Beiträge von jochengust

    Hallo,


    Ältere Menschen horten gelegentlich Essen, weil sie im Laufe ihres Lebens Zeiten kennengelernt haben, an denen es nicht sicher war ob Morgen auch noch genug zu Essen da ist. Kriegs- und Nachkriegsgeschichte haben alte Menschen schwer geprägt. Im Lauf einer Demenz können erlebte Situationen wieder zu Tage treten, zumindest "gefühlt". Die Sorge, dass vielleicht Morgen nicht genug zu Essen da ist, wenn man keine Vorräte anlegt, sind für Ihre Mutter vermutlich real. "Spare (bevorrate) in der Zeit, dann hast Du in der Not.". Wir kennen in der Regel keine Not mehr. Fehlt uns etwas an Lebensmitteln, gehen wir zum Supermarkt um die Ecke und kaufen ein. Das kann ihre Mutter vermutlich allein nicht mehr bewerkstelligen - was eine zusätzliche Abhängigkeit bedeutet, verbunden mit der Gefahr, dass die Vorräte ausgehen könnten.


    Meine Empfehlung:
    Wenn wirklich erforderlich, z.B. weil die Gefahr besteht, dass ein Lebensmittel verdirbt - schmeißen Sie es weg.
    Aber: tauschen Sie es am Besten aus, und lassen Sie die Vorräte als solche an ihrem Platz wenn möglich.
    Ersetzen Sie lieber einen Apfel durch einen frischen, platzieren Sie eine Konserve dort, wo sie einen Teller mit Resten vom Mittagessen finden- und zwar so, dass ihre Frau Mutter dies nciht bemerkt.
    Denn stellen Sie sich einmal folgende Situation vor:
    Sie haben die Sorge, dass es Morgen nicht genug zu Essen gibt. Daher legen Sie - vernünftiger Weise - etwas zurück. Als Sie andertags das Versteck kontrollieren möchten, finden Sie es leer vor. Was dann? Hätten Sie das Gefühl, bestohlen worden zu sein? Ganz sicher ist die gefühlte Not wieder da: keine Vorräte.
    Also legen Sie neue Vorräte an, diesmal aber in anderen Verstecken, damit der "Dieb" diese möglichst diesmal nicht finden kann...


    Sie sehen also, dass es besser ist, die Verstecke nicht zu "verbrennen", in dem Ihre Frau Mutter bemerkt, dass diese "geplündert" wurden. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass Ihre Frau Mutter immer misstrauischer wird, wenn sie das Gefühl hat (das richtige Gefühl), dass jemand in ihren Sachen wühlt und so immer die Vorräte findet.
    Tauschen Sie aus wo es geht, aber nehmen Sie nicht einfach weg.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Hallo Annemarie,


    vielleicht würde es Ihnen helfen, sich direkt mit Menschen zu treffen, die in ähnlicher Situation sind oder waren? Eine Selbsthilfe-/Angehörigengruppe finden Sie eventuell über die Datenbank hier im Demenzwegweiser, ansonsten über die Homepage der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Eine dritte Möglichkeit, falls Sie aus zeitlichen Gründen oder aufgrund mangelnder Mobilität an keiner Gruppe teilnehmen können oder wollen, wäre noch einer entsprechenden Mailingliste beizutreten (sozusagen eine online-Selbsthilfegruppe).
    Diese können zumindest etwas Entlastung psychischer Natur ermöglichen - und man profitiert eben auch von den Erfahrungen anderer Angehöriger.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Guten Morgen,


    es ist sehr verständlich, dass Sie die Situation als nicht erträglich empfinden.
    Bedenken Sie jedoch: weil Ihre Frau Mutter die beiden genannten Medikamente nicht nimmt (Aricept / Antidepressivum) befindet sie sich nicht in unmittelbarer Gefahr - sonst hätte der Hausarzt auf die Nachricht anders reagiert. Ebenso scheint der sozialpsychiatrische Dienst keinen akuten Handlungsbedarf zu erkennen.
    Eine zwangsweise Unterbringung im Pflegeheim sollte natürlich immer das letzte Mittel sein - deswegen gibt es relativ hohe Hürden dafür. Wenn keine Selbst- oder Fremdgefährdung beobacht- bzw. einschätzbar ist, wird niemand etwas in dieser Richtung unternehmen können. Vielleicht ist es jedoch in jedem Fall sinnvoll, wenn Sie sich beim örtlichen Vormundschaftsgericht einmal beraten lassen (Betreuungsstelle), wie Sie im Zweifel vorgehen sollten und können.


