Beiträge von jochengust

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    Hallo Silly,


    auch wenn die Körpertemperatur bzw. Fieber ein wichtiges Symptom ist: in meiner Tätigkeit mit Menschen mit Demenz im Pflegeheim oder Krankenhaus war die rektale Messung der Temperatur in den vergangenen Jahren eher nicht (mehr) die Regel - auch wenn (nicht nur) mir aufgrund der Genauigkeit das vielleicht manches Mal lieber gewesen wäre.
    Entscheidend war aber stets schlicht die Akzeptanz der mir / uns anvertrauten Menschen. Die vom Patienten / Bewohner akzeptierte Form ist zu wählen. Punkt.

    Aber zur Genauigkeit: möchte Ihre Frau Mutter offensichtlich diese Form der Temperaturmessung grundsätzlich nicht, oder lag es an der Art der Mitarbeiterin die Sie (mehr) gestört hat? Aus Ihrem Text heraus hielte ich zunächst beides für denkbar.... .

    Richtig ist, dass die Messung rektal genauer ist. Weiter ist es richtig, dass es bestimmte Indikationen gibt, unter denen eine rektale Messung (od. ein anderes genaues Messverfahren der Körpertemperatur) geboten sein kann. Sprechen Sie den behandelnden Hausarzt an und fragen Sie nach, ob etwas derartiges geboten ist. Welche Behandlungs- / Therapiekonsequenz / Risiken hat es - abweichend von anderen Methoden - eine (invasive) Messung rektal vorzunehmen. Überhaupt eine.....?
    Ansonsten....siehe Buchenberg - Infrarothermomenter fürs Ohr besorgen, fertig.


    Hinzufügen möchte ich: ein Infekt bzw. Fiebererkrankung bringt gerade älteren Menschen häufig "Nebenwirkungen" mit sich: Flüssigkeitsverlust ist das eine. Das andere ist aber, wenn sie die "Schlappheit" ins Bett zwingt unbedingt auf ausreichend Bewegung (Positionsveränderungen) dort zu achten. Der Bewegungsmangel im Bett kann folgenreich sein, weshalb auch kleine und kleinste Bewegungen wichtig sind.

    Dazu, mit einer Bronchitis zur Arbeit in eine Pflegeeinrichtung zu gehen, schreib ich jetzt besser nichts.

    Gute Besserung Ihrer Frau Mutter.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Silly,

    So wie jochengust schon vermutet hat, gehöre ich zu den anstrengenden Angehörigen, die es sich rausnimmt zu kontrollieren wie die Eingewöhnung verläuft. Bisher leider recht enttäuschend!

    Ich habe nichts dergleichen vermutet.
    Ortswechsel sind eine große Herausforderung - für Menschen mit Demenz besonders. Dass Eingewöhnungsphasen in Einrichtungen ganz unterschiedlich verlaufen können, kann und darf erfahrene Pflegefachleute in einer Einrichtung nicht schocken oder aus der Ruhe bringen (dann geht es häufig schief, denn meiner Beobachtung nach wird dann nicht selten zu schnell zu scharf reagiert, z.B. mit Medikamenten).

    Vielleicht ist vor dem Hintergrund die Aussage "Da muss sie durch" zu betrachten - allerdings mindestens unglücklich kommuniziert. Wenn die Aussage lediglich offensichtliche Mängel bagatellisieren soll, ist sie völlig verfehlt und inakzeptabel.
    Mit Eingewöhnungsschwierigkeiten können strukturelle Defizite nicht entschuldigt werden - und wie im verlinkten Thread bereits geschrieben, auch nicht persönliches Fehlverhalten von Mitarbeitenden.

    Eine Kollegin hat mal formuliert: "Gute Stationen sind Stationen des Zulassen-Könnens.", womit sie das Zulassen von Eigenheiten, individuellen Ausprägungen und ungewöhnliches Verhalten meinte. Und ich denke, sie hat noch immer recht damit.

    Es grüßt

    Jochen Gust



    Auch das Thema der Unhöflichkeiten und Schimpfworten beschäftigt mich sehr. Als Kinder haben wir regelmäßig was hinter die Ohren bekommen, wenn wir es wagten das böse Wort Sch.... zu benutzen, sie hat kein Problem damit, einen vorbeifahrenden Radfahrer mit Arschloch zu beschimpfen, oder auf einen freundlichen Gruß zu fragen, was die alte Schachtel denn wollte.

