Beiträge von martinhamborg

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    Hallo Arielle, auch ich kann gut nachvollziehen, wie schwer es zu verkraften ist, wenn der Ehemann (eigentlich) ganz normal ist, so wie früher und so vertraut ... und im nächsten Moment deutlich wird, dass er in einer alten Welt stehen geblieben ist, weil er nichts mehr lernen kann.


    Es ist wie in dem Film "täglich grüßt das Murmeltier" - einerseits so sympathisch - andererseits so aussichtslos, denn das Korsakow-Syndrom bedeutet, dass aus unterschiedlichen Gründen die Abspeicherung des Kurzzeitgedächtnisses in das Langzeitgedächtnis unwiderruflich zerstört wurde.


    So wie ich Ihren Beitrag verstanden habe sind die Wahnvorstellungen das größere Problem. Besteht die Möglichkeit, dass Ihr Mann durch die psychiatrische Behandlung in absehbarer Zeit Behandlungserfolge zeigt?


    Ihre Liebe zu Ihrem Mann kann Ihnen niemand nehmen, auch kein Psychotherapeut. Ihr Mann wird Sie nicht vergessen und Sie so lieben wie vorher, wenn es der typische "Korsakow" ist und nicht zusätzliche Erkrankungen zum Abbau des Gehirns führen.


    Aber der Rat der Fachleute Ihres Mannes ist, dass ihm die Begegnung mit Ihnen zur Zeit leider nicht gut tut und es derzeit besser ist, wenn die Liebe durch die schöne Erinnerung über die lange schwere Zeit getragen wird.

    Viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Sabine67, weil sich Ihre letzten Sätze schon wie eine Art Zwischenbilanz anhören, möchte noch ein paar Gedanken sortieren:

    • Es ist fast filmreif, wie Sie das Zusammenleben mit Ihrem Vater beschreiben und sich beiden eine sehr gute Zeit schenken
    • Sie haben mehrfach von der depressiven Neigung Ihres Vaters geschrieben, gerade da ist der Humor eine wunderbare Therapie, nicht im Grübeln zu verharren.
    • Die unterschiedlichen Versionen, wie Sie die Zukunft Ihres Vaters gestalten können wurden mit den Vor- und Nachteilen diskutiert. Es ist zumindest für die Trauerarbeit wertvoll, auch "unrealistische" Konzepte durchzuspielen. Ich bin sicher, dass Sie am Ende eine gute und pragmatische Lösung finden werden
    • Dabei "hilft" Ihnen auch die Demenz Ihres Vaters, Sie haben jetzt bewiesen, dass er sich sehr gut in eine neue Umgebung einleben kann, auch wenn diese nicht so perfekt ist, wie die Tochter-Vater-WG. Wenn er genug Anregungen und Kontakte findet, ist dies vielleicht wichtiger für seine Identität, als das selbstgeschaffene Traumhaus. Wenn Sie seiner Erinnerung durch schöne Fotos Raum geben, so wie Valentina61 vorgeschlagen hat, ist das viel Wert
    • Die "komplexen" Rahmenbedingungen um Vollmachten und Vermögen wurden hier gut nachvollziehbar aufgeschlüsselt und ich kann mir vorstellen, dass Mitlesende von den Erfahrungen profitieren können. Aber die Lösung liegt vor Ort. Ich kann mir vorstellen, dass eine gerichtliche Mediation noch am ehesten zu einer schnellen einvernehmlichen Lösung führt.

    Ich freue mich auf Ihre nächste Zwischenbilanz und Erfahrungen aus Ihrem Tochter-Vater-Projekt, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Thea, es freut mich sehr, wie herzlich Sie in unsere Runde aufgenommen wurden! Es ist ein Unterschied, mitzulesen oder selbst zu schreiben...


    Als wir vor 15 Jahren diese webside entwickelten, hätte ich nie gedacht, wie viel Wertschätzung, Respekt, Verständnis, Anteilnahme, persönliche Begleitung in Echtzeit ... und Unterstützung im weltweiten Netz möglich ist. Danke an Alle!


    Beim Lesen Ihrer Beiträge hat sich mein Eindruck immer mehr verstärkt, dass Sie und Ihre Mutter auf einem guten Weg sind. Ich möchte einige "Fakten" zusammenfassen, mit denen Sie sich vielleicht bei inneren Zweifeln stärken können:

    • Sie haben Ihre Mutter gerettet und mit dem Heim eine schnelle gute Lösung gefunden
    • Ihre Mutter hat sich sichtlich gut eingelebt und genießt die Gemeinschaft, die Sie leider allein in ihrem Zimmer wieder vergisst
    • Aber von Außen betrachtet geht es Ihrer Mutter vielleicht besser, als vorher allein in Ihrer Wohnung, - die Trauer über den Verlust ist "normal"
    • Sie setzen genau die richtigen Grenzen, weil Sie die kränkenden und toxischen Verhaltensmuster in der Begegnung mit Ihrer Mutter vermeiden, indem Sie z.B. gemeinsam mit Ihrem Bruder kommen. Die negativen, vielleicht aggressiv-depressiven Phasen Ihrer Mutter können infolge der Demenz weniger werden, weil Sie (jetzt in dieser Phase) seltener da sind, gelassener reagieren können und damit Stress auf beiden Seiten reduzieren
    • Sie haben eine hilfreiche Erklärung für die Bevorzugung Ihres Bruders gefunden ("er war eben der Stammhalter"). Als Geschwister können Sie sich jetzt so gut gegenseitig stärken, wie vielleicht in den besten alten Zeiten. Sie werden dadurch stärker und für Ihre Mutter sind starke Kinder sicher kein Nachteil!
    • Sie nehmen Ihren Ekel über die unhygienischen Finger wahr und suchen aktiv nach Lösungen, Ihre innere Grenze in der Begegnung mit Ihrer Mutter zu wahren. Die Pflegekräfte kümmern sich um dieses Langzeitprojekt, Sie müssen "nur" einen angemessenen Rahmen für die Besuche finden

    Von all dem, was Sie einer Woche geschrieben haben, können sie m.E. mit dem besten Gewissen Ihre Mutter weiter so begleiten.


    Es klingt vielleicht paradox, aber ich kann mir vorstellen, dass mit der Demenz Ihrer Mutter auch ihre alte Wunden verheilen können. Vielleicht gelingt Ihnen dass sogar durch diese aktuelle Krise für Ihre jahrzehntelange Hauterkrankung, mit oder ohne psychosomatische Hilfe oder Therapie von außen.

    Alles Gute Ihr Martin Hamborg

    Hallo MEbbi, auch von mir noch eine "einfache" Ergänzungen:

    Die weiße Substanz im Gehirn steht für die Verbindungen zwischen den (grauen) Nervenzellen, es sind die Nervenfasern, die mit einer weißen Schutzschicht überzogen sind, damit die Impulse sehr schnell weitergeleitet werden können.


    Der Faszekas Grad erfasst das Ausmass der Schädigung, die im MRT festgestellt wurde. Haben Sie sich von einem Neurologen beraten lassen? Es gibt ja verschiedene Ursachen dieser Erkrankung.

    Alles Gute Ihr Martin Hamborg

    Hallo groundhog day, es ist eine gute Idee, wenn Sie Ihre Mutter in die Tagespflege begleiten und sich vorher einen eigenen Eindruck verschafft haben. In der Regel freuen sich die Mitarbeitenden in den Tagespflegen über engagierte Angehörige. Ihr Martin Hamborg

    Hallo Lorina46, in den Beiträgen ist deutlich geworden, dass es Demenzeinrichtungen gibt, die auf einem guten Weg sind, auch wenn alle nur mit Wasser kochen können. Auf der einen Seite müssen wir leider hohe Erwartungen relativieren, allein eine Zahl macht es deutlich: In skandinavischen Ländern ist der Anteil der Pflegekosten am Bruttosozialprodukt etwa doppelt so hoch wie in Deutschland und ich denke, dass eine nachhaltige hohe Qualität (eigentlich) nur möglich ist, wenn diese Differenz durch Ehrenamt, die Beteiligung der Angehörigen und die sogenannte Einbindung der Pflege in den Sozialraum umgesetzt wird. (Insbesondere weil wir sehenden Auges in die Pflegekatastrophe steuern, die u.a. durch den demographischen Wandel und den Fachkräftemangel befeuert wird)


    Andererseits zählt das was Sie schreiben zu den schweren Pflegefehlern, die (eigentlich) von dem Medizinischen Dienst oder durch die Heimaufsicht erkannt werden. Diese Stellen erwarten einen Qualitätsverbesserungsplan und geben Fristen zur Umsetzung. Die stationären und ambulanten Prüfrichtlinien sind genau (und relativ verständlich) beschrieben und über den Medizinischen Dienst Bund im Internet zu finden. Ein Kriterium ist z.B., dass die Biografie (auch bei Ihrem Vater) bei der Betreuung berücksichtigt werden muss. Und natürlich müssen sogenannte Transfers (z.B. das Bewegen vom Rollstuhl in das Bett) fachgerecht durchgeführt werden und nicht so wie Sie es beobachtet haben.


    Der Medizinische Dienst kommt jährlich zur Prüfung, die einen Tag vorher angekündigt wird - anders als früher ist ein "frisieren" der Dokumentationen bei den derzeitigen Prüfungsfragen kaum noch möglich, aber die Einrichtung braucht Zeit, weitere Fachkräfte zu organisieren, sodass die zweitägige Prüfung entsprechend begleitet wird.


    Zusätzlich sind "anlassbezogene Prüfungen" möglich, z.B. auf Grundlage Ihrer Beschwerde. Sie können diesen Weg gehen, wenn Sie bei der Leitung gegen Windmühlen laufen. Möglicherweise läuft auch die Leitung der Einrichtung gegen die berühmten Windmühlen, beim Träger oder Konzern, der sich oft nur bewegt, wenn er die klar beschriebenen Auflagen erfüllen muss.


    Pflegequalität und Pflegefehler liegen im Verantwortungsbereich der Pflegedienstleitung, sie braucht die Rückmeldung und Beobachtung der Angehörigen, um reagieren zu können und um zu sehen, ob die Verbesserungsmaßnahmen Erfolg haben.


    Dies muss alles in einem Beschwerdemanagement und übergeordnet im Qualitätsmanagement geregelt sein - sonst hätte die Einrichtung (ambulant oder stationär) keine Zulassung bekommen!

    Sie können also etwas tun und Sie "helfen" sogar dem Heim, Fehler, Qualitätsauflagen und Regressforderungen zu vermeiden!

    Ihr Martin Hamborg

    Insofern (lange Rede, kurzer Sinn!) sei nachsichtig mit dir, dass du dich auf ihr böses Spiel mal wieder eingelassen hast. Das hat an der Gesamtlage nichts geändert. Bleib stattdessen weiterhin ganz bei dir und selbst wenn deine Mutter dir etwas anderes weismachen will: DU warst und bist okay, das Problem steckt in/bei deiner Mutter ... sie ist die Person, die dir nie gutgetan hat.

    Mach in Gedanken die Tür zu ... und mach sie erst zu gegebener Zeit in professioneller Art ("ich tue, was ich tun muss") wieder auf.

    Danke schwarzerkater für diese so wirkungsvollen einfachen Worte!

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo OiOcha, danke dass Sie das Thema "Schmerzen bei Menschen mit Demenz" angesprochen haben.


    In dem pflegerischen Expertenstandard zur chronischen Schmerzen können wir lesen, dass bis zu 80% der Menschen im Heim chronische Schmerzen oder eine schmerzenden Erkrankung haben und viel zu wenig schmerzmedizinisch behandelt werden. Leider betrifft dies immer noch besonders Menschen mit Demenz zu, deren Schmerzwahrnehmung krankheitsbedingt verändert ist und sich im Extremfall mit vollständiger Immobilität oder der Embryonalhaltung zeigen kann.


    Möglicherweise ist auch der chronische Rückenschmerz Ihres Vaters nicht "weg" sondern er wird nur anders verarbeitet, - die Angst und das Festhalten wenn er im Rollstuhl geschoben wird, kann (aber muss nicht) eine Form des verdeckten Schmerzausdrucks sein.


    Natürlich ist es ein ethisches Dilemma, wenn ein Mensch bei dem eine Abhängigkeit bekannt ist, Medikamente bekommt, die abhängig machen. Haben Sie dieses Thema mit der Hausärztin besprochen, gibt es ein Patiententestatment oder kennen Sie den mutmaßlichen Willen Ihres Vaters?

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo Rose60, nun endlich möchte ich auf Ihre Frage vor 10 Tagen antworten:


    Die zunehmende Schläfrigkeit ist kein Zeichen für die allerletzte Phase, aber oft erleben wir sie kurz vor dem Tod. Oft hatte ich dann das Gefühl, dass sich ein Mensch auf den letzten Weg macht und ganz in sich ist.

    Bei Ihrer Mutter war offensichtlich eine (sie so häufig) unerkannte Harnwegsinfektion die Hauptursache. In den meisten Patiententestatamenten ist aus gutem Grund die Behandlung einer gut heilbaren Akuterkrankung gesondert geregelt.


    Die wichtige ethische Diskussion - ob es erlaubt ist auszusprechen, einem geliebten Menschen zu wünschen, sterben zu können - haben Sie sehr würdig und behutsam geführt, danke.


    Aus meiner Sicht gehört dieser Gedanke in die Trauerarbeit bei extremen Belastungen der Pflege und es ist hilfreich, die Fragen zu stellen, z.B. was ist Mitleid oder Mitgefühl, Verzweiflung oder Wut, Hilflosigkeit und der Wunsch nach einer Lösung von Oben oder Außen...


    Wenn der Gedanke ausgesprochen wird, kann er uns weiterführen - genau das hat die Diskussion der letzten Woche gezeigt.


    Übrigens viele Witwen von demenzkranken Männern haben mir (etwas beschämt) diesen Gedanken anvertraut - trotzdem haben mir alle auf die Frage "Ist Ihr Mann rückwirkend betrachtet zu früh oder zu spät gestorben" geantwortet "zu Früh" - das hat mich sehr beeindruckt, trotz oft extremer Belastungen - so wie sie auch hier im Forum beschrieben werden.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo in die Runde, tatsächlich wird das DUTZEN im Heim auch von Fachleuten unterschiedlich bewertet. Voraussetzung ist aber der gegenseitige Respekt und das Ziel jede Gewalt in der Pflege zu vermeiden. Wir sprechen von Gewalt, wenn jemand durch das DU abgewertet, bevormundet usw. wird und wenn Macht ausgeübt wird - so wie Sie es, Petra15 beobachtet haben.

    Aber es ist auch nicht richtig, wenn sich jemand sich durch das "Sie" und den Nachnamen nicht gemeint und angesprochen fühlt, z.B. weil der (angeheiratete) Name vergessen wurde.


    Ich gehöre zu den "Strengen" und habe das "Dutzend" auf den Index, die Liste der Verbotenen Worte gesetzt. Nur einmal habe das Du eines alten (nicht-dementen) Mannes angenommen. Dabei habe ich mich immer unwohl gefühlt und es offiziell zurückgenommen, als er mich kumpelhaft ansprach: "Hier Martin hast Du 1000 Mark, besorge mit bitte ein Mittel dass ich sterbe ..."

    Unzählige Menschen mit Demenz haben mich gebeten, "sag doch bitte Du zu mir..." Es hat meiner Arbeit als Psychologe nicht geschadet, dass ich beim "Sie" geblieben bin.


    Hintergrund, war dass ich in hauptsächlich in einem "integrativen" Konzept tätig war, d.h. Menschen ohne Demenz und mit Demenz in unterschiedlichen Phasen leben zusammen. Wenn ich dort einen Menschen mit Demenz "dutze", weiß ich nie, was bei den anderen ankommt: "die Frau X wird mit dem Du bevorzugt, er hat ein besseres Verhältnis zu ihr..." oder "wenn ich dement werde, hat hier keiner Respekt vor mir, so wie bei Frau X"


    Bei den Pflegekräften bin ich nicht so streng, denn mit dem "Sie" ist eine intime pflegerische Begegnung und palliative Pflege gerade bei Menschen mit Demenz oft nicht möglich. Aber dann muss das "Du" m.E. in der Pflegeplanung vermerkt sein.


    In einer Demenzeinrichtung - wie sie schwarzerkater beschreibt - gehört das "Du" zum Konzept für einen personenzentrierten wertschätzenden Umgang und das "Sie" ist die geplante Ausnahme. Die Mitarbeitenden sind in der Regel darauf sensibilisiert, dass das "Du und Sie" in einem wertschätzenden Menschenbild genutzt wird und nicht als Machtinstrument.


    Bitte sprechen Sie Ihre Beobachtungen mit der Heim- oder Pflegedienstleitung an, jedes Haus sollte Regeln haben und reflektieren. Im Zweifel können Sie sich auch bei der Heimaufsicht informieren oder diese beratend hinzuziehen.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo sommergarten, die Gedanken von Ihnen Valentina61, möchte ich bestärken. Sie benennt wichtige Prinzipien:


    1. Ich immunisiere mich gegen das Verhalten, weil ich es als narzisstisch und dement einordnen kann

    2. Dies hilft mir, dass ich auf die alten Muster immer werniger "einsteige", weil ich sie erkenne. Das hilft Ihnen hoffentlich, sich "runterzufahren"

    3. Ich verändere das "kranke Spiel", indem ich andere Regeln einführe und Ihr realisierbare Aufgaben gebe. Sie sind jetzt am Zug und können etwas ändern - Ihre Mutter schafft es von sich aus nicht (mehr)

    4. Ich weiß, dass es ein langer, langer und schwerer Weg ist, aber jede Grenze hilft nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrer Mutter (irgendwann)


    Vielleicht ist es ein kleiner Trost: Je weniger das Verhalten Ihrer Mutter einer krankhaften Persönlichkeitsstörung entstammt (sondern nur einem schwierigen Charakter) und je stärker ihre Demenz zunimmt, um so besser kann Ihr neues Handeln wirken!


    Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie alles nutzen, was Ihnen guttut und Sie stärkt!
    Ihr Martin Hamborg

    Hallo Valentina61, hallo schwarzerkater, danke dass Sie uns an uns so intensiv an Ihren Erkenntnissen, den Aha-Erlebnissen in einer so schwierigen Rolle als Tochter dement-werdender, persönlichkeitsgestörter Eltern teilhaben lassen!


    Denn die Seiten lesen sich wie eine Blaupause für einen erfolgversprechenden Umgang mit Eltern, bei denen ein Elternteil neben den bestehenden Persönlichkeitsstörungen zusätzlich eine Frontotemporale Demenz entwickelt hat: So viel Zerstörung, so viel Schmerz und keine Einsicht. Und so viel Unterstützung und Trost durch unser Forum! - Im Namen aller Mitlesenden Danke!


    Bei Lesen dachte ich häufiger, wie wichtig die Unterscheidung von Inhalt und Beziehung ist. Valentina61, Sie haben diese beiden Grundanteile einer kranken Kommunikation/Machtausübung infolge der Persönlichkeitsstörungen so klar gegenübergestellt und viele Hintergrundinformationen gegeben.

    Sie haben die Beziehungen neu definiert und sich und anderen Menschen geholfen, die unter Ihren Eltern gelitten haben. Sie haben in den letzten Jahren dafür eine gewaltige emotionale Arbeit geleistet!


    Im Wechselspiel mit den so wertvollen Erfahrungen von Ihnen, schwarzerkater, werden diese Seiten hoffenlich zu einem Vorbild mit vielen "goldenen Worten" - danke noch mal an Sie, Buchenberg, für diese Idee.


    Auf der anderen Seite steht glasklar die Inhaltsebene, in der Ihre Eltern die Verantwortung für Ihr Handeln übernehmen müssen und es ist sicher hilfreich dies (sachlich) über Rechtanwälte und Gerichte zu begleiten. Es gibt leider immer wieder "Schwarze Schafe", die die hilflose Lage älterer Menschen ausnutzen und oft unerkannt Straftaten begehen. Ich erinnere mich an ein demenzkrankes Ehepaar, bei denen nicht mehr nachvollzogen werden konnte, wo das riesige Vermögen geblieben ist. Leider hat das Sozialamt nicht erfolgreich nachgeforscht und alle Kosten übernommen. Die Beiden haben sich übrigens sehr schnell in die neue Rolle eingefunden und wirkten nicht unglücklich.


    Auf die "Inhaltsebene" gehört auch die Demenz Ihres Vaters: Die frontotemporale Demenz "macht" sozusagen eine Persönlichkeitsstörung, weil zunächst (nur) die Bereiche im Gehirn betroffen sind, die den Charakter, die Einsicht, Moral, Scham und das Person-sein steuern.


    Oft wird sie viel zu spät erkannt und nur rückwirkend stellt sich die Frage, ab wann die Geschäftsfähigkeit durch die Krankheit beeinflusst wurde. Deshalb "braucht" Ihr Vater vermutlich schon länger eine gesetzliche Betreuung. Für den psychiatrischen Gutachter des Betreuungsgerichtes wird es sicher sehr schwer sein, den vorabbestehenden "flying monkey" (wie sie Ihn definiert haben) von der Auswirkung der schweren neurodegenerativen Erkrankung abzugrenzen.


    Seine derzeitige "Sprachlosigkeit" kann übrigens die Diagnose bestätigen. Das Sprachzentrum ist oft durch die fronttemporale Demenz betroffen - eine Untergruppe heißt "semantische Demenz", bei der die Sprachstörungen im Vordergrund stehen.


    Ihnen weiterhin viel Kraft und Klarheit, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Sigmund Duerf, da sich aus dem Forum zwei Wochen noch niemand zu den Erfahrungen geäußert hat, möchte Ihre Fragen noch mal aufgreifen:

    Wie lange lebten Angehörigen noch in diesem Stadium?

    Genannt werden 7-8 Jahre nach Diagnosestellung aber selbst bei den relativ gut beschriebenen Alzheimer Erkrankungen ist eine Prognose kaum möglich, da die Demenz (eigentlich) keine tödliche Krankheit ist. Nur selten habe ich miterlebt, wie Demenzkranke anscheinend an einer Atemlähmung infolge des Gehirnabbaus gestorben sind. Eine Folge der Schluckstörungen in der letzten Phase auch bei der Lewy Body Demenz können Lungenentzündungen sein.

    Kennen Sie diese Seite:

    Lewy-Körperchen-Demenz
    Was sind die Symptome und wie wird sie behandelt? Alle Infos lesen!
    www.alzheimer-forschung.de

    Zitat: "Lebenserwartung rund sieben bis acht Jahre

    Die Lebenserwartung bei der Lewy-Körperchen-Demenz liegt im Durchschnitt bei sieben bis acht Jahren nach Diagnosestellung.

    Im fortschreitenden Verlauf der Erkrankung verlieren die Betroffenen zunehmend ihre Alltagskompetenz. Die Sprachfähigkeit nimmt ab, Schluckstörungen treten auf. Stürze und kurzzeitige Bewusstlosigkeit häufen sich, die Betroffenen werden immobil und schließlich bettlägerig. Aufgrund ihres geschwächten Zustandes sterben sie häufig an Infektionen, zum Beispiel an einer Lungenentzündung."



    Welche weiteren Probleme traten im Zuge dieser Erkrankung auf?

    Bei den Menschen, die ich vor Augen habe, traten mit der Zunahme der Erkrankung pflegerische Probleme in den Vordergrund und der oft starke Leidensdruck infolge des Wahnerlebens trat in den Hintergrund, vermutlich weil viel Zuwendung in der Versorgung Sicherheit und Geborgenheit vermitteln konnten.


    Kurze Informationen zum Verlauf finden Sie auf der Internetseite:https://www.demenz-pflege-baye…/lewy-koerperchen-demenz/


    Ich würde mich freuen, wenn Mitlesende im Forum Ihre Erfahrungen zu diesem wichtigen Thema beitragen.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo Hinz, nun möchte ich doch noch kurz etwas zu Ihrem Beitrag schreiben:


    Danke für den Link der Verbraucherzentrale. Der gesetzliche Rahmen, die vertraglichen Grundlagen und die Hinweise zu arbeitsrechtlichen Fragen sind dort übersichtlich zusammengestellt, sodass Interessenten die Informationen und Verträge der Vermittlungsdienste prüfen können.


    Ihr Verweis auf die juristische Seite zeigt, dass mit dem beschriebenen Grundsatzurteil auch die Bereitschaftszeiten bezahlt werden müssen, wenn die Arbeitgeber*in (der oder die Pflegebedürftige) eine Klage mit sehr hohen Nachzahlungen vermeiden will.


    Also danke für die wertvollen Hinweise an alle, die sich verantwortlich mit den sogenannten 24-Stunden-Angeboten beschäftigen.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo groundhog day, schön zu lesen, wie die Beziehung zu Ihrer Mutter durch Ihre zunehmende Gelassenheit in eine neue Phase der vorsichtigen Nähe tritt!


    Nach zwei Wochen interessiert es mich: Hilft Ihr 6-Minuten-Tage Buch (super Name) zum Abschalten, welche Erfahrungen haben Sie jetzt damit?

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo Nicole2024, die Schlafstörungen sind leider bei Menschen mit Demenz häufiger und "pendeln" sich oft langsam wieder ein, wenn ein längeres Einschlafen am Tage verhindert wird. Die Tagespflege Ihrer Mutter hilft da durch die Tagesstruktur. Bewährt hat sich auch eine Lichttherapie in der Mittagszeit - idealerweise im Freien, aber auch Tageslichtlampen erfüllen die Funktion, den eigenen Melatonin-Rhythmus zu normalisieren.


    Entscheidend ist die Frage, ob und wie stark der Leidensdruck ist. Neuroleptika wie Melperon oder Pipamperon wirken dann, wenn z.B. wahnhaftes Erleben und Ängste Ursachen sind. Sie haben allerdings das Risiko z.B. dass nach dem Absetzen die krampfhaften Bewegungsstörungen entstehen, die Sie uns, Herr Hinz, geschrieben haben, danke für Ihre Erläuterungen!


    In einigen Beiträgen wurde das "Abschießen" beschrieben. Wenn die Gabe von Neuroleptika zu derart massiven Einschränkungen führt, sollte dies m.E. diagnostisch geprüft werden - bei einer Form der Demenz (Lewy Body Demenz) ist dies ein Merkmal und wird "neuroleptische Sensibilität" genannt.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo Ziska, eigentlich hatte ich letzte Woche schon geantwortet, aber irgendwie ist mein Beitrag untergegangen.


    Danke für Ihren Bericht, ich bin wirklich beeindruckt, dass Sie und Ihr Mann immer noch Ihr Leben mit Ihrem Arbeitskollegen teilen. Ihr Beitrag gehört für mich zu den Highlights hier im Forum!


    Nie werde ich vergessen, wie Sie Ihren Arbeitskollegen und Freund gegen viele Widerstände aus der Gerontopsychiatrie und dem Heim geholt haben und mit ihm trotz seiner fronttemporalen Demenz in den Wohnmobilurlaub gestartet sind - wie lange sind Sie jetzt schon unterwegs?


    Haben Sie mal mit Ihrem Bekannten besprochen, dass er ein Handy oder ein AirTag mit sich führt? Es gibt Apps bei denen Sie ohne Probleme erkennen können, wo er sich befindet, wenn er sich verirrt hat.

    Alles Gute weiterhin, Ihr Martin Hamborg