Beiträge von nocheinSohn

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.

    Hallo Sohn3,

    probier es halt aus, die Polizei zu rufen. Ich glaube, sie kann nichts tun. Aber gegen den eigenen (kranken) Vater die Polizei in Stellung bringen zu wollen, kommt mir reichlich daneben vor. Du willst die Nachbarn vor einem dementen alten Mann schützen, aber wie kann dem Demenzkranken geholfen werden? Das fragst du nicht.

    Von mir sind für dich keine Antworten mehr zu erwarten.

    Buchenberg

    Guten Tag, Buchenberg.


    Ich bin hier offen für alles, auch Meinungen, welche meine hypothetische Idee für "daneben" halten. Dennoch danke ich Ihnen für Ihre Zeit und Ihren Beitrag.



    Sehr geehrter Herr Hamborg,


    Auch Ihnen ein besonderes Danke, weil Sie so ausgiebig geantwortet haben.

    Meine "Idee" mit der Polizei; und der letztlich daraus folgenden "Raus aus der Wohnung - jetzt doch unter Zwang" kommt bei mir ganz sicher nicht von irgendwo. Und Spaß habe ich dabei ganz und gar nicht.

    Aber wenn man alle Pläne schon durch hat... nichts geholfen hat, man weiter auf Granit stößt, dann werden die Optionen gegen Ende des Alphabets doch schon gering. Für die Zeit "wenn garnichtsmehr geht".


    "Sie nehmen das Umfeld Ihres Vaters in die Pflicht".

    Dem ist nicht so, tut mir leid, dass ich dahingehend verneinen muss. Ich nehme sie (das Umfeld) meiner Meinung nach nicht in die Pflicht, sondern gebe denen lediglich Tips, was sie tun können, um sich selbst vor Anrufen oder Besuchen mitten in der Nacht zu schützen. In einer Handvoll dieser Menschen hat mein Vater schon erfolgreich eine Art Helfersyndrom aktiviert. WELCHES (und das ist das traurige) erfolgreich aktiviert wurde.


    Danke Herr Hamborg, vor allem für die vielen Infos in Ihrem letzten Abschnitt.



    Das habe ich ganz anders gelesen: nocheinSohn will absolut seinen Vater auch schützen (siehe z.B. Hinweis auf die Sorge mit dem vergessenen Herd), aber er sucht Wege, wie er das tun kann und wollte eben wissen, ob auch Kontakt mit der Polizei da eine Hilfe sein kann - wie es Herr Hamborg eben auch positiv bestätigte.

    Danke ecia25. Ich hatte auch für einen moment im Kopf "hat er alles gelesen und verstanden"? Unterm Strich will ich die Mühlen der Behörden nur etwas anschubsen, damit die Zeit in der mein Dad auf "Ideen" kommen kann reduziert wird.

    WEIL: ALLES ANDERE FRUCHTET NICHT UND PRALLT AN SEINER STURHEIT AB (leider. Und sorry für die Grußbuchstaben. :))



    ...

    Mir fällt übrigens ein, dass eine gute Bekannte in deren Haus sich eine stark demente Frau befand (völlig verwahrlost, abgemagert, absolut keiner Hilfe zugänglich, auch wie ein Eremit lebend) sich am Ende keinen anderen Rat mehr wusste als die Polizei zu rufen. Ich kann mich nicht an den genauen Ablauf erinnern .... aber letztlich bekam die Frau Hilfe in ihrer Hilflosigkeit und meine Bekannte (eine absolut hilfsbereite Person) konnte endlich beruhigt sein.

    ...

    Vielen Dank schwarzerkater. Für Deinen ganzen Post. Insbesondere für den zitierten Absatz. Das liest sich sehr schön. Auf meinen Fall gemünzt muss ich jedoch entgegnen: Mein Dad kann mit einem Ziffernblock nichts mehr anfangen.

    1-1-0 wäre schon zu viel.

    Er kennt nur die Wahlwiederholungstaste noch.



    ...

    Vieles kann man vllt auch erst nachvollziehen, wenn man es selbst erlebt hat, also wie sehr eine fehlende gute Basis aus Kindheit und Jugend im weiteren Leben nachwirkt. Ich kann es, leider.. und das soll wahrlich kein Jammern sein, nur Erklärungsversuch.

    ...

    Sehr schön auch wieder von Dir zu lesen, Rose60!

