Beiträge von schwarzerkater

    Ihr Lieben, ich befasse mich aus Interesse mit der Forschung um Demenz. Bin keine Expertin, sondern mich interessiert das alles natürlich in Bezug auf meine Mutter, aber auch weil ich mich mit einigen Themen davon etwas entfernt beruflich befasse. Es gibt hier gute Podcasts, z.B. https://www.podcast.de/episode…taler-staffellauf-im-kopf

    Aber vielleicht kennt ihr das alle längst. Jedenfalls habe ich (wie Rose60 sagt) erkannt, dass Medikamente, die den Verlauf verzögern (wenn die Demenz bereits im vollen Gange ist) relativ wenig nützen. Meine arme Mutter bekam davon sogar noch Depressionen, die sie früher nie hatte. Es war gespenstisch: Plötzlich war sie "total klar", erkannte, wie es um sie steht und war zu Tode verzweifelt. Wir mussten sie ins Krankenhaus bringen, wo sie Beruhigungsmittel erhielt. Das Medikament haben wir sofort abgesetzt. Jetzt weiß sie nichts von ihrem Zustand, was einerseits schrecklich ist, aber sie selbst natürlich schützt.

    Guten Abend, Zimt, so eine Not ... das tut mir richtig selbst weh. Ich kenne es - wie schon geschrieben - aus eigener Erfahrung und saß ebenso weinend vor meiner Mutter, die sich die den Nasenrücken immer wieder aufgerissen und die Augen mit Rheumasalbe eingeschmiert hatte ... die waren wund und rot. Die Beine waren voller Ödeme, weil sie es vorzog, sich IMMER nachts in einen Sessel zu setzen (ins Bett wollte sie nicht mehr - da führte kein Weg rein). Ich schreib das, um dir zu zeigen, dass du nicht alleine bist in deiner Not. Aber DU wirst nichts ändern können. Kannst du den Arzt nicht bitten, dass deine Mutter in eine Klinik aufgenommen wird? Vielleicht nochmals bei ihm anrufen und die Lage schildern? Wir haben die Erfahrung gemacht, dass meiner Mutter ein Krankenhausaufenthalt eher geholfen als geschadet hat. Wenn die Pfleger und Ärzte dort einigeramaßen Erfahrung haben, lassen sich auch Demente leichter händeln. Das war in unserem Fall so. Aber das muss man im Einzelfall entscheiden. Irgendwelche Ermahnungen oder Bitten helfen bei Demenz jedenfalls NICHTS, NICHTS, NICHTS! Man ... muss ... das ... hinnehmen! Schrecklich, aber wahr. Tricks fallen mir da leider auch nicht ein.

    Guten Morgen, ja Rose 60

    Ich zitiere:

    "Seit ich sie vor zwei Jahren in ihr bevorzugtes Seniorenheim bringen konnte, wurde und momentan wieder werde ich oft angegangen, was ich mit ihr gemacht habe, auch von den Pflegern teilweise Bemerkungen anfangs, so schlimm sei es doch eigentlich noch nicht ."

    Genau solches Verhalten von eigentlich Professionellen hat mich komplett in den Wahnsinn getrieben. Da war die Neurologin, die angesichts meiner dementen Mutter meinte: "Was wollen sie denn ..., sie ist 88 und dafür ist sie doch noch ganz okay ... sie darf doch auch mal was vergessen. Ja du meine Güte ... Nun seien Sie doch nicht so ..."


    Und dann fuhren wir mit meiner Mutter wieder nach Hause. Ich konnte es kaum abwarten, zu Hause anzukommen, weil ich dann endlich ungehemmt und endlos weinen konnte.

    Denn ICH wusste, dass meine Mutter zu Hause ihr Bett nicht mehr fand, sich weder aus- noch anzog, sich nicht mehr wusch, komische Dinge aß ... und selber dennoch meinte, es wäre doch ALLES BESTENS! Pflegedienst braucht sie nicht ... den hat sie rausgeworfen.

    Ich hatte großes Glück, dass die Hausärztin meiner Mutter mehr Verstand hatte (eine ganz, ganz junge Frau im Alter meiner Tochter) und dass die Pflegedienstleiterin (ebenso jung) genau merkte, was los war.


