Beiträge von jochengust

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    Hallo Bistnarrisch,


    entscheidend für die Einstufung ist der Grad der Hilfebedürftigkeit. Pauschal kann man daher auch nicht sagen, dass die bzw. eine reine Diagnose einen bestimmten Pflegegrad ergibt - es geht immer um die Folgen / Wirkung auf den Alltag und die Selbständigkeit des/der potentiell Pflegebedürftigen.
    Ich glaube, dass Sie sich wegen irgendwelcher "Fangfragen" keine Sorgen machen müssen. Hier finden Sie die verschiedenen Module und deren Gewichtung im Rahmen der Begutachtung ganz gut dargestellt.

    Ist eine rechtliche Betreuung eingerichtet bzw. liegen Vollmachten vor?


    Im Rahmen von kognitiven Einschränkungen / bei Demenz ist es auch für die Gutachter*innen nicht ungewöhnlich, dass die Betroffenen nicht "mitspielen". Es kann daher sehr hilfreich sein, wenn Sie eine Art Pflegetagebuch / Notizen parat haben oder sogar mitgeben können, in denen klar wird wie viel Unterstützung im Alltag benötigt wird. Im Forum gesetzliche Leistungen des Wegweisers können Ihnen die Expertinennen ggfs. detaillierte Tipps zur Begutachtung geben.

    Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat auch ein hilfreiches Infoblatt zur Vorbereitung auf die Begutachtungssituation online gestellt.

    Viel Erfolg und willkommen im Forum.

    Jochen Gust


    Momentan ist ein Hund(jung, nicht erzogen, sehr dominant) bei ihnen in Pflege, so wie es aussieht, möchte die Besitzerin(Verwandschaft) ihn auch nicht zurück haben... Mein Schwiegervater möchte eigentlich keinen Hund mehr und wir können mit den Kinden nun auch nicht mehr vorbei kommen wg. dem Hund.

    Nun zu meiner Frage...Wie soll man bei soetwas reagieren? Wie sagen wir ihr am besten, dass sie keinen hund haben kann? Es wird immer wieder Situationen geben, in denen man ihr etwas "verbieten" muss. Konfrontiere ich sie dann mit Ihrer Krankheit? Ignorieren wir, dass sie dann sauer ist oder was sollen wir tun?


    Sorry für den langen Text. Ich hoffe ihr könnt mir ein paar Tipps geben :)

    Danke!

    Hallo Sna,


    meiner Erfahrung nach kommt beim Thema Haustier immer irgendwann der Punkt, wo Dritte das eigentliche Kümmern und die Versorgung übernehmen müssen. Immer. Einmal habe ich erlebt, dass eine Familie gleich zwei "Sitter" organisiert hatten, die aufgrund der Umstände auch von dem älteren Herrn mit Demenz akzeptiert wurden (unter anderem Vorwand) und die das Versorgen übernahmen. Damit ging es bis fast zum Ende. Aber: das war mit einem hohen Aufwand für die pflegenden Angehörigen natürlich dennoch verbunden. Die Sitter machten das gegen Aufwandsentschädigung, hatte aber auch mal keine Zeit, Ferien etc. .
    Die Bedingung unter denen das lief war natürlich stets, dass keine Gefahr für das Tier entsteht, es nicht irgendwie leidet und selbstverständlich auch der Betroffene nicht gefährdet wurde in irgendeiner nicht mehr hinzunehmenden Weise.
    Selbst bei erlaubten / erwünschten Tiermitnahmen ins Pflegeheim läuft das - meinem Erleben nach meistens - nur so lange, wie der Aufwand für die Einrichtung nicht zu groß wird. Denn auch da kann und wird es ansonsten alsbald Ärger mit Dritten geben, ganz abgesehen vom Leid, dass den Tieren entstehen kann. Insbesondere das Füttern mit "Leckerlis" (Medikamenten) habe ich mehr als einmal als Ursache erlebt, warum es dann nicht mehr ging (sedierte Papageien, vergiftete Fische und Katzen...).

    Von daher würde ich hier eine Linie ziehen und wie martinhamborg schrieb, die nicht so schöne Rolle annehmen / durchhalten.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Da bin ich gespannt, was HR. Gust dazu noch beitragen kann, so wird man bei euch ja dann zusätzlich bestraft .

