Beiträge von Nelly

    Liebe Alfskjoni und Rose60


    habt herzlichen Dank für Eure Worte und Euer Verständnis, es hat mich besser schlafen lassen.

    Unfassbar, wie ich immer wieder wie ein Pawlowscher Hund in diese Mitleid- und Mitgefühlsfalle tappe! Was ich rational alles weiß und konträr fühle, macht mich manchmal wirklich komplett fertig. Ein paar Stunden habe ich gestern wie gelähmt herumgesessen, mich dann aber doch wieder aufgerafft und meine ursprünglichen Vorhaben - Plätzchenplan und Weihnachtsgeschenkeliste plus etwas Gutes kochen - hinbekommen. Trotzdem fühle ich mich noch heute wie verkatert, wenn ich an meine Reaktion meiner Mutter und hinterher meiner mir selbst gegenüber...

    Meine Therapeutin hatte mal die Idee, dass der Gedanke nachhause zu wollen wahrscheinlich so stark und so oft gedacht wurde, dass er quasi als letztes vergessen wird.

    Danke auch dafür! Das ist genau das, was ich vom ersten Tag meiner Eltern im Heim denke. Das ist das Letzte, was zumindest mein Vater, mittlerweile eher beide, vergessen werden. Ich kann es nachvollziehen, wie schrecklich für sie dieser Verlust sein muss. War die Wohnung doch ihre "Burg", in der man herzhaft über die böse Welt draußen und die noch schlimmeren Mitmenschen herziehen konnte. Und Besitz ist für meine Eltern auch etwas ganz ganz Wichtiges, da sie mit nichts angefangen haben.


    Heute muss ich hin, wegen der Visite des Psychiaters, mit einem noch größeren Stein im Magen als sonst und auf dem Rückweg ist mir immer übel.


    Viele liebe Grüße an Euch alle

    Nelly

    Hallo Ihr Lieben zusammen,


    auch bei mir ist es diese Woche wieder eskaliert und ich hatte mich bei einem Besuch und vorhin am Telefon nicht im Griff. Meine Mutter ist jetzt das Sprachrohr meines Vaters, nur noch sie ruft an, heult, jammert, macht mir Vorwürfe. Ich war so zufrieden, dass ich mir dieses Wochenende komplett nur für mich freigehalten habe, ohne Pflichtbesuch, und viel mehr Energie hatte, mich um meine Dinge zu kümmern. Leider habe ich sie vorhin zurückgerufen und es endete fürchterlich. Immer noch bilde ich mir ein, ich könnte tröstlich sein, wenn sie auf der Mailbox klagt, dass niemand erreichbar sei, niemand sie nach Hause bringt - wenn ich zurückrufe, werde ich beschimpft. Es würde sich in dem Loch, in dem sie seien, niemand um sie kümmern - ich habe auf der Station angerufen, um ihnen zu sagen, dass meine Eltern gerade wieder am Durchdrehen sind, da heißt es, sie würden alle 15 MInuten klingeln. Gerade bin ich sehr verzweifelt. Ich hatte mich ganz gut arrangiert. Aber das Fell ist wohl noch sehr dünn.

    Ich habe mir geschworen, einfach nicht mehr zurückzurufen, ich kann das nicht mehr aushalten.

    Ich habe auch der Hausärztin und dem PIA-Psychiater geschrieben, wie die Stimmung der Eltern sich verschlimmert habe - sie antworteten beide, ihnen gegenüber würden sie nicht mehr über Wir-wollen-nach-Hause sprechen. So wirkt es wieder, als wolle ich für mich, dass sie etwas tun. Ich hasse das.

    Morgen soll ich bei der Visite des Psychiaters dabei sein. Ich glaube nicht, dass es etwas bringt.


    Ich weiß, ich bin wieder in die berühmte Falle getappt.


    Liebe Grüße in die Runde

    Nelly

    Wir haben es alle sehr nötig, uns auch ungefiltert austauschen zu können. Danke dafür.

    ...dem kann ich mich nur anschliessen. Man fühlt sich einfach weniger allein, mit Euren Zuwendungen, Empfehlungen, Erfahrungen und handfesten Ratschlägen!


    Bei meinem letzten Besuch hat mein Vater die ganze Zeit geschlafen und kein Interesse gezeigt. Meine Mutter pendelt im Minutentakt zwischen Verwirrung und Realität, weint immer noch viel, weil sie nach dem Bruch noch nicht laufen darf und schwankt zwischen "Ich muss das schaffen, damit ich nach Hause kann" und "Ich bin kaputt, ich kann nicht mehr" hin und her. Sie ließ sich ein bißchen von mir betütteln und die Hand halten.

    Sie sagte, wenn mein Vater nicht schläft, beschimpft er sie und sei auch unfreundlich zum Pflegepersonal, das wäre ihr unangenehm, aber die würden sie dann beruhigen. Leider, lieber Herr Hamborg, habe ich nicht den Eindruck, dass man in kürzeren Abständen nach ihnen schaut, obwohl jetzt immerhin die Zimmertür offensteht.

    Ein Pfleger, mit dem ich sprach, sagte, er würde sich wundern, dass die Bestrebungen nach Hause immer noch so stark seien, er habe den Eindruck, sie hätten resigniert, und verstanden, dass sie bleiben müssten. Ich bin der Trigger.


    Ich bin in einer recht friedlichen Stimmung von ihr weg, aber bis ich zu Hause war, hatte sie schon wieder angerufen, warum ich sie denn nicht mitgenommen hätte.

    Meiner Mutter täte es gut, wenn sie ab und zu im Gemeinschaftsraum säße, aber da er nicht mitkommt und sie ihn immer sehen muss, in ihrem alten Kontrollzwang und ihre neuen Angst, er könne vor ihr sterben, sind sie den ganzen Tag zusammen im Zimmer.


    Mittlerweile bin ich mir auch ganz sicher, man kann ihnen nicht sagen, dass es keine Wohnung mehr gibt, man muss einfach weiter alles verschleiern.


    Ganz langsam verspüre ich eine Veränderung an mir, ein Sich-Arrangieren (haha, schreibe ich jetzt, bis zur nächsten Attacke...) in Sachen "Kopf und Bauch", liebe Rose60, und versuche wirklich, mehr auf mich zu achten.


    Viele liebe Grüße an alle

    Nelly

    Guten Tag in die Runde,


    wie gut, dass es dieses Forum gibt. Um mich herum erzähle ich immer weniger, ich merke, wie es nervt oder langweilt.

    Mein Mitgefühl für Euch alle.


    Seit meine Mutter aus dem Krankenhaus zurück ist mit ihrem Oberschenkelhalsbruch, ist sie sehr viel verwirrter, weiß nicht, wo sie ist, und weint extrem viel. Trösten darf ich sie nicht, dann wird sie grätzig. Mein Vater hat sich den Katheter rausgerissen und musste für einen Tag in die Klinik. Die meiste Zeit des Tages schläft er, den Rest beschimpft er meine Mutter. Man kann ihn nur noch ganz schlecht verstehen, aber ich höre, dass er ununterbrochen Pläne schmiedet, wie er nach Hause kommen kann. Man kann ihm einfach überhaupt nichts mehr entgegnen, er hört nicht zu und alles ist sowieso Schxxxx. Am liebsten möchte ich gar nichts mehr reden. Es ist alles so sinnlos, all' mein Kümmern.

    Wenn ich mal schlafe, träume ich immer von ihnen, sie sind zurück etc.

    Ein Pfleger sagte mir, sie seien das Sturste, was er je erlebt habe. Sie geben sich so viel Mühe mit ihnen, aber es passiert ständig etwas, weil sie nie klingeln oder um Hilfe bitten.

    Vielleicht ist es doch falsch, ihnen die Illusion gelassen zu haben, dass es ihre Wohnung noch gibt, vielleicht macht das alles noch schlimmer, diese ewige Hoffnung, die doch vollkommen vergeblich ist. Die Diskrepanz zwischen ihrem tatsächlichem Zustand, vollkommen auf Hilfe angewiesen zu sein, beide im Rollstuhl, und diesem einzigen abgrundtiefen Bedürfnis, nach Hause, ist schwer auszuhalten. Es saugt mir die Energie aus.


    Liebe Grüße an alle und noch mal ganz viel Mitfühlen!

    Nelly

    Hallo alle zusammen,


    nach einer Woche, die ich gefühlt in meinem Auto verbracht habe, zwischen Heim und Krankenhaus , melde ich mich zurück: Meine Mutter hat sich am letzten Sonntag den Oberschenkelhals gebrochen, als sie meinem Vater beim Ausziehen der Hose helfen wollte - man klingelt ja nicht nach Hilfe, man fällt lieber. Es war nur eine Frage der Zeit, wann es passiert. Auch er stürzt ja immer wieder, weil er nicht um Hilfe bittet, "da kommt ja nie jemand", was natürlich nicht stimmt.

    Seit sie operiert ist und vor allem, seitdem sie am Freitag zurück ins Heim gekommen ist und im Bett bleiben muss, weint sie nur noch. Trösten darf ich sie nicht, dann werde ich nur angemotzt - "Du weißt, dass ich weinen muss ..." Aber das Lästern über die Mitpatientinnen im Krankenzimmer ging ganz gut, zwischen den Tränen, und mir eine reinwürgen auch.

    Mein Vater hat sie vermisst, man musste ihm jeden Tag von Neuem erklären, wo seine Frau ist, wobei er Frau und Mutter und Tochter als Begriff nicht mehr richtig einordnen kann. Er tat mir leid, weil er sie immer suchte, also habe ich ihn öfter als sonst besucht, dann erklärte er mir genaustens, welche Pläne er hat, wenn sie wieder zu Hause sind... Ich müsse mich gar nicht kümmern, nur Brot kaufen. Ich habe immer nur genickt und gesagt, ich habe verstanden.

    Seit sie wieder zusammen sind, beschimpft er sie wie zuvor und sie weint, weint, weint und beleidigt mich. Aber ich weiß es ja, ich konnte ihr ja noch nie etwas recht machen.

    Fast schon lachen musste ich, als sie meinte, "Ich weiß nicht, warum wir so kaputt sind, aber in ein Altenpflegeheim möchte ich nicht - oder sind wir schon in einem?"

    Für mich kann ich nur feststellen: Wie emotional erschöpft man sein kann, immer noch kaputter, und trotzdem macht man immer weiter. Ein Hoch auf die Resilienz.

    Liebe Grüße an alle, besonders an den Club mit den narzisstischen Müttern, gemeinsam sind wir erfahren(er) ;)

    Liebe Schwarzerkater,

    ich stimme Dir absolut zu, es war und ist immer noch eine Motivation, sich mehr anzustrengen und ja, man zieht natürlich auch Bestätigung und Zufriedenheit daraus - das sieht man doch auch hier, wie fürsorglich und hilfsbereit aufeinander zugegangen wird. Das ist schön. Und auch erschöpfend, aber wir machen weiter <3

    Woher nehmt Ihr nur Eure Hoffnung, dass euer Tun auch Euch was hilft?

    Liebe Anne,

    ich kenne das auch, die Abwertung und die Kontrolle und jetzt beide Eltern mit unterschiedlichen Demenz-Erscheinungen im Heim.

    Woher nehme ich meinen Antrieb? Ich habe ein paar Minuten nachdenken müssen: Ich übe mich schon länger in stoischer Philosophie, deren Appell auch ist, sei ein guter Mensch. Und ich bin gerne ein guter Mensch.

    Ich gebe aber auch zu, dass das "gute Kind" in mir, das sie mit dem Spruch, "Was hatten wir mit Dir (wegen Gehbehinderung) immer für eine Last!" großgezogen haben, immer noch versucht, keine Last mehr zu sein, sondern eine Hilfe. Bescheuert, ich weiß.

    Meine Mutter bekam erst beim dritten Versuch ihren Pflegegrad, weil sie so toll vortäuschen kann.

    Und jedes Mal, wenn sie von ihrer 90jährigen Cousine angerufen wird und erzählt, sie seien im Urlaub, seit vierzehn Tagen, und kämen bald nach Hause, muss ich die empörte Cousine vom Baum holen, weil sie Demenz überhaupt nicht versteht. Das ist manchmal schon ein bißchen zum Lachen ...

    Hallo alle zusammen,


    ich komme gerade vom Elternbesuch. Mein Experiment, mich mit meinem Strickzeug einfach zu ihnen zu setzen und nur wenig zu sprechen, um damit eine ruhige Atmosphäre zu schaffen, ist mir schon zweimal ganz gut gelungen. Ich kam darauf, weil es auch zu Hause immer so war: Hauptsache, man war da, gefragt wurde nicht viel, sie wurschtelten vor sich hin und ich saß am Tisch und blätterte in Anzeigenblättchen ... Meine Mutter plappert vor sich hin, mein Vater arbeitet seine immer gleichen Fragen ab, lebt jemand in unserer Wohnung, wann können wir zurück. Manchmal ist es echt schwierig, ihn zu verstehen, heute hat es etwas gedauert, bis ich von "Ventilator bei Aldi" kaufen auf das kam, was er wirklich wollte: Tiefkühlessen der Johanniter, wenn sie wieder zu Hause sind. Ich sage meist, ich habe es verstanden, ich kümmere mich. Nachdem es die letzten zwei Wochen stimmungsmäßig sehr übel war bei ihnen - sie bekommen ihr Essen wieder aufs Zimmer, weil sie beide nicht laufen wollen - das tut ihnen aber nicht gut, keinerlei Abwechslung zu haben. Mein Vater hatte dazu große Atemprobleme, lag wohl an den Nebenwirkungen eines Medikaments der PIA, das wurde geändert. Jetzt sieht er wieder besser aus und atmet nicht mehr so schlecht.

