Beiträge von Ceylon

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    Sehr verehrter Herr Gust,


    es freut mich, dass meine Schilderungen unserer Erlebnisse hilfreich sind.


    Es ist gut, dass Sie diesem Thema einen öffentlichen Raum geben. Denn obwohl das Thema Demenz und Pflege ständig in Talk-Show`s und auch im politischen Bereich in aller Munde ist, findet diese Lücke in der Pflege (so empfinde ich das) nahezu keine oder kaum Beachtung.


    Ich finde es auch wichtig, dass man immer die Bedürfnisse beider Gruppen im Krankenhaus vor Augen hat. Also einmal die Gruppe der Demenzkranken und einmal die Gruppe der Kranken welche nicht an Demenz erkrankt sind.


    Auf den Demenzkranken einzugehen, bedeutet ja auch den restlichen Patienten die nötige und ihnen auch zustehende Ruhe zu verschaffen. Somit auch belastende Konflikte für alle Beteiligten zu vermeiden. Da solche Konflikte ebenfalls zeitraubend sind, sollte man bei dem Gedanken an die Wirtschaftlichkeit dies mit im Auge haben.


    Was die Finanzierung betrifft gab ich ja schon einen Hinweis. Es ist nicht nachvollziehbar, dass im Falle eines Krankenhausaufenthaltes die Pflegekasse weiterhin die vollen Pflegesätze ans Pflegeheim zahlt. Der Demenzkranke selbst, so ist es zumindest in unserem Fall zahlt drei Tage voll und ab dem 3. Tag "nur" 75% auf Kostenpauschalen für Essen und Pflege. Das sich ein Pflegeheim von Pauschalen finanziert ist mir klar, aber dennoch fallen in Abwesenheit bedeutend weniger Kosten an.


    Bei einer Pflege daheim jedoch sind die Pflegesätze sowieso geringer und die Angehörigen müssen ihren Beitrag auch während eines Krankenhausaufenthalts noch leisten in Form von Betreuung und Support durch Wäsche etc.


    Im Fall eines Patienten der vom Pflegeheim kommt, könnte die Pflegekasse durchaus einen Teil der Pflegesachleistung (stationär) an das Krankenhaus bezahlen.


    Im Fall eines Patienten der in der Regel daheim gepflegt wird, wäre es angebracht, den Differenzbetrag aus der Pflege daheim und dem höheren Betrag für Fremdpflege (Pflegesachleistung stationär) an das Krankenhaus zu geben.


    Als Rechenbeispiel ist der Differenzbetrag bei Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz derzeit 718,-- Euro:
    Pflegegeld ambulant: 305,-- Euro
    Pflegesachleistung stationär: 1023,-- Euro


    Ob dies ausreichend ist bleibt fraglich, aber es wäre ein durchaus in der Argumentation begründeter Anfang und nur ein erster Ansatz bezüglich der Finanzierung.


    Das viele Krankenhäuser die Notwendigkeit einer aufwendigeren Betreuung verweigern ist mit Sicherheit auch (oder vor allem?) ein Kostenfaktor.


    Hier kommt das zum tragen, wie sie bereits erwähnten, dass im Krankenhaus die Demenz NUR eine Nebendiagnose ist. Die Diskrepanz zwischen den unterschiedlichen Kostenträgern Kranken- und Pflegekasse kommt hier deutlich zum tragen zu Lasten aller Patienten und pflegenden Kräfte.


    Ich weiß, dass mein Beitrag dies mal eher den nüchternen Kostengedanken gilt, aber ich vermute Kostengründe als Hintergrund für diese Umstände die wir und auch andere im Krankenhaus erleben mussten.


    An dieser Stelle muss man natürlich besonders lobenswert die Arbeit der Anti-Delir-Einheit im von ihnen erwähnten Krankenhaus Sankt Elisabeth in Eutin herausstellen. Hier scheint man eine Brücke gefunden zu haben wie man der Krankheit, welche den Aufenthalt im Krankenhaus bedingt, und der Nebenkrankheit Demenz gleichzeitig begegnen kann.


    Mit freundlichen Grüßen

    Sehr verehrter Herr Gust,


    es freut mich, dass meine Schilderungen unserer Erlebnisse hilfreich sind.


    Es ist gut, dass Sie diesem Thema einen öffentlichen Raum geben. Denn obwohl das Thema Demenz und Pflege ständig in Talk-Show`s und auch im politischen Bereich in aller Munde ist, findet diese Lücke in der Pflege (so empfinde ich das) nahezu keine oder kaum Beachtung.


    Ich finde es auch wichtig, dass man immer die Bedürfnisse beider Gruppen im Krankenhaus vor Augen hat. Also einmal die Gruppe der Demenzkranken und einmal die Gruppe der Kranken welche nicht an Demenz erkrankt sind.


    Auf den Demenzkranken einzugehen, bedeutet ja auch den restlichen Patienten die nötige und ihnen auch zustehende Ruhe zu verschaffen. Somit auch belastende Konflikte für alle Beteiligten zu vermeiden. Da solche Konflikte ebenfalls zeitraubend sind, sollte man bei dem Gedanken an die Wirtschaftlichkeit dies mit im Auge haben.


    Was die Finanzierung betrifft gab ich ja schon einen Hinweis. Es ist nicht nachvollziehbar, dass im Falle eines Krankenhausaufenthaltes die Pflegekasse weiterhin die vollen Pflegesätze ans Pflegeheim zahlt. Der Demenzkranke selbst, so ist es zumindest in unserem Fall zahlt drei Tage voll und ab dem 3. Tag "nur" 75% auf Kostenpauschalen für Essen und Pflege. Das sich ein Pflegeheim von Pauschalen finanziert ist mir klar, aber dennoch fallen in Abwesenheit bedeutend weniger Kosten an.


    Bei einer Pflege daheim jedoch sind die Pflegesätze sowieso geringer und die Angehörigen müssen ihren Beitrag auch während eines Krankenhausaufenthalts noch leisten in Form von Betreuung und Support durch Wäsche etc.


    Im Fall eines Patienten der vom Pflegeheim kommt, könnte die Pflegekasse durchaus einen Teil des Pflegegeldes an das Krankenhaus bezahlen.


    Im Fall eines Patienten der in der Regel daheim gepflegt wird, wäre es angebracht, den Differenzbetrag aus der Pflege daheim und dem höheren Betrag für Fremdpflege an das Krankenhaus zu geben.


    Ob dies ausreichend ist bleibt fraglich, aber es wäre ein durchaus in der Argumentation begründeter Anfang...


    Das viele Krankenhäuser die Notwendigkeit einer aufwendigeren Betreuung verweigern ist mit Sicherheit auch (oder vor allem?) ein Kostenfaktor.


    Hier kommt das zum tragen, wie sie bereits erwähnten, dass im Krankenhaus die Demenz NUR eine Nebendiagnose ist. Die Diskrepanz zwischen den unterschiedlichen Kostenträgern Kranken- und Pflegekasse kommt hier deutlich zum tragen zu Lasten aller Patienten und pflegenden Kräfte.


    An dieser Stelle muss man natürlich besonders lobenswert die Arbeit der Anti-Delir-Einheit im von ihnen erwähnten Krankenhaus Sankt Elisabeth in Eutin herausstellen. Hier scheint man eine Brücke gefunden zu haben wie man der Krankheit, welche den Aufenthalt im Krankenhaus bedingt, und der Nebenkrankheit Demenz gleichzeitig begegnen kann.


    Mit freundlichen Grüßen

    Sehr geehrter Herr Gust,


    sie sprechen hier ein sehr wichtiges Thema an, welches ich gerade heute - mal wieder - mit einer pflegenden Angehörigen besprochen habe. Ihr Vater, leidet so wie mein Vater auch, an Demenz. Wir beide haben in Krankenhäusern durchweg schlechte Erfahrungen gemacht was unsere Väter betrifft.


    Bei ihr ist die aktuelle Situation so, dass ihr Vater bereits nur noch bettlägerig ist und schon lange nicht mehr alleine essen kann. Sie fuhr nun täglich zu ihm ins Krankenhaus weil man dort schon überfordert ist, sich daran zu halten ihrem Vater täglich pürierte Kost anzubieten. Ihm beim Essen behilflich zu sein scheint ganz unmöglich. Letztes Jahr war es noch so, dass man es ihrem Vater durch tägliches Aufhelfen aus dem Bett möglich war einige Schritte mit dem Rollator zu machen. Im Krankenhaus machte das aber niemand und in folge dessen fiel er in seiner Beweglichkeit schwer zurück.


    Mein Vater, um einiges beweglicher, hatte letztes Jahr etliche Krankenhausaufenthalte.
    - Einmal fand ich ihn mit dem Kathederbeutel in der Hand seines Mitpatienten (schwer dement und bettlägerig) neben dem Bett sitzend vor. Zu Stürzen kam es sowieso öfter weil halt niemand zur Hilfe in der Nähe war und er aufstand wie er gerade Lust hatte und das auch im schwer geschwächten Zustand.


    - Die Kleidung im Zimmer der Beiden wurde vertauscht und das obwohl beide die Kleidung mit Namen markiert hatten. Da es sich um bereits getragene verschmutzte Sachen handelte, fand ich das schon schlimm.


    - Eine Krankenkasse meines Vaters wurde notiert obwohl diese gar nicht existent ist. Die Karte war unauffindbar...Folglich hieß es dann, wohin man die Rechnung schicken solle da die Kasse nicht zahlen wollte....


    -Noch bei jedem Krankenhausaufenthalt verschwanden Teile seiner Sachen und dafür hatten wir Sachen von anderen Patienten im Koffer, Schrank etc. Wessen Patienten das nun fehlte wusste auch niemand.


    - Er als Patient wurde oft falsch eingeschätzt da er sich in seiner Wahrnehmung oft überschätzte.


    - Einmal rief man mich an und bedrohte mich damit, dass ich/mein Vater seinen (weiteren) Krankenhausaufenthalt aus eigener Tasche bezahlen müsse, da nun der Transportdienst da wäre, mein Vater aber nicht mit wolle und ich müsse sofort kommen. Ein Bekannter, der zufällig auch in dem Krankenhaus war, half dann und konnte meinen Vater gerade noch einen Morgenmantel über die Beine legen. Sonst hätte man ihn im Rollstuhl nur mit Windel und Unterhemd bekleidet abtransportiert durch das ganze Krankenhaus hindurch. Hier möchte ich noch anmerken, dass es zu seiner Entlassung am Tag vorher noch hieß, dass ich rechtzeitig Bescheid bekommen würde. Alles was ich bekam war dieser Anruf zu einem Zeitpunkt als der Transportdienst schon vor dem Bett meines Vaters stand. Mein Vater wurde gar nicht darauf vorbereitet und war einfach überfordert weil er nicht wusste was man mit ihm vorhatte. Er wurde auch nicht reisefertig bekleidet.


    - Eine Schwester schüttete nach einem Versuch seine Medikamente gleich in den Abfall mit dem Kommentar: Nimmt er sowieso nicht


    - Es wurde ihm auch der knallheiße Tee hingestellt und dann stundenlang nicht mehr nachgefragt ob er denn etwas zum trinken brauche. Den Tee gerne auch mal in einen Bereich den er gar nicht erreichen konnte...je nach gesundheitlichen Zustand.
    - Hilfe beim Essen ebenso Fehlanzeige


    - Die nötige Aufklärung über seinen Zustand oder warum man etwas mit ihm macht war ebenfalls äußerst dürftig. Es wurde ihm erklärt wie jedem anderen Patienten auch, ob er dem Verlauf auch so schnell folgen konnte hat niemanden interessiert. Wenn er keine Fragen stellte sagte man ihm auch nichts.


    - Des Weiteren lief er auch in den Zimmern der anderen Patienten rum und dies wurde auch nicht so bemerkt.


    Im Grunde könnte ich noch viele solcher Beispiele aufführen die wir tatsächlich selbst erlebt haben.


    Ich will auch nicht alles in den unterschiedlichen Krankenhäusern schlecht reden. Aber ohne Angehörige sind demente Patienten in einem Krankenhaus hilflos ausgeliefert. Nicht mal die medikamentöse Versorgung ist gewährleistet. Kanülen usw. werden einfach unbemerkt herausgezogen und das ganze Bett ist nass. Auch können demente Patienten nicht richtig von sich geben welche Medikamente sie eventuell täglich dringend benötigen, oder welche Medikamente sich vielleicht in der Vergangenheit schon als schlecht für sie erwiesen haben.
    Ohne Begleitung von Angehörigen oder täglichen Besuchen ist ein Krankenhausaufenthalt von dementen Patienten derzeit nicht zu verantworten.
    Beim Pflegepersonal, welches nicht auf Demenz geschult ist, darf man lediglich auf Instinkt hoffen beim Umgang. Leider mit den jeweiligen Fachärzten auch nicht anders die den Demenzkranken nach Vorerkrankungen usw. befragen.


    Ich hoffe, dass ich mit meinen Schilderungen etwas beitragen konnte.


    Mit freundlichen Grüßen


    Nachtrag:
    Was mir auch noch am Herzen liegt: Mein Vater, der ansonsten in einem Pflegeheim wohnt, zahlt während eines Krankenhausaufenthalts dennoch die Pflegekosten an das Heim. Drei Tage voll und dann 75 % aller Kosten auch für Essen usw. . Die Pflegekasse zahlt in dieser Zeit ebenfalls die vollen Kosten an das Heim. Nur die ihm zustehende Pflege erhält er im Krankenhaus nicht.

    Sehr geehrter Herr Pawletko!


    Wenn auch spät möchte ich doch vielen Dank sagen für Ihre Antwort.


    Ihren Vorschlag für ein Gespräch zu Dritt konnte ich noch nicht umsetzen. Die Ereignisse überschlugen sich mehrmals im vergangenen Jahr. Schuld daran, leider sehr oft, falscher Umgang mit Medikamenten. Ich habe festgestellt, dass auch Ärzte sehr oft überfordert sind mit unserem Fall und teilweise (!!!!) sich gar nicht der Nebenwirkungen bewusst sind. Daher bestehe ich inzwischen darauf, was im Heim auch ernst genommen wird, dass ich über jede Medikamentenänderung unverzüglich Bescheid wissen möchte. Es sind inzwischen meine Hausaufgaben mich sofort per Internet über ein Medikament zu informieren und dementsprechend meinen Vater zu beobachten.
    Als Beispiel: Im Krankenhaus wurde ihm das Antidepressiva Venlafaxin verordnet. Als Folge davon hat er so gut wie nichts mehr gegessen. Es dauerte auch länger bis ich eine Vermutung hatte, dass es am Medikament liegen könnte. Nur per Erfahrungen von anderen Patienten die im Internet über Appetitlosigkeit berichteten, ebenfalls vehement das Essen verweigerten wurde ich mir immer sicherer. Ärzte und Pflegepersonal aber waren der Meinung ich könnte mich nur nicht mit dem "normalen" Verlauf der Demenz abfinden. Dabei war mein Vater körperlich sehr wohl in der Lage zu essen wenn er denn mal Appetit hatte. Es wurden auch schon Diskussionen über Magensonde geführt. Unsicher gemacht von allen "Experten" habe ich trotzdem auf dem Absetzen des Medikaments bestanden und jetzt einige Monate später hat er seine 10 Kilos wieder und isst mehr denn je. Der Appetit setzte fast schlagartig wieder ein. Dies ist nur ein Beispiel von mehreren die wir im letzten Dreivierteljahr zum Thema Medikamente erlebt haben.



    Sicherlich hat jeder Angehörige der sich im Internet informiert eher "Halbwissen", dennoch habe ich, wie viele andere sicher auch, die Zeit den Angehörigen genauer zu befragen und zu beobachten. Die Ärzte wollen oder können das nicht leisten. Das Pflegepersonal hat wenig Wissen über die Wirksamkeit von Medikamenten. Außerdem, niemand kennt meinen Vater so gut wie ich. Pflegepersonal kann manchmal die Veränderungen gar nicht so wahrnehmen. Unser Hausarzt gibt unverhohlen zu, dass er sich bei dieser Art von Medikamenten nicht zu weit aus dem Fenster lehnen möchte und nur verordnet was vorher ein Neurologe verordnet hat. Für diese ehrlichen Worte hat er auch meinen Respekt.


    Die Demenz meines Vaters kann niemand heilen, aber aufgrund dieser Demenz ist er hilflos ausgeliefert was die Medikamentengabe betrifft. Jedes Eingreifen meinerseits überlege ich lange und wiege Für und Wider ab, aber ich würde es immer wieder machen. Ich kann nur jedem raten sich sorgfältig zu informieren was Medikamente betrifft und genau zu beobachten was passiert. Gegebenenfalls sich auch bei mehreren Ärzten zu informieren.


    Herr Pawletko, ihre Worte, dass ich als Bevollmächtigte grundsätzlich das Recht habe solche Entscheidungen zu treffen haben mir sehr den Rücken gestärkt und ich hoffe, dass dies noch mehr Angehörige ermutigt genauer hinzusehen. Ich habe ebenfalls aber auch ihren Hinweis auf Diplomatie wahrgenommen und auch hier werde ich mir weiterhin Mühe geben. Denn nur ein gutes Miteinander bringt Erfolge.


    Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für ein neues Jahr!


    Ceylon

    Sehr geehrte Berater und Forenteilnehmer!


    Mein Vater befindet sich nun mit Diagnose Demenz, Parkinson seit Mitte Mai in einem Pflegeheim. Ich habe eine vollumfassende Vorsorgevollmacht von meinem Vater.


    Nach einigen wenigen Missverständnissen stellt sich für mich nun eine grundsätzliche Frage.


    Im Heim ist man der Auffassung, dass sie dort nur Medikamente nach Anordnung eines Arztes geben oder absetzen dürfen und ich diesbezüglich nichts zu sagen hätte.


    Natürlich ist es nicht immer möglich auf die Schnelle einen Arzt zu erreichen und seine Aussagen dann auch noch schriftlich zu bekommen.


    Konkret hatte in einem Fall mein Vater so heftig auf die Nebenwirkungen eines Medikamentes reagiert, dass ein Krankenhausaufenthalt die Folge war.


    Ein anderes Mal kam es nicht zu der dringend notwendigen subkutanen Flüssigkeitsgabe da es scheinbar zwischen Arzt und Pflegepersonal ein Missverständnis gab.


    Mein "Theorie" ist folgende: Wenn ich selbst Patient bin kann ich auch nach einem Arztbesuch noch immer entscheiden ob ich ein Medikament nehme oder es z. B. bei Unwohlsein absetze. Da mein Vater hier nur noch vermindert in der Lage ist Entscheidungen zu treffen muss manchmal ich diese für ihn treffen. Gegebenenfalls auch gegen eine vorher erfolgte Anweisung eines Arztes wenn eben z.B. extreme Nebenwirkungen auftreten.


    Wobei ich anmerken möchte, dass die Ärzte mir in allen oben genannten Fällen Recht gegeben haben.


    Wie ist die Angelegenheit nun rechtlich?
    Wenn ich im Heim darum bitte, dass man mit einem Medikament bitte warten möchte bis ich einen Arzt erreiche muss das Pflegepersonal dieses dann weiter verabreichen oder darf es dieses auf meinen Wunsch hin stoppen?


    Mit freundlichen Grüßen

    Sehr geehrter Herr Lässer!


    Wenn auch spät meinerseits, möchte ich mich dennoch für Ihre Antwort bedanken.


    Da ich dann dennoch sehr hartnäckig war gab mir ein anderer Arzt - nicht der behandelnde - auf der gleichen Station Auskunft. Er äußerte den Verdacht auf eine Frontotemporale Demenz und bat mich um etwas Geduld was die Medikamentenwirkung betrifft. Meine Angst war ja auch, dass mein Vater stürzen könnte da er keinerlei Hilfsmittel zum gehen benutzt.


    Nachdem ich mir das Krankheitsbild der FTD auf dieser Seite hier ausführlich durchgelesen habe (auch das Fallbeispiel) kann ich die Diagnose Demenz viel besser akzeptieren da sich mein Vater nun schon mehrere Jahre ähnlich diesem Fallbeispiel verhält. Die offizielle Diagnose lautet allerdings Demenz nicht näher bezeichnet.


    Außerdem habe ich festgestellt, dass er "unterschiedliche" Tage hat. Mal mehr unternehmungslustig und durchaus zu sehr konzentrationsintensiven Gesprächen bereit und er trifft dann durchaus vernünftige Entscheidungen mit mir. Aber er hat auch Tage an denen er (trotz ausreichendem Schlaf) sehr müde erscheint, schlechter laufen kann und auch irgendwie geistig abwesend ist. Er hält sich dann oft den Kopf und schläft auch öfter im Sitzen ein. Da sich das nun gehäuft gezeigt hat, im Wechsel immer ein paar Tage andauert bei gleicher Medikamentengabe, sehe ich nun mit dem Risperdal keinen Zusammenhang mehr da auch die glasigen Augen verschwunden sind.


    Allerdings habe ich auch nicht das Gefühl, nach Rücksprache mit dem Pflegepersonal über mehrere Wochen, dass das Risperdal überhaupt eine bessernde Wirkung zeigt.


    Ich wollte davon berichten, da es vielleicht auch für andere Angehörige von Interesse ist.



    Da aber die Dosis sehr gering ist, werde ich den Termin bei einem Neurologen Ende dieses Monats abwarten. Hier kommt nun auch meine erneute Frage an sie:


    Die sexuellen Enthemmungen meines Vaters sind gering und sehr passiv, aber wenn die Rede darauf kommt (Amtsarzt usw.) tut er so als würde es nicht stimmen oder überhört das Thema. Andererseits machte er aber die Äußerung, dass es "Daheim" schon gehen würde wenn eine männliche Pflegekraft kommen würde. Heißt also für mich, dass es ihm sehr wohl bewusst ist wo das Problem mit der "Pflege daheim" lag. Er äußert auch öfter, dass er nun wieder gesund wäre.


    Meine Frage ist nun, wie soll ich beim Arzt im Beisein von meinem Vater mit diesem Thema umgehen? Es muss ja dennoch beim Neurologen (Erstvorstellung) angesprochen werden. Da er mir gegenüber zu diesem Thema doch noch eine gewisse Hemmschwelle zeigt möchte ich diese nicht gefährden damit wir weiterhin respektvoll miteinander umgehen können. Im Grunde weiß ich gar nicht wie ich mich zu diesem Thema mit meinem Vater verhalten soll. Es ist ja die Hauptbegründung für seine Einweisung und auch der Grund weshalb die Pflege daheim gar nicht mehr funktioniert hat. Ambulante männliche Krankenpfleger gibt es nicht und wenn das Thema Pflegeheim "diskutiert" wird erfinde ich nun immer Ausreden weil ich das Thema ihm gegenüber nicht direkt ansprechen möchte. Ich weiß nun, dass er für sein Verhalten nichts kann und möchte ihm nicht seine Würde mir gegenüber nehmen.


    Ob meine Vorgehensweise allerdings richtig ist weiß ich nicht.


    Vielleicht möchten Sie mir hierzu einen Tipp/Rat geben wie ich mich da am Besten verhalten soll.


    Mit freundlichen Grüßen



    Mit freundlichen Grüßen

    Sehr geehrter Herr Dr. Lässer!


    Ich muss leider noch mal nachfragen. Seit Freitag beobachte ich, dass mein Vater läuft als hätte er Pudding in den Beinen. Er war vorher schon etwas langsamer unterwegs aber nun muss ich mir Sorgen machen, dass er hinfällt. Ich schiebe das auf das Risperdal. Soweit ich mitbekommen habe bekommt er das seit Mittwoch. Risperdal 1 mg. So genau wird man da leider als Angehöriger/Betreuer nicht aufgeklärt. Also ich den behandelnden Arzt darauf ansprach, dass mein Vater schlechter läuft und ob das eventl. von dem Medikament kommen könnte hieß es nur, das kann sein und weg war er....


    Mein Vater sitzt jetzt schon etwas abwesend herum und teilweise sieht man ihm das Medikament auch an. Gläserne Augen. Alle Ärzte sind erst morgen Vormittag zu sprechen und ich mache mir Sorgen ob das Medikament wirklich das Richtige für ihn ist oder ob ich nur etwas Geduld haben sollte.


    Mit freundlichen Grüßen

    Sehr geehrter Herr Lässer!


    Vielen Dank für ihre freundliche und sehr informative Antwort. Der Satz, dass ich auch nicht zu spät gehandelt habe hat mir genauso gut getan wie der, dass ich richtig gehandelt habe.


    Gestern war ein Anhörungsgespräch mit Richter und nun auch behandelnden Arzt und mein Papa hat es ihnen nicht leicht gemacht da er fast überall die richtige Antwort, ein gutes Ablenkungsmanöver, Gegenfrage oder logische Begründungen parat hatte. Dennoch war vieles auch sehr offensichtlich. Selbst die kurz vorher erfolgte Blutabnahme hatte er vergessen.
    Der Arzt hat mir nun versichert, alle notwendigen Tests und Untersuchungen in die Wege zu leiten.


    Mein Vater hat in der Abteilung guten Anschluss gefunden und lebt durchaus ein wenig auf. Dieses Aufleben erfolgte schon vor der ersten Medikamenteneinnahme. Er bekommt nun Risperdal und der Arzt möchte ihn nach ausreichender Beobachtung bald möglichst auf die offene Station verlegen.


    Ich beschäftige mich schon länger ausführlich mit dem Thema Demenz da ich ja so was bereits ahnte. Dennoch glaube ich, dass nicht nur mein Vater mit der Akzeptanz der Diagnose Schwierigkeiten hat sondern auch ich. Aber es bringt Erleichterung wenn man nun weiß, dass er in guten Händen ist und das Mögliche getan wird. Das Aufleben meines Vaters in Gesellschaft hat mich davon überzeugt mir ein Pflegeheim anzusehen welches gleich um die Ecke von mir ist.


    Darf ich noch die Frage stellen ob es denn gesicherte Erkenntnisse gibt was die Prävention von Demenz betrifft?


    Freundliche Grüße
    Ceylon

    Sehr geehrtes Forum!


    Am Samstag habe ich durch Überreden meinen Vater in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie gebracht. Vorgeschichte ist, dass er sich schon seit 2-3 Jahren sehr gehen lässt. Heißt er wäscht sich nicht mehr regelmäßig und hat auch immer verweigert zum Arzt zu gehen. Allerdings gab es ein Auf und Ab was das Thema Körperhygiene betrifft und manchmal klappte es dann doch wieder ganz gut. Nur die Einsicht mit dem Arzt war dauerhaft nicht vorhanden. Dennoch baute er immer mehr ab so nach und nach.


    Nachdem er nun einen leichten Verkehrsunfall hatte (nach genauer Begutachtung des Fahrzeugs gingen diesem auch mehrere leichte voraus) hatte er ein wenig Einsicht und ließ sich vom Hausarzt bei einem Hausbesuch untersuchen da ich seltsame braune Flecken an seinem Rücken festgestellt hatte.. Dem Hausarzt ist er ansonsten unbekannt da er zu diesem Zeitpunkt schon sieben arztfreie Jahre hinter sich hatte. Andererseits aber auch nie über Beschwerden klagte.
    Gedächtnisverlust ist ebenfalls auffällig seit nun mehreren Jahren (4-5). Nach viel Überredungskunst konnte ich ihn dazu bewegen am Vormittag einen Pflegedienst kommen zu lassen der ihn Essen zu bereitet und ihm bei der Körperpflege behilflich ist. Am Abend schaute ich nach ihm und kümmerte mich um alle anderen Sachen. Dies funktionierte nun eine Woche tadellos bis er die Damen verbal sexuell belästigte und wegen enthemmten sexuellen Handlungen von diesen auch nicht mehr gewaschen werden konnte. Den mühsam ergatterten Termin (und von ihm auch dringlich gewünscht wegen der seltsamen Flecken) beim Dermatologen verweigerte er auch. Dieses Verhalten steigerte sich immer mehr im Laufe der zweiten Woche der "versuchten" Pflege. Da die Damen vom Pflegedienst nicht mehr in der Lage waren die körperliche Pflege zu verrichten, er Arzttermine nicht einhalten wollte/konnte und schon wieder Verwahrlosungszustände eintraten habe ich ihn in einem lichten Moment überreden können freiwillig ins "Krankenhaus" zu gehen um seine Hautprobleme und festgestellte und noch nicht behandelte Schilddrüsenüberfunktion behandeln zu lassen. Die Wahrheit ist aber, dass er wegen seiner Verhaltensauffälligkeiten nun in der geschlossenen Abteilung ist.
    Hier heißt es nun, dass der Verdacht auf Demenz besteht. (seiner Meinung nach haben wir das Jahr 2003, auch auf Nachfrage ob er nicht 2013 meinte, Wochentage bringt er durcheinander und er muss heute geäußert haben, dass er schon eine Woche dort ist. Ein CT soll auch noch zur Diagnosefindung vorgenommen werden.
    Im Gegensatz zu den anderen Bewohnern dieser Abteilung erscheint er allerdings sehr normal und natürlich tut mir das alles sehr leid.
    Der behandelnde Psychologe hat mich heute leicht gerügt, dass es schließlich dort kein Krankenhaus ist und weshalb ich die Krankheiten (Schilddrüse, Haut) nicht vorher abgeklärt habe. Vor der Aufnahme hat mir allerdings eine andere Ärztin versichert, dass es dort auch Internisten gibt welche sich um die anderen Sachen kümmern werden.
    Ich habe nun, nach vielem Lesen hier im Internet etwas Angst, dass die Diagnose Demenz gestellt wird und vielleicht liegt doch eine andere Grunderkrankung vor die seinen Gedächtnisverlust verursacht.
    Mein schlechtes Gewissen ist grenzenlos meinem Vater gegenüber und ich möchte natürlich alles richtig machen. Wären diese sexuellen Enthemmungen nicht aufgetreten hätte ich ja auch niemals in der Psychiatrie angerufen...Im Moment aber habe ich das Gefühl mich dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich ihn dort hingebracht habe und bin mir sehr unsicher in meinen Handlungen. Der Arzt meinte noch, dass Demenz nicht heilbar ist. Dies verunsichert mich noch mehr da es ja doch auch seltenere Formen geben soll wo Medikamente hilfreich sind. Es ist doch wichtig, dies erst abzuklären oder?


    Für einen Ratschlag in dieser Hinsicht wäre ich sehr dankbar. Danke!