Beiträge von enh2292

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    Hallo Alle,


    lange Zeit habe ich nichts mehr hören lassen. Nun würde ich mir aber gerne die letzte Zeit von der Seele schreiben.


    Bei meinem Opa haben sich letztlich viele Dinge auf gleiche Weise wiederholt, wobei der letzte Krankenhausaufenthalt zunächst in eine Kurzzeitpflege und ohne Umwege in eine Dauerpflege mündete. Dies war, ich konnte es kaum glauben, auch sein Wunsch. Wider allen Erwartungen hat er sich dort super eingelebt. Nachdem das durch war, war ich (und bin es gefühlt ab und zu immer noch) einfach erschöpft. Aufgrund der zuvor immer wiederholten Beschuldigungen meines Opas mir gegenüber (meine Eignung als Betreuer wurde sogar gerichtlich überprüft - zum Glück zu meinen Gunsten) ist mir meine Stellungnahme immer noch nahezu Wort für Wort im Gedächtnis. Ich mache mir wenig bis keine Vorwürfe und ich weiß, dass es nicht mehr "er" war, der dies äußerte, aber es führte dazu, dass ich mich im Moment nicht mehr wirklich für ihn interessiere. Zuletzt habe ich ihn an seinem Geburtstag im November besucht und auch Telefonanrufe kann ich an einer halben Hand abzählen. Ich bin zwar bemüht freundlich, suche aber auch so gut wie keinen Kontakt. Wenn ich es ganz hart sehen will, dann ist er bzw. sein altes Ich bereits verstorben, nur dass er eben physisch noch da ist.


    An Weihnachten wollte mein Vater ihn in sein altes Zuhause holen. Ich erwartete eine Totalkatastrophe, die jedoch ausblieb. Kurz nach Ankunft zog er zwar sein Hemd aus und monierte dass es kalt sei, allerdings wollte er recht schnell nach dem Nachtisch wieder "nach Hause". Damit meinte er das Heim.


    Meine neue Baustelle eröffnete sich dann am 1. Weihnachtstag bei meinen anderen Großeltern. Kaum war ich in der Tür wurde mir offenbart, dass mein Opa in der Nacht mit großen Misserfolg versucht hat das Leben zu nehmen (wollte sich am Zulaufschlauch der Waschmaschine erfolglos erwürgen). Dies tat er, weil er der Meinung war Beinkrebs zu haben und die Schmerzen nicht mehr aushielt.


    (Hintergrund: Sein Vater hatte Lungenkrebs und hat sich wie ich an dem Tag erfuhr, damals wohl wirklich das Leben genommen. Er hatte jedoch viel Wasser in den Beinen. Eine verschleppte Herzinsuffizienz denn Ärzte sind für ihn schon immer nur Quacksalber gewesen. Das KH rief mich gleich mehrfach an, um den fehlenden Medikamentenplan anzumahnen. Das er keine Medikamente fest einnahm, wollte man mir kaum glauben.)


    Kurzum führte dies dazu, dass ich einen Krankenwagen rief und er auch mitfuhr. Glücklicherweise erklärte sich meine Mutter, seit kurzem in Rente, bereit, meine Oma zu beaufsichtigen. Auch ihre Schwester nahm sie bereitwillig für einige Zeit auf (ich hoffe noch auf eine Art WG-Lösung). Für mich war dies ein böser Flashback, denn auch wenn ich immer meine Hilfe anbot, so war ich nicht bereit für eine weitere Pflegesession.


    Ab dem Krankenhaus war mein Opa, der übrigens immer eine Art Verbündeter für mich war, nicht mehr er selbst (wobei er dies auch in den Wochen vorher nicht mehr wirklich war...) Bei kaum einem Besuch kam außer "Hallo" und "Tschüß" etwas sinnvolles herum. Entweder sollte ich die "Bundespolizei benachrichtigen" oder bloß kein Wort zu viel sagen, da im Krankenhaus krumme Dinge liefen... Er bekam Stents und für uns war trotz allem klar, dass er bald wieder da ist (klar, vielleicht auch etwas naiv). Vor rund anderthalb Wochen wurde ich schließlich um 4 Uhr früh aus dem Schlaf geklingelt. Ich rief sofort zurück und erfuhr, dass sein Herz aufgehört hat zu schlagen und die Wiederbelebungsmaßnahmen nicht erfolgreich waren. Bumm! Opa ist tot. Der der immer so fit war und von dem ich glaubte, dass er locker 100 werden würde...


    Gemeinsam mit meiner Mutter holte ich meine Oma am nächsten Tag vorzeitig bei ihrer Schwester ab. Sie weinte bitterlich und doch schien ihr die Demenz (?) gnädig zu sein. Sie merkt das etwas anders ist, jemand fehlt, aber tiefe Trauer: Fehlanzeige. Sie war zeitlebens immer sehr kontaktfreudig und tatsächlich einer der wenigen Menschen die nahezu immer freundlich, fröhlich und offen waren und diese Person kommt auch immer noch oft für kurze Zeit durch. Aber leider ist sie ebenso oft verwirrt, verkennt Risiken und bereits der Gedanke sie allein zu lassen, bereitet uns größte Sorgen.


    Heute besuchen wir das Heim in dem mein Opa seit kurzem zufrieden lebt. Neutral gesagt: ich bin gespannt. Denn hier treffen nun zwei Menschen aufeinander, die (höchstwahrscheinlich) beide dement sind, deren Demenz sich aber unterschiedlich nicht hätte zeigen können.


    So blöd es klingen mag, auch wenn die Demenz meines Opas inhaltlich um einiges herausfordernder war, so fällt es mir gefühlt noch schwerer mit meiner Oma umzugehen. Ich erkläre mir das damit, als dass es mir im Ernstfall viel leichter fiel auf absurde Vorwürfe und Wahnvorstellungen meines Opas entsprechend laut und deutlich zu reagieren. Man könnte sagen es war eine Art Ventil. Aber bei meiner immer lieben Oma die Zusammenhänge einfach nicht mehr versteht, möchte ich auch nach dem fünften Nachfragen nicht böse sein, bin aber dementsprechend gezwungen gefühlt deutlich mehr in mich hinein zu fressen.


