Beiträge von schwarzerkater

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    Hallo winnie1960,

    auch von mir ein Willkommen. Du hast ein ziemliches Päckchen zu tragen. Sowohl du als auch dein Mann sind noch verhältnismäßig jung und ihr hattet sicher noch viel vor, was nun leider nicht mehr in der Form lebbar ist.

    In den beiden Beiträgen von Albatross und Rose steht schon so viel Gutes. Ich möchte das nur unterstreichen.


    Was du von deinem Mann beschreibst, ist leider Symptom der demenziellen Entwicklung, die nur eine Richtung kennt: Mit der Zerstörung der Hirnareale und entsprechender neurologischer Verschaltungen schwinden die Möglichkeiten der Kommunikation mit der Außenwelt (das betrifft Menschen, aber auch Situationen) bis zum fast völligen Verlust.


    Zunächst "sucht sich das System im Menschen" Auswege, um wieder Ordnung in das Durcheinander zu bringen: Dazu gehören Ängste, Fehlinterpretationen, Fehlhandlungen, auch alles zwischen "Klammern" und Ablehnen usw.


    Empathie ist (fast) nicht mehr möglich, denn dazu sind hohe geistige Leistungen erforderlich. Kinder erlernen erst relativ spät, empathisch zu sein, sich in andere hineinzuversetzen. Die Demenz ist in vielerlei Hinsicht eine Rückentwicklung des früher Erlernten. Vieles, aber nicht alles geht in der umgekehrten Reihenfolge verloren, wie es einst erlernt wurde. Da jeder Mensch aber individuell ist (unterschiedliche Ressourcen, verschiedene Persönlichkeiten, spezielle Krankheitssymptome) gibt es dennoch große Unterschiede.


    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es ein Riesenunterschied ist, a) über diese Vorgänge relativ gut Bescheid zu wissen und b) sie im eigenen Umfeld zu erleben und damit umzugehen.


    Auf jeden Fall wirst du umso besser damit zurecht kommen, je mehr es dir gelingt, dich auf die Veränderungen bei deinem Mann einzustellen, sie zwar zu beobachten, aber sie nicht immer schmerzlich ins Verhältnis zu früher zu stellen ("Jetzt kann er dies nicht mehr ... " Jetzt macht er das ...")


    Das ist wahnsinnig schwer - ich weiß. Aber ich versuche es bei meiner Mutter genauso zu machen. (Wobei es noch mal ein Riesenunterschied ist, ob es um den Ehepartner oder die Mutter geht).


    Ich versuche also, meine Mutter als neue Version ihrer selbst zu betrachten. Meine Mutter war früher hochintelligent, tatkräftig, praktisch veranlagt, adrett und sauber. Heute zerreißt sie Zeitungen, spuckt ihr Essen aus etc. etc. (Mehr will ich hier nicht sagen, es ist traurig).


    Vom Heim meiner Mutter habe ich gelernt, dass ich all das als "normal" ansehen muss und meine Mutter einfach so behandelt wird, als sei das eben genauso okay. Die Realität passt sich also teilweise meiner Mutter an. So ist meine Mutter gut eingebettet in ihr Leben und ich verabschiede mich von meinem inneren Widerstand, der nur unnötig Kraft kostet. Ich kann ja gegen die Krankheit und den Lauf der Dinge nichts ausrichten, also MUSS ich es ANNEHMEN.


    Nicht dass du jetzt denkst, ich bekomme das täglich gleich gut hin ... Aber zumindest bin ich so der totalen Depression (und einem Zusammenbruch) entgangen.


    Und - wie schon geschrieben wurde - lenke SEHR BEWUSST (quasi als eine deiner wichtigsten Lebensaufgaben) den Blick von deinem Mann ab und zu weg, um auf schöne Dinge zu blicken und sie zu unternehmen. Nimm das wie ein Projekt, dass du ausführen musst. Das wird dir nämlich helfen.

    Ich kann hier nur andeuten, dass ich noch weitere schwerwiegende Lebenssituationen habe - dort muss ich das genauso machen ... und es funktioniert.


    Zuletzt noch: So schlimm es klingt, aber mit dem zunehmenden Vergessen deines Mannes wirst du deine Wichtigkeit für ihn verlieren. Ich weiß, dass das an sich schlimm ist, aber es kann auch äußerst befreiend wirken, wenn du nicht mehr die ganze Wucht der Verantwortung von deinem Mann aufgeladen bekommst.

    Lass ihn vielleicht einmal mehr in die Tagespflege gehen. Es kann sein, dass er eine gesteigerte Häufigkeit bald gar nicht mehr bemerkt. Stattdessen wird der Moment für ihn immer wichtiger ... und darauf muss man auch immer mehr schauen. Vielleicht auch, indem man nur noch aktuelle Dinge benennt. Bei meiner Mutter sind wir soweit, dass nur noch aktuell sichtbare Dinge benannt werden: das Stück Kuchen auf dem Teller, die Sonne, die offene/geschlossene Tür etc. Keine Fragen, keine komplexen Zusammenhänge, kein Früher-später ...

    Man wächst selbst langsam in die neue Rolle, das kann ich dir noch sagen ... quasi als Trost, dass es wirklich besser werden wird.


    Alles Liebe!

    dass der Anwalt Deiner Eltern ein Kontaktverbot ausgesprochen hat?

    Also Kontaktverbote gibt es nur auf richterliche Anordnung, in Stalking-Fällen z.B., er darf das nicht.

    Liebe Valentina, ich habe mit dicker Gänsehaut deinen letzten Beitrag gelesen und kann dich nur virtuell in den Arm nehmen. Es ist wirklich ein Drama, eine fürchterliche Tragödie ... Und ein wirklicher schneller und perfekter Ausweg fällt mir nicht ein.


    Was Albatross vorsichtig andeutet (?) möchte ich ebenso vorsichtig unterstreichen. Ich weiß, dass einen der immanente Gerechtigkeitssinn (bei all den Verletzungen, Niederträchtigkeiten) schier umbringen kann und man sich verständlicherweise wehren möchte/muss.


    Manchmal kann man sich auch überlegen, ob man nicht einfach die ganze schreckliche Ungerechtigkeit in den reißenden Fluss schmeißt und man selber nur zusieht, einfach wieder "Land zu gewinnen", um halbwegs friedlich weiterzuleben.

    Meine andere Geschichte passt nicht hierher (eigentlich sind es sogar mehrere), aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass wir an einem Punkt das Kampfgebiet verlassen haben, so gut es eben ging. Unser Anwalt (bzw. der meiner Tochter) hat damals gemeint, er macht solange weiter, bis wir ihm ein Stopp geben. Klar, er hat ja auch damit gut verdient.


    Liebe Valentina, wäge am besten ab, ob sich Einsatz und Gewinn in etwa die Waage halten (monetär, aber auch an Lebensqualität ). Doch dieser Satz ist keine Kritik an deinem Vorgehen und keine Handlungsanweisung für dich ... gerade ich verstehe dich nach einer jahrelangen Odyssee (die nicht zu Ende ist) aus ganzem Herzen. Es ist also nur ein winziger Gedankensplitter, du kannst das einfach übergehen.


    Noch ein Wort zum Kontaktverbot. Wir hatten einen ähnlichen Fall, es ging aber um "Hausverbot". Unser Anwalt hat meiner Tochter geraten, dieses auszusprechen. Der Anwalt hat es dann schriftlich formuliert und das Gericht hat es als "feste Größe" akzeptiert.

    Wenn also deine Eltern so ein Kontaktverbot aussprechen, dann gilt es m.E. auch.


    Ich hoffe für dich so sehr, dass ihr ein Ergebnis bekommt, mit dem du leben kannst. Auf jeden Fall würde ich den Anwalt eindringlichst fragen, wie er die Erfolgsaussichten sieht.


    Es gibt auch in diesem Beruf sehr große qualitative Unterschiede, man kann leider auch an schlechte Anwälte geraten. ((Auch hier weiß ich unglücklicherweise besser Bescheid als mir lieb ist. Ich muss nur auf mein arg geschrumpftes Konto schauen ... , manchen Kampf hätten wir uns sparen können ...)).

    Liebe Valentina, alle Daumen sind gedrückt!!!!

    Liebe alle, es gibt soooo viele Spielarten des Miteinanderlebens - und kommunizierens und viele funktionieren ganz gut, wenn es allen Beteiligten damit gutgeht. Bei manchen geht es es sanft und lieb zu, bei anderen fliegen mal die Fetzen ... Solange das System rund läuft, muss nichts davon besser oder schlechter sein. Problematisch kann es nur werden, wenn ein Beteiligter permanent zu kurz kommt (z.B. indem er/sie entweder ständig angeschrien oder angeschwiegen oder verunglimpft usw. usf. ... wird ... wenn insgesamt böse grundlegende Absichten hinter der Art des Kommunizierens stecken). Dann können wir unter Umständen vorsichtig versuchen, ein paar andere Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Ob die nun auf das eigentliche Problem wirklich passen, lässt sich in einem schriftlichen Forum nicht gänzlich und mit Sicherheit vorhersagen. Aber vielleicht haben wir Glück, und die Schwarm"intelligenz" wirft ein paar hilfreiche Denkanstöße ab. Nichts mehr und nichts weniger.