    Du hast vollkommen Recht. Jemand der unter normalen, ja sogar Bilderbuch-Verhältnissen groß geworden ist, kann man nur neidlos bewundern. Diejenigen können sich sehr glücklich schätzen.

    Das bedeutet aber auf der anderen Seite auch, dass manche dieser Menschen -selbst wenn sie in einem Fass voller flüssiger Empathie baden würden- sich damit schwer tun, manches was hier geschrieben wird, nachzuvollziehen. Was sicherlich nicht als Vorwurf gilt. Wie gesagt: Das Schicksal meinte es mit Kindern aus guten Elternhäusern einfach sehr gut. :)


    Gehabt euch alle wohl!

    Auch Herr Buchenberg.



    Menschen sind unterschiedlich. Meinungen sind unterschiedlich. Ein völlig natürlicher Aspekt unseres Daseins auf diesem Planeten. :)

    Guten Morgen Grobi, Guten Morgen alle anderen.


    grobi , das klingt nach einem ganz ähnlichen Effekt, den ich beim Lesen meines Buches hatte. Ich hoffe, es hat Dir genauso helfen können, wie mir damals.

    Und ja, Deine Fassungslosigkeit kann ich zu 100% nachvollziehen.


    Reißleine ziehen ist immer gut - egal wann. Hauptsache man kommt noch einigermaßen gebremst und sachte am Boden an. Von dort an kann es dann mit einem anderen Mindset weitergehen. In Deinem Fall mündete dies in einem Kontaktabbruch. (Soweit ich das richtig verstanden habe.)


    Kurzer Sprung zu einer hypothetischen Frage an alle:


    Was würde passieren, wenn ich die Polizei informiere?


    "Hallo und schönen guten Tag. In 12345 Musterstadt, Musterstr. 2 wohnt ein älterer Mensch, der so langsam eine Gefahr für sich und andere wird.

    - Er kann Tag- Nachtzyklen nichtmehr erkennen, geschweige denn die Uhr verstehen.

    - Er lässt Wohnungs- und Haustür sperrangelweit offen, aus Angst, er könnte sich aussperren. Ebenfalls zu jeder Tages- und Nachtzeit.

    - Er tyrannisiert die Nachbarschaft und Dienstleister durch Anrufe oder Besuche (Arzt, Friseur, Fußpflege, Bank...) ebenfalls geschäftszeitenunabhängig.

    - Er schreit und flucht lautstark (gegen sich selbst und sein "scheiß Leben") so gut wie ununterbrochen. In einer hohen Lautstärke und auch innerhalb von Ruhezeiten.

    - Es ist nurnoch eine Frage der Zeit, bis der Klassiker -Herd angelassen- passiert"


    Hintergrund: Sein Vermieter rief MICH wiederholt an, ich solle endlich was unternehmen, drohte mir mit rechtlichen Schritten. Nachdem ich Ihn aufgeklärt habe, dass ich gesetzlich zu nichts verpflichtet bin, und er sich das Geld sparen kann, empfahl ich ihm und allen anderen Betroffen, Protokoll zu führen Und zwar wann er was gemacht hat. Und bei jedem mal die Polizei zu rufen. (Hintergrund: Klar - die können wohl auf Anhieb nichts machen, aber die schreiben bei jedem einzelnen mal einen Einsatzbericht/-protokoll. Und wenn diese von der Anzahl her genug sind, können sie mMn beim Amtsgericht vorgelegt werden, um ein "dringlich" diesem wahnsinnigen Eintopf als Zutat hinzuzufügen.


    Er hat das Ende seiner Geschichte schon in den 80´ern bewusst geschrieben. Mit dem Entschluss, eremitenhaft zu leben. Alleine. Keine Freunde, Keine Partnerin.

    Von da her -und auch von dem was mir als Kind/Teen/Twen widerfahren ist- habe ich absolut kein Mitleid mit ihm. Aber ich habe Mitleid mit den Menschen, die unter seiner Art leiden (s. o.). Auch um seine Wohnung mache ich mir massiv Sorgen.


    Schon wieder so viel geschrieben - sorry.

    Also - was würde passieren, wenn ich die Polizei einschalte? Reicht das passierte für eine Zwangseinweisung? Falls nicht - was müsste dafür passieren? Physisch gewalttätig wird er meines Wissens niemandem gegenüber.


    gglg nocheinSohn

    Hallo OiOcha,


    danke für Deinen offenen Post. Das klingt echt nicht schön. Aber Deine Mom und Du haben das richtige getan. Klar, Dein Dad kann nach Jahrzehnten in der ein und selben Spur wohl kaum selbige irgendwie verlassen. Wichtiig ist, dass er medikamentös eingestellt ist und sich in SIcherheit befindet. Somit seid Ihr auch in SIcherheit und Du schreibst ja auch, dass sich eine Art Entspannung zeigt. Das ist gut.


    Ich wünschte, mein Dad wäre auch schon so weit.

    Wie gesagt: er wohnt am anderen Ende der Republik, und dadurch sind mir schon arg die Hände gebunden. Außerdem besteht er darauf, dass ich mich nicht "einmischen" soll - kann er gerne haben.


    Meine Mom hat das viel besser als er gelöst. Mit Vernunft. Sie hat sich Hilfe geholt bis zum Schluss. Sie sah ein, dass es ohne nicht geht. Und mit dieser Hilfe waren die letzten Schritte sehr harmonisch und mit herzlicher Wärme getränkt. Ich habe materielle Hilfe geleistet, die Pflege übernahm Ihr Partner und das Palliativteam. Zugegeben, Demenz war nur ein kleiner Teil des ganzen.

    Schlussendlich war alles in bester Ordnung. Jeder hat seinen Frieden gefunden.

    Ich bin ihr unendlich dankbar, dass Sie dafür gesorgt hat, dass ich jetzt so bin, wie ich bin. Und das weis sie. :)


    Und -wenn es mir erlaubt ist- würde ich gerne zum Thema Narzissmus was loswerden.

    Die Mama von meinem Sohn hat eine solch ausgeprägte Persönlichkeit. Ich wusste viele Monate nicht mal, was "Narzissmus" überhaupt ist. Ich wusste nur, dass ich in der Beziehung mit ihr emotional gelitten habe und meine Seele regelrecht ausblutete. Irgendwann schnappte ich das Wort Narzissmus auf und fragte nach: "Was bedeutet das eigentlich?" Als Antwort kam darauf: "Was schlimmeres als Egoismus".

    Das lies mir keine Ruhe. Ich googlete danach und habe mir mit Staunen und offenem Mund 2 Fachbücher gekauft. Als ich diese las, dachte ich, dass jemand GENAU meine Situation niederschrieb. Bücher fertig gelesen - Beziehung umgehend beendet. Hat auch nur ein paar Tage gedauert, bis Junior dann zu mir kam. Im Nachhinein das Beste was überhaupt passieren konnte. :)


    Aber okay - ich schweife ab.

    Kurz: Narzissmus = ABSTAND NEHMEN


    Danke und ein Hallo an Sohn83 in der Runde! Es ist echt schön zu sehen, wie hier gegenseitig unterstützt wird.

    Hallo zusammen und bitte entschuldigt meine sehr späte Antwort.


    Ja, ich weis... die Chancen auf Einsicht seinerseits gehen gegen null.


    Und ja, ich hab die letzten Tage mir schöne Zeiten rausgenommen und das hat auch verdammt gut getan. Hab auch wieder mit meinem Dad telefoniert, es ging. War ok das Gespräch und hat mich nicht runtergerissen wie sonst.


    Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals ganz herzlich für Eure Beiträge bedanken. Es tat richtig gut hier zu kommunizieren. Und tut es auch immer noch :)


    Gehabt euch alle wohl

    Hallo und schönen guten Morgen, schwarzerkater.


    Auch Dir sei gedankt für Deine umfassende Antwort.

    Daraus -und aus allen andern Antworten- lese ich heraus, dass meine Selbstschutz-Strategie durchaus gerechtfertigt ist.

    Das beruhigt mich schon immens.


    Ich bin gespannt wie es weitergeht. Traum-Szenario wäre natürlich wenn mein alter Herr es einsieht und sich Hilfe holt. Ab dem Moment würde meine Unterstützung auch wieder wachsen. Naja... So gut es halt geht, von fast am andern Ende der Republik aus.


    Ich persönlich weis jetzt schon: Ich werde keinerlei Skrupel haben, mir Hilfe zu holen wenn es soweit ist. Man lernt Dinge innerhalb seines Lebens, aber unbegrenzt darauf zurückzugreifen ist Wunschdenken. Z. B. bei mir... ich habe vor 20 jahren kein Problem mit Arbeiten in Höhen gehabt.. Habe ich jetzt. Und kein Problem damit, Arbeiten, die in Höhe stattfinden, jemand anderen erledigen zu lassen. Oder Schlagzeug spielen. Seit ich 14 bin ein absoluter Traum und Seelenventil. Heutzutage Krämpfe in den Händen nach wenigen Minuten. Geht halt nichtmehr - zwar schade, aber sollen es andere tun. Fertig. :)


    Euch allen. Und all euren Liebsten ein schönes neues Jahr 2023.


    Gruß

    nocheinSohn

    Auch Dir herzlichen Dank für Deine Worte. Weis ich ebenfalls sehr zu schätzen.

    Stimmt - trotz meiner Kindheit habe ich mein absolut möglichstes getan. War auch öfter über meine Grenzen gegangen für Ihn.




    Vielen Dank;) dir auch. Ich habe selbst in diesem Forum sehr gute Tipps und Beistand bekommen. Und ja, einige Jahre waren sehr belastend, man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben, aber man muss auch oft selbst auf sich aufpassen und es ist sicher wichtig, dass du für deinen Sohn bei angemessener Stimmung und bei Kräften bleibst.

    LG

    Danke! :thumbup:

    Genau das. Ich will im Gegensatz zu meinem Vater eben nicht als Vater in den Sack hauen. Klar - ich habe schon einiges von Ihm in meinem Charakter (die ersten 8 Jahre haben wohl gereicht)... aber ich habe auch schon VIELES anders und vor allem besser gemacht.

    Noch eine weitere Generation (Wenn Junior mal Vater ist) und das destruktive Wesen meines alten Herrn wird sich gegen null verwässern. Gene hin oder her.

    Hallo Rose60,


    vielen herzlichen Dank für Deine Rückmeldung, diese weis ich sehr zu schätzen. Was Du beschreibst klingt auch äußerst nervenzerreißend. Gut, dass auch Du Dich für Deinen eigenen Selbsterhalt entschieden hast. Besser noch: Du hast für ein solides Gerüst gesorgt (Pflegeheim), bevor nicht mehr er an erster Stelle steht.


    Dieses Gerüst wurde in meinem Fall auch versucht zu bauen. Die Verwandschaft in seiner Nähe hat das Amtsgericht informiert. Und jetzt kommts:

    Wie auch immer er es geschafft hat... er hat auf ein Schreiben des Amtsgerichts geantwortet. O-Ton:


    "Mir gehts gut. Ich schaffe alles im Alltag. Keine Hilfe notwendig. Ihnen noch einen schönen Tag. Mit freundlichen Grüßen."


    Präzise und fehlerfrei. Inklusive Briefumschalg, Briefmarke und Einwurf. Selbst eine Kopie hat er für sich selbst noch erstellt. Hammer!!!


    Seit dem ist das Gericht beschwichtigt und die Akte wurde geschlossen, noch bevor sie richtig eröffnet wurde. Das ist jetzt ca 6 Monate her.


    Ich schwanke zwischen Verzweiflung und Wut. Auf der einen Seite denke ich "okay - soll er doch den Karren gegen die Wand fahren, solange keine Dritten (Verwandschaft) oder fremdes Gut (Wohnung) zu Schaden kommt.

    Andererseits denke ich: Verdammt. Es ist mein Vater. Rabensohn.


    Es ist und bleibt schwierig.



    Edith: schon wieder Grammatik

    Hallo Gemeinde.


    Zu aller erst ein ganz herzliches DANKE an das Team als auch an die Community selbst, dass es solch einen Ort wie diesen gibt.


    Ganz kurz zu meiner Person:

    M,46 Jahre. Alleinerziehend (M,11 Jahre). Vollzeitjob. Seit 3 Jahren EFH-Besitzer (geerbt).

    Psychisch schon die ein oder andere Erfahrung mit Institutionen gemacht wegen depressiven Phasen, Burnout, Drogenmissbrauch. Letzteres ist aber schon über 25 Jahre her.

    Ich gehe in meinem Job oft über meine Grenzen, einfach um die Existenz+ von Junior und mir zu sichern.

    Mit "Existenz+" meine ich nicht nur, uns mit einem Dach über dem Kopf und warmen Mahlzeiten zu versorgen, sondern auch mal Kino, Schwimmbad oder eine Woche Nordsee im Jahr.


    Jetzt zu meinem Dad:

    Als Kind hatte ich nichts zu lachen in seiner Gegenwart. Ich erfuhr Schläge und seelische Grausamkeiten, die ich nicht näher beschreiben will. Als ich 8 Jahre als war, ließen sich meine Eltern scheiden. Er hat den Kontakt zu mir rigoros abgebrochen. Die wichtige Zeit eines Heranwachsenden Jungen musste ich ohne Vaterfigur hinter mich bringen. Kam zeitweise auf übelst schiefe Bahnen. Erst als ich 2008 einen Brief schrieb mit Wunsch nach Kontaktaufnahme, tat sich was. Ich wollte in dem Moment einfach nur, dass er weis, dass etwas gutes aus seinem Sohn geworden ist. Seit dem telefonieren wir. Auch 3 Besuche waren drin (wir fuhren zu ihm, Entfernung 450km). Soweit ist alles noch ok.

    Ich selber wurde gewollt Vater, und seit dem unterstützt er mich finanziell, was ich anfangs dankend annahm. So ein Kind kostet viel Geld. Durch die Trennung von seiner Mutter wenige Wochen nach der Geburt meines Sohnes und nach einem Jahr Elternzeit habe ich mich nurnoch als Hilfsarbeiter in Teilzeit gearbeitet (Komme eigentlich aus der IT). Egal was. Maler, Fenster- und Wintergartenbau. Egal. Hauptsache etwas Lohn und vor allem krankenversichert.


    Die Jahre vergingen. Es wurde mir nach einiger Zeit aber so unangenehm, Geld von ihm anzunehmen, dass ich anfing, es abzulehnen. Hat nicht geklappt - er bestand wehement darauf, dass ich das Geld bekomme. All meine Bekannten sagten "Klar, nimm es doch. Er will es so." Aber für mich fühlte es sich falsch an.

    Ich begann, das Geld für Ihn auf Seite zu legen und es nicht für meinen Sohn oder mich auszugeben. Anscheinend haben sich dadurch in mir irgendwelche Abhängigkeitsvorstellungen gebildet.


    Schneller Vorlauf zu heute:

    Er ist dement. Mitte/Ende 2te Phase denke ich. Kann keine Urzeit mehr verstehen. Schneidet sich mir ner Rosenschere die Fußnägel und verblutet damit die gesamte Mietwohnung (nix dramatisches, aber riesen Sauerei). Er schlägt zu allen Tages- und Nachtzeiten bei seinem Friseur oder Arzt auf, weil er ja "einen Termin" hat.

    Die handvoll Verwandten in seiner Umgebung haben mehr oder weniger das Handtuch geworfen.

    Einzig meine Nummer zu wählen - das schafft er. Täglich. Manchmal mehrmals am Tag.

    Und das ist der Punkt,der mich in den Wahnsinn treibt.

    Er nimmt keinerlei Hilfe an. Spricht man "Pflegestufe ermitteln", "Häusliche Pflege" oder gar "Pflegeheim" an, erntet man einen gewaltigen Wutausbruch. IMMER. Selbst mit Engelszungen und Logik ihm bei zu kommen ist zwecklos. Vor einigen Tagen bin ich am Telefon ausgeflippt un habe geschrien: "Lass mich! Du tust mir weh! Jeder einzelne Anruf tut mir weh. Ich leide emotional so sehr, Dich so dahinsiechen zu sehen, LASS MIR LUFT ZUM ATMEN!!!!"

    Das brachte was. Er sagte ich bekäme soviel Luft wie ich nur brauche. "Cool - endlich" dachte ich. Keine 48h später rief er wieder an. Ich sagte meinen Standpunkt erneut. Diesmal in einem ruhigen und sachlichen Ton. Schien ebenfalls wieder bei ihm angekommen zu sein. Diesmal hat es nur 20h gehalten, bis er wieder anrief.


    Habe jetzt seine Nummer seit zwei Tagen blockiert. Ich muss mich schützen. Bevor ich psychisch vor die Hunde gehe und erst meinen Job verliere, dann das Haus. Eigener Vater hin oder her.

    Er nimmt wie gesagt keine Hilfe an. Folglich gibts keine Vollmachten oder Betreuer.


    Viel Text, ich weis. Danke an all die, die bis hierher kamen.

    Nun meine Frage des Titels: Bin ich zu egoistisch?


    Gruß

    noch ein Sohn



    Edith: Grammatik korrigiert