese Woche in viel besserem Zustand, ordentlich angezogen und es war auch eine Menge Schmutzwäsche da. In der Vorwoche hatte man ihm ja praktisch nie etwas neues angezogen.


    Aber der nächste Schocker kam, als ich die Schmutzwäsche aus seinem Spind holte. Es waren zwei Zustellungen drinnen von Gerichten. Unterbringungsbschluss des AG München plus ein Betreuungsbeschluss (oder vielmehr: Betreuung wird nicht angeordnet wegen meiner notariellen Vollmacht) aus seinem Wohnort. Ich bin aus allen Wolken gefallen! Es ist doch ein Skandal, dass ein Betreuungsverfahren völlig ohne meine Kenntins durchgeführt wird, und ich Schreiben von solcher Tragweite dann zufällig eine Woche später im Wäschespind meines Vaters finde. Und zwar obwohl meine Kontaktinfo und Vollmacht den Kliniken vorliegt, in jedem Arztbericht erwähnt wird, und ich sie zusätzlich an das AG München geschickt habe, mit der Bitte, alle Korrespondenz an mich zu richten. Lasse mir jetzt mal die Akte kommen, aber ich denke, es ist eigentlich eine Beschwerde wert, besonders gegen die "Verfahrenspflegerin" -- irgendeine Anwältin aus München mit ein-Sterne Bewertung bei Google, die offenbar wie der typische "Ambulance Chaser" Anwalt in solchen Fällen versucht, die Betreuung zu erschleichen. Und auch mit der Klinik muss man reden, damit solche wichtigen Dinge nicht einfach in seinen Spind gelegt werden, sondern ich informiert werde. Wobei man fairerweise sagen muss, sie hätten es noch schlechter machen können -- ihm geben, dann wäre es natürlich weg gewesen.

    Ich möchte den Thread von Weit weg nicht kapern, aber ich habe zum Thema Zahnarzt bzw. Versorgung im Heim zwei Fragen.


    Mein Vater hat in den letzten Monaten (als er noch zuhause war) etliche Zahnarzttermine gehabt; es wurden einige Zähne gezogen und erneuert. Es waren langwierige Behandlungen, und der Arzt meinte, das wäre sicherlich schmerzhaft und hat Pillen verschrieben. Mein Vater hat natürlich ständig an den Verbänden bzw. Provisorium rumgezupft und musste deshalb alle Paar Tage wieder zum Zahnarzt um's richten zu lassen (bzw. einmal ist er selbst zu irgendeinem Zahnarzt gelaufen und hat sich da behandeln lassen; wir wussten nicht, wo und was gemacht wurde, erst 2 Wochen später, als die Rechnung kam). Schmerzen hatte er jedoch keine, weder mit den kaputten Zähnen noch nach der (lt. Arzt schmerzhaften) Operation. Ist das bei Demenz so, dass sich das Schmerzempfinden ändert? Ebenso scheint das Kälteempfinden beeinträchtigt; er klagt auch bei 23 Grad ständig, dass ihm kalt ist, und wenn man ihm eine Wärmedecke gibt, dann meint er, die sei gar nicht an.


    Zum Thema "welche Dienstleister kommen ins Heim," meine Mutter nervt mich ständig, mein Vater müssse mal zum Friseur. Er ist ja zur Zeit in der Gerontopsychiatrie, wo Friseur bestimmt nicht weit oben auf der Prioritätenliste steht. Einige der Heime, die ich angeschaut habe, haben Friseure und verschiedene Ärzte; wie handhabt ihr das denn bei euren Eltern? Muss meinen Vater auf jeden Fall wenigstens ein bisschen herausputzen bevor meine Mutter ihn sieht, sonst dreht die durch und landet auch in der Psychiatrie.

    Hallo Weit weg, auch von mir ein herzliches Willkommen! Ich habe auch fast 20 Jahre lang im Ausland gelebt, und bin Anfang 2020 während der ganzen Lockdowns 6 Wochen lang bei meinen Eltern gestrandet, und habe dabei gemerkt, wie schlimm es mit der Demenz meines Vaters steht. Habe mich dann entschlossen, nach Deutschland zurück zu ziehen (was aber zu der Zeit aufgrund von privatem und beruflichen Veränderungen auch relativ leicht möglich war). Wie schwarzerkater schreibt haben wir nur das eine Leben, und man sollte nicht alles dem Wohl der Eltern unterordnen. Was du schreibst deutet ja darauf hin, dass du wirklich schon Einiges für deine Mutter in die Wege geleitet hast. Insofern machst du ja deinen Job als Tochter sehr gut!

    Hallo Tanja! Schön, dass Du ein Paar Tage in London anhängen konntest! Man muss seine Freiheit geniessen, wo man kann, auch als Demenz-Angehöriger.


    Zum Thema "Fall aufbauen": Mein Vater wollte ja auch ewig nicht zum Arzt, hat allen erzählt es fehlt ihm nichts. Ich hatte immer im Hinterkopf, Dokumentation sammeln, Zeugen haben, "Fall" aufbauen. Es war dann aber wirklich so, dass als wir die richtige Ärztin gefunden hatten, alles wie von selbst lief. Er hat einfach eine fortgeschrittene Demenz, und wenn man da erstmal bei den richtigen Ärzten ist, dann "flutscht" alles -- Pflegestufe, Gericht, usw. Es ist sicherlich nicht der Pfad für jeden, aber ich denke, bei uns haben Klinikaufenthalt, dann Geronto-Psychiatrie Wunder gewirkt. Wir hätten meinen Vater sonst noch lange bei niedergelassenen Ärzten vorstellen können, die ihm seine Heldengeschichten geglaubt hätten. Drücke Dir die Daumen, dass Du deine Mutter auch irgendwie auf den richtigen Weg bringen kannst!

    Liebe Hase2020! Das ist eine ganz schwierige Situation, aber auch ich will Dich bestärken, dass Du das Richtige tust! Ich hatte ein ähnliches Szenario mit meiner Großmutter, wo ich 2012 der Palliativbehandlung zustimmen musste, obwohl mein in frühem Stadium dementer Großvater (der, wie ich eine Vorsorgevollmacht hatte) meinte, er könne doch seine Frau nicht umbringen. Man tut den Verwandten nichts Gutes, wenn man "alle Möglichkeiten ausschöpft." Ich wünsche Dir, dass Du gut durch diese schwierige Zeit kommst!

    Ich finde schon allein die Geste ist doch super, Süßkram geht in sozialen Berufen immer massenweise weg :)

    Alles Gute weiterhin

    Super, vielen Dank! Ich wollte auch nicht Sonderbehandlung rausschinden, sondern dachte, die arbeiten so hart für wenig Geld, da bringe ich ein kleines Dankeschön mit. Ich habe die Dinger während der Kaffeepause kurz abgegeben wo nur eine Person in der Station war und die anderen beschäftigt, da weiss eh niemand, wer sie mitgebracht hat. Werde ich dann immer so machen.

    Vielen Dank für den Zuspruch! Habe mittlerweile mit der Sozialstation und Pflegeleitung gesprochen. Die bemühen sich wohl schon, es werden tägliche Protokolle geschrieben. Das Problem ist wohl, er wehrt sich, wenn man ihn an/umziehen oder waschen will, besonders bei weiblichen Pflegekräften. Da ist es natürlich dann schnell so, dass gesagt wird, dann lassen wir das heute. Habe jetzt einige Tricks meiner Mutter weitergegeben, die ja mit der Thematik vertraut ist. Z.B. wird jetzt erstmal versucht, ihm morgens neue Anziehsachen ans Bett zu legen, was früher immer ein Signal war, du musst dich duschen und neu anziehen. Eigentlich kann er es ja noch, man muss ihn nur erinnern.


    Werde nächste Woche wieder vorbei gehen, wobei ich keine Termine ausmachen will, sondern lieber mal spontan zu verschiedenen Zeiten aufkreuze. Habe beim letzten Mal eine 500g Packung Lindt Kugeln (€10) für das Personal mitgebracht; da arbeiten Dutzende Leute, und es hat jeder sicherlich nicht mehr als 2-3 Kugeln bekommen. Sind solche Kleinigkeiten als Mitbringsel ok, oder soll man das lieber nicht machen?

    Habe gestern auf Drängen der Stationsärzte meinem Vater einen Besuch abgestattet. Drei Ärzte meinten, die meisten Patienten werden einmal pro Woche besucht, das sei vonseiten der Psychiatrie auch gewünscht.


    Es ist ein nagelneues Gebäude und strahlt eigentlich einen sehr positiven Eindruck aus. Das Personal war sehr freundlich, auch im Umgang mit den Patienten.


