Beiträge von jochengust

    Hallo Sohn,


    Allerdings habe ich in der Tagespflege heute morgen Bescheid gesagt damit die wissen falls bei ihm etwas hoch kommt.

    das finde ich extrem wichtig: Dritte zu informieren in an der Sorge beteiligt sind, damit auch die mögliche Reaktionen entsprechend einordnen und damit umgehen können.

    Was Ihre Sorge angeht, eine Wunde wieder aufzureissen: Sie sind ja "dicht dran" und im Gespräch und wenige Tage zuvor kann die Beerdigung ja nochmals Thema werden. Ich finde es gut, dass Sie es ermöglichen wollen - denn auch damit ist wieder Organisationsaufwand etc. verbunden - und nicht alle Menschen haben Gelegenheit dieses Abschiedsritual zu nutzen, wenn sie Pflege- und Betreuungsbedarf entwickeln.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust


    Hallo Sohn83,


    feste Regeln gibt es dafür nicht bzw. kenne ich nicht. Ich habe auch schon solche Nachrichten überbracht. Und in entsprechender Atmosphäre bzw. ungestört, habe ich es ganz direkt ausgesprochen. Die Wahrheit ist dann schmerzhaft und Menschen mit Demenz trauern. Meiner Erfahrung nach kann die Trauerreaktion / die Reaktion auf den Verlust sehr unterschiedlich und auch ungewöhnlich ausfallen, wenn die Demenzerkrankung relativ weit fortgeschritten ist. Die Trauerreaktion kann sich dann stärker im Verhalten bemerkbar machen. Ansonsten gibt es die ganze Bandbreite möglicher Reaktionen die Menschen haben und zeigen, wenn es einen Trauerfall gibt.
    Ebenso habe ich erlebt, dass es erleb- oder sichtbar nur einen "Moment" od. kurzen Zeitraum der Trauer / Reaktion gab - und dann die Nachricht (scheinbar) wieder vergessen war - gerade, wenn der Kontakt lange zurück lag bzw. es sich nicht um eine sehr nahestehende Person handelte. Jedenfalls so weit, wie es sich um eine sichtbare Reaktion handelte.
    Wichtig war mir immer, eine solche Nachricht ohne jeden Zeitdruck überbringen zu können, in Ruhe.

    Als hilfreich habe ich zum Teil erlebt, wenn Rituale und gewohnte Tagesabläufe angeboten bzw. beibehalten werden, auch in der Trauer.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Hallo OiOcha,

    das ist m.E.n. sehr verschieden ob und was da funktioniert, eher nicht geschlechtsabhängig. Vielleicht hilft nur ausprobieren, möglicherw. findet Ihr Vater doch noch Gefallen an einem Trackersystem, weil ihm das Schmuckstück oder die Uhr oder was auch immer gefällt? Sofern die Hersteller einen kostenlosen Probezeitraum anbieten - vielleicht versuchen?

    Was mir noch eingefallen ist: kürzlich ist eine Neuauflage des kleinen Ratgebers (der nicht mehr ganz klein ist) erschienen; hier der Link.
    Vermutlich kennen Sie die dort gezeigten Lösungen. Falls ja - und keine passt: vielleicht kann Sie das herausgebende Innovationsnetzwerk Vernetzte Technikberatung und Techniknutzung beraten oder weiterverweisen, hat noch Kenntnis oder eine Idee in Ihrem speziellen Fall. Da dürften viele Fäden zusammenlaufen - und Fragen kostet ja nichts....

    Falls ja, wer ich sehr interessiert an einer Info was am Ende funktioniert hat.
    Ich hoffe, Sie finden was Passendes.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Weberin,


    ich kann mich den Ausführungen von Frau Sachweh nur anschließen.
    Auch meiner Erfahrung nach ist die Eingewöhnungsphase höchst unterschiedlich ausgeprägt und von ebenso unterschiedlicher Dauer.

    Ergänzend vielleicht noch: wie ist das Zimmer Ihres Opas ausgestattet?
    Ggfs. können Sie ein Zuhause-Gefühl weiter unterstützen, in dem Sie ihm zusätzliche liebgewordene, bekannte, altvertraute Gegenstände / Mobiliar mitbringen. Das kann auch zur Klarheit verhelfen, dass nun hier (am neuen Ort) sein Platz ist.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Nach wie vor habe ich den Eindruck, dass die Pflegeeinrichtung genau das ist, was meine Mutter braucht. Man schaut sehr darauf, was sie mag und besorgt es. Ansonsten läuft sie einfach überall herum, sortiert die Post, packt Taschen ein und aus ... und man lässt sie gewähren. Sollte ich es einmal benötigen, würde ich mir genau so ein (unspektakuläres) Pflegeheim aussuchen. ....

    Hallo schwarzerkater,

    vielen Dank für Ihre Schilderung. Ich glaube, oder mein Erleben ist öfter, dass "gute" Einrichtungen, "gute" Stationen im Sinne dessen was sie beschreiben häufig Stationen des "Zulassenkönnens" sind. Es geht irgendwann durchaus nicht mehr darum, möglichst oft kleine und große "Events" anzubieten - ohne deren Bedeutung schmälern zu wollen. Aber nicht ständig beeinflussen, zugreifen, lenkenwollen - Menschen sein zu lassen wie sie gerade sind - das kann für entspannte, zufriedene Atmosphäre und Situationen so unglaublich wichtig sein und entstresst in meinen Augen alle - auch die Mitarbeitenden.
    Alles Gute.

    Jochen Gust

    Hallo Sabida,


    um das nochmal aufzugreifen:

    Und noch zum Thema betreute Reise: Falls sie "Gruppenreisen" ablehnt, könntest Du ihr denn eine neue "Freundin" unterjubeln, die mit ihr reist? Vielleicht fände man eine Studentin, Rentnerin o.ä., die gerne mal nach Mallorca fahren würde und z.B. einem Tausch "auf Schwester achtgeben" gegen Flugticket und Übernachtungsmöglichkeit mitmachen würde.

    es gibt auch Anbieter für "mitreisende Pflegekräfte". Ich habe persönlich keine Erfahrung damit und kenne auch nicht die Bedingungen und Kosten. Aber bei Ablehnung einer (offensichtlich) betreuten Gruppenreise könnte das vielleicht eine Alternative sein. Mit den Websuchen Reisebegleitung für Senioren oder Reiseassistenz finden Sie solche Anbieter. Wie gesagt, kann ich leider nicht mit Erfahrungswerten dazu dienen und habe auch niemanden im Bekanntenkreis, der so bereits gearbeitet hat oder noch arbeitet.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo SabineK,

    ergänzend weise ich Sie noch auf das Thema Sehkraft hin. Sie schrieben in einem anderen Thread, dass Ihr Großvater frühbetroffen ist und sonst noch recht "fit".
    Trägt er eine Brille / Sehhilfe? Falls ja: wann wurde diese das letzte Mal angepasst / überprüft?
    Wenn wir altern, altern unsere Augen mit. Möglicherweise trägt das zumindest dazu bei, dass er sich eher mal wo dran stößt und auch hinfällt. Das unscharfe Sehen führt vielleicht dazu, dass Schwellen und Kanten nicht mehr richtig wahrgenommen werden. Ich rate also dazu, das einmal anzusprechen und die Augen bzw. eine vielleicht vorhandene Brille überprüfen zu lassen.
    Auch sollten Sie ggfs. gemeinsam mit ihm und dem Hausarzt über weitere Maßnahmen zur Sturzvermeidung sprechen. Physiotherapie od. Bewegungsprogramme können helfen, Kraft, Gleichgewicht und Koordinationsfähigkeit (länger) zu erhalten und zu fördern. Sorgen Sie in der Wohnung zudem für eine gute Ausleuchtung und Kontraste, gerade an Schwellen / Treppen. Stolperfallen sollten nach Möglichkeit beseitigt werden (lose Teppiche etc.). Auch zusätzliche Haltegriffe können einen Sturz vermeiden helfen. Hierzu finden Sie auch sog. Wohnraumchecklisten im Internet od. können sich regional beraten lassen.
    Stürze ältere Menschen haben nicht selten schwere Folgen und schon die Angst (wieder) hinzufallen kann die Lebensqualität ordentlich einschränken.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo SabineK,


