Beiträge von OiOcha

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    Nur der Vollständigkeit halber, die Betreuung kostet gerichtsseitig pro Jahr €10 per €5000 Vermögen (wobei ein Schonbetrag von €25000 unberücksichtigt bleibt), Minimum €200 pro Jahr. Hinzu kommen Auslagen und sonstige Gebühren, sowie Kosten für den Betreuer. Dieser kann natürlich auch bestimmen, dass der Betreute "bespaßt" wird (z.B. Kaffeetrinken oder sogar mal ne Woche Urlaub), was dann auch bezahlt werden muß. Es gibt durchaus auch Horrorgeschichten von Betreuern, die es sich auf Kosten von wohlhabenden Betreuten sehr gemütlich machen. Wenn Vermögen da ist, dann sollte man es sich gut überlegen, ob man einen Betreuer einsetzen lässt; man hat dann als Kind/Ehegatte nichts mehr zu sagen.

    Ab morgen greifen hier in Bayern die Erleichterungen für Besuche im Pflegeheim, dann brauche ich nur noch einen Selbsttest und muss nicht jedesmal zur Teststelle.

    Das hat mir meine Mutter gestern erzählt, und ich hatte gedacht, da hat sie was falsch verstanden. Streue mir Asche auf Haupt. Wie soll das denn dann laufen mit den Selbsttests, man geht ins Heim und sagt, man hat einen gemacht? Oder man macht ihn dort, vor Zeugen?


    Das Testen ist echt immer schwieriger geworden, besonders an Feiertagen. Am 2. Weihnachtstag fuhr ich zu drei Teststellen in unserer Kreisstadt, die auf der Website des Kreises als offen gelistet waren; alle hatten zu bzw. existierten gar nicht mehr. Musste dann zu einem großen Testzentrum im Münchner Osten, wo auch Schilder standen, wir hören am 31.12 auf. Meine Mutter schiebt schon seit Wochen Panik, weil es bei ihr in der Gegend nur noch Tests in Arztpraxen gibt.


    Ansonsten gratuliere ich Dir, Sohn83 und auch TanjaS zu eurem großen Schritt! Ich habe diese Woche auch stapelweise Aufnahmeunterlagen ausgefüllt und Dokumente besorgt (bei uns ja immer ein Dauerbrenner, weil mein Vater alles versteckt/weggeschmissen hat -- das Heim will Versichertenkarte, Geburts- und Heiratsurkunde). Meine Mutter hat einen ganz tollen Lebenslauf geschrieben und wir treffen uns morgen mit der Heimleiterin, um ihn zu besprechen (die nimmt sich hierfür nochmal eine Stunde Zeit, finde ich toll). Am Montag soll dann der Einzug erfolgen, hoffe, dass es glatt geht!

    Vielen Dank für die Hinweise, Sohn83! Das mit dem Meisterbrief finde ich eine tolle Idee für deinen Vater -- sowas hat meiner leider nicht, aber ich werde mir überlegen, ob mir etwas einfällt, was ihn an seine Lebensleistung erinnert. Auch der Hinweis zur Sitzgelegenheit ist gut -- meine Mutter wollte einen Ikea-Stuhl mitbringen, aus dem ich kaum aufstehen kann; ist also für meinen Vater eher ungeeignet.


    Meine Mutter sucht heute nach Bildern seiner Eltern u.ä.; das scheint ihm ja zurzeit am wichtigsten zu sein.

    Ihnen OiOcha würde ich das Gespräch mit der Heimleitung empfehlen. Bei Menschen mit "normaler" Demenz ist es keine Frage, so viel wie möglich persönliches mitzubringen. So wie Sie Ihren Vater beschreiben könnte eine allmähliche Dosiserhöhung besser sein, denn die alten Muster sind vermutlich noch zu stark und Erinnerungen könnten zu unangenehmen Triggern werden.


    Vielleicht hinterlegen Sie Bilder oder kleine Erinnerungsstücke bei der Leitung, dann könnten Betreuungskräfte ausprobieren, wie Ihr Vater reagiert.

    Super Ratschlag, vielen Dank! Die Heimleitung ist sehr engagiert; wir arbeiten zurzeit an einem Profil meines Vaters (nicht Lebenslauf, sondern Dinge, die ihn bewegt haben usw) und werden es am Donnerstag eingehend mit der Leiterin besprechen. Hierbei werde ich dann auch einige kleine Bilder und Erinnerungsstücke mitgeben, die vielleicht zur geeigneten Zeit genutzt werden können.


    Auch an Buchenberg noch vielen Dank für die Ratschläge auf der Vor-Seite (die ich komischerweise nicht mehr zitieren kann). Und an alle eine schöne Woche!

    2. Ihnen OiOcha möchte den Krankentransport nur den Umzug in das Heim nahelegen, ... Sie wissen schon, wegen der gefährlichen alten Reaktionsmuster...

    Hallo Herr Hamborg ... das ist mir mittlerweile eigentlich von allen Seiten so bestätigt worden, vom Heim, vom Sozialdienst der Gerontopsychiatrie, und von zwei Ärzten. Ihnen ganz besonderen Dank für Ihre Einschätzung; Sie haben uns ja auf diesem Weg schon viel geholfen, und Ihr Rat bedeutet mir viel!


    Frage zum Thema Heim: Auf mehr als ein Dutzend Wartelisten-Bewerbungen seit Anfang November hat sich kein Heim von selbst gemeldet, aber als ich dann vor 2 Wochen angefangen habe, rumzutelefonieren, konnte ich einen Platz ergattern in dem Heim, das mir von einigen Stellen als erste Wahl gepriesen wurde -- antrophosophisch geprägt, mit einem angeschlossenen Waldorfkindergarten, 30 Jahre Erfahrung mit Demenz, Mitarbeiter die jahrzehntelang aus Überzeugung dort arbeiten, also eine Wahl, mit der man sehr zufrieden sein kann. Mein Vater hat dort ein Einzelzimmer, das wir zum Großteil mit Möbeln des Heims bestückt lassen (Bett, Tisch, Schrank), aber wir sollen einige Dinge mitbringen, die ihn vielleicht an Zuhause erinnern. Was ist denn hier empfehlenswert? Bilder der Familie haben ihn eigentlich nie interessiert, und er hat keine Hobbies, außer am Schreibtisch sitzen und Ordner wälzen. Er hat auch keinen Lieblings-Sessel o.ä. Soll man es mit ein Paar Gemälden aus dem Haus probieren?

    Tanja, das sind ja tolle Nachrichten! Super, dass es jetzt so schnell ging! Kann das Telefon nicht mehr bedienen, das klingt ja nach einem ganz schnellen Verlauf; dur hattest doch noch vor wenigen Monaten ständigen Telefonterror?


    Bei uns gibt es auch etwas Bewegung. Habe meinen Vater heute mal wieder in der Gerontopsychiatrie besucht, nachdem das wegen eines Covid-Ausbruchs ca. 3 Wochen lang nicht möglich war. Alle Patienten haben sich angesteckt, bei meinem Vater war der Verlauf sehr mild. Er scheint jetzt medikamentös besser eingestellt, lallt nicht nur, sondern hat mich auch erkannt und aggressiv-vorwurfsvoll rumgescheucht -- "such mir mal meine Schuhe," "OiOcha, jetzt mach mal weiter, wir müssen jetzt endlich hin, wir haben ja soviele Fragen, wie sollen wir das sonst schaffen," "hast du mir keinen Zucker für den Kaffee mitgebracht, die haben hier keinen, ich bekomme hier nie Zucker." Na ja, viele von Euch sind von den Eltern im Heim ja solche Sachen gewohnt, aber ich habe (so schlimm es klingt) die 10 Wochen in der Psychiatrie recht genossen, weil man seine Ruhe hatte.


    Nächste Woche wollen die Ärzte einen "Auslassversuch" starten (obwohl er immer noch im Poseybett schläft und sich tagsüber sändig ausziehen will), und ihn in ein beschütztes Heim überstellen. Ich hatte ihn ja seit November auf fast einem Dutzend Wartelisten stehen, aber natürlich kam kein Anruf. Habe dann letzte Wochen selbst rumtelefoniert, und wie's der Zufall will, wird bei dem Heim, das unsere erste Wahl ist, nächste Woche ein Platz frei. Wir hoffen, dass nicht noch was dazwischen kommt und der Umzug gelingt.


    Meine Mutter (die richtig aufgeblüht ist) und ich müssen uns an den etwas freieren Vater erst wieder gewöhnen. Ich werde bei seinem Heim-Telefon unsere Nummern blockieren lassen, weil ich nicht will, dass er ständig anruft. Ebenso werde ich dem Heim sagen, sie sollen uns nicht ständig anrufen, wenn er klagt oder wieder abgeholt werden soll. Muss mich da mal in einigen Threads zum Thema Heim einlesen, um mir Eure Emfehlungen anzuschauen.


    Zum Thema Umzug ringe ich mit der richtigen Vorgehensweise. Aufgrund seiner Art würde ich ihn am liebsten mit einem Krankentransport hinbringen lassen. Wenn ich ihn ins Auto lade, dann will er bestimmt nach Hause, oder vielleicht tut er was verrücktes, zieht während der Fahrt die Handbremse oder sowas. Naja, werde mich mal bei den Ärzten und dem Heim erkundigen, was da empfohlen wird.

    Da hilft - wie OiOcha schreibt - nur eigene Kreativität und man sollte immer einen Schritt weiter sein als die demente Person. In unserem Fall war es so, dass sich praktisch unser ganzes Leben darum drehte, meine Mutter irgendwie durch Tag und Nacht zu bugsieren ... ohne größere Schäden.

    Den von mir angeleuchteten Teil halte ich in der Rückschau für den wichtigsten Rat für Demenz-Anfänger. Bei uns war es so, dass wir sowohl bei meinem Großvater als auch bei meinem Vater hinterher hinkten, weil sie sich erstens gut verstellten (bzw. mein Vater lange eher fordernd-vorwurfsvoll auftrat, und andere für seine Fehler verantwortlich machte), man sich zweitens gar nicht vorstellen konnte, wie durcheinander sie schon waren, und man sich drittens gar nicht ausmalen konnte, was für ein Potential für Blödsinn machen bestand.


    Man sollte sich frühzeitig überlegen, was man wirklich braucht und wo die schlimmsten Gefahrenquellen liegen. "Sicher aufgehoben" gibt es bei einem Demenzler nicht. Z.B. sind bei uns alle Dokumente, die in einem Safe im Keller lagen verschwunden, nicht auffindbar, vielleicht weggeworfen. Das macht alles unvorstellbar schwierig -- habe z.B. endlich das Auto meines Vaters verkauft. Wenn alles weg ist sind die Schritte hierfür: Neue Ausfertigung der Vollmacht vom Notar besorgen. Zum Landratsamt, neuen Fahrzeugbrief bestellen, Gebühren bezahlen, Aufbietung abwarten, nach 4 Wochen abholen. Dann zum Händler, neue Schlüssel bestellen, irgendwann wieder hin, abholen. Hat in unserem Fall 6 Wochen gedauert, gut €400 gekostet, und zwei halbe Arbeitstage in Amtsstuben. Wie man eine Grundsteuer-Erklärung erstellt ohne Grundbuchauszüge, Teilungserklärung, Pläne, usw, das könnt ihr euch dann selbst ausmalen.


    Noch schlimmer sind andere Gefahren: Mein Vater war Jäger und hatte im Keller einen riesigen Waffenschrank. Die Geheimzahl für das Schloss war natürlich weg. Ich dachte mir, ja gut, das Zeug ist dann ja sicher. Pustekuchen. Irgendwie hat er den Safe aufgekriegt, was wir bemerkten, als mir meine Mutter irgendwann sagte, in seinem Wäscheschrank läge eine Pistole (die sich dann sogar als geladen herausgestellt hat). Man mag sich gar nicht ausmalen, was da hätte passieren können!


    Deshalb unterstreiche ich nochmal den Rat von schwarzerkater: Man sollte immer einen Schritt weiter sein als die demente Person! Leider stecken wir oft im Trubel des Tagesgeschehens fest, rennen den Verrücktheiten hinterher, sind eigentlich manchmal ganz froh, wenn der Demenzler mit irgendwas beschäftigt ist. Und wie Du selbst sagst, enh2292, oft sind die Geschichten ja recht lustig (war bei meinem Großvater eigentlich meistens so), auch das sorgt mit dafür, dass man den Ernst der Lage nicht richtig einschätzt.

    Hallo enh2292 -- das von Dir beschriebene sinnlose bzw. sogar gefährliche "rumwurschteln" bzw. "Mist machen" kenne ich gut, und zwar jetzt in der zweiten Generation. Bei meinem Großvater gab es genau solche Sachen, wie Du mit dem Sicherungskasten beschreibst, und zwar auch in Phasen. Mal war er wie verrückt beschäftigt mit dem Abschneiden von hervorstehenden Ästen, an denen man sich das Auto zerkratzt. Das Handy funktionierte nicht, es wurde mehrmals täglich auseinandergebaut. Dann war der Kühlschrank kaputt -- mal zu kalt, mal zu warm, es wurde rumgeschraubt. Bei meinem Vater noch schlimmer, er sperrte ständig alles ab und versteckte/suchte stundenlang Schlüssel. Versteckte alle Wertgegenstände und Dokumente (viele sind heute noch weg, vielleicht hat er sie weggeworfen). Bei all diesen Dingen brachte es, wie ja auch meine Vorschreiber schon gesagt haben, überhaupt nichts, es anzusprechen/kritisieren/"verbieten" -- höchstens Streit konnte man damit provozieren.


    Den Sicherungskasten abzusperren halte ich für eine gute Idee, wobei Du davon ausgehen musst, dass irgendwo ein Bolzenschneider auftaucht. Wichtige Dokumente würde ich wegnehmen bevor sie verschwinden. Überhaupt sind wir am Besten gefahren mit Sachen einfach selbst entscheiden und machen; mit dem Erkrankten diskutieren bringt überhaupt nichts.

    Liebe/r Skaal, kurze Antwort zum Thema rechtlicher Betreuer und unangenehme Entscheidungen.


    Bei uns ist es so, dass ich von meinem Vater eine noratielle General- und Vorsorgevollmacht / Betreuungsverfügung habe, weshalb das Gericht keinen professionellen Betreuer eingesetzt hat, sondern ich allen Entscheidungen treffe. Zur Zeit ist mein Vater in einer Gerontopsychiatrie, und es kommen jede Woche 2-3 Schreiben vom Gericht zum Thema freiheitsentziehende Massnahmen. Du musst bei solchen Dingen zustimmen, bzw. sie sogar beim Amt anregen. Themen sind z.B., mein Vater soll nachts in seinem Einzelzimmer eingeschlossen und mit Kamera bewacht werden, weil er sonst rumwandert und sich zu Mitpatientinnen ins Bett legt. Sowas zu handeln wäre natürlich für meine Mutter schwierig. Ich denke, die Papierflut wird besser, wenn der Patient dauerhaft in einer geschlossenen/beschützten Abteilung ist, wobei du als Betreuer/Bevollmächtigter auch dann als Ansprechpartner für Heim/Ärzte verantwortlich bist. Zudem muss man sich um die Finanzen kümmern -- bei mir dank Vollmacht einfach, aber wenn man als Betreuer bestellt wird, gibt es Berichtspflichten gegenüber dem Gericht.


    Professionelle Betreuer nehmen dir diese Aufgaben ab, aber es gibt auch eine Menge schwarze Schafe. Bei uns hat eine windige Anwältin versucht, sich ohne mein Wissen als Betreuerin bestellen zu lassen. Wenn man deren Namen googelt, findet man eine 1-Sterne Bewertung und Horrorstories von betroffenen Familien, die versuchen, sie wieder loszuwerden. Wichtig ist deshalb, dass man versteht, dass wenn ein professioneller Betreuer bestellt ist, man als Familie nichts mehr zu sagen hat, das heisst, das Ganze kann auch gehörig nach hinten losgehen. Ich würde sagen, wenn der Erkrankte nicht übermäßig renitent ist und man sich selbst kümmern kann/will, dann sollte man es lieber nicht einem Profi übertragen.

    Hallo Winter! Herzlich willkommen in diesem Forum! Es ist gut, dass Du uns gefunden hast. Es gibt hier viel guten Rat, und oft hilft es auch einfach, sich Dinge von der Seele schreiben zu können.


    Meine Mutter ist in einer ähnlichen Lage wie Du -- seit über 50 Jahren verheiratet mit einem narzisstischen Mann, der ihr das Leben seit Jahren zur Hölle gemacht hat, schon vor der Demenz, aber in den letzten Jahren bis zur Unerträglichkeit. Er ist seit gut 2 Monaten in einer Gerontopsychiatrie, und ich merke zum einen, wie meine Mutter ohne ihn aufblüht, sich andererseits aber auch fürchterliche Vorwürfe macht, ihn zurückholen will, Zukunftsängste hat, usw.


    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du Dich von Deinem Mann lösen kannst -- besuchen usw kann man ja immer, aber wieder nach Hause holen, das ist eine ganz schlechte Idee.

    Schon interessant, was wir hier alles noch außer über Demenz lernen. Toll!

    Mein Vater war ja auch Narzisst, Psychopath, manipulativ - und später Alzheimer. Noch in der GerontoPsychiatrie konnte er anfangs die Fassade aufrecht halten und blöffen, die Ärzte sagten, er habe mehr als zwei Gesichter.. als ihn die körperlichen Kräfte auch vorher schon phasenweise verließen, kippte es total in Depression, er weinte viel, sah Einbrecher, schrie jede Nacht noch später im geschl.Heim nach "Mama", bedauernswert eigentlich. Leider habe ich das alles erst mit Ü50 angefangen zu durchblicken , aber besser spät als nie.

    Schlimm, was einzelne Menschen anrichten können und ganze Familien auf dem Gewissen haben, ganz zu schweigen von entsprechenden Politikern, die ja viel mehr noch anrichten können - ein weites Feld.

    Liebe Grüße an euch alle

    Liebe Rose60 -- ich muss sagen, mir ist ein Licht aufgegangen, als ich vor ein Paar Wochen das psychiatrische Gutachten für die Unterbringung meines Vaters gelesen habe. Das ist echt unglaublich, was die Fachleute da rausgearbeitet haben zu seiner Persönlichkeit -- trotz Demenz. Hätte ich das nur alles vor 20 Jahren so klar gesehen, ich hätte meine Mutter gedrängt, sich zu trennen, statt sich jahrzehntelang zu quälen. Ich kann nur jedem, der mit dementen und narzistischen Eltern gesegnet ist, raten, rechtzeitig die Reissleine zu ziehen. "Den Ball flachhalten," "es wird schon gutgehen" usw ist auf Dauer keine gute Strategie.

    Hallo Weit weg, hier ein Paar Anmerkungen zur beschützten / geschlossenen Unterbringung. Ich habe das gerade bei meinem Vater. Es braucht einen gerichtlichen Unterbringungsbeschluss. Das kann man zwei Mal in Folge relativ einfach für maximal 6 Wochen machen, und zwar auf Antrag des Bevollmächtigten/Betreuers/Heims, mit einem recht knappen Attest eines Arztes, dann ein Kurzbesuch eines Richters. Für die dauerhafte Unterbringung braucht es ein längeres Gutachten -- bei uns 18 Seiten, enorm detailliert, für das ich bestimmt eine Stunde lange mit dem Arzt gesprochen habe und Untersuchungebefunde übergeben und Vorgeschichte erzählt habe. Mein Vater ist seit 2 Monaten in einer Gerontopsychiatrie, die haben also unheimlich viele Daten über ihn und fähige und bemühte Ärzte. Kann mir nicht vorstellen, dass einer der niedergelassenen Ärzte, mit denen wir zu tun hatten, so ein Gutachten hätte erstellen können. Jetzt kommt noch mal eine gerichtliche Anhörung meines Vaters, dann wohl ein Unterbringungsbeschluss auf 2 Jahre. Wenn er vorher körperlich so verfällt, dass weglaufen u.ä. kein Problem mehr ist, dann lassen wir den Beschluss aufheben und bringen ihn in einem offenen Heim unter.


    Ich kann mir wie gesagt nicht vorstellen, wie ein normaler Arzt, der den Patienten nicht/kaum kennt, guten Gewissens so ein Gutachten erstellen kann. Das ist in der Psychiatrie deutlich einfacher, zumal dort auch die Richter ein-und-ausgehen. Ich habe mittlerweile einen Ordner voller Beschlüsse -- bei meinem Vater wird z.B. Abschliessen der Tür (weil er während eines Covid-Ausbruchs sich immer zu anderen Patienten ins Bett legen wollte), Posey-Bett, Fixierung, usw. gerichtlich genehmigt. In den Heimen wird das wohl laxer gehandhabt, bzw. nehmen die solche Patienten gar nicht auf.

    Ich warte bis was passiert.....vom Krankenhaus ins Heim.

    Anders läuft es bei uns nicht.

    Carolina, ich drücke Dir die Daumen, dass sich eine Lösung findet! Bei uns war es genauso, mein Vater nahm keine Hilfe an, tobte. Etliche Ärzte wollten nicht helfen, bis wir endlich eine gute fanden, die in in ein Krankenhaus einwies. Dann ging es ganz schnell, Krankenhaus, Gerontopsychiatrie, (hoffentlich bald) geschlossener Heimplatz. Ich denke oft an ein Zitat von (ich glaube) Ronald Regan: "for decades, the fall of the Sowjet Union seemed impossible, then suddenly: inevitable." Genauso ist es bei Demenz -- die Patienten lehnen jede Hilfe ab, machen den Angehörigen das Leben zur Hölle, niemand hilft -- und plötzlich tut sich ein Fenster auf und alles kommt in die richtigen Bahnen.

    Ist Demenz eigentlich erblich? Ich mache mir in der letzten Zeit ganz oft Sorgen, dass es mich auch erwischt.


    Krass finde ich auch, dass mich auf einmal wieder existenzielle Sorgen plagen. Was wird aus meiner Zukunft?

    Hallo grobi -- ich denke, diese Zukunftssorgen plagen viele von uns. Es ist schlimm, den Verfall der Eltern anzusehen, und irgendwie muss man sich auch sein eigenes Leben aufbauen oder erhalten. Ich bin mit Anfang 40 Single, habe mein Leben im Ausland aufgegeben und bin wieder nach D gezogen. Sehe mich irgendwie auch mental nicht in der Lage, jetzt auf Dates zu gehen und eine ernsthafte Beziehung anzufangen. Aber die Aussicht, jetzt 5-10-20 Jahre die Eltern zu pflegen und danach selbst niemanden zu haben, der sich um einen kümmert, mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit, selbst an Demenz zu erkranken -- das nagt schon sehr.

    Himbeerchen, ecia25 und schwarzerkater -- das tut mir echt leid, was ihr durchmacht! Da habe ich es mit nur meinem dementen Vater und einer psychisch labilen Mutter ja relativ leicht! Finde es echt gut, dass ihr hier so offen schreibt, weil es mir vor Augen führt, dass Andere noch viel größere Päckchen zu tragen haben.

    Hallo OiOcha, wir hatten anfangs auch riesige Probleme hinsichtlich der gerichtlich festgesetzten Betreuung. Ich hatte keinerlei Vollmachten, kam nicht an die Finanzen heran (Kosten für alles liefen weiter ..., mussten wir bezahlen). Man ließ uns am ausgestreckten Arm verhungern.


    Ich bin dann zur Anwältin gegangen und habe mich beraten lassen. Sie hätte mir auch geholfen (sie war mir empfohlen worden), aber zum Glück löste sich der Knoten dann auf einmal ohne Probleme auf. Ich glaube, in deinem Fall wäre es vielleicht nicht falsch, gute anwaltliche Hilfe hinzuzuziehen (wenn möglich!). Ich selbst bin eigentlich auch nicht dafür und bin zig Jahre ohne Anwalt durchs Leben gekommen.


    Aber bevor du selbst an diesem Wirrwarr verzweifelst (das klingt ja alles furchtbar), versuch doch mal, dir Hilfe zu holen. Dann hast du auch wieder einen freien Kopf für andere wichtige Dinge.

    Hallo schwarzerkater -- vielen Dank für den Rat! Vollmachten usw sind bei uns kein Problem, ich habe eine notarielle General/Vorsorgevolmacht und kann alles machen. Betreuungsverfahren hat das Gericht (ohne meine Kenntnis!) vor über einem Monat durchgeführt, aber keinen Betreuer bestellt, weil ich ja die Vollmacht habe.


    Es geht eher darum, dass diese ganzen Gerichte und Verfahrenspfleger irgendwelche Maßnahmen beschliessen, ohne dass ich angehört oder auch nur informiert werde (was eigentlich rechtlich erforderlich ist; beim Betreuungsverfahren ist z.B. der Bevollmächtigte ein Muss-Beteiligter). Vorteil eines Anwalts wäre, dass man durch den die ganzen Verfahrenspfleger ersetzen könnte. Und wenn man jemanden hat, der halbwegs fähig ist, dann würde man auch informiert. Andererseits kostet es natürlich auch jede Menge Geld, und wenn der mir nur die Bescheide zuschickt, dann hat es auch keinen großen Wert. Werde am Montag mal mit der Direktorin des Wohnsitz-AG telefonieren, die für Betreuungssachen zuständig ist, und leztes Mal auch recht nett und hilfsbereit klang. Ich nehme mal an, dass das Wohnsitz-AG von den gerade von mir im Wäschespind gefundenen Beschlüssen des Klinik-AGs auch nichts weiss. Vielleicht können die sich mal dahinter klemmen, oder vielleicht wenigstens EINEN Verfahrenspfleger bestellen.


    Rose60 und harzhexi, auch euch vielen Dank für die Empfehlungen!

    Hallo Himbeerchen! Herzlich willkommen in dieser netten Gruppe! Was du schreibst hört sich schlimm an! Ein guter Freund hat Tinnitus, und ich weiss, wie qualvoll es ist. Ich hoffe, dass Du hier guten Rat und Unterstützung bekommst -- für viele von uns ist es einfach schon hilfreich, sich die Dinge von der Seele schreiben zu können.