    Hallo taybeere ,

    ich kenne ähnliche Situationen, die einem selbst sehr unangenehm werden können. Bei verschiedenen Alzheimer Gesellschaften gibt es sogenannte Verständniskärtchen.Vielleicht wäre das ein kleines "Hilfsmittel" für Sie in solchen Situationen, insbesondere um Ihrer Mutter und sich Erklärungen gegenüber Dritten zu ersparen, die eine Situation häufig noch schwieriger machen?

    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Hallo Quarterchen,


    das Krankenhaus hat eine adäquate Weiterversorgung sicherzustellen. Sie schreiben, dass das in Frage kommende Pflegeheim / Kurzzeitpflegeplatz "ziemlich weit weg" sei.
    Wie weit weg ist das?
    Informationen zur Entlassung finden Sie auch im Wegweiser.


    Ein Krankenhaus kann auch selbst eine Art Kurzzeitpflege (max. 10 Tage) durchführen. Das ist aber an bestimmte Voraussetzungen gekoppelt und ich fürchte, ein großer Besuchsaufwand für Sie im Pflegeheim wird als Begründung dafür nicht ausreichen.

    Haben Sie schon mit dem behandelnden Arzt / Ärztin das Gespräch gesucht und ggfs. mit der Pflegekasse? Prima wäre, wenn Sie von der Wunsch-Einrichtung eine Zusage hätten, es aber nur um wenige Tage Verzögerung geht. Dann lässt sich manchmal etwas erreichen. Allerdings wird man sich erfahrungsgemäß nicht auf "bald" oder "demnächst" einlassen.

    Ansonsten - auch wenn Ortswechsel für Menschen mit Demenz problematisch sind, wird es vermutlich auf die Entlassung hinauslaufen und einen späteren erneuten Umzug.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust





    Hallo Demenz1934,


    Sie haben hier schon viele gute Ratschläge bekommen. Meiner Erfahrung nach ist es - wie so oft - nötig, mit "Versuch und Irrtum" die richtige Antwort zu finden, die zur Beruhigung beiträgt. Das ist sicher von der Persönlichkeit abhängig, auch vom Stand und der Entwicklung der Demenz.

    Wir alle erklären uns ständig die Welt mit den Informationen die wir haben.
    Wenn ich 30 Jahre meinen Geldbeutel abends auf mein Nachttischchen lege, eines morgens aufwache und da liegt er nicht, dann hat es eine Logik, dass ihn jemand (weg-)genommen hat. Und es ist grundsätzlich beunruhigend, wenn etwas verschwindet, was uns gehört - jeder hier kann in sich bestimmt das Gefühl wecken, dass er mal hatte als ein wichtiger Schlüssel oder der Geldbeutel nicht auffindbar war....Stress pur. Ein Geldbeutel, ein Schlüssel - all das hat meist auch mit der Selbstwahrnehmung und Selbstwertung zu tun - man hat sowas, wenn man als erwachsen gilt. Wie mag es sich anfühlen, wenn man immer wieder gesagt bekommt, dass man das nicht mehr braucht...?

    Bei anderne Dingen bei denen es um Eigentum geht kann man ebenfalls versuchen zu schauen, ob es um den Gegenstand an sich geht, oder etwas anderes, eine Sorge dahinter steckt. Z.B. seinen Besitz zu verlieren, den Überblick zu verlieren etc. . Dann, wenn das meine Wahrnehmung ist, verlege ich mich meist stark darauf zu versichern, dass alles was gebraucht wird "da" ist, für alles gesorgt ist, niemand einfach etwas nehmen wird etc. .

    Immer wieder funktioniert auch das, was Rose60 genannt hat: das Gefühl - z.B. Empörung - aufgreifen und versichern, dass das "so nicht bleiben wird" - durchaus auch ohne sich direkt um den Gegenstand zu drehen. Das Gefühl zu teilen, es als richtig und akzeptiert zu spiegeln, kann einen wertvollen Ausstieg bieten....wie oft stand in ich Pflegheimen oder Krankenhäusern auf Fluren und habe mit Menschen mit Demenz wütend über "diesen Saftladen hier" geschimpft...bis wir uns etwas anderem zuwenden konnten. Das tut manchmal einfach gut und bietet Gelegenheiten, um auf etwas anderes zu kommen - gleichzeitig wird das Gefühl nicht verneint.

    Ich hoffe, Sie finden bei jeder dieser Situationen gute Wege. Einzelne Handbücher, wenn dies ein kleines "Hilfsmittel" sein kann, bekommen Sie doch hoffentlich auch gegen kleines Geld beim Hersteller?

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Claudia F.,


    ggfs. wissen die Kolleginnen im Forum gesetzliche Leistungen hierzu Rat oder Sie finden hier mehr Informationen.
    Ansonsten ist es sicher sehr schwierig im Rahmen einer dementiellen Erkrankung den Verlauf und die Krankheitsdauer abzuschätzen, zumal sie von verschiedenen (Neben-)Faktoren auch beeinflusst wird wie z.B. andere Erkrankungen etc. .

    In NRW gibt es ein Landesprogramm Vereinbarkeit Pflege und Beruf - möglicherweise gibt es etwas ähnliches auch in Ihrem Bundesland?

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Tja, vielleicht bin ich eine von den schwierigen Angehörigen. Ich gebe zu, dass es mir alles andere als leicht fällt, meine hilflose Mutter in die Fürsorge fremder Menschen zu geben.

    Liebe Silly,


    es tut mir leid wenn mein Beitrag bei Ihnen den Eindruck erweckt hat, ich würde Sie als eine "schwierige Angehörige" einordnen. Davon bin ich meilenweit entfernt und auf keinen Fall sollte das von mir Geschriebene so wirken - das stünde mir auch gar nicht zu.
    Ihre Besorgnis ist da und natürlich völlig berechtigt. Ich kann die Situation vor Ort nicht beurteilen. Sie sind meiner Berufserfahrung nach schon deshalb keine der "schwierigen Angehörigen" (auf die ich zugegbenermaßen etwas flappsig anspielte), weil Sie ja reflektieren, dass Sie die Situation eben auch aufgrund Ihrer Gefühlslage als Tochter beurteilen. Und es gibt ja wirklich solche und solche Einrichtungen und nicht wirklich feststehende Kriterien, was "gut" ist.

    Für mich als Altenpfleger ist wesentlich, dass ich mit Angehörigen eine Vertrauensverhältnis aufbauen kann und wir ins Sprechen kommen. Bestenfalls sind wir irgendwann "partners in crime" - und es geht uns gemeinsam um das bestmögliche Wohlbefinden und Lebensqualität mit Respekt und Anerkennung vor unseren jeweiligen Sichtweisen und Perspektiven.
    Keinesfalls ist damit verbunden, dass Pflegebedürftige, Angehörige oder auch Kolleginnen hinnehmen sollten, was nicht hinzunehmen ist.

    Es kommt wie immer "drauf an". Pflege ist auch Beziehungsarbeit in alle Richtungen - und fehlende Kommunikation und Überlastung sind der Feind.
    Bei all dem was eben auch in der beruflichen Pflege passiert, habe ich großes Verständnis für ein gewisses Misstrauen einerseits, andererseits auch dafür, dass mit dem Umzug ins Heim auch eine Art Trauer- und Loslassprozess verbunden ist (und zwar auch dann, wenn Angehörige grundsätzlich froh darüber sind, weil es Zuhause einfach nicht mehr ging).

    Das heilt aber keine individuellen oder sogar strukturellen Unzulänglichkeiten und kann und darf nicht dazu führen, dass Mängel nicht angegangen werden. Mir ist so gesehen auch jede/r schwierige Angehörige lieber, als die schweigend-resignierten.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Silly, liebe ecia25, liebe TanjaS, liebe schwarzerkater,


    zum Thema möchte ich auch etwas "in den Ring werfen": es gibt hierzu natürlich Erfahrungen von - bis. Bei Angehörigen ebenso wie bei jeder Art Gesundheitsberufler der Erfahrungen mit Institutionen gemacht hat. Ein wesentlicher Vorteil für mich als Altenpfleger war und ist immer gewesen, dass ich eben einerseits eine gewisse emotionale Distanz habe - und im Gegensatz zu Angehörigen irgendwann Feierabend habe / hatte. Mögen die Tage noch so lang, aufregend - und manchmal furchtbar gewesen sein: irgendwann sitze ich in der sogenannten Übergabe - und bin danach "raus". Ein Vorteil, den Angehörige meist eben nicht haben. Auch für viele pflegende Angehörige bleibt ja m.E.n. auch dann wenn der Angehörige mit Demenz im Pflegeheim lebt, ein "mental load", von dem ich mich als Berufspfleger nochmal anders frei machen kann. (können sollte, so manche/r Pflegefachfrau /-mann kann das leider nicht - m.M.n. gehört das trainiert und geübt).
    Das ist nur ein Baustein von vielen, trägt aber durchaus zu einem guten und angemessenen Umgang mit Pflegebedürftigen bei. Daher ist es eben auch wichtig, dass die Arbeitsbedingungen stimmen. Da gibts viel Verbesserungsbedarf und Pflege kämpft darum - nicht nur um Verbesserungen für sich persönlich zu erzielen, sondern weil "wir" wissen, dass sich eine ständige Überlastung irgendwann negativ auswirkt auf unsere Arbeit - sprich: Pflegebedürftige / Patienten leiden schlimmstenfalls (mit uns) darunter.

