Beiträge von OiOcha

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    Hallo harzhexi! Herzlich Willkommen in diesem Forum! Es ist schön, dass Du uns gefunden hast! (Ich sage der Einfachheit halber einfach Du, das hat sich hier so eingebürgert, dass man sich informell anspricht; man tauscht ja auch recht intime Sachen aus. Hoffe das duzen ist ok!)


    Ich bin vorgestern auch wieder bein meinem Vater im Spind auf 4 Schreiben von Gerichten gestoßen. Und zwar drei vom AG, das für die Klinik zuständig ist -- diese hatten das Verfahren vor einigen Wochen an das Wohnort-AG abgegeben, aber wurschteln einfach weiter, wobei ich wieder von nichts weiss. Da ging es um Poseybett und gelegentliches Türabsperren, alles Sachen, die ich verstehe, und wo ich auch zustimme. Aber wiederum -- warum klappt es nach all den Briefen und Telefonaten nich, mich hier zu informieren? Und warum beschäftigen sich zwei Gerichte damit, mit zwei unterschiedlichen "Verfahrenspflegern"? Was ist überhaupt deren Aufgabe -- für mich sind sie nicht erreichbar, in der Klinik kommen sie laut Aussage des Personals nicht vorbei -- heften die einfach nur die Papierflut ab?!


    Dann verwahrlost mein Vater immer mehr -- müsste mal rasiert werden und die Fingernägel geschnitten bekommen -- klar, er will nicht, wehrt sich, dann machen die es nicht. Aber ich selbst darf es nicht probieren, weil keine spitzen Gegenstände erlaubt sind?!


    Wie Du sagst, ein kaputtes System. Am frustrierenden finde ich, dass man als Angehöriger, der sich kümmert und einsetzen will eher als störend empfunden wird. Ich habe den Ärzten, Gerichten, usw gesagt, dass ich jederzeit bereit bin, alles zu erledigen, aber man wird eigentlich nur ignoriert. Ich rechne so halb damit, irgendwann einen Anruf zu bekommen, wir haben Ihren Vater gestern in ein 150km entferntes Heim verlegt, da war gerade was frei -- obwohl ich meinen Vater mittlerweile auf ein Dutzend+ Wartelisten von schönen Heimen gesetzt habe.


    Und damit komme ich wieder auf meinen Eingangs-Beitrag. Ich denke mal, mein Vater hätte sich mittlerweile schon bei Klinikdirektoren/Gerichtspräsidenten/usw beschwert, und vielleicht einen Anwalt eingeschaltet. Ich bin da halt nicht der Typ dazu, und ich denke, es hlift ja den im System Arbeitenden auch nicht weiter, aber ich tendiere langsam dazu, dass "bestimmt auftreten" keine schlechte Strategie ist.

    Hallo ihr Lieben! Ich habe länger nichts mehr geschrieben, aber ich wünsche euch allen ein gutes neues Jahr! Drücke uns allen die Daumen, dass die Dinge im Jahr 2023 rund laufen, soweit das halt geht!


    Tanja, tut mir leid, zu hören, dass es bei deiner Mutter so stark abwärts gegangen ist! Falls du ihr ein Heim in unserer Gegend suchen willst (ich nehme an, dass es eine normale, nicht beschützte Station für sie tun würde), es gibt ein ganz neues in Seefeld am Ammersee, und im Rummelsberger Stift in Starnberg macht Ende Januar eine neue Station auf, die wegen Personalmangel geschlossen war. Deine Mutter würde dir die schöne Lage sicher nicht danken, aber wenn man keine Leads hat, dann ist es echt schwer, Plätze zu finden -- am Sonntag war ich mit meiner Mutter spazieren und wir wurden angesprochen von einer Dame mit einer dementen Mutter, die uns überhört hat und ihr Leid geklagt, steht schon seit fast einem Jahr auf verschiedenen Wartelisten.

    Hallo lieber Sohn Nummer 3 (ich glaube, ausser Sohn83 und mir bist du hier der dritte im Bunde) -- herzlich Willkommen!