    Erstaunlicherweise hat er heute zum allerersten Mal etwas gut gefunden: Ein toller Pfleger, der ihn perfekt rasiert habe! Ansonsten streiten sie sich nach wie vor, er wirft ihr dummes Gebabbel und ihre Verwirrung vor, sie ihm die Wortfindungsstörungen und die Langsamkeit beim Sprechen.


    Ich habe eine ganz tolle 100-Minuten-Doku gesehen, "Mitgefühl - Pflege neu denken" (3sat-Mediathek) über eine modellhafte Demenz-WG in Dänemark. Ich habe einiges dabei gelernt, aber es hat mich auch bedrückt und meine "disziplinierte Depression" - so nenne ich das, wie ich mich fühle, niedergeschlagen, aber ich mache immer weiter - verstärkt. Was man alles machen könnte in Sachen Kümmern, Beschäftigung und Freiraum lassen. Das ist natürlich in einem herkömmlichen Pflegeheim und so ganz allein schwer leistbar...


    Liebe Grüße

    Nelly

    Vielen Dank für den Hinweis auf die Broschüre, hilft sehr!

    Ich habe auch einen Lektüre-Tipp, der mir geholfen hat, kennen wahrscheinlich schon viele hier, trotzdem:

    Buijssen, Huub: Demenz und Alzheimer verstehen - mit Betroffenen leben. Ein praktischer Ratgeber. Beltz-Verlag

    ISBN 3-407-22870-8


    Liebe Grüße in die Runde

    Nelly

    ...ja, ich kann es so gut nachvollziehen, was die Ansammlung von Dingen betrifft... mein Vater hat unglaublich viel gehortet, 1000 Kugelschreiber, Taschenlampen usw. Meine Mutter 1000 Plastiktüten, Zucker, Kaffee, Mehl, die gleichen Dinge an x verschiedenen Orten. Auch sie haben den ganzen Tag immer nur hin- und hergeräumt und vor allem immer etwas gesucht. Wie viele Stunden ich damit zugebracht habe, die Brille meiner Mutter wiederzufinden...

    Ich finde es supertraurig, dass sie sich nicht von ihrer Wohnung verabschieden konnten, aber ich hätte sie niemals ohne den Umweg Krankenhaus dort wegbekommen. Ein kurzer Besuch zum Abschiednehmen wäre ein schreckliches Drama geworden. Das wollte ich ihnen ersparen. War das falsch?

    Alfskjoni

    Klar machen wir weiter, wir sind doch stark :)


    Liebe Grüße

    Nelly

    Liebe Alfskjoni


    die Wohnungsauflösung habe ich auch seit wenigen Wochen hinter mir, bei jeder Wallung über die Funde und den Feststellungen, dass das Chaos schon viel länger geht, haben meine Schwester und ich uns immer damit getröstet, dass es doch sehr viel trauriger wäre, müsste man die Wohnung nach ihrem Tod ausräumen.

    Meine Mutter fragt auch immer wieder, was das "Krankenhaus" hier kostet und ich sage ihr jedes Mal, das zahlt alles die Krankenversicherung (haha...)


    Liebe Grüße

    Nelly

    Lieber Herr Hamborg,


    vielen lieben Dank für Ihre Antwort.

    Zum Glück gibt es keine tätliche Gewalt, nur verbale. Dazu wäre er auch gar nicht mehr in der Lage, mein Vater bewegt sich gar nicht mehr, hat mittlerweile große Atemnot, bekam heute Nacht Sauerstoff und lagert Wasser ein. Es sieht nicht gut aus, er sprach heute kaum.

    Ich rede nur noch ganz wenig, putze lieber Brillen, reiche Wassergläser, nehme sie nacheinander in den Arm und tröste vor allem meine Mutter, wenn mein Vater schläft. Sie ist so furchtbar traurig darüber, wie er mit ihr umgeht und möchte sterben.

    Wenn er ins Krankenhaus käme, würde sie panisch werden, so war das letztens, als er nur für ein paar Stunden weg war.

    Sie vergisst jetzt auch ständig, dass meine Schwester nicht "heute Nachmittag" kommen kann, weil sie weit weg ist.

    Sogar als Nächststehende bin ich beeindruckt von seinem einzigen Wunsch und Willen. Ich kann es so gut verstehen, das macht es ja so besonders schwer... wer hängt denn nicht an seinem Zuhause.

    Kaum war ich daheim, ging es wieder mit den Anrufen los. Das wird wohl so bleiben. Ich werde mich damit arrangieren.


    Rose60 Danke für Deinen Zuspruch, es tut immer wieder gut, Dein "Lass los!" Es geht alles in Wellen, wie auch in ihren Köpfen, so schwingt man manchmal mit ;)


    Liebe Grüße

    Nelly

    Hallo Ihr Lieben,


    ja, das kenne ich auch von meiner Mutter, sie kennt dauernd Leute "aus dem Bus" (sie ist bis vor der Pandemie fast jeden Tag in die Stadt gefahren) oder "aus dem Garten", das war ihr Liebstes bis vor sieben Jahren. Sie kann ewig darüber grübeln, wo die nette Pflegerin wohl ihren Garten hat, das ist schon sehr süß, darüber kann man sich mit ihr gut unterhalten. Dann mischt sich der Vater ein und herrscht sie an, wie blöd sie sei, bis sie weint ...


    Liebe Grüße

    Nelly

    Hallo zusammen,


    ja, das trifft es ganz genau - sie wollen voller Sehnsucht zurück in ihr altes Leben, "normale Dinge tun", sagt er, das aber gar nicht mehr funktionieren kann, bei dem Pflegebedarf, den sie zu zweit haben. Ich kann das alles absolut nachvollziehen, auch, dass sie keinerlei Einschätzung für ihren tatsächlichen Zustand haben. Man kann mit ihm auch über gar nichts anderes sprechen, es gibt nur dieses eine Thema, Ablenkung habe ich immer wieder versucht.


    Seit ein paar Tagen geht es mir wieder wie zu Beginn ihres Aufenthalts im Heim. Ich kann den moralischen Druck kaum aushalten, egal, wie realistisch ich die Lage betrachte. Er liegt wie die Bleischürze beim Röntgen auf mir.

    Ich habe alle Varianten von Ansprache ausprobiert, mein Vater reagiert immer nur mit Widerrede. Alles was ich sage, ist Quatsch und Blödsinn und ich hätte ja gar keine Ahnung. So reagiert er auf Mitgefühl, Trostversuche und Gegenargumente, es ist vollkommen egal. Er ist in der Schleife gefangen. Und meine Mutter wird von ihm so unter Druck gesetzt, dass sie immer weinend anruft, ich solle sie abholen. Er selbst schafft es gar nicht mehr, das Telefon zu bedienen. Meine durch sie erworbene Überanpassung und Helferinnensucht wird dadurch enorm angetriggert. Dazu meine fernab wohnende Schwester, die auch immer nur ihre Probleme in der Vordergrund stellt, nachdem sie einmal die Woche die Eltern zurückruft.

    Ich bin irritiert, dass die Medikamente, die sie von der PIA bekommen, so gar nicht wirken, das war schon mal etwas besser.


    Mir Gutes zu tun übe ich weiterhin, aber im Moment bin ich so ausgelaugt, ich will, frei nach Loriot, einfach nur hier sitzen ...


    Liebe Grüße an alle und wie immer herzlichsten Dank für allen Zuspruch!

    Nelly

    Hallo in die Runde,


    komme gerade vom Heimbesuch zurück, mit einer geduldig und unter größter Beherrschung ertragenen Beschimpfungsarie. Mein Vater sitzt wie der Donnergott in seinem Stuhl, kann einfach gar nichts mehr, sich auch nicht mehr richtig artikulieren, geschweige denn laufen, aber er kennt nur ein Thema, zurück in die Wohnung. Ich könnte schon schreien, wenn ich dieses Wort nur höre.

    Meine Mutter sitzt stark zitternd und schluchzend daneben und hat Angst, dass ich nicht mehr wiederkomme, weil er so schlimm ist. Also habe ich sie getröstet und gesagt, dass sie diese Angst nicht haben muss.

    Wie viel Kraft das kostet.

    Und immer noch muss ich mir vor Augen halten, dass es teilweise zwei Pflegerinnen braucht, um ihn und seinen Katheter zu versorgen, ich habe es gesehen. Aber es kümmert sich ja den ganzen Tag niemand um ihn ... Und zu Hause braucht er niemanden und da geht dann auch alles wieder. Ständig muss ich für ihn Hosen nachkaufen, weil er einen gigantischen Verbrauch hat, durch sein ewiges Gefummel am Urinbeutel.

    War halt auch wieder ein Fehler, am Vormittag zu gehen, wider besseres Wissen, da sind sie immer wacher als am Nachmittag. Heute bin ich es mal wieder echt leid, das alles immer alleine zu stemmen.

    So, fertig gemeckert ;)

    Liebe Grüße an alle hier, gut dass es Euch gibt!

    Nelly