    Mein Vater hat mich wohl durch die Glas-Eingangstür gesehen, und ist hingestürtzt, um mir zu öffnen (was natürlich nicht ging,aber es kam dann schnell eine Pflegerin, die die Tür aufgemacht hat). Er stand ganz eindeutig unter starkem Beruhigungsmittel-Einfluss und hatte dann eigentlich keinerlei Interesse an mir. Keine Konversation, immer nur verwirrt am Tresen der Station gestanden bzw. herumgeirrt. Beim Kaffeetrinken auf der Station hat er nur gelallt und sich gelegentlich mit anderen Patienten unterhalten, sie gedutzt, und so getan als wären sie alte Freunde. Er lebt wohl in seiner Jugend, es ging um seinen Bruder und seine Geburtsstadt. Irgendwann wollte er zahlen und von mir die Autoschlüssel haben, "komm, wir packen's." Er begann, sich von den Patienten zu verabschieden und dachte, ich würde ihn mitnehmen. War dann natürlich schlimm, die Pfleger haben ihm etwas zur Beruhigung gegeben (ein kleines Plastikglas mit einer Flüssigkeit -- "so Herr XYZ, noch ein Schnapserl" -- er hat sich bedankt und es getrunken) und ihn abgelenkt, und ich bin gegangen.


    Einerseits denke ich mir, warum soll ich mir (und ihm) das jede Woche antun, andererseits war ich erschrocken, wie verwarlost er aussah. Hatte 2 verschiedene Socken an und keine Schuhe, war wochenlang nicht rasiert und tagelang nicht gekämmt und keine Zähne geputzt. Der Koffer, den wir ihm vor 2 Wochen in die Klinik mitgegeben hatten stand praktisch unberührt in einem Schrank. Ich habe den Schrank eingeräumt und dann mit der Pflegeleitung gesprochen, dass man ihm Anziehsachen rauslegen und ihn zur Körperpflege anleiten muss. Insofern wahrscheinlich schon ganz gut, dass ich da war, und deshalb wird man sich wahrscheinlich auch öfter sehen lassen müssen.

    Liebe schwarzerkater, leider habe ich hier keine medizinische Erklärung, aber wir haben vor einigen Jahren bei meinem Großvater die gleiche Verhaltensweise beobachtet, und zwar in einer recht fortgeschrittenen Stufe der Demenz (ca. 1 Jahr vor seinem Tod). Im Heim wurde dann versucht, ihm das Essen klein geschnitten bzw. sogar durchgedreht zu servieren, aber das sah dann natürlich sehr wenig appetitlich aus, und ich denke, da hat er eher weniger gegessen. Meine Mutter war auch sehr um sein Gewicht besorgt und versuchte einmal (beim Weihnachtsessen) die Gansbrust vorher und die Kügelchen nachher zu wiegen -- er hatte wohl schon einen Gutteil geschluckt ... oder die Kügelchen so versteckt, dass wir sie noch nicht gefunden haben. ;)

    Vielen Dank für die Ratschläge! Gerade hat mich die Dame vom Sozialdienst zurückgerufen; sie war sehr nett, hat sich Zeit genommen, und meine Fragen beantwortet. Die Station hat 24 Patienten und sie arbeitet nur 3 Vormittage pro Woche, und es gibt nur einen Stationsarzt. Insofern war meine Annahme schon richtig, dass die halt völlig überlastet sind und als "forsch" auftretender Angehöriger wäre man wahrscheinlich wenig gern gesehen.

    Die lagern dann im Tresor, zu dem meine Mutter aber auch Zugang hat.

    Da wäre ich sehr vorsichtig! Wir haben auch einen Tresor, den mein Vater irgendwann mal ausgeräumt hat. Er hat wohl Impfpässe gesucht, hat es erst nicht geschafft, den Tresor aufzubekommen, dann doch. Er hat ALLES ausgeräumt, irgendwo versteckt. Es gab drei Ordner mit Dokumenten (alles von meinem Abiturzeugnis bis zu den Zulassungspapieren der Autos) -- ALLES WEG! Wir haben tagelang gesucht, mittlerweile denke ich, vielleicht hat er es in einem Plastiksack im Teich versenkt oder sowas.


    Wenn man von den wichtigen Dokumenten nichts mehr hat wird alles unheimlich schwierig -- zur Wiederbeschaffung der o.g. Schlüsselkarte musste ich mit meiner Vollmacht zuerst Grundbuchauszüge beschaffen, dann einen Packen Papier einschicken (Grundbuch und Vollmacht). Teilungserklärung des Hauses und Kaufvertrag scheinen unwiederbringlich verloren zu sein, obwohl ich da seit Monaten dran rumdoktore (wegen Grundsteuererklärung) -- Notare, Behörden abtelefoniert, erfolglos. Jede Kleinigkeit wird ein Kraftakt (z.B. Verkauf eines Autos ohne Papiere).


    Ich kann nur empfehlen, wichtige Dokumente so zu verwahren, dass der Demente da nicht drankommt, gerade wenn Schlüssel und beklaut werden ein Thema sind.

    Mein Vater ist seit einer Woche in einer Gerontopsychiatrie. Es ist ein bekanntes Haus, und ich denke, dass er dort in seinem jetzigen Zustand gut aufgehoben ist. Leider gibt es ein Problem: man erfährt fast nichts.


    Ich habe letzten Freitag mit einer Stationsärztin gesprochen, die eigentlich sehr nett war und sich eine halbe Stunde Zeit genommen hat. Aufgrund von Empfehlungen der einweisenden Psychiaterin und von Forums-Mitgliedern habe ich meinen Vater nicht besucht. Leider ist es so, dass es fast unmöglich ist, Informationen zu erhalten.


    Die Dame vom Sozialdienst arbeitet wohl nur Dienstag und Donnerstag vormittags, und obwohl ich da etliche Male angerufen habe und Nachrichten hinterlassen habe, habe ich noch nichts von ihr gehört. Total blöd, weil ich ja ein Angehöriger bin, der sich kümmern würde, und hier am Schreibtisch schon ein halbes Dutzend Heim-Anträge liegen habe, die ich aber nicht ausfüllen kann, ohne vom Sozialdienst Antworten zu Themen wie Pflegestufe, Unterbringungsbeschluss, etc zu erhalten. Die Ärztin hat mir gesagt, es sei am Freitag eine Richterin bei meinem Vater gewesen, und ich müsse vielleicht ein Formular mit der Kollegin vom Sozialdienst ausfüllen. In München bei Gericht anrufen ohne Aktenzeichen oder irgendwelche Infos bringt natürlich nichts.


    Auch von den Ärzten habe ich nichts mehr gehört. Ich wurde drei Mal auf Rückruflisten gesetzt, aber es kam nie ein Anruf. Würde natürlich schon gerne ein Update haben, was Tests ergeben haben, wie es meinem Vater geht, usw.


    Daher jetzt meine Frage zum Umgang mit bzw. Auftreten gegenüber der Klinik. Ich verstehe natürlich, Pflegenotstand, viel zu wenig Personal, sich um die Patienten kümmern ist wichtiger als Kommunikation mit den Angehörigen. Ich bin auch nicht der Typ, der sagt, mein Vater ist privat versichert, es kommen dicke Rechnungen vom Chefarzt, stellen Sie mich mal an den durch! Wie würdet ihr das handhaben?

    Hallo PausE! Herzlich Willkommen in diesem Forum! Ich hoffe, du wirst Dich hier wohlfühlen und viele hilfreiche Informationen finden!

    Wir wussten, dass sie es war. Es ist ihr immer schlimmer werdender Kontrollwahn, gepaart mit Angst vor Einbruch.

    Sie würde auch nie einen Hausnotruf akzeptieren, da man da einen Schlüssel abgeben sollte.

    Schlüssel waren bei uns auch ein ganz großes Thema. Von Anfang an wurden sie versteckt, verlegt, verloren. Leider wohnen meine Eltern in einem viel zu großen Haus, wo es erstens unheimlich viele Schlüssel gibt und zweitens unheimlich viele mögliche Verstecke. Natürlich war immer meine Mutter an den fehlenden Schlüsseln schuld. In den letzten Monaten wurde jeden Tag stundenlang Schlüssel gesucht, mit großer Panik und gelegentlich Aggression -- teilweise Schlüssel, die es gar nicht gab, und wenn sie gefunden waren, waren sie nach Minuten wieder versteckt. Seit einer gute Woche ist mein Vater in einer Klinik, und ich habe kurz nach seiner Versichertenkarte gesucht und dabei 4 Schlüssel gefunden, die in verschiedenen Verstecken waren, z.T. beschriftet "funktioniert nicht" und z.T. ganz vorsichtig verpackt.


    Das alles hilft Dir nicht weiter, aber folgender Ratschlag vielleicht schon: Ich habe erstens Unmengen von Schlüsseln neu machen lassen (was bei uns nicht einfach war, weil es eine Schliessanlage gibt, und man Schlüssel nur mit einer Sicherungskarte nachmachen kann, die natürlich weg war), so dass meine Mutter immer wieder neue Schlüssel hervorzaubern konnte. Und zweitens habe ich bei Amazon Schlüsselfinder bestellt, die man an den Schlüsselbund dranmachen kann. Es gibt verschiedenste Modelle; wir hatten eine Packung mit 6 Stück, die man mit einem Gerät suchen konnte (man drückt z.B. die rote Taste, dann fängt der Schlüssel mit dem roten Anhänger an, zu piepsen). Das hat bei uns oft funtktioniert, weil mein Vater die Schlüssel im Haus versteckt hatte. Wenn Du befürchtest, dass Deine Mutter Schlüssel ausser Haus verliert, dann gibt es andere Modelle, z.B. Apple iTags, die irgendwie an alle umliegenden iPhones senden, und mit denen man recht genau orten kann. Problem bei all diesen technologischen Lösungsversuchen ist natürlich, dass der Patient die Anhänger nicht mag und abmacht.


    Ich würde auch empfehlen, einen kurzen Bericht vorher abzugeben, maximal eine dreiviertel Seite mit Spiegelstrichen. Ich habe immer angerufen und gefragt, ob es eine E-Mail Adresse gibt, und dann kurz vor dem Termin nochmal dran erinnert, dass die Ärztin es lesen soll. Mit meinem Vater im Raum hätte ich NIEMALS offen sprechen können -- er hatte eine großartige Fassade und wäre sofort wieder gegangen, wenn man gesagt hätte, dass ihm etwas fehlt.


    Meine Erfahrung mit Ärzten war insgesamt schlecht. Die ersten drei haben uns (über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren) abgetan, weil mein Vater erstens keine Hilfe wollte, und zweitens er sich so großartig gab, die dachten eher, was will diese Raben-Familie dem armen Mann antun? Die vierte Ärztin wurde von einer Demenz-Beratungsstelle empfohlen, und hat sich dann ganz toll gekümmert. Es ist also meiner Meinung nach auch immer eine Glückssache, an den richtigen Arzt zu gelangen.

    Hallo ihr Lieben! Vielen Dank für den Zuspruch! Auch in den anderen Threads habe ich einige tolle Posts gelesen ... bei der "Universalnummer der Welt" musste ich sehr schmunzeln. Bin echt froh, dass ich euch habe!


    Habe gerade mit der Stationsärztin der Gerontopsychiatrie telefoniert, die sehr nett war. Mein Vater war gestern nicht zu bändigen und musste fixiert werden. Die vorige Klinik hat ihn verlegt, weil er zweimal abgehauen ist, und es einmal leicht bekleidet auf die Strasse geschafft hat. Die Polizei hat ihn dann gesucht. Verstehe also überhaupt nicht, wieso die Stationsärztin der Klinik mir gestern ein schlechtes Gewissen gemacht hat -- das klingt doch nicht wirklich nach kooperativ und freundlich?


    Zum Thema Besuchen meint die Psychiaterin meines Vaters "bloss nicht" und die Stationsärztin der Gerontopsychiatrie sagt, sie hätte nichts dagegen. So wie ich meinen Vater (und mich selbst) kenne, mache ich das lieber erstmal nicht.


    Diagnose lautet wohl auf Korsakow (also Alkohol-bedingt), wobei viele Testergebnisse noch ausstehen.


    Meine Mutter wollte ihn gestern unbedingt besuchen und am liebsten wieder nach Hause holen. Fühlt sich wohl sehr einsam. Ich erzähle ihr natürlich viele Details nicht.


    Es war wohl heute früh eine Richterin bei ihm wg. Unterbringung und Fixierung. Die Gerontopsychiatrie hat alles erledigt und ich muss angeblich nur unter Vorlage meiner notariellen Vollmacht ans Gericht schreiben, dass ich zustimme. Werde das nächste Woche mal mit der Dame vom Sozialdienst klären.

    Ich habe gerade einen Anruf von der Stationsärztin aus der Klinik erhalten. Mein Vater ist ihnen zu viel, und er wird noch heute in eine Gerontopsychiatrie verlegt. Er ist dreimal aus der Station abgehauen und hat es einmal sogar bis in den Garten geschafft. Echt unglaublich, dass er das trotz Demenz geschafft hat -- er versucht manchmal, den Fernseher mit dem Telefon zu bedienen, aber hier kriegt er die Stationstüre auf, während ich mir den Mechanismus von einem Pfleger erklären lassen musste.


    Ansonsten hat mir die Ärztin nicht viel gesagt, aber genug, um mir ein schechtes Gewissen zu machen. Er sei freundlich und kooperativ gewesen und überhaupt nicht aggressiv. Und er hätte ständig nach mir und meiner Mutter gefragt, wo wir sind, und uns anrufen wollen. Sie (die Stationsärztin) sei pro-Besuch, obwohl mir die Psychiaterin gesagt hatte, man solle das lassen. Man wollte mir ja nicht mal eine Telefonnummer mitgeben, ich weiss also gar nicht, wie ich einen Besuch hätte anmelden sollen. Fühle mich jetzt sehr schuldig und habe so eine schlimme TV-Show vor Augen, wo irgendjemand im Ausland ins Gefängnis geworfen wird und wochenlang in der Zelle sitzt, und hofft, dass sich ein Verwandter meldet und ihn rausholt.

    Bzgl. Unterbringung ist es m.W.n. so, dass ohne gerichtlichen Beschluss einerseits der Wunsch deines Vaters zählt, solange er ihn sprachlich äußern kann. Wenn er sich von sich aus nicht auf den Weg macht, kann dich wiederum niemand zwingen ihn abzuholen. Vermutlich kann dir bei einem Anruf beim zuständigen Betreuungsgericht aber Auskunft über das Prozedere gegeben werden, sie haben jedenfalls täglich damit zu tun. Für eine offizielle rechtliche Betreuung müsstest du deine Vollmacht offiziell abgeben und es kostet monatliche Gebühren.. wir hätten meinen Vater anders nicht unterbringen können, ohne dass er noch abgehauen wäre. Das ist alles sehr nervenaufreibend, ich wünsche dir gutes Gelingen!! Halte durch! Schlimm wenn ein Leben so dem Ende zugeht, aber nun seid ihr schon so weit gekommen, da wirst du den Rest auch noch bestehen. ;)

    Herzliche Grüße

    Zum Thema Unterbringung und Heim: Ich habe ausführlich mit drei Heimen gesprochen, die alle meinten, die gerichtliche Genehmigung wird in der Regel von der Klinik eingeleitet. Und auf der Seite des Gerichts habe ich gelesen, dass die Genehmigung einer Unterbringung nach §1906 Abs 1-3 BGB sonst keine Auswirkungen hat -- man also weiter mit der notariellen Generalvollmacht alles machen kann und keine Betreuung eingeleitet werden muss. Ich denke mal, die Leute in der Psychiatrie werden mit dieser Materie mehr vertraut sein als die Sozialarbeiterin der kleinen Klinik, und dementsprechend warte ich mal bis morgen oder nächste Woche ab.

    Hallo Tanja -- ich drücke Dir die Daumen mit dem Arzttermin! Ich habe Deine schlimme Schliderung letzte Woche gelesen, und einige Male an Dich gedacht, als ich hier im Raum München Heime u.ä. angeschaut habe. Falls Deine Mutter irgendwann mal hier runter ziehen sollte, kann ich Dir vielleicht Anregungen geben.


    Zum Thema auf die Dusche und Toilette folgen, das hatte ich auch, als ich meinen Vater Anfang Oktober einige Tage betreut habe. Er war so anhänglich und ich hatte keine ruhige Minute. Das war bei mir einer der Gründe zu sagen, meine Mutter kann nicht dauerhaft so leben, und mich trotz aller Bauchschmerzen in Richtung Heim zu orientieren. Also auf jeden Fall gut, dass Du im Hotel unterkommst!

    Hallo Sohn, Rose, schwarzerkater und ecia25! Vielen Dank für den Zuspruch, es hilft sehr!


    Hatte einen sehr schönen Tag mit meiner Mutter, habe aber zwischendrin zwei Nachrichten bekommen von ihren Freundinnen, die sich "Sorgen" um sie machen. Werde mich häufig um sie kümmern, aber muss irgendwo die Grenze ziehen -- sie hätte bestimmt gerne, dass ich bei ihr einziehe, aber mit Anfang 40 und nachdem ich schon mein eigenes Leben in den USA aufgegeben habe, muss ich irgendwann auch mal an mich selbst denken. Werde ihr auf jeden Fall eine Psychologin beschaffen, mit der sie die Dinge verarbeiten kann. Und ich hoffe ihre (zahlreichen) Freundinnen werden sie auch mit unterstützen.


    Gegen 14 Uhr kam ein Anruf von der Psychiaterin, die von ihrem Mann (dem Chefarzt der Klinik) Infos erhalten hatte. Mein Vater ist ein extrem schwieriger Patient ("schwer führbar," wie sie es nannte). Die Ärzte und Pfleger sind lt. Pflegeberichten alle überrascht, wie schlecht es mit dem Kurzzeitgedächtnis läuft, und verwundert, dass meine Mutter es so lange ausgehalten hat. Sie meint, er ist schwer dement, wird problemlos mindestens Pflegestufe 3 bekommen, und an eine Rückkehr nach Hause ist nicht zu denken. Er muss auf eine beschützende Station.