    Ihre Frage trifft offenbar einen Nerv.
    Ich kenne das Problem des "Informationsoverkills" auch aus dem beruflichen Kontext heraus. Es wird viel mit "Schlagworten" gearbeitet und lange Erklärungen geliefert, die jedoch mit der tatsächlichen (Arbeits-)Situation einer Pflegefachfrau *-fachmann wenig bis nichts zu tun haben (aufgrund des Personal- und damit Zeitmangels) bzw. diese nicht berücksichtigen. Da gibt es dann für den Nachtdienstler im Pflegeheim schon mal den Ratschlag, sich "einfach mal eine Stunde" zum Bewohner zu setzen....
    Ebenso kann ich gut nachvollziehen, dass die ohnehin belasteten An- und Zugehörigen weder Zeit, noch Energie noch Muße haben jede ihrer Fragen durch zusenden einer 50seitigen Broschüre beantwortet zu bekommen und damit dementsprechend unter Umständen nicht sehr "glücklich" sind...
    Kurse gibt es jedoch wirklich gute, auch für Angehörige - und auch kostenlose (weil Sie die Kosten ansprechen). Ggfs. erkundigen Sie sich dazu bei Ihrer regionalen Alzheimergesellschaft, die solche immer wieder anbieten. Auch Krankenhäuser haben zum Teil entsprechende Angebote, die auch kostenlos sind ebenso wie Kranken- bzw. Pflegekassen. Schauen Sie bitte unbedingt dort nach bzw. fragen Sie dort, bevor Sie Geld dafür ausgeben.
    Aber zurück zu Ihrer Frage:
    Sie haben hier ja schon viele Antworten von erfahrenen Angehörigen erhalten. Ergänzen möchte ich daher nur, dass es bestimmte Kommunikations-"Regeln"auch in diesen Kurzformen gibt (in relat. freier Übersetzung):

    ABC-Methode (J. Powell)
    A avoid confrontation = vermeide Konfrontationen (mit seinen Defiziten)
    B be practical = sei praktisch / handle zweckmäßig
    C clarify the feelings / comfort = formuliere, akzeptiere die Gefühle und gehe

    auf diese ein (bzw. Spende Trost)
    und Focused
    F face to face = Blickkontakt aufnehmen (Aufmerksamkeit sicherstellen)
    O
    orientation = Begriffe u. Sätze wiederholen / Zeit geben Gesagtes zu

    verstehen
    C
    continuity = Gesprächsthemen nicht abrupt wechseln
    U
    unsticking = Unterstützung bei Worftindungsstörungen ("Meintest Du.....?")
    S
    structure = möglichst kurze Fragen stellen. Entscheidungen auf zwei

    Optionen begrenzen.
    E
    exchange = Gespräche mit angenehmen u. alltäglichen Themen beginnen /

    bevorzugen.
    D
    direct = kurze, einfache Sätze u. Gestik, Mimik und Bildprache einsetzen.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Hanne63,


    vielen Dank. Ich bin natürlich nicht berechtigt, offiziell für den Wegweiser zur Impfung aufzurufen. Ich habe aber natürlich ein Erleben von dem was zur Zeit geschieht, wie Sie alle auch. Ich moderiere / administriere noch andere Webseiten und Foren - und teilweise hat mich wirklich erschüttert, was ich da lesen (und löschen) "durfte". An Desinformation, aber auch an offenkundiger Entsolidarisierung bis hin zu Drohungen. Auch deshalb haben mich die Einträge der Teilnehmenden hier zum Thema gefreut - und auch die Art und Weise, wie auf Probleme reagiert wurde und wie Kritik geäußert wurde und wird. Dafür bin ich dankbar.

    Gerade heute gelesen, wie wichtig das Boostern ist - eine Studie zur Schutzwirkung der Impfe für Heimbewohner.

    Alles Gute weiterhin.

    ....wenn Sie wüssten, wie gut das gerade tut so viel Vernunft und Solidarität in einem Forum zu lesen (als Pflegefachperson und als Moderator gleichermaßen). Trotz aller Unzulänglichkeiten und Versäumnisse, die es in dieser Situation gab. Und gibt. Und des (vielfach berechtigten) Zorns darüber.

    Ja, auch von mir: lassen Sie sich unbedingt impfen / boostern.
    Es gibt keinen anderen Weg raus.
    Ihnen einen schönen 1. Advent.

    Ihr

    Jochen Gust

    Hallo Frau S.,


    willkommen im Forum.
    Ich finde es gut, dass Sie sich frühzeitig kümmern und kann auch den Willen und die Vorbehalte Ihres Opas gut verstehen.

    Ich hoffe, Sie erhalten hier noch Erfahrungswerte von Menschen, die tatsächlich Ortungssysteme verwendet haben bzw. verwenden.
    Ich selbst bin diesbezüglich ein "Technikfreund", da das Maß an notwendiger Sicherheit gesteigert werden kann, ohne oder mit deutlich weniger physischen Schranken - vor allem in Institutionen / Einrichtungen.
    Hier hoffe ich für die Zukunft, dass es irgendwann Verordnungen / gesetzgeberische Bestimmungen geben wird, bestimmte technische Standards vorzuhalten.
    Zu Ihrer Frage:
    im Rahmen meiner Arbeit war ich mit zwei Geräten befasst, die vielleicht passen könnten. Einerseits habe ich einen sog. vernetzten Gehstock getestetet. Ich bin mehrere Tage mit ihm herumgelaufen, habe mich geortet bzw. orten lassen - das funktionierte gut. Nachteil ist natürlich, dass man einen Gehstock leicht irgendwo vergessen kann. Wenn Ihr Großvater die Nutzung nicht gewohnt ist, wohl eher nicht geeignet. Das Produkt nannte sich "Smartstick".

    Ein weiteres Produkt welches ich ausprobiert habe sind vernetzte Einlegesohlen. Sie werden wie andere Einlegesohlen auch einfach in die Schuhe eingelegt. Vor dem Produkttest war meine Befürchtung, dass sie vielleicht unangenehm zu tragen wären oder das Laufen durch Ihre Form unsicherer machen würden. Beides war nicht der Fall, ich konnte damit problemlos im Alltag gehen und hatte sie nach kurzer Zeit während des Gehens praktisch vergessen. Ortung klappt gut. Nachteilig ist hier, dass sie irgendwann durchgelaufen sind und neue gekauft werden müssen (beachten Sie die Herstellerangaben). Schauen Sie nach "SmartSole".
    Lösungen gibt es auch in anderer Form: Uhren, Ketten usw. Zumindest bei einer Ortungs-Uhr, verbunden mit einer Android-App, waren meine Erfahrungen sehr negativ - völlig unzuverlässig, es war und bleibt ein Glücksspiel, ob eine Verbindung aufgebaut werden kann. Untauglich für einen Notfall.
    Und: wenn Uhr, dann eine die auch die Zeit anzeigt. Verschiedentlich habe ich erlebt, dass sich Menschen mit Demenz beschwert haben und die nichtfunktionierende Uhr entfernen wollten, wenn diese quasi nur als Gehäuse für den Sender dient, aber sonst nicht funktioniert.

    Bei Ketten habe ich schon öfter erlebt, dass diese abgelehnt werden, wenn jemand nicht aus Gewohnheit solchen Schmuck trägt - ausprobieren. Denkbar ist ja auch, dass diese in einer Jackentasche getragen wird.

    Grundsätzlich sind manche Systeme relativ teuer. Erkundigen Sie sich unbedingt vor dem Kauf, welche laufenden Kosten entstehen. Auch diese können je nach Anbieter sehr variieren.
    Sprechen Sie auch mit Ihrer Krankenkasse und Hausarzt über das Thema und ob es Empfehlungen gibt. Die Kenntnis von diesem Urteil konnte ggfs. hilfreich sein.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust



    Hallo Zimt,


    ergänzend zu den Tipps hier:

    Eine weitere Möglichkeit zusätzlich Flüssigkeit anzubieten ist auch entsprechend wasserreiche Nahrungsmittel / Speisen wie z.B. Salatgurke, Wassermelone, Salate, Tomaten, Suppen, Eintöpfe usw. etc.. möglichst oft anzubieten. Das sollte öfter auf den Speiseplan wenn möglich oder bei Snacks / Nachtischen / Zwischenmahlzeiten berücksichtigt werden. Vielleicht gibt es ja etwas, was Ihre Mutter besonders gerne mag? Völlig kompensieren wird das den Flüssigkeitsmangel nicht, aber etwas entgegenwirken vielleicht schon.
    Weiß der HA um die Problematik? Schluckstörungen od. dergl. bestehen nicht?

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo MariOn,


    Sie haben hier ja bereits viele gute Tipps erhalten. Ergänzen möchte ich meinerseits daher nur den "Materialhinweis". Um Kindern das Thema zu erklären, gibt es eine ganze Reihe von Büchern, Filmen und sogar Spielen.
    Eine Liste finden Sie z.B. bei der Alzheimer Gesellschaft Baden Württemberg e.V. . Zumindest Ihr älteres Kind hat bestimmt auch schon Computererfahrung - hier gehts zum browserbasierten Lernspiel: "Was hat Oma?" und hier zu Informationen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. .
    Auf den Wegweiserseiten finden Sie zudem einen Beitrag dazu von Dr. Elisabeth Phillip-Metzen.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Sonnenblümchen,

    ich stimme mit Ihnen in soweit überein, dass es keine (weitere) Deprofessionalisierung geben darf im Bereich der Pflege. Ohne bessere Arbeitsbedingungen wird man keine Kräfte gewinnen können bzw. nicht in dem Maß, in dem es notwendig ist. Um die Probleme in der Pflege zu lösen, muss es viele Ansätze geben die auch noch in ein Zusammenspiel gebracht werden müssen. Da sind viele dicke Bretter zu bohren. Es tut sich ja auch da und dort was, auch wenn ich persönlich Schwierigkeiten habe, die "Siebenmeilenstiefel" zu sehen. Dennoch machen mehr und mehr Pflegefachleute sich auch berufspolitisch stark und engagieren sich. Und auch pflegende Angehörige schließen sich in Vereinen und Vereinigungen zusammen, um gemeinsam auf ihre Probleme und Bedarfe aufmerksam zu machen.
    Ich denke aber, ich verstehe Ihren Punkt im Sinne der erforderlichen Qualifikation. Die sprachliche Anforderung ist in Deutschland B1 od. B2 m.W. . Meiner Erfahrung nach sind Kolleginnen und Kollegen mit mehrheimischem Hintergrund nachgerade nicht das Problem sondern diejenigen, ohne die viele, viele Stationen bereits dicht wären. Sprache kann man ja lernen. Und ja, fordern darf man das auch in sensiblen Bereichen, meiner Meinung nach.

    Den Beitrag den Sie nannten habe ich mir angeschaut. Schade, aber auch nicht ganz untypisch, dass er so kurz war. Leider klingt die Geschichte nicht "exotisch"..... . Ich habe nicht wenige (Ex-)Kolleginnen und Kollegen, die nur noch dabei sind weil sie zur Leiharbeit / Leasingfirma wechseln konnten. Sonst wären sie ganz ausgestiegen.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Liebe Sonnenblümchen,


    Ja, die Ehrenamtler sind wichtige Unterstützung, aber sie sollten nicht als Ersatz für die gelernten Pflegekräfte hergenommen werden und sie sollten, wie Du richtig schreibst, nicht den zwischenmenschlichen Beistand ersetzen müssen, den die total überlasteten ausgebildeten Pflegekräfte nicht mehr schaffen.

    Ich kann dem aus meiner Perspektive nur zustimmen. Schon vor Jahren wurden "Ehrenamtler" sozusagen als "Ersatzkräfte" entdeckt wenn es um die Versorgung von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen oder Krankenhäusern geht. Das kann nur bedingt funktionieren, angesichts der Aufgabenstellungen. Mancherorts kommen die Ehrenamtler nicht "on Top", sondern sind die einzigen die neben der reinen pflegerischen Verrichtung noch etwas tun und bieten können, was über Verrichtungen hinausgeht. Ein Trauerspiel - mit handfesten, problematischen Folgen (die den Rahmen hier sprengen würden). Damit kein Missverständnis entsteht: nichts gegen Ehrenämter. Gar nichts. Aber notwendige und wichtige Prozesse im stationären Bereich dürfen und können sie nicht abdecken.
    Im ambulanten Bereich sind die Bedingungen zum Teil natürlich andere und gerade dort greift das Ehrenamt und nachbarschaftliches Engagement in meinen Augen viel mehr und besser. Nicht umsonst hat das Land Niedersachsen sich gerade entsprechend entschlossen, dies zu fördern (vielleicht den Erfolg in NRW gesehen).

    Pflegebedürftige können wir alle jederzeit sein, selbst wenn es nur vorübergehend ist - und ich möchte dann kein schlechtes Gewissen gegenüber den Pflegekräften haben, weil ich nun auch noch an ihnen zerren muss.

    Kürzlich gab es auf einem anderen Medium (Vögelchen) vielerlei Berichte von Pflegefachleuten wie von Angehörigen, die im Rahmen eines Klinikaufenthaltes den noch kränkeren Patienten geholfen haben, diese quasi mitversorgten. Weil nicht genug Pflegekräfte da waren.... .

    "Die" Lösung für den Kräftemangel wird es wohl auf die Schnelle nicht geben. Nicht unumstritten sagt Thomas Kalwitzki, dass vor allen Dingen mehr qualifizierte Hilfskräfte gebraucht werden.
    Der Mangel an qualifizierten Kräften ist sicher auch eine Ursache dafür, dass Menschen mit Demenz nicht selten zuviel Medikamente erhalten.


    Ein System, welches so auf die Hilfe von ehrenamtlichen Helfern aufgebaut ist, kann nur scheitern !

    Ja.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Rafaela,


    ich gehe davon aus, dass der Raucher allein lebt und nicht in einem Pflegeheim, aufgrund Ihrer Schilderung.
    1. Idee: wäre eventuell Tagespflege möglich, so dass er unter "Kontrolle" rauchen kann? Ich meine damit nicht die Menge, versteht sich, sondern Kontrolle im Sinne der Brandgefahr?

    2. Rauchmelder sind sicherlich installiert. Zuhause könnten Sie zusätzlich darauf achten, dass es genügend erreichbare Aschenbecher im Blickfeld an den üblichen "Rauchplätzen" gibt, die unbedingt aus Metall oder etwas Nichtbrennbarem sein sollten. Damit keine Glut / Glimmstengel in einem Papierkorb od. ähnlichem landen bzw. auch Papierkörbe etc. sollten aus nichtbrennbarem Material sein. Möglichst alles leicht entflammbare gegen nicht- oder schwerentflammbare Dinge austauschen. Auch könnte schön eine gefüllte Gieskanne in leicht erreichbarer Nähe vielleicht Schlimmeres verhindern, wenn diese ganz offensichtlich neben dem Aschenbecher steht.

    3. Wäre es denkbar, auf eine eZigarette umzusteigen? Ich kenne mich nicht gut genug damit aus, aber vielleicht können Sie sich (gemeinsam) in einem Fachgeschäft beraten lassen? Vielleicht gibt es entsprechend was, was einer Zigarette sehr ähnlich aussieht? Je nach Kontakthäufigkeit müsste beim Akkuwechsel / wieder aufladen sicherlich geholfen werden.

    4. In einer Einrichtung habe ich mal gesehen, dass auf der Raucherterrasse festgebundene Feuerzeuge zur Verfügung standen. Jede/r der rauchen wollte musste dort hin - auf diese Weise wurde verhindert, dass im Zimmer bzw. im Bett geraucht wurde. Ich denke, gerade dies muss wirklich zur Gefahrenabwehr verhindert werden (nächtliches rauchen im Bett), wenn es Hinweise auf Schwierigkeiten / Gefahren durchs bisherige Rauchen / Verhalten gibt.

    Ist der Betroffene motorisch irgendwie eingeschränkt, hat er Probleme mit den nötigen Handlungen des Rauchens? Woher bekommt er Zigaretten und Feuerzeug? Kommt ein Pflegedienst? Wie ist Ihre Stellung zu ihm?

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Schwarzerkater,


    die Entwicklung ist wirklich erfreulich und schön zu lesen. Und es ist spürbar, wie erleichtert Sie darüber auch sind.
    Und ja, ich kann das aus eigener Arbeit ebenfalls bestätigen. So untypisch ist das nicht, dass sich die Dinge so entwickeln. Ich finde Ihre Beschreibung auch deshalb so wertvoll, weil immer wieder - meiner Erfahrung nach - mehr oder minder unterschwellig Angehörige unter Druck geraten, dass die Entscheidung zur Heimaufnahme quasi der "worst case" ist. Und das ist eben nicht wahr, sondern auch hier gibt es eine sehr große Erfahrungsbandbreite, ganz verschiedene Enwicklungen und Bedingungen.

    Alles Gute weiterhin.
    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Natalie,


    willkommen im Forum.

    Meine Gedanken dazu:

    wenn es finanziell und auch sonst kein Problem für Ihren Herrn Vater ist, er im Gegenteil sogar eine Beschäftigung mit den Büchern hat - sollte man wirklich an der Situation rütteln?

    Vermutlich würde er eine Bevormung und den Eingriff in seine Tätigkeit sehr übelnehmen. Und er würde eine Alternative zur Beschäftigung benötigen. Was, wenn er sich die nächste "unerwünschte" Tätigkeit sucht?



    Ggfs. können Sie mit Ihren Geschwistern vorsichtig versuchen, ihm ein anderes "Hobby" zu verschaffen, so dass er von allein von den Büchern ablässt.

    Ich möchte an dieser Stelle und zum jetzigen Zeitpunkt nach Ihrer Beschreibung jedoch davon abraten, etwas zu erzwingen wie etwa eine Vereinbarung mit der Buchhandlung zu treffen ohne ihn entsprechend einzubeziehen. Auch wenn er bei Gesprächen dabei wäre, ist es wahrscheinlich, dass er sich an keine Vereinbarung mehr erinnern kann. Wie soll das dann praktisch ablaufen? Sollen Mitarbeitende der Buchhandlung ihm den Kauf der Bücher verweigern? Sie ihm abnehmen? Ihm sagen: "Das dürfen Sie nicht."?


    Vermutlich haben Sie die Szenarien gedanklich auch schon durchgespielt - mir fällt es schwer, da ein gutes Ergebnis hineinzudenken.


    Ich sehe das Ganze eher positiv. Er geht raus und hat Bewegung, zieht sich (noch) nicht von allem zurück, geht noch selbständig mit Geld um und seinen Interessen nach, kommt in Kontakt mit Menschen. Alles Dinge, die sich nach und nach durch Krankheitsfortschritt stark verändern werden. Keineswegs ist das sinnlos - wenn auch vielleicht schwer nachvollziehbar (das Seiten herausreissen).



    Ich finde es toll, dass Sie als Familie die Dinge gemeinsam schultern und wünsche Ihnen, dass Sie weiterhin gemeinsam zu guten Lösungen kommen.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust