Beiträge von jochengust

    Hallo Rosaliechen,


    Schlaf-Wachrhythmusstörungen / Schlafstörungen sind ein sehr belastendes Problem, vor allem wenn wie Sie beschreiben auch noch Gefahrensituationen dabei entstehen.
    Möglicherweise empfiehlt es sich hier, zweigleisig zu fahren. Einerseits nachts die Risiken minimieren, also das Wachsein sicherer zu machen, andererseits zu versuchen, das Durchschlafen zu fördern.
    Für die Sicherheit können Sie einige Maßnahmen ergreifen. Dazu gehört
    - Stolperfallen beseitigen (lose Kabel, Teppichläufer etc.).
    - für Licht sorgen - mittels Bewegungsmeldern, um Stürze in der Dunkelheit zu minimieren

    - je nach Boden und ob Schuhe genutzt werden bzw. wenn toleriert, können Strümpfe mit Antirutschfunktion zur Sicherheit beitragen

    - Treppenstufen und Schwellen sichtbar machen, einerseits durch Licht, aber es wird auch empfohlen z.B. mit Neoprenhaftstreifen (wie Pakettesa oder Panzer-Tape) die Kanten der Stufen zu bekleben

    - um ein unbemerktes Verlassen der Wohnung zu verhindern gibt es technische Hilfsmittel, z.B. sog. Klingelmatten die bei Betreten einen Warnton von sich geben; manchmal reicht aber auch ein einfaches Windspiel über der Tür, so dass ein Geräusch entsteht wenn sie geöffnet wird. Sie finden unter dem Stichwort "Wohnraumanpassung" eine Reihe von Checklisten im Internet, die zur Sicherheit beitragen können und Risiken reduzieren helfen. Hier z.B. .

    Grundsätzlich gilt die Faustregel: Erst Maßnahmen der Schlafhygiene, dann Medikamente. Trotzdem kann es natürlich sinnvoll sein, die Stabilisierung des Schlaf- Wachrhythmus zumindest einige Zeit mittels Medikamenten zu unterstützen. Sie schrieben, dass Medikamente keine Wirkung gezeigt hätten. Was wurde bisher denn versucht?
    Das Schlafengehen sollte ritualisiert werden und der Tagschlaf, falls vorhanden, nach Möglichkeit begrenzt (die Empfehlung lautet etwa 20-30 Minuten max.);
    wurde ggfs. in letzter Zeit etwas an der Schlafumgebung geändert? Ich habe bereits erlebt, dass selbst der Austausch eines alten Weckers gegen einen modernen, erhebliche Unruhe und Sucherei in der Nacht ausgelöst haben - als Beispiel.
    Könnten Bilder der gesuchten Personen auf dem Nachttisch ggfs. zur Beruhigung beitragen?
    Wenn Sie Ihrer Frau Mutter erklären, welche Uhrzeit ist und wo die gesuchten Personen sind - beruhigt sie sich dann schnell wieder und lässt sich leicht wieder zu Bett bringen?
    Oftmals geht es hierbei wie um einen "Versuch + Irrtum"-Modus, bis man eine gute Lösung findet....

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust


    Hallo Forum,


    ein bisschen etwas kann ich Beitragen zu einigen Aussagen hier:

    Schlüssel: ich habe stets im Bekannten- und Kollegenkreis überzählige Schlüssel gesammelt (jeder hat doch irgendwo Schlüssel herumliegen, von denen er gar nicht mehr weiß wofür...oder z.B. das Möbelstück / die Tür gar nicht mehr vorhanden sind) für "meine" Patienten mit Demenz im Krankenhaus. Die Schlüssel habe ich zu Schlüsselbünden zusammengefügt, so dass im "akuten Stressfall" ein Schlüsselbund / Schlüssel erst einmal gefunden werden konnte um eine Eskalation zu vermeiden. Das funktionierte natürlich nur, wenn es um das Objekt und die damit zusammenhängende Sicherheit / das Gefühl ging, nicht mehr wenn der Schlüssel direkt überprüft werden konnte, ob er passte.
    Trotzdem: Notschlüssel würde ich immer irgendwo liegen haben, damit ich etwas finden lassen kann im Notfall (und dann in Ruhe zu suchen). Ausserdem kann man so einen Bund dann auch leicht mit ins Krankenhaus geben oder ins Pflegeheim. Sie alle kennen wahrscheinlich die typische Bewegung an die Hosentasche oder Jackentasche - bei der man kurz fühlt ob man seine Schlüssel mit hat. In dem Augenblick prüft man ja normalerweise nicht, ob es w i r k l i c h die eigenen Schlüssel sind. Der Bund muss nur da sein.... . Jeder von uns kennt den Stress den es auslöst, wenn ein wichtiger Schlüssel fehlt.
    Auch bei Kleinanzeigenportalen z.B. kann man manchmal 20 Schlüssel auf einmal kaufen, die jemand über hat.
    Ersatzschlüssel, Duplikate von wertvollen Schmuckstücken (od. ähnl. Modeschmuck), Duplikate von wertvollen Uhren etc. . Immer gut, wenn sowas vorhanden ist, gerade wenn eine Phase da ist, in der ständig die Vermutung im Raum steht, bestohlen worden zu sein. Ersatz schaffen, statt sicherem ersatzlosen verwahren kann allen beteiligten viel Stress ersparen. Gilt auch für Papiere etc. Sicher verwahren, aber möglichst Kopien belassen (wenn man mich fragt). Gilt ebenso für wertvolle Handtaschen, Brillen etc. . Ersatz anschaffen / austauschen, wenn es denn gar nicht anders geht.

    Also auch im Hinblick auf mögliche Klinikaufenthalte oder Umzüge in Einrichtungen od. Nutzung von Tagespflege: besonders wertvolle, aber alltägliche Objekte: Ersatz haben, der mitgegeben und folgenlos verloren / versteckt / verschenkt werden darf.


    Die Empfehlungen von Sohn83 sich um Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung zu bemühen unterstreiche ich. Zwar greift ab Januar die Reform des Vormundschafts- bzw. Betreuungsrechts, so dass Verpartnerten ein Notvertretungsrecht zugestanden wird. Ein Ersatz ist das aber natürlich nicht.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Hallo Annekueste und alle,


    das sind interessante Gedankengänge und Beschreibungen im Bezug auf die eigenen Eltern. Darin kommt auch die Frage vor, was man den eigenen Eltern..."schuldet". Wie viel "kümmern", wie viel eigene Lebenszeit, wie viel Kraft?
    Am Rande, als Einwurf von der Seitenlinie meinerseits, daher der Verweis auf diesen Blogartikel (etwas scrollen, nach dem Bild geht es richtig los), der für mich in der Auseinandersetzung mit diesen Gedanken Anregungen enthielt.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Mama Anke,


    ergänzend zu Herrn Hamborgs Antwort: wenn es für Sie vom zeitlichen Ablauf her machbar ist, habe ich gute Erfahrungen gemacht sich bei einer Alzheimer Gesellschaft od. ähnlichen regionalen Vereinigung vor Ort zu informieren.

    Ihr persönlicher Eindruck ist entscheidend, keine Frage. Aber wenn Sie bisher lediglich eine "lange Liste" von Adressen haben, kann es hilfreich sein den ein oder anderen zusätzlichen Hinweis zu bekommen (so wie hier im Forum auch im "nichtregionalen Maßstab") um sozusagen etwas vorzufiltern.
    Bedenken Sie dabei immer: was mir an einer Einrichtung gefällt oder meiner Mutter guttut, müsste für Ihre Mutter keineswegs dasselbe bedeuten.

    Mein Rat ist also ergänzend, sich nach Möglichkeit auch an eine regionale Alzheimer Gesellschaft od. ähnl. zu wenden um die Liste etwas zu verkürzen, sofern die Zeit da ist und Ihre Situation das erlaubt.

    Suchhilfe hier.

    Viel Erfolg.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Zimt,

    ich verstehe Ihre Sorge. Ich hatte schon in der ersten Welle wegen einer ähnlichen Konstellation viel Kontakt zu einem Gesundheitsamt in Norddeutschland. Insbesondere wenn es darum geht durch einen / mehrere Besuche mögliche Folgen (wie z.B. einen Krankenhauseinweisung) abzuwenden lohnt vielleicht ein Anruf um das weitere Vorgehen zu besprechen und vor allem, die aktuell gültigen Bestimmungen in Erfahrung zu bringen.
    Es ist maximal schlecht, dass Sie als Angehörige bei dieser Entwicklung so im Unklaren gelassen sind über Testung und Zeitläufe / Bestimmungen.
    Sie finden diese für Ihr Bundesland ansonsten auch hier beim Pflegeschutzbund (letzter Stand 27.09.), wo man sich bemüht das aktuell Gültige nach Bundesländern geordnet abrufbar zu machen.

    Viel Erfolg.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust



    Leider sind in unserer Gegend wirklich behindertengerechte Ausflugsziele sehr rar gesäht (in einem Mittelgebirge mit Hügellandschaft auch nicht immer einfach). Letztes Jahr waren wir in einem Wildtierpark der noch extra als besonders Behindertengerecht ausgezeichnet wurde. Dort standen wir dann plötzlich vor ausgewaschenen Schotterpisten mit 14% Gefälle .... Es ist wirklich sehr bedauerlich wie wenig an wirklich behindertengerechte Bauweise gedacht wird und vorallem wie wenig man sich auf "behindertengerecht" Aussagen verlassen kann. Him Blick auf eine immer älter werdende Gesellschaft gibt es da noch ganz ganz viel Hausaufgaben zu machen.

    Hallo Sohn83,

    da sind viele Hausaufgaben zu machen, das sehe ich auch so. Vor einiger Zeit wurde ich auf eine Webseite hingewiesen - ich habe / hatte keine Möglichkeit zu prüfen, wie "richtig" die Angaben sind - jedoch: es ist so eine Art "GoogleMaps" für barrierefreie / barrierearme Orte. Vielleicht unterstützt Sie das bei Gelegenheit.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Hallo Sohn,


    Allerdings habe ich in der Tagespflege heute morgen Bescheid gesagt damit die wissen falls bei ihm etwas hoch kommt.

    das finde ich extrem wichtig: Dritte zu informieren in an der Sorge beteiligt sind, damit auch die mögliche Reaktionen entsprechend einordnen und damit umgehen können.

    Was Ihre Sorge angeht, eine Wunde wieder aufzureissen: Sie sind ja "dicht dran" und im Gespräch und wenige Tage zuvor kann die Beerdigung ja nochmals Thema werden. Ich finde es gut, dass Sie es ermöglichen wollen - denn auch damit ist wieder Organisationsaufwand etc. verbunden - und nicht alle Menschen haben Gelegenheit dieses Abschiedsritual zu nutzen, wenn sie Pflege- und Betreuungsbedarf entwickeln.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust


    Hallo Sohn83,


    feste Regeln gibt es dafür nicht bzw. kenne ich nicht. Ich habe auch schon solche Nachrichten überbracht. Und in entsprechender Atmosphäre bzw. ungestört, habe ich es ganz direkt ausgesprochen. Die Wahrheit ist dann schmerzhaft und Menschen mit Demenz trauern. Meiner Erfahrung nach kann die Trauerreaktion / die Reaktion auf den Verlust sehr unterschiedlich und auch ungewöhnlich ausfallen, wenn die Demenzerkrankung relativ weit fortgeschritten ist. Die Trauerreaktion kann sich dann stärker im Verhalten bemerkbar machen. Ansonsten gibt es die ganze Bandbreite möglicher Reaktionen die Menschen haben und zeigen, wenn es einen Trauerfall gibt.
    Ebenso habe ich erlebt, dass es erleb- oder sichtbar nur einen "Moment" od. kurzen Zeitraum der Trauer / Reaktion gab - und dann die Nachricht (scheinbar) wieder vergessen war - gerade, wenn der Kontakt lange zurück lag bzw. es sich nicht um eine sehr nahestehende Person handelte. Jedenfalls so weit, wie es sich um eine sichtbare Reaktion handelte.
    Wichtig war mir immer, eine solche Nachricht ohne jeden Zeitdruck überbringen zu können, in Ruhe.

    Als hilfreich habe ich zum Teil erlebt, wenn Rituale und gewohnte Tagesabläufe angeboten bzw. beibehalten werden, auch in der Trauer.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Hallo OiOcha,

    das ist m.E.n. sehr verschieden ob und was da funktioniert, eher nicht geschlechtsabhängig. Vielleicht hilft nur ausprobieren, möglicherw. findet Ihr Vater doch noch Gefallen an einem Trackersystem, weil ihm das Schmuckstück oder die Uhr oder was auch immer gefällt? Sofern die Hersteller einen kostenlosen Probezeitraum anbieten - vielleicht versuchen?

    Was mir noch eingefallen ist: kürzlich ist eine Neuauflage des kleinen Ratgebers (der nicht mehr ganz klein ist) erschienen; hier der Link.
    Vermutlich kennen Sie die dort gezeigten Lösungen. Falls ja - und keine passt: vielleicht kann Sie das herausgebende Innovationsnetzwerk Vernetzte Technikberatung und Techniknutzung beraten oder weiterverweisen, hat noch Kenntnis oder eine Idee in Ihrem speziellen Fall. Da dürften viele Fäden zusammenlaufen - und Fragen kostet ja nichts....

    Falls ja, wer ich sehr interessiert an einer Info was am Ende funktioniert hat.
    Ich hoffe, Sie finden was Passendes.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Weberin,


    ich kann mich den Ausführungen von Frau Sachweh nur anschließen.
    Auch meiner Erfahrung nach ist die Eingewöhnungsphase höchst unterschiedlich ausgeprägt und von ebenso unterschiedlicher Dauer.

    Ergänzend vielleicht noch: wie ist das Zimmer Ihres Opas ausgestattet?
    Ggfs. können Sie ein Zuhause-Gefühl weiter unterstützen, in dem Sie ihm zusätzliche liebgewordene, bekannte, altvertraute Gegenstände / Mobiliar mitbringen. Das kann auch zur Klarheit verhelfen, dass nun hier (am neuen Ort) sein Platz ist.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Nach wie vor habe ich den Eindruck, dass die Pflegeeinrichtung genau das ist, was meine Mutter braucht. Man schaut sehr darauf, was sie mag und besorgt es. Ansonsten läuft sie einfach überall herum, sortiert die Post, packt Taschen ein und aus ... und man lässt sie gewähren. Sollte ich es einmal benötigen, würde ich mir genau so ein (unspektakuläres) Pflegeheim aussuchen. ....

    Hallo schwarzerkater,

    vielen Dank für Ihre Schilderung. Ich glaube, oder mein Erleben ist öfter, dass "gute" Einrichtungen, "gute" Stationen im Sinne dessen was sie beschreiben häufig Stationen des "Zulassenkönnens" sind. Es geht irgendwann durchaus nicht mehr darum, möglichst oft kleine und große "Events" anzubieten - ohne deren Bedeutung schmälern zu wollen. Aber nicht ständig beeinflussen, zugreifen, lenkenwollen - Menschen sein zu lassen wie sie gerade sind - das kann für entspannte, zufriedene Atmosphäre und Situationen so unglaublich wichtig sein und entstresst in meinen Augen alle - auch die Mitarbeitenden.
    Alles Gute.

    Jochen Gust

    Hallo Sabida,


    um das nochmal aufzugreifen:

    Und noch zum Thema betreute Reise: Falls sie "Gruppenreisen" ablehnt, könntest Du ihr denn eine neue "Freundin" unterjubeln, die mit ihr reist? Vielleicht fände man eine Studentin, Rentnerin o.ä., die gerne mal nach Mallorca fahren würde und z.B. einem Tausch "auf Schwester achtgeben" gegen Flugticket und Übernachtungsmöglichkeit mitmachen würde.

    es gibt auch Anbieter für "mitreisende Pflegekräfte". Ich habe persönlich keine Erfahrung damit und kenne auch nicht die Bedingungen und Kosten. Aber bei Ablehnung einer (offensichtlich) betreuten Gruppenreise könnte das vielleicht eine Alternative sein. Mit den Websuchen Reisebegleitung für Senioren oder Reiseassistenz finden Sie solche Anbieter. Wie gesagt, kann ich leider nicht mit Erfahrungswerten dazu dienen und habe auch niemanden im Bekanntenkreis, der so bereits gearbeitet hat oder noch arbeitet.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo SabineK,

    ergänzend weise ich Sie noch auf das Thema Sehkraft hin. Sie schrieben in einem anderen Thread, dass Ihr Großvater frühbetroffen ist und sonst noch recht "fit".
    Trägt er eine Brille / Sehhilfe? Falls ja: wann wurde diese das letzte Mal angepasst / überprüft?
    Wenn wir altern, altern unsere Augen mit. Möglicherweise trägt das zumindest dazu bei, dass er sich eher mal wo dran stößt und auch hinfällt. Das unscharfe Sehen führt vielleicht dazu, dass Schwellen und Kanten nicht mehr richtig wahrgenommen werden. Ich rate also dazu, das einmal anzusprechen und die Augen bzw. eine vielleicht vorhandene Brille überprüfen zu lassen.
    Auch sollten Sie ggfs. gemeinsam mit ihm und dem Hausarzt über weitere Maßnahmen zur Sturzvermeidung sprechen. Physiotherapie od. Bewegungsprogramme können helfen, Kraft, Gleichgewicht und Koordinationsfähigkeit (länger) zu erhalten und zu fördern. Sorgen Sie in der Wohnung zudem für eine gute Ausleuchtung und Kontraste, gerade an Schwellen / Treppen. Stolperfallen sollten nach Möglichkeit beseitigt werden (lose Teppiche etc.). Auch zusätzliche Haltegriffe können einen Sturz vermeiden helfen. Hierzu finden Sie auch sog. Wohnraumchecklisten im Internet od. können sich regional beraten lassen.
    Stürze ältere Menschen haben nicht selten schwere Folgen und schon die Angst (wieder) hinzufallen kann die Lebensqualität ordentlich einschränken.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo SabineK,


    Ihre Frage trifft offenbar einen Nerv.
    Ich kenne das Problem des "Informationsoverkills" auch aus dem beruflichen Kontext heraus. Es wird viel mit "Schlagworten" gearbeitet und lange Erklärungen geliefert, die jedoch mit der tatsächlichen (Arbeits-)Situation einer Pflegefachfrau *-fachmann wenig bis nichts zu tun haben (aufgrund des Personal- und damit Zeitmangels) bzw. diese nicht berücksichtigen. Da gibt es dann für den Nachtdienstler im Pflegeheim schon mal den Ratschlag, sich "einfach mal eine Stunde" zum Bewohner zu setzen....
    Ebenso kann ich gut nachvollziehen, dass die ohnehin belasteten An- und Zugehörigen weder Zeit, noch Energie noch Muße haben jede ihrer Fragen durch zusenden einer 50seitigen Broschüre beantwortet zu bekommen und damit dementsprechend unter Umständen nicht sehr "glücklich" sind...
    Kurse gibt es jedoch wirklich gute, auch für Angehörige - und auch kostenlose (weil Sie die Kosten ansprechen). Ggfs. erkundigen Sie sich dazu bei Ihrer regionalen Alzheimergesellschaft, die solche immer wieder anbieten. Auch Krankenhäuser haben zum Teil entsprechende Angebote, die auch kostenlos sind ebenso wie Kranken- bzw. Pflegekassen. Schauen Sie bitte unbedingt dort nach bzw. fragen Sie dort, bevor Sie Geld dafür ausgeben.
    Aber zurück zu Ihrer Frage:
    Sie haben hier ja schon viele Antworten von erfahrenen Angehörigen erhalten. Ergänzen möchte ich daher nur, dass es bestimmte Kommunikations-"Regeln"auch in diesen Kurzformen gibt (in relat. freier Übersetzung):

    ABC-Methode (J. Powell)
    A avoid confrontation = vermeide Konfrontationen (mit seinen Defiziten)
    B be practical = sei praktisch / handle zweckmäßig
    C clarify the feelings / comfort = formuliere, akzeptiere die Gefühle und gehe

    auf diese ein (bzw. Spende Trost)
    und Focused
    F face to face = Blickkontakt aufnehmen (Aufmerksamkeit sicherstellen)
    O
    orientation = Begriffe u. Sätze wiederholen / Zeit geben Gesagtes zu

    verstehen
    C
    continuity = Gesprächsthemen nicht abrupt wechseln
    U
    unsticking = Unterstützung bei Worftindungsstörungen ("Meintest Du.....?")
    S
    structure = möglichst kurze Fragen stellen. Entscheidungen auf zwei

    Optionen begrenzen.
    E
    exchange = Gespräche mit angenehmen u. alltäglichen Themen beginnen /

    bevorzugen.
    D
    direct = kurze, einfache Sätze u. Gestik, Mimik und Bildprache einsetzen.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Hanne63,


    vielen Dank. Ich bin natürlich nicht berechtigt, offiziell für den Wegweiser zur Impfung aufzurufen. Ich habe aber natürlich ein Erleben von dem was zur Zeit geschieht, wie Sie alle auch. Ich moderiere / administriere noch andere Webseiten und Foren - und teilweise hat mich wirklich erschüttert, was ich da lesen (und löschen) "durfte". An Desinformation, aber auch an offenkundiger Entsolidarisierung bis hin zu Drohungen. Auch deshalb haben mich die Einträge der Teilnehmenden hier zum Thema gefreut - und auch die Art und Weise, wie auf Probleme reagiert wurde und wie Kritik geäußert wurde und wird. Dafür bin ich dankbar.

    Gerade heute gelesen, wie wichtig das Boostern ist - eine Studie zur Schutzwirkung der Impfe für Heimbewohner.

    Alles Gute weiterhin.

    ....wenn Sie wüssten, wie gut das gerade tut so viel Vernunft und Solidarität in einem Forum zu lesen (als Pflegefachperson und als Moderator gleichermaßen). Trotz aller Unzulänglichkeiten und Versäumnisse, die es in dieser Situation gab. Und gibt. Und des (vielfach berechtigten) Zorns darüber.

    Ja, auch von mir: lassen Sie sich unbedingt impfen / boostern.
    Es gibt keinen anderen Weg raus.
    Ihnen einen schönen 1. Advent.

    Ihr

    Jochen Gust