    Ich werde also weiter sehen.


    Liebe Grüße

    Hey,


    auch dir erstmal ein willkommen. Wie es hier so oft der Fall ist, kommt mir (und bestimmt auch anderen) ein großer Teil deiner Geschichte bekannt vor. Auf jene Punkte mit denen ich Erfahrungen machen musste, gehe ich einfach mal genauer ein.


    Zunächst einmal ist es sicherlich gut, dass nun eine Diagnostik durchlaufen wird. Viele kämpfen mit ihren Angehörigen auch darum, überhaupt mal einen Arzt aufzusuchen, also ist hier ein richtiger und wichtiger Schritt schon mal gemacht. Der MMST ist sicherlich ein Indiz, wobei ich aus eigener Erfahrung berichten muss, das mein Opa (vaskuläre Demenz) in diesem Test immer sehr gut abgeschnitten hat. Sicherlich auch der variablen Tagesform geschuldet, aber erstmal auch weniger wichtig.


    Nicht vorhandene Körperhygiene und eine (teilweise und dann auch gut versteckte) Verwahrlosung der Wohnung, sind mir ebenfalls bekannt. Ich denke hier bleiben nur wenige Alternativen. Lässt er es zu, dass du und deine Geschwister zumindest zeitweise den Haushalt übernehmen? Vielleicht könntet ihr gemeinsam eine gewisse Grundordnung wiederherstellen? Und es muss ja auch nicht alles blitzeblank sein...


    Ansonsten einfach mal ausprobieren. Mal tut es vielleicht ein warmer Waschlappen, ein angereichter Kamm o.ä. und etwas zurückhaltende Hilfe. Auch kann es sicherlich nicht schaden eure Hilfe, oder auch die Möglichkeit externer Hilfe anzubieten oder auch mal mit sanftem Druck einzufordern (Kennenlern-Tag o.ä.).


    Übers Auto fahren könnte ich auch Bände schreiben und kann daher sehr gut verstehen, welche Gedanken du dir dazu machst. Als es bei uns akut wurde habe ich auch hier im Forum darüber geschrieben, damals riet mir jemand dazu das Auto fahren nötigenfalls durch indirekte Aktionen zu verhindern. In meinem Fall waren dass etwa das Garagentor abzuschalten, immer noch auf einen Termin für die Winterreifen zu warten, die Schlüssel ausversehen mit nach Hause genommen zu haben und später auch das Einkassieren dieser, da er eben leider auch damit drohte sich mit dem Auto etwas anzutun. Da hatte ich dann tatsächlich erstmals auch Schlüssel "einkassiert" und wenn es deswegen Ärger gab, ganz deutlich erklärt, warum ich das tue. Einsicht natürlich Fehlanzeige, aber auch keine wirkliche Motivation von ihm, sich wirklich dagegen zu wehren. Traurig aber wahr. Im Ernstfall war ich übrigens vorbereitet, notfalls auch die Batterie abzuklemmen.


    Hast du Kontakt zu den Ärzten die die jetzige Diagnostik durchführen? Ich denke es würde helfen, dies dort knapp und deutlich anzusprechen. An ein temporäres Verbot hielt sich sogar mein Opa.


    Ich weiß nicht wie kampfbereit er ist, aber da du ja immerhin nicht allein bist, könnte ich mir vorstellen, dass es etwas bringt, wenn ihr gemeinsam und unnachgiebig fordert, dass er (zumindest zeitweise) nicht mehr Fährt. Beispielsweise bis zur Diagnose. Wehrt er sich weiter, dann muss es eben leider zum Betreuungsgericht gehen. Das ist ein absolut besch... Schritt, aber im Zweifel der richtige. Ich hatte damals den Antrag schon versandbereit in der Schublade (es gibt übrigens Eilanträge, wobei ich die Bearbeitungszeit nicht zuverlässig einschätzen kann). So wie sich damals dann die Situation weiter entwickelte, war es dann im letzten Moment nicht mehr so dringend nötig diesen abzuschicken.


    Da du ja von finanziellen Eskapaden berichtest, ist dies meiner Meinung nach noch umso mehr ein Argument dafür, hier nicht zu zögern.


    Ich muss nun leider los, daher stoppe ich hier. Solltest du hierzu Fragen haben, darfst du sie natürlich gerne stellen.


    LG

    Hallo Werniman,


    erstmal willkommen hier. Ich versuche mich mal an einer Antwort.


    Was du unbedingt erfragen solltest ist, um was für eine Demenzform es sich handelt. Dies müsste der Arzt deiner Ma mitgeteilt haben. Symptome ähneln sich zwar, unterscheiden sich aber ebenso deutlich. Möglich ist ein Abbau wie du ihn beschreibst aber durchaus, das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen.


    Deine Frage würde ich tatsächlich erstmal darauf reduzieren, ob er von seiner Krankheit wusste. Das verheimlichen halte ich einerseits für ganz üblich, andererseits aber auch für unabsichtlich, da viele Prozesse schleichend schlechter werden und demnach gerade zu Anfang nicht als Krankheit respektive Demenz erkannt werden. Man spricht ja häufig auch von normaler Altersvergesslichkeit und auch jüngere Leute können sich ja nicht davon freisprechen vergesslich zu sein, oder auch Dinge durcheinander zu bringen.


    Die Persönlichkeit spielt dabei natürlich eine Rolle. Wenn er, wie du schreibst, sein Leben lang immer an genauen Regeln orientiert war und dementsprechend oft peinlich genau war (ich kenne da aus eigener Erfahrung einen Fall ;) ), dann wird er möglicherweise auch größere Anstrengungen unternommen haben gegen erste Krankheitszeichen vorzugehen. Ob er dies aber überhaupt selbst als Demenz erkannt hat, möchte ich zumindest in Frage stellen (s.o.). Aus deiner Frage lese ich einen gewissen Groll heraus, welchen ich in Bezug auf den Umstand dass auch mein Opa scheinbar bewusst Dinge verheimlicht hat, verstehen kann. Von solchen Emotionen solltest du dich (sofern ich sie richtig eingeschätzt habe) schnellstmöglich entfernen, denn auch wenn es viele Möglichkeiten gibt, so glaube ich nicht, dass eine Demenz mit dem Ziel verheimlicht wird, anderen gezielt zu schaden.


    Auch das Autofahren ist natürlich so eine Sache. An irgendeinem Punkt wird es leider gefährlich, aber diesen Punkt (selbst) zu erkennen ist schwierig oder gar unmöglich. Ich würde behaupten, dass das nachlassende Augenlicht hier den Prozess schlicht beschleunigt hat. Umso besser, dass deine Schwiegermutter hier wohl schon einen der großen Kämpfe gewonnen hat.


    Ansonsten wäre es eben hilfreich die Art der Demenz zu kennen. Das es mittel- bis langfristig generell schlechter wird ist ja bekannt. Allerdings kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen, dass z.B. bei einer vaskulären Demenz die Fähigkeiten auch im Tages- und Wochenverlauf stark schwanken können. Es gab Tage an denen konnte mein Opa nicht mehr mit einem Messer umgehen, nur um zwei Wochen später plötzlich damit zu beginnen sich reichhaltig belegte Brote zu schmieren (inkl. Schneiden und Co). Auch im Bereich Inkontinenz konnte ich extreme Schwankungen beobachten.


    Ist dir denn bei deinen wöchentlichen Besuchen rückblickend etwas aufgefallen? Bei uns war es z.B. so, dass wir lange vor der Diagnose bzw. des begründeten Verdachts immer mal wieder sagten, er wäre "tüddeliger" geworden. Heute würde ich das sicherlich als erste Anzeichen umdeuten, an eine Demenz habe ich jedoch sehr lange nicht gedacht. Zumal auch davon auszugehen ist, dass er bzw. auch dein Schwiegervater natürlich auch darum bemüht war, bei euren Besuchen "fit" zu sein.


    Unabhängig davon wie sich die Symptomatik entwickelt, erachte ich es als unumgänglich schnellstmöglich einen Antrag auf Überprüfung der Pflegebedürftigkeit zu stellen (falls noch nicht geschehen). Vielleicht ist deine Schwiegermutter ein guter Partner, denn offenbar war sie ja auch resolut genug, ihm das Autofahren zu "verbieten". Viel wert ist auch, dass ja offenbar eine ärztliche Behandlung bereits erfolgt ist.


    LG

    Liebe Immi,


    Buchenberg hat schon viele sinnvolle Dinge in seiner Antwort an dich erwähnt.


    Natürlich möchte auch ich dir mein Mitgefühl ausdrücken. Und auch wenn, wie hier schon oft festgestellt wurde, jeder seine ganz eigene Geschichte hat, so sind sich viele Geschichten doch sehr ähnlich.


    Meine Geschichte ist vielleicht schon eins, zwei Kapitel weiter, weshalb ich eigentlich nur versuchen kann, dir basierend auf meinen Erfahrungen, einen guten Rat zu geben. Ob dieser Rat dir helfen kann, oder ob es sich überhaupt um eine denkbare Alternative handelt, weiß ich natürlich nicht.


    Rückblickend betrachtet hätte ich schon sehr viel früher deutlich resoluter sein können, oder kritischer gesagt sein müssen. Viel zu lange habe ich versucht dem gefühlsmäßig total nachvollziehbarem Wunsch meines Opas (oder früher: meiner Großeltern) nicht in ein Heim zu müssen versucht zu entsprechen. Während ich das versuchte, hatte er aber schon längst nicht mehr die Fähigkeit einzusehen, dass sich das zu einer regelrechten Belastung für mich entwickelte. Gerade dann, wenn die Demenz ihn zu Aussagen verleitete, was ich denn überhaupt für ihn tun würde, war das alles umso schwerer. Ich habe mein bestes gegeben dies nicht an mich heran zu lassen, aber tief im Innern hat es mich eben doch belastet.


    Nun ist er nach einer schweren Magenblutung und Ohnmachtsanfällen in Kombination mit einer ständig erhöhten Sturzgefahr (Ohnmacht und Sturzgefahr kamen in dieser Intensität erstmals im Krankenhaus zum Vorschein) in Kurzzeitpflege die bald endet. Durch diese neue Gefahr würde der eigentlich schon längst alleine nicht mehr zu leistende Betreuungsaufwand ins unermessliche steigen, vor allem wenn ich realistischerweise auch Zeit für mich einkalkulieren muss.


    Seit dem Tod meiner Oma konnten wir beobachten, dass ihm Krankenhausaufenthalte unabhängig vom Grund der Einlieferung eher gut taten. Denn mindestens an der Hälfte seiner Tage fehlte ihm in gewisser Weise der Grund aufzustehen, zu frühstücken, sich überhaupt anzuziehen, zu pflegen usw. Im Krankenhaus, während der Reha und der Kurzzeitpflege konnte er hingegen in gewisser Weise nochmal aufblühen, wenngleich es dort auch schlechte Tage gibt.


    Was er bisher nicht einsah, scheint er nun anders zu sehen. Jene Person die mich über ein Jahr des Betruges, des Diebstahls, des Ihm-Faul-auf-der-Tasche-liegens, der Körperverletzung,... beschuldigt hat, sagt jetzt von sich aus, dass er in diesem Zustand nicht nach Hause kann. Die Kurzzeitpflege endet in wenigen Tagen und in jener Einrichtung in der er ist, ist es so, dass der belegte Kurzzeit-Platz bei Bedarf in einen Langzeit-Platz umgewandelt werden kann (Vielleicht ist dies im Heim deines Vaters ähnlich?). Dies streben wir jetzt auch an. Mit der Heimleitung haben wir besprochen, dass ihm der Vertrag zunächst selbst zur Unterschrift vorgelegt wird, schließlich wollte er dies ja überraschenderweise ganz freiwillig. Sollte er dennoch einen Rückzieher machen, dann können alternativ mein Vater oder ich als Bevollmächtigte unterschreiben - was wir auch notfalls tun werden.


    Diese Ausschweifung passt nicht ganz zu deinen Schilderungen, aber da dein Vater bereits in der Kurzzeitpflege ist und mir deine beschriebenen Belastungen bekannt vorkommen, kann ich dir nur raten, dass du ohne Schuldgefühle auf einen direkten Verbleib hinarbeiten solltest. Einfacher wird es wahrscheinlich nicht mehr dies zu realisieren, zumal deine Ma ja immer noch viel Energie hat hier zu intervenieren, während sie ihre eigenen Fähigkeiten bereits falsch einschätzt.


    So schwer es auch sein mag, möchte ich dir nötigenfalls auch dazu raten, gegenüber deiner Mutter unnachgiebig zu sein. Viel mehr solltest du die Alternativlosigkeit darstellen, aber ihr eröffnen, dass sie (sofern dies machbar ist) zu ihm zieht. Wenn Sie noch fit genug ist viele pflegerische Leistungen an sich selbst durchzuführen, so wird sie im Heim niemand zwangspflegen, aber ich bin mir sicher, dass sie zügig die ein oder andere Annehmlichkeit gerne in Anspruch nimmt.


    Unabhängig davon noch meine Gedanken zum Thema Oberschenkelhalsbruch: Meine Oma ereilte ein ähnliches Schicksal und auch wenn ein solcher Bruch für viele einem Todesurteil auf Zeit gleichkommt, so hat sie diesen vergleichsweise gut überstanden. So wie vorher war es aber nie mehr: In der Wohnung oder auch draußen war sie noch in einem akzeptablen Rahmen mobil, das Treppensteigen auch von nur zwei bis drei Stufen war die Hölle, ich hörte dabei immer ihre Knochen knartschen. "Ich hab nicht gepupst, das sind meine Knochen", sagte sie damals immer aufgrund der recht ähnlichen Klänge...


    Was ich damit sagen will ist, dass der Versorgungsaufwand also perspektivisch nochmals stark zunehmen wird und wenn deine Mutter nicht gewillt ist, das einzusehen, dann kann ich dich nur umso mehr ermutigen, hier ein deutliches Machtwort zu sprechen. Egal wie unangenehm dies werden mag.


    Ein absolutes KO-Kriterium ist auch die Entfernung. Ich wohne je nach Verkehrslage 15-25 Minuten entfernt und auch mir ggü. äußerte die Hausärztin mehrfach, dass ein Einzug bei meinem Opa wohl alternativlos ist, wenn das ganze denn wirklich Zuhause klappen sollte.


    Gerne würde ich dir positiveres antworten, aber damit ist keinem geholfen. Ich habe mich übrigens mit dieser nahenden Veränderung angefreundet, vor allem auch daher, als das ich bereits kurz vor seiner Einlieferung ins Krankenhaus gemerkt habe, dass es so nicht mehr weiter geht. Es ist kein Zeichen von Schwäche die pflegerische Verantwortung abzugeben, ich würde sogar so weit gehen, dass es eine starke selbstbewusste Entscheidung ist. Je früher man diese trifft, desto besser wird allen geholfen, auch wenn dies zum jetzigen Zeitpunkt schwierig einzusehen ist.


    Ich wünsche die alles Gute!

    Liebes Team,


    gerne würde ich eine Frage stellen, auf die ich trotz recht umfangreicher Recherche keine zufriedenstellende Antwort gefunden habe. Vorab einige Erläuterungen:


    - Aufgrund der vorliegenden Situation, dass in der eigentlichen Wohnung nur ein WC mit Waschbecken zur Verfügung steht (Dusche und Wanne sind im Keller), habe ich den Einbau einer barrierefreien Dusche beantragt. Dieser wurde auch recht zügig genehmigt.


    - Den Einbau habe ich überwiegend in Eigenleistung vorgenommen. Ich möchte also in Kürze die entsprechenden Rechnungen bei der Pflegekasse einreichen.


    - Nun haben sich beim Einbau natürlich einige neue Herausforderungen ergeben: Damit die Dusche barrierefrei ist (Abstandsflächen!) ist es unumgänglich, das WC etwas zu versetzen. Gleiches gilt für das Waschbecken.


    - Der Einbau der Dusche ist abgeschlossen, die Versetzung von WC und Spülstein sind praktisch noch nicht so dringend, da er noch beweglich genug ist, soll(t)en aber zeitnah erfolgen.


    - Nun kam es im Nachgang eines Krankenhausaufenthaltes zur Kurzzeitpflege und seitdem auch zu häufigen Schwindelattacken in Verbindung mit Stürzen, sodass es zurzeit so aussieht, als würde es nach der KZP in die stationäre Langzeitpflege übergehen.


    - Welche Auswirkungen hat dies nun auf den Bescheid der Pflegekasse und die Kostenübernahme?


    Bei der Beantragung war nicht abzusehen, dass es so kommen wird und es wurde ein Verbleib in den eigenen vier Wänden angedacht.


    Muss ich hier mit Problemen oder Versagung der Kostenübernahme rechnen?


    LG


    -

    Liebe Alfi,


    ich denke ein 2-Wochen-Rhythmus klingt super. Auch dein Wunsch Transparenz zu schaffen, kommt mir bekannt vor. Nicht nur jetzt bei seltsamen Verhaltensweisen, sondern auch was den Alltag angeht. Während meine Großeltern immer große Geheimnisse um Krankenhauseinlieferungen und Co machten, informiere ich die Nachbarin mittlerweile eigentlich fast ungefragt. Blaulicht lässt sich des Abends gepaart mit Motorengeräusch in einer ruhigen Gegend schlicht nicht ignorieren und dass die Nachbarn ein Interesse daran haben, zu erfahren was passiert ist, hat für mich nichts mit (negativ von meinem Opa gesehener) Neugierde zu tun.


