Beiträge von svenjasachweh

    Hallo in die Runde,

    die Demenz verändert tatsächlich das Kälte-/Wärme-Empfinden. Die meisten Betroffenen frieren eher, wie auch von Ihnen geschildert. Es gibt allerdings auch Personen, die barfuß und im Nachthemd im Schnee herumlaufen, und deren seelische Not in dem Moment so groß ist, dass die körperliche Empfindung von Kälte zeitweilig außer Kraft gesetzt scheint.

    Auch das Schmerzempfinden ändert sich durch die Krankheit. Es ist allerdings ein Mythos, dass die Betroffenen keinen Schmerz mehr empfinden - sie können das Gefühl nur nicht mehr als Schmerz deuten, oder eben benennen. Bei manchen äußern sich Schmerzen dann durch gesteigerte Unruhe oder Schimpfen. Einige sehen "nur" traurig aus, wen ihnen etwas wehtut. Andere beginnen dann plötzlich zu singen... Die Veränderungen können also sehr vielfältig sein.


    Viele Grüße

    S. Sachweh

    Hallo weit weg,

    auch meinerseits ein herzliches Willkommen in der Runde!

    Meines Wissens empfehlen Zahnärzt*innen in solchen Fällen, natürlich nur in Absprache mit den Bevollmächtigten für die gesundheitliche Sorge, solche schmerzhaften und obendrein gefährlichen Zahnruinen (Entzündungen, Infekte...) auch gegen den Willen der Betroffenen unter Narkose zu entfernen. Viele Menschen lernen recht problemlos, ohne Zähne zu "kauen"... und haben nach der Gebiss-Sanierung auch erheblich größere Lebensqualität und-freude. Demgegenüber gelingt offenbar die Anpassung einer Prothese in dem Stadium nur noch äußerst selten, weil der Kiefer sich zwischen Abdruck und Fertigstellung des Gebisses bereits wieder verformt haben kann.


    Viele Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Carolina89,

    im Internet gibt es viele Seiten, die Ihnen eine ungefähre Vorstellung bezüglich der Kosten für einen gesetzlichen Betreuer vermitteln. Dabei scheint es einerseits auf das Vermögen der betreuten Person, und andererseits auch auf den Umfang der Betreuung (da gibt es verschiedene Varianten, vgl. die Infos auf der unten genannten Seite) anzukommen.


    Rechtliche Betreuung:
    Ist eine Person nicht in der Lage, ihre Angelegenheiten zu regeln, kann das Betreuungsgericht eine rechtliche Betreuung für klar definierte Bereiche anordnen.
    www.pflegewegweiser-nrw.de


    Nein, Sie sind keine Verräterin - die Krankheit hat Ihnen das Kümmern unmöglich gemacht, und Sie ziehen damit nur die Reißleine, und zwar berechtigterweise zu Ihrem UND zum Schutz Ihrer Mutter!


    Viele Grüße,

    S. Sachweh

    Hallo in die Runde,

    in NRW hat man meines Wissens erstmalig eine Broschüre aufgelegt, in der es darum geht, wie Angehörige von Menschen mit Demenz mit ihrer schwierigen Aufgabe emotional klar kommen können. ... und wie wichtig Auszeiten, sowie der Austausch mit anderen Betroffenen ist. Auch, wenn der Hinweis vielen hier vielleicht wie "Eulen nach Athen tragen" vorkommen mag: Ich finde, es sind ein paar hilfreiche Ansätze für die Selbstsorge darin verpackt.

    Unter


    Handreichung „Gefühle würdigen“ – Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz


    kann man das Ganze kostenfrei abrufen.


    Viele Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Sohn,

    unmöglich wegen der Kosten, oder wegen der dafür nötigen Zeit?

    Betrachten Sie die Sache doch einmal so: Wenn Sie vor lauter Kümmern und Mit-Leiden längerfristig körperlich und seelisch krank werden, fallen Sie auch aus - und wohlmöglich länger als 2 bis 3 Wochen... Wenn Sie dort in der Klinik hingegen Unterstützung finden und Anregungen für den weiteren Umgang mit der schwierigen Situation, kehren Sie vielleicht gestärkt in den Alltag zurück und können diesen längerfristig besser stemmen. Ob dem so sein könnte, können und müssen letztlich Sie selber entscheiden...


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Sohn,

    Sie schrieben ja, dass Sie in Bayern leben. Haben sie schon einmal erwogen, in der darauf spezialisierten Klinik in Bad Aibling eine Reha für sich und Ihren Vater durchzuführen? Dort werden pflegenden Angehörigen Wege aufgezeigt, wie sie sich um die Erkrankten kümmern können, ohne selber daran zu zerbrechen. Und während Sie als Sohn Hilfreiches lernen und sich mit anderen Betroffenen austauschen können, würde auch Ihr Vater betreut und therapiert.


    Alles Gute für Sie!

    S. Sachweh

    Hallo Zimt,

    ja, es kommt leider tatsächlich vor, dass das Gehirn der Erkrankten das Gehörte nicht mehr zuverlässig der richtigen Bedeutung zuordnen kann: Selbst die Muttersprache wird quasi zur Fremdsprache für sie. So hat vermutlich Ihre Mutter die Creme deswegen als Gesichtscreme gedeutet, weil sie in ihrem Leben öfter Pflegeprodukte aus Tuben ins Gesicht, als auf eine Lippe geschmiert hat. Sie hat also möglicherweise den Sinn des Produkts von seinem Äußeren und auf dem Hintergrund ihrer Lebenserfahrung geschlossen. Entsprechend könnte es ihr und Ihnen eine kleine Hilfe sein, wenn Sie sich angewöhnen, Botschaften nonverbal, also gestisch und pantomimisch zu untermalen. Ich könnte mir vorstellen, dass es Ihrer Mutter die Situation auch vereindeutigen würde, wenn Sie ihr den Zweck der Creme vor einem Spiegel erklären - wenn sie nämlich die eigene Verletzung sieht (an die sie sich vielleicht schon nicht mehr erinnern kann), und Sie ihr das Tupfen auf die Lippe andeuten...

    Vielleicht könnten Sie auf diesem Wege eine wenigstens eine grundlegende inhaltliche Verständigung erzielen? Das braucht allerdings auch Übung, und klappt oft nicht auf Anhieb, weil wir es einfach nicht gewohnt sind, gezielt mit Händen und Füßen zu sprechen: Man muss sich erst einmal abgewöhnen, sich dabei total bescheuert vorzukommen, und dann muss man unbedingt auch herausfinden, wie sehr man die Botschaft visuell überzeichnen muss, damit das Gegenüber sie versteht. Trotz ihrer Verstehensprobleme kann es nämlich einerseits sein, dass die Erkrankten uns einen Vogel zeigen und für "plemplem" halten... ;) Andererseits kann es aber auch entwaffnend und erheiternd für sie wirken, wenn wir es slapstick-artig übertreiben und uns selber bei unseren Bemühungen ein wenig zum Affen machen.

    Welchen Weg auch immer Sie wählen - ich drücke Ihnen die Daumen, dass es klappt!


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Senil44,

    ich glaube nicht, dass man das so pauschal sagen kann. Es kommt ja darauf an, wie früh oder spät die Diagnose gestellt wird. Das Problem bei vielen Betroffen ist allerdings, dass sie wenig bis keine Krankheitseinsicht haben und daher oftmals noch hartnäckiger als andere Menschen mit Demenz eine Untersuchung verweigern. Aber möglicherweise können Ihnen die Experten im Forum Prävention, Diagnose und Therapie da konkretere Auskunft geben...


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Helfendehand,

    leider gibt es keine guten Rezepte gegen das "Klammern" der Erkrankten - außer, die Last auf mehrere Schultern zu verteilen... also zum einen eventuell über einen dritten oder auch vierten Tag Betreuung in der Tagespflege nachzudenken, oder Angehörige, Freunde und demenz-affine Ehrenamtler als neue feste Bezugspersonen einzuführen.

    Geht es der Frau in der Tagespflege gut? Kann sie sich auf die Angebote einlassen, kriegt man sie dort von der Fixierung auf den Ehemann abgelenkt, hat sie als gesellige Person Freude an den Außenkontakten? Dann ist das sicher die beste Option.

    Ich habe auch einmal gehört, dass es für manche besser zu ertragen ist, wenn der pflegende Partner regelmäßig, wie nach einem Stundenplan, "frei" hat und eine Auszeit für sich genießen darf... und sich in dieser Zeit regelmäßig eine ebenfalls möglichst feste Bezugsperson um den/die Erkrankte kümmert und am besten Aktivitäten anbietet, die ihm/ihr schon immer Freude bereitet haben oder mit einer Art "Belohnung" einhergehen (Viele Menschen mit Demenz lieben ja beispielsweise Süßes und gehen daher gerne ins Café oder in eine Eisdiele..).

    Als Außenstehende Helferin, die Sie ja offenbar sind, würde ich ausprobieren, ob es einen Unterschied macht, WO Sie sich um sie kümmern: Vielleicht erinnert zuhause alles an ihren Mann und verstärkt die ängstlich-Sicherheits-suchende Bindung... während vielleicht ein Spaziergang an einem sie interessierenden Ort (Mag sie Tiere, Kinder, Natur, geschäftiges Treiben?) sie etwas besser ablenken könnte?

    Außerdem würde ich mir Gedanken über das WAS machen - also über die Aktivitäten, die Sie ihr während der gemeinsamen Zeit anbieten. Ich weiß ja nicht, wie alt die Dame ist, aber vielleicht empfindet sie Spielen als zu kindisch und würde sich eher von einer "erwachseneren" Tätigkeit fesseln lassen? Was konnte oder kann sie noch gut? Wobei könnte sie Ihnen helfen? Wenn man Menschen mit Demenz das Gefühl gibt, dass sie einen unterstützen können bei etwas, das man selber (wenigstens vermeintlich) nicht so gut beherrscht, stärkt das ihr Selbstbewusstsein und lenkt sie wenigstens vorübergehend ab.

    Manche schwören auch auf die "Zettel-Methode", wenn der/die Betroffene noch lesen kann: Sie bereiten für die Zeit ihrer Abwesenheit eine Erinnerung bzw. einen "Sicherheitsanker" vor (etwa des Inhalts: Bin gerade bei der Physiotherapie, komme um 17:00 Uhr zurück. Bis gleich, Kuss, Peter). Probieren Sie es aus, mehr als schief gehen kann es nicht...


    Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie einen gangbaren Weg finden um ihn zu entlasten!


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Werbera,

    die Eingewöhnung in die neue Lebenssituation Heim kann leider Monate dauern! In manchen Heimen wird deshalb tatsächlich empfohlen, anfangs seltener zu kommen, damit der/die Betroffene nicht ständig auf gepackten Koffern sitzt und seine Rückübersiedlung in das alte Zuhause erwartet. Denn nur, wer begreift, dass Vorwürfe und Beschwerden und emotionale Erpressung (den Angehörigen ein schlechtes Gewissen machen) nicht fruchten, lässt sich Stück für Stück auf die neue Umgebung ein.

    Menschen mit Demenz haben zwar meist nicht mehr die Fähigkeit, bewusst und gezielt Pläne zu schmieden (nach dem Motto: Wenn ich Ihnen nur lange und intensiv genug meine Verzweiflung und meinen Ärger kommuniziere, werden Sie sich irgendwann erweichen lassen), aber sie können durchaus gut darin sein, emotionale Hebel zu drücken, Ihnen ein seeeehhhr schlechtes Gewissen zu machen. Krankheitsbedingt erleben sie die Welt, und unser Verhalten, egozentrisch - sie beziehen alles auf sich, haben oft keine Krankheitseinsicht, und können die Perspektive anderer (etwa zum Thema selbstständig leben) nicht mehr wahrnehmen. Sie sind also immer die unschuldigen Opfer, und der Rest der Welt ist ungerecht und gemein zu ihnen; das Leiden, die Überforderung und Erschöpfung Ihrer Oma kann er also nicht mehr erfassen.

    Sie selber nennen alle guten Argumente, die gegen eine Rückkehr nach Hause sprechen. Deshalb müssen Sie als Familie jetzt an einem Strang ziehen und für eine Weile die Klagen und Vorwürfe aushalten. Sagen Sie Ihrem Opa, dass sie seine Traurigkeit und das Heimweh verstehen, aber dass das nichts an der Situation ändern wird, und sowohl er als auch seine Frau beide Schutz und Hilfe benötigen. Besuchen Sie ihn, und vermitteln Sie ihm, dass Sie ihn weiterhin besuchen werden und nicht abschieben wollen, aber gehen Sie, wenn Sie es nicht mehr aushalten können und er sich nur in seine Wut hineinsteigert! Je mehr er Ihnen das schlechte Gewissen und "Miesfühlen" ansieht, desto weniger wird er sich vermutlich beruhigen können... und desto länger kann die Erinnerung an eine unglücklich verlaufene emotionale Begegnung bei Menschen mit Demenz erhalten bleiben. Anders als das Faktenwissen können die Betroffenen sich nämlich durchaus lange merken, mit wem sie zusammen gelacht, und über wen sie sich sehr geärgert haben. AUßerdem spiegeln viele Demenz-Betroffene gewissermaßen die emotionalen Verfassungen ihrer Mitmenschen: Wenn Sie schon mit unguten Erwartungen und "Bauschmerzen" das Heimbetreten, sieht er Ihnen das an - und reagiert entsprechend. Wenn es Ihnen selber gut geht, ebenfalls. Also ist weder Ihnen noch ihm damit geholfen, wenn Sie Ihre und seine schlechten Gefühle länger aushalten, im Gegenteil.

    Gut ist oft, zur Ablenkung gemeinsam Dinge zu unternehmen, die ihm früher Freude bereitet haben, je nach Interesse eine Sportzeitung, das Kirchenblatt oder ein Stück Lieblingskuchen mitzubringen... also Zeichen von Aufmerksamkeit und Zuwendung zu senden. Manche Angehörige haben halbwegs gute Erfahrungen damit gemacht, gemeinsam mit dem Menschen mit Demenz das Heim, die Menschen dort und die neue Umbwegung zu erkunden.

    Fragen Sie auch das Pflegepersonal einmal, wie er sich verhält, wenn kein Besuch da ist - beteiligt er sich an Aktivitäten? Wirkt er immer kreuzunglücklich und wütend, oder gibt es auch ruhige, entspannte Momente? Lässt er sich auf etwa oder jemanden im Heim ein? Vielleicht relativieren die Antworten Ihren Eindruck, und Sie bekommen noch eine Idee, wie man ihm dazu verhelfen könnte, sich einzuleben.


    Alles Gute für Sie,

    S. Sachweh

    Hallo Sabida,

    rechtlich kenne ich mich da leider nicht aus - vielleicht kann Ihnen ein lokaler Betreuungsverein Auskunft geben, welche Möglichkeiten und Pflichten Sie zur Abwendung des drohenden Desasters hätten.

    Aber wie steht es um das noch vorhandene Problembewusstsein: Wäre Ihre Schwester vielleicht offen für einen Kompromiss, also für eine Reise, die speziell für Menschen mit Demenz angeboten bzw. organisiert wird? Nur so ein Gedanke...


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Sabine K,

    Ja, das ist so: Je weniger regelmäßig die Betroffenen sich bewegen, je untrainierter und schwächer also die Muskulatur ist, und je mehr das Gehirn abbaut, und die Reflexe daher langsamer werden, desto eher ist auch der Gleichgewichtssinn gestört, und dann kommt es leider immer öfter zu Stürzen.


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Sohn,

    der Schwiegervater im Krankenhaus, der vorher geistig fit war, hat vielleicht "nur" ein Delir (also eine reversible, sich möglicherweise zurückbildende Form der Verwirrtheit), KEINE Demenz! Das sollte unbedingt neurologisch abgeklärt werden...


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Sohn,

    auch ich kann nur bestätigen, dass die Unruhe und die Desorientierung oft größer werden, wenn die Tage kürzer und dunker sind. Menschen mit Demenz zeigen dann das "Sundowning" genannte Phänomen noch öfter und früher, also die Unruhe, das Getriebensein, das Nach-Hause-Wollen, die Depressivität. Sie erkennen dann ihre jetzige Wohnung noch schlechter als ihr Zuhause wieder und machen sich öfter auf den Weg, um beispielsweise zu ihrem Elternhaus zu gelangen (das sie im tiefsten Innersten oft mit Schutz, Geborgenheit, Sicherheit assoziieren).

    Ich könnte mir vorstellen, dass blendfreie Tageslicht-Leuchten da etwas Abhilfe oder Milderung verschaffen, kenne aber leider keine Untersuchungen zu dem Thema. Man müsste eigentlich auch einmal einen Arzt fragen, ob UV-Lampen nicht auch (natürlich unter Aufsicht) bei Menschen mit Demenz lindernd eingesetzt werden könnten - wie bei anderen, die unter Winterdepressionen leiden.

    Die Idee mit der sommerlichen Fototapete finde ich einerseits sehr interessant. Andererseits kenne ich Berichte, dass Erkrankte dann im wahrsten Sinne des Wortes vor die Wand laufen (beispielsweise beim Versuch, sich an einen der Tische des von Teuteburger angesprochenen Straßencafés zu setzen), weil ihr Gehirn ihnen die Information vorenthält, dass es ein Bild, eine Tapete ist, nicht die Realität ist - sie können ja immer schlechter dreidimensional sehen. Warnen möchte ich auch vor Bildtapeten, auf denen Wälder oder große Bäume abgebildet sind: Männer mit Demenz neigen offenbar dazu, vor/an solche Bäume zu pinkeln, wenn sie Harndrang verspüren. ;)

    Vielleicht fällt Ihnen auch ein, bzw. haben Sie schon erlebt, dass bestimmte abendliche Rituale Ihrem Vater Sicherheit und Ruhe geben können? Hätte er Freude an einem mit Ihnen gemeinsam genossenen Heißgetränk (wie etwa einem Tee, Kakao oder der viel beschworenen heiße Milch mit Honig)? Möglicherweise hat Ihr Vater Ihnen auch von Ritualen seiner Eltern (vor allem der Mutter) erzählt, die er als Kind an Winterabenden genossen hat? Stichwort sich gemeinsam unter eine warme Decke kuscheln und Musik hören, oder etwas vorgelesen bekommen...?

    Stichwort fernsehen: Wenn das "Theaterstadl" noch auf Interesse stößt - gehe ich recht davon aus, dass die Stücke im Dialekt gespielt werden? Wenn Ihr Vater mit dem bayrischen Dialekt aufgewachsen ist, verbindet er die Mundart vermutlich wie viele andere Erkrankte auch mit Vertrautheit, Geborgenheit, Zugehörigkeit. Vielleicht gibt es noch andere "dialektale" Heimat-Dokus, die Sie ausprobieren könnten? Mit alten Krimis wäre ich eher vorsichtig, da immer wieder berichtet wird, dass Menschen mit fortgeschrittener Demenz Realität und Film/Fiktion nicht mehr unterscheiden können. Sie können schreckliche Angst bekommen, wenn sie plötzlich glauben, der Räuber/Mörder/Bösewicht stehe jetzt direkt in ihrem Wohnzimmer und sei auch eine Bedrohung für sie selber. Manch einer hat auch schon den Fernseher "gelöscht", wenn im Film ein Feuer ausgebrochen ist, etc. Aber versuchen Sie es doch einmal mit lustigen, humorvollen Filmen. Viele Betroffene lieben in der späten Krankheitsphase den Slapstick-Humor aus der Stummfilmzeit, also Dick und Doof, die Kleinen Strolche, Charlie Chaplin und ähnliche, oder heutzutage die Abenteuer von Mr. Bean. Die Späße kann man auch verstehen, wenn die Kommunikationsfähigkeit bereits eingeschränkt ist. Oder hätte Ihr Vater (wegen des Dialekts) Freude am Humor von Karl Valentin?


    Vielleicht hilft ja irgendwas davon wenigstens ein bisschen...


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Zimt,

    wenn das Durstgefühl schwindet, helfen oft buntere und süßere Getränke. Wasser in einem Glas sehen viele einfach gar nicht, abgesehen mal davon, dass es nicht "lecker" schmeckt. Und zusätzlich zum Tipp alkoholfreies Bier: Mag Ihre Mutter warme Getränke lieber, steht sie vielleicht auf Suppen (Kann man als Essen verkaufen, ist letztlich aber Flüssigkeit)?

    Der beste Animator ist meist, wenn Sie oder die Pflegekräfte zusammen mit ihr ein Getränk zu sich nehmen. Probieren Sie mal aus, sich zu ihr zu setzen und, ohne das weiter zu kommentieren, selber genussvoll (hör- und sichtbar!) ein Getränk zu sich zu nehmen. Manchmal triggert das einen Nachahmungseffekt.

    Oftmals hilft auch, wenn andere die Gläser möglichst unauffällig wieder füllen...


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

    Hallo in die Runde,

    das ist sicher eine schwierige und sehr individuell zu lösende Frage: Wie kann man als Angehörige/r erreichen, dass die Besuche für alle Beteiligten möglichst angenehm und speziell für Sie als Angehörige aushaltbar sind? Außer dem Wissen darüber, was die Erkrankten früher interessiert hat, ist vor allem wichtig, dass Sie bei dem, was auch immer Sie mitbringen, machen oder anbieten, einigermaßen wohl fühlen - dass Sie ausstrahlen, dass Sie in dem Moment wirklich nicht nur da sein, sondern sich genau mit dieser Sache beschäftigen möchten - deshalb fällt alles weg, was Ihnen individuell banal, peinlich, langweilig, gekünstelt etc. erscheint, oder wozu Sie sich zwingen müssten. Leider haben Menschen mit Demenz ja sehr feine Antennen dafür, wenn wir uns unwohl fühlen...

    Ich habe in den letzten 25 Jahren immer wieder beobachtet, dass es den Gesunden sehr, sehr schwer fällt, so ein Beisammensein ohne wirkliche Kommunikation, ohne Sprache auszuhalten, und deshalb aus eigener Not dazu neigen, die Betroffenen zuzutexten... während Menschen mit Demenz es sehr genießen können, einfach jemanden schweigend neben sich sitzen zu haben und unter Umständen noch seine Hand zu halten. Deshalb die Anregung: Gibt es irgendetwas, was Sie gemeinsam mit dem erkrankten Elternteil beobachten könnten - Tiere, kleine Kinder, Schrebergärtner, das Geschehen vor oder im Haus? Könnten Sie sich vorstellen, lustige Filme gemeinsam anzuschauen: Der Humor wird bei den meisten Menschen mit Demenz wieder sehr visuell, schadenfreudig und kindlich, deshalb mögen viele Filme aus der Stummfilmzeit wie "Die kleinen Strolche" oder "Dick und Doof". Manch einer lacht sich auch über die Pleiten, Pech und Pannen von "Mr. Bean" (der ja in der Regel komplett ohne Sprache auskommt) kaputt. Und wie wäre es, wenn Sie mit dem Smartphone kurze Videos/Grußbotschaften von anderen Angehörigen oder früheren Nachbarn, Freunden, Kollegen etc. aufzeichnen und die gemeinsam mit Ihren Eltern anschauen? Mit einem USB-Stick könnte man solche Filme ja auch auf manchen moderenen Fernsehgeräten vorführen (vonwegen der Größe und Sichtbarkeit des Bildschirms).

    Sie dürfen zwar derzeit noch nicht wieder miteinander singen, was extrem vielen Menschen mit Demenz große Freude bereitet - aber es hindert niemand Sie daran, gemeinsam Musik zu hören - gibt es einen Lieblingsschlager, oder die größten Hits einer Sängerin, die Sie mitbringen könnten? Dazu schunkeln, den Takt klatschen, "sitztanzen" gefällt ja auch vielen.

    Wenn direkte Berührungen eher abgelehnt werden, könnten Sie beispielsweise ausprobieren, ob die Damen ein Handbad mit anschließender Nagelpflege genießen könnten, und ob die Herren sich auf eine Igelball-Massage einlassen würden - und zwar nicht unbedingt sofort als Empfangende, sondern als Gebende: Sie könnten auf Ihre eigenen Schmerzen oder Verspannungen verweisen und fragen, ob er Ihnen kurz was Gutes tun kann.

    Wenn Ihre Eltern noch verbal erreichbar sind: Gibt es irgendetwas, worin Sie sich Rat und Hilfe suchen, oder wenigstes eine Meinung erfagen können - Handwerkliches, Gärtnerisches, Hausfrauliches, etc., wobei Ihnen Ihre Eltern früher geholfen oder Sie unterstützt haben? Können Sie einen Werbeprospekt mitbringen und sich modisch oder farblich beraten lassen, oder sich gemeinsam über die aktuelle Mode, Formen, Rocklängen austauschen? Vielen schmeichelt es auch in der fortgeschrittenen Demenz noch, als Experten für etwas wahrgenommen und angesprochen zu werden, und viele knüpfen gerne an diesen Teil der Elternrolle (anderen helfen, für sie sorgen) an.

    Und wenn nicht Grunderkrankungen bzw. Abhängigkeiten, Medikamente oder Adipositas dagegen sprechen: bei den allermeisten kommt große Freude auf, wenn Sie eine Leckerei mitbringen (wenn schon Besuche im hauseigenen Café vielleicht nicht mehr möglich sind). Vor allem Lieblingsspeisen oder Süßigkeiten aus der Kindheit (bei meiner Großmutter waren das beispielsweise solche Dinge wie Veilchenpastillen, Salmiakpastillen, Pfefferminzbruch) wecken oft Erinnerungen und führen dazu, dass die Erkrankten von selber etwas erzählen und kommunikativ etwas munterer werden. Meine Oma hat in ihren letzten Lebensmonaten auch sehr genossen, mit Besuch ein oder zwei Eierlikörchen zu nippen.

    Vielleicht könnte irgendwas davon auch Ihnen und Ihren Eltern gut tun? Ich hoffe es.


    Freundliche Grüße an alle

    S. Sachweh

    Hallo ecia25,


    die anderen, die Ihnen schon geantwortet haben, haben vollkommen Recht: ja , Menschen mit Demenz schaffen es auf rätselhafte Art und Weise, in solchen Testsituationen alles Mögliche an Defiziten elegant zu überspielen - und brechen dann oft nur wenige Minuten später völlig erschöpft zusammen.


    Normalerweise kann ein Mensch mit Demenz Ihnen eigene Hilflosigkeit nicht vorspielen, um mehr Zuwendung zu bekommen - dafür müsste er logisch und schlussfolgernd denken können, Pläne schmieden, Strategien entwickeln oder anwenden können, und das genau nimmt ihnen eine Demenz ja. Das bringen eher Menschen zustande, die eher depressiv als demenzkrank sind. Letztere behaupten fast durchgehend, alles selber zu können und keine Hilfe zu benötigen.


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Rose60,


    bei vielen Erkrankten ist eine weitestgehende Enthemmung Teil der Krankheit, eben auch im Lästern und öffentlichen und lautstarken Empören über andere. Sie haben vergessen, was sich gehört. Dazu kommt, dass auch das emotional gefärbte "Schimpfwort-Lexikon" im Kopf leider länger durchhält als das Wissen über die Bedeutung der normalen Wörter, bzw. der Zugang zu diesem sachlicheren oder neutraleren Wortschatz. Den Deckel über die Tabu-Wörter und schlimme Beleidigungen kriegen sie aber sinnbildlich gesprochen immer schlechter zu, da muss was raus, was sie sich an Frechheiten oder Unhöflichkeiten oder auch Gemeinheiten vielleicht ihr Leben lang verkneifen konnten - nur jetzt nicht mehr. Zudem macht ihnen das Verhalten von Menschen, die schon schlimmer betroffen sind als sie selbst, Angst, sie müssen sich davon abgrenzen, komme, was da wolle - schon aus der Angst heraus, selber später so zu werden... Will sagen, sie können ihre unfreundlichen Impulse nicht mehr steuern. Vielleicht macht es Ihnen das leichter, auch dieses Verhalten als Teil der Erkrankung zu sehen?


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Sohn83,

    wie gut ist denn das Zahlenverständnis Ihres Vaters noch? Oftmals ist zu beobachten, dass bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz das Wissen um den Wert von Geldscheinen verloren geht, und sie sich beispielsweise nicht wundern, wenn sie ein Pfund Kaffee mit einem Hunderter bezahlen und nur Münzgeld zurückbekommen. Entsprechend kommt es ihnen vor, ganz viel mehr Geld dabei zu haben (und somit angebotene Speisen und Getränke zahlen zu können), wenn sie statt eines Fünfzigers 10 5-er im Geldbeutel haben. Manche (die die Existenz des Euro als Währung bereits vergessen haben) geben sich auch mit DM-"Schlafmünzen" zufrieden. Wichtig ist vor allem Männern manchmal, auch einen Personalausweis und vor allem einen Führerschein im Portmonee zu tragen. Die Originale haben Sie ja sinnvollerweise schon sichergestellt. Aber vielleicht könnten Sie ihm diese Dokumente für die diversen Geldbörsen farbkopieren und laminieren? Nur so ein Gedanke...

    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

    Hallo Sohn83,

    das klingt doch wirklich sehr gut! Und kleinere Häuser sind wirklich für die meisten Menschen mit Demenz wegen der Übersichtlichkeit viel besser geeignet. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass es auch während der zwei Wochen "Probewohnen" bei dem guten Eindruck bleibt, und Ihr Vater sich dort wohlfühlt...


    Freundliche Grüße,

    S. Sachweh