Beiträge von Sabine67

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    Guten Morgen,

    Diesen Thread habe ich erst gestern entdeckt und erkenne mich in so vielen Geschichten wieder. Auch ich war happy damit, den Abwertungen und Lieblosigkeiten meiner Mutter über Jahrzehnte an einem anderen Ort entkommen zu sein. Besuche bei meinen Eltern waren erträglich, weil ich immer 2 Std mit meinem Vater ohne meine Mutter im Wald unterwegs war. Daher reduzierten sich die Begegnungen mit meiner Mutter auf wenige Momente...


    Nun habe ich das Gefühl, wie es schon andere beschrieben haben. Es wird nicht nur alles frisch aufgekocht, sondern auch noch Öl nachgegosssen. Leider sehe ich im Moment noch nicht den Weg, den Kontakt zu ihr abbrechen zu können, weil ich immer noch viele Dinge, die meinen Vater betreffen, absprechen muss. Mittlerweile endet jedes Gespräch damit, dass meine Mutter irgendwann den Hörer aufknallt. Und ich danach mich für einen Moment wie vergiftet fühle. Mit Herzrasen und Wut im Bauch. Zum Glück geht das schnell wieder weg...


    Der Kopf sagt mir klar, dass auch sie krank ist. Wahrscheinlich ahnt sie gar nicht, was sie mit ihrem Verhalten und Anmerkungen bei mir, aber auch bei meinem Vater anrichtet. Ich würde es gerne etwas weniger emotional hinkriegen. Aber dazu braucht es wohl noch einen langen Weg mit therapeutischer Hilfe.


    Die Erkenntnis, dass ich selbst Opfer von psychischem Missbrauch in meiner Kindheit wurde, kam tatsächlich erst jetzt durch die Erkrankung und den Akutzustand meines Vaters. Und allein das ist schon so hilfreich. Und trotzdem schmerzhaft...


    Zum Glück! Ich habe ein tolles Verhältnis zu meinem Sohn, weil ich es einfach als Mutter so viel besser machen wollte (ist mir wohl irgendwie geglückt). Und das besonders innige Verhältnis zwischen mir und meinem Vater ist auch etwas Positives. Er hat die vielen Boshaftigkeiten meiner Mutter mit viel Liebe für mich kompensiert (bei meinen Schwestern hat das leider nicht funktioniert und sie sind daran zerbrochen).


    Und ich bin happy über dieses Forum. ☺️

    Liebe Grüße

    Sabine

    Liebe Rose60,

    den Hinweis mit dem Brief finde ich eine sehr gute Idee. Ich hatte erst einen sehr ausführlichen Bericht für den Antrag formuliert. Mich dann doch für eine Kurzfassung entschieden. Vieles muss ich persönlich erklären. Dennoch ist es sicherlich sehr hilfreich (auch für die eigene Strukturierung der Geschehnisse, Gedanken und Erwartungen) alles aufzuschreiben.


    Bei dem Termin mit dem Neurologen will ich unbedingt dabei sein. Der Pfleger wusste noch nicht mal die richtige Diagnose. Er meinte mein Vater hätte eine Schizophrenie. Als ich meinte, dass wäre mir neu, hat er die Krankenakte aufgerufen. Da stand schizophrene Sympotome, die gibt es als Folge der Demenz. Aber Schizophrenie ist ja ein eigenes Krankenbild...


    Weitere Psychopharmaka will ich unbedingt vermeiden. In der Nähe des Wohnorts meiner Eltern gibt es ein Hotel für Demenzerkrankte und Angehörige. Einschl. Tagespflege. Vielleicht kann ich ihm und mir dort eine Auszeit gönnen (und Zeit gewinnen).


    Liebe Grüße

    Sabine

    Liebe Mauerflower.

    Ja die Demenz wurde vor etwa 3 Jahren diagnostiziert. Vor 6 Jahren haben meine Eltern sich gegenseitig bevollmächtigt in allen Belangen und mich als Ersatzbevollmächtigte benannt. Daran ist nicht zu rütteln.


    Meine Mutter wird es als Strafe ansehen und mein Vater will vor allem keine Konflikte. Das verstehe ich, aber ich sehe keinen anderen Weg.