    Ich habe auch einen Vater, der sehr dominant/narzistisch war, und meiner Mutter und mir das Leben eigentlich seit Jahren schon zur Hölle gemacht hatte. Mit der Demenz verschlimmerte sich das, weil man natürlich einem Dementen, der immer das Sagen haben will, gelegentlich auch mal widersprechen muss, was dann sogar zu schlimmen Gewaltausbrüchen führte.


    Mein Vater hat sich lange geweigert, überhaupt zum Arzt zu gehen, aber jetzt ist er nach einer langen Odyssee in einer Gerontopsychiatrie angekommen, wird medikamentös eingestellt, und dann dauerhaft in einem geschlossenen ("beschützten") Heim untergebracht. Ich habe vor kurzem ein 18-seitiges Gutachten der Stationsärzte bekommen, in dem eigentlich alles bestätigt wird, was ich schon immer wusste (und nicht wahrhaben wollte). Er wird als "aussergewöhnlich schwieriger Patient" beschrieben, der "drohend und fordernd" auftritt, keine Krankheitseinsicht und Behandlungsbereitschaft hat, und immer wieder aggressiv auch gegenüber Ärzten und Pflegepersonal auftritt. Alle sind überrascht, wie lange wir es mit ihm ausgehalten haben; an eine Rückkehr nach Hause ist nicht zu denken.


    Bei meiner Mutter und mir bemerke ich jetzt nach 2 Monaten Vater/Mann-freier Zeit, wie sich die Anspannung und Ängste lösen. Für meinen Vater ist die Psychiatrie natürlich nicht schön, aber als Angehöriger muss ich echt sagen, ich wünschte mir, ich hätte schon viel früher die Reissleine gezogen, anstatt die Gesundheit und Sicherheit meiner Mutter zu gefährden und selbst fast durchzudrehen. Ich kann jedem nur raten, von Menschen wir unseren Vätern Abstand zu halten und möglichst früh professionelle Hilfe zu suchen.

    Liebe Frau Sachweh! Ich schliesse mich den Vorschreibern an-- vielen Dank für den guten Rat, mit dem Sie uns hier zur Seite standen! Ich habe lange an einer Uni gearbeitet und bin mit dem Phänomen der befristeten Verträge gut vertraut; es ist echt ein übles System! Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft!

    Hallo Bevollmächtigter, herzlich Willkommen in diesem Forum!


    Ich habe von meinem dementen Vater eine notarielle Generalvollmacht/Vorsorgevollmacht/Betreuungsverfügung und habe damit schon seit Jahren alle Bank-, Finanz- usw Themen für ihn erledigt. Was bei uns schwierig war, weil er noch dachte, dass er es selbst macht, es konnte also passieren, dass er beim Finanzamt anruft und denen irgendwelchen Schwachsinn erzählt. Vermietung habe ich so geregelt, dass alle Rechnungen bei mir ankommen -- steuerlich geht das, wenn drinnen steht, dass es sich um Haus XYZ von Herrn OiOcha Senior handelt. Viele Handwerker stecken auch einfach eine auf meinen Vater ausgestellte Rechnung in einen Umschlag, auf den sie vorne meine Adresse draufschreiben. Bei Medikamenten würde ich schon schauen, dass Rezepte auf den Namen deines Vaters ausgestellt werden; bei unserer (privaten) Versicherung wurde mir letztlich ein geringer Betrag abgelehnt, weil die Rezeptionistin ein Rezept versehentlich auf meinen Namen geschrieben hatte. Beim Abholen von Medikamenten habe ich noch nie erlebt, dass man nach meiner Vollmacht gefragt hätte (oder sogar nur Ausweis; ist in Deutschland alles recht lasch).


    Zum Thema Vollmachten war ich auch lange verwirrt. Mein Vater kam letztlich in die Psychiatrie und ein Amtsgericht hat ohne mein Wissen (!) ein Betreuungsverfahren durchgeführt. Zum Glück wurde kein Betreuer bestellt, weil meine Vollmacht in einem Zentralregister hinterlegt war. Mache deshalb weiterhin alles mit der Vollmacht (klopf auf Holz!). Hier ist ein Link zu einem recht informativen Artikel der Verbraucherzentrale zum Thema Vorsorgevollmacht.

