Beiträge von Sabine67

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    Liebes Forum.


    Mittlerweile sind über sechs Wochen vergangen in der häuslichen Pflege bei mir hier. Mein Vater hat sich sehr gut erholt, depressive Phasen bleiben allerdings. In der vergangenen Woche sind wir einmal in die heimische Wohnung gefahren, weil meine Mutter Geburtstag hatte. Da habe ich noch mal gesehen, wie sehr mein Vater sein zu Hause vermisst. Und mit meiner Mutter ist nach wie vor kein Gespräch darüber möglich, wie so eine Rückkehr nach Hause gestaltet werden könnte. Bei dem Geburtstagsbesuch war sie eher distanziert bis mürrisch. Und wollte uns dann auch, nachdem der andere Besuch gegangen war, schnell wieder loswerden. Das ist schon eine bittere Erfahrung für meinen Vater.


    So vergeht Woche und Woche hier in K. und es ist noch nicht richtig ein Ziel in sich. Mittlerweile kommt zweimal in der Woche einen Besuchsdienst für 2 Std. und zweimal in der Woche geht mein Vater in die Tagespflege. Das klappt soweit ganz gut und auch der Alltag ist sehr gut zu bewerkstelligen, weil er alles noch eigenständig macht. In vier Wochen möchte ich wieder meine Berufstätigkeit zumindest in 50% Teilzeit aufnehmen. Aber das ist ja kein Zustand hier. Die Wohnung ist einfach nicht geeignet und auf Dauer geht das auch für mich nicht..


    Ich habe mich mal rechtsanwaltlich beraten lassen. Mein Vater hat natürlich ein uneingeschränktes Wohnrecht in seiner Wohnung. Aber wir brauchen ja Lösungen die auch lebbar sind. Wenn meine Mutter nach wie vor auf stur stellt, werde ich ihr die Alternativen präsentieren. Entweder Rückkehr in die gemeinsame eheliche Wohnung mit Pflegekräften oder in eine Eigentumswohnung im Haus.


    ... weiterhin ziemlich ratlos.

    Liebe Grüße Sabine

    Puh... Ein schwieriger Tag heute. Wie wechselhaft doch die Stimmungen sind. Heute war mein Vater den ganzen Tag über sehr depressiv. Er vermisst ein Zuhause und ist wütend, weil seine Frau nicht anruft und das Telefon einfach abstellt. Trotz aller Bemühungen konnte ich ihn nicht aus dieser depressiven Welt holen.


    Ich hoffe, dass der Tag morgen besser wird. Manchmal bin ich total ratlos und dann kommt zum Glück immer wieder ein Moment der Freude und ich besinne mich auf meine eigene Kraft. Wie lange die noch reicht?


    Liebe Grüße

    Sabine

    Liebe Stern.

    Lieben Dank für deine Antwort. Und ja die Zusatzbelastung durch meine Mutter ist schon sehr speziell... Eine Freundin meiner Mutter fragte mich neulich, war denn die Ehe so schlecht? Das kann ich gar nicht beantworten. Wahrscheinlich war es mehr Koexistenz als Ehe. Aber sicherlich gibt es schlechtere Ehen!


    Wenn ich meinem Vater mal den Rücken eincreme, merke ich, wie sehr er es genießt, überhaupt mal eine körperliche Zuwendung zu bekommen. Neulich hat er dann mal gesagt, ach das hat mir immer gefehlt, deswegen habe ich es mir hier und da mal geholt... Also irgendeine Art von Untreue war da wohl. Vielleicht sind es diese Verletzungen, die meine Mutter zu ihrem Verhalten bewegen. Ich weiß es nicht. Tiefer möchte ich da aber für meine Gedankenwelt nicht einsteigen...


    Vier Wochen sind überstanden und jeder Tag wird besser. Mein Vater erlebt es hier als sein Zuhause, das mit den Erinnerungen an seine alte Welt verschwimmt. Alle paar Tage ruft er meine Mutter an und redet über Unverbindliches. Bisher habe ich endlose Diskussionen mit ihm geführt, wie wollen wir deinen Lebensabend gestalten. Hinweise darauf, dass das hier alles nur ein Behelf ist. Ich mein eigenes Leben und Erwerbstätigkeit habe...


    Aber es führt ja zu nix als schlechter Stimmung. Er kann das ja gar nicht einordnen und sortieren. (war mir rational klar, aber ich konnte nicht anders.) Auch ich lerne von Tag zu Tag. Nun versuche Ich durchgehend unbeschwerte Tage zu ermöglichen. Damit geht es mir auch sehr viel besser... Alle Probleme muss ich eh alleine lösen.


    Je mehr ich die glücklichen Momente erlebe, die wir gemeinsam haben, desto weniger kann ich mir vorstellen, ihn in ein Heim zu bringen. Im Moment denke ich doch eher Haussuche und Alltag organisieren. Einige Angebote hatte ich schon mal angeschrieben und wir bekommen fast immer eine Einladung zur Besichtigung. Das stimmt mich schon mal positiv als Vater-Tochter-WG bei Vermietern nicht gleich aussortiert zu werden. Aber so ein Haus muss auch schon zu uns passen und mir genügend Freiräume lassen.


    Ich bemerke bei mir, dass ich viel entspannter werde und es als mein "Schicksal" annehme. Mein Leben jetzt ist ganz anders als zuvor, aber nicht schlecht...


    Ich bin selbst sehr gespannt wie es weitergeht.

    Liebe Grüße Sabine

    Liebe Stern.

    Vielen lieben Dank für deine Kommentare. Ich bin jedesmal so gerührt, dass ihr euch neben den eigenen Herausforderungen auch noch für mich Gedanken macht. Wie wertvoll!


    Besuchsdienst für zwei Stunden an zwei Tagen ist organisiert und beginnt nächste Woche.

    Meine Arbeitszeit kann ich im Rahmen der Familienpflegezeit reduzieren. Das hat Vorteile. Kündigungsschutz, Zuschuss zur Renten und Arbeitslosenversicherung. Der Vollzeitarbeitsplatz bleibt erhalten. Geht für bis zu 24 Monaten...


    Ich möchte ihm in der jetzt noch halbwegs guten Zeit ein Stück Lebensqualität ermöglichen. Ich habe schon alles durchgerechnet... Da der Pflegebedarf im Moment überschaubar ist (ich weiß, dass sich das jederzeit ändern kann), bräuchte ich eher eine Haushaltshilfe und Betreuungs Dienst. Dafür können wir monatlich 2. 500 Euro aufbringen. Mein Vater ist vermögend und das Geld sollte jetzt für einen halbwegs guten Lebensabend ausgegeben werden.


    Schlimm genug, dass meine Mutter ihm das im eigenen Haus verweigert und sich einfach nicht mehr meldet. Ich versuche das zu akzeptieren, aber die innere Wut kommt doch hier und da hoch. Wenn mein Vater weint, weil er nicht mehr in sein Haus darf, ist es besonders schlimm für mich...


    Liebe Grüße Sabine

    Ihr Lieben.

    Habt tausend Dank für eure wertvollen Gedanken...


    Lässt dein Vater nötige Pflege zu? Wenn ja, von wem und in welchem Umfang?
    Welche Art pflegerische Unterstützung ist möglich und welche Personen kommen infrage (das spielt auch eine große Rolle!)

    Durch mich ist die Pflege sehr unkompliziert. Er ist weitgehend selbstständig. Braucht nur Hilfestellungen bei Auswahl der Anziehsachen und Einstieg in die Dusche. Wie eh und je legt er viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Macht fast alles allein.


    Ist eine Pflege zuhause finanziell leistbar?
    Kannst du die von DIR verlangte Pflege leisten: körperlich, mental ...?

    Finanziell zum Glück kein Problem. Körperlich von mir leistbar. Mental bin ich mir nicht sicher... Die größte Herausforderung ist im Moment sein Kummer, nun mit 83 bei seiner Tochter als Gast leben zu müssen...

    Was würde sich dein Vater für sich wünschen, wenn er rational denken könnte und was wünscht er sich nun in seinem Zustand? Gibt es Diskrepanzen zwischen beiden?
    Was würde sich dein Vater für dich und dein Leben wünsche

    Er möchte gerne in seinem Zuhause leben. Er weiß aber auch, dass er sich schwer auf Fremde einstellen kann. Eine wirklich gute Lösung scheint nicht in Sicht...


    Eure Gedanken haben mir aber einen guten Hinweis gegeben. Ich gehöre zwar so gar nicht zur Fraktion "erstmal abwarten". Aber es ist ein guter Gedanke, dass man auch mal warten muss, bis sich neue Ideen entwickeln.


    Liebe Grüße Sabine

    Liebe Alle.

    Gespannt habe ich Eure Diskussion in diesem Thread verfolgt. Ob häusliche Pflege oder Pflegeheim hängt von unendlich vielen Rahmen- und Nebenbedingungen ab. Die keiner von außen beurteilen kann. Ich habe die lieben Ratschläge hier nie in die eine oder andere Richtung empfunden...


    Nun stehe ich selbst vor dieser harten Entscheidung. Denn so oder so bin ich ganz allein damit... Ganz allein heißt wirklich ganz alleine. Kein Partner oder Kinder oder alte Freunde, die unterstützen könnten. Und ich versuche mir vor Augen zu führen, was das eine oder andere für meinen Vater und mich bedeutet. Ich bin sein letzter Anker im Leben. In einem Heim hier in meiner Stadt wäre ich der einzige Besuch... Fremde Leute und fremde Stadt.. Stunden und Tage allein. Dabei hätte ich auch keine ruhige Minute. Ich könnte mir das Leid nicht mit ansehen. Heim in der anderen Stadt noch schrecklicher, weil dann noch seltener Besuche von mir möglich.


    Also Alternative. Ein schönes Haus mieten und alle erdenkliche Unterstützung dazu "buchen". Erwerbstätigkeit auf 50 Prozent reduzieren und ihm eine häusliche Umgebung bieten, so lange es geht. Mit einem Team aus professionellen Helfer*innen. Auch wenn ich weiß, dass der relativ gute Zustand jetzt vergänglich ist. Ich wäge ab, was sind meine Opfer und will ich sie erbringen? Ich habe jetzt eine sehr schöne Wohnung in einem wunderschönen Stadtteil. Einen tollen Job mit sehr gutem Einkommen. Freunde in der Nachbarschaft. Das alles gebe ich wirklich ungern auf, aber im Moment erscheint es mir wie die berühmte Entscheidung zwischen "Pest und Cholera".


    Trotz der Zukunftssorgen haben wir so viele schöne Momente. Und die Anstrengung der ersten Wochen rentieren sich. Er fühlt sich super wohl hier und genießt es, so umsorgt zu werden. So wird es nicht bleiben können, aber nach den schrecklichen Monaten im Heim war diese "besondere Kur" einfach nötig!!!


    Die zweimonatige Auszeit vom Job sind schon totaler Luxus und ich hoffe, wir kriegen uns bis dahin sortiert.


    Liebe Grüße

    Sabine

    Hallo Ihr Lieben!

    Nun wohnt mein Vater bereits seit 3 Wochen hier in meiner Dachgeschosswohnung. Wir kriegen die Treppen gut hin und finden einen guten Rhythmus im Alltag. Er fühlt sich wohl und aus seiner Sicht könnte das alles gerne so bleiben... Da komme ich dann doch immer wieder mit dem Realitätscheck um die Ecke. Ich erkläre ihm, dass er ein lieber Gast in meinem Leben ist, aber ein eigenes Zuhause braucht (und ich auch!).


    Neben der 24/7 Pflege habe ich zu wenig Zeit, für die Recherche und die Entwicklung von guten Ideen. Zurzeit bin ich ratlos... Hier kriegen wir es trotz Dachgeschosswohnung gut hin. Aber es kann und soll ja so nicht bleiben. Für 2 Monate nehme ich Pflegezeit mit 0% Arbeitszeit, danach müssen wir sehen. Meine Kraft ziehe ich aus den vielen schönen Momente, die wir im Alltag haben. Er ist doch noch sehr fit und wir können am großen Fluss ein gemeinsames Essen genießen. Ich würde so gerne unsere gemeinsame "Abschiedstournee" unbeschwert genießen. Aber das Thema "was wird..." ist immer präsent. Meine Mutter meldet sich kaum noch und ist auch für uns selten erreichbar. Aus ihrer Sicht war es meine Entscheidung, ihn aus diesem schrecklichen Heim zu holen. Entsprechend liegt nun die volle Verantwortung bei mir.


    Manchmal bin ich total verzweifelt und ratlos, aber dann geht es auch schon wieder und die Zuversicht kommt zurück...


    Liebe Grüße Sabine

    Ui. Was ist denn hier passiert? Ich habe Rose die ganze Zeit positiv und empathisch "genossen". Auch ich habe Reaktionen gelesen, die nicht immer dem Erhofften entsprachen. Dennoch sind es genau diese Hinweise, die den eigenen Standpunkt in Frage stellen. Dafür bin ich allen sehr dankbar. Denn nur das bringt eine*n nach vorn.

    Liebe Grüße Sabine

    Ui... Eine wahre Diskussionsexplosion. In den herausfordernden Situationen werden alle sehr dünnhäutig. Ich bin es auch. Und keine*r hier macht sich irgendetwas leicht. Das liest man in den Kommentaren. Die Zeit bis zum Lebensende muss zu dem zu Pflegenden passen. Aber auch zu denen, die in der Verantwortung stehen oder sich dort sehen. Da gibt es kein richtig oder falsch..


    Mein Vater hat sich hier in meinem "normalen" Leben wieder in einen Menschen verwandelt, den ich kenne. Er fühlt sich wohl, aber es ist eben eine vorübergehende Notfallsituation. Erstmal raus aus dem üblen Heim und rein in die Wohlfühloase... Eure Berichte über das Ankommen in einer Heimsituation nach anfänglichen Schwierigkeiten macht mir Hoffnung. Aber trotzdem bin ich so sehr traumatisiert von den Heimerlebnjssen der letzten Wochen, dass ich es mir kaum vorstellen kann, ihn dort nochmal hinzubringen. Trotzdem wirkt der Selbstschutz... Kein "mein Leben für Dein Leben!"


    Mein Vater darf noch ein bisschen hier bleiben, aber dann muss ich mein Leben weiter leben dürfen. Das versteht er auch... Im Moment sehen wir noch keine gute Lösung, aber ich bleibe zuversichtlich. "Et hätt no immer juut jegange" sagen die Leute hier in der Stadt mit der dicken Kirche. Ich hoffe es....


    Liebe Grüße

    Sabine

    Danke Ihr Lieben.

    Ihr habt sooooo recht.

    Rational ist es mir klar... Emotional tun sich Welten auf, die ich gerade angefangen hatte, psychotherapeutisch zu behandeln. Meine Mutter ist alt, aber der Verdrängungsmechanismus und das Wegducken vor Problemen ist genauso alt. Aber wie ihr schon richtig seht, vergeudete Energie, an dieser Stelle...


    Heute ist ein guter Tag. Mein Vater ist sehr zufrieden und wir freuen uns auf das sommerliche Wochenende...


    Liebe Grüße

    Sabine

    guten Platz für Ihren Vater finden, an dem Sie die "Kür" mit ihm leben können und die Einrichtung die "Pflicht".

    Ein schönes Bild. Der Sehnsuchtsort, nach dem wir suchen... Noch sind wir als Familiesystem immer wieder gefangen in alten Verhaltensmustern. Ich kann es (noch) nicht akzeptieren, dass meine Mutter jede Verantwortung für ihren Mann ablehnt. Da waren wir heute an einem erneuten emotionalen Tiefpunkt. Ich habe sie gefragt, was sie nun unternimmt, um eine gute Unterbringung zu finden. Antwort im bekannten Muster. "Ich kann nicht. Ich muss mich um mich kümmern." Das ist ja auch nachvollziehbar. Aber wir hatten es anders besprochen. Nunja... Man kann von keinem Menschen, etwas verlangen, was er nicht erbringen kann (oder möchte)...


    Trotzdem war ich so wütend und fühlte mich so allein gelassen. Kindheitsmuster. Ich bin quasi "ausgeflippt". Habe ihr gesagt, dass sie sich kümmern muss oder deligieren... Oder dass ich ihr den Vater vor die Tür setze... Dass würde ich natürlich nicht tun. Aber ich habe sie damit in Panik versetzt. Sie hat meinen Sohn, meine Schwiegertochter, meine beste Freundin und den Hausarzt angerufen. In der Angst, sie müsste nun den alten Mann zu Hause versorgen...


    Das wollte ich natürlich nicht. Und es tut mir sehr leid. Letztendlich bräuchte es wohl nochmal die Eskalation, um klarer zu sehen, dass keinerlei Unterstützung zu erwarten ist. Damit ist jeder Gedanke an eine Rückkehr in die Heimatstadt vom Tisch... An einer institutionellen Unterbringung geht kein Weg vorbei. Um ihn erträglich zu gestalten, muss er in meiner Stadt (die mit der dicken Kirche) sein, um eine enge Begleitung durch eine vertrauten Person in die nächste Phase der Demenz zu ermöglichen.

    "Hallo, ich bin die xxxx (Name) und bring das Frühstück.

    Vielen Dank für den Gedanken Anstoß. Ich frage auch zu viel. Manchmal bringt es allerdings auch Erfolgserlebnisse... Das ist das Fragen nach alten Geschichten oder Fachwissen, was sehr gut abrufbar ist. Aber die Frage "wo sind wir hier?" ist natürlich überflüssig. Morgen werde ich ihn mit einem "Guten Morgen in K***" begrüßen. Soviel besser!!!

    Tag 10. Mein Vater schwächelt ein wenig, ich denke es ist der Kreislauf, ansonsten läuft es wirklich gut. Allerdings merke ich, dass meine Kräfte etwas schwinden. Ich brauche dringend Entlastung und an Arbeiten ist nicht zu denken. Morgen werde ich mich zu Betreuungs Möglichkeiten beraten lassen und finde dann hoffentlich eine Übergangslösung. Wenigstens ein Stück von meinem schönen alten Leben möchte ich zurück.


    Sehr ermattete Grüße

    Sabine

    Liebe groundhog day .

    Herzlich willkommen im Forum. Du wirst hier auf viele Menschen treffen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Auch wenn jede einzelne Situation einzigartig ist.. Allein der Austausch tut sehr gut und man erhält super hilfreiche Tipps und Gedankenanstöße. Es ist oft der erste Schritt, sich hier anzumelden, auf dem Weg zu erkennen, dass man es alleine nicht schafft und auch nicht schaffen muss.


    Hast du schon einen Pflege-Dienst, der Dich stundenweise entlasten könnte? Oft hilft das "Durchschnaufen" zwischendurch. Erzähl gerne mehr, was Deine Herausforderungen sind. Und Du wirst hier viel Beistand erhalten.


    Liebe Grüße

    Sabine

    Die gute Phase mit meiner Mutter war kurz... Gestern hatten wir noch zusammen überlegt, ob wir meinen Vater nach Hause bringen, Pflegedienste organisieren usw. Das fühlte sich für einen Moment richtig an (auch weil mein Vater eine kleine Kreislaufstörung hatte und ich dachte, es wäre soviel besser mit vertrauten Ärzten in der anderen Stadt zu agieren).


    Heute morgen dann Gespräch mit meiner Mutter, wie es konkret aussehen könnte. Ich habe ihr gesagt, es geht nur, wenn ich das "Steuer" behalte und uns durch den Orkan navigiere. "ja klar" hat sie da noch gesagt. Dann habe ich konkreter nachgefragt, was ist der Plan, wenn Mobiler Pflege-Dienst nicht reicht, weil Z.B. die Nächte nicht mehr so ruhig sind wie bisher. Antwort meiner Mutter, "Ach wir können jetzt doch nicht alle Eventualitäten vorhersehen. Lass uns erstmal schauen." Da wusste ich schon, es funktioniert nicht.


    Ich habe ihr dann gesagt, wir müssen eine Mietwohnung im Haus dazunehmen. Platz und Zweitwohnung für mich und Rückzugsort. Später vielleicht Platz für Pflegekräfte... Oder Wohnung für meinen Vater mit Pflegekräften, wenn es notwendig ist. Von meiner Mutter kamen sofort Einwände, langjährige Mieter usw. (was nicht stimmt, weil in eine der Wohnungen eine Praxis ist, die gerade neu vermietet wurde.) Es endete im üblichen Streit...


    Im Gespräch wurde mir klar, sie wollte nur nicht an Ostern alleine sein. (Was ich verstehen kann, aber im Vergleich zu meiner derzeitigen Lebenssituation und der Schwere der Erkrankung meines Vaters in keiner Relation steht.)


    Wie gut, dass ich es erkannt habe, bevor ich einen großen Fehler gemacht hätte. Ich suche was Gutes hier in der Stadt mit der dicken Kirche... Alles andere ist nur ein weiterer Schritt auf diesem Horrortrip. Der endlich enden muss für mich.


    Nachdem meine Mutter in den letzten Tagen sehr zugewandt war, kam heute wieder das typische Muster. Telefon abgestellt und abgetaucht...


    So bin ich jetzt ganz allein mit meinem Vater in einer Dachgeschosswohnung und keinem Plan wie es für ihn und für mich (und meinem Vollzeitjob) weiter geht. Aber ich bin nicht mutlos... Ich genieße die Zeit der Nähe und da ich ein optimistischer und realistischer Mensch bin, bin ich auch sicher, dass wir durch den Orkan kommen, solange ich am Steuer bleibe... (im Sinnbild der Boote die hier im Forum schon mal erwähnt wurden).


    Liebe Grüße und schöne Ostern.

    Sabine

    Es mag sicher Demenz-WGs geben, die funktionieren. In der Metropole mit der dicken Kirche und dem Ziegenbock-Fußballclub stellt die zum Beispiel stadtnahe Wohnungsgesellschaft die Räumlichkeiten für 9 davon bereit.

    Ich bin da auch nachwievor hin- und hergerissen. Er wünscht sich natürlich Gemeinschaft, kann sich aber kaum noch auf andere einstellen (außer mir). Im Moment bin ich sein Universum. Manchmal, wenn er zufrieden ist, sagt er, ach so kann es bleiben. Und ich erkläre ihm dann, dass er hier ein lieber Gast ist und ich mein eigenes Leben habe. Es ist bei mir ein Selbstschutzreflex und natürlich überflüssig, immer ehrlich sein zu wollen.


    Ich beobachte, wie Welten verschmelzen. Das Elternhaus mit dem eigenen Haus. Die Ehefrau mit der Tochter. Die Stadt mit der groooooßen Kirche mit der anderen Stadt... So wichtig ist das Gewohnte, aber ich kann es nicht bieten. Trotzdem fühlt er sich wohl hier und das ist das Einzige was ich ihm geben kann, nach der schlimmen und traumatisierenden Heimerfahrung.

    Ich denke eine 24 Stunden Kraft zu Hause bei deiner Mutter wird schwierig. Da sind Konflikte fast vorprogrammiert.

    Ja so sehe ich es auch mittlerweile. Ich hätte ihm so gerne noch eine Zeit in seiner tollen Wohnung gegönnt. Aber das Vergessen schreitet so krass voran. Beim Essen beobachtet er mich wie ich es mache... Ich esse dann genau synchron, damit er sicher is(s)t. Er merkt auch beim Malen, dass er die Abläufe nicht mehr kennt und ist frustriert über die Ergebnisse. Allerdings entstehen mit etwas Hilfe noch tolle Bilder, die wir uns den ganzen Tag stolz anschauen. Das ist sehr schön...

    Da wünsche ich Dir einfach, dass sich auch diesmal wieder eine gute Lösung findet, die vielleicht im Moment noch niemand auf dem Schirm hat...

    Ich hoffe es auch so sehr. Wir groove uns gerade so ein. Es klappt erstaunlich gut und ich wundere mich selbst... Aber es geht nur für einen zeitlich überschaubaren Übergang.