    Ich sehe aber, wenn sich die Lage zuspitzt, keine andere Möglichkeit als das Sie eine Entscheidung treffen. Auch wenn diese möglicherweise nicht mit dem geäußerten Willen Ihrer Frau Mutter übereinstimmt.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Sehr geehrte AnneMarie,
    zunächst: der medizinische Dienst = MDK = medizinische Dienst der Krankenkassen. Dieser ist z.B. für die Einstufung in eine Pflegestufe zuständig. Ich nehme an, Sie sprechen von einem ambulanten Pflegedienst / Krankenpflegedienst, der zur häuslichen Versorgung kommt. Das sind zwei verschiedene "Institutionen".


    Ich denke, Sie sollten den Hausarzt Ihrer Frau Mutter informieren, insbesondere, wenn die Medikation nicht mehr oder nur unregelmäßig eingenommen wird. Weiter könnten Sie natürlich immer wieder versuchen, Ihre Frau Mutter zu überreden.... . Gibt es eventuell eine Person in der nahen Umgebung (Freunde / Nachbarn), die bei Bedarf schnell "rübergehen" könnte?


    Ein Pflegedienst selbst hat natürlich keine handhabe, sich irgendwie Zutritt zu verschaffen, wenn er abgelehnt wird. Auch dort könnten Sie sich eine Einschätzung zur Situation geben lassen. Eventuell könnten Sie auch den sozialpsychiatrischen Dienst um einen Hausbesuch bitten. Aber all das wird letztlich kaum dazu beitragen, dass Ihre Frau Mutter den Pflegedienst akzeptiert. Eventuell einen Wechsel des Pflegedienstes in Betracht ziehen, falls Sie den Eindruck gewinnen, die Ablehnung ist personenabhängig. Fragen Sie auch nach, ob es Mitarbeiter des Pflegedienstes gibt, mit denen Ihre Frau Mutter ein gutes oder sehr gutes Verhältnis hat. Vielleicht ist einteilbar, dass überwiegend diese Mitarbeiter die Besuche bei Ihrer Mutter vornehmen.



    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Sehr geehrte Schnewittchen,


    Sie haben m.E. nach zwei Möglichkeiten mit dem Arztbesuch:
    1. Sie bringen einen (Fach)Arzt dazu, einen Hausbesuch zu machen.
    2. Sie "locken" Ihre Frau Mutter unter einem Vorwand zum Arzt. Begründen Sie dies z.B. mit einer Routineuntersuchung die jetzt Pflicht und Vorschrift der Krankenkassen o.ä. sei.
    Das Menschen mit Demenz keine Krankheitseinsicht haben (können), weiß jeder Arzt - in so fern werden Sie dort auf Verständnis für etwas Trickserei stoßen.


    Zum Autofahren:
    Wenn Menschen mit Demenz nicht mehr sicher Auto fahren, aber nicht davon lassen können, gefährden sie sich selbst und andere. Es besteht dann Handlungsbedarf. Sie können selbst bei der Führerscheinstelle eine Überprüfung der Fahreignung anregen, zu welcher Ihre Frau Mutter dann amtlicherseits verpflichtet würde. In der Praxis haben Angehörige sich auch schon an die Polizei gewandt, auf der Dienststelle erklärt wie die Sachlage ist. Wenn nichts konkretes vorliegt kann die Polizei offiziell zwar in der Regel nichts unternehmen, der Besuch durch einen Polizisten mit der Aufforderung, das Autofahren sein zu lassen hat jedoch durchaus schon Wirkung gezeigt. Also sozusagen ein "halboffizieller" Weg / Besuch.
    Bedenken Sie unbedingt, dass es erhebliche Schwierigkeiten mit der KFZ-Versicherung mit sich bringen kann, kommt es zu einem Unfall.
    Ebenfalls kenne ich die Lösung, dass Angehörige das Auto von einem technisch versierten Bekannten haben "unbrauchbar" machen lassen (z.B. Zündkerzen entfertn etc.). Der Erkrankte nahm dann hin, dass sein Auto nicht mehr fuhr - und fertig. Jedoch besteht die Gefahr, dass das Fahrzeug dann einfach durch eine Werkstatt repariert wird, wenn Ihre Frau Mutter sich darum kümmert / noch kümmern kann.


    Lesen Sie bitte unbedingt dazu:
    http://www.wegweiser-demenz.de/haftpflicht.html
    und
    http://www.deutsche-alzheimer.de/index.php?id=85
    sowie:
    http://www.alzheimerforum.de/2/3/6/236inh.html


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Hallo,


    aus Ihren Schilderungen ergibt sich für mich zunächst die Frage, was Ihre Frau Mutter mit ihrem Verhalten bezweckt, oder anders formuliert: worum geht es tatsächlich?
    Anhand Ihrer Schilderung kann ich natürlich nur spekulieren: wäre es denkbar, dass es für Ihre Frau Mutter darum geht, Kontakt zu haben? Schafft Sie sich dadurch vielleicht Sicherheit - denn wenn Sie auch immer reagieren, erfährt Sie jedes Mal auch "Zuwendung" durch Ihren Einsatz. Das Verhalten wird also möglicherweise bestärkt. Insbesondere auch nachts. Ein Mensch mit Demenz, der nachts aufwacht, vielleicht in einem dunklen Raum, sich nicht orientieren kann, möglicherweise empfindet alleingelassen worden zu sein, könnte auf diese Weise "um Hilfe" rufen - also für seine Sicherheit sorgen wollen.
    Wenn ausgeschlossen ist, dass es ein medizinisches Problem gibt (häufig wird Inkontinenz fälschlicherweise als automatische Folge einer Demenz betrachtet, die sozusagen ab Diagnosestellung dazu gehört) kann möglicherweise nur ein anderer Ansatz weiterhelfen.
    Zunächst müssten Sie vielleicht schauen, ob Sie ein Nachtpflegeangebot in Ihrer Region haben, oder auch Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen in einer Einrichtung, um selbst Kraft zu tanken die Pflege fortzuführen, wenn Sie bereits selbst merken, dass Sie hochbelastet sind. Vor dem Hintergrund des dauernden Schlafmangels nur allzu verständlich.


    Menschen mit Demenz kann es hilfreich sein, durch eine feste Toilettengang-Struktur zunächst zu vermitteln, dass sie keine Sorge haben müssen, nicht rechtzeitig zur Toilette gebracht zu werden. Das heißt, man schafft einen festen Rhythmus, in dem der Toilettengang stattfindet - völlig verlässlich für ihn (Toilettentraining). Dabei muss der Menschen mit Demenz nicht notwendigerweise die Uhr noch verstehen, es muss sich lediglich das Gefühl dafür einstellen, dass er regelmäßig und zuverlässig zur Toilette begleitet wird. Er muss keine Angst haben, sich in die Hose machen zu müssen, weil er vergessen wird - muss also nicht im Vorwege rechtzeitig "Alarm schlagen". Häufig funktioniert das aber nur, wenn sich das Hilfe-Ruf-Verhalten noch nicht allzulange verfestigt hat.
    Niemand muss alle 30 Minuten müssen, jedenfalls ist dies nicht automatische Folge einer Demenz.
    Sie schreiben, dass Sie den Zeitraum ausdehnen können, durch "Zureden und Ablenken". Für mich ein klarer Hinweis, wie ich ansetzen würde:
    Einen Toilettengangrhythmus einführen, und dies klar sagen und auch durchhalten, z.B. am Anfang nicht öfter als alle 1,5 Stunden. Natürlich daran ausgerichtet, wann Ihre Frau Mutter wirklich muss - dies werden Sie aus Erfahrung ja etwa einschätzen können.


    Für die Zeit zwischen zwei Toilettengängen würde ich versuchen, möglichst viele Aufgaben zu suchen, möglichst viele Dinge, Beschäftigungsvarianten, mit denen sich Ihre Frau Mutter selbständig beschäftigen kann (muss), ohne dass wiederum Sie ständig gefordert sind. Vom Socken zusammenlegen bis zum Fernsehen ist da alles denkbar, möglichst haushaltsnahe, von früher bekannte Tätigkeiten. Abwaschen z.B. kann mittels einer kleinen Wanne auch im Sitzen im Rollstuhl etc. pp. .


    Weiter ist es wichtig, dass Sie bei Kontakten mit Ihrer Mutter diese immer eindeutig gestalten - sowohl was den Beginn, als auch was deren Ende darstellt. Bleiben Sie verlässlich, von einem dementen Menschen als "beliebig" empfunde Situation verursacht weitere Unsicherheit. Wenn Sie weggehen oder eine Unterhaltung / Kontakt beendet ist, machen Sie jedes Mal ganz klar, dass und wann Sie wieder kommen.
    Ich habe auch schon erlebt, wie Angehörige mit einer "Pappuhr" gearbeitet haben, auf der sie jedes Mal nach dem Toilettengang einstellten, wann der nächste dran ist. Das funktionierte zumindest teilweise.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Hallo,


    Sie können versuchen, die häusliche Weiterversorgung durch Dritte zu organisieren, oder für die anstehenden Tage die Pflege eine Einrichtung überlassen. Für maximal 28 Tage im Jahr können Sie so Ihren Herrn Vater in Obhut geben, bis die Genesung Ihrer Frau Mutter erfolgt ist. Die pflegebedingten Aufwendungen werden dabei von der Pflegeversicherung getragen bis zu einer Obergrenze von rund 1500,00 Euro, sofern die Voraussetzungen vorliegen.
    In der Regel ist auch ein Übergang in die Dauerpflege kein Problem.
    Verhinderungs- / Kurzzeitpflege sind hierzu Ihre Stichwörter:
    http://www.wegweiser-demenz.de/leistungen.html
    oder auch hier:
    http://www.deutsche-alzheimer.de/index.php?id=29#c245



    Informieren Sie sich in einem Pflegeheim Ihrer Wahl ausführlich über die Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten - man wird Sie gerne beraten.
    Eventuell ist dies noch hilfreich für Sie:
    http://www.alzheimerforum.de/2/8/3/checklis.html


    Bei der Frage, wie Sie dies Ihrem Vater vermitteln sollen, stellt sich natürlich zunächst die Frage, was er noch aufnehmen und verarbeiten kann. Und ob und wie schnell er wieder vergisst, was Sie dann bereits besprochen haben.
    Ich empfehle, wenn noch Zeit genug ist, für einen möglichst sanften Übergang zu sorgen - also wenn möglich, dass Ihr Herr Vater die Einrichtung selbst wählt in dem er vielleicht verschiedene Einrichtungen erleben kann und Sie seine Reaktionen beobachten und Ihren persönlichen Eindruck von der Einrichtung in der Familie besprechen. Mal zu einer Veranstaltung, Besichtigung, zum Kaffeetrinken hinfahren und schauen, was er davon hält - und sich selbst einen Eindruck verschaffen. Dies aber natürlich nur, wenn mehrere Ortswechsel und Unternehmungen Ihren Vater nicht zusätzlich verwirren.
    Das Warum sollten Sie durchaus erklären, auch mehrmals, wenn nötig. Allerdings: durchaus möglich, dass es nunmal nicht geht, ohne das er enttäuscht oder ärgerlich reagiert.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Sehr geehrter Annemarie,


    die Situation wird nicht leichter, wenn Ihre Frau Mutter immer wieder auf ihre Defizite und Vergesslichkeit hingewiesen wird. Eher wird das zu mehr Verärgerung und Konflikten führen. Wenn Ihre Frau Mutter keine Krankheitseinsicht hat - und das ist nicht ungewöhnlich bei einer Demenz - ist es doch verständlich, dass Dritte an irgendwelchen verpassten Terminen etc. schuld sind bzw. sein müssen.
    Bedenken Sie auch, dass eigene Defizite die man bemerkt Scham und Frustration auslösen - niemand wird gerne darauf hingewiesen, und im Zweifel werden diese immer überspielt / verdeckt. Menschen mit Demenz bauen nicht selten eine entsprechende Fassade auf und sind recht einfallsreich, diese auch zu erhalten. So weit nicht ungewöhnlich.
    Sie könnten den örtlichen Sozialpsychiatrischen Dienst bitten, sich einzuschalten. Die Mitarbeiter machen "Hausbesuche", um sich ein Bild vor Ort von der Situation zu machen und können Ihnen aus Ihrer Erfahrung heraus auch sagen, wie sie die Situation einschätzen - also ob es Zuhause noch geht oder nicht. Und falls nein, wird man auch das weitere Vorgehen mit Ihnen besprechen. Den Sozialpsychiatrischen Dienst am Wohnort Ihrer Mutter müssten Sie über das Gesundheitsamt erreichen.
    Ich habe jedenfalls mit dem SP sehr gute Erfahrungen gemacht, was die Zusammenarbeit angeht.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Sehr geehrte Annemarie,


    ich finde es erfreulich und wichtig, dass Sie sich Gedanken darum machen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, an dem Ihre Frau Mutter nicht mehr allein bleiben kann. Wenn eine Selbst- oder Fremdgefährdung gegeben ist, besteht sicherlich Handlungsbedarf.
    Zunächst eine Frage: haben Sie die Betreuung inne, existiert eventuell eine Vorsorgevollmacht?
    Grundsätzlich ist es so, dass jede große Veränderung der Lebensumstände zu größerer Verwirrtheit, einer Veränderung des Verhaltens und einem kognitiven Einbruch führen kann.
    Wäre es vielleicht möglich, regelmäßige Besuch durch Ehrenamtler zu organisieren, die sich mit Menschen mit Demenz auskennen? Wenn jemand nicht kommt, um direkt Hilfe zu leisten (wie. z.B. jemand vom ambulanten Pflegedienst) wird das manchmal bessern von den Erkrankten akzeptiert. Wäre die Nutzung einer Tagespflegestätte denkbar?
    Wenn es auf eine Heimunterbringung hinausläuft, sind Sie gut beraten sich mehrere Einrichtungen anzuschauen und zu vergleichen. Ein Einstieg den Angehörige manchmal nutzen, ist z.B. zu Veranstaltungen in Pflegeeinrichtungen auch gemeinsam mit ihrem dementen Angehörigen zu gehen um ein "lockeres" kennenlernen zu ermöglichen. Haben Sie einen richtigen Besichtigungstermin vereinbart, kommen Sie in jedem Fall unpünktlich und gehen Sie nicht alleine hin. Für die Heimbesichtigung gibt es auch entsprechende Checklisten, die helfen können eine gute Wahl zu treffen.
    Sie sollten auch Kontakt zu einer örtlichen Alzheimer Gesellschaft aufnehmen, so am Wohnort Ihrer Mutter vorhanden - dort kann man Ihnen oft weiterhelfen, weil man die regionale Angebotsstruktur kennt.
    Hier im Wegweiser finden Sie weitere Informationen: http://www.wegweiser-demenz.de/betreuung-und-pflege.html
    auch hier:
    http://www.alzheimerforum.de/2…ug_ins_Pflegeheim.html#02
    auch hier:
    http://www.alzheimerforum.de/trickkst/optimieren.html


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Sehr geehrte Maya,


    gerade zu Beginn einer Demenz ist das Erleben der Betroffenen von zunehmender Unsicherheit, oft Angst geprägt. Der demente Mensch muss sich ständig erklären, was passiert ist bzw. sucht nach entsprechenden Erklärungen. Durch seine Erkrankung, insbesondere durch die damit einhergehende Merkfähigkeitsstörung funktioniert dies immer schlechter.
    Ein Beispiel:
    Wenn Ihre Schwiegermutter z.B. einen Platz hat, an dem sie immer ihre Geldbörse ablegt, wenn sie Zuhause ist, und diese dann später oder am nächsten Tag nicht an dem Ort ist, an dem sie sein müsste - welche Erklärungen sind "logischerweise" möglich?
    Die Geldbörse wird immer an eine bestimmte Stelle gelegt. Immer! Seit 20 Jahren. Nun ist sie weg?!
    Da keine Erinnerung daran da ist, dass die Geldbörse statt auf den Nachttisch gestern in die Wohnzimmerschublade gelegt wurde, kann sich Ihre Schwiegermutter gar nicht selbst daran erinnern (sich erklären), wo diese geblieben sein könnte. Also, was kann dann passiert sein? Richtig, "jemand" muss sie gestohlen bzw. mindestens weggeräumt haben.
    Selbst war sie es ja nicht - also jemand anderes. Das ist eine durchaus "vernünftige" Annahme im Blickwinkel Ihrer Schwiegermutter.
    Dies führt dann häufiger dazu, dass Dritte beschuldigt werden, zu Misstrauen etc. pp. .
    Diskutieren Sie in diesen Fällen nicht - es wird wenig bis gar nichts bringen!
    Helfen Sie besser beim Suchen. Idealerweise lassen Sie Ihre Schwiegermutter die in meinem Beispiel genannte Geldbörse dann selbst finden.


    Zu den Schuhen: womöglich kann Ihre Schwiegermutter diese aufgrund der fortschreitenden Gedächtnisverlustes nicht mehr als ihre eigenen identifizieren. Sie erinnert sich möglicherweise schlicht nicht daran, dass dies ihre sind. Auch hier, diskutieren Sie möglichst nicht. Wenn möglich bieten Sie ein anderes Paar an (ein älteres, wenn es geht). Oder vielleicht ist es auch möglich, Ihrer Schwiegermutter zuvor zu kommen und die "neuen" Schuhe die sie sich ausgesucht hat, mit großen "Hallo" zu loben.... .


    Eine Literaturliste finden Sie hier:
    http://www.wegweiser-demenz.de/publikation.html
    oder auch hier:
    http://www.deutsche-alzheimer.…en/Literaturliste0810.pdf


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Sehr geehrte Marita,


    ich erlaube mir eine Gegenfrage: könnten Sie verantworten, ihren Herrn Vater, zu dem sie eine enge Beziehung haben(!), nicht mehr zu besuchen? Ich kann sicher nicht beurteilen, warum Ihr Herr Vater weint. Jedoch, zu betrauern was einmal war, vielleicht auch was man "verloren" hat, darf auch dazu gehören im Laufe eines Lebens.
    Es ist Ihre gemeinsame Zeit. "Eine Demenz", hat mal jemand treffend beschrieben, "ist ein Abscheid auf Raten.". Diese Raten gilt es auch zu nutzen in meinen Augen. Traurigkeit über Verluste die man erfährt, ist zutiefst menschlich.
    Sicher haben Sie schon versucht, Ihren Herrn Vater abzulenken, Inhalte zu schaffen die seine Aufmerksamkeit vielleicht so fordern, dass er nicht die ganze Zeit über weint. Mögen Sie beschreiben, wie das aussah und was Sie da versucht haben? Haben Sie sich vielleicht einmal schon mit anderen Angehörigen darüber ausgetauscht, was diese tun, wenn sie zu besuch sind? Vielleicht hat einer der Leser hier noch einen Tipp dazu?
    Eventuell erfahren Sie Nützliches auch unter diesem Link:
    http://www.demenz-ratgeber.de/…_gut_mit_sich_umgehen.htm
    Diese Empfehlungen richten sich stark an Angehörige, die Zuhause selbst pflegen.
    Gut mit sich selbst umzugehen ist aber sicher ein Rat, der immer Gültigkeit besitzt.



    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Sehr geehrte/r alatna,


    im dritten und letztem Stadium der Alzheimerkrankheit sind die Erkrankten in der Regel meist nicht mehr in der Lage zu kauen oder zu schlucken. Ebenso besteht in der Regel keine Kontrolle mehr über die Ausscheidungsorgane. Die Patienten sind meist bettlägerig, Schwierigkeiten mit der Atmung nehmen zu. Häufigste Todesursache dementer Menschen sind Infektionen, besonders der Atemwege (Lungenentzündung), manchmal auch durch die Aspiration von Nahrungsbestandteilen in die Lunge.


    Mit freundlichen Grüßen


    Jochen Gust

    Der Tag-/Nachtrhythmus bei Menschen mit Demenz wandelt sich oft mit der Zunahme der Desorientierung. Für Ein- und Durchschlafstörungen kann es zudem eine ganze Reihe von anderen Ursachen geben. Bitte besprechen Sie das Problem unbedingt mit dem behan-delnden Facharzt ihrer Frau Mutter.
    Weiter verweise ich auf diese zehn ersten Schritte: http://www.alzheimerforum.de/2/3/10/demenzschlafAF.pdf


    Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.


    mfg
    Jochen Gust

    Desorientierung ist kennzeichnend im Verlauf einer Demenz. In der Regel nimmt sie in dieser Reihenfolge zu:
    1. Zeitliche Desorientierung
    2. Desorientierung zu Örtlichkeiten / Räumen
    3. Desorientierung zur Situation
    4. Desorientierung zu Personen
    5. Desorientierung zur eigenen Person
    5a. Desorientierung hinsichtlich des eigenen Körpers.
    Die Übergänge sind fließend – und ja, es ist zu erwarten, dass sich die Probleme Ihres Vaters in dieser Richtung verstärken werden.


    Ich empfehle, frühzeitig die Orientierungsfähigkeit Ihres Vaters zu stützen: Verändern Sie so wenig wie möglich an der ihm vertrauten / bekannten Umgebung. Selbst der Austausch, die Wegnahme oder das Umstellen von "Kleinigkeiten" wie Uhren, Beistelltischen o.ä. kann die Desorientierung verstärken, und Verhalten wie Hinlauftendenzen und Unruhe auslösen. Geben Sie Ihrem Vater bei Ortswechseln, insbesondere bei Aufenthalten über Nacht, stets vertraute Dinge mit wie das eigene Kopfkissen, ein Bild vom Nachtschrank etc.


    Versuchen Sie auch zu akzeptieren, dass Menschen mit Demenz ihre eigene "Ordnung" entwickeln. Räumen Sie daher nicht zuviel auf oder weg. Verstärken und nutzen Sie Ritua-le, und korrigieren Sie den Erkrankten nicht unnötig.
    Die Türen zum Bad oder zur Küche können Sie z. B. mit Bildern (Piktogrammen) ausstat-ten, die dem Erkrankten die Orientierung erleichtern. Wenn diese nicht zu Stolperfallen werden können, bringen Sie auch entsprechende Hinweise auf dem Fußboden an – alte Menschen schauen beim Gehen eher nach unten als nach oben. Auch bei Beschilderun-gen der Tür sollten sie daran denken, ob die Augenhöhe des Betroffenen erreicht wird – er wird nicht aktiv nach Hinweisen suchen, sondern sie müssen ihm "ins Auge fallen".
    Sorgen Sie auch für eine angemessen helle Beleuchtung. Die Sehfähigkeit älterer Men-schen ist eingeschränkt, sie benötigen mehr Licht. Manchmal taugt auch die Brille einfach nicht mehr.
    Lassen Sie Hinweise darauf, welche Tageszeit es ist und was als nächstes passieren wird, immer ins Gespräch einfließen. Beachten Sie, dass die Information: "Es ist viertel vor zwölf" einem Menschen mit Demenz dabei sehr viel weniger sagen kann als "Es gibt gleich Mittagessen". Auch große und gut lesbare Kalender und Uhren helfen bei der Orientie-rung. Bei Uhren sollten Sie allerdings darauf achten, dass diese nicht zu laut "ticken". Men-schen mit Demenz stören sich gerade beim Einschlafen schnell an Geräuschen, die sie nicht zuordnen können.


    Ich hoffe, Ihnen mit diesen Tipps erstmal weitergeholfen zu haben. Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.


    Mit freundlichen Grüßen
    Jochen Gust