    Ich hab das bisher alles mit großem Interesse gelesen ... Das Forum ist ja dazu da, sich auszutauschen. Das tun wir und ich finde das sehr schön. :) :!:

    Von meinem verstorbenen Mann habe ich gelernt, dass man auch kontrolliert klare Worte finden kann und Grenzen und Konsequenzen ziehen

    Genauso habe ich meinen letzten Rat auch gemeint, man kann mit klaren "Worten", angemessener Lautstärke und Körperhaltung und möglichst auch situationsbezogen besser seine Standpunkte und Haltungen klar machen, sich abgrenzen, wenn man aggressiv angegangen wird.

    Emotionen führen manchmal dazu, dass man sich nicht mehr so gut kontrollieren kann ... (und zu laut wird), aber das ist in gewissen Grenzen menschlich.

    Aber viele Menschen (auch Erwachsene) wagen es gar nicht, auch sicht- und hörbare Grenzen zu ziehen. Jahrelange Routine, die sich schwer abändern lässt. Das ist manchmal schwieriger als sich das "Schreien" abzugewöhnen. ;)

    Es ist nicht meine Absicht noch der Auftrag, diese (Ihre) Sorgen zu vergrößern.

    Ihnen trotz allem ein schönes, kommendes Wochenende.

    Lieber Herr Gust, ich schrieb an anderer Stelle (auf einen Post von Albatross) bereits, dass hier wahrscheinlich kein Ort ist/sein sollte, um solch grundlegende Fragen zu klären. (Aber manchmal greift einen halt auch mal das Fürchten an ... es gab heute zwei Beiträge, die das bei mir taten.)


    Doch es stimmt, man muss die Sorgen nicht auch noch vergrößern.


    Daher mache auch ich hier (m)einen Punkt.

    Vielen Dank für Ihre Worte und ich wünsche auch Ihnen ein schönes Wochenende.

    In unserer Stadt werden Pflegeplätze ohne Ende abgebaut. Wohin kann man seine dementen Angehörigen ohne Gefahr von Vernachlässigung oder gar Kündigung des Pflegeplatzes mit anschließender Obdachlosigkeit des Kranken bringen?


    Mein tägliches Stoßgebet lautet: Himmel, hilf!

    Hallo Albatross, zuerst habe ich Ihren Post gelesen, dann den von Herrn Gust. Es ist einfach schlimm ... und vor allem auch deshalb, weil es nicht besser, sondern immer weiter noch schlimmer wird. Natürlich: Hier ist nicht der Ort, um Grundsatzfragen (so nenne ich sie mal vorsichtig) zu klären. Aber es ist gut, sie anzusprechen. Ich drück dir und deiner Mutter die Daumen, dass sich für alles Wege finden (lassen).


    Im Heim meiner Mutter ist rein äußerlich alles noch soweit okay. Aber natürlich explodieren die Kosten und der Personalschlüssel verschlechtert sich dennoch. Abzulesen sind die Änderungen an der Frustration des Personals. Vor drei Jahren waren alle noch höchstmotiviert. Heute höre ist nicht selten: "So schön wie früher wird es bestimmt nie mehr ..."

    Mal schauen, wie lange das alles so weitergeht.

    Leider müssen auch dabei immer mehr Abstriche gemacht werden. Auch das Entlassmanagement des Krankenhauses kann ja nicht "zaubern", hat gegenüber Pflegeheimen keine Sonderrechte oder Ansprüche. Zwischenzeitlich werden Plätze daher auch in großer Entfernung vermittelt. Es sind schlicht nicht ausreichend Plätze (bzw. Pflegefachleute) da, und es wird in Zukunft noch enger damit werden.

    Und ist das nicht furchtbar?


    ... und es rollt wie eine Lawine, die niemand aufhalten kann/will/wird ... Oder?


    Ich bete, dass ich mir und meiner Familie diese Sorgen nicht in (naher) Zukunft antun muss.


    Sorry, ich bin sonst eher nicht so negativ, aber gegen die beim Lesen empfundene Furcht kann ich gerade wenig ausrichten ...

    Zum Abschluss aber noch mal was positives. Ich war heute Nachmittag mit meiner Mutter in dem Pflegeheim, in das mein Vater kommt um es uns anzusehen. Es hat uns gut gefallen.

    Liebe Finja, über diesen Satz habe ich mich besonders gefreut.


    Ich kann mich in deine Situation sehr gut einfühlen. Bei uns ging es zwar "nur" um meine Mutter ... Aber ich hatte auch Zeiten wo ich glaubte, das wir das Geschehen nie und nimmer in die richtigen Bahnen lenken können. All das, was damit verbunden war, was soweit weg von meinem "Naturell" ... Ich musste Entscheidungen treffen (oder mich Gegebenheiten beugen) von deren Existenz ich bis dahin nicht einmal etwas geahnt hatte ...


    Und doch hat sich am Ende alles (leidlich) gefügt.

    Den Nervenzusammenbruch habe ich deshalb erwähnt, weil den Entscheidungspersonen im Krankenhaus und in der Pflege somit glasklar vor Augen stand, wie dringlich die Sache zu bewerten war. Es ist manchmal besser, dort nicht so "stark" und resilient aufzutreten wie man es eigentlich meistens ist. Man setzt damit ein Ausrufungszeichen hinter das Wort "Not(wendigkeit)!", das zum schnellen Handeln zwingt.

    ((Ich selbst hatte bisher sehr wenige solche Nervenzusammenbrüche ;) ... zum Glück.))


    Ich schließe mich ansonsten den anderen an: Du wirst das schaffen! Und danach gönnst du dir eine kleine Auszeit (oder eine größere ...).

    Wir haben das damals auch gemacht und es war bitter nötig!

    Nach dem Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) wurde 2021 die Möglichkeit geschaffen, bis max. 10 Tage länger im KH zu bleiben

    Meine Mutter durfte schließlich auch ein paar Tage länger im KH bleiben, bis der Platz in der Kurzzeitpflege dann frei war. Ich kannte das Gesetz nicht, aber wahrscheinlich funktionierte es deshalb. Am Ende war es ein Kompromiss: Sie blieb ein paar Tage länger im KH und die Kurzzeitpflege organisierte ein vorübergehendes Ersatzzimmer.

    Ich hoffe, Finja findet eine Lösung. Sie muss eindrücklich betonen, dass es zu Hause definitiv NICHT MEHR GEHT!

    Ich sitze jetzt also schon seit einer Stunde am Telefon und versuche verzweifelt einen Kurzzeitpflegeplatz zu bekommen. Aber vorübergehend will ihn niemand aufnehmen. Ich warte aktuell noch auf eine Rückmeldung.

    Liebe Fija, bitte lege eine "telefonische Standleitung" zur Sozialstation / Entlassungsmanagement des Krankenhauses. Ich würde da solange durchrufen, bis sie helfen. Das MÜSSEN sie.


    Ich habe das beim vorletzten Krankenhausaufenthalt meiner Mutter auch so gemacht. Man wollte meine Mutter - schwer dement und mit angebrochener Hüfte - zu mir nach Hause bringen. Meine Mutter sollte erst mal Tag und Nacht liegen (was sie natürlich nicht einsah). Ich fühlte mich außerstande und habe einen Kurzzeitpflegeplatz für sie erbeten. Natürlich habe ich auch selbst danach herumtelefoniert, aber mit Unterstützung des Krankenhauses. Ich hatte zudem damals einen echten Nervenzusammenbruch in der Öffentlichkeit. Ich hatte den Eindruck, dass dies auch geholfen hat, indem die Dringlichkeit deutlich wurde.


    Zum Schluss noch eine - vielleicht blöde - Idee: Wie wäre es, wenn ihr im Notfall selbst die KH-Kosten für die Übergangszeit bis zum Pflegeplatz übernehmt? Ginge das?


    Oder kann er nochmal auf eine andere Station/ in ein anderes Krankenhaus. Könnte der Hausarzt helfen? Auch das war in unserem Fall eine Option - die Hausärztin meiner Mutter war bereit, alle Register zu ziehen.


    Finja, ich drück alle Daumen, die ich habe. Nach Hause kann dein Vater SO auf keinen Fall.

    Heute bin ich sehr unzufrieden mit meiner mangelnden Impulskontrolle.

    Sabine

    Liebe Sabine, du bist doch "auch nur ein Mensch" und kein programmierter Roboter ohne menschliche Gefühle. (Ich weiß auch, wovon ich rede ... :)

    So etwas kommt vor, dass einen die Gefühle übermannen. Sei nicht böse auf dich ... das resultiert einfach aus einer langandauernden Überforderung. Dein Vater wird das vergessen und morgen ist ein neuer Tag!

    Die Wut über deine Mutter kann ich verstehen ..., die musst du irgendwie loswerden. Denn immer nur alles in sich ansammeln ist nicht die Lösung. Dann wirst DU leiden und das darf nicht sein. Ich wünsche dir so sehr eine gute Therapie, die dich dabei führen bzw.unterstützen kann.

    Aber schlaf einfach erst mal eine Nacht drüber. Du hast so viele komplizierte Probleme schon gelöst - das hier kannst du auch noch lösen.

    da habt ihr mich falsch interpretiert… ich bin mit so viel Geschrei groß geworden, dass ich nichts mehr scheue, als laut zu schreien… bei meiner Mutter würde ich es gar nicht hin bekommen sie anzuschreien… aber ehrlich gesagt würde ich es mir manchmal wünschen (ihr glaubt gar nicht WIE unverschämt eine Mutter werden kann, vor allem wenn sie merkt dass ihr Kind als Gegenreaktionen eben nicht laut wird… ) meine Mutter hat mich mehr als einmal angeschrien im Leben, sie hat mir gedroht mein Kind zu entführen, sich umzubringen und ich wäre schuld… und noch tausend andere Dinge…

    Liebe Trinity, ich denke, dass es nicht gesund ist, seine "gesunde" Wut stets und ständig stumm in sich einzugraben. Das macht krank!

    Was du zu deiner Mutter schreibst, verursacht mir eine Gänsehaut. Das ist weder einem Kind gegenüber angemessen, noch hat irgendjemand das Recht, eine erwachsene Person so zu behandeln.

    Sicher gibt es unterschiedliche Strategien, sich zu wehren und man muss eine finden, die sowohl der Situation als auch einem selbst gerecht wird und die vor allem (möglichst ein für alle mal) klarstellt, dass man sich das nicht gefallen lässt.

    Ich denke, es würde dir gut tun, für dich solch passende Strategien zu lernen. Überlegenswert ist es tatsächlich, auch das "lauter werden" zu üben ... mit entsprechender Körperhaltung und zwar so, dass der anderen Person klar wird, dass man sich ein für alle mal nichts mehr gefallen lässt.

    Sicher hat es deiner dementen Mutter gegenüber nicht mehr soviel Sinn, sie anzuschreien. (Außerdem kann einem das Schreien manchmal auch körperlich mehr weh tun als man glaubt - auch Schreien will gelernt sein!)


    Und dennoch denke ich, dass deine Mutter deine klare Grenzsetzung zu hören und zu spüren bekommen muss, auch jetzt noch. Wenn dir das schwer fällt, kannst du es nicht mit dir vertrauten Menschen ein bisschen üben?


    Du musst auch nicht laut schreien. Aber du kannst ihr bei wiederholten Angriffen sagen (mit klarer und fester, ein bisschen lauterer Stimme und vor allem gerader Körperhaltung): "Das lasse ich mich nicht gefallen. SO redest du bitte nicht mit mir." Denselben Satz kannst du zwei-dreimal wiederholen, dich dann umdrehen und ruhig, aber bestimmt fortgehen." Mach das jedes mal, wenn deine Mutter wieder aggressiv wird. Bei der nächsten Begegnung kannst du erst mal wieder neutral sein ... bis zum nächsten "Vorfall".


    Nimm es einfach als Tipp ... du kannst es ausprobieren oder auch nicht, ganz wie du möchtest. (Warum ich dir das schreibe? Ich bin ein klein wenig "vom Fach" ;) 8))

    Fakt ist: Du MUSST und DARFST dir das NICHT gefallen lassen! Niemand hat das Recht, dich zu beschimpfen, auch deine Mutter nicht. Du musst das nicht aushalten!!!

    Es würde mir keinerlei Genugtuung geben, meine Mutter anzuschreien.

    Von daher war die Idee mit dem unabgeschickten Brief für mich persönlich super

    Liebe Rose, liebe alle ...

    ich kenne diese innere Not aus meinem anderen Problem mit einer anderen Person, die uns großes Leid zugefügt hat, ohne dass einem die Möglichkeit der Rechtfertigung bleibt.


    Hierbei hätte uns ein Brief nicht wirklich gut geholfen. (Wir haben das schon auch probiert ...)

    Im engeren Kreis sind wir jedoch dazu übergegangen, "aus unserem Herzen keine Mördergrube mehr zu machen" und auch verbal die Dinge so deutlich ungeschönt und in angemessener Lautstärke zu benennen, wie man sie in dem Moment fühlt. Vorsichtig ausgedrückt. Es ist sonst nicht unsere Art, so zu reden, aber hier hilft es, den "Druck aus dem seelischen Kessel zu nehmen", ohne Unerlaubtes zu tun.


    Fazit: Man braucht irgendwo Räume, in denen man die ganze innere Not auch mal ungefiltert herausschreien darf. Ich verstehe das sehr gut.

    Vielleicht geht das dann am besten allein in einem Raum ... oder auch mal mit einem Gegenüber, das auf der gleichen Wellenlänge ist?

    Wir kommen aber an unsere seelischen Grenzen, weil wir nicht wissen, wie wir ihr den Übergang erleichtern können. Ich muss oft weinen, es belastet mich alles sehr. Wie schafft ihr das?

    Liebe Ararab, willkommen im Forum.

    Trinity hat dir schon sehr einfühlsam geschrieben. Das wird dir sicher helfen.


    Ich glaube, es ist einfach so, dass Schmerzen des Abschiedes zum Leben gehören. So ungerecht es klingt: Würden wir nicht den Schmerz kennen, könnten wir das Gute gar nicht genügend schätzen. Zu den Schmerzen gehört auch der endgültige Abschiedsschmerz.


    Das Schlimme an der Demenzerkrankung ist, dass sich Abschiede endlos hinziehen können. Ich habe manchmal den Eindruck, meine Mutter stirbt im Zeitlupentempo. Das fordert einen bis an die Grenzen des Unerträglichen. Daher fühle dich bitte in deinem Schmerz verstanden. Ich kann ihn dir leider nicht nehmen, dir aber sagen, dass du alles Recht der Welt hast, so zu empfinden.


    Was kannst du tun, wenn der Schmerz unerträglich wird?

    Erinnere dich an die schönen Zeiten und halte dir vor Augen, welch schöne Erlebnisse ihr miteinander hattet. Dankbarkeit ist hier ein starkes Gefühl, das den Schmerz lindert. Freue dich, dass es deiner Mutter gelungen ist, für dich und deinen Bruder so da zu sein, dass ihr (gemeinsam) ein gutes Leben habt. Das wird sicher eins ihrer großen Lebensziele gewesen sein - sie hat es erreicht. Das ist viel!!!!


    Es ist vielleicht für dich traurig, dass deine Mutter heute keinen Wert mehr auf das äußere Erscheinungsbild legt. Es schien ihr immer so wichtig und du wolltest ihr dabei gern helfen. Aber sie hat diesen Teil ihres früheren "Ichs" bereits verlassen und es bleiben ihr jetzt andere Dinge, die noch wichtig sind. Diese herauszufinden, wird dir nicht schwer fallen.

    Du kannst deine Mutter auf ihrem letzten Weg begleiten und musst aushalten, dass sie dir mehr und mehr entgleitet. Das ist schmerzhaft für dich (und deinen Bruder), aber für sie ist es - wie du schreibst - vielleicht nicht einmal so unerträglich.


    Im Pflegeheim meiner Mutter ist man da ziemlich offen. Vor einiger Zeit sagte eine Pflegerin: "Wir müssen ja alle wieder von der Welt ... und wenn man in der Demenz dabei einigermaßen zufrieden ist, ist es gar nicht so schlimm."


    Ich kann nicht behaupten, dass ich keine Probleme mit dem ewigen Abschied von meiner Mutter habe. Ich versuche aber bewusst, den Blick immer wieder auf mein eigenes Leben zu lenken und auf das, was ich noch auf der Welt zu tun habe. Wir alle müssen ja mit unserem Leben etwas anfangen. Das hilft mir, in eine Balance zu kommen.

    Was ich nicht mehr tue: Ich versuche, möglichst nicht mehr darauf zu hoffen, dass mein Schmerz ganz weggeht. Früher habe ich das getan, aber bemerkt, dass dieser innere Widerstand gegen das Unvermeidliche das beste "Futter" für eine ausgewachsene Depression ist. Seitdem lasse ich die Trauer zu bzw. lenke den Blick bewusst auf gute Dinge im Leben. So komme ich am besten damit klar.


    Zur Erklärung: Das Verhältnis zwischen meiner Mutter und mir war immer gut. Sie war ganz anders als ich, aber ein guter Mensch, wenngleich das Attribut "lieb" meine Mutter nicht beschreiben würde. Je älter ich wurde, um so mehr konnte ich anerkennen, was für eine geradlinige starke und gute Person sie in all ihrer manchmal unerträglichen Borstigkeit gewesen ist.

    Letztlich bekam sie diesen schweren Weg vom Schicksal aufgebürdet. Ich hätte ihr das gern erspart, aber ich KONNTE es nicht. Und genau das müssen wir anerkennen: Wir sind "nur" Menschen, nicht mehr und nicht weniger ...

    Alles Liebe für dich!

    Der Sozialdienst des Krankenhauses ist dann auch dazu verpflichtet, sich darum zu kümmern, dass er nach der Entlassung versorgt ist. Und das geht zuhause einfach nicht mehr.

    Hallo Finja, ich kann es dir nachfühlen. Vor einem ähnlichen Problem standen wir auch vor ca. drei Jahren. Meine Mutter hatte sich gegen jegliche häusliche Pflege gewehrt. Da half kein gutes Zureden und keine Tricks ... Erst nach der höchsten Eskalationsstufe (Mutter ohnmächtig/dehydriert vorgefunden) kam Bewegung in die Sache. Das Entlassungsmanagement des Krankenhauses hat sich gut gekümmert - man muss da halt ehrlich sein und sagen, dass man es zuhause nicht mehr schafft.

    Es war nochmal ein finsteres Tal zu durchschreiten, aber dann wurde es besser.

    Und du gehst besser erstmal auf Abstand und lässt die Profis ran 😉 eine OP könntest du ja auch nicht durchführen und müsstest draußen bleiben.. glaub mir, das ist jetzt heftig, aber wird eine positive Veränderung bewirken!!

    So ähnlich haben wir uns das auch immer gesagt. Niemals käme man auf die Idee, einen Blinddarm o.ä. selbst als Laie zu operieren und dies hier ist eine sehr schwerwiegende Erkrankung, bei der Profis gefragt sind.

    Und schließlich: Du tust es ja alles zum Wohle deines Vaters und nicht aus unmenschlichen Gründen.


    Meine Tochter hat mir damals übrigens immer gesagt: "Du setzt doch Oma nicht an der Autobahn aus, sondern bringst sie in eine Einrichtung, wo ihr geholfen wird."

    Man muss sich das immer wieder selbst sagen, damit man selbst handlungsfähig bleibt.

    Aber - wie Rose schon schreibt - es wird sicher alles in eine bessere Richtung gehen. Liebe Grüße

    Danke noch einmal an Herrn Gust (jochengust),


    ich habe in unserem Fall auch viel über das Thema nachgedacht. Ich weiß, dass es Fälle gibt/geben kann, wo (demente) Menschen aus unmenschlichen Gründen drangsaliert und in ihrer Freiheit beschränkt werden. Sicher sind das dann sehr tragische Fälle.

    Aber es scheint mir erheblich mehr Fälle zu geben, wo demente Menschen aufgrund übertriebener Gesetze nicht den nötigen Schutz erhalten.

    Mit anderen Worten: Gesetze können das Leben ordnen und erleichtern, oft aber sind sie ein gefährlich enges Korsett im Zusammenleben und verunmöglichen die Anwendung eines klaren humanen Menschenverstandes.


    Vielleicht ist das aber einfach von uns allen so hinzunehmen als Risiko der Freiheit!

    Zur Rechtsprechung zum Thema finden Sie hier etwas. Vergleiche finden Sie z.B. hier. Auch hier im Wegweiser war dies bereits Thema - vielleicht können Sie auch dort etwas Hilfreiches entnehmen, z.B. aus diesem Thread.

    Ach noch etwas ... ich habe mich tatsächlich anwaltlich beraten lassen und später dem Gericht mitgeteilt, was ich tue, um meine Mutter am Weglaufen zu hindern. ((In meinem Fall verfügte ich über keine Vollmacht meiner Mutter und habe bei Gericht um Übernahme der Betreuung ersucht - das Gericht ließ sich aus verschiedenen Gründen lange Zeit ...)).


    Die Urteile habe ich gelesen, verstehe, dass es kein einfaches Problem ist, aber WENN eine Person nachweislich dement ist, muss es m.E. Möglichkeiten geben, sie zu schützen, ohne das man sich dabei strafbar macht. Wir können hier nichts daran ändern, aber es ist und bleibt ein Problem:

    Was soll/darf/muss ich tun? ist ein Windspiel (noch) okay? Ist es ein Bewegungsmelder schon nicht mehr? Ist es okay, die erwachsene Person, irgendwohin laufen zu lassen, obwohl man weiß, dass sie (mit großer Wahrscheinlichkeit) zu Schaden kommen kann? Sehr kompliziert!!!

    Nun meine Frage an Euch: Hat hier jemand Erfahrung mit Airtags in diesem Kontext und kann eventuell ein entsprechendes Armband empfehlen, das angenehm zu tragen und stabil ist? Online gibt es x Modelle, aber ich habe keine Ahnung, ob die was taugen. Freue mich sehr über den Erfahrungsaustausch.

    Liebe Heidi,


    meine Mutter wohnte im Haus nebenan. Armbänder etc. hätte sie im Handumdrehen entfernt. Gutes Zureden war völlig nutzlos (Demenz = Vergessen!). Genauso entfernte sie übrigens nötige Verbände, Treppengitter, die wir wegen nächtlicher Sturzgefahr zum Keller hin angebracht hatten ...


    Wir haben dann überall nach draußen unsichtbar Bewegungsmelder installiert. Diese piepsten bei uns, wenn meine Mutter das Haus verließ und wir konnten aufmerksam nachschauen, was los war. Rein rechtlich ist das natürlich eine Grauzone, da erwachsene Menschen gehen können, wohin sie möchten.

    Aber: Meine arme Mutter wäre (im nicht dementen Zustand) ganz sicher nicht freiwillig auf einer dicht befahrenen Straße herumgelaufen. So fühlte ich mich verpflichtet (rein menschlich/moralisch), sie so gut es geht vor sich selbst zu schützen.

    Kehrseite der Medaille: Man muss natürlich aushalten, dass es zu jeder Tages- und Nachtzeit piepst. Der eigene Schlaf tritt in den Hintergrund - das ist der Preis, den man zahlt.

    Ab und zu konnten wir somit meine Mutter davor bewahren, die kalte Nacht im Freien zu verbringen. Dennoch hatte sie das Gefühl, sich frei bewegen zu können, denn die Bewegungsmelder hat sie nie wahrgenommen. Stattdessen freute sie sich, wenn wir bei ihr auftauchten, um nach dem Rechten zu schauen.


    Euren Schreck/eure Angst kann ich mir gut vorstellen. All das ist Begleiterscheinung der fortschreitenden Demenz. Alles Liebe.

    Seitdem sie im Pflegeheim lebt fällt es mir immer schwerer zu ihr zu fahren. Ich erwische mich immer wieder dabei Ausreden zu finden, dabei, mich lieber in Arbeit zu vergraben. Es ist einerseits die Atmosphäre dort die mich bedrückt und zum anderen fällt es mir immer schwerer ihr weiter beim zerfallen zuzusehen. Ich renne davor weg. Und das verursacht in mir extreme Schuldgefühle. Jedes mal wenn ich daran denke, dass sie irgendwann nicht mehr da sein wird überkommt mich die Schuld, weil ich so wenig Zeit bei ihr verbringe. Aber ich schaffe es einfach nicht mich zu überwinden.

    Liebe Pfingstrose. Willkommen im Forum. Dem was ecia schreibt muss man eigentlich nichts hinzufügen.

    Aber was ich noch sagen kann:

    Es geht (ging) mir 1:1 fast genauso. Ich (allein mit meinem Mann) habe lange Zeit meine demente Mutter zu Hause betreut. Die Probleme wurden allerdings immer größer.


    Nun ist sie seit knapp drei Jahren in einem liebevollen Pflegeheim. Sie spricht nun mit mir überhaupt nicht mehr, begegnet uns entweder (manchmal) mit halbwegs freundlicher oder (meist) völlig unbeteiligter Mine. Wir besuchen sie zweimal pro Woche, aber immer nur für kurze Zeit ... und im Kontext der Pfleger(innen) und anderen Bewohner(innen).


    Sowohl sie als auch ich profitieren beinahe NULL von diesen Besuchen. Warum ich trotzdem hingehe? Ich glaube, es waren zuerst tatsächlich (wie bei dir) Schuldgefühle und der Gedanke: Wie kann ich mich des Lebens freuen, wenn meine arme Mutter so krank ist. Übrig geblieben sind heute Gefühle der absoluten inneren Verpflichtung, die zu mir gehören: Ich bin eben so ... und dann mache ich das so. Außerdem ist es gut, wenn ich bei den Pflegekräften Präsenz zeige und oft wird dies und das benötigt, das ich besorgen muss.


    Es gab in den drei Jahren viele (schwer!) depressive Phasen bei mir, aus denen ich mich aber nur selbst befreien konnte. Manchmal half auch der Kontakt im Forum.


    Ich habe mich dann gezwungen, in den Urlaub zu fahren, so dass ich mal zwei oder drei Wochen nicht hingehen konnte. Inzwischen fällt mir das leichter als am Anfang.


    Es ist wirklich so, dass der Zeitfaktor eine Rolle spielt (Zeit heilt Wunden!) und dann hilft es mir noch, ab und zu an meine eigene wachsende Bedürftigkeit zu denken. Ich konzentriere mich z.B. immer mal bewusst darauf, dass ich körperlich auch nicht so wenige Handicaps habe .... oder ich schau mal bewusst in den Spiegel, um darin mein älter gewordenes Gesicht zu sehen und mir zu sagen, dass auch für mich die Lebenszeit dahin schwindet und ich ja auch MEIN Leben leben muss.

    Außerdem nützen meiner Mutter meine Schuldgefühle überhaupt nicht.


    Vielleicht ist etwas von meinen Erfahrungen für dich dabei, was dich weiter bringt?

    Sage dir aber bitte immer, dass es sich um einen Prozess handelt - es ist meist nicht von einem auf den anderen Tag alles wieder gut und normal. Es dauert ..., aber es WIRD BESSER!