Beiträge von svenjasachweh

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    Hallo LauraPatricia,
    es ist tatsächlich möglich, dass der Schlaganfall Ihrem Vater entweder die Stimme, oder sogar die Sprache genommen hat.
    Manche Betroffene leiden nach einem Schlag etwa an einer Dysarthrie, d.h. ihre Aussprache wird verwaschen, nuschelig, mühevoll, weil das angeschlagene Gehirn es nicht mehr schafft, die "Sprechwerkzeuge" im Mund (also Lippen, Zunge, etc.) wie gehabt und lebenslang trainiert zu koordinieren. Bei dieser reinen Sprechstörung könnte u.U. die Hilfe eines Logopäden nötig sein, um wieder verständlicher sprechen zu können.
    Wenn er auch keine Wörter mehr selber findet oder nicht mehr erinnert, wie man verstehbare Sätze (zumal grammatisch korrekt) zu bilden, leidet er wohl an der schwerwiegerenden Sprachstörung Aphasie. Auch in diesem Fall könnte eine Therapie bei einem Logopäden in gewissem Maße (aber in der Regel selten bis zur vollständigen Wiederherstellung der Sprachfähigkeit) helfen.


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Holländer,
    besteht denn eine Aussicht darauf, dass Ihre Schwiegermutter wieder auf die Beine kommt? Sehen die Ärzte auch nur die geringste Chance auf Gesundung? Gibt es eine Patientenverfügung, d.h. hat Ihre Schwiegermutter sich Gedanken darüber gemacht, ob und unter welchen Umständen sie noch behandelt, wiederbelebt etc. werden möchte?
    Ihr eigener Eindruck ist ja, dass Ihre Schwiegermutter nicht mehr leben WILL, und angesichts des geschwächten Körpers vielleicht auch wirklich nicht mehr kann.
    Oftmals ist das Einstellen der Nahrungsaufnahme ein ziemlich eindeutiges Zeichen dafür, dass die Erkrankten in ihre letzte Lebensphase, bzw. in den Sterbeprozess eintreten. Wenn wir (bzw. die Ärzte) dann in wohlmeinender Absicht (weil wir an ihr hängen, sie lieben und den Gedanken nicht ertragen können, sie verhungern und verdursten zu lassen; weil Ärzte sich nicht unterlassene Hilfeleistung zuschulden kommen lassen wollen) Flüssigkeit und Nahrung zuführen, verlängert das zwar möglicherweise das Leben, aber eben auch das Leiden und eventuell den Sterbeprozess des Erkrankten. Hier wäre es hilfreich, wenn Sie sich Rat von einem erfahrenen Palliativ-Mediziner oder einer palliativ ausgebildeten Pflegekraft holen könnten. Gäbe es in Ihrer Stadt Angebote von Pflegediensten, die sich auf die ambulante Versorgung und Betreuung Sterbender spezialisiert haben? Möglicherweise käme auch die Verlegung in ein Hospiz in Betracht? Dort würde Ihre Schwiegermutter in einer ruhigen, friedliche Atmosphäre von speziell dafür ausgebildeten Fachkräften so versorgt, dass sie weder Durst, noch Hunger und Schmerzen spüren muss.
    Sicher gibt es in Ihrer Klinik jemanden, der Rat und Hilfe für die Zeit nach der Krankenhaus-Entlassung geben kann (oft Überleitungspflege oder Entlassungsmanagement genannt) - Ihnen erklärt, welche Möglichkeiten es vor Ort gibt.
    Wenn Ihre Schwiegermutter jetzt zu Ihnen nach Hause und kurz darauf, weil Sie die Situation als medizinische Laien alleine nicht bewältigen können, wieder in eine Klinik verlegt werden müsste, sind am Ende alle noch traumatisierter und unglücklicher...


    Viel Kraft und hilfreiche Ratgeber wünscht Ihnen
    S. Sachweh

    Hallo Zimt,
    verstehe ich das richtig, dass Sie Ihre Mutter jeden Tag nach der Arbeit besuchen? Dann könnte es ja vielleicht sein, dass sie sich wie manch' anderer Betroffene wegen des krankheitsbedingt gestörten Zeitgefühls auf keinerlei Beschäftigungsangebot einlässt, weil sie tatsächlich Angst hat, den Moment zu verpassen, an dem Sie zu Besuch kommen.
    Und: Wie läuft das denn, WENN Sie Sie besuchen - oder am Wochenende bei Ihnen daheim ist? Ist sie dann zufrieden, oder nörgelt sie herum?


    Schließlich: Wie hart war der Abschied von ihrem früheren Zuhause für Ihre Mutter? 4 Monate sind keine wirklich lange Zeit zum Einleben und Umgewöhnen für einen Menschen, der sich ständig vor neue Verluste gestellt sieht. Da kann es manchmal tatsächlich besser sein, eine ganze Weile lang seine Entscheidungen, sich zurückzuziehen, zu akzeptieren.


    Es grüßt Sie freundlich
    S. Sachweh

    Hallo Deira,
    ich denke, sonnenblümchen hat absolut Recht: Bemühen Sie sich, bei der Begutachtung mit dabei zu sein. Und schenken Sie ihm reinen Wein ein, wenn es um das Auto geht. Vielleicht können Sie außer den drohenden Gefahren zusätzlich damit argumentieren, wie viel Geld er so sparen kann? Oder dass er froh sein kann, den Wagen jetzt noch zu einem so guten Preis loszuwerden (z.B. vonwegen Wertverlust von Diesel-Fahrzeugen etc.). Nichts davon wäre gelogen!
    Grundsätzlich ist es für die Beziehung zum Erkrankten immer besser, wenn man die Verantwortung für Entscheidungen auf andere, sprich "höhere Stellen" wie Ämter, Behörden und Ärzte schieben kann - vor allem, wenn man sich selber in die "Buhmann-Ecke" geschoben sieht, wie das leider so gut wie allen Angehörigen passiert, die versuchen, sich um einen Menschen mit beginnender Demenz (ohne Krankheitseinsicht!) zu kümmern. Daher ist es leider sehr ungünstig, wenn selbst der Neurologe Ihren Vater für kognitiv gesund hält, Sie diesen Experten also nicht vorschieben können.


    Zudem: Ein MDK-Gutachter klärt ja nur, ob Ihr Vater in finanzieller Hinsicht anspruchsberechtigt ist: Meines Wissens ist es nicht sein Job, irgendeine Form der häuslichen Versorgung sicherzustellen.
    An Ihrer Stelle würde ich mich deshalb schon jetzt z.B. beim sozialpsychiatrischen Dienst Ihrer Stadt erkundigen, welche Hilfe-Angebote für Menschen bestehen, die wie Ihr Vater scheinbar jede Unterstützung ablehnen, und ob es einen örtlichen Pflegedienst gibt, der für solche Fälle besonders geeignet ist.
    Ich drücke Ihnen die Daumen!


    S. Sachweh

    Hallo Gebby,
    wie man mit einem Schlüssel auf- und zusperrt, vergessen Menschen mit Demenz leider oftmals. Warum man Türen schließen sollte, sehen sie irgendwann auch nicht mehr ein.
    Von daher würde ich versuchen, die Nachbarn mit einzuspannen: Wie viele Parteien wohnen in dem Haus? Könnten Sie die nicht bitten, abends und nachts grundsätzlich die Haustür abzusperren? Und die Tür Ihrer Eltern einfach zuzuziehen, wenn sie gegen Abend sehen, dass diese offen steht? Dann wäre für mehr Sicherheit für alle gesorgt.


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo FridaB,
    ja, es ist gut möglich, dass Ihre Mutter wegen der vielen schwer zu verkraftenden Veränderungen auch depressiv ist! In ihren lichteren Momenten wird sie ein Bewusstsein dafür haben, was mit ihr passiert, und das geht ihr sicher wie jedem anderen Menschen an die Substanz. Sehr vielen Betroffenen geht es so, und leider werden nicht alle daraufhin untersucht, bzw. bei einer entsprechenden Diagnose mit Antidepressiva behandelt. Zwar ist eine antidepressive Medikation meines Wissens nicht in jedem Fall angezeigt - einen Fachmann (Neurologen) draufschauen zu lassen wäre trotzdem anzuraten; und wenn es auch nur den Effekt hat, dass Sie ein gutes Gewissen haben können, alles versucht zu haben, um die Lebensqualität Ihrer Mutter zu verbessern.
    Ihren Schilderungen nach schaffen Sie es ja, Ihre Mutter in solchen Phasen gut abzuholen und zu trösten. Ich denke, es ist wichtig für sie, dass Sie da sind, die Traurigkeit, das Leid mit ihr für eine Weile aushalten - nicht, dass Sie eine Lösung herbeizaubern können. Genau so, wie man ein Baby durch Nähe, Streicheln, Wiegen tröstet, bei dem man auch selten genau weiß, warum es weint.
    Ablenkung kann im Übrigen auch bei großer Traurigkeit mal helfen - mag Ihre Mutter kleine Kinder? Dann machen Sie doch einen Spaziergang zu einem Spielplatz. Liebt sie Tiere? Dann gibt es vielleicht einen Ort, wo sie welche beobachten kann. Ist sie früher in ihrer Mutterrolle aufgegangen, und war sie eine viel gefragte Ratgeberin und Trösterin in Sachen Erziehung oder Partnerschaft (oder Gartenarbeit oder Kochen oder...) für Sie? Dann fällt Ihnen vielleicht ein, nach was Sie Ihre Mutter versuchsweise mal fragen könnten, um Ihnen (!) zu helfen. Manchmal funktioniert es, wenn wir die Erkrankten in ihren alten Rollen, in ihrer Erwachsenen-Identität ansprechen und abholen.


    Ich drücke Ihnen die Daumen!
    S. Sachweh

    Hallo FridaB,
    die motorische Unruhe ist ein typischer, sehr häufig auftretender Teil der Krankheit: Die betroffene Person leidet in körperlich fitten Momenten unter Langeweile, oder dem Gefühl, etwas für sie sinnvolles tun zu wollen, bzw. zu müssen... und dann beschäftigen sie eben ihre Hände mit "Aufgaben", die uns sehr merkwürdig oder verstörend erscheinen können. Oftmals bleiben sie an einer Bewegung, einer Handlung "kleben", und wiederholen diese (wie Ihre Mutter) endlos. So lange sie dabei weder sich selber, noch andere verletzen, und sie diese Aktivität zu befriedigen scheint lautet die Faustregel: Machen lassen! Möglicherweise fallen Ihnen auch kleine Aufgaben ein, mit der Sie Ihre Mutter beschäftigen können: Am besten sind immer Bitten um Mithilfe im Haushalt etc., um einen selber zu entlasten - viele wollen sehr, sehr gerne helfen, ihren Liebsten was Gutes tun, sich nützlich fühlen! Gibt es Staub zu wischen, eine Tisch zu decken, Besteck zu polieren, Schuhe zu putzen, Wolle zu wickeln, Teig zu kneten...? Kann sie noch bügeln? Viele Hausfrauen beherrschen das selbst noch in der späten Phase der Erkrankung.
    Das Polieren der Nägel erscheint zunächst einmal nicht gefährlich. Wenn Ihre Mutter sich allerdings zwanghaft selber schädigt und so lange kratzt oder poliert, bis es blutet, sollte man natürlich naheliegenerweise erst einmal von einem Hautarzt abklären lassen, ob tatsächlich ein behandelbarer Juckreiz vorliegt. Wenn das nicht der Fall ist, könnte es sein, dass Ihre Mutter ihr Gefühl für sich selber und ihren Körper verliert und sich kratzt, um sich besser zu spüren: Dann wäre vielleicht zu überlegen, ob Ihr ein Arzt versuchsweise Massagen oder eine körperbetonte Ergotherapie verschreiben könnte. Wenn die Beziehung zwischen Ihren Eltern grundsätzlich gut ist und sie sich immer noch nahe sind, hilft vielen Erkrankten, wenn wir sie bei Unruhezuständen wiegend in den Arm nehmen, bzw. Schunkeln oder mit ihnen Schaukeln, oder ihnen gewärmte Kirschkern- oder Dinkelsäckchen, oder auch eine Massage mit einem Igelball anbieten. Auch Kontakte mit Tieren und Babys (bzw. Kuscheltieren und Puppen) lenken Menschen mit Demenz manchmal von solchen Verhaltensweisen ab - da hilft nur, ausprobieren und überlegen, was am besten zu Ihrer Mutter passen könnte!


    Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie bald eine Lösung finden.


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Schriftsetzerin_Meike,
    haben Sie es schon einmal damit probiert, dass eine fremde, vorzugsweise männliche Stimme den Spruch aufsagt, dass Sie gerade leider nicht zu Hause sind? Dann wäre zumindest die Verwechslungsgefahr, bzw. das Problem, dass Ihre Mutter die "Maschine" nicht als solche erkennt, eventuell gebannt...


    Herzliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Marie51,
    ich würde ähnlich argumentieren wie hanne63: Ein sozialpsychiatrischer Dienst wäre eine gute Anlaufstelle.
    Das, was Sie beschreiben, klingt nach einer reinen Wahnerkrankung, nicht aber nach einer Demenz - und müsste entsprechend von einem Gerontopsychiater (wahrscheinlich in einer Klinik) diagnostiziert und (vermutlich pharmakologisch) behandelt werden. Kein Mensch auf dieser Welt hat es bisher geschafft, einem Wahn-kranken diesen Wahn auszureden... an dieser Aufgabe können Sie nur scheitern. Es könnte sogar sein, dass Ihr selbstloses Bemühen, sich vor Ort rund um die Uhr um Ihre Mutter zu kümmern, den Wahn noch verfestigt (was selbstverständlich nicht an Ihnen, sondern dieser psychischen Erkrankung liegt).


    Dass sowohl der Hausarzt, als auch der Neurologe auf Tauchstation gegangen sind, ist ein Armutszeugnis.
    Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie bald professionelle Hilfe finden!


    S. Sachweh


    P.S.: Vielleicht wissen ja die Experten aus dem Forum Prävention, Diagnose und Therapie noch einen guten Rat für Sie!

    Hallo Yessin01,
    ja, das ist leider normal: Das Gehirn, bzw. das motorische Zentrum "vergisst" aufgrund der Demenz, wie ein normaler, aufrechter Gang, auch beispielsweise Sitzen, und noch später Kauen und Schlucken funktionieren. Die Schritte vieler Erkrankter werden oft kleinschrittig und "trippelig", sowie schlurfend - und eben vornüber gebeugt. Je öfter und je länger man mit ihnen läuft, und je häufiger man dabei an den aufrechten Gang und etwas größere Schritte erinnert, desto besser "erinnern" Körper und Muskulatur sich in der konkreten Situation zuweilen, wie das ging...
    Manchmal wirkt auch Musik (am besten aus der Zeit der Jugend der erkrankten Person) beschwingend, probieren Sie es doch einmal aus!


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Bayern03,


    ja, das ist leider bei fast ausnahmslos allen Erkrankten so! Manche sagen wochenlang kein Wort, und dann hört man einen, sogar verständlichen oder sogar zur Situation passenden Satz, aber danach kommt wieder wochenlang nichts. Grundsätzlich verstehen sie aber alle viel mehr und besser, als sie reden können, und als wir so meinen.


    Freundliche Grüße,
    S. Sachweh

    Hallo zimt,
    ich denke, Sie haben völlig Recht: Ihre Mutter wird sich, wie sehr viele Erkrankte, phasenweise langweilen, und sie wird überschüssige Energien erleben - und sie wird das Bedürfnis haben, etwas zu tun, das sich sinnvoll und produktiv anfühlt (und tatsächlich das Chaos im Kopf irgendwie verringert!). Leider erschließen sich uns Gesunden Sinnfindung und Logik von Menschen mit Demenz in vielen Fällen nicht. Aber so lange sie "nur" herumräumen und nichts zerstören, oder sich und andere gefährden, sollten wir sie einfach gewähren lassen - denn irgendetwas an diesen Tätigkeiten befriedigt sie, und hält ihr Aggressions- und Frustrationspotential niedrig(er); und sie freuen sich, wenn man nicht mit Schimpfen oder Befremden, sondern mit Lob für ihren Fleiß, ihre Tatkraft, ihr Engagement reagiert.
    Wenn es Ihnen schwerfällt, das zu tun bzw. auszuhalten: Haben Sie schon versucht, ihr kleine, zielgerichtetere, konkrete, am besten repetitive Aufgaben anzuvertrauen? Viele Betroffene bemühen sich sehr, uns zur Hand zu gehen, wenn wir sie um Hilfe bei etwas bitten: Staub zu wischen, Dinge wie ein Nähkästchen (vermeintlich) aufzuräumen, Socken zu Paaren zu sortieren, alte Mullbinden aufzuwickeln, Postkarten zu sortieren, die Schuhe zu putzen...


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Andydreas,
    gute Motivation bei den Erkrankten bewirkt es oft, um Hilfe bei etwas zu bitten, was man selber nicht gut kann, oder nicht alleine schafft: etwa um Mithilfe beim Fegen, Wischen, Saubermachen, Schuheputzen, Wäsche sortieren... oder irgendetwas, was Ihre Mutter früher mal besonders gut konnte. Oder was Ihnen "als Mann" weniger liegt, sie "als Frau" aber aus dem Effeff beherrscht. Könnten Sie beispielsweise Werbe-Kataloge vom Versandhandel beschaffen und sich von ihr beraten lassen, was für ein Kleidungsstück Sie sich (oder ihr) demnächst kaufen könnten?
    Je mehr Bewegung sie tagsüber bekommt, desto wahrscheinlicher ist, dass sie abends auch tatsächlich müde ist und weniger oft herumgeistert. Vielleicht können Sie den Spaziergang ausdehnen? Oder, falls Ihre Mutter gerne gesungen und getanzt hat, mit ihr alte Schlager anhören, ein Tänzchen anbieten?
    Haben Sie schon ausprobiert, Fotoalben mit Bildern der Menschen anzuschauen, nach denen sie sich offenbar sehnt, bzw. bei denen sie sich "abmelden" möchte? Was passiert, wenn sie ihr in beruhigendem Ton mitteilen, sie hätten dort schon angerufen und Bescheid gesagt?
    Und wenn sie beim Fernsehen immer schimpft: worüber genau? Könnte es helfen, gemeinsam mit ihr zu schimpfen (und somit Verständnis für ihren Ärger, ihre Überforderung zu signalisieren), statt sich über ihr Verhalten aufzuregen?


    Herzliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo in die aufgeregte Runde,


    ich habe erst heute zufällig Ihre Reaktionen gelesen.
    Es ist Ihr gutes Recht, nicht allen hier gegebenen Ratschlägen zuzustimmen oder sie sogar empörend zu finden. Sicher hätte ich die Angelegenheit auch weniger zugespitzt formulieren können oder sogar sollen - etwa in dem Sinne, dass man testhalber VOR dem spuckenden Erkrankten ausspucken könnte, um ihm die Unangemessenheit seines Verhaltens vor Augen zu führen, statt ihn ANZUSPUCKEN.


    Das Spucken mit Erbsen im von mir geschilderten Einzelfall (!) finde ich persönlich durchaus erklärungsbedürftig oder problematisch, aber als Ausweg aus einer für weitere Beteiligte Anstoß erregenden, bzw. auch gefährlichen Situation (Rutschgefahr) jedenfalls entschuldbar.


    Grundsätzlich klingen sicher manche der Beispiele oder Tipps, die wir hier geben, für die Ohren kognitiv gesunder Menschen mit wenig Wissen über Demenz oder wenig Erfahrung im Umgang mit den Erkrankten befremdlich. Aber meine Überzeugung ist, dass man betroffenen Angehörigen, die ja sicher alles nur Erdenkliche, Höfliche und sozial "Gesittete" bereits erfolglos ausprobiert haben und sich deswegen an dieses Forum wenden, (gewaltfreie, Zeit und Nerven sparende und den Erkrankten möglichst nicht demütigende) Wege anderer Praktiker aufzeigen sollte, wie man schwierige Situationen mit "um die Ecke gedachten", kreativen oder humorvollen Ansätzen eventuell doch bewältigen kann (Bitte beziehen Sie diese Adjektive jetzt nicht auf das Erbsen-Beispiel, sondern auf alle meine Posts in den letzten beinahe 10 Jahren!). Und es ist meine Hoffnung, dass Sie auf dem Hintergrund solch plakativer Beispiele eigene, abgewandelte Auswege finden, die Ihren persönlichen ethisch-moralischen Überzeugungen entsprechen. In diesem Sinne ist das Forum nach meinem Verständnis kein Rezeptbuch, sondern eine Sammlung von Denkanstößen. Dabei habe ich mich offensichtlich in diesem Fall missverständlich ausgedrückt und bin unabsichtlich über das Ziel hinausgeschossen.


    An "Sonnenblümchen": Nein, ich würde niemals dafür plädieren, Menschen mit Demenz zu schlagen - weder aktiv noch reaktiv!


    S. Sachweh

    Hallo Andydreas,


    statt argumentativ gegen die abendlichen Wünsche Ihrer Mutter anzugehen und ihr immer wieder zu erklären, dass diese Verwandten nicht mehr leben (was sie krankheitsbedingt doch nicht verarbeiten und verstehen kann), könnten Sie sie auch einfach ein Stück gehen lassen - vor allem, wenn Sie ein Tracking-System haben! Erfahrungsgemäß sind die Erkrankten froh, wenn wir sie entweder einfach begleiten - oder ihnen besser noch aus einer anderen Richtung entgegen kommen, wenn sie schon ein Weilchen unterwegs waren. Zu diesem Zeitpunkt merken sie oft, dass sie ganz schön müde sind, die Beine schmerzen, oder es draußen kalt, nass, ungemütlich... ist. Dann lassen sie sich oft besser ablenken, und das Angebot, sie wieder an einen warmen, trockenen Ort zu führen, an dem es ein Lieblingsgetränk gibt, wird eher angenommen...
    Wichtig wäre auch, herauszufinden, was genau Ihre Mutter emotional zu diesen Menschen treibt: Ist es Sorge, Pflichtbewusstsein, die Suche nach Liebe und Geborgenheit...? Je nachdem hätten Sie andere Ansatzpunkte.


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Emma46,


    vermutlich tut und sagt Ihr Mann das, was er tut und sagt, weil er schwer krank ist. Viele Menschen mit Demenz entwickeln Wahnvorstellungen (Eifersucht, Mord- und Bestehlungsphantasien...). Der Reflex ist verständlich, aber es nützt Ihnen sicher überhaupt gar nichts, dagegen anzureden oder dagegen zu argumentieren - eine Wahnvorstellung kann man nicht wegdiskutieren oder ausreden, solche Versuche machen die Sache meist noch schlimmer und bringen den Erkrankten oft erst recht in Rage. Es ist besser, dann schweigend den Raum zu verlassen und gewissermaßen eine Auszeit zu nehmen, als sich wieder und wieder in den Konflikt zu begeben.
    Ihre Situation ist sicher kaum auszuhalten - daher würde ich Sie bitten, sich umgehend mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst Ihrer Stadt/Gemeinde in Verbindung zu setzen. Die müssten Ihnen eigentlich sagen können, welche rechtlichen Möglichkeiten Sie als Ehefrau haben, z.B. gegen den erklärten Willen Ihres Mannes eine ärztliche Untersuchung durchführen, oder gegebenenfalls eine Betreuung einrichten zu lassen.


    Alles Gute für Sie,
    S. Sachweh

    Hallo Stephan_nrw,


    weder dürfen noch können wir in diesem Forum juristischen Rat erteilen.


    Hören Sie denn das Schreien auch durch geschlossene Türen und Fenster? Haben Sie ausprobiert, ob Ohrenstöpsel Ihnen etwas Frieden und Ruhe verschaffen? Könnten Sie selber alternative Lüftungskonzepte erproben?
    Oder: Könnten Sie den Mann der Erkrankten auf das Problem ansprechen und ihn bitten, vor allem nachts die Fenster geschlossen zu halten? Oder ärztliche Hilfe zu suchen - vielleicht kann ein Mediziner ja den Grund des Schreiens ergründen und eine entsprechende, lindernde Medikation oder Therapie verschreiben?
    Vielleicht würde auch ein Anruf beim Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt lohnen - wenn sie selber nicht helfen können, wissen die aber vielleicht doch, an welche Stellen man sich als Nachbar sonst wenden könnte...


    Ich drücke Ihnen die Daumen!
    S. Sachweh

    Hallo nochmal,
    ich kenne zwei Versionen, die mal mehr, mal weniger gut klappen: Erstens den Trick, den Sie schon erwähnten, also an die Sparsamkeit älterer Menschen zu appellieren, indem man sie bittet, einem zu helfen, die Waschmaschine voll zu bekommen. Der andere ist, nicht erklären oder beweisen zu wollen, dass etwas verschmutzt ist, sondern sich selber (natürlich letztlich absichtlich) ungeschickt anzustellen, also dem Erkrankten "versehentlich" etwas auf die Hose zu schütten (egal was, Hauptsache, bunt oder fettig, sodass die ehemalige Hausfrau sofort auch trotz Demenz einsieht, dass man die schnell in die Wäsche tun muss). Wenn wir die Verantwortung für den Fleck auf uns nehmen und um Entschuldigung bitten, ist der Widerstand viel geringer! Vielleicht hilft das?


    Noch'n Gruß,
    S. Sachweh

    Hallo morgenstern,


    manchmal hilft es, wenn man den Betroffenen bittet, etwas für einen festzuhalten - völlig egal was, da muss man zunächst etwas ausprobieren, ob Toilettenpapier, ein Handtuch oder Waschlappen, oder etwas ganz anderes angenommen wird. Am besten sind es Materialien oder Gegenstände, die sich angenehm anfühlen, Interesse und Aufmerksamkeit der erkrankten Person binden und weder zu schwer noch zu leicht sind (Das kann je nach früheren Interessen auch mal eine Puppe, oder etwa ein Versandhandelskatalog sein). Konzentriert der Mensch mit der Demenz sich auf das Helfen, also dieses Festhalten, ist er in der Regel nicht in der Lage, gleichzeitig aufzustehen, oder die Hose wieder hochzuziehen... Sie hätten also etwas mehr Luft für's Abputzen. Vielleicht hilft's auch in Ihrem Fall? Ich drücke Ihnen die Daumen!


    Freundliche Grüße,
    S. Sachweh

    Hallo Emma46,
    also wenn schon ein Kontakt zu einem Neurologen besteht, den Ihr Mann wegen seiner Epilepsie kennt, und dem er leidlich vertraut, könnten Sie diesem Arzt das Problem schildern und ihn bitten, Ihren Mann unter einem Vorwand zu einer abklärenden Untersuchung vorzuladen. Leider kommt man bei den meisten Erkrankten wegen der mangelnden Krankheitseinsicht nicht um etwas Trickserei herum...


    Ich drücke Ihnen die Daumen!
    S. Sachweh