    Ich habe beim Betreuungs Verein in meiner Stadt angerufen und Rat eingeholt. Da war eine sehr nette Frau und sie hat mir dazu geraten, den Antrag bei Gericht zu stellen.


    Zweifel bleiben. Es ist eine krasse Intervention von mir. Mein Vater hat es bei klarem Verstand beschlossen, dass die Vollmacht bei meiner Mutter liegt... Gilt es nicht auch, dies zu respektieren und zu akzeptieren? Darüber habe ich viele Stunden nachgedacht. Und komme doch zu dem Schluss, intervenieren zu müssen. Weil ich keine Ruhe finde, bei der Vorstellung unter welchen Bedingungen mein Vater im Moment leben muss. Und auch die Belastung und Überforderung meiner Mutter sehe.


    Liebe Grüße

    Sabine

    Vielen Dank für die vielen guten und lieben Gedanken.


    Soeben kehre ich sehr deprimiert vom Besuch meines Vaters zurück. Er ist total unglücklich mit dem Verhalten des Mitbewohners. Bei dem Mitbewohner ist die Demenz deutlich weiter voran geschritten. Er läuft wohl häufiger nackt durch Zimmer und pinkelt auf den Boden...


    Das Pflegepersonal kommt ständig ohne anzuklopfen ins Zimmer. Privatsphäre gleich Null. Mein Vater ist sehr deprimiert über die ganze Situation. Der nur seltene Kontakt zu seiner Frau macht ihm zusätzlich zu schaffen. Ich sprach heute mit dem Leiter des Wohnbereichs, der meint, man müsse da wohl mehr Antidepressiva geben... Ich rufe oft im Wohnbereich an und frage wie es meinem Vater geht. Dann heisst es immer, alles prima.


    Ratlose Grüße in die Runde.

    Sabine

    Vielen lieben Dank für die lieben Worte und das Mut machen. Ich bin ganz gerührt von eurer Anteilnahme.


    Ich habe nun so lange über diesen Schritt nachgedacht und heute bis kurz vor 18.00 Uhr gewartet zur Post zu gehen. Immer wieder die nagende Frage, ist es das Richtige, was ich tue. Aber jetzt ist der Brief an die Betreuungsstelle beim Amtsgericht unterwegs. Und es fühlt sich richtig an.


    Wie sehr überfordert meine Mutter ist, wurde mir gestern noch mal sehr klar vor Augen geführt. Ich habe gefragt, wer denn jetzt die ärztliche Betreuung meines Vaters übernimmt. Der langjährige Hausarzt oder der Heimarzt. Antwort: Das weiß ich nicht und ich kann mich darum auch nicht kümmern. Kommst du mit dem Papierkram klar? Brauchst du Hilfe? Antwort: Auf meinem Schreibtisch ist ein großes Durcheinander. Ich habe den Überblick verloren.


    Sie hat meinen Vater in das letzte Mal vor 10 Tagen besucht und sagt auch, sie schafft es im Moment nicht...


    So kann es natürlich nicht weitergehen. Deshalb denke ich, ich habe das Richtige getan habe und hoffe jetzt, dass die Betreuungsstelle die Sache auch so sieht.


    Liebe Grüße

    Sabine

    Schmunzeln... Ja. Zuweilen sind die Gespräche bizarr. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem mein Vater den ganzen Tag über seine Beerdigung sprechen wollte. Gibt es eine Grabstelle? Wurde schon ein Sarg ausgesucht? Wie wird der Stein? Ist der Pastor bestellt (mein Vater ist 1965 aus der Kirche ausgetreten)? usw.... Er war nicht abzulenken und kam immer wieder auf das Thema zurück. Und schließlich fragte er: "Sag mal, die Beerdigung, war die denn eigentlich schon?"

    Nun habe ich mit Rat geholt von verschiedenen Stellen. Was die rechtliche Betreuung meines Vaters betrifft. Heute habe ich ein allerletzte Mal versucht, mit meiner Mutter zu sprechen. Mittlerweile beschwert sie sich über alle, die es gut meinen mit ihr. Und über meinen Vater, der sie mit Anrufen "belästigt".


    Es geht ihr sehr schlecht, sagt sie. Zum Arzt geht sie nicht. Sie tut mir auch leid, aber sie möchte keine Hilfe. Als ich ansprach, dass es meinem Vater auch nicht gut geht im Doppelzimmer (schlechte Stimmung mit dem Mitbewohner) und dass ich gerne noch mal Alternativen besprechen möchte, hat sie einfach aufgelegt.


    Sie ist überfordert mit allem und daher habe ich mich jetzt durchgerungen, beim Amtsgericht trotz Vollmacht eine rechtliche Betreuung prüfen zu lassen. Noch liegt der fertige Brief ans Gericht hier und es fällt mir sehr schwer, diesen Schritt zu gehen.


    Aber ich habe die Hoffnung, dass es sich zum Guten wenden könnte... Sie wird sicherlich im ersten Moment geschockt sein (auch wenn ich es schon angekündigt habe), aber vielleicht wird sie auch erleichtert sein, wenn ich ihr die Last abnehme... Ich kann es schwer kalkulieren.


    Alle sehen ihre Überforderung, aber sie will davon nichts wissen. So habe ich eine Doppelbaustelle. Depressive Mutter zu Hause, dementer Vater im Heim. Und mit diesem Problem ganz allein.


    Trotzdem denke ich oft, ich habe auch Glück im Unglück. Zumindest im jetzigen Zustand ist mein Vater immer noch ein zwar dementer, aber total liebenswerter toller Mensch. Er hat sich noch nicht ein einziges Mal wirklich beschwert über seine Lage. Er akzeptiert alles wie es ist. Selbst das Doppelzimmer. Auch wenn er sich dort sehr unwohl fühlt.. Bedankt sich überschwänglich für jede Zuwendung und Anrufe. Und gerade deshalb wünsche ich mir eine schöne Unterbringung für ihn, in der er sich wohl fühlt und es ihm gut geht. Dann kann er trotz Einschränkungen noch eine sehr gute Zeit haben.


    Dafür ziehe ich jetzt in den Kampf und werde zur Löwin 🐹.

    Liebe Grüße an Euch alle.

    Sabine

    Mit meiner Mutter ist kein vernünftiges Gespräch zu führen. Ich habe es in den letzten Wochen immer wieder probiert. Sie ist total abweisend und legt dann einfach den Hörer auf.


    Mein Vater ist überangepasst. Vielleicht vermittelt er ihr auch das Gefühl, es wäre soweit in Ordnung. Aber ich finde, egal was er sagt. Und gegenüber mir ist er vielleicht etwas offener. Man muss sich ja das Leben vorher betrachten und alles was ihm wichtig war... ein schönes Zuhause. Ganz viel Selbstbestimmung, gerne allein sein, trotzdem Geselligkeit und so weiter. Davon ist kaum etwas möglich. Auch wenn ich weiß, dass Bedürfnisse sich im Alter verändern. Mit Demenz ja sowieso...


    Er hat außer Kleidung, keine persönlichen Dinge dort. Meine Mutter findet selbst die eigene Bettwäsche überflüssig (weil da im Heim ist ja welche...). Die Möbel sind zusammengewürfelt. Stuhlbezüge fleckig! Ein krasses Downgrading nach einem Leben in Bauhausmöbeln und Eigenheim....


    Liebe Grüße

    Sabine

    vielen lieben Dank, für eure Kommentare. Das hilft mir ungemein weiter, und ich bin total gerührt dass ihr euch die Zeit nehmt für meine Probleme und mitdenkt.


    Ich komme an meine Grenzen. Ich versuche alles Mögliche, um die ungünstige Situation mit dem Zimmer und auch die schwierige Situation mit meiner Mutter, das heißt seltene Besuche und so weiter, zu kompensieren. Gestern habe ich einen tollen Tag für uns geplant... bin um 6 Uhr aufgestanden. Die 100 km mit der Bahn kosten mich von Tür zu Tür ein Weg über zwei Stunden... kein Thema.