    Damit das nicht missverstanden wird: keinesfalls will ich damit persönliches Fehlverhalten von Mitarbeitenden einer Einrichtung entschuldigen. Keine wie auch immer geartete Arbeitsbedingungen darf dazu führen, Menschen "Essen in den Mund zu stopfen" - und entschuldigt ein solches Verhalten auch nicht.
    Missstände gehören immer angesprochen und abgestellt - und es gibt sie, viel zuviele.

    Ich persönlich glaube auch, dass Pflege häufig zu wenig offensiv und transparent gegenüber Angehörigen ist. Wir erklären zu wenig, warum wir im Einzelfall etwas tun oder lassen. Das ergibt eine gewisse Intransparenz, die bei den ohnehin besorgten Angehörigen Misstrauen und Ängste fördern kann. Daran muss Pflege vielerorts arbeiten, meiner Auffassung nach.
    Ein Beispiel: Frau X hat sich die Bluse auf links heute früh angezogen. Der Sohn kommt zu besuch und ist verärgert darüber, wie seine Mutter herumläuft. Als Sohn nimmt er an, dass niemand seine Mutter richtig gesehen hat, sie nicht ausreichend beachtet oder es mir vielleicht egal ist wie sie aussieht oder niemand Zeit für sie hatte. Für mich hingegen war wichtig, ihre Leistung heute früh anzuerkennen. Sie darin zu bestärken selbständig zu sein....und die Wahl ihres outfits zu loben - denn sie schafft es immer seltener, sich selbständig anzuziehen sondern steht verloren halbbekleidet oder nackt vor ihrem Kleiderschrank, wenn man das Zimmer betritt. "Auf links" spielt daher für mich eine untergeordnete Rolle und ich oder eine Kollegin wird im Lauf des Tages bei günstiger Gelegenheit und Stimmung versuchen, das anzugehen. Vielleicht würde ich das aber auch nicht. Nicht, weil keine Zeit oder kein Interesse habe, sondern aus der Abwägung heraus. Meine innere Leitfrage beim Thema Demenz ist immer: wer hat hier / jetzt das Problem? Und der- oder diejenige die es hat, erfordert zunächst meine Aufmerksamkeit. Das ist nicht immer die Person mit Demenz.... .
    Erkläre ich meine Vorgehensweise jedoch nicht, bleibt - im Beispiel - der Sohn mit dem Gefühl zurück, niemand kümmert sich wirklich um die Mutter....die Wut und die Sorge wächst... . Erkläre ich mich hingegen, sind solche Situationen sehr oft kein Problem mehr. Ich wünsche mir da oft eine sehr viel offensivere Kommunikation der beruflichen Pflege in Sachen Demenz. Dann hat man oft auch die vermeintlich "schwierigen" unter den Angehörigen (und ja, die gibts auch - sorry ;) ) als Partner der Versorgung im Boot, statt sie zu Kritikern und Kontrolleuren zu degradieren. Deshalb ist es auch so wichtig, dass Angehörige Fragen stellen, nachfragen, wenn Pflege nicht selbst ausreichend ins Sprechen kommt.

    Ein weiteres Problem ist ein vielerorts steigender Druck durch den Fachkräftemangel. Einrichtungen geben große Summen fürs (neudeutsch) Recruitment aus, werben sich gegenseitig Mitarbeiter ab, zahlen Prämien und bieten Vergünstigungen - und finden trotzdem keine Fachkräfte. Auch das: keine Entschuldigung für individuelles Fehlverhalten. Aber es ist mancherorts einfach wahr, dass es keineswegs mehr darum geht die Zahl der Mitarbeitenden aus Kostengründen so knapp wie möglich zu halten sondern vielmehr darum gekämpft wird, jede Schicht noch ausreichend besetzen zu können. Darunter leidet dann auch der Schulungsstand irgendwann und es besteht das Risiko, dass Menschen die nicht ausreichend auf ihre Aufgaben vorbereitet sind in Situationen geraten, die sie eigentlich nicht händeln sollten oder gar dürfen.

    Nochmals: das rechtfertigt kein individuelles Fehlverhalten. Je nach Umständen und Möglichkeiten würde ich, blieben Gespräche fruchtlos, mich ebenfalls auf die Suche nach einer Alternative machen bzw. nötigenfalls auch die Aufsichtsbehörde ins Boot holen (WTG / Heimaufsicht). Eine bessere Alternative zu finden ist vielerorts aber keineswegs einfach und die ganze Nummer mit einem (nochmaligen) Umzug mit den möglichen Folgen muss in der Wirkung ebenfalls abgewogen werden. Beileibe keine leichte Entscheidung.

    Es ist wertvoll, dass und wie Sie sich austauschen und Ihre Erfahrungen mitteilen - es gibt "so ne und so ne"-Institutionen. Am Rande: die Tonalität hier finde ich ebenfalls fast immer klasse. Da bin ich in ähnlicher Funktion an anderen Orten durchaus anderes gewohnt. Chapeau.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Es soll durch das Andicken vermieden werden, dass sie sich verschluckt.


    Sie trinkt einfach nur sehr wenig. Es ist kein aktives Abwehren zu beobachten, soweit ich das einschätzen kann.


    Viele Grüße

    Hallo Hanne63,

    das ist bei Schluckstörungen nicht unüblich. Flüssigkeiten sind schwerer zu schlucken als feste / breiige Nahrung. Durch das Verschlucken steigt die Gefahr für eine Aspirationspneumonie (Bestandteile von Nahrung / Flüssigkeiten gelangen in die Lunge und führen zu einer Entzündung), die eine häufige Todesursache / Komplikation bei Menschen mit Demenz im späten Stadium ist. Andickungsmittel reduzieren die Gefahr einer Aspiration.

    Auch ist sich zu verschlucken natürlich unangenehm und kann daher zu geringeren Trinkmengen führen.

    Hier finden Sie (pdf) ein paar Informationen aus einem Vortrag einer Ergotherapeutin zum Thema Essen & Trinken bei Schluckstörungen. Vielleicht hilft dies bei der Betrachtung weiter.


    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo hanne63,


    eine schwierige Situation für Sie und Ihre Mutter. Mich würde hier interessieren, ob und welche Indikation es für die Flüssigkeitsgabe mit Hilfe von Andickungsmitteln gibt. Mir scheint das "mag sie lieber" etwas zu vage; liegen ausserdem Schluckstörungen oder andere Gründe vor, die das Andicken der Flüssigkeit notwendig (nicht einfacher!) machen?

    Hat sie ansonsten keinen Durst (trinkt nicht) oder verweigert aktiv (Kopf wegdrehen, Lippen aufeinanderpressen etc.) das Trinken? Oder trinkt sie einfach nur sehr wenig?
    Und was sind / wären die jeweiligen Konsequenzen, angesichts des Zustandes Ihrer Frau Mutter?


    Haben Sie selbst schon einmal in dieser Weise Flüssigkeit verabreicht? Was ist Ihr Eindruck?

    Es kommt vor, dass vom Flüssigkeitsmangel auf Durst (was ein Gefühl ist unter dem niemand leiden soll) geschlossen wird. Die Menge der aufgenommenen Flüssigkeit hat jedoch erstmal nicht mit dem Durstgefühl zu tun (sondern mit der Feuchtigkeit der Mundschleimhäute - und die kann man feucht halten). Dies nur, weil manchmal leider allzulange (bis zuletzt) an "Normwerten" für Erwachsene festgehalten wird.

    Verfügungen sind hier oft schwierig auszulegen.


    Es kommt auf Details und die Gesamtumstände an. Ja, ich habe auch schon mehrfach erlebt, dass Menschen mit Demenz viel angedickte Flüssigkeit gelöffelt haben wie einen Joghurt. Das war für alle Beteiligten okay und sogar sehr gut so. Nur waren die Zustände der Betroffenen eben ganz eindeutig andere, als Sie den Ihrer Mutter beschreiben.
    Ich schlage vor, ein gemeinsames Gespräch mit allen an der Versorgung Beteiligten zu führen (bzw. mit den zuständigen Leitungskräften), in jedem Fall aber mit der Hausärztin / Hausarzt. In ähnlichen Situationen habe ich (auch) gelernt und erlebt, dass es vielen Menschen leichter fällt etwas (manchmal "irgendetwas") zu tun - als etwas zu lassen. Daher sind Gespräche dazu extrem wichtig.

    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Soweit ich weiß, sind Krankenhäuser zu diesem Entlassungsmanegement verpflichtet.

    Guten Abend zusammen,


    der Satz von schwarzerkater sei an dieser Stelle unterstrichen. Auch wenn die Rückmeldungen die mich so erreichen den Schluss zulassen, dass das durchaus sehr unterschiedlich gehandhabt wird.