    Er fragt immer: "Haben die schon was gesagt?"


    Haben Sie was gesagt, oder richteten mir Grüße aus, dann wollen sie mich doch nur ausquetschen. Gibt es nichts zu berichten, ist er erschüttert, dass es ihnen egal zu sein scheint. :/


    Wie auch immer, was ich damit sagen wollte ist, dass ich mich mit solch einer transparenten Vorgehensweise einfach besser fühle. Auch wenn ich oft festgestellt habe, dass es gar nicht so sehr nötig gewesen wäre. Schaden kann es ja dennoch nicht :)


    LG

    Liebe Alle,


    ich finde es durchaus beeindruckend, welche Besuchsintervalle ihr habt.


    Ich würde mich durchaus auch als Intensiv-Besucher (was Krankenhausaufenthalte angeht) bezeichnen, allerdings war ich in junger Vergangenheit auch schlichtweg erschöpft, so erschöpft, dass auch ein ruhiger Tag keine Besserung gebracht hat.


    Beim letzten Krankenhausaufenthalt meines Opas (ca. 2,5 Wochen) war ich genau ein einziges mal da. Hätte er nicht seinen Unterkiefer auf dem Esstisch vergessen, wäre ich wohl tatsächlich gar nicht hingegangen. Frei nach dem Motto, wenn was ist, dann wird sich schon jemand melden.


    Zukünftig möchte ich ihm natürlich wieder mehr zur Seite stehen, aber gerade da es mir selbst nicht so gut ging, machte es mir tatsächlich überhaupt nichts aus, durch Abwesenheit zu glänzen. Daher kann ich euch nur empfehlen, dass ihr bei negativen Gefühlen in Verbindung mit einem Besuch, einfach darauf verzichtet.

    Also von dem Gedanken dass das egoistisch sei, würde ich mich klar distanzieren. Egoistisch wäre für mich, wenn du ihr davon erzählst und sie dann mit ihren Emotionen ganz allein ließest. Klar, du willst sie durch das verheimlichen irgendwie beschützen, aber wenn du nun die Wahrheit sagst, auch um deine eigene psychische Gesundheit zu wahren, ist das nicht egoistisch.


    Ich finde aber dass beide Varianten gleichermaßen durch Argumente gut begründet werden können. Dies macht die Sache natürlich nicht einfacher.


    Es gibt gute Argumente es ihr nicht zu sagen, aber meiner Intention nach würde ich es ihr bei Gelegenheit eben doch sagen. Sei auf eine trauernde Reaktion vorbereitet, sei es aber auch auf eine völlig unerwartete Reaktion. Letztere könnte vll. sein, dass eine erste Trauerphase nach wenigen Minuten vorbei ist, oder sie dir schlicht nicht glaubt. Das ist leider das miese an der Demenz, manchmal scheint man genau das zu sagen oder zu tun, was einer Situation am zuträglichsten ist, anderntags ist es völlig egal, man stößt eh nur auf Ablehnung oder Ungläubigkeit.


    Gerade weil es dich auch belastet, würde ich hier nicht weiter mit viel Energie eine Lüge aufrecht erhalten. Zumal ja auch die Möglichkeit besteht, dass sie auf Umwegen davon erfährt. Wenn sie dann noch wirklich so klar denken kann, wie du es dargestellt hast, wäre der Ärger natürlich nochmal anders.

    Hallo Dennis,


    auch von mir meine aufrichtige Anteilnahme vorab!


    Es ist schwierig, denn so wie deine Oma vergisst, dass sie schon nach deiner Mutter gefragt hat, ist es natürlich nicht auszuschließen, dass sie diese traurige Nachricht ebenso vergisst. Da klingt es meiner Meinung nach einfacher zu wiederholen, dass sie auf Kur ist, als stattdessen immer wieder diese weitaus traurigere Geschichte zu erzählen - zumal ja immer auch wieder eigene Emotionen + mögliche Rückfragen ihrerseits aufkommen.


    Da es dich aber scheinbar (zu recht!) sehr beschäftigt, wünscht du dir ja wahrscheinlich einen Rat. Ohne dass ich jetzt deine genauen Umstände kenne, würde ich dazu tendieren es zu riskieren und es ihr sagen.


    In etwas anderer Konstellation kenne ich die Gefühle dabei. Von Zeit zu Zeit vergisst mein Opa, dass meine Oma nicht mehr ist. Ich reagiere darauf dann unterschiedlich. Manchmal erinnere ich ihn vorsichtig, worauf er dann einsichtig ist - was aber auch nicht heißt, dass er in 15 Minuten nicht wieder fragt wo sie ist.


    Kürzlich im Krankenhaus meinte er sie läge gegenüber. Mein Hinweis sie "sei nicht mehr" ging irgendwie unter und kaum zwei Minuten später plante er einen Besuch. Da wurde sie dann eben auf die Chirurgie verlegt. Da sie im selben Krankenhaus mal ein neues Knie bekam, war diese Antwort in dem Moment scheinbar die beste und seine Gedanken in dieser Hinsicht verstummten.


    Was ich damit sagen will ist, dass manchmal einfach die Situation entscheiden sollte, was du ihr sagst und was nicht. Vielleicht. ist ja die Art. und Weise wie sie in der Vergangenheit mit Todesfällen umging, eine gute Hilfe. War sie extrem emotional und niedergeschlagen, würde ich dann vielleicht doch wieder in Richtung Notlüge tendieren.


    LG und alles Gute!

    Hallo Melody,


    da ich nicht alle Details eurer Situation kenne, kann ich dir natürlich nicht garantieren, dass alles so stimmt wie ich es sage.


    Zum Thema Unterhalt: Ist dein Vater dir oder deiner Schwester noch zu Unterhalt verpflichtet? Da du schriebst du arbeitest bereits, glaube ich, ist er es dir gegenüber nicht mehr. Möglicherweise aber ggü. deiner jüngeren Schwester, vor allem dann, wenn diese noch in der Ausbildung oder im Studium ist. Dann wäre diesbezüglich wohl das Jugendamt der richtige Ansprechpartner.


    In Bezug auf deine Mutter habe ich gerade auch nochmal gegooglet. Verliere hierbei keine Zeit, fordere ihn im Namen deiner Mutter zur Zahlung auf. Bleibt diese, wie ja leider zu erwarten ist, aus, musst du einen Antrag beim zuständigen Familiengericht an deinem Wohnort stellen. Stellt dieses die Ansprüche fest und er weigert sich dennoch, so tritt der Staat hier in Vorleistung. Der Staat würde dann auch versuchen das Geld von ihm einzutreiben, allerdings hättest du damit dann nichts am Hut.


    Ich wünsche dir viel Kraft!

    Liebe Melody,


    erstmal auch von mir mein Mitgefühl, es wird definitiv viel Kraft und Energie von dir fordern, zumal du ja schilderst, dass die Pflege deiner Ma nicht die einzige Baustelle ist.


    Buchenberg hat schon viele wichtige Dinge benannt, ich versuche mal zu ergänzen.


    Also zunächst bin ich mir ziemlich sicher, dass die jetzige Rente und auch eine spätere Altersrente auch in der Türkei bezogen werden kann. Soweit ich weiß müssen Bezieher einer deutschen Rente im Ausland in regelmäßigen Abständen einen Lebensnachweis liefern, aber dies sollte machbar sein.


    Die Reaktion deines Vaters ist natürlich überhaupt nicht hilfreich. Ich kenne natürlich nicht all eure Details, aber als (so nehme ich an) Ehemann deiner Mutter, kann er zwar damit drohen, aber einfach aus der Verantwortung stehlen kann er sich nicht. Wenn er euch so sitzen lässt bzw. damit droht, dann würde ich ebenso knallhart darauf reagieren. Im schlimmsten Fall kann das eine Klage sein, ausbleibenden Unterhalt zu dem er wahrscheinlich verpflichtet ist, kann man auch hilfsweise vom Jugendamt, der Familienkasse (hier bin ich unsicher) erhalten, diese kümmern sich dann später darum, dies von ihm zurückzuholen.


    Eine wichtige Frage die du dir außerdem noch stellen solltest ist, ob die Familie deiner Ma denn auch gewillt ist sie zu pflegen.


    Was die Vollmacht angeht würde ich behaupten, dass diese zumindest in Deutschland ihre Gültigkeit behält (sprich die Rente betreffend etc.). Zur türkischen Rechtslage kann ich leider nichts beitragen.


    Ich wünsche dir alles Gute!

    Hallo Schmiddi,


    erstmal ein herzliches Willkommen von mir.


    Der geschilderte Zusammenbruch ist nur menschlich, so oder so ähnlich ging es mir und vielen anderen hier auch schon ein- oder mehrmals. Aber ich würde es auch als eine Art Hilfeschrei sehen, denn das die Situation dich belastet ist ja klar - und absolut nachvollziehbar.


    So wie du von deiner Tante schreibst, nehme ich an, dass sie keine Kinder hat? Wenn doch, kannst du diese nicht mit ins Boot holen?


    Das dir deine Tante scheinbar viel bedeutet, macht die Sache natürlich nicht einfacher. Allerdings musst du versuchen einzusehen, dass du nicht überall gleichzeitig sein kannst. Selbst habe ich damit keine Erfahrungen, aber nachdem was ich hier bisher gelesen habe, wäre der sozialpsychiatrische Dienst ihrer Heimatstadt eine Anlaufstelle, sollte es tatsächlich soweit kommen, dass sie aus der Kurzzeitpflege fliegt.


    Aus meiner Perspektive kann ich dir außerdem raten, auch mal resolut zu sein. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, wäre ich dies wahrscheinlich schon viel früher gewesen. Mein Opa wusste zwar nicht mehr so genau was er will, dafür aber was er nicht will. Dies mündete dann in einen zwangsweisen Psychiatrieaufenthalt, der für alle Beteiligten eigentlich sehr nützlich war (Diagnose, Medikamentöse Einstellung, Ruhe für sich selbst).


    Das klignt im ersten Moment alles sehr schlimm, aber schon wenige Tage danach wusste er gar nicht mehr genau wo er überhaupt war, geschweige denn wie er dort hin gekommen ist. Heute erinnert er sich gar nicht mehr daran, demnach sind auch die Vorwürfe von damals vergessen.


    LG

    Hallo Herr Hamborg,


    in der Tat hat er sich erholt, wenngleich wieder die altbekannten teils krassen täglichen Schwankungen zu beobachten sind.


    Was die von ihnen erwähnte Risikoabschätzung angeht, bin ich höchst unsicher. Es kommt immer wieder vor, dass er mir oder auch dem Pflegedienst gegenüber den Wunsch äußert, doch endlich "geholt zu werden". Eine konkrete Absicht dies selbst hervorzurufen, aber bisher nicht. Letztlich habe ich spitze, scharfe,... Gegenstände aber auch wegen der immer wieder geäußerten Drohung "Wenn ..., dann zerstech ich euch die Reifen/zerkratze euch das Auto" entfernt. Da ich ihn generell als eine Art "Die-Gelegenheit-war-günstig-Typ" einschätze (v.a. was weniger schwerwiegende Dinge angeht), bleibe ich wohl eher dabei.


    Sicherlich hat auch dies dazu geführt, dass er bspw. mit einem Tortenheber Schrauben lösen will und nun noch mehr jede Gelegenheit nutzt, um Scheren, Gartenwerkzeuge und Co. an sich zu nehmen und zumindest versucht zu nutzen (ob sinnvoll oder nicht).


    Die Medikamenteneinnahme ist durchwachsen. So ist er dem PD gegenüber oft recht freundlich, aber oft finden wir Tabletten (mal ganz, mal teilweise) im Müll, neben der Toilette usw. Dies liegt nicht an mangelndem Einsatz, denn er ist durchaus in der Lage die Tabletten unterm Gebiss zu behalten und ist auch nicht verlegen die Tabletten blitzschnell auszuspucken, wenn sich ein Blick auch nur kurz von ihm abwendet. Die Kamera beweist dies eindeutig, aber selbst mit diesem Beweis leugnet er vehement dies zu tun.


    Das Bedarfs-Psychopharmakon habe ich bisher selten genutzt. Wenn er es aber, wie am letzten Samstag, wirklich einnimmt, entfaltet es eine gute Wirkung. An besagtem Tag war er kaum zu bändigen und schlief schließlich fast durch.


    LG

    Dann macht es mich richtig traurig, dass ich ihr nicht mehr geben kann, weil ich gerade so anhaltend erschöpft bin.

    Liebe Grüße an alle

    Liebe Rose,


    dieses Gefühl kenne ich aus einer etwas anderen Perspektive. Kaum habe ich mich auf weitere Krawalle und Vorwürfe eingestellt, ist der Opa plötzlich voll des Lobes und mir tut es wieder total leid, dass der Keller abgeschlossen ist, oder er ein vernünftig scharfes Messer vermisst und traurig fragt, womit er denn einen Apfel schneiden könne.


    Dass dich das traurig macht verstehe ich, aber ich möchte dich daran erinnern, was du über lange Zeit geleistet hast. Ich hoffe, dass du das verinnerlichst und trotz der Traurigkeit die damit verbunden ist, dankbar für diesen Moment sein kannst - ohne dass du dir in irgendeiner Form Vorwürfe machst.


    Ich habe spätestens seit letztem Wochenende gemerkt, dass ich auch äußerst erschöpft bin. Am Sonntag habe ich groß sauber gemacht und die Medikamente gestellt. Montag noch groß eingekauft und mich seither rar gemacht. Ich habe fast schon das Verlangen sofort hin zu fahren, aber ich weiß, dass ich es zumindest noch für kurze Zeit nicht tun sollte. Es ist wirklich schwierig hier eine gute Balance zu finden...

    Hallo Frau Spengemann,


    auch ich kann zu unserem Telefoninterview überwiegend positives berichten. Die Gutachterin war sehr empathisch und das Gespräch war wirklich angenehm. Meine Oma, um die es damals ging, wurde wider erwarten gar nicht befragt. Als ich nach unserem Gespräch fragte, ob sie noch mit ihr sprechen möchte, sagte sie es müsse nicht sein, denn schließlich sorge dies nicht dafür, dass sie sich an diesem Tag besser fühle.


    Ganz allgemein war ich zufrieden, allerdings war ich damals sehr aufgeregt und hatte das Gefühl trotz umfangreicher Vorbereitung nicht alles erwähnt zu haben, was ich erwähnen wollte. Eine Höherstufung erfolgte (PG 2 auf 3), allerdings erhoffte ich mir damals den Pflegegrad 4.


    Nach einem Widerspruch und der Einreichung eines detaillierten tabellarischen Pflegetagebuches wurde aber schließlich ohne weitere Prüfung der PG 4 .


    Da sie von strukturiertem Telefoninterview sprechen würde ich lediglich anmerken, dass mir als recht unvorbereiteter und neu auf dem Gebiet der Pflege vertretenen Angehörigen nicht wirklich klar war, wie die Struktur eines solchen Interviews aussehen sollte - wenngleich ich grundsätzlich positiv dazu eingestellt bin.


    Was mir wichtig wäre, ist die klare Adressierung an Pflegebedürftige UND pflegende Angehörige und die Wichtigkeit der Teilnahme. Würde bspw. mein Opa allein interviewt, so könnte er sicherlich seinen Standardsatz, dass er alleine wohne und sich ja auch noch komplett selbst versorgt, überzeugend rüberbringen. Der Realität entspricht dies natürlich überhaupt nicht.


    LG

    Liebe Rose60 ,


    ganz allgemein schließe ich mich den vorherigen Antworten an.


    Ich denke du hast generell ein gutes Gespür dafür, was nötig ist - so auch bei diesem aktuellen Plan.


    Du hast dir eine solche Auszeit definitiv verdient. Wobei sie dir auch ohne deine unermüdliche Unterstützung zustände.


    Meine Empfehlung: Suche schon bald nach passenden Möglichkeiten. Es muss ja nicht gleich morgen losgehen, aber vielleicht peilst du einfach den Spätsommer an?!


    LG

    Hallo Herr Hamborg,


    vielen Dank für ihre Worte.

    Die sogenannte "symmetrische Eskalation" - das gegenseitige Hochschaukeln, kann genau dazu führen, was Ihnen Ihr Großvater vor Fremden unterstellt.

    Allerdings eine Rückfrage: Den ersten Teil des Satzes kann ich noch nachvollziehen, beim zweiten bin ich unsicher. Falls Sie die Zeit finden, würde ich mich sehr freuen, wenn sie darauf nochmal kurz eingehen könnten.


    Ihr Karthasis-Beispiel klingt einleuchtend. Wobei ich in der Vergangenheit bereits feststellen konnte, dass in einer eskalierten Situation, ein sagen wir mal, unerwartetes Verhalten meinerseits, diese auch wieder entschärfen konnte. Konkret meine ich damit, mir die Ohren zuzuhalten und durch laute Geräusche zu demonstrieren "Ich höre dir nicht mehr weiter zu". Dies mag sicherlich auch kindisch klingen oder sein, aber in Kombination mit einem Sich-Entfernen war es durchaus wirksam. Geplant kam es aber bisher nie dazu, es war mehr oder weniger auch eine Reaktion aus der Hilflosigkeit heraus.


    LG

    Vielleicht könntest du mal an einem Kochkurs teilnehmen, das wäre auch für deine Selbstbestimmung und für deine Gesundheit nützlich. ;)

    Haha, sicherlich nie ne schlechte Idee... Obwohl es bei mir eher an der Lust, denn am Können liegt. Aber wie auch immer, da ich vor zwei Tagen das erste Mal etwas größere Mengen an Gemüse aus dem Garten ernten konnte, schreien diese natürlich danach verarbeitet zu werden. Ich werde mich also mal an einem Gemüseeintopf á la Oma versuchen, der uns beiden wohl noch gut in Erinnerung ist :)

    Buchenberg danke für deine Antwort, damit kann ich etwas anfangen.


    Was deine Frage angeht: Samstags und Sonntags kocht mein Vater (meist. bleibt was für Montag übrig), ansonsten bringe ich oder die Nachbarn Gerichte aus der nahen Krankenhauskantine mit, gelegentlich koche ich auch mal und ansonsten gibt es Dosensuppen oder Fertiggerichte. Wenn er nicht möchte, dann gilt die Devise "dann eben Kuchen" (etc). Mit Snacks sind v.a. Erdbeeren und Weintrauben gemeint. Während der Saison ist es keine Seltenheit dass 500 g schneller weg sind, als man seinen Augen traut.


    Seine Frühstücksgewohnheit, ein normales Brötchen in eine Tasse Milchkaffee zu tunken, fand ich schon immer etwas schräg, aber vielleicht kommt uns diese Angewohnheit zumindest im Hinblick auf die Selbstständigkeit nun auch etwas entgegen.

    Hallo Rose60,


    während ich meine Antwort an Buchenberg geschrieben habe, warst du wohl auch gerade am tippen, sodass du diese gar nicht einbeziehen konntest.


    Auch dir ein "Danke" für deine Worte! Einiges von dem, was ich soeben geschrieben habe, hätte ich so wahrscheinlich auch dir geantwortet. Dennoch versuche ich hier und da noch konkreter auf deine Fragen/Denkansätze einzugehen.


    Was die Dauer der Bereitschaft ihn zu Pflegen angeht, bin ich selbst noch unschlüssig. Vor über einem Jahr habe ich mich ja vor allem wegen meiner Oma dazu entschieden, erst einmal ganz für sie da zu sein. Da ich damals gerade mit der Uni fertig war, war das auch kein Problem. Die Pflege der Oma war definitiv anders, sie war deutlich anstrengender und hätte Buchenberg seine Frage wie die Pflege organisiert ist zu ihr gestellt, hätte ich hier eine überzeugendere Antwort gehabt. Wir hatten schnell eine gewisse Routine. Anders als bei meinem Opa spürte ich auch eine tiefe Dankbarkeit, sodass ich zwischendurch auch mal sagte, sie müsse sich nicht für jeden Handgriff bei mir bedanken. Prinzipiell kann ich mir vorstellen es (vorerst) ohne Zeitlimit weiter zu machen, wobei ich aber definitiv Aus- und Ruhezeiten für mich finden muss (zB Kurzzeitpflege). Gleiches gilt für weitere Hilfen, sei es nun durch einen Pflegedienst oder Essen auf Rädern.


    Glücklicherweise haben mir Freunde in der letzten Zeit mit den größeren Baustellen im und am Haus geholfen, sodass ich etwas Luft zum atmen hatte. Auch die 6 Wochen die er in der Psychiatrie verbrachte, fühlten sich trotz der vielen Arbeit dort, wie Urlaub an.


    Was sein Verhalten angeht, muss ich noch einen Weg finden. Wenn es mich auf direktem Weg trifft, komme ich damit recht gut zurecht. Was mir zusetzt sind eben seine Anschuldigungen gegenüber Dritten (Schläge, Diebstahl, Betrug, Beleidigung,...). Ich weiß ja, was ich (nicht) gemacht habe, aber da er ja zwischendurch noch durchaus normal wirkt, habe ich immer wieder das Bedürfnis mich bei diesen Personen dazu zu äußern, obwohl ich darauf eigentlich keine Lust habe.


    Ein point-of-no-return wäre sicherlich, wenn er längerfristig klar erkennbar verwahrlost und sich gleichsam vehement gegen Hilfe wehrt. Außerdem wüsste ich nicht, wie ich reagieren würde, wenn er seine Drohungen mich zu schlagen, dann doch mal in die Tat umsetzt. Auch wenn ich auf seine Drohgebärden weiterhin mit der Antwort "Denk dran, wenn du mir eine gibst, gibt es eine zurück" reagiere, so möchte ich dies eigentlich nicht.


    Ich weiß natürlich, dass er für vieles nichts kann, aber ich merke auch, dass die Wut der letzten Woche eine andere Qualität bekommen hat. Das er, bis auf wenige Ausnahmen, für nichts und niemanden ein "Danke" übrig hat. (EDIT: , macht die Sache natürlich nicht besser)


    (Interessant ist übrigens, seit dem wir uns vom Montag an wieder "gut" verstehen, versucht er bei jeder Gelegenheit bei mir über die Nachbarn herzuziehen. Jene zu denen er sonst immer hinging, wenn er nicht weiter wusste und die sich nun wirklich nichts haben zu Schulden kommen lassen.)


    Finanziell wäre ein Heimaufenthalt glücklicherweise problemlos machbar. Bisher dürften ethisch/moralische Überlegungen eine Rolle gespielt haben, allerdings merke ich, wie ich mich dem Gedanken immer mehr öffne - glücklicherweise sind ich und mein Vater uns in dieser Frage relativ einig.


    LG


    P.S. So richtig scheint er sich an den Rauswurf von eben nicht zu erinnern. Immerhin sperrte er sich nicht gegen die Tabletteneinnahme. Er hat sich nun nochmal hingelegt...