    Dann habe ich meinen Vater abgeholt. Im Heim Bescheid gesagt, dass wir am Nachmittag wieder da sind. Das auch schon einen Tag vorher angekündigt wegen Mittagessen. Und dann war es sehr schön in der Stadt. Auf dem Markt haben wir sogar alte Bekannte getroffen. Waren Kaffee trinken und beim Friseur. Danach bei seinem Lieblingsitaliener. Und dann war es eigentlich vorbei mit schön. Ich hatte mein Handy leise gestellt. Aber durch die Vibration gehört, dass es pausenlos klingelte. Dann war die Polizei dran. Sie haben mein Vater schon zwei Stunden gesucht mit einer größeren Staffel.


    Leider hatte der Frühdienst verpasst dem Spätdienst mitzuteilen, dass mein Vater mit mir unterwegs ist. Dann gab es natürlich eine Aufregung. Die hat mein Vater mitbekommen und konnte dann auch das Essen gar nicht mehr genießen. Er hat dann zu mir gesagt, ach das machen wir nicht noch mal. Die möchten das vielleicht von dem Heim auch nicht, dass ich das Haus verlasse. Und dann hatte er ein schlechtes Gewissen, weil er sich nicht selber abgemeldet hat... ich habe ihm erklärt, dass wir nichts falsch gemacht haben und dass er auch das Haus verlassen darf, aber er war nicht mehr zu überzeugen.


    Damit war der Tag für uns gelaufen. Ich habe ihn dann zurückgebracht, er hat sich bei allen entschuldigt dass wir uns nicht an 100 Stellen abgemeldet haben. Eine merkwürdige Eigenschaft, den Fehler immer bei sich zu suchen. Vom Heim gab es eine laue Entschuldigung. Dabei hatten sie nicht nur uns in Aufruhr gebracht. Sondern die Polizei war sogar bei meiner Mutter zu Hause, weil sie ja das Telefon immer abstellt und nicht anders zu erreichen war. Und das Heim ist nicht auf die Idee gekommen, als erstes mal meine Handynummer anzurufen. Mein erster Kontakt war der mit der Polizei.


    Solange ich nicht weiß, dass mein Vater in einer halbwegs vernünftigen Unterkunft ist, komme ich nicht zur Ruhe... meine Arbeit leidet auch schon sehr darunter. Ich bin Vollzeit erwerbstätig in einer anspruchsvollen Tätigkeit und eigentlich nur noch ratlos.


    Liebe Grüße

    Sabine

    Ich danke Euch für die Kommentare.

    Auf einer Warteliste ist es schon. Aber das Heim entscheidet Einzelfallbezogen. Da mein Vater ein netter und unkomplizierter Bewohner ist, ist unklar, wann er an die Reihe kommt... Vorher war ein Bewohner fast ein Jahr dort in diesem Doppelzimmer.


    Zudem, wie schon in einem anderen Beitrag ausgiebig beschrieben, sind mir die Hände gebunden, da die Vollmacht bei meiner Mutter liegt und sie sich aufgrund ihres Alters überfordert fühlt, sich mit Alternativen auseinanderzusetzen. Und auch der Ansicht ist, dass man halt Kompromisse schließen muss im Alter. Sie will unbedingt, dass er in dem Heim bleibt, wo er jetzt ist (egal wie).


    Ich bin so traurig und deprimiert, dass mein Vater so "hausen" muss. Das Zimmer hat etwa 22 qm und bietet keinerlei Privatsphäre für zwei. Was auch für mich die Besuchssituation sehr beeinträchtigt. Es gibt zwar eine Wohnecke mit Sofa in einer Flurnische. Aber dort ist ein Lifter geparkt, was es sehr ungemütlich macht und eher wie eine Abstellfläche wirkt. Unter uns sind wir dann nur außerhalb des Gebäudes.


    Sehr schade. In der Kurzzeitpflege hatte mein Vater tagsüber gemalt (echt kunstvoll) und war ganz happy, dass ihm das noch so gut gelang und er damit eine schöne Beschäftigung hatte. Im Doppelzimmer möchte er nun nicht den gemeinsamen Tisch damit blockieren und hat die Malsachen wieder weggepackt :-(.


    Sehr deprimierte Grüße

    Sabine

    Liebes Forum.