    Ich sehe es so wie alle, die hier schreiben ...Ein besseres Eingehen auf die Angehörigen und die differenzierte Betrachtung all der Fälle von Demenz mit eigenem Hintergrund wäre dringend nötig!!!! Jeder schleppt doch sein Lebenspäckchen mit. Und Demenz ist halt ZUSÄTZLICH eine der Krankheiten, über die die/der Betroffene selbst nicht mehr ausreichend reflektieren kann. Und dann steht man da .... All die Erklärungen von anderen können passen oder nicht ... Eine Antwort ist alleine nicht leicht zu finden.

    Ihr Lieben, ich lese die ganze Zeit mit ...


    Ich glaube, für das Verhalten von Dementen gibt es nicht nur einen Erklärungsansatz. Und der, den Herr Hamborg gebracht hat, mag ja durchaus in manch einem Fall auch zutreffen. Ich kann es mir gut vorstellen, v.a. dass besondere Grantigkeit einer Person gegenüber eben auch darauf hindeuten kann, dass man sich da sicher fühlt und sich fallenlassen kann. Das ist übrigens bei Kindern genauso ... sie benehmen sich gerade da ungefiltert (und nicht immer nett), wo sie sich sicher fühlen. Ob es (immer) mit Liebe zu tun hat, kann man da durchaus hinterfragen.


    Deutlich ist in jedem Fall, dass diese schwere Krankheit Demenz auch die Qualität und Art der Beziehungen hinter alldem offenlegt.


    Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich eine schlimme Kindheit hatte, aber es kam vieles mit der Demenz meiner Mutter zum Vorschein, auf das ich hätte verzichten wollen.


    Ich habe mir sehr gute professionelle Hilfe geholt und Anregungen bekommen, wie ich an mir arbeiten kann. Ich arbeite also daran, das Verhalten meiner dementen Mutter immer weniger zu "bewerten", denn das führt niemanden nirgendwohin, sondern erzeugt nur Widerstand.


    An ihr kann ich nichts ändern- sie kann sich nicht (mehr) ändern. Es ist sehr schwer, denn man ist in seinen alten Mustern gefangen, aber es geht nicht anders als diese Muster zu begreifen und beiseite zu legen.


    Vielleicht habt ihr auch alle gute psychologische Begleitung, die euch durch diese Herausforderung führt. Das finde ich persönlich sehr notwendig.


    Darüber zu reden ist aber natürlich auch wichtig. Und das geht v.a. hier in diesem Forum (das ich sehr hilfreich finde) sehr gut!!!! Ich profitiere sowohl von den Mitbetroffenen als auch von den Moderatoren. Ich wünsche allen einen schönen Samstagabend.

    Guten Abend Zimt, das freut mich!!!! Ich wollte das auch nicht glauben, dass es klappt. Aber wahrscheinlich triggert dieses Prost irgendeine Erinnerung an früher und da es gleich wieder vergessen wird, kann man es mehrere Male wiederholen. Liebe Grüße, schwarzerkater

    Hallo Zimt, ich hatte dasselbe Problem als ich meine Mutter noch zu Hause versorgte ... All die hier beschriebenen Tricks habe ich versucht - am besten funktionierte davon das fröhliche und wiederholte Zuprosten. Trotzdem habe ich nicht genug Flüssigkeit in sie hineinbekommen. Ergebnis: Dehydrierung - Krankenhaus. Seitdem ist sie im Pflegeheim und dort hat man null Probleme mit dem Trinken. Alle sitzen am Tisch, bekommen Getränke eingeschenkt und alle (auch meine Mutter) trinken. Die Gemeinschaft dort (gleichaltrige Leute ...) machts wohl! Und die Pflegekräfte gehen mit viel Humor an die Sache heran. Da verweigert sich niemand.

    Hallo nochmal in die Runde. Ja hanne63, ich wünsche mir auch, dass die Aggressivität nicht wiederkommt. Noch kann ich mich nicht ganz entspannen, denn erst seit Kurzem scheint es besser zu sein - eigentlich seitdem sie in diesem Heim ist. Der dortige gelassene Umgang scheint ihr gut zu tun (obwohl sie nach Hause möchte). Sie erkennt mich zwar "als Tochter". Aber ich nehme an, das ganze Konstrukt Mutter - Tochter - ... kann sie nicht mehr ganz einordnen. Das ist mir aber völlig egal. Es geht mir wie dir - Hauptsache ich kriege etwas Freundlichkeit ab. ;)

    Guten Morgen, Zimt. Ja offensichtlich durchlaufen von Demenz Betroffene zum großen Teil ähnliche Stufen. Bei meiner Mutter ist die Demenz scheinbar schon weiter fortgeschritten. Sie war an allem immer hochinteressiert, bei unseren gemeinsamen Urlauben voller Abenteuerlust, wollte alles genau wissen. Jetzt kann sie sich Inhalte nur wenige Minuten merken, hat ganz viele Konzepte des Lebens bereits verloren. Und obwohl sie noch in komplexen Sätzen sprechen KANN, spricht sie wenig. Lesen und rechnen kann sie noch (tut es aber kaum). Sie macht eigentlich wirklich NICHTS und natürlich ist das selbstschädigende Verhalten auch Folge der Langeweile. Aber versuch einfach wirklich mal, das nicht mehr zu beachten. Ich wollte es nicht glauben, aber es hat geholfen. Allerdings werden sich mit Sicherheit neue unangenehme Verhaltensweisen einstellen. In dem kleinen Pflegeheim lässt man sie weitgehend in Ruhe, bietet ihr aber immer Gesellschaft an. Mir fällt auf, dass ALLES mit Humor und gemeinsamen Lachen verbunden ist (quasi ist das eine Ablenkung). Darauf spricht meine Mutter gut an, allerdings nicht bei mir - da kann ich machen, was ich will. Die über Jahre unerträgliche Aggressivität (v.a. mir gegenüber) hat sich jedoch mit fortschreitender Demenz stark verringert und momentan ist davon gar nichts zu spüren. Also vielleicht ist deine Mutter noch in einer Phase, wo sie diskutieren kann und es dann eben auch tut?

    Hallo sonnenblümchen, genauso wie zitiert und beschrieben ist es bei uns auch. Wir haben meine Mutter sogar jahrelang in jeden Urlaub mitgenommen (selbst, als die Demenz unverkennbar war). Und auch sonst war/ist mein Mann unermüdlich für sie da. Direkt bedankt hat sich meine Mutter nie, bei keinem von uns. Aber jetzt ist es genauso wie sonnenblümchen als Zitat schreibt: Sie erkundigt sich im Minutentakt, wie es meinem Mann geht. Dagegen fragt sie NIE, wie es mir geht. Ich glaube, sie hat ohnehin kein genaues Konzept mehr von Mutter-Tochter-Schwiegersohn ...

    Hallo Zimt, das ist ja beinahe lustig ... Auch meine Mutter hat über lange Zeit täglich mehrmals alle Stecker gezogen, dann uns angerufen, dass der Fernseher nicht geht. Mein Mann ist dann umgehend hingerannt und hat den Fernseher wieder zum Leben erweckt ... der fand meist die radikale Prozedur des Steckerziehens nicht so toll. Mit dem Fortschreiten der Demenz lehnt meine Mutter Fernsehen, Radio, Telefon etc. komplett ab. Sie sitzt da und macht gar nichts - und das, obwohl sie bis zu ihrer Demenz die unermüdlichste Person war, die ich kenne. Sitzen und nichts tun kam für sie einen Kapitalverbrechen gleich. So verändert die Demenz einen Menschen.

    Genau, so wie es Rose60 schreibt ....: Wenn meine Mutter schimpft, sage ich ich nicht: "Ach, nicht so schlimm ... es ist doch ganz anders." Sondern ich pflichte ihr bei. Etwas anderes nützt nichts, gar nichts! Denn sie versteht es nicht, kann nicht mehr (sich selbst) reflektieren, Sachverhalte abwägen, sich in mich hineinversetzen ...

    Liebe "Zimt", einen Versuch ist es wert und man darf nicht mutlos werden, wenn es nicht gleich funktioniert. Man muss "reinwachsen". Das geht bestimmt allen Angehörigen so. Mir auch! Und am Ende bleibt uns gar nichts anderes übrig, als Bewältigungsstrategien zu entwickeln, und zwar möglichst gute.

    Hallo Zimt, ich habe deine älteren Beiträge gelesen und finde viele Parallelen. Auch bei meiner Mutter nahm die Starrheit und Sturheit mit der Demenz extremst zu. Ja, sie war vielleicht sogar das erste Anzeichen.


    Meine Mutter war immer schon eine dominante Person. Ohne die Demenz war es aber einfach nur eine Facette ihrer Persönlichkeit (die abgesehen davon durchaus sehr positive Anteile hatte). Plötzlich aber war ALLES falsch, ohne dass es eine Chance für Verbesserung gegeben hätte ... Und über mir wurde der ganze Frust ausgekippt, obwohl ich mir quasi für sie beide Beine ausriss. Es war unerträglich. (Wie ich lese, tust du das ja ebenfalls.)


    Als dann klar war, dass es sich um eine Demenz handelt, wurde das abgestritten/ignoriert. Notwendige Pflegekräfte hat sie rausgeworfen, mich ebenfalls beschimpft und rausgeworfen. Zum Glück hatte ich (wie du) die Unterstützung meines Mannes.


    Aber aufgrund meherer Zusammenbrüche meiner Mutter mussten wir die häusliche (nicht funktionierende) Pflege in eine stationäre Pflege umwandeln. Das wollte sie NIE (kam gleich hinter Mord oder noch vorher), aber jetzt hilft uns tatsächlich nur ihr Vergessen. Wir sagen ihr nämlich, dass es nur für kurze Zeit ist.


    Für mich ist das sehr schwer, ich plage mich mit einem schlechten Gewissen, obwohl ich doch buchstäblich nichts tun kann, was die Wünsche meiner Mutter erfüllt - weder die von vor der Demenz noch die jetzigen (die ja nicht einmal ihr selbst noch greifbar sind).


    Mir wurde geraten, meine Mutter innerlich loszulassen, die Fürsorge an kompetente Personen abzugeben. Das war gerade in dem Fall notwendig, weil meine Mutter einerseits total auf mich fixiert war, mich aber andererseits nicht wirklich respektierte. (Die Aggressionen mir gegenüber wurden zwar mit der Zeit weniger, aber sie kamen trotzdem immer wieder.)


    So, und an diesem Loslassen arbeite ich nun - es ist ein Balanceakt zwischen "in Liebe schauen, dass ihr bestmöglich geholfen wird" und "Zurücknehmen meiner Person". Das geht nicht von Heute auf Morgen - ganz klar, wenn man zeitlebens immer alles in einer Person war: Hilfe, Rettungsanker, Müllhalde, Punchingball ...


    Aber raional gesehen: Was ist mir überhaupt möglich? Ich konnte z.B. selbst mit allem guten Willen meine Mutter nicht von diesen selbstschädigenden Tätigkeiten abbringen (ich hab ihr gut zugeredet, ihr Pflaster draufgeklebt - hat sie abgerissen ...). Ich MUSSTE es also hinnehmen. Und auch jetzt: Natürlich will meine Mutter nach Hause. Aber egal, wie traurig ich darüber bin oder wie sehr ich mich auch mühe ... Ich werde ihr Schicksal nicht abwenden und es meiner Mutter in allem recht machen können. Ich KANN sie auch nicht umprogrammieren - das geht schon bei Gesunden nicht und noch weniger bei Menschen mit Demenz.


    Somit kann ich "nur" an mir arbeiten und mir Strategien überlegen, wie ich damit umgehe. Das ist ganz, ganz schwer (und frisst einen selbst auf) - aber es führt kein Weg daran vorbei.


    Vielleicht soviel als kleiner Gedankenanstoß! Alles Liebe!

    Diese Lösungsorientiertheit habe/ hatte ich auch, musste sie aber neu "denken" lernen. Die Themenzentriertheit hatte meine Mutter auch und die damit verbundene Wut war kaum auszuhalten, zumal ich als Ziel bzw. Blitzableiter herhalten musste. Am besten hat funktioniert, meiner Mutter einfach nur beizupflichten und Bemühungen zu zeigen, dass ich mich um Veränderung kümmere. Die Selbstverletzung fand allerdings statt, als die Demenz schon weiter fortgeschritten war und es war ihr völlig egal, wie sie aussah ..., nur ihrer Haut war es nicht egal. Wie wäre es denn (Zimt), wenn du dich einfach immer voll auf jedes Thema einlässt und (scheinbar) nach einer Lösung suchst. Es ist im Grunde völlig egal, worüber man wie oft redet. Meine Mutter hatte lange Zeit als Lieblingsthema "das Wetter", "die Wolken", "die Nachbarn" (die zu ruhig/zu laut/ nicht da/immer da ....) waren. So komisch das klingt: Wir haben uns an die Themen gewöhnt und mitgespielt. Nun ist die Demenz noch weiter fortgeschritten (und meine Mutter gegen ihren einstigen Willen im Heim) und irgendwie denke ich fast wehmütig an die scheinbar sinnlosen Gespräche zurück. Wenn ich eins begriffen habe, dann das: Widerspruch und Diskussionen sowie Erklärungen sind bei dementen Personen zwecklos. Das wurde mir früher immer gesagt, ich wollte es nicht glauben, musste es aber akzeptieren.

    Hallo Zimt, es ist, als würdest du von meiner Mutter schreiben: Auch sie hat sich mit dem Finger z.B. tiefe Löcher in den Nasenrücken geschürft, sich (offensichtlich) Rheumasalbe in die Augen gerieben usw. Was habe ich sie gebettelt und gebeten, damit aufzuhören ... Zwar war sie jedes Mal erstaunt, dass sie "so" aussah, aber beteuerte, dass sie das ja wohl nicht gemacht haben konnte. Schließlich wurde sie ärgerlich. Da all meine Ermahnungen nichts halfen, habe ich es einfach hingenommen (hatte hier schon mal danach gefragt) und siehe da: Sie "vergaß" das selbstschädigende Verhalten. Natürlich haben wir möglichst alles entsorgt, was hätte schädlich sein können. Ich musste ansonsten lernen, dass sämtliche Diskussionen bei Demenz NICHTS (!) bringen.

    Vielen Dank an alle! Ich nehme also für mich mit, dass es ein schwieriges Thema ist und ich dann zusehen muss, wie wir das mit meiner Mutter (Zahnarzt) hinkriegen. Bisher hat sie bei Ärzten kooperiert. Allerdings bin ich nicht mehr so sicher. Die Pflegerin berichtete von Zahnschmerzen. Meine Mutter widersprach fast aggressiv (klar, in dem Moment tat nix weh und die "alten" Schmerzen waren vergessen). Das kann ja noch lustig werden ... Ich habe vor allem auch Angst, dass sie (wenn sie in unser Auto einsteigt) gleich mit nach Hause will ... (Sie hat übrigens PG 3). Nochmals Danke an euch!

    Guten Morgen, ich habe eine wichtige/dringende Frage.

    Das Pflegeheim, in dem meine Mutter untergebracht ist (Konzept: Betreutes Wohnen mit ständigem Pflegedienst vor Ort) bat mich, für meine Mutter zeitnah einen Zahnarzttermin auszumachen. Diesen Termin habe ich für Dienstag bei der Hauszahnärztin ausmachen können. (Diese macht leider aus verschiedenen Gründen keine Hausbesuche im Pflegeheim.) Nun habe ich schon bei der AOK nachgefragt, wie das mit der Fahrt dorthin ist. Ich habe erfahren, dass man eine ärztliche Verordnung braucht (vom Hausarzt), die bestätigt, dass die Person nicht alleine dorthin kommen kann. Dann ruft man ein Taxiunternehmen oder das DRK und die rechnen die Fahrt dann mit der AOK ab. Jedoch wartet dann wohl keiner der Fahrer mit meiner Mutter dort vor Ort. Bisher (bis zum Eintritt ins Pflegeheim seit September) habe ich das alles alleine gemacht und fand es schon schwierig ... Aber ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn sie dort alleine abgesetzt wird. Andererseits frage ich mich auch, wie andere Angehörige das machen, die sehr weit entfernt von der dementen Person wohnen. Wir sind zwar nicht weit weg, aber auch schon nicht mehr so fit, so dass wir hier und da nicht mehr alles schultern können.

    Gibt es denn da vielleicht Grundsätzliches zu diesem Thema, wie man das handhabt. Oder vielleicht kann mir auch jemand von Erfahrungen berichten? Ich warte gespannt .... Vielen Dank schon einmal!

    Hallo sunflower82_, die Demenz-Diagnose hat meine Mutter regelmäßig von ihrer Hausärztin gehört, sie aber nach Kräften ignoriert ... oder vergessen. Wir haben i.d.R. nie über ihren Zustand gesprochen, das Wort Demenz nie erwähnt und dabei das Gefühl gehabt, sie wollte das auch nicht. Für sie war es m.E. richtig so. Für die gesamte Situation wäre es v.a. für uns (und vielleicht auch für sie) wesentlich besser gewesen, sie hätte ihre Verbindlichkeiten dahingehend geregelt, dass sie mir (einzige Tochter) eine Vollmacht gegeben hätte und sich Gedanken über die weitere Pflege gemacht hätte. Ihre Verdrängung mussten wir also letztlich auffangen und die (schwierigen) Konsequenzen tragen. Nicht leicht für uns, aber für sie der gewählte Weg, den wir respektiert und mitgetragen haben. Mein Fazit: Ich würde mein Verhalten hinsichtlich des Umganges mit der Diagnose von der Person und von den Umständen abhängig machen.

    Ihr Lieben, ich sehe es so wie hanne63. Diese Untersuchungen haben sicher/vielleicht einen Nutzen für die Forschung. Aber wenn einem schon klar ist, worum es sich aller Wahrscheinlichkeit nach handelt (und uns stand es wie ein offenes Buch vor Augen), sind die Untersuchungen für alle Betroffenen eine nicht sehr schöne Sache. Leider kann man die Krankheit nicht heilen. Nur einige Begleitsymptome mildern. Aber uns hat die Hausärztin auch eher abgeraten, da zu viel zu unternehmen. Man hat ja mit alldem anderen schon genug zu tun. Und das MUSS getan werden. Liebe Grüße in die Runde.

    Hallo sunflower82_, ich bin nicht sicher, ob meine Erfahrung hier weiter hilft. Aber irgendwie haben deine Beiträge mich angesprochen. Ich habe auch oft darüber nachgedacht, welche und wie viel Diagnostik nötig ist. Es kommt sicher auf das Alter und die sonstige Situation an. Bei meiner Mutter (inzwischen 88) nahm die Demenz einen ganz klassischen Verlauf. Die Hausärztin übertrug mir schon vor einigen Jahren alle Aufgaben um die Gesundheit meiner Mutter, machte Tests (die allesamt gar nicht mal so schlecht ausfielen). Hingegen ignorierte und verdrängte meine Mutter ALLES, was die Ärztin über Demenz sagte. Wir (die einzigen beiden Angehörigen) taten unterdessen alles, um den Status quo lange Zeit aufrecht zu erhalten. Schließlich suchten wir dennoch eine Neurologin auf, die aber nicht besonders hilfreich war. Sie verschrieb halbherzig ein Medikament, das die Demenz verzögern sollte. Stattdessen wurde es schlimmer mit psychotisch-depressiven Zuständen, so dass das Medikament sofort abgesetzt wurde. Über die ganze Zeit haben jedoch alle Notärzte und Ärzte, die meine Mutter aufsuchte, die Verdachtsdiagnose Demenz in ihren Befunden vermerkt. Abschließend möchte ich sagen, dass die MDK-Begutachtungen hinsichtlich Pflegegrad mehr als deutlich die Demenz nachweisen konnten. Ich bin mir also nicht sicher, ob eine solch aufwendige Diagnostik wie Sie sie beschreiben immer notwendig ist, wenn doch offensichtlich ist, welche Probleme da sind. Vielleicht könnte es ein wichtiger Schritt sein, wenn geklärt werden soll, in welcher Weise die demente Person später gepflegt werden soll (Pflegeheim?). Aber aus meiner Sicht wollte ich meine Mutter lieber nicht einer solchen Prozedur aussetzen müssen. Bis heute ist sie übrigens der Meinung, dass sie alles noch soweit alleine bewältigen könnte. Aber seit Kurzem habe ich eine gerichtliche Betreuungsvollmacht und muss alles regeln, was schwer genug ist. Ein solches Untersuchungsergebnis hat nie jemand von uns verlangt. Ich wünsche dir Kraft und Klarheit für die richtige Entscheidung und will meine Sätze nur als Schilderung MEINER Erfahrung :) verstanden wissen.

    Lieber Herr Hamborg, das haben Sie sehr anrührend geschrieben. Mir fällt spontan ein Zitat des schweizerischen Dichters Max Frisch ein:

    "Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, daß er hineinschlüpfen kann - nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen."

    Es geht also nicht in erster Linie darum, unser Bedürfnis nach irgendeiner Wahrheit (die es gar nicht gibt, jedenfalls nicht nur EINE) zu befriedigen. Es geht darum, der kranken Person zu helfen. Jedenfalls sollte es das. Und wenn ich das erreichen kann, dann geht es mir auch gut. Ich beobachte zunehmend, dass meine Mutter auf einer tieferen Ebene versteht ... und dann sagt ein Blick mehr als tausend Worte.