    Wenige Minuten danach kam ein Anruf vom Sozialdienst der Klinik. Die Dame war sehr nett (und hatte auch schon die Marotten meines Vaters mitbekommen). Sie hat mit mir eine halbe Stunde+ über Pflegegrad u.ä. gesprochen. Ich muss selbst rumtelefonieren, um eine beschützende Station zu finden, das macht die Klinik nicht. Sie meint, es würde nicht leicht werden, und ggf. würde mein Vater für eine Weile in eine Gerontopsychiatrie kommen. Ich habe dann eine lange Liste bekommen, die ich jetzt abtelefonieren muss. Bei den ersten 5 Heimen, wo ich heute jemanden erreicht habe, gab es nur eines, bei dem mir eine Warteliste angeboten wurde. Es wurde gefragt, ob ich schon einen gerichtlichen Beschluss zur Unterbringung habe -- scheint man doch zu brauchen, obwohl ich ja eine notarielle Vollmacht mit Befugnis zur Entscheidung zur Unterbringung habe. Werde wohl mal beim Betreuungsgericht anrufen müssen und mich schlau machen.

    Vielen Dank für die Worte, Rose! Ich bin recht sicher, das Personal wird gedacht haben, ich hätte ihn unter dem Vorwand hingebracht, dass ich der Patient bin. Er war ja plötzlich selbst davon überzeugt und musste nichtmal schauspielern (was er ja auch gut gekonnt hätte). Mittlerweile haben sie es aber wohl mitgekriegt, wie durcheinander er ist. Ich musste gerade nochmal in die Klinik (aber zum Glück nur an die Pforte), um eine Einwilligung für eine Lumbalpunktion zu unterschreiben. Die Stationsärtzin hielt ihn also wohl nicht mehr für in der Lage, da selbst die Zustimmung zu geben.


    Ansonsten werde ich diese Woche schöne Sachen mit meiner Mutter unternehmen -- jetzt geht es gleich an den ..., in traumhaftem Wetter, und ohne, dass wir uns alle 2-3 Minuten fragen, wo laufen wir jetzt hin, wann drehen wir um, wo gibt's jetzt ein Weissbier? Danach zum gemütlichen Mittagessen, und zwar ohne, dass jemand ruft "wir zahlen!" während meine Mutter erst halb fertig ist. Danach Bummeln in ..., wo sie vielleicht mal wieder was für sich selbst einkaufen kann. Sie hat doch glatt die letzten eineinhalb Jahre in keinem "schönen" Schuh-/Bekleidungsladen mehr geshoppt, weil das mit meinem Vater nicht möglich war.


    Morgen werde ich dann selbst zum Augenarzt gehen, wo ich im Sommer blöderweise zum gleichen Zeitpunkt einen Termin für meinen Vater ausgemacht hatte. Nachdem er fertig war, wollte er gehen ("ich lauf mal durch die Stadt, lass dir Zeit") und ich musste meine Behandlung abbrechen.


    Ich habe schon noch ein schlechtes Gewissen und denke oft, was wird mein Vater gerade machen. Aber wie du oben vielleicht herauslesen kannst, überwiegt die Erleichterung. Es wird jetzt darum gehen, meine Muttter zu unterstützen (die Beiden waren ja über 50 Jahre zusammen) und sie davon abzubringen, ihn wieder nach Hause holen zu wollen. Man weiss nie, wie es mit der Medikation und dem fortschreitenden Vergessen läuft, aber ich denke, zuhause wohnen werde ich nicht mitmachen, und auch beim gelegentlichen oder regelmäßigen für Besuche nach Hause holen wird man sehr vorsichtig sein müssen.

    Hallo Herr Hamborg! Vielen Dank für den Rat und Zuspruch!


    Ich habe meinen Vater heute morgen in der Klinik abgeliefert. Es war keine tolle Erfahrung.


    Wir haben es vorab weitgehend verheimlicht, wobei meine Mutter die Untersuchung am Wochenende einige Male angesprochen hat und er nichts dagegen hatte.


    Heute morgen war er sehr misstrauisch und wollte kaum ins Auto einsteigen. Hat dann ständig gefragt (trotz 100mg Quetiapin), wohin und warum. Am Autobahnende hatten sich Klimaprotestler festgeklebt, so dass die Fahrt doppelt so lang wie normal dauerte (quälende 1 1/2 Stunden, dankeschön!). In der Klinik mussten wir uns hinsetzen, und (wiederum quälende) 1 1/2 Stunden auf die Aufnahme warten. Er hat ständig geklagt und wollte wieder gehen, es war schlimm. Dann war er plötzlich müde und ich konnte alleine ins Aufnahmezimmer gehen. Währenddessen ist er kurz eingeschlafen. Danach war er völlig von der Rolle, dachte, ICH sei der Patient und er zur Begleitung dabei.


    Brachte ihn auf die Station, wo ihm das Zimmer gezeigt wurde und Mittagessen angeboten. Ich ging zurück zum Auto, um den Koffer zu holen. Als ich wiederkam, sass er auf dem Bett und meinte, er hätte mal zwei Kartoffeln von "meinem" Mittagessen gegessen. Ich konnte ihn nicht überzeugen, es zu essen.


    Dann suchte ich nach den Ärzten und mir wurde ein Gesprächstermin von 14:30 vorgeschlagen. Nachdem mein Vater am Durchdrehen war, wollte ich auf keinen Fall noch 3 Stunden da mit ihm sitzen bleiben. Habe dann kurz mit einer Ärztin gesprochen (der Chefarzt ist ja der Ehemann unserer Psychiaterin, und war eh eingeweiht). Dann kamen zwei Krankenschwestern und wollten wissen, ob ich der Herr OiOcha sei. Sie wollten Blut abnehmen und mein Vater hat sie wieder weggeschickt, ich sei doch der Patient. Bin dann hin und habe versucht es aufzuklären, aber er war völlig durcheinander. Habe dann ihn dann überzeugt, Blut abnehmen zu lassen, und gesagt, ich spreche mit der Ärztin. Nach kurzer Rücksprache bin ich dann gegangen, und zwar natürlich, ohne mich zu verabschieden.


    Ich denke mal, dass er denen heute die Station auseinander nimmt, und dann hoffentlich in den nächsten Tagen diagnostiziert und eingestellt wird. Wir möchten ihn auf keinen Fall zurück nach Hause holen, und auch Entlassung/Transfer in Kurzzeitpflege/Heim möchte ich mir nicht mehr antun. Bin echt gespannt, wie das weitergeht!

    Vielen Dank für den Zuspruch an Alle, die sich gemeldet haben! In den letzten 5 Tagen war mein Vater zahm, dank höherer Dosis und wohl auch deshalb, weil meine Mutter etwas zur Beruhigung nimmt. D.h. sie ist auch etwas ruhiger, reagiert nicht aggressiv, wenn er etwas tut, bei dem er ja eigentlich nur helfen wollte. Z.B. entzündete sich der schlimme Streit am Montag daran, dass er um 17 Uhr die Jalousien runterließ, und sie dann schrie, was machst Du denn, das ist ja noch viel zu früh! Insofern bin ich hoffnungsvoll, dass wir es noch eine Woche schaffen.


    Am Freitag kam von der Top-Ärztin ein Überweisungsschein, blöderweise an die Adresse meiner Eltern. Mein Vater hat ihn natürlich aufgemacht und aber aber offensichtlich nicht mehr verstanden, was drinnen steht (Evaluation, Pflegegrad, Heimeinweisung wegen Demenz/Aggression). Meine Mutter sagte ihm, es sei eine Rechnung, ich würde es überweisen, und nach ein Paar Minuten war es vergessen.


    Lese mich jetzt ein zum Thema Klinikaufenthalte.


    Erste Frage, wie bringt man ihn da hin? Ich denke, es ist eine schlechte Idee, es ihm zu sagen. Deshalb lieber heimlich packen, ihn dann unter einem Vorwand abgeben ("musst in den Kernspin, da dürfen wir nicht mit") und dann sind wir einfach weg? Wie macht man es mit Ausfüllen von Formularen, Übergabe seiner Sachen, usw.? Schon am Tag vorher hin? Will ja vermeiden, dass er sich weigert, oder es großes Drama gibt.


    Zweitens, was gibt man ihm mit? Habe eine Packliste des Krankenhauses, aber weiß nicht, wie viel Kleidung u.ä. man ihm mitgeben soll. Er isst ja maßlos Süßigkeiten, sollte man ihm da was mitgeben? Oder Geld, dass er sich was kaufen kann?


    Und drittens, wie läuft es, wenn er wieder nach Hause will? Hierzu dann auch das Thema Telefonnummern mitgeben und Telefon freischalten lassen. Oder ist's eher besser, mal einige Wochen gar keinen direkten Kontakt zu haben, sondern nur über die Ärzte zu kommunizieren?