    Liebe Grüße

    Hallo Rose60 und Silly ,


    ich verspreche, ich bleibe an der Sache dran. Tatsächlich hat das nun bei mir größere Ausmaße angenommen, als ich eigentlich wollte. Denn die Fragestellung oder eine ähnlich gelagerte Problematik tritt ja immer wieder auf. Das muss mal irgendwie übersichtlich dargestellt werden - auch, um vielleicht an anderer Stelle den ein oder anderen Landkreis ein wenig zu motivieren.... .

    Tatsächlich ist es so, dass jeder Land- und Stadtkreis das für sich regelt (bzw. manche sind auch in einer gemeinsamen Abfallwirtschaft zusammengefasst).
    Ich habe in 2 Bundesländern nun begonnen, mir das näher anzuschauen. Erstes Fazit: es gibt praktisch alles - Landkreise die mir erklären, da sei rechtlich gar nichts möglich, selbst wenn man Pflegebedürftige und Angehörige unterstützen wollen würde - das wäre ein Verstoß gegen Kommunalrecht. Andere Landkreise geben Nachlässe bei den zusätzlichen Mülltüten. Von 50 Cent Nachlass bis zur kostenlosen Abgabe einer gewissen Anzahl Mülltüten pro Jahr. Wieder andere geben einen pauschalen Zuschuss in Euro, wenn z.B. eine größere / zusätzliche Mülltonne finanziert werden muss od. eben wiederum auch für die zusätzlichen Müllsäcke.
    Vielfach sind es auch keine "Härtefallregelungen" in den Satzungen (wie ich annahm), sondern Teil von anderen kommunalen Konzepten.... . Manche knüpfen Bedingungen daran, andere weniger.
    Ich will es jetzt genauer wissen bzw. mir Übersicht verschaffen. Das wird allerdings noch etwas dauern.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Ich bin für jeden Tipp/Rat bzgl. der richtigen Flüssigkeitszufuhr, und woran man das merkt, sehr dankbar. Also immer her damit bitte 🤗!

    Sonnige Grüße dir und allen anderen hier

    Silly

    Hallo Silly,


    ggfs. sollten Sie eine in-etwa-Flüssigkeitsaufnahme mit dem behandelnden Arzt besprechen. Verschiedene Medikamente können Einfluss auf den Wasserhaushalt nehmen, aber auch zur Thermoregulationsstörungen führen, das Durstgefühl herabsetzen, die Wahrnehmung beeinträchtigen was Temperatur (Hitze) betrifft etc. pp. .
    Gelernt habe ich vor Urzeiten mal, dass 30ml Flüssigkeit pro kg Körpergewicht am Tag sein soll (durch Flüssigkeit und Nahrung - Nahrung ca. ein Drittel davon).
    Unter dem Stichwort "Wasser" finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Hinweise, geschlüsselt nach Lebensalter.

    Bei der Vernetzungsstelle Seniorenernährung Niedersachsen weitere Infos und
    die Stiftung ZQP hat hier Tipps gegen Flüssigkeitsmangelzusammengetragen.


    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Herr Gust,

    Ein Anruf bei der Stadt (Entsorgungsunternehmen) hat mich dann darüber aufgeklärt, dass Windeln (in der Stadt, in der meine Mutter lebt) überhaupt nicht mit dem sonstigen Restmüll entsorgt werden dürfen. Hierfür muss man bei der Stadtverwaltung Windelsäcke erwerben (einer kostet 5 € und fasst bei uns die Windelmenge von einer Woche), die man dann neben die Restmülltonne stellen muss. Sie werden also schlussendlich doch zusammen mit dem anderen Restmüll entsorgt. :/…so zumindest mein laienhaftes Verständnis, wie Müllentsorgung funktioniert.

    Sonnige Grüße Silly

    Hallo Silly,


    verstehe ich Sie richtig: D.h. für die Entsorgung entstanden Ihnen pro Monat 20,00 Euro Mehrkosten? Also das Gegenteil von einem Zuschuss bzw. z.B. dem kostenfreien zur Verfügung stellen einer größeren Mülltonne (als Beispiel)?
    Interessant, ich glaube ich sollte der Sache insgesamt mal nachgehen.... .

    Vielen Dank für die Info.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Silly ,


    Sie haben hier ja schon eine Menge Infos und Rat erhalten. Eine Bemerkung noch von mir: durch die Verwendung von Inkontinenzmaterial kommt es auch entsprechend zu mehr Restmüll. Manchmal reicht dann die vorhandene Tonne nicht mehr aus. Im schlimmsten Fall habe ich erlebt, dass Angehörige an den Abfuhrtagen herumfuhren, um die gebrauchten Vorlagen in fremden Tonnen zu entsorgen, wo sie eben Platz fanden.
    Es gibt Landkreise (ich weiß nicht, ob in allen Kreisen), die per Satzung beschlossen haben, dann einen Zuschuss zu gewähren, wenn ein "Müllproblem" entsteht durch Inkontinenz. Je nach dem lohnt sich vielleicht ne EMail oder die Nachfrage auch bei Ihnen am Wohnort.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo elfriede,


    wie haben Sie die heutige Situation schlussendlich gelöst, nachdem die Nachbarn angerufen hatten? Konnte Ihr Mann Ihre Schwiegermutter beruhigen - wie ging es weiter?

    Ist die rechtliche Seite (Vollmachten / Betreuung) geklärt?


    Zum Thema Arztbesuch, können Sie vielleicht diesem älteren Faden etwas entnehmen.

    Die Reaktion der Hausärztin verstehe ich (noch) nicht - meinen Sie es macht Sinn, mit ihr das Gespräch ausserhalb einer Drucksituation zu suchen und die Lage in Ruhe zu erörtern? Vielleicht wäre dann ein Hausbesuch planbar, wenn Sie die Auswirkungen und die Möglichkeiten in Ruhe schildern konnten.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Nochmal, hallo Herr Gust, Ich habe nochmals gegoogelt und zwar überall das gefunden, was Sie schreiben (Betreutes Wohnen nicht für Demenz geeignet), aber ich habe auch dies gefunden "Für bereits pflegebedürftige Personen mit anerkanntem Pflegegrad eignet sich Betreutes Wohnen eher, wenn der Anlage spezielle Pflegeeinrichtungen angegliedert sind." (ich weiß nicht, ob ich den Link einstellen darf)."

    Jedenfalls ist in unserem Heim eine Pflegeeinrichtung eingegliedert. Diese Pflegeeinrichtung hat meine Mutter vorher ambulant betreut und so kamen wir auf dieses Heim (betreutes Wohnen). Da wohnen die unterschiedlichsten Menschen gemeinsam - einige können sich noch viel selbst behelfen, andere sind körperlich und geistig stark gehandicapt, auch jüngere Menschen. Der pflegerische Aufwand ist nicht für alle gleich hoch ... und hierdurch habe ich den Eindruck, dass man gelassener auf meine Mutter eingeht (es gibt keinen straffen Zeitschlüssel). Die Zuzahlungskosten sind für uns noch tragbar.

    Ich werde abwarten, wie sich die Dinge entwickeln.

    Hallo schwarzerkater,


    das klingt danach, als sei sehr viel mehr dahinter als das "barrierearme Wohnen mit buchbaren Services": von daher glaube ich, Sie müssen sich nicht Kraft der Bezeichnung allzuviele Sorgen machen - schon gar nicht, wenn sich Ihnen kein direkter Anlass bietet.
    Durch das was Sie beschrieben haben würde ich auch davon ausgehen, dass man auf Sie zukommt, wenn man an Grenzen der möglichen Versorgung stößt.
    Wie es der Zufall will, habe ich eben mit einer Bekannten gesprochen, die ebenfalls jemanden mit Demenz im Betreuten Wohnen hat. Das funktioniert bisher wunderbar, von Anfang an hat man dort allerdings auf die Grenzen hingewiesen - z.B., dass ein ständiger Betreuungs-/Beaufsichtigungsbedarf dort nicht mehr leistbar wäre. Dafür sieht man in möglichen anderen Aufgabenstellungen und Herausforderungen die eine Demenz mit sich bringen könnte, kein Problem bzw. diesen offenbar sehr gelassen entgegen.

    Gibt solche und solche..... .

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Es wäre vielleicht mal interessant, eine Aufstellung aller möglichen Wohn- und Pflegeformen für Demenzkranke zu sehen. Gibt es das? Wir haben das beschriebene Pflegeheim nur durch Zufall gefunden. Da wohnen weniger und stärker Pflegebedürftige miteinander und es scheint irgendwie zu funktionieren.

