Beiträge von Hinz

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    Die Tropfen sind in der Tat fies bitter. Dem fiesen Geschmack kann man entgehen, wenn man Tabletten gibt. --- Es gibt seltene Einzelfallberichte, dass Metamizol, der Wirkstoff von Novalgin, ein Delir ausgelöst habe. vgl. https://www.akdae.de/arzneimit…ol-uaw-news-international


    Delirauslösend sind viel eher starke Opioide, aber, wie du schon sagtest, starke Schmerzen ebenfalls. Falls Novalgin nicht ausreicht, wäre zusätzlich retardiertes Tilidin/Naloxon noch eine Möglichkeit. Die Wirkungsweise ist unterschiedlich, so dass sich die Wirkung addieren kann. Alles, was sediert, kann delirauslösend sein, Benzodiazepine, trizyklische Antidepressiva, viele klassische Neuroleptika.

    Und dann ist es für mich viel leichter zu erreichen, da ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreise. Ich weiß, das sollte kein Kriterium sein.

    Doch, natürlich. Das ist sogar eines der wichtigsten Kriterien. Was nützt ein Heim, das auf den ersten Blick einen guten Eindruck macht, wenn du es ohne Auto nicht erreichen kannst? Es kann immer was sein, weshalb du schnell da sein musst.

    Lieber Herr Hamborg,

    bei meiner Mutter handelt es um sehr hartnäckige Post-Zoster-Schmerzen. Sie war vor zwei Jahren stationär im Krankenhaus und und wurde von einem Schmerztherapeuten eingestellt, aber ständige Schmerzfreiheit ist leider nicht zu erreichen. Eine Schmerztherapie ist immer eine Abwägung, weil sowohl die Schmerzen als auch die Medikamente die Lebensqualität beeinträchtigen. Meine Mutter ist zum Beispiel eher bereit, zeitweise Schmerzen zu ertragen, als eine regelmäige digitale Darmausräumung, die bei dem ursprünglich vorgesehenen starken Opioid erforderlich wurde, weil auch 4 Beutel Macrogol am Tag das Problem nicht lösten. Also kommt Tilidin/Naloxon zum Einsatz, das nicht so stark wirkt, aber die Verdauung nicht blockiert. Auch der Dosierung von Pregabalin sind wegen der Nebenwirkungen Grenzen gesetzt und Amitriptylin, das Standard bei Zoster-Neuralgien ist, kommt u.a. wegen des Delirs in der Vorgeschichte nicht in Frage.

    Liebe Albatross, vor einer Ernährungsumstellung würde ich an eine Umstellung der Inkontinenzversorgung denken. Die an sich sehr praktischen Pants sind nun mal sehr dicht und wenn sie voll sind, erzeugen sie ein unerfreuliches Kleinklima. Bei meiner Mutter kommen Einlagen mit möglichst hoher Saugkapazität zum Einsatz und ausnahmsweise auch mal Vorlagen. Der Nachteil bei Einlagen ist, dass sie häufig gewechselt werden müssen und auch mal überlaufen, aber das ganze Milieu ist luftdurchlässiger. Bei meiner Mutter entstehen die Hautdefekte an anderen Stellen, vor allem unter der Brust, weil dort Haut auf Haut liegt und schwitzen kann. Zur Vorbeugung kommt Puder zum Einsatz und wenn es doch passiert, weil meine Mutter sich gekratzt hat, eine gepuderte Mullkompresse als Abstandshalter oder die von schwarzerkater genannte zinkhaltige Salbe.

    Vielen Dank, schwarzerkater .

    Ja, ich genieße solche Tage und meine Mutter auch. Gleichzeitig fürchte ich mich vor dem, was noch kommt. Dabei ist es gar nicht so sehr die Demenz, die ist seit ihrem plötzlichen Beginn vor viereinhalb Jahren weit weniger als befürchtet fortgeschritten. Leider wird sie körperlich schwächer. Ihre Knie sind völlig verschlissen, sie steht nur noch mühsam und geht nur noch ein paar Schritte mit Hilfe und unter großen Schmerzen. Da kommt früher als mir lieb ist ein großes Problem mit der Körperpflege auf uns zu.

    Ich war mit meiner Mutter wählen. Bei strahlendem Sonnenschein mit dem Rollstuhl ins Wahllokal. Sie war klar wie selten, wusste noch, wen sie fast immer wählt, wen sie auch schon mal gewählt hat und wen sie dieses Mal wählen würde. Das nicht wirklich barrierefreie Wahllokal ertrug sie auch mit Fassung und nach der Wahl wollte sie noch gemütlich eine Nachwahlzigarette rauchen :| und einmal durch den Park.

    Liebe Lorina, zu den facts of life gehört, dass du nie und nirgends vor Ignoranten sicher bist. Auch nicht in einem angeblich auf Demenz spezialisierten Pflegeheim mit vergleichsweise gutem Personalschlüssel und astronomischem € Eigenanteil. Das kann leider immer wieder vorkommen.


    Für Dich und deinen Vater tut es mir aber sehr leid. Du hast dich jahrelang gesundheitlich und wirtschaftlich über alle Maßen belastet, deinem Vater alles gegeben, was du hattest und ihn allerschwersten Herzens in einem Pflegeheim unterbringen müssen und jetzt erlebst du, dass er grob behandelt und respektlos über ihn gesprochen wird.


    Was kannst du machen? Wenn du die Kraft hast, sprich die Pflegekräfte darauf an. Drück dein Befremden und dein Missfallen aus und ergreife immer Partei für deinen Vater.


    Ganz liebe Grüße

    Liebe Sabine67 , wie schön, dass in der Demenz-WG bei dir in der Nachbarschaft ein Zimmer frei ist. Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass es für deinen Vater geeignet ist. Die räumliche Nähe zu deiner Wohnung ist ein unschlagbarer Vorteil gegenüber weiter entfernten Einrichtungen, selbst wenn diese in anderen Bereichen besser sein sollten. Eine Rückkehr deines Vaters in sein Zuhause in eurer Heimatstadt ist angesichts der mangelnden Bereitschaft bzw. Fähigkeit deiner Mutter, Verantwortung zu übernehmen, schon wegen der Entfernung zu deinem Arbeitsplatz eine Illusion. Liebe Grüße

    Derjenige, der drin wohnen will, muss zwangsläufig den anderen ausbezahlen. Bekommt dein Vater in seinem Alter noch einen Kredit dafür?

    Wenn nicht, steht ihr auf der Straße.

    Hallo Thea, so ganz nicht. Die Pflege, die Linchen und ihr Dad leisten, kann aufs Erbe angerechnet werden. Dabei wird das normalerweise Geld angerechnet, das dadurch eingesaprt wird, dass der Erblasser nicht ins Heim kommt. Also Eigenanteil Heim minus Pflegegeld. Allerdings bleibt der Pflichtteil der Nichtpflegenden in der Regel erhalten. Soll heißen: Eins zu Eins wird das Vermögen des alten Herrn nicht aufgeteilt.

    Du bist die Enkelin, dein Vater ist der Sohn. Er muss sich vor dem alten Herrn aufbauen, und ihm klar machen, dass die Sklaverei abgeschafft ist. Dein Vater macht es sich ein wenig zu einfach. Er geht schön arbeiten und du musst dir von deinem Opa Schläge androhen lassen? Geht überhaupt nicht. Dein Vater kann vorübergehend seine Berufstätigkeit reduzieren und für seinen Vater was Passendes suchen. Zum Beispiel Tagespflege 5 x in der Woche.

    2. Zum Thema "Ausrasten" und "Anschreien" gibt es für Menschen mit Demenz eine klare fachliche Position: Es ist menschlich und verständlich, aber leider falsch. Pflegekräfte sollen aus diesem Grund schon in der Ausbildung kollegiale Beratung und "gewaltfreie Kommunikation" üben und so Stress oder eine sich aufschaukelnde Gewalt vermeiden. Verständnis, Ablenkung oder Validation sind weitere "Techniken". Jeder oder jede für sich sollen in der Ausbildung lernen, sich professionell abzugrenzen und ein persönliches Ventil für die starken Gefühle zu finden. So weit die Theorie.


    Hier reicht es nicht aus, es - im Sinne der Demenz - richtig zu machen (s.o.). Wir haben uns hier oft ausgetauscht, wie es gelingt, dann richtig eine Grenze zu setzen, denn "Ausrasten" hilft einem persönlich nur kurz, um die Wut loszuwerden - dann kommt schnell das schlechte Gewissen

    Es ist eine Binse, dass Ausrasten und Anschreien nichts bringt. Dummerweise sind auch Pflegende und besonders pflegende Angehörige, die das rund um die Uhr über viele Jahre ohne Urlaub und Krankschreibung leisten müssen, keine Maschinen, in die man reinprogrammiert: Validation und raus kommt demenzgerechtes Verhalten mit Lächeln und Engelsgeduld.


    Wenn meine Mutter minutenlang schreit und tobt, weil ihr was wehtut und sie auf meine Frage, warum sie mich anschreie, antwortet, sie schreie "in der Gegend herum", dann schreit irgendwann "die Gegend" zurück, es reiche jetzt.


    Mit Beschimpfungen kann ich umgehen, die lache ich weg und nehme ihnen die Spitze. Auch mit der Ichfixiertheit, die meine Mutter an den Tag legt, je schlechter sie sich fühlt, kann ich umgehen, ohne gleich in der ICD nach Diagnosen mit oder ohne N zu suchen. Das ist eben das Krankheitsbild.


    Aber ich bin auch nur ein Mensch mit Grenzen.

    Empathie ist nicht mehr vorhanden.

    Das kann ich nicht bestätigen, aber das schwindende Gedächtnis, verhindert, dass aus der vorhandenen Empathie entsprechende Handlungen folgen. Ich habe gerade eine fürchterliche Nacht hinter mir. Meine Mutter gab einfach keine Ruhe. Schmerzen, Unruhe, nicht müde. Sowas passiert immer mal wieder. Ich habe ihr immer wieder erklärt, was das mit mir macht, wenn sie mich nachts ruft, wenn sie unartikuliert schreit etc. Jedesmal tut es ihr ernsthaft leid, sie entschuldigt sich, sie wolle das nicht, aber anscheinend merke sie das gar nicht. Sie gelobt Besserung, aber die hält nur solange wie ihr Gedächtnis, drei bis fünf Minuten vielleicht. Ich denke, der Eindruck abnehmender Empathie entsteht dadurch, dass viele Menschen mit Demenz nur noch um sich selbst kreisen. Zum Reflektieren über die Bedürfnisse anderer ist eine wenigstens rudimentäre Gedächtnisleistung nötig. Wie will man*frau abwägen, wenn der Anlass des Nachdenkens nach kurzer Zeit wieder vergessen ist?

    Für eine Frontotemporale Demenz ist sie zu alt, sie war 82, als es losging. Die Vulgärbeschimpfungen haben mich anfangs schockiert, weil Vulgärsprache, die über "Scheiße" hinausging, vorher nicht vorkam. Es wurden schön die Euphemismen benutzt, Armleuchter und Scheibenkleister und verflixt und zugenäht zum Beispiel. Tapfer? Nee, ich nehme es selten persönlich, im Gegensatz zu meinem Bruder, der sehr darunter leidet. An speziellen Scheusaltagen kann es sein, dass mir der Kragen platzt, dann ist das so. Ich bin eben, im Gegensatz zu dem, was meine Mutter manchmal denkt (und große Teile vom Rest der Welt sowieso), kein Pflegeroboter.

    Für mich ist es wirklich fast unerträglich, dass ich mich dann für sie entschuldigen muss. Die Betreuer haben Verständnis und Unterstützung verdient sowie die Versicherung, dass ich das nicht gutheiße. Aber entschuldigen müsste sich eigentlich die Mutter nicht ich. Was ein Sch..ß :!:

    Kenne ich, das Gefühl. So muss sich meine Mutter gefühlt haben, wenn sie in der Schule antanzen musste, um sich anzuhören, was ich wieder angestellt hatte. Im Ernst, ich entschuldige mich nicht für meine Mutter. Sie kann es nicht ändern. Ich warne die Leute vor, dass sowas passieren kann und meistens passiert ja nichts, weil ich Fremdbetreuung während der kritischen Stunden vermeide. Vor ein paar Wochen musste ich sie mal mit zu einem Besuch bei meiner Ärztin mitnehmen, weil ich auf die Schnelle keine Betreuung finden konnte. Da hatte ich ein bisschen Bammel, aber es ging alles gut, denn es war Vormittag, sie hatte keine Schmerzen und machte ein freundliches Gesicht.


    Also nicht entschuldigen. Allenfalls Mitgefühl äußern. Du bist nicht für deine Mutter verantwortlich. Weder hast du sie schlecht erzogen noch hast du ihr die Demenz angehext.

    "Entgleist" sie dann auch, wenn sie allein ist? Oftmals ist ein "Entgleisen" beim Menschen allgemein nur vorhanden, wenn ein anderer Mensch Zeuge werden kann. Die wenigsten haben denselben Wutanfall im tatsächlichen Alleinsein.


    Das Phänomen ist auch gut bei kleinen Kindern zu beobachten. Kleinere Unfälle werden umso lauter und wehklagender kundgetan, je mehr Beachtung der Erwachsene dem Unfall zollt oder in seinem Verhalten zum Ausdruck bringt, das er den Unfall für gewichtig hält.

    Kleine Kinder können noch nicht einschätzen, wie einzelne Vorfälle einzuschätzen sind. MmD können es nicht mehr. Ich frage mich da, ob es da vielleicht Parallelen gibt?

    Die Parallele drängt sich auf und bei meiner Mutter ist es auch tatsächlich so, dass sie sich oft in einer kindlichen Rolle sieht. Sie ist ja auch in ihren wiederkehrenden Ängsten wieder in ihrer Kindheit. Interessanterweise hatte meine Mutter früher, bevor sie dement wurde, Wutausbrüche bei Missgeschicken, wenn sie allein war bzw. sich allein glaubte, in Gesellschaft aber kaum. Ich kannte bei ihr vor dem Delir keine Vulgärbeschimpfungen anderer Menschen. Die Vulgärbeschimpfungen kann ich mir aber nicht mit einem Rückfall in eine kindliche Rolle erklären.

    Wir haben dieses Problem auch und ähnliche Szenen, wie Albatross sie in ihrem letzten Post beschreibt. Meine Mutter neigt seit dem plötzlichen Beginn ihrer Demenz infolge eines Delirs dazu, ihren Ärger, Frust, Schmerzen an den Menschen abzureagieren, die gerade bei ihr sind und dabei völlig zu entgleisen. Ich gehöre zu der Fraktion, die zu der Auffassung neigt, dass die Betroffenen nichts dafür können. Ich weiß, wie meine Mutter vor ihrer Demenz war und sehe die Veränderungen und habe inzwischen resigniert: Sie kann ihr Verhalten nicht ändern. Lernen, sich anders zu verhalten, kann sie nicht, denn dazu wäre eine Merkfähigkeit nötig, die sie nicht mehr hat. Also muss ich damit leben und kann nur versuchen, die Ausbrüche nicht mehr an mich ran zu lassen, was mir dadurch erleichtert wird, dass diese Verhaltensweisen normalerweise nur zu bestimmten Tageszeiten auftreten und auch wieder vorübergehen.


    Ich kann mich in ihre Demenz nicht völlig hineindenken, aber der Versuch hilft mir. Wenn mein Gedächtnis völlig unzuverlässig wäre, ich dauernd Schmerzattecken hätte und die Ursache nicht immer präsent hätte, würde ich auch in Panik geraten und möglicherweise bösartig reagieren. Hinzu kommen bei meiner Mutter, aber ich nehme an, bei vielen Menschen aus der Generation, die als Kind den Bombenkrieg erlebt hat, Verlust- und Verlassensängste bis hin zu Todesängsten. Meine Mutter erlebt diese Ängste immer wieder neu und seit sie dement und hilflos ist, fast jeden Tag. Sie ist dann ein kleines Mädchen, das getröstet werden will. All das macht ihre Verhaltensweisen nicht angenehmer, aber für mich erklärlich. Und oft helfen mir diese Erkenntnisse, den üblen Episoden mit Wutausbrüchen die Spitze zu nehmen.

    Vielen Dank, @NoName!

    Liebevoll ja, furchtbar anstrengend auch.

    Übrigens bin ich ein Mann (Hinz-Koseform von Heinrich, der Kumpel von Kunz. vgl. auch Grimms Märchen -- "Heißest du Hinz? Heißest du Kunz? Heißest du etwa Rumpelstilzchen?"