    Wie schon mal an anderer Stelle beschrieben, lebt mein an Demenz erkrankter Vater (83) seit einigen Wochen im Pflegeheim, zunächst in der Kurzzeitpflege und jetzt seit zwei Wochen in einem Doppelzimmer. Während es ihm in der Kurzzeitpflege relativ gut ging und er ein eigenes Zimmer genoss, habe ich jetzt den Eindruck, dass er kognitiv ziemlich schnell abbaut. Er ist ganz unruhig in dem Zimmer. Weil er gar nicht weiß, geht jemand an meine Sachen, wie kann ich mich hier verhalten, fühlt sich der Mitbewohner gestört durch mich und so weiter... ich habe das Gefühl, er kommt gar nicht mehr richtig zur Ruhe.


    Ich habe mit dem Pflegepersonal gesprochen, sie haben insgesamt den Eindruck, die beiden Männer würden miteinander klarkommen. Aber mein Vater ist ein sehr harmoniebedürftiger Mensch, der schnell sagt, alles in Ordnung. Und dann mir sein Herz ausschüttet...


    Jetzt meine Frage. Gibt es Erfahrungen mit Demenzerkrankten in Doppelzimmern? Ist es vielleicht eine Frage der Gewöhnung und es wird besser? Mein Vater hatte vorher schon Schlafstörungen. Jetzt berichtet er, dass er gefühlt überhaupt nicht mehr schläft, wegen der fremden Person im Zimmer. Auch früher zu Hause hatten meine Eltern getrennte Schlafzimmer, so dass er eigentlich sein Leben lang gewohnt ist, alleine zu schlafen.


    Und ich bin wirklich besorgt, dass sich die Unterbringung im Doppelzimmer insgesamt sehr negativ auf seinem Gesamtzustand auswirkt und die Demenz verstärkt.


    Liebe Grüße

    Sabine

    Liebe Lillemor.

    Wie bei allen Medikamenten haben auch diese Mittel Licht- und Schattenseiten.

    Aus meiner Erfahrung mit gerontologischen Psychiatrie kann ich unterschiedliches berichten. Mein Vater wurde mit Wahnvorstellungen in die örtliche Klinik eingewiesen. Das war eine schlimme Erfahrung. Er wurde vollgepumpt mit Beruhigungsmittel. Zuerst habe ich mich gewundert, dass er ständig im Sitzen einschlief. Nach 2 Wochen konnte er kaum noch sprechen, kaum noch laufen und ich dachte schon, sein Ende naht. Besonders die Sturzgefahr ist enorm.


    Die Station war überbelegt und das Personal total überfordert. Die Patienten wurden sich mehr oder weniger selbst überlassen. Nach einem nächtlichen Sturz (drittes Bett im Zweibettzimmer ohne Klingel) hatte er Halluzinationen. Verdacht auf Hirninfarkt. Zum Glück ist ihm aber nichts weiter passiert. Ich hatte das Glück ihn dann relativ schnell in eine Uniklinik in der Nähe meines Wohnort zu verlegen.


    Dort teilte mir der Arzt als erstes mit, dass mein Vater die dreifache Menge an Beruhigungsmitteln von dem erhalten würde, was bei so einem alten Menschen noch vertretbar wäre. Und es ist ja selten, dass Ärzte sich zu Kollegen so kritisch äußern. Aber er meinte, dass wäre absolut unvertretbar. Aus Sicht der Ärzte dort, sollten zunächst alle anderen therapeutischen Ansätze ausgeschöpft werden und dann die Medikamentengabe beurteilt werden.


    Mit vielfältigen Therapieangeboten (Musik, Kunst, Psychotherapie) plus der streng überwachten Variation von Tabletten hat sich der Zustand meines Vaters von Tag zu Tag verbessert. Er ist jetzt, so weit ich das laienhaft beurteilen kann, gut eingestellt und hat keine Wahnvorstellungen mehr. Auch die sehr depressive Stimmung mit Suizidgedanken ist verschwunden.


    Mein Fazit: Ich würde ihn nie wieder in diese erste Klinik bringen, aber es gibt auch sehr gute gerontologolische Psychiatrien. Leider hat man nicht immer die Wahl...


    Ich wünsche Dir viel Kraft und vielleicht hilft das Medikament Euch beiden so schlimme Situationen, wie du sie erleben müsstest, etwas zu reduzieren.


    Liebe Grüße

    Sabine

    Liebe Coco,

    auch ich habe gelernt, wie wichtig es ist, Hilfe und Beratung in Anspruch zu nehmen. Es tut sehr gut. Am Alzheimer-Telefon sind tolle und kompetente AnsprechpartnerInnen, die sich Zeit für Deine Sorgen nehmen, mitdenken und Hilfestellungen geben. Mir hat es geholfen, zu erfahren, dass viele vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Davon ist noch kein Problem gelöst, aber es hilft gegen die Ohnmacht. Bei mir zumindest.


    Und deine Situation klingt mehr als herausfordernd. Ich wünsche Euch viel Kraft und gute Lösungen.

    Liebe Grüße

    Sabine

    Gestern Abend. Der tägliche Gute-Nacht-Anruf von mir bei meinem Vater. Um 19.30 Uhr. Er meldet sich fragend und voller Freude "G******?" (Name meiner Mutter). "Nein ich bin es, Deine Tochter."


    Er überspielt die Enttäuschung... Aber ich höre es. Mein Vater flüstert, weil der Zimmermitbewohner schon schläft. Erzählt von seiner "Schlafecke", in der einige wenige persönliche Dinge stehen. Bei "Schlafecke" schießt mir durch den Kopf, dass weder Krieg noch Klassenfahrt ist, dass es jetzt sein Leben ist und wie unwürdig ich das alles finde.


    Und dann habe ich nun diese Foreneinträge und die vielen guten Gedanken von euch. Ich kann alles nachlesen. Und mir mantra-artig vorbeten: DENK AN DICH. DU KANNST ES GERADE NICHT ÄNDERN. REIB DICH NICHT AUF. VERGEUDE DEINE ENERGIE NICHT FÜR UNERREICHBAR ZIELE.


    Und schon geht es mir etwas besser. Die Sonne scheint und ich werde einen großen Sonntagsspaziergang machen... Dazu bin ich seit Monaten nicht mehr gekommen.


    Liebe Grüße und allen einen schönen Sonntag.

    Sabine

    Liebe Molli.

    Auch dir nochmal lieben Dank für deine Gedanken. Ihr habt in allem Recht...


    In der Not kommen die ganzen alten Geschichten hoch. Ich schüttelte mich oft, weil ich richtige Flashbacks aus meiner Kindheit habe. Ungute Szenen in denen ich und meine Schwestern der psychischen Gewalt meiner Mutter ausgesetzt waren. Das kann ich aber durch eine vermeintliche Rettung meines Vaters nicht lösen, sondern nur psychotherapeutisch allein für mich. Auch das ist mir klar geworden.


    Liebe Grüße

    Sabine

    Auch wenn du es schaffst deiner Mutter einen "Kontrollbetreuer" aufzuzwingen, was eigentlich nur geht, wenn du ihr grobe Vernachlässigung nachweisen könntest, wird

    Es war die Hoffnung daran gebunden, dass eine neutrale Person meine Mutter bei der Ausübung der Vollmacht unterstützt und auch die Vorstellungen und Wünsche meines Vaters vertritt. Das geht, wenn es ausreichend Hinweise gibt, dass sie mit der Aufgabe überfordert ist. Hinweise gibt es hierzu viele... Aber es wird nichts besser machen. Das habe ich nun erkannt und dabei habt ihr alle sehr geholfen. DANKE

    Ja. Ich habe es erkannt. Es ist eine Sackgasse. Akt der Verzweiflung. Der letzte Eintrag von schwarzkater hat es gut auf den Punkt gebracht. Hilfe geht nur, wenn alle es wollen.


    Ich gehe jetzt in den Selbstschutz und halte mich so gut es geht raus. Beobachte und warte wie es sich weiterentwickelt. Auch wenn es schwerfällt, einen geliebten Menschen in so einer Pflegesituation sehen zu müssen. :|


    Bezahlt wird das Ganze übrigens von dem Geld meines Vaters. Und er würde es gerne für etwas mehr Luxus ausgeben... Ein gemeinschaftliches Konto gibt es nicht. Das ist aber jetzt auch egal.


    Ich danke Euch allen sehr für die hilfreichen Gedanken und eure Zeit für meine Sorgen. Toll, dass es dieses Forum gibt.


    Liebe Grüße an alle, ihr habt mir sehr geholfen.

    Sabine