Beiträge von martinhamborg

    Hallo Sohn83, an dieser Stelle möchte ich nur drei Gedanken teilen:

    1. Sie können die Wirkung der Tagespflege genau beschreiben: ist es möglich, dass Ihr Vater Mo-Mi-Fr hingehen kann. Vielleicht lässt sich die TP darauf ein, weil sie so erfolgreich ist.
    2. Dauerhafte Schmerzen verstärken die Symptome der Demenzkrankheit - die, wie Teuteburger so schön schreibt "nicht schläft". Bekommt er abends genug Schmerzmittel? Wie würde es Ihrem Vater gehen, wenn er eine neue Hüfte bekäme, wann wäre der richtige Zeitpunkt dafür?
    3. Können Sie Ihren Vater in eine Kurzzeitpflege geben, vielleicht als Test, ob es ihm gefällt? Haben Sie sich schon ein Heim ausgesucht? Könnte Ihr Vater auch in dieses Heim (nicht nur zur Kurzzeitpflege) gehen, wenn er operiert würde?

    Viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, einige Themen der letzten Woche möchte ich heute wieder aufgreifen und weiterdenken. Wie ein Aushalten und das Unvorhersehbare zulassen gelingen kann, hat Hanne63 z.B. mit dem Gedanken "Demenz als Selbstschutz" beschrieben. Je mehr wir diese chronisch degenerative, nicht heilbare und den Menschen tief verändernde Krankheit akzeptieren, desto eher wird uns das Aushalten gelingen.


    So werden wir offen für Überraschungen, eine erfreuliche Milde oder kurzfristige Einsicht. Vielleicht lernen wir den Menschen völlig neu kennen und uns auch – immerhin haben wir 50% seines oder ihres Erbguts und wir kennen uns ein ganzes Leben lang… Als ich vor über 30 Jahren mit der Arbeit anfing, habe ich „Demenztherapie als Schatzsuche“ bezeichnet und unser Konzept „Normalität als Modell“ genannt. Diese Begriffe haben sich nicht durchgesetzt, die Idee dahinter ist allerdings weiterhin der „aktuelle Stand des Wissens“, an dem sich Profis orientieren müssen, auch weil so die professionelle Distanz gelingen kann. Ein Rezept dafür ist der Wechsel der Perspektive also der Blickrichtung: Wir schauen aus der Richtung des Menschen mit Demenz und nicht aus der Richtung des vertrauten Menschen ohne die Krankheit!


    Wenn das gelingt, werden wir milder gestimmt, sind bereit für positive Überraschungen und werden diese eher erleben. Sie, Sohn83, haben trotz der Demenz alte Ressourcen erlebt. Aber es tut weh, dass dieser Moment nicht länger anhält.


    Wenn Sie, ecia25, Reizthemen wie die Gitarre bei Ihrer Mutter vermeiden können und Ablenkung hilft, zeigt es, dass das Thema nicht mehr so wichtig ist.

    Aber es kann wie ein explosiver Teufelskreis sofort und unmittelbar abgerufen werden. Dann wird plötzlich eine Kraft sichtbar, die eigentlich gar nicht mehr zum Abbauprozess passt. In solchen Fällen übe ich mit Pflegenden das gemeinsame Schimpfen über so eine schlimme Sache.


    Mit dieser Form der Validation treten wir aktiv, bewusst und direkt aus der Ich-Du-Beziehung und übernehmen die Rolle einer verständnisvollen Freundin, die das Gefühl bestätigt – auch wenn wir eigentlich persönlich angegriffen werden. Das ist für Pflegekräfte schon schwer genug, sich von dem unmittelbaren Gefühl zu distanzieren und aus einer anderen Rolle heraus zu handeln – für Angehörige ist es noch schwerer aber nicht unmöglich.


    Es lohnt sich, dies konsequent zu üben, denn es hilft auch für die eigene Trauerarbeit. Wenn wir konsequent die Blickrichtung ändern und nach dem Menschen mit seinen oder ihren verborgenen Schätzen suchen und nicht den Menschen mit den schwer erträglichen Symptomen einer Krankheit sehen.


    Ich sage immer wieder: Ablenkung ist gut und hilfreich, aber das Ansprechen von Gefühlen und der Wunsch nach echtem Verständnis führt weiter. Wenn wir jetzt in einer Gruppe wären, würde ich Ihnen ecia25 ein kleines Rollenspiel vorschlagen – so wie bei Mitarbeitenden: Eine weitere Teilnehmerin geht in die Rolle Ihrer Mutter und spricht mit dem Brustton der Enttäuschung die Sache mit der Gitarre an und greift sie direkt damit an. Sie treten direkt und symbolisch erstmal „einfach“ an die Seite Ihrer Mutter und sagen dann z.B. „das ist ja echt ein Ding, das kann einen absolut sauer machen…“. Je stärker die Demenz ist, desto schneller wirken solche Sätze. Wenn Ihre Mutter den „Trick“ durchschaut, können Sie immer noch mit einem Bein in der distanzierten Rolle bleiben und üben, ob folgende Aussage möglich ist: „Mutter ich sehe, wie sehr Dich das immer noch ärgert und Du mich sogar persönlich angreifst und verletzt. Willst Du das jetzt wirklich?“ Bestimmt finden Sie Ihre eigenen Worte, um Ihrer Mutter aus dem anderen Blickwinkel der Demenz zu antworten.


    Für Sie Barabara66 ist das leider nicht „so einfach“. Sie wissen, dass die Demenz Ihrer Mutter noch weitere Ansprüche stellt. Zwei zusätzliche Erschwernisfaktoren habe ich aus Ihrem Beitrag nun besser verstanden:


    Für ein gelingendes Therapiekonzept braucht es die konsequente Unterstützung Ihres Vaters. Doch er macht es Ihnen noch zusätzlich schwer und Sie müssen zusätzlich kämpfen und in Konfrontation gehen und es wäre so gerecht, wenn Ihr Vater zu Ihnen, die so viel tut, mindestens genau so großzügig ist, wie zu ihrem Bruder.


    In dieser Situation ist es noch viel schwerer in einer professionell distanzierten also erwachsene Rolle zu gehen und dort zu bleiben. Aus meiner Sicht ist die Konfrontation langfristig hilfreich, besonders wenn sich die Altersrigidität mit verletzenden Charaktereigenschaften und einem veralteten männlichen Rollenbild gegenseitig verstärkt.


    Zudem kommt noch der Teufelskreis der Kommunikation durch sehr effektive Reizthemen nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Wenn Sie dann auch noch aus Ihrem Erwachsensein herausfallen, verstärkt das zusätzlich die Verzweiflung. In solchen Situationen gilt vielfach, was ich in meinem Buch ausgeführt habe: Komplexe Probleme brauchen einfache Lösungen. Vielleicht können Sie folgende einfache Sätze unterstützen:

    • Ich lasse mich nicht provozieren. Ich bin und bleibe die starke Person, die meine Eltern jetzt brauchen.
    • Ich lasse mich nicht verunsichern und darf Ungerechtigkeiten und Verletzungen ansprechen.
    • Wenn mein Vater nicht im therapeutischen Konzept mitmacht, kann ich für meine Mutter mit ihrer besonders schweren Krankheit nur einen kleinen Beitrag leisten. Das wichtigste ist dabei, dass ich meine Kraft und den inneren Abstand behalte.
    • Durch die Unterstützung meiner Eltern werde ich eine Meisterin im Aushalten und im Bei-sich-bleiben. Das hilft mir auch für andere Herausforderungen im Leben!

    Können Sie mit diesen Gedanken etwas anfangen?


    Viel Kraft für alle, Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, gern möchte ich wieder einige Themen der letzten Woche aufgreifen.


    Danke für die Beiträge zum Abschied vom Elternhaus! Viele Vorschläge helfen für die gelingende Trauerarbeit. Besonders deutlich wird dies bei dem Buchsbaum von Ihnen, Sohn83, und der Pfingstrose von Ihnen, Barbara66. Es ist ein Symbol für das Weiterleben in der Erinnerung. Dafür helfen uns Fotos und besondere Erinnerungsstücke, die den Neubeginn begleiten und das Elternhaus als Ganzes loslassen helfen. Aus meiner Sicht geht es wie bei der Trauerarbeit um kleine Helfer zur Verinnerlichung des geliebten Ortes und des geliebten Menschen, die uns mit dem Abschied reicher machen für den weiteren Weg.


    Viel schwieriger ist es mit dem langsamen Loslassen bei der Wesensveränderung bei unseren Angehörigen mit einer zunehmenden Demenz. An Teuteburgers Beschreibung wird deutlich, wie die Realität mit der Erinnerung verwischt und wir oft nur erahnen können, was im Inneren wirklich vorgeht. Wenn es mit Ablenkung klappt, können wir es so oft machen, wie es geht - und es dabei so wenig wie möglich persönlich nehmen.

    Je mehr Realitätsbezug möglich ist – so wie in Teuteburgers Beispielen – um so besser und leichter. Diskussionen um die subjektive Wahrheit sind schädlich und verstärken eher die Wahnbildung. Das Vergessen infolge der Demenz ist dabei für mich oft eine Art Selbstheilung oder besser Selbstregulation durch das Krankheitssymptom. Dadurch verliert die chaotische und überfordernde subjektive Wirklichkeit im persönlichen Erleben an Raum.


    Fachlich üben wir bei belastenden Wesensveränderungen die Bewältigung durch Verstehen oder Verständnis. Wir entwickeln im Team eine „Verstehenshypothese“, wie wir das Verhalten erklären können und ordnen neue Erfahrungen ein, um diese ggf. zu verändern. Das fordert jedenfalls der Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege für Menschen mit Demenz“.


    Dies fördert in inneren Abstand durch „professionelle coolness“ und schafft Raum für neue Handlungsalternativen – ich nehme mal die Beschreibung Ihrer Schwester, ecia25, auf. Ganz wichtig ist dabei das Wissen über die Lebensgeschichte und Biografie, besonders die Fragen: Wovor hatte dieser Mensch Angst, worauf war er/sie stolz und was war in der Zeit vielleicht das schlimmste Erlebnis?


    Hilfreich ist das Wissen, über die Dynamik des Vergessens bei einer Demenz. Wir vergessen (leider) alle häufig das, was wir zuletzt gelernt haben. Bei der typischen Demenz geschieht dies unwiderruflich und der Mensch lebt innerlich sozusagen in dem Bezugsrahmen dieses Abbaus – z.B. im Kampf des Kleinkindes um das Spielzeug der anderen oder um „Futterneid“. In meinem Buch habe ich es in einem Praxistipp mit dem Erleben in dem früheren Zuhause deutlich gemacht – wie mit einem Fahrstuhl in einem Hochhaus geht es durch die Demenz hinab in die alten Wohnungen mit ihrem früheren Lebensbezug.


    Bei der Verstehenshypothese ist mir es dabei egal, ob der Mensch mit der Demenz mit der Wesensveränderung sein eigentliches Wesen zeigt und ob er/sie die im späteren Leben gelernten Kompensationsstrategien vergessen hat und nun das auslebt, was damals verboten war oder das nachholt, was andere damals durften. Die zweite Erklärung ist für mich immer „besser“, weil sie mehr Handlungsoptionen ermöglicht. Der Erfolg unserer Handlung bestätigt den „Wahrheitsgehalt“ unserer Verstehenshypothese.

    Ich hoffe, Sie können diesem Gedanken folgen – für viele Pflegekräfte ist es schwer, das Denken des Expertenstandards zu üben, immerhin haben sie sich ja zur Altenpflege und nicht zum Philosophiestudium entschieden.


    Die Wahnbildung bei der typischen Demenz ist oft wechselhaft und lässt sich durch Ablenkung auf weitere Informationen und Erinnerungen zur Realität oder durch Ablenkung auf ganz andere Themen oft kurzfristig auflösen. Alles was sich einmal bewährt hat, kann ich immer und immer wieder als selbstwertstabilisierendes Ritual wiederholen und wenn es nicht klappt – ich habe es schon sehr oft geschrieben: Trost geht immer. Da muss ich mich nicht verbiegen, nicht „lügen oder mitspielen“ und behalte meine (für den Menschen so wichtige) innere Stärke und kann alles vielleicht etwas besser aushalten.


    Bei Menschen mit „seltenen Demenzen“ wie die Lewy Body Demenz ist dies leider nicht so einfach – Barbara66, wir haben uns darüber schon so lange ausgetauscht. Ablenkung und Trost sind trotzdem sehr wichtig, aber oft nicht stärker als das stabile Wahnsystem. Aber denken Sie an die alte Weisheit aus der Psychiatrie: Wahn bindet Angst – deshalb gilt auch hier: Trost geht immer! Für Angehörige und den Betroffenen bleibt noch die Hoffnung auf das Vergessen durch die zunehmende Demenz. Ich habe oft miterleben dürfen, wie in einer geborgenen Atmosphäre der Wahndruck immer besser abgelenkt werden konnte, weil alles nicht mehr so persönlich bedrohlich erlebt wurde.


    Für Ihre Mutter, Rose60, wünsche ich sehr, dass das Misstrauen nicht durch Ausgrenzung („die lügt immer“) verstärkt wird und eine andere Person noch einmal diese tiefe Geborgenheit vermitteln kann. Aus meiner Sicht ist es ein „Volltreffer“ in einer gelingenden Validation, wenn Ihre Mutter die Worte und Erkenntnisse, die Sie gesagt haben, als eigene wiederholt. Bei unseren Chefs akzeptieren wir dies ja auch.


    Wie gesagt, Sie können die Sätze Ihrer Mutter so oft wie möglich und als Ritual verwenden, wenn Sie gemerkt haben, dass sich Ihre Mutter selbst damit tröstet.


    Ihnen allen eine schöne Woche, Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, zunächst Danke für die vielen konkreten hilfreichen Tipps und Erkenntnisse. Ich möchte hier nur etwas zu Merles Beitrag sagen: Sie haben offensichtlich mit Ihrer Beschwerde ins "Schwarze getroffen", sonst hätte sich der Chefarzt nicht persönlich gemeldet, auch wenn er vielleicht nur eine Regessklage vermeiden möchte. In vielen Krankenhausstrukturen ist viel Luft nach oben und deshalb sind Beschwerden so wichtig, auch für die Chefärzte, die unter den börsenbezogenen Gewinnerwartungen leiden und Argumente für die Verhandlungen mit den Vorständen brauchen. Insofern hatte Ihr Ärger über die unpassende Art der Arzthelferin doch eine kleine positive Wirkung!

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, aus dem Urlaub nehme ich mir mal etwas Zeit für die Gedanken hier.


    Die Diskussion zum Thema Resilienz hat mich beschäftigt. Als Modewort für die Coronakrise taugt es m.E. nur bedingt, besonderes, wenn es mit unreflektierten Anpassungserwartungen verbunden wird.

    In der Pandemie ging es nicht darum, durch innere Stärke in einer dumpfen ausweglosen Situation Sinn zu finden, um Unausweichliches zu ertragen, wie ein KZ oder ein schwerstes Trauma. Im Gegenteil, gerade durch die Pandemie gab es viel Kreativität und neue Gestaltungsräume - in der ersten Welle auch in vielen Heimen. Resilienz wird für mich in der Weisheit deutlich, die Bonhoeffer zugeschrieben wird: Es ist die Kraft die Dinge zu ertragen, die ich nicht beeinflussen kann, damit ich mich dort einsetze, wo ich selbstwirksam gestalten kann.


    Über das hilflose Ausgeliefertsein durch rigide Besuchsregeln haben wir uns hier viel ausgetauscht. Die Angst und Unsicherheit hat die Gestaltungsspielräume in vielen Heime extrem eingeengt, obwohl alle Verordnungen sozialethische Ausnahmen zulassen. Daraus müssen wir in der Zukunft lernen und ich hoffe sehr, dass die politischen Angebote zur Reflexion der Pandemie und zum Lernen aus den Erfahrungen und Fehlern wirklich auch umgesetzt werden und die kritische Auseinandersetzung damit nicht den selbsternannten Querdenkern überlassen wird.


    Die Erkenntnis von Sonnenblümchen, "umgebe Dich mit Menschen, die Dir gut tun" möchte ich gerade für die Zeit der Trauer und Neuorientierung bestärken! Wir alle brauchen nach Verlusten Zeit zur Trauer. Dazu gehört es auch, nicht perfekt sein zu müssen. Wir brauchen Menschen, bei denen wir in dieser Zeit Fehler machen dürfen, reizbar und ungerecht sein können, sich zurückziehen dürfen und wo es erlaubt ist die schweren Erfahrungen immer wieder neu und von vorne zu besprechen. Das heißt für mich aber nicht, dass alle, die dazu gerade nicht in der Lage sind, keine Freunde mehr sind!

    Eine gute Zeit der Neuorientierung, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Sohn83, eine Frage würde ich gern aufgreifen: Es spricht viel dafür, dass ein Delir die Hauptursache für die Probleme war und da waren Sie in der Not sehr präsent und unterstützend und haben zusätzlich mit der Tagespflege eine entspannte tagesstrukturierende und emotional stabilisierende Struktur geschaffen. Dies hat einen positiven Effekt auf das Delir und dieses Angebot bleibt sinnvoll, bis Sie eine tragfähige neue Wohnform gefunden haben. Wenn Sie Ihrem Vater ähnlich sind, können Sie vermutlich am besten einschätzen, welche Form des Kontaktes bei Ihrer begrenzten Zeit am besten hilft, wertvoll sind oft mehre kurze Telefonate als ein langes... Ihr Martin Hamborg

    Hallo Slipknot, es ist bestimmt wertvoll, wenn Sie sich jetzt um Ihre Großmutter kümmern. Vielleicht steht an erster Stelle nicht der Umbau und die Entscheidungen, sondern die Stärkung der persönlichen Beziehung und viele kleine Hilfestellungen im Alltag. Ihre Fragen zu den gesetzlichen Leistungen können Sie in dem anderen Forum klären, Vorraussetzung ist ein Pflegegrad. Wenn Sie sich die Beiträge hier im Forum einlesen, werden Sie bestimmt einen guten Eindruck finden, was bei Ihrer Großmutter anders ist und Sie finden Ideen für die nächste Zeit. Für gezielte Fragen starten Sie am besten mit einem eigenen Beitrag.


    Hallo Gobis, eine Erkenntnis möchte ich gern vertiefen: Wenn Ihre Mutter auf jeden Fall möchte, dass es Ihnen gut geht, können Sie diese Anteilnahme verstärkt zulassen? So oft wie möglich könnte die Fürsorge der Mutter dann an den zwanghaften Wahn infolge der FTD in den Hintergrund stellen. Haben Sie eine Idee, wie Sie diesen Zugang nutzen können, ohne sich klein und hilflos zu machen, denn Sie sind und bleiben der Halt für Ihre Mutter, der auch beim Abstand wirken konnte.

    Alle Gute, Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, die Gedanken - von Ihnen Teuteburger - an einen Abschied aus dem Forum kann ich gut verstehen. In den vielen Jahren haben sich immer wieder engagierte Teilnehmerinnen verabschiedet oder einfach abgemeldet. Wir hatten darüber diskutiert, dass es auch gut ist, sich neuen Aufgaben zuzuwenden.


    Auf der anderen Seite lebt die Selbsthilfe wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft genau von den Menschen, die die Hilfe für andere nach der großen Belastung mit eigenen Angehörigen zum persönlichen Lebensthema gemacht haben.


    Als wir 2006 die Foren konzipiert haben, wollten wir am liebsten den Rat von Angehörigen und die gegenseitige Unterstützung (nur) moderieren und mit Tipps ergänzen, so wie es sich jetzt etabliert hat. Deshalb wünsche ich mir weiterhin, wenn die mir so vertrauten Menschen hinter den Decknahmen ihre Erfahrungen weitergeben können oder sich - soweit es um Demenz geht - aus Erfahrungen in neuen Tätigkeitsfeldern einbringen. Und natürlich, wenn alles vorbei ist, endlich auch wieder Zeit für sich selbst finden.


    Leider hatte das Ministerium kein Interesse an unserem Vorschlag, die sehr persönliche Unterstützung in ein eigenes Forum zu verschieben. Was mich besonders fasziniert hat, war das Wissen, dass alle Erfahrungen im offenen Netz von denen gefunden werden können, bei denen ein einfacher Rat-schlag nicht sofort die Probleme löst. Aus dem gemeinsamen Ringen in der gegenseitigen Unterstützung ist aus meiner Sicht etwas wertvolles entstanden, dass ich nicht für möglich gehalten hätte. Tausende Klicks zeigen, dass es von vielen Menschen wahrgenommen wird.


    Wir hatten schon darüber geschrieben, dass es zunehmend schwierig wird, die eigenen Grenzen zu schützen. Sonnenblümchen nutzt den Weg, persönliche Beiträge wieder zu löschen und es gibt auf dem Forum auch die direkte Kontaktmöglichkeit.

    Was meinen Beitrag in einem anderen geschlossenen Foren angeht, kann ich dies nicht ehrenamtlich leisten, dazu engagiere ich mich bürgerschaftlich schon zuviel und muss auf meine Grenzen achten. Aber vielleicht finden sich ja noch Wege, ich werde jedenfalls das Ministerium auf diese Gedanken aufmerksam machen.

    In diesem Sinne, Ihnen allen schöne Pfingsttage, Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die, Runde, gern habe ich dieguten Nachrichten gelesen, Glück beim Impfen und Erfolge beim Einleben ins Heim, auch wenn der Preis manchmal hoch ist, wie bei Ihnen GrünesLicht. Es kann sogar sein, dass Sie irgendwann ihre Besuchstermine in den Zeiten einplanen, in der Ihre Mum keine Angebote im Heim hat.

    Besonders habe ich mich über Roses Beitrag gefreut, - die Wahrnehmung Ihrer Mutter liegt nun im Heimalltag, der stabile Wahn wird immer mehr verblassen und vielleicht reicht irgendwann ein gemeinsames Lachen darüber, wo und wie Sie die Rente stapeln.


    Den Entlastungsbetrag von 125€ gibt es im Heim nicht, dafür sind zusätzliche Betreuungskräfte eingestellt (§43b-Kräfte), deren Leistungen müssen geplant und nachgewiesen werden, sodass Sie Auskunft darüber bekommen sollten.


    Weitere persönliche Betreuungsangebote müssen leider extra finanziert werden. Meine Hoffnung ist, dass sehr bald wieder ehrenamtliche Kräfte in die Häuser dürfen. Dies wird in guten Einrichtungen über das Heim organisiert oder unterstützt. Auch dafür können Kosten anfallen, in einigen Bundesländern gibt es Obergrenzen für die Aufwendungen, Fahrkostenersatz usw.

    Manchmal haben die Seniorenbeiräte oder Kirchengemeinden Besuchsdienste organisiert. Es lohnt sich also nachzufragen. Allerdings sollten wir mit dem wertvollen Gut des bürgerschaftlichen Engagements sorgfältig umgehen. Wer sich gut eingelebt hat, findet im Heim so viele soziale Kontake und Begegnungen, dass Ehrenamt vielleicht nicht not-wendig ist.


    Wenn Sie zusätzliche Leistungen finanzieren, können Sie sich an den Regelungen des ambulanten Entlastungsbetrags orientieren. Dort sind - je nach Bundesland - die Höhe der Aufwandsentschädigung und die Stundensätze für die ambulanten Leistungen oder freiberufliche Alltagsbegleiter geregelt. Genaueres wissen die Kolleginnen im Forum gesetzliche Leistungen oder die Pflegestützpunkte vor Ort.


    Zum Umgang mit den Coronaregeln im Heim habe ich viel geschrieben. Es ist und bleibt ein Aushandlungsprozess zwischen dem Hausrecht des Heimes und dem örtlichen Gesundheitsamt. Die Bundesebenen hat da keine konkrete Verantwortung. Wenn die Regeln als willkürlich wahrgenommen werden, würde ich die Heimaufsicht oder die Seniorenbeiräte einbeziehen.

    Ihnen alle schöne Pfingsttage, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Rose60, vermutlich wird Ihre Mutter nach dem Todesfall nicht so schnell in alte Muster zurückfallen, zumindest wenn es Ihnen gelingt, sie zu trösten und so wenig wie möglich auf die erwarteten Appelle zu reagieren. Im Heim gehört der Tod dazu und viele Mitbewohner*innen und Mitarbeiter*innen zeigen Mitgefühl, sprechen über den vertraut gewordenen Menschen und lenken sich ab, jetzt zum Glück auch wieder in den erlaubten Gruppenangeboten. Das stärkt die Dazugehörigkeit. Bei Ihren Besuchen können Sie vielleicht darauf achten, dass Sie die neuen Bekannten Ihrer Mutter mit einbeziehen, um mögliche Rückzugstentenzen zu mindern.


    Hallo Teuteburger, den Schock kann ich nachvollziehen, gut, dass Sie sich selbst schützen und eine neue Form der Begegnung aufbauen. Wenn sich die Zeichen einer beginnenden Demenz weiter zeigen, kann die Klarheit in der Begegnung und das Ansprechen des Fehlers positiv wirken. Ihre Mutter merkt, dass Sie es gut mit ihr meinen und gleichzeitig auf sich selbst achten. Dies führt vielleicht zu mehr Achtsamkeit im Alltag, die besonders in der beginnenden Demenz wertvoll ist, um die situative Orientierung zu erhalten. Eine authentisch sorgende und wertschätzende Erinnung an Missgeschicke und Fehler kann m.E. Verhaltensproblemen und Ablehnung von Hilfe in späteren Phasen vorbeugen. Sie werden schnell merken, wenn die "Realitätsorientierung" nicht mehr richtig ist, nur einige Stichworte: Bagatellisiserung, Gegenangriffe, überstarkte Rechtfertigungen usw.

    Allen ein schöne Wochenende, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Hanna63, wahrscheinlich ist es sinnvoll, wenn Sie sich selbst in die Logik der neuen Begutachtung ein wenig einarbeiten. Nach meiner Erfahrung gehen viele Pflegekräfte immer noch von einem subjektiven Gefühl für einen zeit-orientierten Pflegebedarf aus, denn das alte System ist tief verinnerlicht, auch bei Gutachter*innen, die die innere Logik des neuens Systems offensichtlich noch nicht so ganz verinnerlicht haben.


    In meinen Fortbildungen mit meinen 10 Tipps zum Pflegegrademanagement sehe ich dies häufiger. Einige davon sind glaube ich auch für Angehörige nachvollziehbar und Sie müssen sich nicht in die - im Netz verfügbare - Richtlinie einarbeiten:


    1. Das neue System hat eine Stufenlogik in allen Modulen, d.h. die gewichteten Punkte springen bis zu 10 Punkten, wenn die Schwelle mit nur einer einzigen anderen Einschätzung überschritten wird. Ich habe dies in meinem Pflegegraderechner so berücksichtigt, dass ich erkenne, wie viel Einzelpunkte jeweils zum nächsten Stufensprung fehlen - und wo es sich lohnt genauer hinzusehen.


    2. Oft werden die Leistungen im Modul 5 nicht angemessen erkannt. Mit 5 Punkten mehr ist schnell der nächste Pflegegrad erreicht, wenn Bedarfsmedikation dokumentiert ist und eingetragen wird oder, wie bei Ihrem Vater, die Fahrten zum Arzt angegeben werden. Es zählen mind. monatliche Besuche bei Ärzten und therapeutischen Einrichtungen!


    3. Mit meinem Anliegen, dass im Modul 5 ärztlich angeordnete krankheits- und therapiebedingte Verhaltensvorschriften - oft mehrmals täglich - mitzählen, werde ich mich vermutlich nicht durchsetzen, auch wenn ich die Abschnitte aus meinem Buch an das BMG geschickt habe. Aber es hätte Chancen, wenn Angehörige einklagen, dass nicht nur die fachliche Intervention zur Einhaltung einer Diät zählt, sondern auch spezielle Maßnahmen im antidepressiven Milieu oder bei herausforderndem Verhalten. Dabei geht es mir nicht nur um einen höheren Pflegegrad, sondern viel mehr um Handlungssicherheit bei Pflegekräften und Angehörigen: Dahinter steht die sogenannte "Psychoedukation" und erfahrene Haus- und Nervenärzte können formulieren, wie das angemessene oder "richtige" Verhalten ist.


    4. In der neuen Logik wird im Pflegebedarf berücksichtigt, was der Mensch nicht mehr allein kann, um alles selbständig zu machen: wer reinigt regelmäßig den Rasierapperat, wer stellt die Zahnbürste oder das Glas in Griffweite...? Was geht nur, wenn jemand nachschaut, motiviert oder erinnert? Wer reicht das Telefon zum Geburtagsanruf? usw... Alles sollte mit einem Punkt berücksichtigt werden.


    Viel Erfolg! Ihr Martin Hamborg

    Hallo Mela50, darf ich noch an die Gedanken von Hanne63 anknüpfen? Ich halt es auch lieber mit der Wahrheit. Oft habe ich erlebt, wie Kinder und Mitarbeiter*innen das Thema vermeiden oder sogar lügen (sollen). Das hat einen hohen Preis für beide Seiten, denn es erschwert die ehrliche Beziehungsgestaltung, denn ein schweres Geheimnis steh zwischen den Menschen.


    Wie oft haben mir Menschen mit Demenz gesagt: "Das muss einem doch mal gesagt werden" und sind dann nach Anteilnahme oder Trost erleichtert weiter ihren Weg gezogen. Natürlich hat auch ein Mensch mit Demenz in der Trauerphase das Recht, einen schweren Verlust nicht wahrhaben zu wollen (oder zu können) - das gehört zur Trauerphase dazu. Menschen mit Demenz lassen sich oft viel besser trösten und richten schneller den Blick auf die schöne gemeinsame Zeit. Meine Faustformel ist: Dasein- aushalten-trösten-Blick in die schöne Vergangenheit oder schöne Gegenwart (durch unsere tiefe persönliche Begegnung).


    Es hilft auch wie wir es sagen. Es gibt sogar eine positive und gut annehmbare Formulierung: "Er hat seinen Frieden gefunden" und "Du erinnerst Dich an eine so schöne gemeinsame Zeit ... weißt Du noch, als ..."

    Je stärker die Demenz, desto weniger wird sich Ihre Mutter an ihren letzten Mann vermissen und weiter im Heim aufblühen, Ihr Martin Hamborg

    Hallo MeinVaterhatDemenz, zunächst mein herzliches Beileid. Es ist schön zu lesen, dass unsere Beiträge im Forum hilfreich sind und vielleicht beteiligen Sie sich mit Ihren Erfahrungen weiter bei dem ein oder anderen Thema. Bald ist alles organisiert und die Zeit der Trauer wird manche wichtige Erkenntnis deutlich machen.


    Es ist eine ganz wertvolle Erfahrung, wenn die ganze Familie beim Abschied dabei sein kann! Insofern ist es aus meiner Sicht gar nicht so wichtig, woran ein Mensch verstirbt, wenn das "wie" so ist, wie sich es eigentlich alle wünschen, - ruhig und im Kreis der Familie einschlafen können... Ihnen viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Teuteburger, danke dass Sie es ergänzen! Natürlich darf das "Stöhnen" nicht von einer Schmerztherapie abhalten.

    Können wir uns darauf einigen: Die Erlaubnis zum Stöhnen und das gemeinsame Seufzen verstärken die Schmerzmedikation nicht nur durch die seelische Unterstützung sondern auch durch die körperliche Entspannung und Entlastung.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, die Tipps und das vertraute gegenseitige Verständnis überraschen mich immer wieder, weiter so! Mir kam der Gedanke: Wir dürfen auf uns achten, denn die wichtigste Achtung die wir brauchen ist die Selbstachtung...


    Natürlich reagiert der Körper auf den seelischen Druck, den Sie so lange hatten. Dann braucht nicht nur die Seele sondern auch der Körper volle Aufmerksamkeit, - und je mehr wir merken, desto besser. In diesem Sinne freue ich mich über die Tipps und die verständnisvollen Erklärungen, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Gobis, in dem vorletzten Satz möchte ich Sie gern unterstützen:

    Sie müssen sich nicht viele Gedanken machen, ein paar "richtige" reichen völlig aus!

    Sie kennen die Besonderheiten des Krankheitsbildes Ihrer Mutter, Sie haben alles perfekt organisiert und es ist bisher nichts passiert, obwohl sich Ihre Mutter durch die FTD nicht so gut ablenken lässt wie Menschen mit den häufigeren Demenzkrankheiten.

    Es freut mich zu lesen, dass der Arzt mit dem "ich lasse mich auf keine Diskussionen ein" Erfolg in der Behandlung hat.


    Wenn Sie also weniger über die Sorgen und Gefahren nachdenken und mehr die Frage stellen:


    Wo habe ich Erfolg darin, unnötige Diskussionen durch sicherheits- und geborgenheitsstiftende Botschaften zu ersetzen? Wie kommt bei Ihrer Mutter an, dass Sie es gut mit ihr meinen, wenn Sie klar, eindeutig und enschieden sind und damit die Ausfälle der Selbststeuerung ausgleichen?


    Für mich ist die Frage nach dem "zuhause" eher ein gutes Zeichen: Vielleicht tritt immer mehr an die Stelle der Ablehnung die Suche nach Geborgenheit. Hanne63, Teuteburger und Jochen Gust haben gute Ideen zusamengetragen, wie Sie unter diesem Ziel handeln können.


    Abschließend habe ich zwei Wünsche:

    - Sorgen Sie für sich und schützen Sie sich, damit Sie stark bleiben! Nur wenn es Ihnen gut geht, findet Ihre Mutter in der Tochter die innere Stärke, die die FTD zerstört.


    - Drehen Sie den "Spieß um" und rufen Sie an. Ihre Mutter braucht die Kontrolle von Ihnen, weil sie ihre Selbstkontrolle durch die Krankheit verliert. Haben Sie eine Idee für eine gute geborgenheitsstiftende Ansage auf dem AB?


    Viel Kraft und Klarheit, Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, mit einem Beispiel aus dieser Woche möchte ich die Erfahrung aus der Palliativstation weiterführen.


    Ich wurde von unserem ambulanten Dienst zu einem Ehepaar geschickt, sie hatten sich vor 63 Jahren kennengelernt, viel gemeinsam erlebt, sie haben ein Patiententestament und ein stärkendes Umfeld. Der Ehemann war nicht dement, aber durch eine motorische Aphasie hindere ihn, das zu sagen was er dachte. In den wenigen klaren Momenten hatte der den Hausarzt um das Medikament zu Sterben gebeten und in der Klinik und auch in der Pflege wehrte er sich aktiv gegen die Versorgung und verletzte sich zusätzlich durch Stürze infolge der inneren Unruhe.


    Zunächst habe ich kurz mit der Ehefrau allein im Esszimmer gesprochen, Ihr Mann schlief. Wir sind dann gemeinsam in das Wohnzimmer gegangen, als er stöhnte.


    Ich sprach ihn immer mal kurz an, aber nach einer Minute sank er wieder weg in seine Welt, ganz friedlich vielleicht durch das Morphin. Er sagte immer wieder mit klaren Augen "ja" oder "naja", wenn ich ihn auf das gemeinsame Gespräch ansprach.


    Ich habe die Ehefrau gebeten ehrlich zu sein und auch Tränen zuzulassen, denn ihr Mann würde vermutlich ganz viel mitkriegen, auch wenn (oder weil) er in einem anderen Bewußtseinszustand ist. Wir haben dann alles besprochen, was ich hier an verschiedenen Stellen schon ausgeführt habe: Die Wage zwischen Abschied und Kämpfen, der Rückblick in eine schöne gemeinsame Zeit als Kraft für die Trauerarbeit, die Kraft des Glaubens und spiritueller Vorstellung und die Bedeutung des Sterbefastens als (in allen Religionen) erlaubte Form des schnelleren Abschiedsn usw.


    Die starken Erkenntnis waren: "dann brauche ich ihn ja gar nicht mehr mit dem Essen zu quälen" oder "wenn ich meinen inneren Stress loswerde, entspannt das aus seine Unruhe". Wichtig war auch, dass das "Stöhnen" nicht mit Leiden gleichzusetzen ist, sondern auch eine sehr wirkungsvolle Selbstsorge bzw. Selbsttherapie ist. Es gibt keine Maßnahme die so schnell gegen Stress wirkt, wie das mehrmalige tiefe und bewusste Stöhnen (und tiefe einatmen). Viele Menschen in tiefem Leid haben dies für sich entdeckt und was hindert uns Begleiter das auch zu tun?


    In Schulungen und Beratungsgesprächen üben wir diese oft gemeinsam. Leider hat es eine Nebenwirkung: Außenstehende denken es ginge uns sehr schlecht, obwohl wir etwas wertvolles für unsere Selbstpflege tun. In diesem Sinne verabschiede ich mich hier mit einem tiefen (gemeinsamen?) Seufzer, Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, nachdem ich jetzt mehrfach von Coronaausbrüchen in Einrichtungen mit vollem Impfschutz gehört habe, kann ich die scharfen Maßnahmen in einigen Kreisen nachvollziehen. Schade ist, dass nicht sofort ein Forscherteam unterwegs ist und alles abklärt.


    Sie wissen, dass für mich seit einem Jahr das Prinizip Hoffnung im Vordergrund steht und damit die Aussicht auf die Besserung als Kraft für die innere Bewältigung der Krise: Bald schon wird jeder Dritte den Schutz vor schweren Verläufen haben, wenn wir die Millionen einrechnen, die eine gewisse Immunität erworben haben.

    Ich gehe davon aus, dass viele dieser strengen Maßnahmen bei einer anscheinend geringfügigen Gefährdungslage von den Gerichten gekippt werden. Nächste Woche wird mit der Diskussion um die Rechte der Geimpften auch darüber politisch entschieden, weil allen klar sein sollte, dass der jetztige Weg juristisch nicht haltbar ist.


    Aber moralisch kann ich in diesem ethischen Dilemma nachvollziehen, wenn Verantwortliche eine Rüge aus Karlsrsuhe im Sommer riskieren - in der Hoffnung, dass bis dahin die Zahlen runter sind. Dann wird nicht so wichtig sein, ob dies durch die Ausgangssperre, die UV-Strahlen, die endlich besser organisiert Impfkampagne oder die psychologische Wirkung der Perspektive einer Modellregionen geschah.


    Aber es tut weh, wenn wieder mal die vergessenen vergessenden Kranken am stärksten unter den Einschränkungen leiden müssen.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo MeinVaterhatDemenz, ich kann gut verstehen, dass Sie sich an jeden Strohhalm klammern und trotz der schlechten Prognose auf ein Wunder warten. Bezogen auf die Medikamente ist der - das Palliative Care Team begleitende - Arzt mit einer Palliativausbildung genau der richtige für eine fachliche Einschätzung.


    Aus psychologischer Sicht kann ich nur noch mal sagen: Die kleinen Wunder in der Sterbebegleitung habe ich nur erlebt, wenn sich alle Beteiligten auf den Abschied eingestellt haben und dadurch innerer Raum gewachsen ist, sich in den letzten Tage, Wochen oder Monate ganz neu zu begegnen.


    Oft sank dann auch der Bedarf an Risperidon und Melperon. Aber beachten Sie auf jeden Fall: Diese Mittel müssen langsam ausgeschlichen werden, weil sonst gravierende Nebenwirkungen möglich sind. Wenn Pflegekräfte oder Angehörige eine starke innere Unruhe für eine Bedarfsmedikation einschätzen können, empfehle ich oft, dass der Arzt um eine Bedarfsverordnung gebeten wird und die Dauermedikation langsam ausgeschlichen werden kann.

    Ihnen viel Kraft für einen guten Abschied wünscht Ihnen Ihr Martin Hamborg

    Hallo Gobis, hoffentlich haben Sie noch ein paar gute Anregungen im Forum von den medizinischen Kollegen bekommen.


    Wir haben uns hier ja auch schon häufiger ausgetauscht und ich weiß Sie durch Ihren Neurologen gut unterstützt werden. Vor schwierigen Fallbesprechungen schaue ich mir die Diagnosen und Medikamente auch genau an und schule die Pflegekräfte entsprechend. Körperliche Symptome triggern natürlich das Erleben und Verhalten. Sie müssen besonders bei einer FTD sehr ernst genommen werden, weil in der FTD die kognitiven Steuerungsmechanismen extrem beeinträchtigt sind und der Kranke den Impulsen ausgeliefert ist. Deshalb ist die hausärtzliche Behandlung so wichtig und ich hoffe, dass Sie da mit dem neuen Arzt irgendwann einen guten Helfer bekommen und er sich mit dem Neurologen abstimmt.


    Wenn Sie meinen Blogbeitrag zu Corona lesen: Dort habe ich die wichtigsten Fragen zusammengestellt, zu denen Informationen an den Arzt weitergegeben werden sollten, damit er besser entscheiden kann. Ihr Martin Hamborg