    Und auch diesen Gedankengang von Rose60

    So unangenehm es für die Angehörigen ist, finde ich muss man ja bedenken, dass es für ALLE akzeptabel sein muss. Wenn also ein dementer Mensch die komplette Aufmerksamkeit braucht, die dann anderen Bewohnern abgezogen wird, kann ich sehr gut nachvollziehen, dass es auf einer "normalen" Demenzstation eines Heimes nicht funktioniert, selbst wenn sie als geschlossen gilt.

    ...finde ich wichtig, gerade auch im Zusammenhang mit dem vielerorts sehr knappen oder gar mangelnden Mitarbeitenden.
    In meinen Anfängen haben Pflegeheime in Kliniken noch für sich geworben und viel Wert auf die Kontaktpflege gelegt. Heute können Pflegeheime sehr viel mehr "picky" sein (und müssen es hin und wieder auch) - aber den Heimplatz zu belegen fällt heute wohl keiner Einrichtung mehr schwer. Und das kann auch für Krankenhäuser und deren Sozialdienste / das Entlassmanagement bedeuten, dass es sehr schwierig sein kann einen (passenden) Heimplatz zur Entlassung zu finden.

    Ich hoffe, es findet sich eine gute Lösung und alles geht sich rechtzeitig gut aus.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Silly,


    da wird Ihnen der Schreck ordentlich in die Glieder gefahren sein, kann ich mir gut vorstellen.
    Was Sie beschreiben ist eher unspezifisch aus meiner Sicht. Ein Kollaps, wie Sie es beschreiben, kann durch alles mögliche verursacht werden. Das Wort "Demenz" wiederum ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen. Unter einem Schub versteht man meist, dass eine plötzliche Verschlechterung u.a. der kognitiven Fähigkeiten eintritt, meist bei vorliegender vaskulärer Demenz. Bei der Lewy-Body-Demenz ist z.B. die Neigung niedrigen bzw. plötzlich absackenden Blutdrucks beschrieben bei plötzlichem Aufstehen oder längerem Stehen.

    Synkopen, Krampf(neigung / Epilepsieneigung), kardiovaskuläre Problematiken, Schwindel, (Vor-)Boten eines Schlaganfalls, oder auch als Folge einer Minderdurchblutung des Gehirns denkbar, auch das Presse auf der Toilette, Herzrhythmusstörungen usw. usfrt.....ein älterer Mensch hat nicht selten auch mehrere Erkrankungen, darunter welche, die sich gegenseitig beeinflussen.

    Ich rate Ihnen zur ärztlichen Abklärung - es muss ja ggfs. nicht in einer Klinik sein. Mitteilen / darüber austauschen sollten Sie sich mit dem Hausarzt / Facharzt aber in jedem Fall in meinen Augen.
    Wurde jüngst etwas an der Medikation verändert?

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Buchenberg,


    Demenzerkrankung sind altersassoziiert und von daher durchaus eine Altersfrage. Die Wahrscheinlichkeit an einer Demenz zu erkranken ist mit 20 einen andere als mit 80. Die Fahrtüchtigkeit zu überprüfen, wann und unter welchen Bedingungen das stattfinden soll, scheint mir eine bereits jahre(zehnte)lange Diskussion - und auch die Studienlage ändert sich nicht wesentlich dazu. Eine Demenz führt irgendwann zur Fahruntüchtigkeit. Nur ist eben die Frage, wie "filtert" man dies heraus. Eine regelmäßige Prüfung würde ich befürworten, schon aus dem Aspekt heraus, dass dies sehr schnell Normalität würde: ebenso wie das Auto zum Tüv muss, muss ich das halt (im Alter) auch. Ich glaube, das würde manchen Konflikt und Unfall ersparen.


    Grundsätzlich würde ich es persönlich begrüßen, wenn ab einem gewissen Alter einen regelmäßigen Gesundheitscheck für Führerscheininhaber gäbe - auch, aber gar nicht nur um Hinblick auf Demenzerkrankungen. Von mir aus noch nicht einmal am Alter festgemacht, sondern ganz prinzipiell in bestimmten Rhythmen. Aber checken sollte man das schon alle paar Jahre, finde ich.
    Im Rahmen von Demenzen wird es manchmal ganz schön schwierig, Betroffene vom Autofahren abzuhalten - auch hier im Wegweiser gibt es Infos dazu.

    Ihnen ein schönes Wochenende.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Mondschein,


    Zur Frage ob das Verhalten so ungewöhnlich ist: ungewöhnlich ja, aber für mich persönlich nicht völlig selten oder etwas, was nicht auch "dazugehört".
    Nur: es gibt eben keine festgelegten / verbindlichen Kriterien, was eine "gute Demenzabteilung" leisten soll / muss. Jedes Pflegeheim, jedes Krankenhaus kann sich ein halbes dutzend Zertifikate an die Wand hängen und mit besonderer Demenzversorgung werben - was das wirklich konkret im Alltag bedeutet, weiß man deshalb leider noch lange nicht.
    Mich erreichen auch hin- und wieder Berichte / Aussagen, dass Pflegeheime zunehmend darauf achten die "leichteren Fälle" auszuwählen zur Aufnahme zur Schonung der Mitarbeitenden bzw. weil mehr personell auch einfach mancherorts nicht mehr zu stemmen ist, schließlich muss man den Menschen die in der Einrichtung leben auch gerecht werden und die (vertraglichen) Pflichten erfüllen.

    2020 hat das Oberlandesgericht Oldenburg die Kündigung eines Heimvertrages für unwirksam erklärt, bei der es um Verhaltensauffälligkeiten einer Dame mit Demenz ging (Oberlandesgericht Oldenburg vom 28.5.2020 (Az.: 1 U 156/19)).
    Das sind aber Einzelfallentscheidungen - und Ihr Problem ist, dass hier keine Kündigung ausgesprochen wurde sondern die Kurzzeitpflege ausläuft, sofern ich richtig verstehe.

    An Ihrer Stelle würde ich das Gespräch mit verschiedenen Stellen suchen und v.a. darauf achten, dass jedem Gesprächspartner/in ohne Zweifel immer klar ist: Sie werden die weitere Versorgung nicht übernehmen.
    Als da wären:
    Hausärztin / Fachärztin, Pflegekasse, Pflegestützpunkte, ggfs. Betreuungsstelle beim zust. Betreuungsgericht. Eine andere Variante ist vielleicht, mit der aktuellen Einrichtung zu besprechen, dass Ihre Frau Mutter so lange bleiben kann bis Sie eine andere Einrichtung gefunden haben und die aktuelle Einrichtung Sie dabei vielleicht sogar aktiv bei der Suche unterstützt. Möglicherweise wird es aber wie hier schon von anderen Foristen auf eine erneute Einweisung in eine Klinik hinauslaufen, die einen Zeitpuffer verschafft. Sicher nicht ideal und so nicht gedacht, möglicherweise aber ohne Alternative in der Situation.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Mauerflower,


    Menschen mit Alzheimerkrankheit od. vaskulärer Demenz weisen tatsächlich ein höheres Risiko auf, eine Epilepsie zu entwickeln. Generell kann eine Behandlung einer Epilepsie im Alter "tricky" sein (Medikamente) und tatsächlich gibt es Hinweise, das es auch einen umgekehrten Einfluss gibt. Zuetzt war das auch Thema bei einer Epilepsie-Tagung.

    Bei dem was Sie beschreiben und in Ihrer persönlichen Situation halte ich es für einen guten Rat, jemanden Drittes mit der Betreuung zu beauftragen. Wenn der Antrag gestellt würde, wird seitens des Gerichts ohnehin überprüft oft erforderlich. Von daher besteht nicht die Gefahr, dass Ihrer Frau Mutter unnötigerweise oder gar widerrechtlich ein/e Betreuer/in zur Seite gestellt wird. Ggfs. könnten Sie auch mit einem Betreuungsverein vor Ort sprechen und sich beraten lassen - was aber eben einen zusätzlichen Termin für Sie darstellt und vielleicht auch nicht die letzten Fragen beantwortet.


    Ich bin nun völlig ratlos und fühle mich der EntscheidungsVerantwortung kaum gewachsen: Betreuer? Aber ich schaffe das jedenfalls nicht länger, möchte mich nicht immer wieder beschuldigen und beschimpfen lassen. Mein Mann, der sehr viel der Arbeiten Anträge/Telefonate/ etc. übernommen hatte, lehnt das auch ab, weil er sieht, wie es mir damit geht und wie fertig ich mal wieder wegen ihr bin. Ich bin berufstätig und wir haben Kinder, das Jüngste noch im Grundschulalter, dafür möchte ich meine im Moment leider eher geringe Kraft einsetzen.

    Aber ist die Diagnose und damit die Grundlage für den Betreuungsantrag gerechtfertigt?



    Sorry, ist ewig lang geworden jetzt, ich hoffe, das liest überhaupt wer :huh:

    Ein eventuell beigeordneter Betreuer wird auch nicht dafür sorgen (können), dass die Entwicklung künftig nicht weiter immer wieder Ihre Kraft und Zeit erfordert. Aber er könnte vielleicht einen guten Teil davon übernehmen und damit einen für alle tragbaren Mittelweg schaffen.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    PS: auch nicht selten erlebt: die Beziehungen zum / zur Betreuten entspannen sich irgendwann wieder, wenn die "handfesten Dinge", die in der Vergangenheit zu Konflikten geführt haben, durch einen Betreuer erledigt werden.

    Lieber schwarzerkater,


    ich denke, so ist es - und ja, es bleibt mir natürlich ein "Restrisiko", dass es doch anders läuft als besprochen. Oder anders, als es meinen neuen / aktuellen Wünschen entspräche. Ich wüsste aber aktuell keinen oder keinen besseren Weg, dies völlig auszuschließen. Ja, Sie haben Recht: trotz aller Festlegungen bleiben am Ende irgendwo Lücken, die wir nur mit Hoffen füllen können.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Und somit bin ich etwas skeptisch, inwieweit man sich selbst wirklich gut mit Festlegungen absichern kann.

    Hallo schwarzkater,


    Sie können aber Festlegen, wer was (ab) wann zu entscheiden hat - und damit viel Konfliktpotential herausnehmen. Bei den hiesigen innerfamiliären Festlegungen die es dazu gibt geht es gerade nicht nur darum sich selbst abzusichern, sondern seine(n) Angehörige(n). Heißt: Person X an die ich dabei denke, denkt nicht nur an seine künftigen Versorgungswünsche, sondern eben auch daran was an Konfliktpotential in der Familie vermeiden kann - dadurch, dass er festlegt was ihm wichtig ist und wer den Hut auf hat wenn es drauf ankommt sorgt er mit dafür, dass nicht 3 enge, liebende Verwandte irgendwann ihre unterschiedlichen Interpretationen seines Willens via Anwalt und Prozess auf Richtigkeit ausfechten.

    Hallo Buchenberg,


    dem würde ich zustimmen, sofern es hiererseits eine Festlegung "Ich will auf keinen Fall in ein Heim!" gäbe. Gibt es aber nicht.
    Allen ist klar: "Ich will auf keinen Fall in ein Heim!" - wer sowas festlegt, legt damit ja häufig nicht sich selbst fest. Sondern Dritte, meistens die nächststehenden Angehörigen. Und die müssen dabei ein Wörtchen mitreden dürfen.
    Von daher gibt es da keinen Widerspruch zu früheren Ratschlägen - es ging m.E.n. ja um das Klären / Festlegen bevor man kognitiv eingeschränkt ist. Und da können alle möglichen Aspekte mit ins Gespräch einfliessen. Und auch eine Klarheit darüber, dass Erwartungen an einen potentiell pflegenden Angehörigen Grenzen unterworfen sein müssen und dürfen.
    Je unklarer, desto höher das vermeidbare "Streitpotential".
    Diese innerfamiliären Konflikte sind leider gar nicht mal so selten - weil z.B. Kinder sich völling uneins darüber sind, was pflegebedürftige Person Y gewollt hätte.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust





    Hallo Rose60,


    es gibt Zusammenhänge zwischen dementiellem Krankheitsgeschehen und Demenzerkrankungen. Speziell bei der Alzheimerkrankheit gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Untersuchungen die aufzeigen, dass es Zusammenhänge mit Schlafstörungen gibt.

    Auch als Vorbote einer Demenz sind schon einige Untersuchungen gelaufen. Aus diesen ergeben sich Hinweise, dass schlechter Schlaf negativ auf die kognitiven Fähigkeiten wirkt und möglicherweise sogar ein früher Hinweis auf eine mögliche Demenz abgeleitet werden kann (Biomarker). Das ganze ist jedoch komplex - Sie können z.B. hier etwas dazu nachlesen, sowie hier (Amyloid-Konzentration).


    Ansonsten: Festlegen, festlegen, festlegen. Allen die sich mal um mich kümmern werden (hoffentlich) so viele Hinweise wie möglich geben, wie ich das gerne hätte. Da ich mich viel mit assistiver Technik / Gerontotechnik / eHealth und ähnlichen Themen beschäftige, würde / werde ich sicher meiner persönlichen Patientenverfügung etwas explizit "technikbezogenes" beifügen, sobald sich bestimmte Dinge etabliert haben. In einem Interview mit Prof. Bendel (Autor der Bücher "Soziale Roboter", "Maschinenliebe" od. auch "Pflegeroboter) bin ich auf einen Vorschlag dazu gestoßen (Informationsethik) worden. Den halte ich (noch) nicht für umfangreich / spezifisch genug, aber noch scheint mir das zu wenig Thema - und auf jeden Fall eine schriftliche Entscheidung wert, solange ich dazu noch in der Lage bin und abhängig von möglichen Entwicklungen, die da noch kommen mögen.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust