Beiträge von svenjasachweh

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    Hallo Eva4,
    manchmal schließen Menschen mit Demenz vor allem gegen Abend die Augen, weil sie kräftemäßig und von der Konzentrationsfähigkeit her "am Ende" sind - sie blenden die sichtbare Umgebung quasi aus, ziehen sich ein bisschen in sich selber zurück. Diese Variante wäre eine Art Schutz gegen Reizüberflutung.
    Es kommt aber auch vor, dass sie im Gespräch die Augen zumachen - nicht etwa, weil sie müde oder desinteressiert sind, sondern weil sie sich große Mühe geben, sich auf unsere Worte zu konzentrieren und das Gesprochene zu verstehen und zu verarbeiten (und optische Reize sie stören, von der Unterhaltung ablenken würden). In diesem Falle wäre das Verhalten eher als eine Art Vorsichtsmaßnahme oder Konzentrationshilfe zu verstehen - sie blenden Ablenkendes aus.


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Corinna,
    Alzheimer ist eine, nämlich die häufigste Form von Demenz. Manche der von Ihnen geschilderten Verhaltensweisen könnten demenzielle Ursachen haben (z.B. die Zwanghaftigkeit, die Gier nach Süßem, der Mangel an Flexibilität, Furcht vor bzw. Ablehnung von Veränderungen), andere wiederum sprächen auch oder eher für das Problem Altersschwerhörigkeit. Da es aber immer möglich ist, dass auch ganz andere, behandel- oder heilbare Ursachen dahinter stecken, wäre eben eine ärztliche Abklärung sehr wichtig - wenn das denn irgendwie machbar wäre...


    S. Sachweh

    Hallo ogelos,
    Menschen mit Demenz begreifen nicht, dass sie krank sind, glauben, alles bestens im Griff zu haben, riechen nicht, wenn es müffelt bzw. sie selber zu riechen beginnen (bei vielen Demenzformen wird der Geruchssinn zuerst geschädigt, nicht etwa Gedächtnis oder Orientierung!). Dennoch spüren sie, dass ihnen die Kontrolle entgleitet, und sie kämpfen verbittert um Selbstbestimmung und darum, dass ihnen niemand dreinredet. Aber bei allem Verständnis für die Befindlichkeiten der Erkrankten hat auch die Umwelt, und vor allem die Angehörigen, ein Recht darauf, nicht über Gebühr durch die Ausfälle des Menschen mit Demenz belastet zu werden. Deshalb müssen Sie einen Weg finden, der sanft und verständnisvoll, aber deutlich signalisiert, dass es so nicht weitergehen kann. Sie könnten es mal damit probieren, Ihrer Mutter die Alternativen aufzuzeigen (Manchmal, bei einigen, klappt das): Wenn du weiter hier mit uns leben und nicht ins Altenheim möchtest, musst du dir wenigstens einmal in der Woche bei der Körperpflege helfen lassen - entweder von uns (Sohn, Mann), oder von einer Fachkraft aus der Altenpflege (Manchmal werden Familienangehörige, manchmal aber auch Profis eher akzeptiert, das kann man nie vorhersagen). Über die Notwendigkeit des Waschens wird nicht diskutiert, da müssen Sie leider hart bleiben. Allerdings sollten Sie, sofern Ihre Mutter nicht inkontinent ist, nicht auf täglichem Wschen bestehen.
    Zuweilen hilft auch ein "Rezept" von Arzt, der wöchentliche Bäder oder Waschungen verschreibt...
    Sie werden vieles ausprobieren müssen, aber irgendwann werden Sie doch einen ganbaren Weg finden. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie bald eine passende Lösung finden.


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Cenci,
    ja, wenn Ihr Bruder auch das Sagen über Wohnen und Aufenthaltsort Ihrer Mutter hat (dafür gibt es eine Rubrik in der Vorsorgevollmacht), haben Sie ohne gerichtliche Hilfe wohl wenig Chancen, die Situation Ihrer Mutter zum Guten zu wenden. Eventuell kann Ihnen ein örtlicher Betreuungsverein erklären, ob und was Sie unternehmen können.


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Corinna,
    ja, es gibt Beratungsstellen - in NRW etwa die Demenz-Servicezentren, und in vielen deutschen Städten gibt es Anlaufstellen der Alzheimer Gesellschaft. Dort gibt es sowohl Info-Vorträge als auch Selbsthilfegruppen, in denen über geeignete Umgangsformen wie auch über Tricks gesprochen wird, wie man einen krankheits-uneinsichtigen Menschen etwa zu einem klärenden Arztbesuch bewegen kann.
    Dass Ihr Vater von einem HNO-Arzt untersucht wird, wäre auch deshalb wichtig, weil Schwerhörigkeit eine demenzielle Veränderung z.T. massiv verstärkt bzw. beschleunigt. Kriegt man mehr von der Welt mit, baut man langsamer ab und ist weniger misstrauisch. Umgekehrt erweisen sich manchmal Menschen, die wie ein Demenz-Kranker wirken, als eigentlich "nur" schwerhörig.


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Albertine,


    ich denke, Ihre Mutter IST derzeit bei Ihrem Bruder - darum verstehe ich nicht, warum sie wieder dorthin MITFAHREN soll...???
    Falls eine Demenz-Diagnose vorliegt: Es ist oftmals sinnvoll, den Arzt gewisse Verhaltensweisen (Körperpflege, Bewegung, Aufenthaltsort) "verschreiben" bzw. "verordnen" zu lassen. Manche der Erkrankten reagieren besser darauf (Ansagen von Autoritätspersonen, "Rezepte"), als auf alle Argumente, alles Bitten und Betteln der nächsten Angehörigen.


    Freundliche Grüße,
    S. Sachweh

    Hallo Maria1212,
    der Ansatz einer Lösung liegt schon in Ihrer Beschreibung des schwierigen Ist-Zustandes: Ihre Großmutter hat viel, zu viel Zeit - und die fokussiert sie jetzt leider auf diese beinahe wahnhaften Gedanken. Gäbe es Möglichkeiten, Ihre Oma regelmäßig anderweitig zu beschäftigen, mit kleinen Aufgaben (aus der Perspektive Ihrer Mutter: "Mama, kannst du mir helfen, ich kann das einfach nicht so gut wie du!" oder "Ich schaffe das einfach nicht alles alleine!"), mit Besuchen von Freunden oder Ehrenamtlern, mit Ausflügen in ein Café, mit Spaziergängen oder sonstigen Dingen, die sie früher gerne gemacht hat etc.?
    Eine zweite Idee wäre, gemeinsam mit Ihrer Großmutter wenigstens die Kleider mit eindeutigen Namensschildern zu kennzeichnen, um eventuell ein besseres Wiedererkennen zu ermöglichen...
    Vielleicht hilft's?


    Ich drücke Ihnen die Daumen!
    S. Sachweh

    Hallo Hilde19,
    von einem Besuch würde ich auch eher abraten: Nur zu oft ist mir von wohlmeinenden Angehörigen, und auch von Heimmitarbeitern erzählt worden, dass der Menschen mit Demenz am Ort des alten Zuhauses völlig ausgeflippt ist (etwa, wenn jetzt andere Leute in der früheren Wohung leben, wenn es "verlottert" aussieht, o.ä.) und man es kaum geschafft hat, ihn von dort wieder wegzubringen.
    Aber Juttas Idee mit den Bildern ist sicher einen Versuch wert. Oder wie wäre es mit kurzen, mit dem Smartphone aufgenommenen Videofilmchen von dort? Noch besser wäre es natürlich, wenn Sie Nachbarn, Bekannte aus dem Dorf zu einem Besuch bei Ihrer Schwiegermutter bewegen könnten - oder sie vielleicht wenigstens dazu bringen, eine kurze Videobotschaft für die Erkrankte aufzunehmen. Es ist im Übrigen tröstlich, wenn man vertraute Klänge aus der Heimat hört: Wenn also im Dorf Ihrer Schwiegermutter eine Art Dialekt gesprochen wurde, und Sie den beherrschen, sollten Sie wenn möglich das Gespräch in Mundart oder "Platt", nicht in Hochdeutsch führen, oder wenigstens bestimmte Dialekt-Wörter in Ihre Äußerungen einflechten.
    Fragen Sie nach, was genau Ihre Schwiegermutter dort vermisst: Vielleicht gibt Ihnen das eine Idee, was Sie ihr ersatzweise anbieten können. Manchmal stellt sich beispielsweise heraus, dass Menschen mit Demenz im Heim schlicht Langeweile empfinden und das Gefühl haben, ihre Pflichten zu vernachlässigen - ihnen fehlen Sinn stiftende Aufgaben, das gefühl, noch gebraucht zu werden. Wenn Gespräche über früher (also darüber, was dort alles schön war, was ihr ein Gefühl von Freude, Sicherheit und Zugehörigkeit gegeben hat) auch nicht helfen, könnten Sie nach einem Ablenk-Thema suchen: Reden Sie über etwas, mit dem sich Ihre Schwiegermutter gut auskannte, worin sie sozusagen Expertin war. Am besten ist immer, wenn man um ihren guten, fachlichen Rat fragt, sie um ihre Meinung zu etwas bittet, mit dem wir selber hadern.


    Viel Erfolg wünscht Ihnen
    S. Sachweh

    Hallo Ela,
    es gibt schon eine ganze Menge an Strategien, wie man Menschen mit Demenz Angst nehmen und sie beruhigen kann: Nur leider gibt es bei keiner davon eine Erfolgsgarantie!
    Grundsätzlich gilt es, auf verbalem und nonverbalem Weg Verständnis für ihre Gefühle auszudrücken: "Das kann ich verstehen, dass dir das Angst macht!" Widersprechen und argumentieren Sie besser nicht, wenn Ihre Mutter vom Besuch Verstorbener erzählt, denn das vergrößert die Aufregung.
    Nehmen Sie Ihre Mutter in den Arm, oder halten Sie ihre Hand, wenn das zu Ihrer Beziehung passt. Schaukel- oder Schunkelbewegungen haben oft eine sehr beruhigende Wirkung.
    Jede Art von Ablenkung kann im Einzelfall erfolgreich sein: Das Spazieren, wie Sie es beschrieben haben (vor allem, wenn das Ziel etwa ein Spielplatz ist, auf dem man Kinder beobachten kann, oder wenn man sich auf den Weg macht, ein Tier zu streicheln), das gemeinsame Singen, das Schwelgen in schönen Erinnerungen (oder auch mal das gemeinsame Schimpfen über die Zumutungen und Enttäuschungen, die einem das Leben präsentiert hat). Manch einer lässt sich dadurch trösten und ablenken, dass man ihm ein Lieblingsessen (beispielsweise eine Süßigkeit, ein Gebäck) aus Kindertagen mitbringt. Auch die Bitte um Rat und Hilfe bei Dingen, die die Erkrankten früher gut konnten, funktioniert zuweilen.
    Grundsätzlich können körperliche Probleme wie eine Unterzuckerung, Flüssigkeitsmangel oder auch ein Harnwegsinfekte Aufregung, Ängste, Halluzinationen auslösen oder verschlimmern - es lohnt also, auf diese Aspekte regelmäßig ein Auge zu haben.
    Manche Menschen mit Demenz haben leider das Pech, dass Alpträume und Ängste von ihrem kranken Gehirn selbst dann generiert werden, wenn sie 24 Stunden, rund um die Uhr, eine Betreuungsperson in ihrer Nähe haben. Ihnen kann man dann oftmals leider nur mit der Gabe von angstlösenden Medikamenten zu etwas Ruhe verhelfen.


    Ich wünsche Ihnen, dass Sie bald einen für Sie gangbaren Weg finden!


    S. Sachweh

    Hallo Divesunny,
    zur Entlastung für peinliche Situationen in der Öffentlichkeit kann man ja bei der Dt. Alzheimer Gesellschaft diese Kärtchen bestellen, die man beispielsweise im Restaurant unauffällig auf die besetzten, dem eigenen Platz nahe stehenden Tische legen kann: Auf denen wird auf die Erkrankung der Person hingewiesen und um Verständnis für ungewöhnliches oder dreist erscheinendes Verhalten geworben, ohne dass man selber was sagen oder sich verteigen, rechtfertigen, erklären muss.
    Ferner: Kann Ihr Schwiegervater noch lesen? Manch einer lässt sich durch ein altes Schild mit der Aufschrift "Spucken verboten" incl. Strafandrohung (Geldbuße, Gefängnis) beeindrucken. Bei Google gibt es auch Schilder, die das Ganze ohne Worte verdeutlichen.
    Schließlich: Wenn Ihr Schwiegervater zu Hause auch herumrotzt, hilft vielleicht eine extreme, provokative Intervention: nämlich sich vor ihn hinzusetzen und ihn auch einmal anzuspucken! Manchmal muss man den Erkrankten sicht- und spürbar machen, dass ihr Verhalten nicht okay ist, andere kränkt, ekelt, empört - und das geht eben nur über die Visualisierung, nicht über Appelle an Verstand und Anstand (denn die sind ja oft durch die Demenz beeinträchtigt oder völlig zerstört). Mit so einem, emotional ausgerichteten Ansatz jedenfalls hatte einmal ein Pflegedienstleiter Erfolg, in dessen Haus ein Mann immer die Erbsen aus dem Essen gefischt und in die Gegend gespuckt (und keinerlei Reaktion auf Bitten und Verbote gezeigt) hat: Er holte ein Schüsselchen Erbsen aus der Küche, setzte sich vor ihn hin, und hat ihn damit angespuckt. Der Betroffene reagierte natürlich entgeistert und auch empört - aber der Langzeiteffekt davon war, dass er zwar weiterhin keine Erbsen aß und sie auch noch aussortierte, sie aber nie wieder in die Gegend gespuckt hat. Als gesundem Menschen erscheint uns das zunächst einmal absurd oder empörend, aber vielleicht hilft es doch... vielleicht wäre es einen Versuch wert?


    Ich drücke die Daumen!
    S. Sachweh

    Hallo Zimt,
    kann Ihre Mutter noch lesen, hat sie eine ungefähre Vorstellung, welcher Monat, welcher Tag es ist? Dann könnten Sie ja einen großen Kalender anschaffen und alle Tage farbig markieren, an denen Sie sich entweder kümmern können, oder an denen Sie verhindert sind.
    Ich würde Ihnen auch anraten, sich auf Vorwürfe und Diskussionen nicht einzulassen und in diesem Falle einfach zu gehen. Ich würde emotional argumentieren und immer wieder Verständnis und Mitgefühl für die Gefühle von Einsamkeit und Langeweile signalisieren, aber zugleich verdeutlichen, dass sich daran nichts ändern wird, wenn Ihre Mutter nicht bereit ist, sich auf andere Menschen außer Ihnen einzulassen. Ich würde sagen: "Mama, ich tue alles, was mir möglich ist, aber deine Vorwürfe machen mich traurig und ratlos!" Und dann würde ich unmittelbar gehen - damit sie die direkte Rückmeldung hat, dass das Abladen ihres Frusts bei Ihnen nicht zu Lösungen, sondern zu noch mehr Frust und Traurigkeit, auch bei Ihnen führt. Vielleicht bewegt sich dann etwas...? Ich drücke Ihnen die Daumen.


    S. Sachweh

    Hallo TochtereinesKranken,


    haben Sie schon einmal ausprobiert, sich bei jeder Begegnung nebenbei und unauffällig vorzustellen: "Hallo Papa, ich bin's, deine Tochter xy!"
    Manchen Erkrankten hilft das gesichtswahrend auf die Sprünge.
    Eine Tochter hat mir auch einmal erzählt, dass ihre Mutter sie besser erkennt, wenn sie sich selber klein macht und beispielsweise vor ihr hockt und aus "Kinderperspektive", also von unten aufschauend, mit ihr redet...


    Es grüßt Sie freundlich
    S. Sachweh

    Hallo Demenzoma,
    grundsätzlich klingt es leider nicht so, als sei Ihre Großmutter dort gut aufgehoben: Sicher, Menschen mit Demenz sind oft widerspenstig und lehnen alles ab, aber genau das ist ja nun einmal Teil des Krankheitsbildes, damit müssten Fachkräfte bzw. Heime, die explizit die Versorgung von Menschen mit Demenz bewerben, umgehen lernen.
    Manche Aggressionen und Widerstände während der Pflege entstehen aber eigentlich nicht, weil Menschen mit Demenz von sich aus, ohne Anlass, aggressiv sind, sondern weil sie die Situation nicht verstehen, gegebenenfalls als Flashback zu alten, traumatisierenden Gewalterfahrungen erleben und vor allem auch durch die Überforderung, die hektische Körpersprache, die Zeitnot der Pflegekräfte wie "angesteckt" werden - je hektischer und drängelnder die chronisch am Limit arbeitenden Pflegenden sich verhalten, desto mehr macht ein Erkrankter zu, wehrt die Versorgung ab. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass manchmal viel mehr "geht", wenn man die Körperpflege sehr bedächtig und ruhig, quasi in Zeitlupe durchführt. Das Verrückte daran ist, dass man oft umso schneller fertig wird, je langsamer man macht!
    Es gibt leider kein Rezept, mit dem man alle Betroffenen zufrieden stellen kann, aber es gibt doch viele Techniken, um verängstigte und wütende Menschen wieder auf den Teppich zu holen und sie zu Kooperation zu animieren. Wenn also die Mitarbeiter in diesem Heim weder Konfliktlösungsstrategien kennen, noch Zeit für entsprechende Fortbildungen zugestanden bekommen, liegt etwas im Argen, und ich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht sinnvoller wäre, sich nach einer anderen Einrichtung (oder sogar nach einer Demenz-WG) umzuschauen.


    Was für eine Demenz wurde bei Ihrer Großmutter diagnostiziert? Je nachdem kann bzw. muss man anders mit den Erkrankten umgehen, je nachdem gibt es andere Trigger und Ansatzpunkte.


    Wie lange lebt Ihre Oma bereits in diesem Heim? Manchmal bestehen solche Probleme vor allem in den ersten Monaten der Ein- und Umgewöhnung und geben sich allmählich, wenn man den Betroffenen genügend Geduld entgegen bringt.


    Schließlich: Wenn Sie eine Vorsorgevollmacht haben, haben Sie auch das Recht, Einblick in die Pflegedokumentation zu erhalten... Vielleicht verschafft Ihnen die Lektüre einen genaueren Überblick darüber, wann genau, in welchen Situationen Ihre Großmutter ausflippt, dann kann man gezielter Ratschläge geben.


    Leider Gottes bedeutet eine Verlegung in die Gerontopsychiatrie meist (natürlich nicht immer, aber oft) nur, dass die Leute ruhig gestellt, also mit Psychopharmaka sediert wieder zurück kommen.


    Alles Gute für Sie,
    S. Sachweh

    Hallo Familievonoma,


    ja, das was Sie schildern entspricht ziemlich genau dem, was man als erste Hinweise auf eine Demenz und als Alarmsignale aus vielen anderen Fällen kennt. Leider ist auch die Reaktion des Hausarztes nicht untypisch - manche Erkrankte haben eine so gute Fassade und wirken so überzeugend, dass ihre (ja oft überarbeiteten) Ärzte sich täuschen lassen. Auch besteht für ihn tatsächlich Schweigepflicht, er ist also rein rechtlich gesehen einzig und allein Ansprechpartner Ihrer Großmutter. Dass eigentlich auch seine Alarmglocken schrillen müssten, steht auf einem anderen Blatt.
    Möglicherweise hilft Ihnen der örtliche Sozialpsychiatrische Dienst weiter: Die Leute dort haben ja von Berufs wegen Erfahrung mit solchen Problemsituationen und wissen am ehesten, welche Mittel und Möglichkeiten Sie zur Intervention hätten. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie baldmöglichst einen für Ihre Familie gangbaren Weg finden werden!


    S. Sachweh

    Hallo Sevsche,
    da wir hier keine Juristen sind, können wir Ihnen leider keine entsprechenden Auskünfte zu Ihrer rechtlichen Situation oder zum Fortbestand von Entscheidungsbefugnissen eines Betreuers über den Tod des Betreuten hinaus geben, sorry! Da müssten Sie schon einen Rechtsanwalt bemühen, oder wenigstens die Beratungsstelle eines örtlichen Betreuungsvereins kontaktieren.
    Allgemein menschlich stellt sich mir aber die Frage: Wie kommt die Betreuerin auf Traunstein als Ort für die Beerdigung? Entspricht das dem Wunsch Ihrer Mutter, oder dem der Betreuerin? Erklären familiäre Streitigkeiten diese Wahl?


    Ich wünsche Ihnen, dass Sie doch eine für alle Seiten akzeptable Lösung finden.


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Teuteburger,
    auch ich würde einen Mittelweg für empfehlenswert halten: Einerseits sollten Sie um des lieben Friedens willen Ihre eigenen Vorstellungen von Hygiene etwas beseite schieben, solange keine wirkliche Gefahr für Ihre Schwiegermutter besteht. Andererseits helfen vielleicht wirklich entweder die schon von Herrn Gust ins Spiel gebrachten, stillschweigenden Angebote, oder eben die humorvollen Varianten, die Sie ja selber bereits mit Erfolg ausprobiert haben. Der Arzt müsste nicht nur ein Duschgel, sondern mindestens 1 Bad/ 1 x Duschen pro Woche auf ein Rezept schreiben gegen den Juckreiz. Es gibt ja tatsächlich medizinische Bäder gegen dieses Problem, dann bräuchte also die Körperpflege gar nicht Hygiene oder Waschen heißen!
    Möglicherweise funktioniert auch der Trick, sich selber etwa beim Abräumen des Tisches besonders ungeschickt anzustellen und beispielsweise etwas (kalte!) Soße oder Kaffee etc. "versehentlich" auf die Kleidung der Erkrankten zu tropfen. Wenn wir "Schuld" an einem Fleck sind, und uns viele Male entschuldigen und anbieten, beim Herauswaschen zu helfen, lassen sich manche eher auf Hilfe ein. Und wenn man dann eh im Bad, und halb entkleidet ist...
    Ja, dass Menschen mit Demenz sich oft rein gar nicht für uns und unser Leben interessieren, das kann sehr kränken - aber es gehört eben zu vielen Formen der Demenz, egozentrisch zu werden. Damit muss man ein Stück weit leben lernen.
    Nicht wirklich nachvollziehbar ist für mich persönlich allerdings, warum Ihr Mann Sie bei der Betreuung seiner (!) Mutter scheinbar so wenig unterstützt: Manche Botschaften akzeptieren die Erkrankten durchaus besser von eigenen Kindern, als von Schwiegerkindern.


    Viel Erfolg wünscht Ihnen
    S. Sachweh

    Hallo SindySch,


    wie absehbar ist es denn, dass ein Platz in der WG frei wird?
    Grundsätzlich sind mehrfache Umzüge für Menschen mit Demenz nur schwer zu verkraften und sollten daher eher vermieden werden. Wenn der gesundheitliche Zustand Ihrer Oma allerdings als nicht nur ernst, sondern lebensbedrohlich eingeschätzt wird (auch von Pflegefachkräften oder dem Arzt), dann müssen Sie sogar handeln - vor allem, wenn Sie auf der Vorsorgevollmacht als Betreuerin benannt sind.
    Wie steht es denn mit der Alternative Tagesbetreuung - wäre es nicht auch möglich, dass sie mehrfach in der Woche unter Menschen kommt, zur Not Fachkräfte sich um die Wunden kümmern könnten UND sie zunächst in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleibt?


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Zimt,
    Stimmungsschwankungen, Vorwürfe, Wahnvorstellungen, mangelnde Krankheitseinsicht, magelndes logisches Denkvermögen, zunehmender Egozentrismus, all' das sind typische Merkmale demenzieller Entwicklungen - gegen die Sie lernen müssen, sich zu wappnen und zu schützen, so traurig das ist. Ich verstehe, dass diese Veränderungen Sie belasten, verletzen und nerven. Ich verstehe, dass Sie Ihre Mutter gerne wieder so hätten, wie sie früher einmal war. Ich verstehe, dass Sie sie nicht hängen lassen wollen.
    Was ich nicht genau verstehe ist Ihr konkretes Anliegen: Wofür genau wünschen Sie einen Rat? Welche Angebote haben Sie Ihre Mutter konkret gemacht?


    Und: Statt Ihren Ärger, Ihr Gekränktsein, Ihre Frustration nur in sich hineinzufressen: Haben Sie diese Gefühle der Mutter gegenüber schon einmal verbalisiert? Prinzipiell sind sicht- und hörbare emotionale Argumente nämlich in der Regel die einzigen, die eine Chance haben, zu den Erkrankten durchzudringen.
    Vielleicht hilft Ihnen auch folgende Vorstellung: Wenn Sie schon mit einem schlechten Gefühl, mit Ärger oder Überfordertsein-Gefühlen zu Ihrer Mutter fahren, "färbt" sich das auf sie ab, steckt sie an... und sie wird ähnliches in ihrem Verhalten zurückspiegeln. Sie helfen also weder ihr, noch sich selbst, wenn sie gegen das eigene Empfinden, nur aus schlechtem Gewissen oder Verantwortungsgefühl zu Besuch kommen. Mit anderen Worten: Es ist löblich, dass Sie sich kümmern wollen. Aber damit Sie Ihrer Mutter eine Hilfe sein können, müssen Sie erst einmal für sich selber sorgen, zuweilen auch klare Grenzen setzen (etwa was Ihre Verfügbarkeit angeht).


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo PhilB,


    bitte lesen Sie zunächst unsere Antworten auf ähnlich gelagerte Fälle aus der letzten Zeit - z.B. den Beitrag "Arztbesuch - wie erklären?" (von 2015, Sie müssen also in der Liste etwas blättern), in dem es noch weitere Links auf weitere Threads gibt.


    Wenn Sie darüber hinaus noch Fragen haben, können Sie gerne nachhaken!


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

    Hallo Giana87,
    ja, der von Jutta60 vorgeschlagene GPS-Tracker würde Ihrer Familie zumindest die Gewissheit bringen, den Großvater im Falle eines Weglaufens schnell wiederfinden zu können. Und auch das Windspiel an der Tür könnte Ihre Eltern darauf aufmerksam machen, dass er diese öffnet... vielleicht wäre das für ihn akzetabler als das Abschließen? Ich weiß ja nicht, wie oft er nach draußen will, aber wenn es für Ihre Eltern machbar ist, sollten Sie ihm regelmäßig einen kurzen begleiteten Spaziergang anbieten... Gibt es nicht vielleicht auch Verwandte, Nachbarn, Arbeitskollegen, die bereit wären, mit ihm regelmäßig raus zu gehen?


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh