Beiträge von martinhamborg

    Hallo Oicha, die zu erwartende Kommunikation haben Sie mir sehr nachvollziehbar beschrieben. Vielleicht besprechen Sie das Thema im Pflegekurs. Der größte Gewinn im Gespräch mit der Polizei liegt mehr in der Stärkung Ihrer Position und in der Sensibilisierung für die Polizei. Das Hauptziel haben Sie ja noch mal geschrieben: Wie gelingt es, dass ich meine Mutter deeskalierend verhält!

    Wenn der Pflegekurs Erkenntnisse bringt, lassen Sie uns bitte Anteil nehmen. Viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Ecia25, Die Einschätzung von Teuteburger und Rose60 kann ich nur bestärken.

    Zum Glück lösen sich die Diebstahlgedanken meist irgendwann durch die Zunahme der Vergesslichkeit und - viel wichtiger - durch Vertrauensaufbau zu den Pflegenden.


    Aus der 100km-Entfernung können Sie in Bezug auf die Aufklärung und den Wahrheitsgehalt nichts tun und ich schreibe das, weil es vielleicht hilft, einige belastende Gedanken loszulassen. Schon vor Ort ist es schwierig mit der Realitätsorientierung und der (oft unnötigen) Wahrheitssuche aus der Entfernung können Sie "nur" zuhören.


    Wenn Sie dabei den zweiten Aspekt, das Vertrauen stärken ist das sehr wertvoll.


    Wenn Sie validierend mitschimpfen und so schnell wie möglich die Kurve in neutrale oder sogar humorvolle Themen hinbekommen - um so besser. Sie wissen wie oft ich hier schon geschrieben habe: Trost geht immer! Trost darüber, dass "man da manchmal an sich ... oder den Mitmenschen zweifeln kann und da ist es gut, dass Du mich hast..., weißt Du noch, als wir ... "

    Alles, was das Grundvertrauen (in sich und andere) stärkt, ist richtig. Deshalb ein noch kleiner Tipp mit großer Wirkung: Rufen Sie Ihre Mutter an, bevor sie anruft.

    Das hat viele Vorteile:

    • Sie schützen sich vor der Angst vor einem Anruf in unpassender Zeit
    • Ihre Mutter bekommt einen Vertrauensschub, bevor sie in das Misstrauen abrutscht, der einen Anruf bei der Tochter notwendig, macht um die Not zu wenden
    • Sie holen Ihre Mutter aus einer Eigendrehung, bevor diese kritisch wird
    • Sie können vielleicht einfacher mit den Anrufen Ihrer Mutter umgehen, weil Sie authentisch sagen können: "Gut dass Du anrufst, aber jetzt passt es nicht. Ich rufe Dich in ungefähr ... an. Du weißt ja, dass Du Dich auf mich verlassen kannst." Mit einer solchen Intervention richten Sie die Aufmerksamkeit auf die Erwartung des Anrufs - weg von dem wirren Verdacht. Sie bekommen zudem eine Einschätzung, wie anhaltend oder gar wahnhaft die Gedanken sind und Sie behalten das Heft des Handelns in der Hand.

    Den Begriff "Intervention" habe ich übrigens bewusst gewählt. Mit gut durchdachten Schlüsselsätzen können wir an einem langfristigen Ziel arbeiten. Eine Wiederholung oder am besten ein Ritual schafft inneren Abstand, stärkt uns und wirkt damit doppelt für den Menschen mit Demenz!

    Haben Sie eine Idee, welches Ritual für Ihre Mutter am besten ist?

    Viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Sohn83, ich möchte mich den Worten von Teuteburger anschließen! Eine Infektion kann immer eine Verwirrtheit oder sogar ein Delir auslösen. Aber dazu wird es wahrscheinlich nicht kommen, weil Sie da sind und gelassen bleiben - so gut es irgend geht und die körperliche und seelische Kraft reicht.


    Ihre Berichte von dem Krankenhaus schockieren mich.

    Kommen diese Erfahrungen auch bei den Verantwortlichen an? Haben Sie mit der Alzheimer Gesellschaft gesprochen - auch nach Alternativen in der Umgebung? In München gab es mal eine sehr engagierte Beschwerdestelle, es gibt die Pflegeombudsstelle, den Seniorenbeirat und andere, die das interessieren sollte.

    Die Information von Frau Sachweh kann ich nur bestätigen - eine plötzliche Demenz gibt es nicht, fast immer ist es ein Delir (oft infolge einer anderen behandelbaren Krankheit), selten mal ein Hirntumor.


    Die Ergebnisse der Akupunktur haben mich sehr gefreut, vielleicht ist es genau das richtige für Ihren Vater und ich kann mir gut vorstellen, dass Ihnen der Akupunkteur Tipps geben kann. Es gibt günstige Geräte für die Elektroakupunktur oder die Akupressur, mit der die Behandlung zuhause (eigentlich) weitergeführt werden können sollte.

    Mich würde interessieren, wie der Fachmann den Erfolg und die Verstetigung einschätzt. Es wäre auch für ihn ein Erfolg, wenn der Medizinische Dienst (MD früher MDK) dies als besondere Pflegetherapie oder Eigenübung im Rahmen der Begutachtung anerkennt. Zudem würden sich bei täglichen Übungen die Punkte für den Pflegegrad um bis zu 10% erhöhen ... Vielleicht unterstützt das die Motivation.

    Ihnen und Ihrem Vater gute Besserung und allen hier in der Runde Kraft für die nächste Woche, Ihr Martin Hamborg

    Hallo OiOcha, zunächst danke, dass Sie das alte Thema ausgegraben und haben und Entschuldigung, dass es von uns keine Antwort gab. Streit, Eskalation und Gewalt in häuslichen Beziehungen mit einem Menschen mit Demenz sind und bleiben hochproblematisch. Dies hat auch eine neue Studie und ein Schulungskonzept für die Polizei gezeigt.


    Natürlich können wir nicht darauf warten, bis alle Polizisten geschult sind und dann besser reagieren können. Aber mit Glück kommt jemand, der dies schon kann. Angehörige oder deren Kinder können auch direkt die Dienststelle vor Ort ansprechen, wie sie sich in einer solchen Situation verhalten sollen. Das würde sicher helfen, dass die Ergebnisse von Prof. Görgen und Carina Schiller (Projekt des LKA Berlin /Deutsche Hochschule der Polizei "Paris") an der Basis ankommen. Vor einem Jahr wurde ich von Frau Schiller interviewt und habe berichtet, wie hilfreich der Besuch der uniformierten Polizei bei häuslicher Gewalt oder Diebstahlvorwürfen sein kann. Manchmal macht es nachhaltigen Eindruck auf den Menschen mit Demenz, aber viel wichtiger ist die Wirkung auf die Streitkultur:


    Der /die orientierte Partner*in wird gestärkt, es länger "richtig" zu machen, also eine Eskalation zu vermeiden. Das ist das nonplusultra, dazu Abstand halten, wenn es kritisch wird und seitlich miteinander sprechen und nicht Front zu Front, Ärger ansprechen und ruhig bleiben, alles abperlen lassen ... es geht ja um Demenz und nicht um die Wahrheit.

    Die Aussage, ich möchte nicht, dass "wieder die Polizei kommt" kann kann helfen oder schaden. Aber das Gefühl wird gestärkt: es gibt Hilfe und die ist berechtigt.


    Den Vorschlag von Rose, den sozialpsychiatrischen Dienst zu kontaktieren, möchte ich bestätigen! Dort können wir eine echte fachliche Unterstützung erwarten, sowie Hilfestellungen für den "PlanB" - die kurzfristige Entlastung durch eine psychiatrische Behandlung, Klinik oder Kurzzeitpflege.


    Die Pflegekurse haben Sie ja auch schon recherchiert, auch dort sollte ausreichend Raum sein, die Problematik zu besprechen und die Kursleitung ist vermutlich gut über das Hilfesystem vor Ort informiert.

    Ihnen viel Kraft in der Unterstützung Ihrer Mutter, Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, ich hoffe sehr, dass aus der Diskussionsrunde keine Verletzungen und Narben bleiben. Es zeigt sich, wie sehr die Diskussion über das Impfen in eine schwarz-weiß-Rhetorik rutschen kann und Zwischentöne und kritisches Nachdenken in den Hintergrund treten. Die Herausforderungen einer langjährigen Pandemie sind so vielschichtig und emotional aufgeladen, dass es einfach schwer ist, sich konstruktiv zu streiten. Dieses Forum ist nicht der richtige Ort dafür, selbst im persönlichen Kontakt ist es schwer genug.


    Wir wissen schon lange: Schwarzweiß-Debatten verstärken die Polarisierung, den Populismus und den Zusammenhalt in den streitenden Gruppen. Sie verhindern letztlich den wissenschaftlichen kritischen Dialog, im dem unsere Kultur gewachsen ist.

    Zwang erzeugt Reaktanz, das ist der psychologische Begriff für die Kraft des Stolzes oder der trotzigen Selbstbestimmung. Meinungen werden in der Ingroup gestärkt, wenn es um Gewinnen oder Verlieren geht.


    Hilfreicher sind vielleicht ethische Diskussionen, in denen unterschiedliche Wertvorstellungen herausgearbeitet werden. Das Thema meine Freiheit und die des anderen ... wird vielleicht noch nicht oft genug ausdiskutiert, besonders im Zusammenhang mit anderen Werten, die noch eine Rolle spielen.


    Meinungen ändern sich nun mal eher durch gegenseitiges Verständnis, Wertschätzung und das Wissen um subjektive Wahrheiten, Interessen und Prioritäten.

    Meine Sorge ist, dass dies in der öffentlichen Diskussion in den Hintergrund tritt.

    Meine Frage ist, wie erreiche ich die Pflegekräfte noch, die sich schon entschieden haben, den Beruf zu verlassen? Welche plausiblen Argumente gibt es? Haben Sie Einsichtserfolge in Ihrem Umfeld gehabt?


    Wie können wir an die Verantwortung für den ("vulnerablen") Menschen mit Demenz appellieren?


    Wann müssen wir uns für die zweite Pandemiestufe öffnen, in der nur die vulnerablen Personen geschützt und in der Freiheit eingeschränkt werden?

    Wie können wir dabei die Würde, die Selbstbestimmung, die persönliche Entfaltung und die Erkenntnisse im richtigen Umgang mit Demenz bewahren?

    In diesem Zusammenhang werden vielleicht noch einmal meine "Coronatipps für Menschen mit Demenz" im Blog hilfreich und wir können uns austauschen, wie wir mit diesem Dilemma umgehen.


    Dies sind einige Gedanken, wie wir hier die Debatte abschließen oder auf eine andere Ebene bringen können.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, heute am letzten Tag des Jahres klingen die vielen nachdenklichen Sätze nach, genau wie die besinnlichen und positiven Erfahrungen. Sie sind vielleicht auch Folge der zunehmenden Gelassenheit trotz aller Schwere.


    Was die Festtagsbesuche und die Erwartung an ganz besondere Tage mit einem Menschen mit Demenz angeht, kennen Sie mich ja als Bedenkenträger. Um so mehr freue ich mich, dass Sie Rose60 eine so schöne Zeit hatten. Ich glaube, dass es nicht nur der "gnädige Mantel des Vergessens" ist. Sie haben offensichtlich die "richtige" Form des Umgangs gefunden, in der einfach nichts mehr eskalieren kann. Sie konnten so Platz für viele schöne Momente schaffen. Wir alle wissen, wie schwer der Weg für diese Augenblicke einer neuen Leichtigkeit ist. Danke für diesen Bericht, denn er stärkt die Hoffnung.


    Schade, dass Ihre Familie, Sohn83 so wenig Anteil nehmen kann, denn das, was Sie mit Ihrem Vater erleben ist etwas Besonderes. Vielleicht ist die traditionelle chinesische Medizin genau die Brücke, mit der Sie mit Ihrem Vater in eine neue positivere Zeit gehen. Ich kann mit gut vorstellen, dass sich Ihr Vater mit den schweren Phasen seiner Kindheit versöhnen kann - durch einen fürsorglichen und achtsamen Sohn und die passende Behandlung. Ich bin sehr gespannt auf Ihre Erfahrungen mit der Akkupunktur und deren Auswirkung auf die Beziehungsgestaltung.


    Zu den sorgenvollen Gedanken zur Zukunft der Pflege setze ich meine Hoffung auf unseren neuen Gesundheitsminister. Jetzt agiert er als Epidemiologe - aber sehr bald ist seine Expertise als Gesundheitsökonom gefragt. Ich traue ihm zu, dass er das Fallpauschalensystem und die Pflegereform neu denken kann. Er zeigt sich offen für die unterschiedlichen Positionen der Wissenschaft und revidiert seine Meinung mit neuen Erkenntnissen. Und ich hoffe, wir können hier auch ein wenig dazu beitragen!


    In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Start in das neue Jahr und ganz viele Kraftquellen für die andauernden Herausforderungen, Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, danke für den interessanten Fachaustausch. Wir dürfen aus guten Gründe hier in dem Forum keine rechtlichen Beratungen vornehmen, aber ein Erfahrungsaustausch und konkrete Anregungen sind sicher für die eigenen Entscheidungen hilfreich. Ich habe wieder einiges gelernt, wo ich in diesen Fragen genau hinsehen sollte, dank Ihnen und wunderschöne Feiertage, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Zimt, ein Mensch mit Demenz kann tatsächlich nicht aus Fehlern lernen, aber wir können es! Deshalb können wir unnötige Diskussionen oder gar Klarstellungen, Vorwürfe und Rechtfertigungen vermeiden. Wenn Ihre Mutter friert können Sie sagen: "Gut dass ich gerade einen schönen warmen Schal für Dich habe" und Sie können mit hohem Aufforderungscharakter warme Sachen an der Ausgangstür positionieren.

    Bei der FFP2 Maske lohnt sich die Klarstellung vermutlich nicht. Da reicht vielleicht ein "na so was, ... darf ich sie Dir richtig ausetzen"

    Ihnen schöne Festtage, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Sohn83, wir folgen vermutlich alle die Diskussionen im Fernsehen,. Wir haben gesehen, wie die Inzidenzen runtergehen, flächendecken geboostert wird und für die Omikronwelle ernsthafte Vorbereitungen getroffen werden, ohne zu wissen, ob Omikron wirklich so krank macht.

    Es ist schon ein kleines Wunder, dass wir vor der fünften Welle schon die Aussicht auch den angepassten Impstoff im März haben und 80 Millionen Dosen bestellt wurden, (... obwohl noch gar nicht bekannt ist , dass Omikron so schwer krank macht)


    Ich schreibe dies bewußt positiv, denn ich nehme so oft eine bleiernde depressive Schwere und Erschöpfung wahr, als stünden wir vor den gleichen Bedingungen wie im letzten Jahr.


    Ich vermute, Sie gehören auch zu den Menschen die sich sehr verantwortlich und vorsichtigtverhalten - im Hochinzidenzgebiet vielleicht viel mehr als bei uns in Hamburg, wo wir uns mit den niedrigen Zahlen so lange so sicher fühlten. Ich denke, Sie tun alles was richtig ist, mehr geht nicht und dann können wir in freiwilliger Selbstbeschränkung abwarten, wie sich die Lage entwickelt.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, auch ich möchte mich bedanken für so viel Vertrauen und Offenheit!


    Weihnachten steht vor der Tür und wieder müssen wir uns mit Kontaktbeschränkungen und Sorgen um Omikron auseinandersetzen.

    Ich persönlich halte an der Hoffnung fest, dass der Virus nun endlich zu dem evolutionären biologischen Sinn mutiert, viele anzustecken ohne schwere und tötliche Verläufe, bei denen er selbst ja auch nicht überlebt.


    Machen wir wieder mal das beste aus den aktuellen Herausforderungen!

    Ihnen und Ihren Angehörigen wünsche ich wunderschöne, besinnliche Feiertage, überfordern Sie bitte niemanden und teilen Sie das kleine Glück, dass Sich sich noch haben - egal wie die Beschränkungen sind.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo SchwarzerKater, danke, dass Sie mich mit Ihrem Beitrag wieder auf den Teppich gebracht haben. Das besondere an unseren 4 Threats ist das gemeinsame Wissen, dass es leider zu oft nicht mit Erkenntnissen oder einem Rat getan ist und hier Platz für die "wahren Nöte der Angehörigen" ist, denn "alles in Wirklichkeit wirklich viel, viel, viel schwieriger ...."


    Gerade deshalb ist die hier so vertraute gegenseitige Unterstützung in den großen, manchmal "wahn"sinnigen Herausforderungen des Alltags so wertvoll.

    In diesem Sinn, Ihr Martin Hamborg

    Hallo OiOcha, gut, dass Ihr Vater Sie hat!

    Ich möchte nicht wissen wie viele demenzkranke Millionäre durch Betrüger vom Amt abhängig wurden - einige habe ich kennengelernt und niemand weiß wo das Geld geblieben ist.


    Gut ist auch, wie sehr Sie mit allem was Sie tun die Würde und die Selbstbestimmung Ihres Vaters im Blick haben und unnötige Konflikte und Eskalationen vermeiden. Sie ermöglichen Ihrem Vater ein sinnvoll erlebtes Tätigkeitsfeld und können ihn weitgehend vor folgenschweren Fehlern schützen, ohne seine Geschäftsfähigkeit in Frage zu stellen.


    Als ich Ihren Dialog mit Ihnen, Sohn83 las kamen mir mehre Gedanken:


    Zum ersten Mal haben wir in diesem Forum das Sohn-Vater-Demenz-Konflikt-Thema und ich freue mich darauf, wenn wir uns hier mit den besonderen Fragen und Herausforderungen beschäftigen. Ich habe diese Stichworte eben gegoogelt, da gibt es einige Beiträge, die sich vielleicht lohnen. Offensichtlich ist es ein neues Thema und passt genau in dieses Forum!

    Ich bin gespannt wie viele Söhne mitlesen und sich irgendwann einbringen.


    Mein zweiter Gedanke war: Vielleicht hilft es, die vielen Herausforderungen vom Schluss her zu denken. Dies betrifft zum einen rechtliche Fragen der Geschäftsfähigkeit, damit Verträge wieder unwirksam werden. Anregungen geben die Beiträge von Bärbel Schönhof hier im Blog.


    Ihr Vater hat eine beginnende Demenz, dies zeigt der Wert von 21 Punkten im Mini Mental State. Gleichzeitig beobachten Sie einen schnellen Abbau. Dies ist bei einer frühen Demenz häufiger. Sicher haben Sie sich informiert, dass es immer noch keine wirklich wirksame medizinische Behandlung gibt und die Neurologen und Psychiater letztlich oft nur einen Beitrag leisten können, den Leidensdruck zu lindern - und natürlich demenzverstärkenden Krankheiten zu behandeln. Vitamine, (Bewegung?) und eine gesunde Ernährung - da sind Sie offensichtlich am Ball.


    Ich habe einige körperlich fitte demenzkranke Chefs in Heimen erlebt, die in ihrer subjektiven Welt leben durften, auch wenn Sie manchmal in die Personalsteuerung eingriffen und den Chefsessel im Dienstzimmer beanspruchten. Die Mischung aus validierendem Respekt, Gelassenheit, Schutz vor Gefährdung und Ablenkung ist eine hohe professionelle Anforderung an ein Team. Dies gelingt selten, aber ist möglich. Hier werbe ich ja immer für den PlanB - je besser Sie die Angebote der Umgebung kennen, umso sicherer können Sie im Notfall entscheiden. Derzeit liegt natürlich der Blick auf der aktuellen Situation.Dazu mein dritter Gedanke: Bisher geht es sehr um den Schutzaspekt und damit die Einschränkung und Begrenzung in einer sinnvoll erlebten Tätigkeit. Dies kann zu Konflikten führen.Das Hobby Ihres Vaters ist sein Beruf. Es kann sein, dass irgendwann frühere kindliche Hobbys durch die Demenz aufleben, aber so weit ist es noch lange nicht. Wo und wie können Sie die sinnvollerlebte Tätigkeit Ihres Vaters am Computer ab- oder umlenken? Gibt es Newsletter, in denen er interessiert und ohne störende Cookies und Werbung stöbern kann? Was stärkt sein Selbstbild als Chef ohne Schaden? Gibt es Verwandte, Freunde, Ehrenamtliche oder Betreuungskräfte, die er ihn in seinem Geschäftszeiten anrufen können? Finden Sie vielleicht sogar demenzgeeignte Computerspiele? Ich höre immer wieder, dass sich Studenten damit beschäftigen und Startups gründen wollen. Es wäre ein reales Wunder, wenn Sie jemanden finden, der oder die gerade an diesem Thema forscht und gut daran täte, Ihren Vater in die Entwicklung einzubeziehen.Viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

    Hallo SchwarzerKater, danke für Ihre Gedanken und Erkenntnisse aus dem Fleischwolf des Lebens und für die Tiefe, die hinter den "einfachen klingenden" Worten steht! - Und das trotz der Aussichtslosigkeit und vielleicht der Erfahrung: "Ich mache alles richtig und es wird doch nicht gut" (- oder noch nicht?)

    Dieser Gedanke kam mir, als ich Ihre Regeln auf die Frage von SabineK gelesen habe. Steht dahinter das Bild der tapferen Heldin, die alles richtig macht und trotzdem weiterkämpfen muss? Vielleicht passt dieses Bild für andere in diesem Forum.


    Wir müssen jetzt tapfer sein - das sagen Eltern oder Großeltern, wenn sie nicht weiterwissen. Dahinter steht vielleicht die tiefe innere Haltung: Irgendwann wird Alles gut, wir schaffen das, wir sind Helden oder es wird mal ein Wunder geschehen.


    Ihre Gedanken bleiben da nicht stehen und öffnen damit neue Perspektiven. Wenn mir Pflegende berichten, dass ihnen die Luft zum atmen fehle, üben wir erstmal das ausatmen. Diese kurze Achtsamkeit, das kurze Innehalten vor dem Einatmen und der nächsten Aktion ergänze ich gern mit dem Satz: Sie müssen nicht sofort handeln, Sie haben mehr Zeit als Sie denken... Sehr wohltuend ist es auch, mal gemeinsam tief zu seufzen - eine am besten entspannende Form des Ausatmens.

    Später mache ich eine kleine Kunstpause im Gespräch und frage, ob diese unangenehm erlebt wurde.


    Ihnen wünsche ich viele Kraftquellen und so oft wie es möglich ist, den Blick aus der anderen Perspektive, besonders dann, wenn es wie ein Kampf gegen Windmühlen aussieht.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo Schwarzerkater, das Bild von der "Königsdisziplin" gefällt mir gut, in Gespräch frage ich bei dieser Thematik gern: "Habe ich gesagt, dass das einfach ist?"


    Ich denke gerade an die uralten Archetypen, die mit der Lebensphase 50plus verbunden sind: Der Meister - die weise alte Frau - der weise alte Mann - die ... /der Heiler, Magier, Prophet oder Hohepriester usw.


    Diese starken Bilder zeigen, dass es seit je her einen besonderen Sinn im Alter gibt, bei dem alten Glaubenssätze und Verstrickungen losgelassen werden.


    "Wer ist dieser Mensch (der uns mit seinen oder ihren Glaubenssätzen das Leben nicht leicht gemacht hat) durch die Demenz wirklich?" Ihre Frage führt mich unter dieser Perspektive weiter:


    - "Wozu ist diese neue Sicht auf diesen wichtigen Menschen gut?"

    - "Was lässt dieser Mensch in seiner/ihrer Demenz los, was darf ich loslassen und was hat mir Bestand? (Ist er /sie archetypisch der Narr oder gibt es passendere Bilder?")

    - "Welcher Weg, welche Erkenntnisse stehen hinter der Hölle, durch die wir vielleicht gerade gehen oder gegangen sind?"

    - "Wie hilft uns das Wissen über die positiven Archetypen des Alters? Gibt es dazu Märchen und Geschichten oder müssen wir selbst etwas finden, wenn wir jetzt mit all unserer Erfahrung in eine greise Gesellschaft gehen?"


    Ich persönlich glaube, dass diese Themen gerade in dieser so vertrauten Gruppe jetzt möglich werden. Alle die mitschreiben und regelmäßig mitlesen sind durch eine nicht enden wollende, schier aussichtslose Belastung gegangen, so wie die Märchenhelden. Der Umzug und das Einleben ins Heim war für einige die letzte große Hürde, hinter der vielleicht die Neuorientierung liegt.

    Ich bin sehr gespannt auf Ihre Gedanken und Erkenntnisse dazu!

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo Sohn83, es freut mich das der Neurologe die Problematik im Blick hat und Sie sorgfältig messen und vergleichen. Auf der anderen Seite sehen Sie das Dilemma mit der Nierenfunktion, wenn die Entgiftung nicht funktioniert hat das natürlich auch einen Einfluss auf das Gehirn.

    Wie erleben Sie die Blutdruckmessungen bei Ihrem Vater? Manchmal vermittelt das medizinisch-pflegerische Handeln auch die entspannende Geborgenheit und reduziert belastende Diskussionen. Wie schätzen Sie das ein?

    Ihr Martin Hamborg

    Danke für die Offenheit hier in dieser Runde und danke für die so verbindliche Unterstützung miteinander hier in diesem Forum.


    Es gibt keine Altergrenze für Lebenserfahrung, Lernen und Neuorientierung. Leider gehören Krisen zur menschlichen Entwicklung, auch die Entwicklungskrisen wie die Pubertät oder die Anforderung als Kind die Eltern versorgen zu müsssen. Ich habe schon häufiger von der filialen Reife gesprochen und der Weg dahin ist unterschiedlich schmerzhaft. Aber weil es eine normale Entwicklungskrise ist, verbietet sich jede Selbstgerechtigkeit oder Arroganz. Oder sie entlarvt sich, wenn dahinter ganz andere Abgründe stehen.


    Wir könnten uns ja mal die Frage stellen: Wie gelingt es uns, dass wir mit Stolz und nicht mit Scham von unseren Herausforderungen, Erkenntnissen, Lösungsversuchen und Entwicklungen sprechen? Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, da war es kurz vor dem Tod zu spät oder besser sehr kurz, um aus diesen Erkenntnissen neue Erfahrungen machen zu können.

    Da ist es doch viel besser, schon mit 60zig diesen Weg zu gehen und mit Stolz auf bewältigte Umwege zurückzuschauen.

    In diesem Sinn, Ihr Martin Hamborg

    Hallo SabineK, mittlerweile hat sich in Sachen "tracking" sehr viel getan, es gibt sogar Systeme für Hunde oder Autos, aber eben mit großen Leistungsunterschieden, wo wie Herr Gust schon schrieb, hinzu kommt, dass wir ja immer noch in einem Netzausbau-Entwicklungsland leben.


    Ich würde immer noch weitere Sicherheiten einplanen: Adresse, Telefonnummer, Umgebungskarte, mit markierter Wohnung, Ihre Visitenkarte, die er immer diskret dabei haben könnte ... usw.

    Vielleicht haben Sie eine Idee, was am besten bei Ihrem Vater passt, damit er Hilfe bekommt. Bezüglich der Kosten haben Sie schon überlegt, ob er vielleicht den Pflegegrad 1 bekommen könnte.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo Sohn83, es freut mich, dass die Beleuchtung so wirkt, wie wir es oft positiv erleben! Vielleicht können Sie mit der Lichtstärke in den Räumen noch so "experimenteren", dass Sie selbst weniger Unannehmlichkeiten haben. Wenn Sie im Wohnzimmer das Licht langsam abends reduzieren, kann das noch den Übergang in die Schlafphase erleichtern. Leider ist dies kein Allheilmittel.


    Plötzliche Verwirrtheit können unbeeinflussbar und ohne sichtlichen Auslöser durch die Demenz entstehen, damit müssen wir leben und so wie Sie schreiben, konnten Sie Ihren Vater wieder beruhigen und reorientieren.


    Unabhängig davon suche ich immer weiter nach möglichen Ursachen oder Auslösern. Sinnvoll erlebte Beschäftigung, Tagespflege, Schmerzen, Trinken, Licht ... Sie haben schon viele Faktoren erkannt und gehandelt.


    Haben Sie ein Blutdruckmessgerät?

    Eine weitere Ursache für plötzliche Verwirrtheit kann eine Unterversorgung des Gehirns durch relativ niedrigen Blutdruck sein. Relativ deshalb, weil bei älteren Menschen oft ein höherer Blutdruck nötig ist, um die altersbedingten Änderungen auszugleichen. Zudem wirken viele Medikamenten und insbesondere Psychopharmaka zusätzlich blutdrucksenkend.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo Hanne63, zu Ihrer Frage, wie alt Menschen mit Demenz werden, kann ich nur aus meiner Erfahrung sagen:

    Je besser die Betreuung und die Fürsorge der Kinder und je stärker die Persönlichkeit, desto länger leben Menschen mit der Krankheit Demenz.

    Früher hieß es ca. 8 Jahre, das stimmt sicher nicht.

    Ich war oft erstaunt, dass selbst eine palliative Versorgung noch Jahre möglich ist.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, danke für die vielen wertvollen Gedanken!

    Beim Lesen kam mir drei Sätze:

    • Gegen ein schlechtes Gewissen ist noch kein Kraut gewachsen
    • Oft ist das schlechte Gewissen stärker als alle Ratschläge - egal wie kompetent die Berater sind
    • Oft sind die Glaubenssätze des schlechten Gewissens stärker als der Glaube - an sich oder eine höhere Gewalt

    Aber wenn ich zurückdenke, wie wir hier noch vor einem Jahr darüber nachgedacht haben, freue ich mich sehr über so viele Schätze:

    • Es gibt kaum noch Zweifel daran, dass das schlechte Gewissen ein schlechter Ratgeber ist und die Entscheidungen richtig sind und waren!
    • Sie gehen innerlich in die Beobachterposition und schauen sich alles authentisch interessiert von außen an und bekommen die ein oder anderen Erkenntnis
    • Dazu gehört Ihr wunderbarer Satz, never20 "Es ist nicht die Aufgabe der Kinder, ihre Eltern glücklich zu machen". Es ist heute kein Tabu mehr, wenn wir dann von emotionalem Missbrauch der (jungen) Eltern sprechen. Ein starkes schlechtes Gewissen kommt eigentlich immer aus der Zeit, als Ihre Eltern jung waren.
    • Sie können sich über sich selbst ärgern, wenn Sie wieder auf die alten schädlichen Manipulationen hereinfallen und ziehen wie Rose60 Konsequenzen, abends in der dunklen Zeit nicht mehr anzurufen
    • Sie sprechen offen von alten Mustern, Manipulationen oder "Spielchen", die sich nun mal infolge der Demenz aufrechterhalten, wenn wir sie nicht unterbrechen oder ablenken. Tolle Idee, never20, wenn Sie dann einfach das Fernsehen laut stellen und so das Muster unterbrechen
    • Sie finden starke Bilder für das was Sie Jahrzehnte lang geübt haben: Ihre Gedankenautobahn, Sohn63, in der die Prozesse automatisch ablaufen. Das ist kein persönliches Versagen, sondern eine gesicherte Erkenntnis der Hirnforschung - ohne dieses Prinzip hätten die Menschheit nicht überlebt.
    • Danke für die Anregung, in als starke selbst-therapeutische Technik, die Achtsamkeit zu üben!
    • Sie nehmen nicht eifersüchtig sondern wertschätzend wahr, wie liebevoll manche Pflegekräfte sind, wenn z.B. Pflegekräfte die Haare Ihrer Mutter toupieren, Rose60
    • Sie haben erkannt, dass es niemandem hilft, wenn Sie sich Stress machen
    • und Sie trösten sich, dass die "Stimmung im Herz gespeichert ist", auch wenn der Besuch sofort wieder vergessen wird. Und Sie glauben (hoffentlich) daran, dass dieser Glaube langfristig Realität wird, wenn Sie es sich gemeinsam so schön wie möglich machen (denn Sie werden das nicht vergessen!)
    • Sie wissen, dass Zuhause da ist, wo sich ein Mensch geborgen fühlt und haben die persönliche Stärke anzunehmen, dass Mitarbeiter*innen im Heim das bei Ihren Eltern gerade besser erreichen können.
    • Sie können sich sicher sein, dass viele Pflegekräfte Ihren Schmerz, Ihre Stärke und Ihr Engagement wahrnehmen und Ihre Eltern daran erinnern, wann sie besucht wurden. Fragen Sie bitte nach, wie dann validiert wird? Ich empfehle Sätze wie: "Ich weiß wie schön es für Sie ist, wenn Ihre Tochter kommt ... Sie haben Glück, dass Ihre Tochter einmal in der Woche kommt ... darf ich Sie erinnern, ..."
    • Sie erinnern sich, wie wir hier schon bewährte Sinnsprüche zu diesem Thema ausgetauscht haben?
      Danke für die "Nudeln gegen Sorgen!" So was gehört an die Kühlschrank, um die Erkenntnisse wach zu halten. Übrigens, wenn Sie in unsere Diskussion vor über einem Jahr zurückgehen, finden Sie wunderbare Gedanken von Teuteburger, ich habe sie damals ein Glaubensbekenntnis gegen ein schlechtes Gewissen überschrieben.

    Einen weiteren Gedanken möchte ich noch aufgreifen: Wenn Sie erkannt haben, dass es ein Leben lang aussichtslos war, die Mutter glücklich zu machen, auch wenn Sie alles richtig machen wollen - und selbst Ihr Vater daran gescheitert ist ... und Sie trotzdem noch immer wieder mit dem schlechten Gewissen kämpfen und innerlich ärgerlich werden ... dann lohnt sich folgender Gedanke:


    Hinter starken und manchmal herrschsüchtigen Menschen, verbirgt sich oft eine unerkannte Depression mit ewiger unstillbarer Unzufriedenheit und der negativen sogar aggressiven Abwertung der Menschen, die es (eigentlich) so gut meinen. Es ist bekannt, dass bei Männern eine möglicherweise dahinterliegende Depression zu selten erkannt und behandelt wird. Aber diese Bewältigungsstrategie ist nicht an das Geschlecht gebunden.


    Oft helfen dann die modernen Antidepressiva, weil sie endlich den inneren Druck nehmen. Aber viele Aspekte von eben entfaltet als antidepressives Milieu eine Wirkung!

    Ich hoffe, meine kleine Zusammenfassung ist ein hilfreich in der Lebensaufgabe, ein gutes Gewissen zu lernen.

    Ihr Martin Hamborg