    Hallo Sohn83! Bin auch froh zu hören, dass es bei euch etwas besser wird! Und wie Rose60 sagt, es wird sicher noch etwas dauern, bis die Anspannung etwas nachlässt. Bei meiner Mutter, die ja auch 24/7 mit meinem Vater zusammen war, bemerke ich erst jetzt, nachdem mein Vater gute 6 Wochen nicht mehr zuhause ist, deutliche Erleichterung.


    Ich habe gerade eben das 15-seitige Gutachten der Gerontopsychiatrie zur dauerhaften Unterbringung meines Vaters erhalten. Das ist schon echt schwer zu lesen, wenn die dort so beschreiben, was sie alles mit meinem Vater erlebt haben. Kein Wunder, dass die Ärzte alle kaum glauben konnten, wie es meine Mutter mit ihm so lange ausgehalten hat. Überlege mir, ob ich das nicht mal den Ärztinnen schicke, die vor nicht mal einem halben Jahr eher dachten, wir sind Simulanten, die meinem Vater etwas böses wollen!


    Wegen Weihnachten habe ich hin-und-her überlegt, was wir machen. Abholen und nach Hause holen war bei uns nie eine Option, aber ich dachte, vielleicht nehme ich wenigstens mal meine Mutter mit zum Besuch. Sie wollte das ja bisher nicht, und hätte es wahrscheinlich nicht verkraften können. Die Entscheidung wurde uns jedoch abgenommen -- es gibt einen Influenza-Ausbruch auf der Station, weshalb keine Besuche erlaubt sind.

    Sie haben natürlich Recht, Herr Hamborg, weiter beschweren bringt nichts (und ich bin auch nicht der Typ dazu). Die Damen bei Gericht sind alle sehr nett, inklusive der Richterin, und wohl durchaus auch bemüht.


    Es krankt halt am System.


    Z.B. werden viele Gerichtsbriefe korrekt an mich geschickt, aber immer mal wieder auch welche mit meinem Namen an die Adresse meiner Eltern. Vielleicht wurden die Beschlüsse, die ich nur im Spind meines Vaters gefunden habe an meine Studentenbude geschickt, wo ich wohnte, als die notarielle Vorsorgevollmacht erstellt wurde?


    Oder das Formular zur dauerhaften Unterbringung, das hatte ich Mitte November beim Amtsgericht, in dessen Bezirk sich die Klinik befindet, unterschrieben. Das habe ich dann Anfang Dezember der Richterin und den Verwaltungs-Damen am Wohnsitz-Amtsgericht mitgeteilt, und gefragt, ob ich es nochmal ausfüllen soll, oder es dort sogar ein eigenes Formular gibt. Nein, nein, das passt schon. Gestern bekomme ich einen Brief, hallo schöne Grüße, hier ist unser Formular, bitte dringend ausfüllen, temporäre Unterbringung läuft in wenigen Tagen ab.


    Von der Klinik habe ich eigentlich einen guten Eindruck, aber auch da ist es so, dass einfach viel liegen bleibt. Die Ärzte sind überlastet, da kann man nicht ständig mit Papierkram anrufen, und die Dame vom Sozialdienst arbeitet Di/Do vormittag. Wenn man da am Montag dringend was braucht, dann hat man Glück, wenn sie am Donnerstag zurückruft.

    Hallo ihr Lieben! Ich wünsche euch auch allen einen schönen 4. Advent!


    Wenn ich eure Berichte lese, bin ich immer wieder überrascht, wie unterschiedlich doch die Demenzverläufe sind. Rose60, ich dachte z.B., dass deine Mutter schon deutlich dementer ist als bei den meisten hier, und jetzt lese ich, dass sie jetzt auch örtlich desorientiert ist -- das ist bei meinem Vater schon seit langem so. Und Alfskjoni, dass deine Mutter noch die Nummer der Auskunft im Kopf hat finde ich auch krass -- mein Vater wusste schon vor Monaten keine einzige Nummer mehr und verwechselte Telefon mit Fernbedienung.


    Was habt ihr denn alle für Weihnachtspläne? Ich werde mit meiner Mutter ganz alleine feiern, kleiner Baum, Gansbrust, und wahrscheinlich kein gemeinsamer Besuch bei meinem Vater, weil sie das immer noch zu sehr mitnehmen würde.

    OiOcha

    Es tut mir leid, was Du da gerade erlebst. Aber genau so ist es uns auch ergangen.

    Mein Bruder und ich waren beide bevollmächtigt, trotzdem wurden ohne unser Wissen Verfahrenspfleger eingesetzt, die wir dann auch noch bezahlen mussten..

    Verstehen tu ich das bis heute nicht..

    In unserem System liegt einiges im Argen! Ich habe bei Covid immer in der Zeitung gelesen, dass Infektionszahlen per Fax übermittelt werden, und darüber geschmunzelt. Nach eineinhalb Monaten mit Gerichten und Kliniken weiss ich, ohne Fax geht gar nichts. Das ist eigentlich immer die erste Frage, können Sie mir's faxen? Insofern ist es vielleicht mein Fehler; hätte mir am Anfang gleich ein Fax kaufen sollen und alle Gerichte im Umkreis anfaxen. :/


    Ich konnte bis jetzt noch nicht ergründen, warum das Gericht am Wohnort meines Vaters vor drei Wochen ohne meine Beteiligung ein Betreuungsverfahren eingeleitet hat. Offiziell lag das Verfahren bis vor 5 Tagen noch am Amtsgericht, in dessen Bereich sich die Klinik befindet. Ich habe um eine Ablichtung der Akte gebeten, aber es wird gemauert. Eigentlich macht es nichts aus, weil ja alles gut ausging, aber es ist schon echt krass, wenn man in Gerichtsdokumenten lesen muss "der Bevollmächtigte ist nicht bekannt oder nicht erreichbar," obwohl die Vollmacht dem Gericht DREI MAL mit vollen Kontaktinformationen vorliegt und man in ständigem Kontakt mit der Klinik ist. Da fragt man sich natürlich schon, wo wird da sonst noch geschludert?!

    Liebe Hase -- auch von mir herzliches Beileid! Schlimm zu lesen, was du und dein Vater da durchmachen musstet! Ich erinnere mich an den Sterbeprozess meiner Oma 2011, da war es im Krankenhaus ähnlich, niemand wollte Verantwortung übernehmen, trotz sehr genauer Angaben in der Patientenverfügung. Ich wünsche dir viel Kraft für die nächsten Wochen und hoffe, dass du die traumatischen Ereignisse verarbeiten kannst!

    Hallo Sohn83 ... das tut mir echt leid, dass Du nach der eigentlich erfolgreichen Einlieferung dann heute gleich so eine schlechte Erfahrung hattest!


    Das mit dem Klagen des Personals finde ich auch komisch. Ich habe wirklich Verständnis für den Stress wegen Pflegekräftemangel, und ich würde den Job nicht machen wollen. Aber die Patienten sind halt einfach alt und gebrechlich, deshalb ist es etwas unverständlich, wenn einem erzählt wird, wie "schwierig" der Vater ist. Meiner ist ja derzeit in der Psychiatrie, und selbst dort haben sie ihre Schwierigkeiten mit ihm. Am Freitag hat mir eine der Älteren (und eigentlich recht netten) Pflegerinnen erzählt, dass mein Vater, wenn man ihn in einem Heim verlegen würde, nach wenigen Tagen wieder in die Psychiatrie zurückgeschickt würde. Bei uns kommt von Ärzten bzw. Pflegepersonal oft ein "überraschend/bewundernswert, dass Sie es so lange mit ihm zuhause ausgehalten haben" dazu (Korsakow Patienten sind wohl extrem schwierig zu handeln), weshalb ich schon Sorgen habe, wie es dann mit einem beschützten Heimplatz mal laufen soll.


    Mit dem Duschen und Anziehen haben wir auch unsere Probleme. Er will einfach nicht, und eh sie sich angreifen oder beschimpfen lassen, macht das Personal lieber gar nichts. Und das mit dem Bahnhofsklo-Geruch im Badezimmer kenne ich auch, wobei ich sagen muss, dass die Pfleger da ständig hinterherputzen. Merkwürdigerweise hat mein Vater jetzt in der Psychiatrie angefangen, stehend zu pinkeln, was er lt. meiner Mutter zuhause nie gemacht hat.


    Diesen Mist mit Anwalt, Vollmacht widerrufen usw. hatten wir zum Glück noch nicht, wobei er da wahrscheinlich einfach zuviel Pillen bekommt und völlig weggetreten ist. Weiss nicht, ob man da mal zum Anwalt sollte und sich beraten lassen; was ich in den letzten Wochen mit Gerichten und Verfahrenspflegern erlebt habe ist erschütternd, und obwohl bei meinem Vater keine Betreuung angeordnet wurde (und ich alles weiter mit meiner notariellen Vorsorgevollmacht machen kann), habe ich keine Ahnung was passieren würde, wenn er sagt, er will mir die Vollmacht entziehen.


    Na ja, mach Dir nicht zu viele Sorgen! Du hast das Richtige getan, egal was Dein Vater und das Heim sagen! Drücke die Daumen, dass er sich einlebt!

    Liebe alle -


    Rose60 hat so recht: Dieses Forum hilft so sehr. Ich bekam vorhin einen Anruf eines Nachbarn meiner Mutter - sie hat sich ausgesperrt, jetzt muss der Schlüsseldienst wohl ran, weil ihre "hinterhältige Tochter ihr den Schlüssel weggenommen hat, weil sie die Wohnung will und möchte, dass ihre Mutter in der Gosse landet". Hat sie so ihrem Nachbarn gesagt. Und wahrscheinlich noch ein paar Worte mehr in der Richtung - er war ziemlich entsetzt. Es ist wirklich lieb, dass er sich kümmert. Ich werde ihn nachher anrufen, ob alles okay ist, ob ich noch etwas tun kann usw. Wisst ihr vielleicht, ob sowas ggf. schon als "physische Gefahr" für sich selbst gilt? Zum Beispiel, wenn die Nachbarn nicht da gewesen wären? Ich mache mir natürlich Sorgen um sie, auch wenn ich mittlerweile immer nur angeschrien werden.

    Liebe Grüße & danke an alle,

    Tanja

    Liebe Tanja, echt schlimm, dass sie dir solche Vorwürfe macht! Bei meinem Vater ist auch immer jemand anderes Schuld, wenn er sich ausgesperrt hat, aber dass deine Mutter dich vor den Nachbarn so schlecht macht ist schon böse! Gleichwohl hilft es, weil es dann eben Zeugen gibt, bzw. die Leute dann vorgewarnt sind. Ich habe gestern z.B. einen Nachbarn eingeweiht (endlich, denn meine Mutter wollte es ja lange niemandem erzählen) -- dem ging ein Licht auf! Mein Vater hatte ihn mal auf seine angebliche Stasi-Vergangenheit angesprochen, der Nachbar (Oberbayer, Anfang 40) sei doch Major der Grenztruppen gewesen.


    Ich würde sagen, leichtbekleidet (falls deine Mutter das denn war) im Winter aus der Wohnung aussperren gilt auf jeden Fall als Selbstgefährdung. Was ich jetzt bei meinem Vater in der Psychiatrie bzw. mit Gerichten merke, wenn die Erkrankten mal in den Mühlen sind, dann geht es ganz schnell. Meine Mutter und ich hatten ewig Angst, dass mein Vater einem Richter wunderbare Geschichten erzählt und wieder entlassen wird. Aber wenn Weglaufen erstmal dokumentiert ist und die Patienten dann einige Tage beobachtet werden, dann bringt die tollste Fassade nichts mehr. Wünsche dir viel Kraft, und dass du auch bald eine Lösung für deine Mutter findest!

    Hallo Sohn83! Das hört sich vielversprechend an! Ich wünsche Euch, dass alles klappt! Und mache Dir bitte keine Vorwürfe ... ich weiss es ist schwer mit unseren Vätern, aber Du tust das Richtige!

    Also, ich muss schon sagen --nach einem Monat mit Krankenhäusern, Versicherungen, Heimen, und Gerichten-- man muss sich schon kümmern und manchmal auch bestimmt auftreten, sonst geht man unter.


    Gestern haben ich meinen Vater mal wieder besucht. Ich hatte ja in einem anderen Thread schon geschrieben, dass ich letzte Woche schockiert war, wie verwahrlost er war. Ich habe dann mit den Ärzten und der Pflegeleitung gesprochen und mich freundlich beschwert. Er war diese Woche in viel besserem Zustand, ordentlich angezogen und es war auch eine Menge Schmutzwäsche da. In der Vorwoche hatte man ihm ja praktisch nie etwas neues angezogen.


    Aber der nächste Schocker kam, als ich die Schmutzwäsche aus seinem Spind holte. Es waren zwei Zustellungen drinnen von Gerichten. Unterbringungsbschluss des AG München plus ein Betreuungsbeschluss (oder vielmehr: Betreuung wird nicht angeordnet wegen meiner notariellen Vollmacht) aus seinem Wohnort. Ich bin aus allen Wolken gefallen! Es ist doch ein Skandal, dass ein Betreuungsverfahren völlig ohne meine Kenntins durchgeführt wird, und ich Schreiben von solcher Tragweite dann zufällig eine Woche später im Wäschespind meines Vaters finde. Und zwar obwohl meine Kontaktinfo und Vollmacht den Kliniken vorliegt, in jedem Arztbericht erwähnt wird, und ich sie zusätzlich an das AG München geschickt habe, mit der Bitte, alle Korrespondenz an mich zu richten. Lasse mir jetzt mal die Akte kommen, aber ich denke, es ist eigentlich eine Beschwerde wert, besonders gegen die "Verfahrenspflegerin" -- irgendeine Anwältin aus München mit ein-Sterne Bewertung bei Google, die offenbar wie der typische "Ambulance Chaser" Anwalt in solchen Fällen versucht, die Betreuung zu erschleichen. Und auch mit der Klinik muss man reden, damit solche wichtigen Dinge nicht einfach in seinen Spind gelegt werden, sondern ich informiert werde. Wobei man fairerweise sagen muss, sie hätten es noch schlechter machen können -- ihm geben, dann wäre es natürlich weg gewesen.

    Ich möchte den Thread von Weit weg nicht kapern, aber ich habe zum Thema Zahnarzt bzw. Versorgung im Heim zwei Fragen.


    Mein Vater hat in den letzten Monaten (als er noch zuhause war) etliche Zahnarzttermine gehabt; es wurden einige Zähne gezogen und erneuert. Es waren langwierige Behandlungen, und der Arzt meinte, das wäre sicherlich schmerzhaft und hat Pillen verschrieben. Mein Vater hat natürlich ständig an den Verbänden bzw. Provisorium rumgezupft und musste deshalb alle Paar Tage wieder zum Zahnarzt um's richten zu lassen (bzw. einmal ist er selbst zu irgendeinem Zahnarzt gelaufen und hat sich da behandeln lassen; wir wussten nicht, wo und was gemacht wurde, erst 2 Wochen später, als die Rechnung kam). Schmerzen hatte er jedoch keine, weder mit den kaputten Zähnen noch nach der (lt. Arzt schmerzhaften) Operation. Ist das bei Demenz so, dass sich das Schmerzempfinden ändert? Ebenso scheint das Kälteempfinden beeinträchtigt; er klagt auch bei 23 Grad ständig, dass ihm kalt ist, und wenn man ihm eine Wärmedecke gibt, dann meint er, die sei gar nicht an.


    Zum Thema "welche Dienstleister kommen ins Heim," meine Mutter nervt mich ständig, mein Vater müssse mal zum Friseur. Er ist ja zur Zeit in der Gerontopsychiatrie, wo Friseur bestimmt nicht weit oben auf der Prioritätenliste steht. Einige der Heime, die ich angeschaut habe, haben Friseure und verschiedene Ärzte; wie handhabt ihr das denn bei euren Eltern? Muss meinen Vater auf jeden Fall wenigstens ein bisschen herausputzen bevor meine Mutter ihn sieht, sonst dreht die durch und landet auch in der Psychiatrie.

    Hallo Weit weg, auch von mir ein herzliches Willkommen! Ich habe auch fast 20 Jahre lang im Ausland gelebt, und bin Anfang 2020 während der ganzen Lockdowns 6 Wochen lang bei meinen Eltern gestrandet, und habe dabei gemerkt, wie schlimm es mit der Demenz meines Vaters steht. Habe mich dann entschlossen, nach Deutschland zurück zu ziehen (was aber zu der Zeit aufgrund von privatem und beruflichen Veränderungen auch relativ leicht möglich war). Wie schwarzerkater schreibt haben wir nur das eine Leben, und man sollte nicht alles dem Wohl der Eltern unterordnen. Was du schreibst deutet ja darauf hin, dass du wirklich schon Einiges für deine Mutter in die Wege geleitet hast. Insofern machst du ja deinen Job als Tochter sehr gut!

    Hallo Tanja! Schön, dass Du ein Paar Tage in London anhängen konntest! Man muss seine Freiheit geniessen, wo man kann, auch als Demenz-Angehöriger.


    Zum Thema "Fall aufbauen": Mein Vater wollte ja auch ewig nicht zum Arzt, hat allen erzählt es fehlt ihm nichts. Ich hatte immer im Hinterkopf, Dokumentation sammeln, Zeugen haben, "Fall" aufbauen. Es war dann aber wirklich so, dass als wir die richtige Ärztin gefunden hatten, alles wie von selbst lief. Er hat einfach eine fortgeschrittene Demenz, und wenn man da erstmal bei den richtigen Ärzten ist, dann "flutscht" alles -- Pflegestufe, Gericht, usw. Es ist sicherlich nicht der Pfad für jeden, aber ich denke, bei uns haben Klinikaufenthalt, dann Geronto-Psychiatrie Wunder gewirkt. Wir hätten meinen Vater sonst noch lange bei niedergelassenen Ärzten vorstellen können, die ihm seine Heldengeschichten geglaubt hätten. Drücke Dir die Daumen, dass Du deine Mutter auch irgendwie auf den richtigen Weg bringen kannst!

    Liebe Hase2020! Das ist eine ganz schwierige Situation, aber auch ich will Dich bestärken, dass Du das Richtige tust! Ich hatte ein ähnliches Szenario mit meiner Großmutter, wo ich 2012 der Palliativbehandlung zustimmen musste, obwohl mein in frühem Stadium dementer Großvater (der, wie ich eine Vorsorgevollmacht hatte) meinte, er könne doch seine Frau nicht umbringen. Man tut den Verwandten nichts Gutes, wenn man "alle Möglichkeiten ausschöpft." Ich wünsche Dir, dass Du gut durch diese schwierige Zeit kommst!

    Ich finde schon allein die Geste ist doch super, Süßkram geht in sozialen Berufen immer massenweise weg :)

    Alles Gute weiterhin

    Super, vielen Dank! Ich wollte auch nicht Sonderbehandlung rausschinden, sondern dachte, die arbeiten so hart für wenig Geld, da bringe ich ein kleines Dankeschön mit. Ich habe die Dinger während der Kaffeepause kurz abgegeben wo nur eine Person in der Station war und die anderen beschäftigt, da weiss eh niemand, wer sie mitgebracht hat. Werde ich dann immer so machen.

    Vielen Dank für den Zuspruch! Habe mittlerweile mit der Sozialstation und Pflegeleitung gesprochen. Die bemühen sich wohl schon, es werden tägliche Protokolle geschrieben. Das Problem ist wohl, er wehrt sich, wenn man ihn an/umziehen oder waschen will, besonders bei weiblichen Pflegekräften. Da ist es natürlich dann schnell so, dass gesagt wird, dann lassen wir das heute. Habe jetzt einige Tricks meiner Mutter weitergegeben, die ja mit der Thematik vertraut ist. Z.B. wird jetzt erstmal versucht, ihm morgens neue Anziehsachen ans Bett zu legen, was früher immer ein Signal war, du musst dich duschen und neu anziehen. Eigentlich kann er es ja noch, man muss ihn nur erinnern.


    Werde nächste Woche wieder vorbei gehen, wobei ich keine Termine ausmachen will, sondern lieber mal spontan zu verschiedenen Zeiten aufkreuze. Habe beim letzten Mal eine 500g Packung Lindt Kugeln (€10) für das Personal mitgebracht; da arbeiten Dutzende Leute, und es hat jeder sicherlich nicht mehr als 2-3 Kugeln bekommen. Sind solche Kleinigkeiten als Mitbringsel ok, oder soll man das lieber nicht machen?