    Hallo schwarzerkater,


    es gibt in vielen Regionen auf Kreisebene sogenannte Demenz-Wegweiser (od. ähnlich lautende Dokumente, oft als pdf abrufbar) - um zu sehen, was vor Ort angeboten wird.
    Ganz generell gibt es im Wegweiser eine Seite dazu, aber auch verschiedene andere Quellen. Betreutes Wohnen ist mir ebenfalls als barrierefreie bzw. barrierearme Wohnform mit hinzubuchbaren Serviceleistungen / Pflege bekannt, was bei fortgeschrittener Demenz regelhaft nicht mehr funktioniert (wird z.B. auch hier beschrieben oder hier am Ende (Verbraucherzentrale). Gegebenfalls ist in der Zukunft zu erwarten, dass sich auch hier etwas tut für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und das Betreute Wohnen muss generell unterschieden werden von Demenz-WG, die ja speziell dafür da sind.
    Aber generell stimme ich Ihnen und Buchenberg zu - bei fortgeschrittener Demenz funktioniert das betreute Wohnen häufig nicht mehr (gut), meinem Erleben nach.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo enh2292,


    zunächst ist es bedauerlich, dass der Kontakt in die Klinik so schleppend läuft / lief. Das erschwert die Situation und Klärung.

    Zum Gutachten und der "schrecklichen Schreibweise": ich kenne es so, dass diese Gutachten nach einem bestimmten Schema anhand von Assessments, Diagnosen und Behandlung erstellt werden. Das kann einem vielleicht schon einmal kryptisch vorkommen, je nach dem - z.B. wenn Test-/Messwerte diktiert werden u. entsprechende Schlussfolgerungen daraus. Kennt man die Tests nicht, scheint das schnell chaotisch. Das einfach nur als Einwurf - ich weiß natürlich nicht, wie in Ihrem Fall das Gutachten tatsächlich aussieht. Dazu kommen ggfs. Textbausteine der Software und auch schon mal softwareseitige Wortkorrekturen die vielleicht gar nicht sein sollten - sie vermuten richtig: überall wo ich das kennengelernt habe, wird diktiert und anschließend korrigiert. Im Wesentlichen mit Hilfe von Software und Mitarbeitenden des ärztlichen Schreibdienstes.


    Zur Finanzierung ihrer Arbeit erhalten Krankenhäuser in der Regel sogenannte Fallpauschalen. Für die Abrechnung ist die Einhaltung von Verweildauergrenzen (also wie lange der Patient da ist) entscheidend. Je nach Unter- oder Überschreitung der der Diagnose zugeordneten Verweildauer gibt es Zu- oder Abschläge. Wie lange ein Fall in der Klinik verbleiben "soll", ist also zuersteinmal eine Frage der zugeordneten Fallpauschale - aus Abrechnungssicht.
    Oder anders: Diagnose(n) X ergeben eine mittlere Verweildauer von y-Tagen. Bleibt der Patient länger als es laut Fallpauschale/Diagnosen eigentlich vorgesehen ist, steigen die Kosten für den Patienten für das Krankenhaus (er muss ja weiterversorgt werden), während der Erlös sinkt - mehr Geld gibt es fürs Krankenhaus deshalb nicht (jedenfalls nicht automatisch). Das ganze System ist jedoch sehr kompliziert, sieht sehr viele Ausnahmen und Sonderfälle vor, die Zu- oder Abschläge begründen können. Nicht umsonst beschäftigen sich ganze Heerscharen von Mitarbeitenden in Krankenhäusern und Krankenkassen ausschließlich mit Abrechnungen und dem Streit darüber, wie viel für was wann und ob von der Krankenhausrechnung doch noch abgezogen werden darf.
    Dies nur als ganz grobe Erklärung, warum Krankenhäuser ein Interesse an rechtzeitigen Entlassungen haben (Grenzverweildauer im Sinne der vorgesehenen Fallpauschale) und die Vorstellung "Mehr Diagnostik / Behandlung = automatisch mehr Geld fürs Krankenhaus" nicht (mehr) stimmt.

    Meine Vermutung ist: es wird sehr schwierig werden, den Patienten bis zu einem gewünschten Zeitpunkt in der Klinik zu belassen, sofern sich keine fürs Krankenhaus (für die Abrechnung) relevanten Umstände finden.

    Da es zunehmend, aufgrund der fehlenden ambulanten Versorgungsstrukturen, für Krankenhäuser schwieriger wird insbesondere pflegebedürftige Patienten zu entlassen (fehlende Kurzzeitpflege), etabliert sich mehr und mehr eine sog. Überleitpflege / Übergangspflege (noch ist sie selten, meines Wissens wird es aber mehr werden). Im Rahmen dieser wird praktisch Kurzzeitpflege im Krankenhaus durchgeführt (wird vom insgesamten Kurzzeitpflegeanspruch m.W. abgezogen) und mit einer Tagespauschale vergütet (der lt. den Kliniken zu gering bemessen ist). Diese Überleitpflege / Übergangspflege ist jedoch nachpriorisiert zur Entlassung in die ambulante Versorgung - d.h., sie soll / darf nur so lange durchgeführt werden, bis die Weiterversorgung gesichert ist. Aber ggfs. lohnt es sich, dies anzusprechen.

    Bitte die Infos mit Vorsicht betrachten - ich bin schon eine Weile raus aus der Geriatrie und beim Thema Abrechnung gibt es hunderte Sonderfälle - und Menschen mit Demenz und Delir waren mein Arbeitsschwerpunkt, nicht die Klinikfinanzierung.

    Es grüßt Sie


    Jochen Gust



    Meine Mutter ist gestern gestürzt und ins Krankenhaus zum Check gekommen - das Heim hat mich gestern Abend angerufen. Anscheinend ist die Ursache die Nebenwirkung eines Medikaments, dass den Kreislauf mal zusammensacken lässt. Sie bekommt dann ein anderes Medikament und dann ist das hoffentlich erledigt.

    Hallo Forum,


    das ist jetzt zwar nicht ganz im Thema - dennoch erlaube ich mir den Hinweis aufgrund der Info von TanjaS , dass ggfs. auch eine Überprüfung verordneter Medikamente für die warmen / heißen Sommertage wichtig ist:
    eine Reihe von Medikamenten / Wirkstoffen kann als Nebenwirkung Risiken für Hitzeschäden verstärken bzw. Hitzeerkrankungen begünstigen. Darunter auch Arzneitmittel, die nicht selten auch Menschen mit Demenz erhalten wie z.B. Neuroleptika od. Parkinsonmittel (Hemmung d. zentralen Temperaturregulation, verringertes Durstgefühl), auch Diuretika / Abführmittel können eine "Austrocknung" fördern bzw. zur Entgleisung d. Elektrolytehaushalts führen. Besonders wenn das Trinken bzw. der Flüssigkeitshaushalt ohnehin "ein Kampf" ist, kann es im Sommer durch die anhaltend hohen Temperaturen angezeigt sein, mit dem behandelnden Arzt / Ärztin zu besprechen, ob Dosierungen von Medikamenten angepasst werden müssen.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    Lieber Herr Gust, ich finde sehr wichtig, was Sie schreiben!!! Als meine Mutter den Pflegedienst täglich rausgeworfen hat, bekam ich anfangs (nebenan wohnend) verzweifelte Anrufe der Pflegekraft. Ich bin sofort zum Ort des Geschehens geeilt und traf auf eine sehr nette und erfahrene ältere Pflegekraft, die mehr als ich unter Schock stand, weil sie ihre Arbeit nicht ausführen konnte. Ich glaube, sie wusste einfach nicht, wie ich in dieser Situation reagieren würde. Wir haben aber recht schnell geklärt, dass sie und ich wissen, dass niemand Wunder vollbringen kann ... Damit waren sie und auch die weiteren Pflegekräfte aus der Belastung raus. Jetzt im Pflegeheim sieht man das alles relativ entspannt: Die Welt geht nicht unter, wenn meine nicht so gut gelaunte Mutter ein paar Stunden später oder erst am nächsten Tag geduscht wird.

    Fazit: Es ist wichtig, ein freundliches und entspanntes Verhältnis zwischen Pflegekräften, den zu pflegenden Dementen und den Angehörigen zu finden. Wenns dann am Ende trotzdem nicht klappt, muss man andere Wege probieren. Bei uns ist es so, dass sich fast die Pflegekräfte im Heim mehr über unseren Besuch freuen als meine Mutter .... ;)

    Liebe schwarzerkater,


    danke - genau das habe ich gemeint: denn welche Entlastung erfahren Angehörige tatsächlich, wenn dann wiederholt diskutiert, gerechtfertigt oder "gemeldet" wird, was alles *nicht* ging heute, in der aktuellen Situation?

    Ja, es gibt die sehr kritischen Angehörigen auch, die sich beschweren wenn der Vater nicht ordentlich rasiert angetroffen wird. In den allermeisten Fällen wo ich zur Klärung beitragen kann ist es aber nicht die olle Rasur, die gerade den Aufreger bietet. Vielmehr die Sorge der Angehörigen, dass es eine Art der Vernachlässigung oder des Übersehens ist. Sobald man ein Verhältnis herstellen kann, wo sich alle Beteiligten so weit vertrauen, dass sie ihr bestes Versuchen - und auch mal scheitern dürfen, entspannen sich manchmal solche Situationen sehr - und das ist gut für alle Beteiligten. Gerade auch sehr versierte Pflege- und Betreuungsprofis sprechen (mir) manchmal zu wenig mit den An- und Zugehörigen über das, was uns gemeinsam im Zweifel wirklich wichtig ist.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust


    Hallo zusammen,


    ich möchte dazu noch etwas loswerden, was ich in Schulungen und im Zusammenhang mit Angehörigen als hilfreich erlebt habe im Einzelfall:


    erfahrenen Pflege- und Betreuungskräften dürften Vorwürfe aller Art eher wenig ausmachen. Und gut geschult, haben sie eine große Bandbreite an Reaktionsweisen auf solche Episoden (ich erwarte das jedenfalls).
    Jetzt kommen 2 "Aber":

    alle sind Menschen und jeder trägt vielleicht auch bestimmte "wunde Punkte", über die er zu treffen ist. Und es dann eben nicht leicht oder gar nicht schafft, etwas nicht an sich heranzulassen. Das ist das eine "Aber" und darauf können Angehörige in meinen Augen auch nicht großartig einwirken.
    Auf das andere "Aber" aber schon:
    Ich erlebe beim Thema Demenz häufiger mal, dass sich sowohl Pflege-, aber auch Betreuungskräfte vor Vorwürfen der Angehörigen fürchten, sie würden ihre Arbeit nicht richtig machen wenn der Kontakt teilweise nicht gelingt, die Situation schwierig ist. Motto: ich sollte heute mit Frau Müller in den Garten gehen und X machen. Und habe das nicht hinbekommen, weil Frau Müller nicht wollte, vorwurfsvoll und vielleicht unterschwellig aggressiv war - was werden die Angehörigen über mich denken, wenn ich nicht das mache was zugesagt war?
    Und dann wird versucht, auf biegen und brechen ein bestimmtes Programm durchzuführen oder eine bestimmte Handlung (Stichw. Rasieren z.B.) - und es eskaliert... . Und das fatale: fast niemals habe ich erlebt, dass gerade in schwierigen Phasen Angehörige überhaupt solche Vorwürfe erhoben hätten. Gerade sie wissen doch, was los ist. Es ist manchmal die Vorstellung von einem Vorwurf der nie kommt, der die Situation noch druckvoller für den Dienstleister macht. Es kann also ungeheuer hilfreich und bestärkend sein, wenn Sie als Angehörige signalisieren "Ich weiß was los ist. Dann seien Sie halt einfach da und machen was anderes, etwas, was geht.".
    Bitte nicht missverstehen: das soll kein Freibrief sein für irgendjemanden, seine Arbeit nicht zu machen. Aber ich glaube, dass es hilfreich und wichtig ist, auch mal ne schwierige Zeit, ne harte Episode mit dem Menschen mit Demenz durchzuhalten und zur Kontinuität seiner Kontakte beizutragen, statt abzuspringen. Das passiert (mir persönlich zu oft), auch, weil viele Pflege- und Betreuungskräfte "gut gebucht" sind.

    Und ja, manchmal passt "die Chemie" nicht zwischen 2 Menschen. Das kommt vor. Und ich glaube, man kann das dann auch eher nicht wirklich ändern.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust


    Hallo Sindira,


    auch von mir willkommen im Forum. Sie haben ja bereits eine Menge Antworten bekommen. Die ("plötzliche") Ortsveränderung, der Ernährungszustand und die vielen Umstände die belasten und die Sie schildern, machen in meinen Augen auf jeden Fall eine ärztliche Abklärung dringend. Vielleicht können Sie nochmals die Sache für die Ärztin dringlich machen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Bis Anfang Juli ist wirklich noch lange hin.
    Gerade auch bei wahnhaftem Erleben und den entsprechenden Vorwürfen (Betrug) benötigen Sie Unterstützung, um damit umzugehen, da sich dieses Erleben nicht "wegargumentieren" lässt und für Sie ja auch sehr belastend ist.
    Haben Sie ansonsten entsprechende Vollmachten / ist eine rechtliche Betreuung eingerichtet? Gerade aufgrund der von Ihnen geschilderten hohen Belastung müssen Sie mit Ihrem Mann drüber sprechen, wer im Zweifel in Zukunft diese übernehmen soll falls nötig - und ob das on Top leistbar ist.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Frau frau_petra,


    Sie haben hier bereits einige Antworten erhalten und ich möchte verstärken, dass Sie dringend Schritte unternehmen um fachärztlich abklären zu lassen was vor sich geht und eine angemessene Therapie zu begleiten.


    Ich kenne mich im Bereich der Epilepsien nicht weitergehend aus, jedoch ist es m.W. so, dass sowohl Betroffene mit bestimmten Demenzerkrankungen ein erhöhtes Risiko für Epilepsie aufweisen, als auch Epilepsien ein höheres Risiko mit sich bringen kognitive Defizite bis hin zur Demenz zu entwickeln.


    Wie Ihnen die ForistInnen und Foristen bereits geraten haben, sollten Sie sich Hilfe und Unterstützung zur Klärung der häuslichen Situation suchen und erste wichtige Schritte wären die Gespräche mit dem Haus- bzw. Facharzt - auch für Sie muss die Situation aushaltbar sein und bleiben oder ein anderer Weg eingeschlagen werden.
    Willkommen im Forum.

    Jochen Gust

    Zusätzlich zum Thema dabeihaben ist die Frage natürlich auch, wie man es mit dem Aufladen handhabt. Meine Mutter schafft es schon nicht, ihr eigenes Handy regelmäßig aufzuladen.

    Hallo OiOcha,

    dazu noch einen Hinweis - einfach, weil ich kürzlich damit zu tun habe: es gibt mittlerweile Notrufarmbänder (sehen aus wie diese Smartwatches) die zu erstaunlichen Akkuleistungen in der Lage sind. Ein Hersteller hat mir bis zu 21 Tage mitgeteilt. Eigentlich zwar als Notruf zur Sturzerkennung gedacht, ist damit auch Tracking / Geofencing möglich. Die Dinge entwickeln sich also auch in diesem Bereich weiter, was ich gut und wichtig finde.

    Zum von Ihnen beschriebenen Ereignis: als ich noch in einer Langzeitpflegeeinrichtung tätig war, haben immer wieder aufmerksame Menschen wie Sie Heimbewohner mit Demenz gerettet. Aufmerksame Nachbarn, Ladeninhaber, Taxifahrer, andere Angehörige die jemanden wieder erkannten.... . Unendlich wertvoll.
    Danke fürs teilen der Geschichte.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo MiCal,


    Das ist eine schwere Phase, sowohl für uns Angehörige als auch die betroffenen Dementen, sicher mit vielen Ängsten verbunden, dass einem alles mögliche im Leben entgleitet .

    das möchte ich unterstreichen. Häufig geht es Betroffenen nicht so sehr um "den Geldschein" in der Hand. Es ist ein Ringen um Autonomie, um Selbstbestimmung. Manchmal hilft nur, diese Phase auszuhalten, ablaufen zu lassen.
    Manchmal wirkt auch in der gemeinsamen Arbeit aller Beteiligten , wenn man sich auf gleichartige Reaktionen einigt. Es empfiehlt sich, weniger oder bestenfalls gar nicht, auf das Geld argumentativ einzugehen. Vielmehr den Fokus auf die damit verbundenen Gefühle hinter dem Geldwunsch der Betroffenen zu legen.
    Abhängig vom Stadium / Krankheitsfortschritt eher etwa
    "Du hast noch alles."
    "Du kannst Dir leisten, was Du brauchst."
    "Es wird für alles gesorgt."
    "Es wird darauf geachtet, dass Dir alles zur Verfügung steht was Du benötigst."
    u.a. .
    In relativ frühen Stadien wird das häufig eher nicht funktionieren. Jedoch rate ich dazu, sich möglichst zügig von der reinen Argumentationsebene wegzubegeben, sich zu rechtfertigen etc. . Die enorme Belastung die dadurch entsteht, haben Sie ja bereits geschildert.
    Dennoch, vielleicht unterstützt Sie zumindest die Sichtweise etwas beim Aushalten. Menschen verlieren Fähigkeiten im Rahmen der Demenz - und kämpfen gegen diese Verluste an - manchmal mündet das in ungerechten Vorwürfen an die falschen Adressaten.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo D.,


    die Aufenthaltsdauer wird von ganz verschiedenen Faktoren beeinflusst. Von einigen Tagen bis zu mehreren Wochen bis Monaten habe ich in unterschiedlichen Konstellation schon alles erlebt. Hinzu kommt, dass die Unterbringung gegen den Willen Ihres Großvaters auch durch den richterl. Beschluss begrenzt sein wird (Höchstdauer; norm. 6 Wochen - kann verlängert werden), unabhängig davon zu was man dem Patienten ärztlicherseits rät. Therapeutisch wird man versuchen, ihn medikamentös einzustellen. Für sehr wichtig halte ich, frühzeitig die Zeit danach zu planen in Abstimmung mit dem dortigen Entlassmanagement. Je eher Sie eine Perspektive entwickeln und planen können desto besser, damit das Risiko einer erneuten Eskalation reduziert wird.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    Hallo Zimt,

    solche Schreiphänomene, wenn sie anhalten, belasten die Situation extrem. Und es ist auch meine berufliche Erfahrung, dass bei allem Wissen rund ums Thema, es eine Suchbewegung bleibt.

    Auch Spezialisten wie ein Hans-Werner Urselmann kennen die Grenzen:


    "Was machen nun Pflegende, wenn ein Mensch mit Demenz schreit oder ruft? Die Aktivitäten richten sich zunächst direkt auf das Verhalten des schreienden Menschen und auf die Schreisituation, die es zu befriedigen und/oder zu befrieden gilt. Der Versuch und Irrtum steht dabei zuerst im Vordergrund der unterschiedlichen Strategien. Pflegende wollen wissen, warum schreit der Mensch mit Demenz und sie wollen zielgenau intervenieren können, wobei allen nonverbalen Signalen besondere Bedeutung zukommt. Eine Pflegende sagte mir, wir agieren geradezu in einem „Klima des detektivischen Wissenwollens“. Wir versuchen ein Schreimuster zu erkennen, wir achten auf die Tageszeit, die Schreidauer, Intensität, den Schreibeginn und z.B. auch auf das Schreiende. Wohlwissend, dass der Schrei- und Rufanlass nicht immer gefunden werden kann. Es werden die intrinischen und die extrinischen Faktoren, also die von innen bzw. außen wirkenden Einflussfaktoren analysiert und in ein Gesamtbild platziert. Die wahrscheinlichste Schreiursache tritt in den Mittelpunkt und der Versuch- und Irrtumsablauf folgt. Hierbei kommt dem Fachwissen und der Erfahrung der Pflegenden besondere Bedeutung zu.".

    Ich habe das selbst eine handvoll Mal erlebt und kann Ihnen aus meiner Perspektive sagen: es gilt, Ihre Frau Mutter zu unterstützen und zugleich die Bedürfnisse der Umgebung zu berücksichtigen: nichts daran muss Ihnen unangenehm sein - niemand kann was dafür.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    jochengust Meine Oma bekommt morgens und abends Tilidin und bei Bedarf 500er Ibu. Mit dieser Kombi müsste sie doch eigentlich schmerzfrei sein oder?.. oder ist dies dann das Schmerzgedächtnis das unabhängig von Medikamenten agiert?

    Hallo Kedi,

    auch wenn Sie das möglicherweise enttäuscht: das zu beurteilen aus der Ferne scheint mir nicht angemessen. Es gilt: die Selbstauskunft hat Vorrang. Äußert jemand Schmerzen, ist er nicht schmerzfrei. Oder auch: "people dont fake beeing in pain. they fake beeing ok." - das ist erstmal stets mein (gedachtes) Motto im Einzelfall.
    Auch Schmerzen aus dem Schmerzgedächtnis heraus sind ja welche.
    Ganz direkt: bei dieser Kombi würde ich bei meiner Mutter davon ausgehen, dass die Ursache eher in einer Chronifizierung / Schmerzgedächtnis oder auch in einem anderen Vorteil der Äußerung liegen könnte, als in einem akuten Schmerz. Das rauszukriegen / abzugrenzen ist allerdings "Detailarbeit am Menschen" - vor Ort.
    Die guten Nachrichten die Sie beschreiben: Ihre Oma geht (wieder) am Rollator. Da würde ich unbedingt dranbleiben wollen, das fördern so gut es geht. Bewegung ist so wichtig - auch im Sinne dessen, dass ggfs. damit Schmerzen entgegengewirkt wird. Insgesamt lassen "wir" in Deutschland Menschen mit Demenz viel zuviel liegen / sitzen (und das auch noch in dafür nicht geeigneten Positionen / Unterlagen).
    Tolle Nachrichten, dass sie wieder am Rollator geht!

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust